Sherwood Forest

KurzgeschichteAllgemein / P16 Slash
Robin Sir Guy of Gisborne
05.03.2012
05.03.2012
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05.03.2012 1.020
 
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Face it you need to know, faith is running low
Ain't no good to you, I'm your Anti Hero
The chances that I've blown, the love I could have known
Can't do this to you
As we go to this brave new world



Gisborne blinzelte, konnte jedoch kaum etwas sehen. Er musste husten, spürte Erde in seinem Mund, auf seinem Gesicht. Mühsam richtete er sich auf, bereits das zweite Mal an diesem Tag, und ein Haufen Blätter und Dreck fiel zu Boden.

Er sah sich um: Er befand sich in einem größeren Erdloch von vielleicht fünf mal fünf Metern. In weiter Ferne, unerreichbar in einer Höhe von wahrscheinlich abermals vier bis fünf Metern, konnte er über sich die Baumwipfel und dazwischen den blauen Himmel sehen.

Er schaffte es halbwegs aufrecht zu stehen. Scheinbar hatte er sich bei dem Sturz nichts gebrochen, doch seine Schulter, in der noch immer der Pfeil steckte – das hintere Ende dessen war weggebrochen – sendete Wellen von pochenden, heißen Schmerzen aus. Er befühlte vorsichtig die Stelle, das eigene, klebrig-warme Blut an den Händen.

Sein nächster Gedanke galt Hood: Wo steckte der Kerl?

Hinter sich hörte er halblautes Stöhnen aus einem Blätterhaufen. Kurz darauf raschelte es und heraus stolperte ein etwas benommen wirkender Robin Hood.

„Ausgeschlafen, Prinzessin?“ Gisborne verzog hämisch die Miene, durchaus amüsiert von dem Anblick des anderen Mannes.

„Was war das?“, fragte Hood jedoch nur und ignorierte die Provokation.

„Scheint ein Erdrutsch gewesen zu sein.“ Er musterte Hood.

Dieser fuhr sich mit der Hand durch das kurze Haar, schien dann an etwas erinnert zu werden und sah sich suchend auf dem dunklen, erdigen Boden um.

„Vergiss es“, sagte Gisborne; es war leicht zu erraten, was der andere zu entdecken hoffte. „Deinen Bogen wirst du nicht finden. Ebenso wenig wie dein Schwert und wie mein Schwert. Sieht so aus, als seien wir waffenlos.“ Seine Schadenfreude über den doch recht unglücklichen Gesichtsausdruck des anderen hielt jedoch nicht sehr lange an. Die Schusswunde schickte erneute eine Schmerzwelle über seine gesamte rechte Seite, sodass er die Zähne zusammenbeißen musste, um nicht wieder Bekanntschaft mit dem Boden zu machen. Der Schmerz war vielleicht groß, aber sein Stolz war bei weitem größer und er würde sich hier vor Hood nicht wie ein getretener Hund auf dem Boden wälzen.

Doch Hood schenkte ihm überhaupt keine Aufmerksamkeit. Er war mit dem lächerlichen Versuch beschäftigt, an einer mickrigen Wurzel aus dem Erdloch zu klettern. Er kam genau einen halben Meter weit, dann landete er mitsamt seinem vorlauten Mundwerk, mit dem Hinterteil voran, wortwörtlich wieder auf dem Boden der Tatsachen.

„Das war eine erbärmliche Vorstellung von Jemandem, der im Wald haust und mit seinen kleinen Freunden auf Bäumen herumklettert.“ Gisborne musste heftig husten. Seine Lungen brannten, als habe er Hände voll dieser modrigen Erde gefressen. Dazu hatte er das Gefühl, der Pfeil würde sich mit jedem seiner Atemzüge tiefer in sein Fleisch bohren.

Mit einem Keuchen ließ er sich schließlich widerwillig zu Boden sinken, den Rücken an die erdige Wand ihres Gefängnisses gelehnt.

