Blüten im Wind ...

GeschichteMystery, Tragödie / P18
27.02.2012
10.06.2012
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Ich weiß nicht ...ich hatte bisher doch ganz gut gelebt. Und ich war ein braves Mädchen. Ein braves Mädchen. Ich habe Mama und Papa nie wehgetan. Und den anderen Kindern auch nicht. Ich habe immer auf Mama und Papa gehört. Immer. Immer ...
Und ... Mama und Papa waren immer gut zu mir. Sie haben manchmal geschimpft. Wenn ich ein böses Mädchen war. Nur dann ... sonst nie ...
Mama sagte immer, ich habe schönes Haar. Es war schwarz und lang. Und Schleifen waren darin. Zwei schöne große Schleifen. Mama hat sie mir immer gemacht. Meine Haare. Sie hat sie jede Woche gewaschen und immer eine Creme rein gemacht, damit sie hübscher werden. Und weicher. Aber die Creme musste immer ganz lange einziehen.
Papa kaufte immer hübsche Sachen aus dem Katalog. Ich mochte diese Sachen und wenn sie zu groß waren, dann hat Mama sie richtig genäht.
Geschwister hatte ich keine. Ich hatte mal eine kleine Schwester gehabt, aber die ist noch als Baby gestorben. Da war sie drei Tage alt.
Aber trotzdem kümmerten sich Mama und Papa gut um mich, denn ich war ein braves Mädchen.
Doch jetzt ... jetzt ist ihr braves Mädchen ein böses Mädchen. Ein wirklich böses Mädchen.
Denn diese Creme war Haarfarbe.
Die Schleifen versteckten etwas.
Meine Augen waren rotviolett.
Und zum ersten Mal in den Spiegel gesehen hatte ich mit sechzehn. An dem Tag, an dem Mama und Papa mich zum Doktor gebracht haben.
Der Doktor hieß Kurama. Und ich spürte, dass er und Mama und Papa etwas wollten. Von mir.
An dem Tag trug ich ein leichtes Sommerkleid. Mama hatte es mir zum Geburtstag geschenkt.
"Tessenka, wie alt bist du?", fragte Kurama und ich antwortete brav: "Sechzehn." "Und wie fühlst du dich?", fragte Kurama und ich lächelte. Ich lächelte ein falsches Lächeln.
"Mir geht es gut, Doktor. Der Sommer ist schön warm."
Kurama nickte meinen Eltern zu und lächelte mich an.
"Weißt du, warum du hier bist?" "Nein. Mama und Papa haben mir gesagt, ich sei krank, aber ich fühle mich ganz gut." "Du hast recht, du bist nicht krank. Deine Eltern wollten dir nur nicht die Überraschung verderben." "Was für eine Überraschung?" Ich verstand nicht, doch Kurama erklärte: "Du darfst auf unsere Insel kommen. Dort leben viele Mädchen, die so sind wie du. Brave Mädchen." "Ist das eine Schule?", fragte ich misstrauisch und Kurama legte den Kopf schief.
"Naja ... eine Schule ... eher ein großes Haus in dem ihr alle lebt und lernt." "Also, ein Internat?" "Etwas viel besseres ..."
Ich wusste, dass er lügt. Und ich wusste, dass Mama und Papa mich angelogen hatten. Und das machte mich wütend. Sehr, sehr wütend ...
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