Blutige Spuren - Der Weg eines Kriegers

von sunXmoon
GeschichteAbenteuer, Drama / P18
21.02.2012
14.06.2012
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Als der Morgen anbrach, hatte Erek das Gefühl, man würde ihn mit eisernen Gewichten zu Boden drücken. Selbst seine Augenlider waren schwerer als sonst und weigerten sich schlichtweg, sich zu öffnen. Also blieb Erek liegen und versuchte, sich erst einmal zu orientieren.
Die Wärme, die er in der Nacht verspürt hatte, war gewichen. Stattdessen legte sich die Frische des Morgens feucht und unangenehm kühl auf seine Haut und ließ ihn schaudern. Spitze Steine drückten sich in seine Wange und machten das Liegen auf dem Boden unangenehm, doch Erek war zu zerschlagen, um seine Lage zu ändern und jede seiner Bewegungen wurde mit einem heftigen Pochen im Schädel bestraft.
Um ihn herum herrschte Stille, soweit eine Armee voller Lykaner je vollständig still sein konnte. Es wurde geschnarcht und gemurmelt und leise geflucht, doch insgesamt war das Lager noch nicht auf den Beinen und die Meisten schliefen ihren Rausch aus. Was bitter nötig war, wie Erek feststellte.
Er erinnerte sich nicht mehr an viel von letzter Nacht. Rogar und Victor hatten sich im Armdrücken duelliert, erst eine Runde und dann noch eine, angefeuert von den Umstehenden und er wusste auch, dass Tessa irgendwann zurückgekehrt war. An irgendeiner Stelle hatten sich seine schweren Gedanken verabschiedet und er hatte kräftiger dem Alkohol zugesprochen. Er erinnerte sich an Gelächter und raue Worte, doch der Rest war ein verschwommenes Chaos und je mehr er versuchte es zu entziffern, umso verworrener wurde es und umso mehr protestierte sein Kopf.
Es war nicht schwer zu erraten, dass die anderen in ähnlicher Verfassung um ihn herum lagen. Tatsächlich lag ein Gewicht auf seinem Bein, das sich verdächtig nach einem Arm anfühlte und als Erek endlich die Augen einen Spalt weit öffnen konnte, erkannte er Rogar, der sich ohne Rücksicht auf Verluste auf dem Boden ausgebreitet hatte, den freien Arm um Victors Schulter geschlungen. Offenbar waren die beiden einmal mehr dabei gewesen, sich zu messen, als sie schließlich der Schlaf übermannte.
Mit einem Seufzen schloss Erek die Augen und ließ den Kopf wieder in seine Ausgangsposition sinken, aber jetzt, wo er wach war, fiel ihm jede Unannehmlichkeit übermäßig auf und machte es unmöglich für ihn, zurück in den Schlaf zu finden. Seine Muskeln schmerzten von der ungewohnten Liegeposition und auf seiner Zunge lag ein bitterer Geschmack, die Nachwirkung des übermäßigen, ungewohnten Alkoholgenusses.
"Du verträgst überhaupt nichts", nuschelte eine weibliche Stimme und Erek brauchte eine Weile um zu erkennen, dass es sich um Tessa handelte. Als er sich umdrehte, langsam und bedächtig, bemerkte er, dass sie die ganze Zeit hinter ihm gelegen hatte. Sie hatte ihm den Rücken zugewandt und sich so zusammengerollt, dass sie kaum Platz weg nahm. Auch sie hatte noch die Augen geschlossen, doch offenbar hatte sie an seinen Bewegungen und dem leisen, geplagten Stöhnen erkannt, dass er wach war, denn auf ihren Lippen lag ein schläfriges Lächeln.
"Was meinst du?" Erek war sich nicht ganz sicher, ob er sie richtig verstanden hatte.
Tessa streckte sich. "So wie ich es sage. Wir haben um die Wette getrunken, weißt du nicht mehr?"
Nein, daran konnte er sich nicht erinnern, aber er war auch ganz glücklich darüber. Die Tatsache allein, dass er sich auf ein Wetttrinken eingelassen hatte, entsprach eigentlich gar nicht seiner Art, aber dass er auch noch gegen Tessa angetreten war, setzte dem ganzen die Krone auf. Immerhin war ihm jetzt klar, woher er diesen Kater hatte.
Ächzend rieb er sich über die Stirn. "Wenn ich jemals wieder auf so eine Idee komme, hindere mich bitte daran."
Sie lachte nur und ließ den Kopf wieder sinken, um weiter zu schlafen.
Erek jedoch hatte diese Ruhe nicht. Jetzt, wo er wach war, erhob er sich so vorsichtig wie möglich und machte sich auf die Suche nach einem der Wasserfässer, die man aufgestellt hatte, um Regen aufzufangen und mit Wasser aus den umliegenden Bächen gefüllt wurden, wenn es nicht regnete. Eine einfachere Methode, das Lager mit Wasser zu versorgen, als wenn ständig alle zu den Bächen rannten.
Das Wasser schmeckte zwar etwas abgestanden, erschien Erek in diesem Moment jedoch wie die größte Wohltat seines Lebens. Er brauchte einige Minuten, um einen einigermaßen klaren Kopf zu bekommen und nachdem er sich das kühlende Nass schließlich auch in Gesicht und Nacken verrieben hatte, fühlte er sich zumindest wieder einigermaßen frisch.
Während er auf der Suche nach Essen zum Lager der Flüchtlinge zurückkehrte, kehrten zumindest die Erinnerungen an die Schlacht zurück. Sie hatten gewonnen, sie hatten die Vampire tatsächlich besiegt und ihren Platz eingenommen und hier würden sie vorerst ein wenig bleiben, um die nächsten Schritte zu planen.
Es ist nur ein Anfang, dachte Erek. Wir haben eine kleinen Stützpunkt eingenommen, aber dabei wird es nicht bleiben. Die Schlachten werden schwerer.
Der Gedanke bereitete ihm Übelkeit. Vielleicht waren es auch die Reste des Alkohols. Aber die Überlegung, dass die Kämpfe gefährlicher werden würden und er noch mehr seiner Gefolgsleute verlieren würde, besorgte ihn. Er sollte für sie sorgen! Vielleicht wäre es doch besser gewesen, sich der Armee niemals anzuschließen und sie stattdessen weit weg von allem zu führen, aber damit hätte er sich gegen die Wünsche seiner Begleiter gestellt und es war nun ohnehin zu spät.
Sie kannten alle das Risiko, sagte er sich, aber das machte es nichts besser. Tot war tot. Er war die Verluste leid, aber er wusste, dass noch viel mehr kommen würden. Das war der Krieg. Zwei Seiten, die einander bekämpften und dazwischen viel Leid und Verderben.
Es hingen noch kalte Reste des gestrigen Mahles über den erloschenen Feuerstellen und während Erek seinen Hunger stillte, kamen auch endlich die anderen wieder zu sich. Bis auf Hannok, der einfach schweigend und still wie immer dasaß, hatten alle Probleme damit, wieder zu ihrer alten Form zu finden.
In der gestrigen Nacht hatten sie ausgelassen und fröhlich ihre Sieg gefeiert, jetzt allerdings, wo sie müde und zerschlagen dasaßen, schienen die Schattenseiten der Schlacht sie zu erreichen. Die Stimmung während sie aßen war dumpf, es wurde kaum geredet und die Schatten unter den Augen der Anwesenden ließ sie noch düsterer erscheinen, als sie es tatsächlich waren.
Erek hatte mit dem Gedanken gespielt, zu helfen ihre Toten zu begraben. Zum einen wollte er sicher gehen, dass Titus ein anständiges Grab bekam, zum andere fragte er sich, wie viele der Gestorbenen namenlose Gesichter waren, um die niemand trauern würde. Sie konnten ihre Toten nicht einfach so wegschmeißen wie einen Knochen.
Doch seine Pläne wurden durchkreuzt, während er noch nicht einmal fertig mit dem Essen war. Die zwei Lykaner, die auf ihn zukamen, waren im Gegensatz zum Großteil des Lagers frisch und ausgeruht, was vermuten ließ, dass sie dem Alkohol entweder weniger oder gar nicht zugesprochen hatten. Oder aber sie vertrugen einfach sehr viel. Ihre Gesichtszüge jedoch waren genauso unamüsiert wie die der anderen. "Arin will dich sehen", informierten sie Erek. "Er sagt, er will so schnell wie möglich mit dir reden und wenn es geht, sollst du erst einmal alles stehen und liegen lassen und zu ihm kommen."
