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Sherwood Forest

KurzgeschichteAllgemein / P16 Slash
Robin Sir Guy of Gisborne
05.03.2012
05.03.2012
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05.03.2012 1.932
 
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You were the first to recognize and refer to
Everything I am, not just who I'm trying to be
Time is a critical and I can leave you on no more
If I play a role then we bound to fall



Als Gisborne schließlich zum dritten Mal an diesem Tag wach wurde, musste er feststellen, dass es bereits dunkel war. Im Wald über ihnen herrschte Stille, kein einziger Windhauch bewegte die Blätter. Lediglich fahles Mondlicht fiel zu ihnen hinab und erleuchtete das Erdloch gerade so, dass man in diesen wenigen Metern hier unten vage Umrisse ausmachen konnte.

Hood saß ihm noch immer gegenüber an die Wand gelehnt, den Kopf zur Seite geneigt, als würde er schlafen. Doch Gisborne machte die sachte Bewegung dessen Hand aus, als sich der andere Mann durchs Haar strich.

„Ausgeschlafen, Prinzessin?“ Hood sah ihn nicht an, sondern blickte scheinbar in den Sternenhimmel.

Gisbornes Antwort war nur ein tiefes Knurren.

„Jetzt hast du mich so lange gejagt, ohne Erfolg. Und nun, da du mich fast erwischt hast, sitzen wir in diesem Erdloch fest. Ironie des Schicksals? Was meinst du?“

„Ich meine, es wäre leichter zu ertragen, wenn du dein loses Mundwerk halten würdest.“

„Macht sich der Sheriff Sorgen um seinen Bluthund? Oder bist du eher sein Schoßhündchen? Wie fühlt es sich an, immer nach der Pfeife eines Mannes zu tanzen, der selbst zu feige ist, sein Schloss zu verlassen, der seine Arbeit von anderen verrichten lässt, der sich selbst die Hände nicht schmutzig macht?“ Hood hatte ihn nun fixiert und seine Augen funkelten förmlich in der Dunkelheit vor lauter pathetisch-heldenhaftem Eifer. „Du könntest ein freier Mann sein, Gisborne. Aber scheinbar lebst du lieber nach den Gesetzen eines anderen. Du bist schwach.“

Gisborn, der sich Hoods kleine Rede schweigend angehört hatte, lachte dunkel auf.
„Du bist so selbstverliebt, Hood. Arme, arme Marian. In deinem Herzen ist doch nur Platz für dich selbst.“

„Da ist mehr Platz als du denkst. Ich habe ein Herz für das Volk.“

„Doch wird sie dich nie lieben.“

„Oh, sie liebt mich ganz sicher.“

„In deiner kleinen Welt tun das doch alle, nicht wahr?“

„Ich helfe den Menschen. Dafür lieben sie mich.“

„Das muss ja ein richtiger Schock für dich sein, dass ich es nicht auch tue.“

„Bist du dir da sicher, Gisborne.“ Ein schiefes, selbstgefälliges Grinsen lag auf Hoods Lippen.

„Ganz sicher.“

„Und warum bist du dann mit solch fanatischem Eifer hinter mir her?“

„Mach dir keine falschen Illusionen. Ich handle lediglich auf Befehl des Sheriffs.“

„Und warum ist der Sheriff hinter mir her? Hinter einem kleinen, unbedeutenden Outlaw? Findest du nicht, dass er es in letzter Zeit etwas übertreibt?“

Gisborne schwieg. Da hatte Hood nicht Unrecht. Er selbst war auch der Meinung, dass das Bestreben des Sheriffs, die Gesetzlosen, mit Hood an der Spitze, zu fassen, irrationale Züge angenommen hatte.

„Da hab‘ ich wohl ins Schwarze getroffen“, lachte Hood. „Also, was tust du, wenn du mich gefangen hast? Überbringst du mich dem Sheriff? Und dann?“

„Dann sehe ich mit Freuden zu, wie du am Galgen baumelst. Oh, und ich werde mich natürlich rührend um die trauernde Marian kümmern.“

„Lass Marian da raus!“ Mit einem Ruck war Hood aufgesprungen. „Sie würde niemals jemanden wie dich in ihre Nähe lassen.“

Amüsiert betrachtete Gisborne den anderen Mann.

„Habe ich deinen Schwachpunkt gefunden, Hood?“

„Ich habe keinen Schwachpunkt.“

„Ach nein?“ Wieder diese arrogante Art, wie er sie hasste. Gisborne zog die Augenbrauen zusammen, stand, noch ehe er es sich recht versah, ebenfalls auf den Beinen und machte einen Schritt auf den anderen zu.

„Der großartige, gefeierte und edelmütige Robin Hood ist wohl absolut makellos.“

Auch Hood machte einen weiteren Schritt auf ihn zu.

„Und der skrupellose, tyrannische und ruhmlose Gisborne ist ein Sir of Gisborne ohne dass es überhaupt ein solches Gisborne gibt.“

Damit hatte Hood genau den wunden Punkt erwischt, den verletzten Stolz, die verlorene Ehre, die schon immer an Gisborne nagte.

