The Truth Is So Cold

GeschichteRomanze / P18 Slash
09.02.2012
30.06.2014
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Dieses Kapitel
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Hey Ho, let's go!

Ich weiß, ich bin schon wieder zu spät... aber als Entschädigung gibt's Kekse und einen Blogeintrag. Klingt gut? Hoff ich auch.
http://insidethetruthissocold.blogspot.co.at/2013/01/76-schon-wieder-carly-rae-jepsen.html

stay dangerous & *kekse hinstell*
Lina & F


76. Kapitel
Brians POV

Nein.
Nein…
NEEEEEIN.
Weiterschlafen, Brian. Das Geräusch ist gar nicht da, du kannst es einfach ignorieren, wenn du willst…
Dass der Staubsauger vor meiner Tür aber überaus real ist, wird mir spätestens klar, als meine Mutter allem Anschein nach das Saugrohr gegen meine Tür drischt, lautstark flucht und dann unbehelligt weitersaugt.
Also, bei aller Liebe, aber… das ist zu viel, so früh am Morgen. Da würde der faulste, fetteste und taubste Siebenschläfer mit gesträubtem Fell aus seinem Winterschlaf gerissen werden und beginnen, desorientiert und lautstark quiekend im Kreis zu rennen…
Quieken Siebenschläfer eigentlich?
Und wie spät ist es überhaupt?
Mit halb geschlossenen Augen tatsche ich neben meinem Bett nach meinem Handy, das normalerweise da irgendwo vor sich her existieren sollte. Anscheinend hat es sich aber in der Nacht entschlossen, einen kleinen Ausflug unter meinen Nachttisch zu machen, sodass ich es erst nach ein paar Minuten und einem halben Sturz aus meinem Bett endlich finde.
27. Dezember 2012, 12:42, teilt die viel zu helle Anzeige mir sehr nett mit, und ich grummle leise auf. Das Verwandtenbesuche auch so schrecklich anstrengend und nervenaufreibend sein müssen, dass ich ganze elf Stunden Schlaf brauche, um mein Hirn wieder zusammenzukratzen…
Mir die Augen reibend setze ich mich auf und strecke erst einmal mit ein paar unartikulierten Geräuschen meinen Rücken durch. Und das ist mir in dem Fall echt egal, wie zweideutig das gerade aussehen könnte – ich brauch das in der Früh, sonst latsch ich den ganzen Tag mit Wirbelsäulenbeschwerden in der Gegend herum. Wirklich.
Als mein kleines morgendliches Ritual auch beendet ist, wage ich es, todesmutig wie ich bin, einen nackten Fuß unter der Decke hinaus ins Kalte zu strecken und dann langsam aufzustehen. Verschlafen fahre ich mir noch einmal über die Augen, dann tapse ich aus meinem Zimmer und die Treppe hinunter. Meine Mutter saugt den Geräuschen nach zu urteilen gerade das Schlafzimmer, was mich aber nicht besonders interessiert. Nichts kann meine Aufmerksamkeit von den warmen Brötchen nehmen, die da so schön vor sich hin duften… so viel zu meinem ehrlichen Vorsatz, nach den offiziellen Weihnachtsfeiertagen etwas weniger zu futtern.
Mit einem der Brötchen im Mund und einem Glas Cola in meiner rechten Hand schlurfe ich wenig später wieder die Treppe hinauf, auf dem Weg zu meiner treuen, schwarzen Schecter, die ich in der letzten Zeit doch etwas vernachlässigt habe. Geschäftig vor mich her kauend stecke ich das Verstärkerkabel an der Gitarre an, drehe den Verstärker auf normale Lautstärke auf und setze mich mit meinem Schatz am Schoß auf mein ungemachtes Bett. Da man aber bekanntlich nicht mit einem Brot in der Hand Gitarre spielt, esse ich erst langsam fertig – oder versuche es jedenfalls.
Gerade als ich den vorletzten Bissen hinunterstopfe, wandern meine Gedanken wieder zu Zacky. Seitdem wir uns vor drei Tagen versöhnt und unsere Weihnachtsgeschenke ausgetauscht haben, hat unsere Kommunikation nur aus SMS und einem verpennten Anruf mitten in der Nacht bestanden, als er nicht schlafen konnte und ich ihm was vorgespielt habe, um selbst wieder in mein Bett zurückzukönnen. Und klar, ich bin glücklich, dass alles wieder so halbwegs läuft, wie es davor war.
