Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

The darkest thrill

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Hinata Hyuga Ino Yamanaka Naruto Uzumaki Sasuke Uchiha Shikamaru Nara
08.03.2012
24.02.2021
19
69.874
17
Alle Kapitel
40 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
08.03.2012 3.029
 
"Sasuke?"

Die Scheinwerferlichter von vorbeifahrenden Autos malen Schattenspiele an die Wand und in den zirkulierenden Zigarettenqualm vor dem Fenster. Irgendwann werden sie sich einräuchern, denkt Naruto, ihr eigenes Grab schaufeln, eines Nachts im Schlaf ersticken, weil keiner von beiden bei den winterlichen Temperaturen das Fenster öffnen wollte. Wenn sie vorher nicht auf eine andere, mehr oder weniger spektakuläre Weise ums Leben kommen. Das sagen zumindest die Online-Tests, aber bisher hat der Tod noch auf keine ihrer Einladungen reagiert und langsam fängt Naruto an zu zweifeln, dass er sich jemals blicken lassen wird. Sasukes kleine Aktion vor ein paar Stunden wäre eine tolle Gelegenheit gewesen, als er sich betrunken und sturköpfig in die Themse geworfen hat, um eine Wette zu gewinnen, obwohl er kaum schwimmen kann und es furchtbar kalt war und Narutos Herz für einen Moment fast aufgehört hätte zu schlagen. Aber dann hat ihn die Hafenwacht aus dem Wasser gefischt, die darüber nicht sehr amüsiert war, und jetzt liegen sie hier, in ihrer warmen, trockenen Wohnung, als wäre nie etwas passiert. Es ist still und dunkel und Sasuke riecht nach Tabak und Whiskey, nach Teen Spirit und nach Freiheit.

"Bist du wach?", flüstert Naruto dem Gewirr aus schwarzen Haaren zu, das es sich auf seinem Oberkörper bequem gemacht hat. Eine Sekunde vergeht in Stille, dann noch eine. Ungeduldig schnickt er gegen Sasukes Kopf. Irgendwo draußen heult ein Autoalarm auf.

Er spürt mehr als er hört, wie Sasuke etwas gegen seine Bauchdecke nuschelt. Wo eigentlich Wörter sein sollten, sind nur träge Lippenbewegungen und kleine Atemzüge, die auf seiner nackten Haut kitzeln. Aber wahrscheinlich war es sowieso nie Sasukes Absicht, verständlich zu klingen. Das ist auch nicht schlimm. Wenn er etwas Wichtiges zu sagen hätte, würde er sich schon deutlich machen, jedenfalls vertraut Naruto darauf.

"Mir ist gerade eine gute Songzeile eingefallen", erklärt er und hofft, dass Sasuke genauso wie er findet, dass das ein sinnvoller Grund ist, um ihn zu wecken. Auch, wenn er sehr desinteressiert aussieht und nicht einmal die Augen aufgeschlagen hat.

"Kannst du sie dir nicht bis morgen merken?"

"Nein."

"Dann schreib sie halt irgendwo auf."

Papier ist nicht in Reichweite, aber ein schwarzer Edding liegt nur eine Armlänge von Naruto entfernt, halb unter einem Stapel von CDs verschüttet. Das Kartenhaus aus Britpop und Punk fällt in sich zusammen, als er den Stift wie ein Mikadostäbchen herauszieht und den Deckel abschraubt.

Sasuke war wohl der Meinung, mit seinen zwei Sätzen genug zur Thematik beigetragen zu haben, und ist inzwischen wieder eingeschlafen oder tut zumindest so, das lässt sich nicht genau sagen. Eigentlich spielt es auch gar keine Rolle, denn die Decke ist ein Stück heruntergerutscht, gibt Sasukes Schulterblätter frei und Naruto kann sich gerade keinen geeigneteren Platz für seine Lyrics vorstellen.

Die Wörter sind geschrieben, bevor Sasuke reagieren kann—eddingschwarz auf zu blasser Haut, und das schwache Mondlicht setzt ergänzende Akzente. Aber Narutos Kunstwerk hält nicht lange, denn Sasuke schreckt hoch, bewegt sich damit mehr als er es die letzten paar Stunden getan hat, und sieht überhaupt nicht glücklich aus.

"Was soll der Scheiß, Naruto?! Steh auf und hol dir Papier, schreib es von mir aus auf den Boden oder so, aber nicht auf mich!"

