Scandalous: The Beginning

von Ava
KurzgeschichteDrama / P12
06.03.2012
06.03.2012
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Hey! (:
3'000 Worte Scandalous – bevor es scandalous wurde. Ich MUSSTE einfach mal wieder etwas zu Scandalous schreiben, dass ich dann auch direkt hochladen kann. Vielleicht kommt noch mehr in dieser Art, oder eine Drabble Sammlung, oder Oneshots zu Volume 1... Nicht nur von mir, andere werkeln auch an Scandalous herum/haben es noch vor
Erwartet bitte nicht zu viel von diesem »Prequel«, denn es hätte sich sicher sehr viel besser aufbauen lassen, hätte sich jemand daran gesetzt, der kreativer ist, etc. Die Aussage des Oneshots ist eigentlich: Gossip Girl ist der Boss.
Ungesundes Zuckerfutter für alle Leser
Kate

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S C A N D A L O U S – T H E   B E G I N N I N G

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gossipgirl.net

«   l e t ’ s   g e t   s c a n d a l o u s   »


Diese Geschichte beginnt auf ewig oft für fiktive Geschichten benutzte und somit ausgelutschte Art und Weise.

An einem Sonntagnachmittag in den Neunzigern streift ein junges Mädchen durch das stattliche Herrenhaus seiner Grosseltern. Manche der Flure sind sonnendurchflutet, dann wieder gibt es im tiefsten Inneren fensterlose Zimmer, die auch mit hundert entfachten Kerzen und zwölf Lumi nicht hell genug wären, um die Details auf den teuren Gemälden zu erkennen. Das Mädchen bevorzugt Letzteres – denn Schatten sind Verstecke und Verstecktes die Leidenschaft dieses Mädchens. Auf Streifzügen wie diesem hat das Mädchen schon einiges entdeckt, das nicht für seine Augen, Ohren und Hände bestimmt gewesen ist, und nichts von diesem Versteckten hat es in den Schatten gelassen. Fotos in seinem Tagebuch, verbotene Zaubertränke unter dem Bett, Geheimnisse im Kopf...

Dieses Mädchen weiss alles über die eigene Familie – von diesem Sonntagnachmitag an ist es die unabstreitbare Wahrheit.

In einem der fensterlosen Räume, in der obersten Etage, lehnt es sich erschöpft von der Entdeckungsreise an einen Wandbehang. Der Teppich bewegt sich unter seinem Rücken, die Wand hält sein Gewicht nicht. Dem Mädchen ist sofort klar, was das bedeutet – Hohlraum. Eilig reisst es den Teppich von der Wand und greift mit beiden Händen mutig in das schwarz klaffende Loch, das sich vor ihm auftut. Es bekommt glattes Holz zu fassen, ein Gegenstand nicht grösser als der dicke Band mit den detailierten Stammbäumen der Familie. Dieses Versteckte und nun Gefundene an die schmale Brust drückend, eilt das Mädchen in sein Zimmer, verriegelt die Tür und setzt sich auf den Boden. Sein Schatz ist eine Kiste und in dieser liegen drei Bücher.

Es sind die Tagebücher aus der skandalösen Jugend seiner Mutter...


Auf den Geschmack gekommen? Das besagte Mädchen war natürlich ich, und natürlich bin ich mir darüber bewusst, dass meine Geschichte so weit weder besonders interessant noch spannend, und erst recht nicht neu ist. Trotzdem – für euch ist es allerhöchste Zeit, neugierig zu werden. Unsere Eltern haben Skandale verursacht, Skandale erlebt und sind Skandale gewesen.

Wir, ihr und ich, passen wunderbar in diese Fussstapfen.

Wir lieben und hassen, suchen und erteilen Vergebung, konkurrieren, gieren, wünschen, sind sehnsüchtig, jung. In unseren Köpfen schreiben wir Drehbücher für das perfekte Leben, das wir glauben verdient zu haben, wir schmieden Pläne, kämpfen mit Klauen und Zähnen... Und wenn sich uns jemand oder etwas in den Weg stellt und wir den Widerstand mit hinterlistigen Aktionen loswerden wollen, führt das zu meinem Entzücken sehr oft zu dem, was das Stichwort unserer gemeinsamen Geschichte ist: einem Skandal.