Das klang dringend. Erek wechselte einen Blick mit den Anderen, ehe er sich erhob. Vielleicht sollten die Rudelanführer die Lage besprechen. Erek hatte noch nie in einem Krieg gekämpft, geschweige denn eine Schlacht gewonnen und so wusste er auch nicht, was man im Falle eines Sieges tat. Also folgte er den Beiden und wünschte sich, er hätte das am gestrigen Abend gewusst. Er hätte die Finger von den Flaschen gelassen.
Über dem Großteil des Lagers lag noch immer Stille, doch je näher sie der eingenommenen kleinen Festung kamen, desto lebhafter wurde es. Nahrung wurde hin und her getragen, Waffen gereinigt, Verwundete mit Kräutern und Bandagen versorgt und offenbar gab es im Hof eine Diskussion, denn Lärm drang über die Mauern und eine Menge hatte sich dort versammelt.
Als Erek näher kam und sich auf Geheiß seiner beiden Begleiter durch die Herumstehenden drängte, um besser sehen zu können, bemerkte er Arin in der Mitte des Kreises. Der vernarbte Anführer der Armee schritt auf und ab, während vor ihm drei Lykaner auf dem Boden knieten, staubig, blutig und ganz offenbar erschöpft. Erek hatte das ungute Gefühl, das hier etwas nicht mit rechten Dingen zuging, doch als Arin die Stimme hob, schwieg er, um zu erfahren was vor sich ging.
"Leugnet ihr...", setzte er an und für einen Moment war unklar, mit wem er sprach. Seine Worte waren ganz offenbar an die Drei vor ihm gerichtet, doch sein Blick schweifte über die Menge. Als er Erek entdeckte, nickte er ihm kurz zu, doch Erek erwiderte die Geste nicht. "Leugnet ihr, das Schlachtfeld verlassen zu haben, als man euch brauchte? Leugnet ihr, eure Brüder und Schwestern feige im Stich gelassen zu haben? Leugnet ihr, das Schicksal eurer Kinder und Kindeskinder in den Händen der Vampire gelassen zu haben, um eure eigene Haut zu retten?"
Die drei Männer waren also Deserteure. Das erklärte den Aufruhr, doch Erek interessierte sich mehr für die Reaktionen der Einzelnen. In den Augen der meisten Lykaner stand Zorn, wenn sie in die Mitte blickten, manche warfen beleidigende Zwischenrufe ein, doch es gab einige, die einander unsichere Blicke zuwarfen und wieder andere schwiegen vollkommen, den Mund zu einem schmalen Strich zusammengepresst. Aber keiner von ihnen griff ein.
Die Angesprochenen in der Mitte des Kreises blickten drein, als wüssten sie nicht so recht, was sie antworten sollten. Arin war bekannt im Lager, jeder wusste wer er war, doch nur wenige sahen ihn oft und noch weniger hatten viel mit ihm zu tun. Sie konnten nicht einschätzen, wie er reagieren würde. Sollten sie die Wahrheit sagen und auf Gnade hoffen? Sollten sie lügen und die Lage noch schlimmer machen, wenn er es bemerkte?
Schließlich schüttelte einer von ihnen zaghaft den Kopf und die anderen beiden vielen mit ein. Zischlaute aus der Menge waren die Reaktion und einer von ihnen zog den Kopf ein, während die anderen Arin beobachteten, mit einer Mischung aus Achtung und Angst.
Arin sah auf sie hinab. "Viele mutige Männer haben gestern ihr Leben gelassen", stellte er fest. "Männer, die sich vielleicht ebenso nach Sicherheit sehnten. Männer, die ihre Angst überkamen und für sich und die ihren kämpften. Was also machen wir mit den Verrätern, die das Andenken an diese Männer beschmutzen?"