Die Worte hallen ein bisschen zu laut für drei Uhr nachts, sind aber eher unpassend als einschüchternd, und Naruto hält grinsend eine Finger an seinen Mund, obwohl es ihm eigentlich egal ist, ob die Nachbarn aufgeweckt werden oder nicht.

"Was ist falsch mit dir?", fügt Sasuke nachträglich hinzu, diesmal ein paar Dezibel leiser und mehr in sich hinein gemurmelt als eine ernsthaft an jemanden gerichtete Frage. Und dann das obligatorische "Fick dich".

Naruto beobachtet ein paar Sekunden, wie Sasuke sich verbiegt, um das Ausmaß des Schadens auf seinem Rücken inspizieren zu können, dann fängt er an, ihn auszulachen. Er lacht trotz (vielleicht auch ein bisschen wegen) des schmerzversprechenden Blickes, der ihm warnend zugeworfen wird, und er lacht noch immer, als Sasuke den Stift in seiner Hand entdeckt ("Das ist ja verfickter Edding!") und anfängt, halbernst auf ihn einzuprügeln. Es tut zum Glück kaum weh, denn er kann sich gerade nicht richtig wehren, aber die Schläge werden fester und zwingen ihn dazu, zwischen dem Lachen atemlose "Hey, hey, hör auf Sasuke"s hervorzukeuchen.

"Irgendwann geht auch Edding ab. Ich kenn mich damit aus!"

"Ahja?"

Naruto antwortet ihm mit einem versichernden Nicken, das in etwa die Glaubwürdigkeit einer Jamba-Sparabo-Werbung enthält. Dann fängt er an zu grinsen.

"Das einzige, was dich stören sollte, ist, dass du es nicht lesen kannst. Ich hab mich nämlich mal wieder selbst übertroffen!"

"Hah. Natürlich."

Sasuke ist gar nicht mehr wütend, wenn er es denn je war. Mit einem Schulterzucken beschließt er, das Problem einfach auf morgen zu verschieben, und drapiert sich wieder halb über die Matratze, halb über Naruto.

Der Autoalarm hat sich inzwischen beruhigt und ohne jede Geräuschkulisse ist es sehr sehr still in der Wohnung, aber das macht Sasukes genuschelte Belanglosigkeit auch nicht verständlicher. Wahrscheinlich war es sowieso nur ein 'Gute Nacht'.

---

Es hätte ein schöner Tag werden können, denkt Naruto und steckt sich eine Zigarette an. Das Wetter ist freundlich, warm, aber davon hat er bis jetzt noch nicht viel mitbekommen, weil er geschlafen hat, tief und fest und erholsam. Und dann kam der Anruf von Kakashi, der fünfte, der ihn wohl in einer ungünstigen Schlafphase erwischt haben muss, denn von den anderen vier ist er nicht wach geworden. Kakashi klang wenig erfreut, eher genervt von der Situation, der ganzen Welt, seinem Job vielleicht. Im Hintergrund konnte man für ein paar Sekunden Sasuke nuscheln hören und das war es dann auch, eigentlich. Naruto hat bis dato nicht gewusst, dass er so früh am Morgen zu so heftigen Gefühlen fähig ist.

Zwei Stunden und einige Muntermacher später steht er dann also hier, die Sonne blinzelt ihn verstört an, während er blaugraue Rauchwolken in die Sommerluft pustet. Eigentlich wollte er nicht kommen, will er an sich immer noch nicht, aber irgendwann soll das Album ja auch fertig werden und seine Parts singen sich nicht von alleine. Je schneller die ganze Sache vorbei ist, desto besser. Aber das lässt sich so einfach sagen, hat sich in seinem Kopf eben noch ganz wunderbar angehört, nur erklärt es nicht, wieso er immer noch hier draußen steht, vor den Türen des Tonstudios, wie ein herumlungernder Teenager, der nicht hierher gehört. So fühlt er sich auch, ein bisschen.

Die Zigarette ist inzwischen abgebrannt und zu einem kleinen Stummel in seiner Hand reduziert worden, den er achtlos auf den Boden wirft und mit seinem Schuh zerdrückt. Auf der anderen Straßenseite stehen zwei junge Mädchen, die ihn neugierig anstarren, und Naruto fragt sich, ob sie ihn erkannt haben und vielleicht mit nach Hause in seine Wohnung kommen möchten, denn jeder Grund, sich einfach umzudrehen und zu gehen, ist gerade willkommen. Aber bevor er sich überlegen kann, wie er sie ansprechen soll, sind die beiden schon wieder weitergelaufen.