Die Intrigen sind überall, diese Schule lebt den Materialismus, Partys sind gang und gebe, alles haben, alles tun zu können, ist Fluch und Segen unserer Jugend. Falls euch entgangen ist, was manche anstellen, um ein Herz zu erobern, das It-Girl zu sein, das Sagen zu haben oder einfach nur gute Noten zu schreiben, liegt es einzig daran, dass ihr zu sehr mit euch selber beschäftigt seid. Meiner Meinung nach eine absolute Verschwendung. Würde sich jeder von euch ein Beispiel an mir nehmen und sich ein- und mitmischen, wo es geht, könnten wir den Begriff »Langeweile« aus unserem Wortschatz streichen. Tatsache.

Ihr glaubt mir nicht? Dann kehrt am 26. September auf diese Seite zurück und lasst euch überzeugen.

Bald werdet ihr genau wissen, dass ihr mich liebt

xoxo


Gossip Girl

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wisst ihr noch, wie unser heutiger Hof den damaligen zerschlagen hat?

»Die ist so eine Hure«, ätzte Gwen – sehr laut, damit besagte Hure beim Tisch mit den Sonderposten sie auch ja nicht überhörte. »Ständig blitzt ihr String aus der Schuluniform raus, und die Bluse könnte sie auch gleich ganz weglassen, so wenig Knöpfe schliesst sie.«

Die Hure hob den Kopf und verdrehte die Augen, als sie realisierte, dass sie von Zweitklässlerinnen beleidigt wurde. Zweitklässlerinnen! Niemand kümmerte sich um so junge Gören. Was taten die überhaupt in dieser Boutique? Size Zero Stücke für ihre Puppen suchen, oder was?

»Überall diese Babys«, nörgelte die beste Freundin der Hure. »Warum müssen die uns so am Rockzipfel hängen?«

»Wahrscheinlich hoffen sie, dass wir ihnen die Windel wechseln.«

Elle zwinkerte Gwen zu, dann umrundete sie den Kleiderständer, den sie nach brauchbaren Blusen für lässige Wochenenden durchforstet hatten, und trat an den Grabbeltisch. Naserümpfend griff sie mit spitzen Fingern eins der Oberteile und liess es rasch wieder fallen. »Irks. Leute, stellt euch vor, wir wären arm und müssten uns Sonderangebote teilen. Das wäre ja noch schlimmer, als fett zu sein.«

Die Huren-Freundin plusterte die Backen auf und stemmte die Hände in die Hüften. Laut Body Mass Index war sie absolut normalgewichtig, wenn auch auf der Zahlenskala eher zu weit oben als zu weit unten. Auf Muggel-Laufstegen wäre sie unbarmherzig verlacht worden, auf den Laufstegen dieser Welt hätte man gekichert und den Sitznachbarn gefragt, ob man als Hexe diese Saison wohl mit pummelig im Trend läge (der Auftritt von Juju hätte es mit einem Nicht doch! beantwortet). Wenn es nach den Mädchen ging, die schon sehr bald zu den Gottheiten einer Hogwarts-internen Religion werden würden, war die Huren-Freundin très fett. Dass dem so war, wusste Celine Melvan von Gwen Pérez und Gwen von Elle Mayfair. Und Elle wiederum wusste es von ihrem Kindermädchen, das sie in den Jahren vor Hogwarts auf strenge Dauerdiät gesetzt und ihr faule Tage strikt untersagt hatte. Clarice Mayfair hatte dies nicht unterbunden, folglich hatte es seine Richtigkeit, so schlank und wohlgeformt wie irgendmöglich zu sein.

»Ich habe die Nase voll von euch!«, blaffte die fette Huren-Freundin. »Verschwindet von hier, das ist schliesslich kein verdammter Kindergarten!«

»Och...«, säuselte Celine, die gerade in einem kurzen Etuikleid aus einer Garderobe kam. Im letzten Jahr hatte Professor Sprout, Hauslehrerin von Hufflepuff, noch ihre Schuluniformen grösser zaubern müssen. Dann hatte Gwen herausgefunden, dass Celine Melvan von den Melvans war, und Elle hatte entschieden, eine Erbin einer Grosskette müsse auf jeden Fall ihre Freundin sein. »Hier dreht scheinbar jemand am Rad ab, weil es auf dem Wühltisch nichts in Übergrösse gibt. Mach dir nichts draus, Kleine, du wärst nicht die Erste, die sich für Partys in ihr Bettlaken hüllen muss.«

»Ich werde dir gleich – «

»Lass gut sein, Megan«, fuhr die Hure ruhig dazwischen. »Das Gerede von Zweitklässlerinnen hat uns wirklich nichts zu interessieren. – Weisst du was, Kleine«, wandte sie sich an Celine, »in diesem Stofffetzen würdest du höchstens auf dem Babystrich brillieren. Deine Freundin nennt mich eine Hure? Ihr solltet euch lieber mal selber näher betrachten. Euch trennen fünf Jahre von der Volljährigkeit, trotzdem kleidet ihr euch, als wärt ihr auf dem Sprung zu einem wichtigen Geschäftsessen oder einer ausgelassenen Party. Ihr lest Zeitschriften, in denen Themen wie Sexualität oder Karriere behandelt werden, erfindet gefährliche Diäten, raucht während der Pausen heimlich Zigaretten und schmeisst euch den Jungen der höheren Jahrgänge an den Hals, als wärt ihr schon bereit für all die Dinge, die damit einher gehen. Ihr seid billige, kleine Flittchen, die gerne erwachsen wären, irgendeinen Scheiss anstellen, nur um beachtet zu werden und am Ende des Tages heulen, weil sie nicht mit den Grossen spielen durften.«

»Gwens, Mels, habt ihr das gehört, wir sind Flittchen!«, lachte Elle. »Gott, wie sehr mich das verletzt. Ich bin so getroffen, dass mich nur eines über den Kummer hinweg trösten könnte.«

»Du sprichst doch nicht etwa von einer Fete, Flittchen?«, tat Gwen ungläubig. »Eine, auf der Huren und ihre Anhängsel nichts zu suchen haben? Eine, über die man noch Wochen danach sprechen wird?«

Es war der 12. September 2005, knapp zwei Wochen bis zu Elles 13. Geburtstag. Sie hatte noch nie einen grossen Anlass organisiert, wusste aber von den bisherigen Jahren ihres jungen Lebens, wie viel Arbeit es bedeutete, absolute Perfektion anzustreben. Die Zeit drängte.

Zuerst musste der Freundeskreis erweitert werden, damit sich die Kunde rasch verbreitete und im schlimmsten Fall nicht nur zu dritt gefeiert wurde. Rekrutiert wurde während drei Tagen, die Auswahlkriterien waren wie folgt: schön, stilbewusst, reich, beliebt und zur Unterwürfigkeit bereit. Letzteres war Pflicht, mindestens ein weiteres Kriterium musste erfüllt werden. Celine war das Musterbeispiel, an dem sich orientiert wurde: reich, sehr hübsch und seit der Diät schlank, und vor allem gewillt, das Kommando Elle und Gwen zu überlassen.

Die erste neue Freundin wurde Padma Patil, Erstklässlerin, Ravenclaw, eine junge Schönheit, akzeptabler Treuhandfond. Sie war sofort Feuer und Flamme, trug Elle die schwere Schultasche in den Ravenclawturm, lernte von Gwen, wie ein anständiger Flirt auszusehen hatte und schloss sich Celines morgendlichem Sportprogramm an. Leider ware ihre Zwillingsschwester entrüstet mit ihrer rundgesichtigen Freundin davon marschiert, als sie sich den Vortrag darüber, warum manche besser waren als andere, zu Ende angehört hatte.

Es folgte Chloe Toroda, Zweitklässlerin, Ravenclaw, aus gutem Hause, wild und ungestümm. Gwen und sie verstanden sich auf anhieb und listeten auf, auf wen sie Jagd machen wollten; beide liebten das Abenteuer, das Spiel und das Gefühl, morgens aufzuwachen und genau zu wissen, dass innerhalb der nächsten 18 Stunden alles mögliche geschehen konnte, wenn sie hier ein bisschen reizten und da ein bisschen schubsten (es kriselte kurz, als Gwen erfuhr, dass Chloes dritter Vorname Gwen war; die Krise wurde überwunden, indem Chloe versprach, fortan nur noch zwei Vornamen anzugeben).

Danach stiess Morgan Wright zu ihnen, eine Viertklässlerin aus Gryffindor, die alle Voraussetzungen besass, um das tonangebende It-Girl der Schule zu sein – nur nicht das nötige Selbstbewusstsein. In den folgenden drei Jahren wird sie das Bindeglied zwischen den jungen Elitemitglieder und den älteren Schüler, und zufrieden mit dieser Aufgabe sein. Sie wird Hogwarts in ihrem Abschlussjahr verlassen und 2011 ins Vereinigte Königkreich zurückkehren, um in einem Prozess auszusagen.

Nach diesen drei Tagen waren sie zu acht und bereit für Schritt zwei: Den Schülern, Studenten und Lehrern klar machen, dass sie die Elite Hogwarts’ waren. Und das ging am leichtesten, in dem sie die Schwachen und Unachtsamen überrumpelten und ihnen geschickt das Gefühl gaben, nichts wert zu sein. Schmuck und Designerstücke verlachten Mittel- und Unterschicht, perfekt gezogene Lidstriche verunsicherten graue Mäuschen, verbotene Aktivitäten schrien Mummys und Daddys Lieblingen deren Langweiligkeit ins Gesicht. Wer ohnehin nicht sehr beliebt war, hatte nur zwei Möglichkeiten: Versuchen, von der exklusiven Clique aufgenommen zu werden, beziehungsweise diese Clique als exklusiv anzuerkennen und sie entsprechend zu behandeln, oder nicht – und damit vielleicht endgültig zum Aussenseiter werden. Die älteren Schüler wurden schon bald auf die plötzlichen Veränderungen aufmerksam. Das Bilden von Cliquen an sich war Schulalltag, doch dass es auf einmal so junge Schüler waren, die sich in den Mittelpunkt zu drängen versuchten – und sogar erste Erfolge damit hatten – absolut neu. An dieser rothaarigen Elle und dem Wildfang Gwen musste doch etwas besonders sein, wenn man als Student auf Anhieb sagen konnte, dass Elle rothaarig und Gwen ein Wildfang war. Richtig?

Dass Schritt zwei sich so rasch und gut umsetzen liess, war aber nur in zweiter Linie Elles und Gwens Verdienst. Völlig unerwartet hatte sich diese seltsame Homepage, deren Link am ersten Schultag dieses Jahres an jedes Handy und jede Mailadresse verschickt worden war, als reinsten Segen herausgestellt. Gossip Girl wusste alles. Sie verbreitete Gerüchte, die bislang nur in gewissen Kreisen in Umlauf gewesen waren, lieferte Beweisfotos, kannte Geheimnisse. Gossip Girls Lieblinge wurden zu den Lieblingen aller – und praktischerweise handelte es sich dabei um die Clique, die sich bereits für die Elite gehalten hatte. Ein imaginärer Thron wurde erschaffen, Elle nahm pünktlich zu ihrem 13. Geburtstag darauf Platz und erhob sich, wie wir wissen, fünf Jahre später an ihrem 18. Geburtstag. Doch genau genommen gehörte dieser Thron die ganze Zeit über Gossip Girl. Das Leid mit der Anonymität ist, dass man sich nicht wortwörtlich die Füsse küssen lassen kann.

...stimmt ja: das war ich.

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Erklärung: Sämtliche Namen und Bezeichnungen von Personen, Orten und Veranstaltungen wurden geändert bzw. abgekürzt, um Unschuldige zu schützen. Mit anderen Worten: mich.


Ihr Lieben!

Zu allererst möchte ich euch gerne sagen, wie sehr es mich freut, dass ihr heute auf diese Seite gefunden habt (auch wenn ich nichts anderes erwartet habe). Ihr werdet es nicht bereuen, so viel kann ich euch versprechen. Was ich euch heute an Klatsch und wahren Begebenheiten zu berichten habe, ist erst der Anfang. Von nun an ist die Homepage rund um die Uhr online, alle eingereichten Gerüchte werden sofort auf ihre Tauglichkeit überprüft, Beweisfotos von Skandalen ohne Zensur hochgeladen. Legt euch einen einen Account zu, speichert meine E-Mail Adresse ab und habt stets ein Gerät bei euch, mit dem man Fotos schiessen und Videos machen kann. Ich bin gut – aber mit eurer Hilfe noch sehr viel besser. Gemeinsam werden wir aus diesem Blog den unverzichtbaren Leitfaden für das Leben in und um Hogwarts machen!


der Beginn einer Tradition  

Der gestrige Geburtstag von EJM – das Mädchen, das ihr euch stets mit einer Tiara vorstellen solltet – war unabstreitbar die Party des Jahres. Nein, nicht des Schuljahres, ich meine damit tatsächlich das gesamte bisherige Jahr 2005. Ich weiss, ich weiss, eine Party ohne euch soll eine gelungene Party sein, wie bitte? Stellt euch vor, EJM, GPF, CAM, CET & Co. brauchen euch nicht – aber ihr braucht sie, sofern euch etwas daran liegt, eure Schul- und Studienzeit voll auszukosten. Aus der Schule waren nur sehr wenige erwünscht, was euch betrifft war die Gästeliste so exklusiv wie die Warteliste für die aktuelle It-Bag lang. Nur wer diesem Anlass würdig war, durfte kommen, und in diesem Jahr bedeutete das zu eurem Leidwesen, dass die meisten Gäste von auswärts kamen. Rockstars, Models, die begehrtesten Junggesellen unter 35... Die Crème de la Crème war anwesend, das Essen war vom Feinsten, die Getränke bunt und hochprozentig, die Band grandios, die Outfits der Wahnsinn. Was ihr nicht alles verpasst habt... Okay, zwei der Gäste mussten wegen Alkoholvergiftung behandelt werden, die meisten Garderoben wurden von Pärchen zweckentfremdet, einige Models haben sich auf dem Bartresen entblättert, Drogen waren auch etwas viele im Umlauf, ganz zu schweigen von diesem Typen, der zig Galleonen in die tanzende Menge geworfen hat... Ansonsten war aber alles sehr glamourös. Ich hoffe doch, dass du nächstes Jahr wieder feierst, EJM? Vielleicht sind bis zum nächsten September ja ein paar Hogwarts Schüler und Studenten mehr in deiner Achtung gestiegen und dürfen mitfeiern...

(...)

+

man braucht ihnen bloss das Gefühl zu geben, etwas verpasst zu haben

»Scheisse, Mann, da waren nackte Models?«

»Die ganzen Trinkspiele...«

»...wir finden nicht mal jemanden, der Gras ins Schloss schmuggelt...«

»...stattdessen war nichts los, den ganzen Abend lang nur Langeweile...«

»Wofür stand noch mal EJM?«

»GPF...Gundula...Gisele...«

»Warum kennen wir die nicht?«

»Warum waren wir nicht dabei?«

»...wir hätten dabei sein müssen...«

»...fuck...«

+

was wärt ihr ohne eure beste Freundin?

Gestern  war...das reinste Desaster gewesen. Total. Zwangzig Leute waren gekommen. Zwanzig. Der Tulpensaal hatte schrecklich ausgesehen, die Lautsprecher hatten sich durch keinen Zauber dazu bringen lassen, mit dem Knistern und Knacken aufzuhören, die meisten Snacks hatte Elle aus Frust selber vertilgt und später ausgekotzt, Gwen und Chloe waren eingeschlafen, nachdem sie sich ewig darüber beklagt hatten, dass nur Mädchen anwesend waren, Morgan hatte sich aus noch ungeklärten Gründen heulend in der Toilette eingeschlossen, Celine war auf ihren hohen Schuhen umgeknickt und hatte sich den Knöchel verstaucht...

»Beim nächsten Mal«, sagte Gwen mit halbherziger Überzeugung. »Nächstes Jahr sieht dein Geburtstag ganz anders aus, versprochen, Flittchen.«

Danke für das »Flittchen«, Hure, dachte Elle müde. Diese »Liebesbezeichnung unter Freundinnen« würde sie wohl nicht mehr loswerden, dafür hatten Gwen, Celine und die anderen schon zu oft davon Gebrauch gemacht. Elle konnte es nicht aufhalten, also machte es mit und tat, als hätte sie damit angefangen. Sonst wäre noch jemand auf die Idee gekommen, dass ihr Wille nicht Befehl war. Dass es nicht ausschliesslich und immer nach ihrem Kopf ging.

»Wenn Melody Silver davon erfährt!«, stöhnte Elle.

»Woher soll die Hure denn etwas davon erfahren? Alle haben geschworen, dicht zu halten und niemandem davon zu erzählen, dass es gestern...ein bisschen langweilig war.«

Elle verdrehte die Augen. »Schweigen ist auch eine Aussage. Wenn nicht davon gesprochen wird, ist klar, dass es sich schlicht nicht lohnt, darüber zu sprechen.«

»Wir können ja – «

Ein Klingeln unterbrach Gwen. Eine Sekunde später klingelte es erneut. Die Mädchen zogen ihre Handtaschen heran und holten ihre Handys heraus. Absender? Identisch. Nachricht? Identisch. Liebste Grüsse, Gossip Girl.