Erek schloss die Augen. Er hatte das Gefühl als wisse er, worauf all dies hinauslaufen würde und einmal mehr an diesem Morgen fühlte er sich miserabel. "Arin!" Er trat vor, doch selbst er traute sich nicht, vollkommen die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Arin bemerkte ihn dennoch und das schien ihn zumindest daran zu erinnern, dass es noch andere Dinge zu erledigen kam. Er winkte einen der umstehenden Lykaner zu sich, der noch immer sein Schwert in der Hand hielt und nickte auf die drei Knieenden. "Schlagt ihnen die Köpfe ab", trug er ihnen auf. "Wir können keine Feigheit dulden."
Noch bevor Erek protestieren konnte, hatte Arin ihm eine Hand auf die Schulter gelegt und schob ihn vor sich her. Hinter ihnen zog sich die Menge zusammen. Erek wagte nicht, sich umzudrehen und er richtete auch nicht das Wort an Arin.
Eine Weile gingen sie schweigend nebeneinander her. "Du bist aufgebracht", stellte Arin schließlich fest, als sie das Hauptgebäude betraten. Er klang viel zu gelassen, wenn es nach Ereks Meinung ging.
"War das wirklich nötig?", erwiderte er. Ja, er war aufgebracht. Diese Männer hatten nicht zu seinem Rudel gehört, er kannte sie nicht einmal, dennoch hatte er gelernt, dass man ein Rudel mit Respekt führte und nicht mit Gewalt. Hatten sie nicht genügend Leben verloren?
"Erinnerst du dich, was ich dir an dem Tag sagte, an dem wir uns kennenlernten?", fragte Arin zurück. Er hielt eine Tür auf und bedeutete Erek einzutreten.
Offenbar war es eine Art Schreibzimmer gewesen, denn ein großer Tisch nahm den Großteil des Raumes ein. Bei der Stürmung waren Bücherregale zerstört worden und einiges der Trümmer lag noch immer herum, aber Arin hatte größtenteils Ordnung geschaffen. Er wies Erek einen Platz zu und lehnte sich selbst an den Tisch. "Ich sagte dir, für Mitleid wäre im Krieg kein Platz", fuhr er fort, als Erek nicht antwortete. "Ich hätte diese drei Männer gehen lassen können und die Geschichte hätte sich verbreitet. Das nächste Mal wären mehr Männer nicht in den Krieg gezogen. Danach noch mehr. Unsere Streitmacht wäre zerbröselt und wir ein gefundenes Fressen für die Vampire. Jetzt allerdings sieht jeder, der Angst hat, was mit Deserteuren geschieht. Die meisten Lykaner folgen und aus Überzeugung. Die jedoch, die nicht überzeugt sind, müssen uns aus Angst folgen."
Erek senkte den Blick zum Boden. Er wagte nicht, in Arins forschende Augen zu sehen. Was würde geschehen wenn der Anführer befand, dass Erek offenbar nicht mit ihm übereinstimmte? Zum ersten Mal fühlte er sich unwohl in seiner Anwesenheit. "Männer, die aus Angst kämpfen, kämpfen nicht gut", sagte er, doch er sagte es leise.
Arin ging nicht darauf ein. "Ich habe dich allerdings aus einem anderen Grund rufen lassen", erklärte er und verschränkte die Arme. "Du hast dich nicht  schlecht geschlagen für deinen ersten Angriff. Allerdings kam mir zu Ohren, dass du einen der Vampire hast liegen lassen, statt ihn zu töten."
Erek erinnerte sich schwach. Der Vampir, der ihm auf den Rücken gesprungen war. Er hatte sich gewehrt und ihn abgeschüttelt, doch sich nicht weiter um ihn gekümmert, als die Tore aufgebrochen waren. "Ich habe andere getötet", erwiderte er.
Ein Nicken war die Antwort. "Das hast du und das ist gut. Dennoch kannst du niemanden entkommen lassen, wenn du die Möglichkeit hast, ihn zu vernichten. Du darfst nicht zögern. Du musst bereit sein für den Krieg, Erek. Und ich habe nicht das Gefühl, dass du es bist. Du kämpfst für dein Rudel, nicht für deine Rasse."
Damit war er vermutlich nicht der einzige, doch Erek ersparte sich diesen Kommentar, die Gesichter der Deserteure vor seinem inneren Auge. "Was soll ich dann tun?", fragte er stattdessen.
Eine Weile betrachtete Arin ihn. "Nimm drei oder vier deiner Männer", sagte er schließlich. "Ich werde dir zusätzlich einen mitgeben. Ich will, dass du die Umgebung absuchst. Wir sind ein gutes Stück weiter gekommen, vielleicht gibt es hier mehr unserer Art. Findet sie, bringt sie her, wenn sie sich bereit erklären. Noch sind wir zu wenige, um vollends gegen die Vampire zu marschieren. Wir brauchen mehr Leute."
"Dann hätte man vielleicht nicht drei von ihnen umbringen sollen", schnappte Erek zurück, doch nachdem sie sich einen kurzen Blickaustausch geliefert hatten, nickte er schließlich. Was blieb ihm auch anderes übrig? Er bezweifelte, dass Arin eine Weigerung so gut aufgenommen hatte.
"Irgendwann wirst du verstehen, welche Last auf jemandem liegt, der solche Entscheidungen treffen musst", erklärte Arin. "Du bist noch nicht lange Anführer. Wir leben in schwierigen Zeiten. Wir müssen schwierige Dinge entscheiden. Du wirst es kennenlernen."
Ich werde niemanden hinrichten, dachte Erek grimmig, doch er erhob sich lediglich. "Ist das alles?"
"Warte." Arin trat einen Schritt näher. "Erinnerst du dich, was ich dir noch sagte, an jenem Tag?"
"Der Krieg fordert Opfer." Erek erinnerte sich gut. Es war eine Art Mantra für ihn geworden. Wann immer die Verluste drohten, zu schmerzhaft zu werden, schob er sie mit diesem einen Satz beiseite. Er würde sich nach den Kämpfen mit Trauer befassen. Wenn die Zeit dafür war.
Arin nickte. "Es kann sein, dass es keine weiteren Rudel gibt. Wenn dies der Fall ist, werdet ihr für weitere Krieger sorgen müssen."
"Wie...?", setzte Erek an, doch er sah die Antwort in Arins Augen, bevor er die Frage aussprechen konnte.
"Es gibt Dörfer auf dem Weg. Der Mann, den ich euch mitgebe, ist ein Gewandelter. Er wird euch behilflich sein."
Für einen Moment war Erek sprachlos. War dies gar keine wirkliche Aufgabe, sondern ein Test? Wollte Arin lediglich sehen, ob er die Möglichkeit nutzen würde, sich zurück zu ziehen, so wie die Deserteure es getan hatten? Für einen Augenblick rang Erek mit sich selbst. War ihm das Leben der Menschen wichtiger als das seiner eigenen Rasse? Sie brauchten Kämpfer, das stand  nicht zur Debatte. Der Krieg fordert Opfer.
"Wir kommen mit Kämpfern zurück", versprach er.
"Gut." Einmal mehr hielt Arin ihm die Tür auf, zum Zeichen dass die Unterredung beendet war. "Ich vertraue dir, Erek. Wir werden hier warten und alles weitere besprechen. Ich bin sicher, die Aufgabe wird dir helfen, deine Prioritäten zu setzen."
Erek nickte nur, auch wenn er sich sicher war, dass seine Prioritäten sehr gut gesetzt waren. Andererseits lag es offenbar nicht an ihm, das einzuschätzen. Und während er den steinernen Flur entlang ging, fragte er sich, ob er zu schnell zugestimmt hatte. Hätte er nicht zumindest länger darüber nachdenken sollen? Hätte er nicht ablehnen sollen?
Sollen, vielleicht. Doch er konnte nicht. Nicht wenn er wollte, dass sie überlebten. Und in einem hatte Arin Recht: es ging nicht nur um sein Rudel. Es ging um ihre Rasse. Wenn er nicht wollte, dass sie tatsächlich von Vampiren ausgerottet wurden, mussten sie handeln.
Erek spürte ein Gewicht mehr aus seinen Schultern, als er das Gebäude und auch den Hof verließ, ohne den Resten der Versammlung eine Beachtung zu schenken. Er würde seinen Leuten Zeit geben sich zu erholen, aber sie würden schnell aufbrechen. Er wollte das alles hinter sich bringen. Und er hoffte bei den Geistern, dass sie ein Rudel finden würden.