Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Falling Skies

GeschichteFamilie, Sci-Fi / P12 / Gen
01.03.2012
01.03.2012
2
1.784
 
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
01.03.2012 1.419
 
Schreie, Schüsse, Hilferufe und Explosionen. Es herrschte heilloses Chaos. Die Menschen rannten umher, verzweifelt auf der Suche nach ihren Liebsten, den wenigen, die ihnen noch geblieben waren. Schutt und Asche flog durch die Luft, legte sich schwer über die Panik der Menschen. Die Erde bebte unter den schweren Explosionen, wenn die Monition der Mechs in Feuerbällen detonierte und erhebliche Teile des Gebäudes zum Einsturz brachte. Die Soldaten hatten Mühe, Ruhe unter die Zivilisten zu bringen, damit man Evakuieren konnte. Draußen konnte man die Befehle des Commanders hören. "Schützt die Zivilisten! Haltet die Scheißer fern! Dorgt dafür, das so gut wie alle überleben!" Man hörte ihm an, dass er keine Chance mehr sah, den Standpunkt zu halten. Kurz darau erschütterte eine heftige Explosion das Stück Erde, dass die Menschen für sich erobert hatten.     
"Georgie?", rief jemand. "Georgie, wo bist du?" Mit suchendem Blick irrte ein kleiner Junge gegen den Strom der fliehenden Menschen. Seine dunklen Locken waren staubbedeckt, das Gesicht verdreckt und Hände und Knie vom vielen Stürzen wund und aufgeschürft. Keiner kümmerte sich um den Kleinen, der immer weiter stolperte und den Namen rief, selbst als der Strom der Entgegenkommenden abriss. "Georgie?", rief er weiter, jedoch unsicherer und verängstigter als zuvor. Er stolperte über einen Stein, schaukelte und stürzte. Den Schmerz, der von den ausgestreckten Händen ausging, konnte er schon gar nicht mehr spüren.     
"Michael!"
Der Junge drehte sich um und seine klaren, blauen Augen leuchteten im verschmutzten Gesicht auf. Er grinste, winkte, rappelte sich auf und stürzte auf das dunkelhaarige Mädchen zu. Die Erde erbebte...


"Mike!"
Georgie schreckte aus dem Schlaf. Ihr Atem ging schnell und unregelmäßig, jeder Herzschlag schmerzte in der Brust und Tränen rannen über ihre Wangen. Sie hinterließen eine klare Spur auf dem verstaubten Gesicht. Sie zitterte am ganzen Körper, teils vor Kälte, teils weil ihr Körper von Schluchzern geschüttelt wurde. Georgie zog die Beine an, schlang die Arme darum und legte die Stirn gegen die Knie, die Augen geschlossen. Das runde Gesicht ihres kleinen Bruders vor ihrem geistigen Auge, das sie verängstigt und erschrocken anstarrte, als die Erde bebte und die Decke in sich zusammenbrach, den Jungen einfach unter sich begrabend. Für einen Moment war sie schwach geworden, hatte die sorgfältig aufgebaute Mauer Risse bekommen lassen und ihren Gefühlen freien Lauf gelassen. Sie spürte die feuchte Nässe der Tränen heiß auf ihren kalten Wangen. Unaufhaltsam kullerte eine nach der anderen hinab, kitzelte sie an der Nase, löste sich in ihrem Mundwinkel auf oder fiel über das Kinn auf die schmutzige Jeans.      
Hemmungslos schluchzend saß Georgie auf ihrem improvisierten Bett in ihrem provisorischen Lager, dass sie am Rande der verlassenen Kleinstadt aufgebaut hatten. Ganz in die Stadt oder gar in die Häuser hatten sie sich nicht getraut. Zu groß war die Angst davor, von den Ungeheuern entdeckt zu werden. Die erste Massasuchetts hatte sich auch in einer Stadt eingenistet und sich dort zu sicher gefühlt. Jetzt gab es weder die erste Mass noch die Stadt mehr.     
Die Mechs schossen zielsicher, legten alles in Schutt und Asche. Die Soldaten der ersten Massasuchetts gaben sich alle Mühe, die Roboter der außerirdischen Feinde in Schach zu halten und zurück zu drängen. Jeder, der einer Waffe mächtig war, unterstützte die Soldaten, während man alle anderen dazu anhielt, zu rennen, bis man nicht mehr konnte, am besten noch weiter. Georgie war durch das ganze Haus gerannt, hatte nach ihrem kleinen Bruder gesucht und ihn schließlich gefunden, genau in dem Moment, in dem der Teil des Hauses in sich zusammenbrach und ihn unter sich begrub.     
Georgie konzentrierte sich auf ihre Atmung. Sie musste sich beruhigen, sonst würde sie die anderen Kinder auch noch wecken und sie alle brauchten jede Minute Schlaf, die sie kriegen konnten. Morgen lag ein langer Marsch vor ihen und sie brauchten die Kraft und Ausdauer dafür. Keiner wusste genau, wo ihr Ziel lag. Irgendwo im Osten, aber wo genau war ungewiss.     
Ein. Aus. Ein. Aus.      
Das Beben der Schluchzer, das durch ihren Körper ging, ließ langsam nach, ihr Atem begann regelmäßiger zu gehen. Georgie stand auf. Mit einer Hand fuhr sie sich durch das lange, dunkle Haar und wischte sich mit der anderen über das tränennasse Gesicht. Ihre Augen brannten vom Weinen. Nur flüchtig glitt ihr Blick über die Kinder. Viele waren um einiges Jünger als sie selber und im Schlaf wirkten sie so friedlich und unschuldig, wie ihre Kindheit hätte sein sollen, so wie sie alle es verdient hätten. Manche Kinder lagen mit weit von sich gestreckten Armen und Beinen da, andere hatten sich zu winzigen Kugeln zusammengerollt. So hatte auch Mike immer dagelegen, zusammengerollt in ihren Armen. Ihr kleiner Mike.     
Georgie schluckte schwer und verbot sich selbst die Gedanken. Sie trat über ein paar Kinder hinweg und trat aus der Fabrikhalle, die sie sich als Übernachtungsmöglichkeit ausgesucht hatten.      
Die Nacht war klar, keine Wolke bedeckte den Himmel und die Sterne funkelten am Himmel. Es war Vollmond, hell und rund stand er hoch oben und seine Krater wirkten glatt so, als würde er lächelnd zur Erde herab sehen. Georgie kam es lächerlich absurd vor. Gerade in dieser Zeit, wo die Erde einem Untergang näher als je zuvor war.     
Unter einem Baum , der weit genug entfernt lag, um jegliche Gefahr schon in Entferung zu sehen, aber nah genug, um rechtzeitig Warnung geben zu können, saß Lou. Sie war die einzige, die wusste, wie man mit dem Gewehr umgehen konnte. Nach und nach brachte sie es auch den anderen bei, in einer Zeit wie dieser sollte jeder wissen, wie man sich zu verteidigen hatte, sagte Lou immer.     
Georgie sah zu dem Mädchen mit den kurzen, lilanen Haaren, ging kurzerhand zu ihr herüber und setzte sich zu ihr. Keines der Mädchen sagte etwas, stumm starrten sie in die Nacht hinaus. Lou hatte Georgie aus dem halb zusammengebrochenem Haus gezogen, sie an der Hand gefasst und mit sich gezerrt.

Es war kurz bevor die Nacht vom Tag abgelöst wurde. Die Sonne zeigte sich schon am Horizont und der dunkle Himmel war schon gar nicht mehr so dunkel wie zur späten Stunde. Sobald die Sonne etwas höher stehen würde, wollten sie aufbrechen und den Stützpunkt der zweiten Mass suchen.      
Lou und Georgie saßen eine ganze Weile still nebeneinander. Georgie hatte ihr dunkles Haar auf die eine Seite gelegt, die Beine angezogen und die Arme darum geschlungen. Die Tränen waren versiegt, die Wangen waren heiß und schimmerten rot. Ihre Hände hatte sie in den Ärmeln ihres grünen Pullovers vergraben, der so schmutzig war, wie sie es noch vor einem Jahr niemals zugelassen hätte. Die Jeans war an beiden Knien sogar zerrissen.     Wenn ihre Mutter da gewesen wäre, sie hätte die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen. Nicht nur über Georgies Kleidung, sondern auch über die Lebensweise. Mrs. Davis war Perfektionistin in jeder Hinsicht gewesen. Stets saßen ihre Haare perfekt, ihre Klamotten waren grundsätzlich farblich auf ihre Accesoires abgestimmt und ihr gesamter Tagesplan bis ins kleinste Detail geplant. Georgie hatte sich regelmäßig darüber aufgeregt, gerade wenn es darum ging, dass Georgie ihr Zimmer aufräumen sollte. Immer wieder hatte sie sich wegen solcher Kleinigkeiten mit ihrer Mutter in die Haare bekommen. Jetzt vermisste sie schrecklich den vorwurfsvollen Blick, die gespitzten Lippen und die zu hohe Stimme. "Georgiana Davis, du läufst rum wie die letzte Schlampe!", klang die Stimme ihrer Mutter in ihrem Ohr, wie sie da unter dem Baum saß und in die Nacht hinaus sah.
Irgendwann setzte sich Lou kerzengerade auf. Mit der Zeit war sie am Stamm immer weiter hinabgerutscht, aber jetzt war sie mit ihrer vollen Aufmerksamkeit zurückgekehrt. Wachsam sah sie sich um, jeden Muskel im Körper angespannt.
"Was ist?", fragte Georgie besorgt und richtete sich ebenfalls auf. Lou schüttelte sachte den Kopf, legte einen Zeigefinger auf die Lippen und deutete in die Richtung, in der etwas weiter entfernt die Hauptstraße lag. Die Stille der Nacht wurde durch zunehmendem Lärm unterbrochen. Regelmäßig bebte die Erde. Georgies Arme überzogen eine Gänsehaut, als in ihrem Kopf ein einziges Wort auftauchte: Mechs.
Und wo Mechs waren, da gab es auch Skitters und wenn sie sich jetzt nicht beeilten, waren sie geliefert.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast