Die Piratenbraut

GeschichteRomanze, Fantasy / P12
08.03.2012
27.03.2012
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08.03.2012 734
 
Das Kratzen eines Federkiels auf Papier. Sonst Stille. Auf dem Schreibtisch brennt eine Kerze. Sie ist die einzigste Beleuchtung in einem sonst dunklen Raum. Ein Mann sitzt an dem Schreibtisch. Hält den Federkiel in der Hand und schreibt. Immer wieder setzt er ab. Doch nach kurzem Überlegen setzt er sein Werk fort. Er streift mit seiner Hand durch sein schwarzes, leicht gräuliches Haar. Er lächelt und Falten umspielen seine Mundwinkel. Er betrachtet seine linke Hand. Ein silberner Ring schmückt seinen Zeigefinger. Wieder muss er lächeln. Erinnerungen durchfluten seine Gedanken. Er steht auf und geht zu einem Regal. Seine Hand greift nach einem Foto. Eine wunderschöne ältere Frau und ein junger Mann sind darauf zu sehen. Sie sehen wie ein glückliches Paar aus. Der Mann auf dem Foto sieht aus wie eine jüngere Version von ihm selbst. Tränen sammeln sich in seinen Augen und er betrachtet das Bild noch eine Weile. Mit rauher Stimme flüsterte er: “Du fehlst mir.” Er setzt sich wieder an den Tisch und schreibt weiter.

“Master Reaver?!” Ich wurde aus meinen Gedanken zurück in die Realität geworfen.
“Ist alles zu ihrer Zufriedenheit?” Ein paar Schuhe standen vor mir auf dem Tresen. Ich betrachtete sie. Sie waren perfekt gearbeitet und zeigten das Können, des Schuhmachers. Ich nickte kurz und verließ dann den Raum um auf die Straße zu gehen. An der Hauswand gegenüber stand eine Frau und winkte mir zu. Knapp bekleidet, zu viel Farbe im Gesicht. Sie sah verbraucht aus und in ihren Augen konnte ich nichts sehen. Sie waren leer. Ich war angewidert von diesem Anblick und wandte mich ab.
Bloodstone. Es war ein typisches Bild für diese Stadt. Überall Schmutz und Gesindell. Die Frauen waren Prostituierte und die Männer waren schäbige Piraten. Zu lange musste ich schon diesen Abschaum ertragen. Seit meiner Kindheit lebte ich schon hier und ich war es leid. Nicht einmal ein kleiner Funke Schönheit war zu sehen. Bis auf meine Eigene natürlich. So verbrachte ich Tage damit, vor meinem Spiegel zu stehen und mich selbst zu betrachten. Ich liebte meinen Anblick, es machte diese hässliche Welt ein bisschen erträglicher.
Ich mied es mein Anwesen zu verlassen, doch an manchen Tagen trieb es mich trotz allem nach draußen. Immerhin musste ich wenigstens so tun als würde mir das Elend meiner Stadt nicht komplett egal sein. So streifte ich manchmal durch die Straßen und musste mir das Würgen verkneifen. Die Stadt stank wahrlich bis zum Himmel. Aber es war nicht wichtig.
“Master Reaver! Master Reaver!” Ein kleiner Junge rannte aufgeregt auf mich zu.
“Was willst du Bodi?” zischte ich. Er war auch nur eine Ausgeburt dieses Tümpels.
“Die Reaver ist beladen. Sie können sie jetzt betreten und die Segel setzen.”
Das war mir genug. Genau darauf hatte ich gewartet. Mehr brauchte ich nicht wissen. Ich machte mich auf den Weg.

An meinem Schiff angekommen, war ich wieder begeistert von diesem Prachtstück. Nachdem sie wiederaufgebaut wurde, wirkte sie nur noch imposanter als vorher. Sie war das Einzige was ich noch liebte. Sie war hübsch hergerichtet, mit Gold geschmückt und an einigen Stellen mit Diamanten besetzt. Auf dem Segel konnte man mein wunderschönes Gesicht erkennen. Und das sollte man auch. Mein Gesicht sollte jedem entgegenstrahlen.
Ich betrat die Reaver mit langsamen Schritten, ich wollte diesen Moment genießen. Sie nach Monaten wieder vollständig zu sehen gab mir ein Gefühl der Zufriedenheit. Ich strich über ihr Holz. Es fühlte sich gut an und ich merkte dass die Reaver sogar noch besser war als vorher.
Ich erinnerte mich daran, wie sie zerstört wurde, wie ich unfreiwillig in einen Kampf zwischen Gut und weniger Gut geraten war und wie diese Idioten mein Schiff gesprengt hatte nur damit wir nicht fliehen konnten. Als ob es so ein Problem für mich war, sie trotzdem den Erdboden gleich zu machen. Immerhin konnte ich eine Ameise aus einer unglaublichen Entfernung erschießen, so waren ein paar dunkle Wachen für mich kein Problem.
Damals kurz nachdem der Held Albion gerettet hatte, ließ ich sie wieder aufbauen. Es dauerte eine Weile aber nun konnte sie wieder in voller Pracht erstrahlen.
Ich betrachtete das Steuer. Von hier aus konnte ich meine Villa sehen, den Garten, und Bloodstone davor. Ich wusste, dass ich es nicht vermissen würde. Nur ein letzter Blick. Alles Grau in Grau. Ein Griff an meine Pistole. Meine Mannschaft wartete gespannt auf meine Worte.
Ich rief: “Setzt die Segel!” Ich war mir sicher, Bloodstone werde ich nie vermissen.
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