Der Test der Zeit Band VI "Chroniken vom Krieg um Westtor"

von Nakago
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
28.02.2012
10.04.2012
7
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Der Test der Zeit
Teil VI
Chroniken vom Krieg um Westtor

Prolog

1. Eleasias 734 TZ Das Jahr des prächtigen Hirsches Chondathan

Ryan kommt auf mich zugeschossen, als ich meine Tochter Milindra vom Kindergarten abhole. Inzwischen ist sie schon über fünf Jahre alt und es wird bald Zeit, dass ich eine geeignete Schule für Mili finde. Seit Neustem kennt sie die Wahrheit über ihren Vater. Überraschenderweise hat sie ohne Tränen akzeptiert, dass ihr Vater ein Mistkerl ist. „Richtige Papas sind ab und zu mal zu Hause. Also ist mein Papa kein richtiger Papa“, hat Mili gemeint und damit war das Thema erledigt.

„Du Kaira, schön dich zu sehen. Und auch dich, kleine Mili!“ Ryan umarmt mich und unsere Symbole berühren sich. „Bin nicht mehr klein!“ Mili wehrt sich inzwischen vehement gegen solche Sprüche. Aber Ryan ignoriert sie. „Du hast doch sicher schon von den Purpurflammen gehört?“

„Diese legendäre Abenteurergruppe aus Cormyr, die sich gerade in der Stadt befindet und von denen gesagt wird, dass sie ein paar rote Drachen erschlagen hätten?“
„Ja genau die! Und stell dir vor, wir Wagemutigen treffen uns heute Abend mit ihnen in der Goldmünze!“
„Aha? Tun wir das?“
„Wir tun das, nach Sonnenuntergang in der Goldmünze. Wer wagt, gewinnt!“
„Welch prophetischer Name. Nun gut, ich bin dabei. Wer wagt, gewinnt.“
„Mama! Heißt das, dass du wieder die Welt retten musst?“ Mili steht breitbeinig mit in den Hüften gestemmten Fäusten neben mir. Ihre Unterlippe hat sie vorgeschoben und sieht gar nicht glücklich aus.
„Das weiß ich noch nicht, Milindra. Aber du bist doch schon ein großes Mädchen und deshalb hast du sicherlich nichts dagegen, wenn Mama kurz weggeht um die Welt zu retten.“ Da wird sie gleich ein paar Zentimeter größer und hat nun schon viel weniger was dagegen.

Pünktlich zur neunten Abendstunde bin ich dann in der Goldmünze. Wir Wagemutigen setzen uns gemeinsam an einen Tisch. Das Lokal ist ziemlich voll. Da sind Abordnungen aller größeren und kleineren Söldner-Kompanien der Stadt zu sehen. Von der grauen Brigade ist der Anführer Tefka der Berserker und seine neue zweite Hand zu sehen. Da wären die Fremden, angeführt von Radak Talynstein, der sein Gold im Mund in Form von falschen Zähnen trägt. Die Fremden sind alles Ex-Häftlinge und gelten als sehr harter Haufen. Da ist Larrads Kompanie, deren Spezialität hauptsächlich magische Unterstützung ist. Und noch einige andere Söldnerbrigaden, deren Namen so schnell wechseln, dass ich mir die Mühe erspare, sie hier aufzuzeichnen. Auch Thurka Hammerfall und eine Abordnung des Tempus Tempels ist vorhanden. Und natürlich die fünf Purpurflammen. Die besteht aus zwei Zwergenbrüdern mit den Namen Kordan und Orbo Schildheim, beides schwer gerüstete Kämpfer, wobei Kordan auch geweihter Priester des Moradin sein soll, einer blonden elfischen Magierin mit dem Namen Jellara Tellynan. Für den Tellynan Clan arbeitet ja auch Lia. Jellara wagt es wenigstens unmaskiert durch die Stadt zu laufen und bis jetzt gab es noch keinen Zwischenfall. Dann wäre da noch Baskor Rotklinge, ein ehemaliger Gladiator, der über hundert Gegner getötet haben soll. Seine Waffen sollen immer voll Blut sein. Jedenfalls hat er sich in der Arena von Chondathan noch nicht blicken lassen.

Schließlich werden die Anführer gemeinsam in ein Hinterzimmer gerufen. Der Boden ist voll magischer Zeichen. Ryan fragt mich, was für Zeichen das sind. Als ob das nicht offensichtlich Zeichen sind, welche magisches Ausspähen unterbinden sollen. Entsprechend angenervt erkläre ich ihm das Offensichtliche.

Der Anführer der Purpurflammen tritt ins Zentrum der Runde. Es handelt sich um einen rotblonden Chondathaner Mitte dreißig, der einige leichte Narben im Gesicht trägt. Er stellt sich als Farnath II. Ilistar vor. Wie jeder Geschichtswissende weiß, waren die Ilistar einst die Herren von Westtor, bis der Ururgroßvater von Farnath II vom Thron gestoßen worden war. Farnath II ist der Meinung, dass lange genug Despoten seine Stadt regiert haben und es Zeit für einen Wechsel ist, einen Wechsel zu einem rechtmäßigen und gerechten Herrscher. Das Problem dabei ist, der jetzige Despot ist Iyachtu Xvim, Halbgott, Sohn des Tyrannos und seine Armee besteht aus Teufeln, Halbscheusalen und Tieflingen. Deswegen wird es auch nicht einfach werden. Was wir zu hören bekommen, ist recht wage. Das Grundgerüst des Planes ist eine Isolation von Westtor. Unsere Truppen wären zahlreich genug, die Stadt von Land abzuriegeln und es wird eine Flotte geben, welche den Hafen abriegeln. Woher diese Flotte kommt, wird uns nicht gesagt, aber es gibt nicht allzu viele Seemächte, die ihre Flotte Söldnern zur Verfügung stellen würden. Schätze mal, unsere Freunde zur See werden von den Pirateninseln sein. Und die Inseln heißen so, weil ihre Bewohner genau diesem Gewerbe nachgehen.

Die umliegenden Gemeinden stehen unter der Fuchtel von Westtor und die werden Truppen zur Hilfe schicken. Aber Farnath II meint, dass diese Truppenbewegungen unkoordiniert wären und wir sie einzeln zerbrechen werden. Ich habe zwar keine Ahnung, wie sie diese ganzen teleportierenden Teufel davon abhalten wollen, so etwas zu koordinieren, aber ich denk mal, wer ein paar rote Drachen erschlagen kann, der kann auch so was. Was genau nun für uns Wagemutigen herausspringen wird, ist nicht so ganz klar. Einen fairen Anteil der Beute. Was auch immer das bedeuten mag. Schicksalswächter Ryan meldet gleich mal Ansprüche auf einen Tempel an. Na, wer es nötig hat. Wir sind wohl dabei. Ich finde diese Aufgabe gut, es war schon lange überfällig, diesen Schandfleck an der Drachenküste zu tilgen. Xana ist nicht wohl dabei, ihr Baby allein zu lassen, wo es doch noch gestillt werden muss. Aber sie kann sich ja mehrmals am Tag hin und her teleportieren. Und ich kann ja dann auch Mili besuchen. Lia fragt, was wir wohl alles brauchen werden. Tja, da wären wohl Waffen aus Alchemistensilber angesagt. Sieht so aus, als wären die Wagemutigen wieder im Geschäft.

Kapitel 1
Die Schlacht von Iterbar

7. Eleasias 734 TZ Das Jahr des prächtigen Hirsches Küste vor Iterbar

Es gibt einen leisen Knall, als unser Schiff die Wasseroberfläche durchstößt. Wir sind nur noch wenige hundert Meter von der Drachenküste entfernt. Unser Schiff, das eigentlich nicht mehr als ein Wrack ist, steuert mit hoher Geschwindigkeit auf den Ort Iterbar zu. Um uns herum macht sich die Reserve von Talisia bereit. „Möge die Dame uns lächeln!“, sage ich und führe mein Amulett an die Lippen, Stirn und Herz. „Gleich geht es los! Möge der Feindhammer uns gewogen sein!“ Dolon tritt unruhig von einem Bein auf das andere. Wir sind die einzigen Wagemutigen hier. Die anderen drei haben einen anderen Geheimauftrag von Farnath II bekommen.

Vor drei Tagen haben wir Chondathan auf diesem Wrack verlassen. Wir haben uns so gut wie möglich darauf vorbereitet. Sogar 9 Hennen und einen Hahn habe ich mitgenommen, um frische Lebensmittel für den Fall der Fälle zu haben. Auch ein Kurzschwert aus meisterhafter Fertigung, in dessen Legierung Silber eingemischt worden ist, habe ich erstanden. Teufel reagieren ja empfindlich auf dieses Metall. Für den Transport sorgen nicht nur ganz normale Schiffe, sondern auch untergegangene Schiffe, die von Fischmenschen mit Magie betrieben werden. Auf einem solchen Schiff befinden wir uns. Es muss schon vor Jahrhunderten gesunken sein, denn alles ist mit Muscheln und Algen verkrustet gewesen. Den Großteil der Strecke haben wir unter Wasser zurückgelegt, umgeben von einer Blase aus Luft. War anfangs ein sehr merkwürdiges Gefühl, nur durch etwas Magie von dem ganzen Wasser um einen herum getrennt zu sein. Nicht auszudenken, wenn die auf einmal nicht mehr gewirkt hätte.

Dolons und mein Auftrag lautet nun, die Söldnerkompanie Talisias Reserve zu unterstützen und Kontakt mit Abgesandten des Barons Dragnor von Köhlerheim aufzunehmen. Er ist ein potentieller Verbündeter, der „Wegesteine“ sein eigen nennt. Ich weiß nicht, was das für Steine sein sollen, aber sie scheinen sehr wichtig für die weiteren Pläne zu sein. Wir haben an der Strategiebesprechung teilgenommen, die auf diesem Schiff stattgefunden hat. Unsere Streitmacht besteht aus etwa achttausend Mann. Davon werden viertausend in der ersten Phase Westtor abriegeln. Die anderen viertausend werden die umliegenden Baronien besetzen und deren Streitmächte vor ihrer Vereinigung getrennt zerschlagen. Theoretisch sind uns die feindlichen Truppen von der Mannstärke deutlich überlegen, deswegen ist es sehr wichtig, sie anzugreifen, während sie noch verstreut sind. Eine Vereinigung der Truppen muss unter allen Umständen unterbunden werden.

Iterbar wird schnell größer. Es ist eine Fischersiedlung mit etwa fünfhundert Einwohnern. Ihre Boote liegen noch hochgezogen auf dem Strand. Wie wild wird ein Gong auf dem einzigen befestigten Wachturm geschlagen. Bogenschützen sammeln sich an mehreren Punkten. Mit einem lauten Knirschen läuft unser Schiff auf. „Legt die Planken aus!“ Es gibt etwas Konfusion, als die Planken ausgeschwenkt werden. Aber Dolon greift mit ruhiger Hand ein und bringt Ordnung in das Chaos. Schließlich liegen die Planken und die Truppen beginnen mit dem Ausschiffen. Wir sind in der Vorhut. Einige Pfeile fliegen uns entgegen. Ich bin ziemlich nervös und weiß nicht genau, was ich tun soll. Unsere Gegner sind keine Bestien oder Monster, sondern nur Menschen, die ihre Heimat verteidigen. Mein eigentlicher Feind ist in Westtor, Teufel, Halbscheusale, Tieflinge, Tyrannos, Baal und Myrkul-Anhänger, da ist klar, was zu tun ist. Aber das sind einfache Menschen, die eigentlich nur das Pech haben, unter der Knute von Westtor zu sein. Deswegen unterlasse ich es, ihre Formation mit einem Feuerball aufzubrechen. Schnell wird den meisten Verteidigern klar, dass sie keine Chance haben, sie werfen ihre Waffen weg und ergeben sich. Es gibt hier und da kleinere Scharmützel, aber der Großteil der Gegner wird überwältigt und gefangen genommen.

Danach beginnt die Durchsuchung des Dorfes nach weiterem Widerstand. Zum Glück kommt es zu keinen Ausschreitungen. Dolon sorgt mit strenger Mine dafür, dass es zu keinen Plünderungen oder Vergewaltigungen kommt. So was tun nur Garagosanhänger, Tempusgläubige sollten über so etwas erhaben sein. Nun ja. ich merke schnell, Krieg in dieser Form ist nicht mein Ding. Wir gehen schließlich zum Wirtshaus und nehmen die dortigen Gäste in Augenschein. Laut unserem Auftrag sollen hier Kontaktleute von Baron Dragnar auf uns warten. Es sind nur sechs Reisende anwesend. Ein Halbling mit einem Rucksack, der fast so groß ist wie er selbst. Drei Händler, die ihre Waren mehr oder weniger mit am Leib herum tragen und zwei Männer in Mänteln und Kettenhemden. Meine Intuition sagt mir, dass es die beiden Männer in Kettenhemden die Unterhändler sind.

7. Elesias 734 TZ Das Jahr des prächtigen Hirsches Iterbar

Wir setzen uns zu ihnen an den Tisch und fangen an, mit ihnen zu reden. Es gibt etwas hin und her, bis sie zugeben, die Unterhändler zu sein. Aber wir müssten zuerst einen Test bestehen. Dazu müssen wir nur das Orakel des Landes besuchen und dessen Einverständnis erlangen. Aha? Hört sich für mich verdammt seltsam an. Wie es aussieht, herrscht hier eine starke Verbundenheit mit dem Land und dessen Geistern. Klingt schwer nach Feen Blabla. Ich schau Dolon fragend an und er nickt. Dann werden wir uns wohl dieser Prüfung stellen. Wir bekommen eine Karte gezeigt, die ich abmale. Zu Pferd werden wir etwa vier Stunden dorthin brauchen. Wir requirieren uns zwei Pferde und brechen sofort auf. Um das Dorf herum liegen einige Felder, die bald in Weiden übergehen. Hier und da sind freilaufende Kuhherden zu sehen. Entweder sind die Hirten geflohen oder es gibt hier äußerst drakonische Strafen auf Viehdiebstahl, dass man sie nicht bewachen muss.

Dolon übernimmt die Führung und ich reite hinter ihm her. Seit unserem Ausflug in den Drunakwald sind wir das erste mal wieder alleine unterwegs. Schon bald reden wir über den damaligen Ausflug und hoffen beide, dass uns dies nicht wieder in einen solchen Alptraum führen wird. Schließlich erreichen wir die Ausläufer des Köhlerwaldes, in dem sich das Orakel samt eines kleinen Dorfes befinden muss. Wirkliche Pfade sind schwer auszumachen. Wir finden schließlich einen Wildwechsel, der in die richtige Richtung führt. Schon bald müssen wir absteigen und führen unsere Pferde an den Zügeln. Der Wald fühlt sich an wie ein normaler Wald. In solch einem Gehölz habe ich einen guten Teil meiner Kindheit verbracht. Nach etwa einem Kilometer Fußmarsch finden wir die Leiche eines Bauernjungen. Er trägt nur ein einfaches Hemd und eine Hose ohne Gürtel. Tasche oder Stock hat er nicht bei sich. Er ist von einem sauberen Hieb getötet worden. Der Boden um ihn herum ist aufgewühlt. Es waren mehrere Personen um ihn herum. Jetzt wäre Lia praktisch, die könnte wahrscheinlich mehr herausfinden. Wir spekulieren darüber, was passiert sein kann. Aber wir haben zu wenig Anhaltspunkte für eine schlüssige Theorie.

Wir heben den armen Jungen von etwa acht Jahren auf mein Pferd und finden kurz darauf einen richtigen Weg. Jetzt zieht aber unnatürlicher Nebel auf und wir ziehen unsere Waffen. Allerdings passiert erstmal nichts weiter. Vorsichtig rücken wir weiter vor. Schließlich schälen sich die Konturen eines Dorfes vor uns aus dem Nebel heraus. Weitere Leichen sind zu sehen, einige sind noch bewaffnet, aber ein Blick durch meine Brille sagt mir, dass sie nicht untot sind. Ich beschwöre ein Arkanes Auge und lasse es durch das Dorf fliegen. Im Zentrum finde ich auf dem Dorfplatz das Orakel, das ein Gesicht aus Erde zu sein scheint. Davor kniet eine Frau mit Flügeln auf den Rücken und einem Schwanz. Sie trägt eine dunkle Ritterrüstung mit einem Helm mit Visier. Ein Mann ist bei ihr und redet sie an. Die Teufelin schickt ihn weg. Uns wurde gesagt, dass Westtor über zwei Generäle verfügt, einer für die Stadtverteidigung und einer für die Außenbereiche. Über den General für die Außenbereiche ist wenig bekannt, da er noch recht neu ist. Wahrscheinlich haben wir diesen General vor uns.

Nach kurzer Beratung beschließen Dolon und ich, uns diese Frau mal näher anzusehen. Ich spreche „Schild!“ und „Vor Bösem sei ich geschützt!“ Vorsichtig rücken wir ins Dorf vor. Die Frau ist wenig überrascht uns zu sehen. Sie hat ein blaues Krummschwert in der Hand, das seltsam leuchtet. Ihre Stimme unter dem Helm ist irgendwie unpassend sanft. Wir diskutieren kurz miteinander. Sie scheint sehr vom „Schicksal“ überzeugt zu sein. Schade, dass Ryan nicht hier ist, da hätten sich die beiden richtigen gefunden, um stundenlang ihren Quark auszutauschen. Für sie ist alles vom Schicksal vorbestimmt. Einzelne Individuen können kaum Einfluss darauf nehmen, höchstens das eine oder andere Detail bestimmen, alles andere steht schon seit Äonen fest. Aha?

Ich bin ja eher der Meinung, dass jeder in einem gewissen Rahmen sein Glück oder Schicksal selbst bestimmen kann. Klar, manche Gesellschaften schreiben einem durch Strukturen zuviel vor, aber selbst da kann man noch ausbrechen. Das Thema ist recht komplex, aber die Toten um uns herum erinnern mich daran, dass wir nicht hier sind, um eine philosophische Grundsatzdiskussion zu führen. Zeit, statt Argumenten ehrlichen Stahl sprechen zu lassen. Möge die Dame mir lächeln und der Feindhammer unseren Kampf mit Wohlwollen betrachten.

7. Elesias 734 TZ Das Jahr des prächtigen Hirsches Dorf des Orakels

Ich eröffne den Kampf, indem ich ihr eine meiner neuen mächtigen Säurekugeln entgegenschleudere, die sie hart trifft. Sie versucht Dolon niederzustrecken, aber der Angriff scheint bei ihm nicht zu wirken. Aber ihr Krummschwert verursacht auch so schon schlimme Wunden. Wir flankieren sie und setzen ihr hart zu. Auch wenn mein Rapier Probleme hat, eine Schwachstelle in ihrer Rüstung zu finden. Dafür lässt Dolon seinen Zweihänder tanzen. Aber auch er schlägt mehr Funken heraus, als dass er wirklich sie trifft. Die Frau ist echt hart. „Euer Schicksal wird sich noch heute erfüllen. Euer Tod ist unausweichlich“.

Nicht, wenn es nach mir geht. Sie trifft mich mehrmals sehr heftig mit ihrem Krummschwert. Ich muss mich von ihr lösen und trinke einen mächtigen Heiltrank, der den Großteil meiner Wunden schließt. Auch Dolon muss kurz zurücktreten und sich heilen. Das wird sich noch ziehen. Ich verdopple meine Bemühungen, aber mein Rapier gleitet weiter an ihrer Rüstung ab. So wird das nichts. „Heerführerin? Ist alles in Ordnung?“, hören wir eine Stimme aus der Ferne. „Mit denen werde ich auch alleine fertig!“, ruft sie zurück. Ihre Untergebenen scheinen ihren Optimismus nicht zu teilen und ich kann hören, wie sich mindestens ein Dutzend schwer gerüsteter Kämpfer in unsere Richtung in Bewegung setzt. Sehen kann ich sie noch nicht. Aber viel Zeit werden wir nicht mehr haben. Ein weiterer harter Hieb trifft mich und lässt mich aufstöhnen. Allein die Frau ist schon so heftig, dass sie uns nieder kämpft, obwohl wir zu zweit sind. Da brauchen wir echt nicht noch ihre Leibwächter, die auch noch auf uns herumhacken. Man muss wissen, wann es Zeit ist zu kämpfen, und wann man lieber nicht weiter kämpft.

Mit einem Flick Flack löse ich mich von ihr, flippe zu Dolon, berühre ihn und sage „250 Meter nach Norden“. Die Umgebung verschwimmt um mich herum und ein kurzer Moment der Desorientierung tritt ein. Als ich wieder klar denken und sehen kann, befinden wir uns beide in einem Waldstück. „Hm, Tempus sieht es nicht gerne, wenn man sich von einem ehrlichen Kampf zurückzieht“, meint Dolon, aber ich kann ihm ansehen, dass er froh ist, nicht mehr gegen diese Teufelin kämpfen zu müssen. Er heilt unsere Wunden und wir schleichen uns wieder zurück in Richtung Dorf. Wir können sehen, dass die Frau nun von mehr als zwei Dutzend schwer gerüsteter Soldaten umgeben ist und ein Kleriker des Tyrannos ihre Wunden heilt. Gemeinsam verlassen sie den Ort. Wir warten etwas und gehen dann ein weiteres Mal zu dem Gesicht aus Erde, was wohl das Orakel ist.

Wir reden mit dem Orakel. Es meint, die Teufelin hätte die Bindung aufgelöst und er würde nun gehen. Er warnt uns eindringlich vor der Frau, da sie von einem bösen Geist beraten werde, den sie für das Schicksal hält. Diese Frau sei fanatisch und irregeleitet. Sie werde sehr viel Unheil anrichten, wenn niemand sie stoppt. Nun, vielleicht werden die gesammelten Kräfte der Wagemutigen ausreichen, um ihr Herr zu werden. Aber wir alleine waren nicht stark genug. Auf alle Fälle gibt uns das Orakel den Segen des Landes, sodass unsere Aufgabe damit erfüllt ist. Dann fällt das Gesicht aus Erde in sich zusammen. Der Geist ist gegangen.

Wir sammeln die Leichen auf und legen sie in die Hütte, deren Tür als einzige nicht eingeschlagen ist. Über siebzig Tote tragen wir so zusammen. Was für ein Gemetzel. Auch den armen Jungen legen wir dazu. Welch furchtbare Tragödie. Ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum Truppen aus Westtor das gemacht haben. Letztendlich sind das ja ihre Leute gewesen. Oder wissen sie schon von dem geplanten Verrat von Baron Dragnar? War dies eine Warnung?

Nachdem wir diese traurige Pflicht erfüllt haben, reiten wir in gedrückter Stimmung zurück. Diese armen Menschen. Krieg ist wirklich furchtbar. Ich hoffe, dass dieser Feldzug schnell zu Ende ist, sodass die Bevölkerung nicht zu lange darunter leiden muss. Kurz vor Iterbar stöbert Dolon einen Kundschafter auf. Uns gelingt es, den Späher einzuholen und mit meinem Totschläger KO zu schlagen. Er hat ein teures Fernglas bei sich. Kann ich gut gebrauchen. Ich fessel ihn und wir bringen ihn in das Gasthaus. Aber zuerst reden wir mit den Unterhändlern. Dolon meint, dass sich zwei Geister hier befinden, wahrscheinlich berichten sie gerade über das Geschehene. Die Prüfung haben wir bestanden. Sobald die anderen hier sind, werden wir aufbrechen. Nun gut.

Wir schleppen den Späher in das Hinterzimmer und ich schütte einen Eimer Wasser über ihn aus. Er leugnet, dass er ein Späher ist, aber seine Gedanken verraten ihn. Er gehört den schwarzen Klingen. Das ist sozusagen die Schildwacht von Westtor. Also offizielle Truppen der Stadt, die dem jeweiligen Herrscher dienen. Nun gut, und nun? Wir überlegen kurz und Dolon schlägt vor, dass wir das dem Hauptmann der Talisia Reserve überlassen. Der Hauptmann macht einen etwas überforderten Eindruck. Scheint wohl noch nicht allzu lange im Amt zu sein. Vielleicht kann man ja in Verhandlung mit den Schwarzen Klingen treten und sie davon überzeugen, dass sie dem rechtmäßigen Herrscher die Treue schwören und mit uns gegen den Usurpator Iyachtu Xvim kämpfen.

8. Elesias 734 TZ Das Jahr des prächtigen Hirsches Iterbar

Es ist früher Morgen, die Sonne geht gerade auf, als der Alarmgong auf dem Wachturm panisch geschlagen wird. Was ist nun los? Ich springe aus dem Bett und eile barfuss zum Fenster. Auf der nahen Hügelkette zeichnen sich mehrere Banner ab, die alle gekreuzte Schwarze Schwerter tragen. Die Kompanie der schwarzen Schwerter greift uns wohl gerade an. Verdammnis!

Ich schlüpfe in Kettenhemd und Stiefel, lege Wehrgehänge und Rucksack an. Dann helfe ich Dolon in seine Ritterrüstung. Draußen herrscht ganz schöne Konfusion. Die meisten Mitglieder der Talisia Reserve sind junge Männer und Frauen, teilweise noch jünger als wir. Und sie werden von einem unerfahrenen und überforderten Hauptmann geführt, der wohl der älteste des ganzen Haufens ist und dessen Alter wohl die einzige Legitimation für seinen Posten ist. Aber Dolon schafft es mit einigen richtigen Worten genug Ordnung und Mut in den Haufen zu bringen, dass sie sich schließlich zu einer geschlossenen Formation aufstellen. Ich probier gleich mal das neue Fernrohr aus und mustere die feindlichen Linien. Angeführt wird der Haufen von einem vernarbten Menschen, an seiner Seite ist eine Tiefling. Und ich schätze mal, dass sie mehr sind als wir, wenn auch nicht doppelt so viele. Hörner erklingen und die Schwarzen Schwerter bewegen sich in Formation auf uns zu. Sie sind schon recht nahe.

„Schild!“ „Zäh wie ein Ochse!“ und „Falsches Leben!“ spreche ich nach und nach. Leider konnte ich meine gestern aufgebrauchten Zauber noch nicht auffrischen. Das wird ein harter Kampf werden.

„Soldaten der Talisia Reserve! Verzagt nicht im Angesicht der Übermacht, denn der Feindhammer kämpft auf unserer Seite. Sie mögen viele sein, aber sie kämpfen für das Böse, denn Iyachtu Xvim ist wahrlich ein Teufel! Wir kämpfen für den rechtmäßigen Herrscher, Farnath II. Möge das Licht über die Finsternis siegen. Folgt mir zum Sieg!“, ruft Dolon unseren Linien zu. Und schon prallen die Truppen aufeinander. Sofort taumeln unsere Einheiten unter der Wucht des Aufpralls einige Schritte zurück. Aber die Linie hält. Noch!

„Kaira! Wir müssen die Anführer der Gegner ausschalten, das ist unsere einzige Chance, sonst werden unsere Linien zerbrechen“, raunt Dolon mir zu. Nun gut, wir stürzen uns wagemutig mitten ins dichteste Kampfgewühl. Wir stechen und hacken uns in Richtung des vernarbten Generals durch. Geschickt weiche ich tänzelnd den meisten Gegnerischen Attacken aus, während Dolon auf die Härte seiner Rüstung vertrauen muss. Schließlich steht der General vor uns. Dolon schnappt ihn sich, während ich uns Luft verschaffe, indem ich einen Feuerball in die feindliche Konzentration an Truppen vor uns schicke. Leider explodiert der Feuerball so nahe, dass er mich beinahe auch noch erwischt hätte. Aber ich kann gerade so noch ausweichen. Dutzende von Menschen brennen neben mir und gehen schreiend zu Grunde. Es riecht nach verbranntem Fleisch und die Schreie werde ich nie vergessen. Krieg ist schrecklich. Irgendwie lassen die Barden in ihren Kriegsballaden solche Details aus. Verdammnis!

Ich lasse mich zurück fallen und helfe Dolon, sich um den General zu kümmern. Währenddessen schießt die Tieflingshexe gemeine Strahlen auf mich ab. Das tut verdammt weh! Dolon ergeht es noch schlechter, da er ziemlich Prügel vom General bezieht, da der es echt versteht, seinen Zweihänder zu führen. Durch meinen Feuerball ins Zentrum des Feindes hat die gegnerische Moral ziemlich gelitten und auch ihre Übermacht ist dahin. Dolon löst sich kurz und heilt nicht nur sich sondern auch die Umstehenden mit einem seiner mächtigen Zauber. Mir gelingt es mit mehreren gezielten Stichen Schwachstellen der Rüstung des feindlichen Anführers auszunützen und schließlich sinkt der General durch mein Rapier tödlich getroffen zu Boden. So!

Nun hat eine gewisse Tieflingshexe gleich eine Verabredung mit Myrkul. Inzwischen haben unsere Linien sich nicht nur stabilisiert, sondern wir drängen nun auch die Westtorer Truppen immer schneller zurück. Ich schnappe mir die Tieflingshexe und werfe ihr eine Kugel aus Säure an ihre gehörnte Stirn. Tödlich getroffen sinkt sie zu Boden. Tja, ich kann das halt besser als sie. Nun gibt es für die Schwarzen Schwerter kein Halten mehr. Ihre Niederlage ist besiegelt. Ihr Widerstand bröckelt. Wer nicht flieht, wird gefangen genommen. Der Sieg ist unser, die Schlacht von Iterbar ist siegreich beendet. Dolon hält noch eine kleine Predigt und dankt Tempus für unseren großen Sieg. Die erste Schlacht ging zu unseren Gunsten aus, die Dame hat mir heute wirklich mal wieder gelächelt.

Gespielt am 25.04.2009
Spielleiter: Stefan
SC: Kaira 12 (Schurke 4/ Seher 1/ Unseen Seer 4/ Arkaner Trickser 3),
Dolon 11 (Kleriker 8/Kriegspriester 3),
Erfahrungspunkte: für Stufe 11 1300 Stufe 12 1125
Überwundene Gegner
Die Heerführerin (OK, wir haben sie bekämpft, aber nicht wirklich besiegt)
Tiefling Hexe
Der General
Beute
1 Fernglas
20 GM !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
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