„Vorsicht, Hood. Schön vorsichtig.“

Wie zwei kampflustige Tiere waren die beiden immer näher gekommen, standen sich nun dicht und bedrohlich gegenüber. Das Gesicht von Gisborne war wutverzerrt, Hoods Augen funkelten herausfordernd.

„Sonst was?“ Hoods Worte waren kaum mehr als ein Flüstern. Sein Atem streifte die Wange des anderen Mannes. „Musst du nicht erst den Sheriff um Erlaubnis bitten, bevor du etwas tun kannst?“

Das war zu viel gewesen. Mit einer einzigen, raschen Bewegung, hatte Gisborne den anderen am Kragen gepackt und ihn unsanft gegen die harte Wand geschleudert. Hood entwich ein überraschtes Keuchen. Gisborne jedoch zögerte nicht lange: Er drückte den anderen Mann gegen die Wand, sodass es kein Entkommen gab, die Hand gefährlich um dessen Hals gelegt.

Als er sprach war seine Stimme dunkel und rau. „Was nun, Robin? Ohne deinen Bogen, ohne deine Freunde. Wie viel Macht hast du jetzt noch?“

Doch Hood, dieser Hund, grinste nur breit, hielt seinem Blick mühelos stand.

„Du hast mich Robin genannt.“

Einen Atemzug lang schien Gisborne tatsächlich verwirrt zu sein.

„Das ist wohl das Netteste, was du jemals zu mir gesagt hast.“ Hoods Stimme war samtweich, leise, doch seine Worte durchschnitten förmlich die Dunkelheit um sie herum.
Gisborne knurrte erneut. Diese kleine Ratte wagte es doch tatsächlich noch immer, sich über ihn lustig zu machen. Selbst in einer Situation wie dieser konnte der Mistkerl einfach nicht die Klappe halten.

Der Griff um Hoods Kehle verstärkte sich, sodass sein Atem allmählich stockender wurde. Es herrschte beinahe eine absolute Stille.

Ihre Gesichter waren nur Zentimeter voneinander entfernt, als Hood keuchend wenige Worte ausstieß. „Und nun, Sir Gisborne?“

Der Outlaw schien keinerlei Angst zu haben, seine Augen funkelten noch immer, sein Stolz war ungebrochen. Dennoch registrierte Gisborne eine Bewegung von Hoods Augen, die, war es auch nur für einen Wimperschlag, zu seinen Lippen gehuscht waren.

„Gefällt dir das etwa, Hood?“

Hoods Reaktion verriet ihm mehr, als es jegliches Wort vermocht hätte. Er spürte, wie sich der andere Mann anspannte, verkrampfte, versuchte den Kopf von ihm wegzudrehen, sich aus dem festen Griff zu befreien.

Gisborne lachte erneut leise auf. Seine Stimme wurde fast von der Erde um sie herum verschluckt.

„Sieh an, sieh an.“ Er neigte den Kopf nach vorne bis seine Lippen dicht an Hoods Ohr waren. „Der große Robin Hood, selbsternannter Frauenheld, sehnt sich eigentlich nach etwas ganz anderem?“ Seine Worte waren nur ein tiefes Flüstern. „Was ist, möchte Robin Hood lieber selbst wie eine Frau behandelt werden? Sehnst du dich nach einer starken, männlichen Hand?“

„Du mieser-“ Gisborne konnte spüren, wie der andere einen Schwall Luft durch die Nase ausstieß, während er sprach.

„Ich frage mich, ob …“ Er ließ den Satz bedrohlich unbeendet, hatte den Griff um Hoods Kehle gelöst und packte nun dessen Kinn fest zwischen seine Hand.

„Wage es ja nicht!“ Hoods Augen entflammten beinahe vor Zorn und er versuchte vergeblich, sich aus seiner Lage zu befreien.

Gisborne ließ erneut sein düsteres Lachen erklingen. Er genoss diese Situation. Endlich hatte er Hood in die Enge getrieben, konnte dessen widerlichen Stolz brechen. Doch als er auf Hood hinab sah, war er hin und her gerissen zwischen Wut, Vergeltung und einem plötzlichen Verlangen, das ihn zu überkommen drohte.

Dann gab er seinem Verlangen nach. Er war noch nie ein Mann von großer Zurückhaltung gewesen.

Er überwand die letzte Distanz zwischen ihnen und presste seine Lippen fordernd auf die von Hood.

Er hatte mit Protest gerechnet, mit Widerstand, mit Bissen und Tritten, doch nichts von alledem geschah. Hood schien nur wie erstarrt, hatte scheinbar aufgehört zu atmen. Dann, ganz langsam, doch ohne eine Spur des Zögerns, erwiderten Hoods Lippen den Kuss.

Gisborne merkte, wie sein Herz einen Aussetzer machte, dann zu rasen begann und ihm das Blut durch die Adern schoss. Er erlebte ein solches Gefühl von Triumph und Überlegenheit, dass ihm beinahe schwindelig wurde.

Hood hingegen öffnet bereitwillig den Mund, ließ es zu, dass der Kuss intensiver wurde, dass ihre Lippen den Kampf austrugen, den sie auf dem Schlachtfeld begonnen hatten. Doch auch hier schien keiner nachgeben zu wollen.

Gisbornes Denken begann auszusetzen, so sehr hatte ihn der Rausch überkommen. Er war schließlich auch nur ein Mann und so begann sein Körper ohne die Hilfe seines Verstandes ein Eigenleben zu führen.

Dabei war es gewiss nicht gerade förderlich, dass sich Hood nun an ihn presste und er dessen Körper durch den dünnen Leinenstoff spüren konnte.

Gisborne stieß keuchend einen Schwall Luft in den Kuss hinein, löste sich dann atemlos von dem anderen Mann. Doch schon verfingen sich Hoods Hände in seinen Haaren, zogen seinen Kopf wieder hinunter, und Hoods Lippen lagen erneut auf den seinen.

Der Griff um Hoods Kinn hatte sich längst gelockert. Nun stützte sich Gisborne mit einer Hand an der erdigen Wand ab, die andere suchte sich ihren Weg unter Hoods Hemd, strich grob und fordernd über seine nackte Haut.

Die Augen des Outlaws glänzten, Gisbornes dagegen waren dunkel und unergründlich.

Nun war es an Hood, um Atem zu ringen, den Kuss kurz zu unterbrechen. Gisborne biss ihm in die Unterlippe, ließ seinen Mund dann am Hals des anderen hinab wandern bis zum Schlüsselbein.

Hood legte den Kopf in den Nacken, lehnte ihn sacht gegen die Wand. Ein leises Stöhnen entwich ihm als der andere unsanft in seine Haut biss, mit der Zunge über die entblößten Stellen seines Halses strich.

Gsiborne lief ein Schauer über den Rücken, als er die Laute des Mannes vernahm. Es ließ sich nicht leugnen, dass er Gefallen an dieser Situation der absoluten Macht fand. Es gefiel ihm, Hood so zu sehen und zu spüren, Herr über ihn zu sein. Wie ein Raubtier, das seine Beute erlegte.

„Bekommst du jetzt, was du wolltest?“, hörte er Hoods leise Stimme.

Gisborne hielt inne, ließ seine Hand auf den feinen Bauchmuskeln des anderen ruhen.

Er dachte über Hoods Worte nach. Er hatte ihn nie auf diese Art besitzen wollen. Doch war es eine gute Möglichkeit, den ganzen Frust und Zorn der letzten Wochen und Monate abzubauen, zu katalysieren, sich abzureagieren.

Was war mit dem Sheriff? War seine krankhafte Besessenheit von Hood womöglich so zu erklären?

Hood, diese Ratte, merkte wohl, dass er ihn durch diese wenigen Worte verunsichert hatte.
„Hast du nun gewonnen, triumphiert? Stellt dich das hier zufrieden?“, fuhr er unbeirrt fort. „Dann mach nur weiter. Lass deine Wut, deinen Frust an mir aus, wenn du dann die Bürger verschonst.“

Gisborne stöhnte genervt auf. Da waren sie wieder: Hoods heldenhafte, pathetische Reden. Diesem Geschwätz konnte doch kein vernünftiger Mensch zuhören. Von so viel Selbstaufopferung musste einem ja schlecht werden.

Er hob den Kopf, sodass sie beide wieder auf Augenhöhe waren. Der Outlaw sah ihn mit noch immer inbrünstig funkelnden Augen und ernster, entschlossener Miene an.
„Weißt du was, Hood, schweigsam gefällst du mir um einiges besser.“

Hoods Antwort war nur ein Grinsen.

Gisborne schwieg. Er betrachtete das Gesicht des anderen Mannes. Keiner von beiden bewegte sich, gab nicht einen Zentimeter nach.

Kurz vor Hoods Lippen, sodass sie sich fast berührten, hielt er inne. Es schien, als würde er einen Moment lang überlegen, dann grinste er jedoch nur. Noch einmal sog er den Geruch des Mannes ein, dann zog er den Kopf zurück und trat einige Schritte nach hinten.

Auch Hood stieß sich von der Wand ab, bewegte sich locker und leichtfüßig, als wäre nichts geschehen.

Gisborne dagegen kehrte zu seinem angestammten Platz an der gegenüberliegenden Wand zurück und ließ sich dort auf dem Boden nieder. Jetzt, wo der Adrenalinschub seinen Körper verlassen hatte, wurde er sich wieder schmerzlich seiner Wunder bewusst.

„Sag mir Bescheid, wenn ich eine richtige Frau aus dir machen soll“, sagte er und hielt sich die Schulter.

„Mal sehen“, antwortete Hood. „Es gibt gewiss bessere als dich.“

„Wohl kaum.“

Die beiden Männer grinsten.
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