Unruhig klopft er mit den Fingern einen undefinierbaren Rhythmus auf seine Oberschenkel, läuft ein paar Mal vor dem Eingang des Tonstudios hin und her. Nachdem er zum zweiten Mal über eine leere Coladose gestolpert ist, wirft er die Hände in die Luft, reißt die Türen auf und tritt ein, bevor er es sich anders überlegen kann.

Es ist nicht schwer, den richtigen Weg in dem Gebäude zu finden, denn es ist leer und dunkel bis auf einen Raum aus dem leise Stimmen dringen. Das Zimmer ist mit unästhetischem Energiesparlampenlicht beleuchtet, das wie zur Begrüßung einmal kurz flackert, als Naruto die Tür öffnet. Automatisch fällt sein erster Blick auf Sasuke, der auf dem Sofa sitzt und in der rechten Hand eine glimmende Zigarette hält, in der linken ein halbleeres Glas Scotch, das trüb und billig und ein bisschen nach schäbigem Pub aussieht. Er pendelt irgendwo zwischen Trance und Sekundenschlaf, was auch erklärt, wieso sich seine Körperhaltung erst versteift, als Naruto schon mitten im Raum steht. Ansonsten kommt keine Reaktion von ihm und Naruto beschließt, ihn einfach genauso zu ignorieren.

Er grüßt Kakashi und Yamato und auch die zwei Security-Leute, die extra angestellt wurden, nachdem ein Streit zwischen ihm und Sasuke vor ein paar Wochen eskaliert ist. Es war keine schöne Angelegenheit—hat sehr harmlos angefangen mit ein paar Beleidigungen und verletzenden Worten, dann hat einer von beiden zugeschlagen und auf einmal war da ein Messer in Narutos Gesicht. Letztendlich ist nichts passiert, aber es hätte etwas passieren können, und als Konsequenz ruhen seither zwei Paar Augen auf jedem Schritt, den er macht—wachsame von einem der Sicherheitsmänner und hasserfüllte von Sasuke.

Aber Aufnahmen machen funktioniert auch, ohne dass man direkt miteinander sprechen muss. Yamato hat die Situation ganz gut im Blick und übernimmt die Leitung, denn er hat inzwischen genug gesehen, um zu wissen, dass es im Moment am Sichersten ist, wenn Sasuke und Naruto so wenig miteinander interagieren müssen wie möglich. Deshalb beschränkt er sich erst einmal auf die Instrumentalspuren, denn das ist einfacher und ungefährlicher als zu singen, wie sehr man dem anderen ins Gesicht schlagen möchte. Also scheucht er alle zu den Instrumenten, auch Shikamaru, der vor wenigen Sekunden noch schlafend in der dunkelsten Ecke des Raumes gelegen hat, und Choji, der eigentlich gerade dabei war, einen Schokoriegel zu essen. Aber keiner von beiden protestiert, weil auch sie wissen, wie einmalig diese Chance vielleicht ist und wie leicht sie zerbrechen kann. Kakashi nimmt seinen Platz neben Yamato ein, der noch ein paar Anweisungen gibt und das Lied bestimmt, das jetzt eingespielt werden soll. Sonst hat er immer die Band entscheiden lassen, aber Sasuke würde gerade jeden Vorschlag von Naruto aus Prinzip und kindischer Sturheit strikt ablehnen und umgekehrt genauso, woraus schneller ein Gemetzel entstehen würde, als irgendjemand reagieren könnte. Und Yamatos Plan geht auf, es sieht zwar niemand glücklich dabei aus, aber sie spielen, und zwar in einer Weise, die noch annehmbar ist, auch wenn es sicher nicht zu ihren besten Leistungen gehört. Sasukes Riffs fehlt die Energie und Naruto vergreift sich oft, aber es ist nichts, worüber man nicht hinwegsehen könnte.

Der erste Song ist nach fünf Durchgängen im Kasten und Naruto atmet erleichtert aus. Seine Haare kleben an der Stirn, seine Fingerkuppen tun weh und Sasuke sieht genauso fertig aus, wie er sich fühlt, was ihm ein verstohlener Blick zur Seite verrät. Als Erfrischung dient ihm der Rest Scotch in seinem Glas und Naruto ist überzeugt, den Grund gefunden zu haben, wieso Sasuke heute so schlecht spielt, während er selbst eine herumstehende Flasche Bier öffnet und einen großen Schluck daraus nimmt, bevor die Aufnahmen wieder weiter gehen.

Eineinhalb Stunden später stößt Naruto einen frustrierten Schrei aus. Er ist müde, unausgeglichen und abgesehen von dem einen Song haben sie nichts aufgenommen, was auch nur annähernd gut genug für ein Album ist. Es ist nicht einfach, mit zitternden Händen zu spielen, und es wird nicht besser, je länger es dauert.

Sowohl Kakashi als auch Yamato sehen erschöpft aus hinter der Glaswand und Naruto beobachtet, wie sie etwas miteinander bereden, bevor einer auf den Lautsprecherknopf drückt und vorschlägt, eine Pause zu machen. Niemand hat etwas dagegen und der Raum leert sich, bis nur noch Naruto übrig bleibt—und Sasuke, der anscheinend ein großes Problem mit irgendetwas hat, so aggressiv, wie er ihn anstarrt. Naruto zählt leise die Sekunden, die vergehen, bis Sasuke das Schweigen bricht. 7, 8, 9…

"Wenn du so weiter machst, spielt Kakashi deine Gitarrenparts."

Da ist er, der Grund, wieso Naruto zu Hause bleiben wollte. Eigentlich sagt Sasuke es sehr leise und undeutlich, aber da schwingt etwas in seiner Stimme mit, das gerade zu viel ist.

Wütend wirbelt Naruto herum.

"Was ist dein Problem?!"

"Du bist das Problem. Du warst noch nie gut, aber heute hast du bis jetzt jeden Take versaut. Ich hab keine Lust mehr."

"Dann geh' doch heim."

"Nein. Ich will das endlich mal fertig kriegen. Wer weiß, wann du das nächste Mal auftauchst? In ein paar Monaten?"

Das ist übertrieben, findet Naruto, es ist bloß zwei Wochen her, seit er sich das letzte Mal ins Aufahmestudio getraut hat, und eigentlich ist es ja auch Sasukes Schuld, dass er lieber einen großen Bogen darum macht.

"So muss ich dich immerhin nicht jeden Tag sehen. Das tut gut, echt jetzt."

"Dann krieg deine verfickten Akkorde auf die Reihe und wir brauchen uns nie wieder zu sehen."

"Fick dich! Du machst genauso viele Fehler, also tu nicht so, als wär das alles meine Schuld!"

Sasukes Blick verfinstert sich und nimmt arrogante Züge an, mit denen er auf Naruto herabschaut, was nicht ganz klappt, weil er ein Stück kleiner ist, aber es hat trotzdem genug Wirkung.

"Ich spiel ja auch die Leadparts. Und du kriegst nicht mal ein mickriges G richtig gegriffen. Woran liegt das wohl, hm? Also halt die Klappe."

"Halt du doch die Klappe!"

"Was Besseres fällt dir nicht ein, huh?!"

"Fick dich! Das ist doch alles Scheiße!"

Frustriert und wütend tritt Naruto gegen den Mikrofonständer vor ihm, der scheppernd zu Boden kracht und dabei mehr Lärm macht, als irgendjemand erwartet hätte. Ein paar Sekunden ist es still und angespannt, in denen beide nur auf den Funken warten, der alles explodieren lässt. Aber er kommt nicht. Stattdessen sind besorgte Schritte auf dem Gang zu hören und es dauert nicht lange, bis einer der bulligen Securitymänner im Türrahmen erscheint, der sie eigentlich von vorneherein nie hätte aus den Augen lassen sollen.

"Was ist los?", fragt er in den Raum hinein, den Blick auf den umgefallenen Mikrofonständer geheftet.

Sasuke schnaubt nur, zuckt mit den Schultern und für einen kurzen Moment sieht es so aus, als würde er es gut sein lassen, sich wegdrehen und gehen, aber er überlegt es sich anders, hält in der Bewegung inne, bevor er sich umdreht und mit abschätzigem Kopfnicken auf Naruto verweist.

"Nichts, er kommt nur mit dem Stoff nicht klar."

"Was war das?!"

Naruto hat alles sehr genau verstanden und will diesen Satz auch eigentlich gar kein zweites Mal aus seinem Mund hören. Aber das ist wohl irgendwie menschlich, nochmal nachzufragen, als rhetorisches Mittel, wenn einen etwas sehr wütend gemacht hat, und die Antwort am Ende doch nicht abzuwarten.

Denn der dunkelhaarige junge Mann mit der zerkratzten Gitarre, die so sorglos von seiner Schulter hängt, kommt nie dazu, seinen verbalen Seitenhieb zu wiederholen. Er schafft es nicht einmal, das boshafte Lächeln voll zu etablieren, das sich auf seinem Gesicht gebildet hat, nachdem er gemerkt hat, dass seine Worte getroffen haben. Es friert plötzlich ein, dann verschwindet es ganz von seinem Gesicht und weicht einem Schrei, als sein Kopf hart auf dem Linoleumfußboden aufschlägt. Die nächsten Sekunden sind weiß und rot und schwarz, und eigentlich nur Schmerz, der in ein Farbschema übersetzt wird. Jemand sitzt auf ihm, schlägt auf ihn ein, mit der vollen Absicht zu verletzen, die fast schon an roher Mordlust kratzt. Aber dann ist es vorbei. Die brennenden Punkte vor seinen Augen lösen sich auf, ein paar blinzelt er weg, und die Sicht wird freigegeben auf seinen ehemaligen-immerwährenden-vielleicht-noch Besten Freund, der gegen den unbeugsamen Griff des Bodyguards anzukämpfen versucht und ihm Flüche aus seinem tiefsten Herzen entgegen schreit.

Schwer atmend stützt er sich mit einem Ellenbogen auf, fährt sich durch die dunklen Haare, wischt ein bisschen Blut aus seinem Gesicht. Die Gitarre liegt halb auf ihm, aber ihr ist nichts passiert, und alles andere ist nur halb so schlimm. Darum ist es auch nicht schwer, wieder ein Grinsen zustande zu bringen, auch wenn ihm der Grund dafür inzwischen abhanden gekommen ist, und herausfordernd in die feindlichen blauen Augen seines Gegenübers zu starren.

"Komm doch."

Er lacht leise, aber es ist ernst und tonlos. Blaue Augen blitzen. Seine Stimme überschlägt sich.

"Hier bin ich, also komm doch her!!"

Aber der einzige, der kommt, ist Kakashi, gefolgt von Yamato, der ihm den Blickkontakt mit Naruto durchtrennt, weil er sich vor ihn stellt, um mit ernster Stimme auf ihn einzureden. Irgendwo am Rande registriert Sasuke, wie sich Kakashi neben ihn kniet und mit ihm spricht, aber er starrt noch immer Brandlöcher in die Stelle von Yamatos Kopf, hinter der er Narutos Augen vermutet. Erst als Hände die Gitarre von ihm heben und vorsichtig seinen Hinterkopf abtasten, gibt er auf und schaut hoch in Kakashis besorgtes Gesicht.

"Wir machen Schluss für heute, ja, und du lässt dich untersuchen. Niemand kann einen Gitarristen mit Gehirnerschütterung brauchen."

Sasuke ist sich ziemlich sicher, dass mit seinem Kopf alles in Ordnung ist, aber er lässt sich trotzdem von Kakashi auf die Beine helfen und raus aus dem Raum bringen, damit er sich die Konfrontation mit Naruto sparen kann. Yamato redet noch immer auf ihn ein, inzwischen hat er sich aber aus dem Griff des Bodyguards befreit und läuft haareraufend den Raum auf und ab, während er immer wieder versichert, dass es nicht seine Schuld war, dass Sasuke praktisch darum gebettelt hat. Vielleicht hat er das auch, ein bisschen.

Es war irgendwann einmal anders. Wenn er jetzt an Naruto denkt, sieht er Missgunst und Nicht-im-selben-Raum-sein-können, eine unüberbrückbare Kluft und manchmal sogar aufrichtige Mordlust. Auch die Vergangenheit war mit mehr Konflikten gespickt, als Sasuke zählen kann, aber präsent sind eigentlich nur noch die guten Momente. Das hat sich inzwischen verloren und jeder von beiden kann ganz genau erklären, wieso der jeweils andere Schuld ist.

Eigentlich ist es nicht viel mehr als ein Scherbenhaufen, was von ihnen übrig bleibt, und das ist viel schlimmer als Nichts, weil man sich so leicht daran schneiden kann.



-----------
Oi. Erste FF seit langem, die ich mich traue, hochzuladen, aber ich bin gerade hochmotiviert. :D
Das war also das erste Kapitel einer voraussichtlich langen Multichap-Fic. Gut? Eher nicht so? Ich freue mich über jede Meinung! :DD
Btw, für die, die es nicht bemerkt haben: Zwischen den beiden Teilen liegt ein Zeitsprung. Der Rest der FF beschäftigt sich mit dem Davor, Danach und Dazwischen.
Hoffe, es hat gefallen. :)
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast