The summer which changed my life

von Maps
GeschichteDrama, Familie / P16
27.02.2012
16.09.2013
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The summer which changed my life

„So?“ fragte mich der junge Mann mir gegenüber. Was wollte er hören? Das ich ihm ins Gesicht sagte „Guten Tag, Sir. Ich wollte sie soeben bestehlen, sie haben doch nichts dagegen oder?“ Warum hatte ich mich auch erwischen lassen? Hätte ich nicht einfach warten können bis ich heute Abend wieder etwas zu Essen bekam? Wenn auch nur wenig. Jetzt war ich ihm ausgeliefert, diesem jungen Mann um die zwanzig, der mir, komischer Weise freundlich zulächelte. Er konnte alles mit mir machen. Im stillen betete ich zu Gott er wolle mir gnädig sein und mich nicht anzeigen, mein Vater würde mich töten. Doch anstatt sein Handy rauszuholen und die Polizei anzurufen reichte mir der Mann einen Apfel vom Baum hinter ihm. Erstaunt sah ich ihn an, „D-d-danke, Sir.“ stotterte ich verwirrt und biss hungrig hinein. „Wie heißt du?“ fragte er mich während er mir beim Essen zusah. „George, Sir.“ antwortete ich wahrheitsgetreu, mein Bauchgefühl sagte mir ich könnte ihm vertrauen. „Warum wolltest du denn unsere Äpfel stehlen, George, du hättest doch nur fragen müssen?“ zog mich der Herr auf. Beschämt sah ich zu Boden, ich war wohl doch noch nicht ganz aus dem Schneider. „Tut, tut mir Leid, Sir.“   flüsterte ich und fügte vorsichtig „Werden sie mich laufen lassen, Sir ?“ hinzu. „Natürlich George. Iss nur erst auf, dann kannst du abhauen.“ Mein Herz machte einen Sprung. Gott sei Dank, damit war mein Abend gerettet. „Danke, Sir.“ Warum mich wohl der Mann die ganze Zeit angrinste? Ich aß schnell auf und rannte aus dem Pfarrgarten. „Lass dich mal wieder blicken!“ rief er mir noch hinterher.


Das dieser Mann, der bekannte Sänger Thomas Gibson war, erfuhr ich erst viel später. Ich jedoch war überhaupt nicht bekannt. Mein Name ist George, George Brown. Ich bin zehn Jahre alt, auch wenn mir das viele nicht glauben. Es ist nämlich so, dass ich ziemlich klein und zierlich für mein Alter bin. Das kommt daher, dass ich gar nicht groß und stark werden möchte, dafür wäre sowieso  kein Platz. Und genügen zu Essen haben wir dafür eh nicht. Wir, die Browns, sind nämlich nicht wie gewöhnliche Familien hier in Manchester mit ein oder zwei Kindern. Wir sind zu zwölft. Ich bin der 7. Der Jüngste, Luke, ist erst vor 2 Monaten geboren. Danach kommen  James (2), Oliver (4), Elliot (6), die Zwillinge David (8) und John (8), ich, Harry (12) , Tom (14) und Charlie (16).

Zusammen mit Mum und Dad wird es in unserer drei Zimmerwohnung oft ganz schön eng. Und als ob das nicht reichen würde wohnt direkt unter uns mein Onkel Harvey mit seinen fünf Töchtern. Jedoch ist Madison, die älteste schon 20. Dann kommen Keira (16), Amber (13), Emma (11), und die Jüngste Sarah (7). Unsere beiden Familien wohnen praktisch gemeinsam, auch wenn wir eigentlich verschiedene Wohnungen haben. Bei meinem Onkel wohnen auch noch meine Grandma Harriet und Mein Grandpa Samuel. Das macht die räumliche Lage bei ihnen auch nicht um viel besser als bei uns. Natürlich denken sich jetzt bestimmt manche, warum kaufen wir uns nicht einfach eine größere Wohnung? Nun, dass würden wir schon machen, jedoch ist dafür kein Geld da. Mein Vater arbeitet zwar und meine Mutter auch, jedoch arbeitet er auf der Baustelle und meine Mutter putzt. Das bringt einfach nicht genug ein. Zwar tragen Tom und Harry Zeitungen aus und Charlie arbeitet nach der Schule in einem Fastfoodrestaurant, doch das hilft auch nicht viel.

Bei meinem Onkel unten ist es nicht anders. Er arbeitet mit meinem Vater auf dem Bau und meine Tante, Scarlett arbeitet im Supermarkt an der Kasse. Doch Madison hat einen guten Job in einer Bank und unterstützt sie finanziell immer wieder und die Rente von Grandma und Grandpa kassieren sie auch. Außerdem hat mein Onkel nur sieben Mäuler die er stopfen muss und ob sieben oder zwölf ist doch ein erheblicher Unterschied. So war also nicht immer genug Essen für alle im Haus, gerade gegen Ende des Monats, wie auch an jenem Tag als mich die Pfarrhaushälterin erwischt hatte wie ich gerade einen Apfel stehlen wollte.

Schon Morgens hatte ich kein Frühstück mehr abbekommen, weil die Zwillinge vor mir wach waren und die letzten zwei Scheiben Toast vernichtet hatten. Den ganzen Tag über rumorte es in meinem Magen und es schien mir als würde er mir „Füttere mich, Füttere mich“ zurufen, fast so wie in dem Märchen von Frau Holle. Ich schlich wie so oft durch die Gassen von Manchester, da sah ich einen prächtigen Apfelbaum hinter der Mauer des Pfarrgartens. Ich kletterte hinauf, sprang auf den Apfelbaum und wollte gerade in einen hinein beißen, da entdeckte mich die Haushälterin und jagte mich vom Baum. Nachdem der Herr mir dann doch einen Apfel geschenkt hatte, war mein Hunger nicht mehr ganz so groß, jedoch hätte ich meines Erachtens nach ruhig noch drei Äpfel essen können. Dennoch rannte ich aus dem Pfarrgarten und weiter in die Innenstadt. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr und schlenderte nach Hause. Da kam mir auch schon Harry  entgegen gerannt. „George! George!“ rief er mir schon von weitem zu. „What´s up, Bro`?” begrüßte ich ihn. „Sieh nur was ich habe, damit zahlen wirs Noah heim.“ Er hielt mir drei rohe Eier vor die Nase die einen Abscheulichen Gestank verbreiteten.  „Wo hast du die denn her?“ fragte ich freudig. „Aus Onkel Harveys Kühlschrank, sie müssen schon ewig alt sein. Genau das Richtige als Rache für heute Morgen, findest du nicht?“ „Und wie.“ stimmte ich zu.

Noah, ein Junge aus meiner Klasse, war nämlich das genaue Gegenteil von mir. Er war Einzelkind, seine Familie war stinkreich und er hänselte mich wo er nur konnte. Heute Morgen hat mich in der Schule vor allen anderen bloßgestellt, weil ich als einziger keinen Lunch dabei hatte. Ich hatte es Harry erzählt, auf seine Ideen konnte ich mich immer verlassen. Wir holten also unsere aus einem Gummi und einem Ast gebastelten Schleudern und fuhren mit dem Bus in Richtung „Bonzenviertel“. Vor Noahs Haus legten wir uns auf die Lauer. Es dauerte etwa eine dreiviertel Stunde, dann verließ er gestriegelt und gekämmt das Haus, ich hörte noch wie er „Auf Wieder sehn, Mum!“ ins Haus rief. Das war unser Stichwort. Wir sprangen hinter der kleinen Gartenmauer hervor und feuerten unsere drei rohen Eier auf Noah ab. Jedes einzelne traf. Unter lautem Wehgeschrei verschwand er zurück im Haus, während wir uns hinter der Mauer vor Lachen garnichtmehr einkriegten. Bis mich von Hinten jemand an der Schulter packte. Erschrocken drehte ich mich um.

Es war Noahs Vater. „Seit ihr beide Harry und George?“ fragte er uns in scharfem Ton. „J-ja, Sir.“ stotterten wir verdutzt. „Ihr findet Sachbeschädigung wohl lustig?“ „N-nein, Sir.“ stotterte ich perplex. „Schweig.“ herrschte er mich an, dann zog er uns beide an der Schulter ins Haus. „Setzt euch!“ wies er uns im Wohnzimmer an. Das Wohnzimmer allein war ungefähr so groß wie unsere ganze Wohnung. Eingeschüchtert setzte ich mich neben meinen Bruder aufs Sofa. „Habt ihr überhaupt eine Ahnung, was ihr mit eurem dummen Streich angerichtet habt?!“ schrie uns der Herr an. „Tut uns Leid.“ mumelte ich kleinlaut, kassierte dafür aber von Harry einen Schmerzhaften Rämpler in die Rippen. „Fragen sie doch mal ihren Sohn, warum wir das getan haben.“ trotzte er dann Noahs Vater, „Er hat es nämlich verdient und noch schlimmeres.“ „Du ungezogener, kleiner...!“  Er holte aus, ich schloss die Augen in Erwartung einer Ohrfeige, doch sie blieb aus. Auch Harry hatte erwartungsvoll die Augen geschlossen. Vorsichtig machten wir sie wieder auf.

„Du! Ihr beide...“ drohend fuchtelte er mit seinem Zeigefinger vor unserem Nasn herum, „Ich möchte mit euren Eltern sprechen, Noahs Anzug wird gereinigt werden müssen, ihr habt den Schaden verursacht, ihr müsst die Kosten der Reinigung tragen.“ Jetzt wurde auch Harry unruhig, „Nein. Bitte, Sir, so etwas wird nicht mehr vorkommen, ich schwöre.“ „Ihr nennt mir jetzt auf der Stelle die Telefonnummer eurer Eltern!“ herrschte uns der Mann an. Da kam mir eine Idee. „Bitte, Sir...“ bat Harry noch einmal, doch der Herr hatte schon sein Handy gezückt. Fragend sah er mich an. Wie aus der Pistole geschossen sagte ich ihm eine Nummer. Jedoch nicht unseres Haustelefons, sondern Charlies Handynummer. Harry blickte mich erleichtert an. „Ihr werdet gleich abgeholt.“ sagte er nach dem er telefoniert hatte und ließ uns alleine im Wohnzimmer zurück.
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