The Hardest Part

KurzgeschichteDrama / P12 Slash
Lorenor Zorro Vinsmoke Sanji
05.03.2012
05.03.2012
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And the hardest part
Was letting go, not taking part
You really broke my heart

And I tried to sing
But I couldn't think of anything
And that was the hardest part

I could feel it go down
You left the sweetest taste in my mouth
You're a silver lining the clouds
Oh, and I
I wonder what it’s all about
Oh, and I
I wish that I could work it out



[ Ich ]


Schweigend stand der Schwertkämpfer an der Reling des Schiffes und starrte auf das ruhige Meer, das sich unendlich tief und unergründlich vor ihm auftat.

Eine ungewohnte Stille hatte sich über die Flying Lamp gelegt. Die einzigen Geräusche kamen von den Wellen, die sacht und doch stetig gegen das Holz schlugen.

Mittag. Ruhe. Zeit, um nachzudenken. Doch in Zorros Kopf schwirrten so viele Gedanken umher, dass er sich keinen von diesen greifbar machen konnte. Unruhe in ihm. Ruhe um ihn herum. Es war nicht zum Aushalten.

Spannung lag in der Luft und Zorro verspürte den starken Drang etwas zu zerschlagen, sich abzureagieren, seinem inneren Unwohlsein Luft zu machen. Zu schreien. Mit seiner Stimme die Luft zu zerschneiden.

Doch kein Laut kam über seine Lippen, ruhig blieb er stehen.

Plötzlich eine Stimme hinter ihm. „Zorro? Hast du gesehen wo-?“

Doch der Schwertkämpfer gab nur ein aggressives „Verzieh’ dich, Lysop!“ von sich.

Der Schwarzhaarige verzog die Mundwinkel, drehte sich jedoch um und ging wieder. Viel zu groß war der Respekt vor dem anderen, viel zu deutlich und ungehalten waren dessen Worte gewesen.

Zorro lauschte auf die Schritte, die sich nun entfernten. Erleichtert atmete er auf, als er endlich wieder allein an Deck war. Sekunden vergingen, dann meldete sich auf einmal diese leise, unangenehme, eindringliche Stimme in seinem Kopf, die sich selbst Gewissen nannte.

„Ja, verdammt …“, murmelte der Grünhaarige leise. Er wusste, dass sein Verhalten falsch war. Es war nicht richtig gewesen seine schlechte Laune, seine Stimmungsschwankungen an dem anderen auszulassen. Er sollte endlich einmal lernen sich zu beherrschen.

Er fuhr sich mit einer Hand durch das kurze Haar, hob den Kopf und ließ sich den sanften Wind, der gerade aufkam, ins Gesicht wehen. Angenehm. Erfrischend. Es könnte so ein schöner Tag sein, wäre da nicht-

Ein Lachen ließ ihn zusammenzucken. Hastig wandte er sich um. Sanji und Nami kamen an Deck; sie lachend, er lächelnd. Sie gingen nebeneinander. Sein Blick, seine Augen, die auf ihr hafteten, sein glücklicher Ausdruck im Gesicht, die Hände dabei lässig in den Hosentaschen. Er strich ihr eine Haarsträhne zärtlich und vorsichtig von der Wange. Seine Hände, die sie berührten.

Die beiden sahen ihn nicht oder schenkten ihm keinerlei Beachtung. Er kehrte ihnen den Rücken zu. Wenige Augenblicke später waren sie in der Kombüse verschwunden.

Zorro starrte auf den Boden. Noch immer sah er ihn vor sich: die Hände, die Augen, das Lächeln, das leuchtend blonde Haar, vom Wind leicht zerzaust, die Lippen.

Der Schwertkämpfer schüttelte angestrengt den Kopf, versuchte das Bild aus seinen Gedanken zu vertreiben. Doch es gelang ihm nicht.

Erneutes Lachen drang aus der Kombüse.

Er begann auf und ab zu laufen, wie ein Tier, ziellos, rastlos, hoffnungslos. Nur zu genau konnte er sich die zwei in der Küche vorstellen – redend, lachend, glücklich!

Zorro ertrug es nicht länger, er musste hier weg. Eilig kletterte er den Hauptmast hinauf ins Krähennest. Oben angekommen ließ er sich auf dem Boden nieder, den Rücken gegen das hölzerne Geländer gelehnt. Der Grünhaarige schloss die Augen. Erneut wohltuende Stille.
Doch seine Gedanken ließen ihn nicht zur Ruhe kommen. Sie drehten sich um das Geschehen von eben, um diese eine Person, die ihm schon so lange im Kopf umherging und ihn beinahe um den Verstand brachte.

Verzweiflung breitete sich in Zorro aus. „Was soll ich denn machen?“, fragte er sich leise. Die Gefühle, die er für Sanji empfand, waren langsam, heimlich und unbemerkt in ihm gekeimt. Er konnte nicht einmal mehr sagen, wann dies alles begonnen hatte. Es kam ihm nur wie eine Ewigkeit vor.

Der Grünhaarige schämte sich für seine Gefühle und schwieg darüber. Er durfte sie auf keinen Fall jemandem zeigen, er musste verbergen, was er empfand, er durfte sich keine solche Schwäche anmerken lassen.

Er war Sanji in den letzten Wochen nur noch aus dem Weg gegangen. Sogar die üblichen Streitigkeiten mit ihm hatte er vermieden. Er wollte ihm nahe sein und doch fern, er sehnte sich danach, mit ihm zu sprechen, doch er schwieg. Wie gerne hätte er ihn berührt, seine Körperwärme gespürt, in seine wunderschönen, warmen Augen geblickt und seine Lippen geküsst. Doch was konnte er schon tun, was sagen, was zustande bringen? Sanji würde doch nicht das empfinden, was er, Zorro, für den Koch empfand. Er selbst würde sich nur lächerlich machen. Verachtung, Hohn, Abneigung, Isolation. Nichts anderes konnte er erwarten.

Langsam hatte sich der Abend über die See gelegt. Die Sonne ging bereits am weit entfernten Horizont unter und tauchte Himmel und Wasser in ein verträumtes Rot.
Der Schwertkämpfer schloss die Augen. Leise vernahm er noch das Rauschen der Wellen, spürte das sanfte Schaukeln des Schiffes. Dann schlief er ein.

---

Es war tiefe Nacht, als Zorro erwachte. Einen Augenblick lang wusste er nicht wo er sich befand und als es wusste, fragte er sich, was er hier oben zu suchen hatte. Doch sogleich kehrte die Erinnerung zurück. Unerträglich. Er musste sie betäuben.

Seufzend stand der Grünhaarige auf, streckte sich und kletterte dann langsam zurück aufs Deck.

Leise waren seine Schritte, als er die Kombüse betrat und beinahe lautlos suchte er im Halbdunkeln nach der Rumflasche. Sie würde helfen, würde die lästigen Gedanken vertreiben.

Das Knarren der Tür ließ ihn aufhorchen. Er erkannte die Stimme sofort, hätte wohl schon an den bloßen Schritten sagen können, wer da hinter ihm stand.

„Willst du dich jetzt schon mitten in der Nacht besaufen?“, fragte Sanji. Er hatte die Tür hinter sich ins Schloss fallen lassen und lehnte sich nun dagegen. Es sah lässig aus, wie immer. Wäre da nicht der angespannte Gesichtsausdruck gewesen, den die Dunkelheit jedoch geschickt zu verbergen wusste.

Schweigen. Dann endlich drehte sich der Schwertkämpfer um. Die Miene verhärtet, wie immer. „Geh’ schlafen, Sanji.“

Der Koch gab seine scheinbar lässig Haltung auf. In seinem Blick ein fragender Ausdruck. Eine Augenbraue hochgezogen. „Keine Beschimpfungen? Keiner der üblichen Bezeichnungen wie ‚Kochlöffel’ oder ‚Kartoffelschäler’? Einfach nur ‚Sanji‘?“

„Lass’ mich einfach vorbei“, erwiderte Zorro. Er hatte mit wenigen Schritten die Tür erreicht, welche noch immer von Sanji versperrt wurde, und stand dem Blonden nun gegenüber.

Dieser schien mit einem Mal verunsichert. Er öffnete zögernd den Mund. Leise waren die Worte, die nun seine Lippen verließen. „Sag’ mal, Zorro. Ist alles okay? Du wirkst in letzter Zeit so … anders. Ich meine, die ganzen Streitereien. Ich hab’ das Gefühl, dass du mir … aus dem Weg gehst, mich meidest.“ Er sprach zögernd, beinahe so, als ob es ihm schwer fiele, dem anderen dies mitzuteilen.

„Das bildest du dir nur ein.“ Zorros Worte waren hart wie Stein. Noch abweisender als sonst. Was sollte er sonst sagen. „Und jetzt lass’ mich in Ruhe.“ Er wollte an dem anderen vorbei durch die Tür. Flucht. Keine Konfrontation. Eine Qual, dem anderen so nahe sein zu müssen. Doch der Koch wich nicht zur Seite, verwehrte ihm weiterhin den Weg nach draußen.

Mit einem Mal wurde Sanjis Gesichtsausdruck entschlossener und ruckartig machte er einen Schritt nach vorne. Er hob langsam die Hand und berührte mit ihr ganz sacht Zorros Arm. Der Schwertkämpfer zuckte bei der Berührung, die dem Streifen einer Feder glich, zusammen. Als er den anderen dann anblickte, sah er nur endlose Fragen in dessen Augen.
„Du würdest es mir doch sagen, wenn etwas ist, oder?“, seine Stimme war nur ein heißeres Flüstern. „Ich meine, wenn ich etwas- … Wenn sich irgendetwas zwischen uns-“

Das war zu viel. Zorros Fassade bröckelte, riss ein. Die harte Miene fiel von seinem Gesicht ab. Seine Hände hoben sich, unkontrolliert, und packten den Kleineren bei den Schultern. „Nein, Sanji, es liegt nicht an dir. Hörst du? Du hast nichts falsch- Ich meine, wie könntest du-“ Ihm versagte die Stimme. Wie sollte er Worte finden. Wie sollte er das aussprechen, was der andere doch nicht wusste, was er niemals wissen durfte. Er ließ die Hände sinken. Ließ den Blick sinken. Es hatte keinen Sinn.

Dann, ohne Vorwarnung und so schnell, dass er es nicht hatte kommen sehen, schlossen sich die Arme des anderen um Zorros Hals. Kurz darauf spürte er weiche Lippen auf seinen eigenen. Der Blonde hatte das Gesicht des Schwertkämpfers zu sich herunter gezogen und küsste ihn nun zögerlich, sanft. Der Geschmack und Duft von Sanjis Lippen war atemberaubend. Er überwältigte Zorro. Er war zu überrascht, als dass er hätte abblocken können und er wollte es auch nicht. Behutsam erwiderte er den Kuss. Sein Denken, sein Verstand schalteten sich aus. Viel zu nah war ihm der andere. Viel zu sehr fühlte er dessen Körperwärme, hörte dessen Herzschlag. Viel zu stark war die körperliche Anziehung. Er spürte, wie der Kleinere sacht die Lippen öffnete. Es schmeckte ein wenig salzig. Waren das Tränen?

Dieser Gedanke traf ihn wie ein Blitzschlag. Ernüchterte ihn. Holte ihn zurück in die Realität. Riss ihn aus seinem Sinnesrausch. Was taten sie hier? Was tat er? Der andere weinte. Tat er doch etwas, was er nicht wollte, nur um Zorro friedlich zu stimmen? Und war es nicht falsch, sein Glück über das des anderen zu stellen? Unwillkürlich dachte er an das Bild vom Nachmittag. Sanji zusammen mit der Navigatorin. Beide lachend. Voller Freude. Nein, es war nicht richtig dieses Bild, das doch so real und wirklich erschien, zu zerstören. Es war selbstsüchtig und ungerecht. Mann und Frau. Sanji und Nami. So sollte es sein. Das hier dagegen war falsch.

Er hob das Gesicht, entzog sich dem Griff des anderen, löste den Kuss somit auf. Trat einen Schritt zurück, den Arm ausgestreckt. Hielt den anderen auf Abstand.

„Zorro. Ich-“, begann Sanji. Seine Worte klangen entschuldigend, seine Augen voller Sorge.

Schweigen.

„Es-“, setzte der andere wieder an. Brach dann ab. Schreckte zurück vor Zorros starrer, kalter Miene.

Der Schwertkämpfer schüttelte nur den Kopf. „Mir tut es leid.“ Und mit diesen Worten schob er den Kleineren sacht zur Seite und verließ die nächtliche Kombüse.

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Erst als er auf dem hinteren Teil des Decks angekommen war, merkte er, dass er weinte.

Tränen liefen seine Wangen hinab, tropften auf sein Shirt, dann auf die hölzernen Planken. Er ließ sich auf den Boden sinken, den Rücken gegen das Geländer gelehnt. Er verbarg das schmerzverzerrte Gesicht in den Händen. Und weinte lautlos. Schrie stumm.


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Lyrics by: Coldplay, "The hardest Part"
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