Und was tat Hood, dieser ätzende Gutmensch? Nachdem er ihn Minutenlang mit seinen  mitleidigen Rehaugen angeschaut hatte, kam er doch wirklich auch noch zwei Schritte auf ihn zu und ging vor ihm in die Hocke. „Den solltest du rausziehen“, meinte er und deutete völlig überflüssiger Weise auf den Pfeil, „Sieht schmerzhaft aus.“

Gisborne stieß einen unschönen Fluch zwischen den zusammengebissenen Zähnen hervor. „Was du nicht sagst, du kleine Ratte.“

„Ich zieh ihn dir raus.“

„Auf gar keinen Fall“, seine Worte waren nur ein Zischen. Das Sprechen fiel ihm schwer, nicht nur weil er bei jedem Atemzug die Pfeilspitze spürte, sondern auch, weil er vor lauter Zorn und Hass gegenüber dem anderen kaum denken konnte.

Wochen und Monate hatte er nun seine Zeit damit verschwendet, hinter diesem Dreckspack von Outlaws hinterherzujagen, nur damit der Sheriff zufrieden gestellt war. Und jetzt, wo er ihn fast erwischt hätte, mussten sie in dieses verdammte Loch fallen. Kein Problem, dass sie beide keine Waffen mehr hatten, war er dem anderen körperlich doch zweifelsohne überlegen. Doch zu allem Überfluss war er auch noch von einem Pfeil erwischt worden. Hood war zum Greifen nah und er konnte nichts ausrichten.

Gisbornes Hand ballte sich zur Faust. Hood selbst schien von all dem mehr als unbeeindruckt zu sein.

„Dann eben nicht. Uns wird in nächster Zeit keiner finden. Meine Leute waren schon zu weit voraus gelaufen und deine Soldaten sind viel zu langsam und unfähig, um uns zu folgen. Ich kann dir helfen. Oder du verendest eben in einem Erdloch. Deine Entscheidung“, sagte er, stand auf und streckte sich ausgiebig, wie um zu demonstrieren, dass er völlig unversehrt war.

Gisborne knirschte mit den Zähnen. Dieser elende … Er wusste, dass Hood recht hatte, doch genau dieser Umstand machte ihn umso rasender. Er hegte keinerlei Interesse daran, von dem anderen das Leben gerettet zu bekommen und womöglich noch in dessen Schuld zu stehen – das würde zu den verqueren Moralvorstellungen dieser Gesetzlosen passen. Aber er hatte wohl keine Wahl.

„Na schön“, gab er schließlich nach.

Hood grinste dämlich und triumphierend und hockte sich erneut vor ihn. „Bereit?“, fragte er und griff nach dem Ende des Pfeils.

Gisborne war alles andere als bereit, doch er nickte nur matt.

„Ich zähl bis drei: Eins, zwei …“ Und mit einem kurzen Ruck riss er den Schaft mitsamt Spitze aus der Schulter.

„Verfluchte Scheiße!“, schrie Gisborne und ließ dem Aufschrei einen Schwall an Flüchen folgen.

„War doch nur halb so schlimm.“ Auf Hoods Lippen lag wieder dieses überhebliche Grinsen. Er riss ein Stück seines Hemdes ab und verband damit notdürftig die Wunde. „Wenn wir demnächst hier rauskommen, überlebst du vielleicht sogar.“

Gisborne schwieg, war hoch konzentriert, dem anderen nicht den Hals umzudrehen, und gleichzeitig den Schmerz zu ertragen. Diese selbstgefällige, arrogante Art.

Hood ließ sich nun ebenfalls, ihm gegenüber, auf dem Boden nieder, die Beine lässig angewinkelt und schaute zum Himmel hinauf.

Gisborne schloss die Augen. Vielleicht würde er ja gleich aufwachen, in seinem Bett, weit weg von Sheriff und Outlaws, und feststellen, dass das alles hier nur ein mieser Traum war. Vielleicht. Doch er hatte wenig Hoffnung.
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