»Was war zuerst da – Gossip Girl oder die Elite?«, las Ellen stirnrunzelnd vor.

Was gestern war, werdet ihr nicht wiederholen. Startet eine ähnliche Aktion nicht noch einmal, ohne genügend dafür vorbereitet zu sein. Ihr habt ja gemerkt, wie erbärmlich das endet... Wer mich fragt, wir nur eines zu hören bekommen: Dieses lahmarschige Etwas gestern, das ihr Party nennt, war der absolute Wahnsinn, einfach genial. Besucht meinen Blog und ihr seht, dass ich den Kindergeburtstag in den Himmel gelobt habe. Ich kann schweigen, wenn ihr es auch könnt – verstanden? Wir können einander sehr behilflich sein, meine Lieben. Ihr wollt im Mittelpunkt stehen und ich will über den Mittelpunkt berichten.

Ich sorge dafür, dass jeder weiss, wer ihr seid und wofür ihr steht: Elite.

Tut ihr das, wofür die jungen Jahre da sind: Skandale leben.

Für den Anfang kann ich mir auch gerne etwas aus den Fingern saugen, aber wir stimmen doch bestimmt darin überein, dass die Wahrheit viel spannender ist? Natürlich erst, nachdem die Wahrheit interessant gemacht wurde. Eure Wahrheit, euer Leben. Ihr habt wirklich alles, was es braucht, um im Mittelpunkt zu stehen. Ihr seid schön, ihr seid reich, ihr seid intelligent – und ihr haltet nicht damit hinten vor. Nutzt eure Ressourcen aus. Setzt Trends, sorgt für Spannung, spannt Melody Silver den Freund aus (übrigens ist ihr jüngerer Bruder Donovan gut Freund mit einigen Dealern der Umgebung, nur so als Tipp), schmiedet Intrigen, brecht Herzen... Was ihr treibt, wurde bislang meist übersehen. Jetzt nicht mehr. ICH sehe euch. ICH beachte euch. ICH richte die Scheinwerfer auf euch.

Mein Blog ist eure Bühne.

Ein bisschen Starthilfe:

Daphne Greengrass und Alicia Spinett solltet ihr für ein, zwei Jahre keinen Hauch beachten. Sie werden euch heimlich beobachten und schliesslich angekrochen kommen. Ihr seid, was sie gerne wären.

Cedric Diggory und Blaise Zabini haben ihr Aussehen von ihren Müttern geerbt. Unbedingt vormerken, nach der Pickel-Phase werden sie würdige Beute sein.

Verschwendet keine Zeit mit den Scargazow Schwestern, die lassen sich nicht rekrutieren. Ausserdem hat sich die Zweitjüngste letzte Woche in der Wäschekammer entjungfern lassen und hat erst im Nachhinein den vor Schreck zur Salzsäure erstarrten Hauselfen in der Ecke bemerkt.

Es kann nicht schaden, wenn eure Eltern ab und an in der Schule auftauchen. Es erinnert die Lehrer daran, woher ein grosser Teil des Geldes kommt und daran, dass man besser besonders nett zu den Sprösslingen dieser Spender ist. Überhaupt könntet ihr ruhig etwas öfter auf eure Nachnamen aufmerksam machen. Wer in Geschichte nicht aufgepasst hat und die Namen Pérez, Faulkner und Mayfair nicht einordnen kann, sollte mit Blick ins Badezimmer immerhin etwas mit dem Namen Delacroix anfangen können.

Ich weiss ja, dass ihr nicht auf eure heimlich gerauchten Zigaretten verzichten wollt, aber mit der magischen Variante der Vogue Lila würdet ihr so viel besser riechen...

Falls ihr in nächster Zeit eine Erpressung plant, über die ich berichten kann, meldet euch und ich vertraue euch einige brauchbare Geheimnisse an. Ihr habt sogar euren eigenen Klingelton, so wichtig seid ihr mir. Zusammen werden wir Spuren hinterlassen, die nichts und niemand je wird verwischen können. Ich zähle auf euch, enttäuscht mich nicht.

In grösster Erwartung,

eure neue beste Freundin, Gossip Girl