Aber irgendwie… werde ich das Gefühl auch nicht los, dass ich etwas zu schnell nachgegeben habe, als er sich entschuldigt hat. Ich denke zwar, dass er es ehrlich gemeint hat, aber besonders lange kann ich ihm wirklich nicht böse sein.
Und ich hoffe wirklich, dass mir das mit der Zeit nicht zu Problem wird.
Erschrocken fahre ich zusammen, als ich genau in dem Moment eine SMS bekomme und mein Klingelton lautstark durch mein Zimmer schallt. Mit klopfendem Herzen – hey, so jung bin ich jetzt auch nicht mehr! – werfe ich mich nach hinten, um das Klingeln abzustellen, und öffne schnell die Nachricht, die G mir geschickt hat.
„Hey Bri c: Weihnachten überlebt? Wollt nur mal sichergehen, dass ich noch keinen Zombie im Freundeskreis hab… obwohl, das wär schon awesome. Aber egal, ruf an, wenn du Zeit hast, ich hab eh nix zu tun. xx“ lese ich grinsend, bevor ich etwas unkoordiniert auf dem Display herumtatsche, um die Nachricht wieder zu schließen. Im Endeffekt erreiche ich damit aber nur, dass mein Handy sich verselbstständigt und sich plötzlich der Schriftzug ‚Rufaufbau mit G‘ quer über den Bildschirm zieht.
Na, wenn das kein Zeichen ist… ‚Brian, rede mit deiner zombiefanatischen besten Freundin, oder sie faschiert dich!‘
„Also das ist jetzt schnell gegangen“, kommt wenig später schon ihre Stimme aus meinem Handylautsprecher, und ich lege lächelnd die Gitarre zur Seite.
„Freut mich auch, von dir zu hören, Geezy.“
„Ja ja, du Sack. Wie geht’s dir?“ Für jeden normalen Menschen hätte das gerade wie eine komplett normale Frage geklungen, aber eigentlich ist es klar, was sie damit meint. Einmal davon abgesehen – G macht nie Small Talk mit Leuten, die sie gut kennt und mag.
„Müde, aber sonst gut“, gebe ich langsam zurück und höre sofort danach, wie sie überrascht einatmet.
„Was ist passiert?“
„Nichts ist passiert.“
„Verarsch mich nicht, Bri.“
„Okay… ich bin wieder mit Zacky zusammen.“
„Du- was? Okay, okay, eigentlich war das jetzt klar. Aber wie…?“, kommt es verpeilt, besorgt und neugierig vom andren Ende der Leitung, und ich grinse leicht in mich hinein.
Die nächsten Minuten verbringe ich damit, G haargenau alles zu erzählen, was vor drei Tagen passiert ist – und ehrlich, wenn sie etwas zu ungenau findet, fragt sie jedes einzelne Detail nach. Ein Wunder, dass sie nicht wissen will, welche Unterwäsche wir beide getragen haben…
„Und na ja, die letzten Tage hab ich nicht wirklich viel von ihm gehört. Außer ein paar SMS, und einem Anruf mal mitten in der Nacht, als er nicht schlafen hat können und ich ihm dann was vorgespielt hab…“, schließe ich das Ganze schließlich ab.
„Du hast ihm was vorgespielt? Mitten in der Nacht, auf der Gitarre und per Handy, weil er gerade nicht in der Nähe war?“
„Äh, ja?“, mache ich etwas unsicher, höre aber nur ein ‚Aww‘ von G. Und einen leisen Ton von meinem Handy im Hintergrund, aber das blende ich einfach mal aus.
„Echt, das find ich gerade so süß…“
„Merkt man gar nicht, Geezy…“
„Oh Wunder. Aber, Bri, irgendwas ist noch, oder?“
„Ich… na ja… denkst du, ich hab zu früh nachgegeben?“ Einen Moment lang ist es still, und ich nehme schnell mein Glas Cola vom Schreibtisch, um einen Schluck zu trinken.
„Hm, ich weiß nicht. Ich meine, ich war nicht dabei, und es hat ja wirklich nicht besonders lang gedauert, bis du ihm das Ganze verziehen hast, aber… wenn du denkst, dass es richtig war, und er sich ehrlich entschuldigt hat, dann passt das denk ich schon, oder?“
„Meinst du wirklich?“, frage ich noch einmal nach und wundere mich gleichzeitig, wie ich das immer schaffe, zu klingen wie eine 13-Jährige, die zum ersten Mal verliebt ist.
„Ich denk schon, Bri. Außerdem merkt man, dass dir echt was an ihm liegt, und auch, dass du ihm echt nicht egal bist. Also… ich glaube, das passt schon so. Und wenn nicht, kastrier ich ihn.“
„G, echt jetzt“, lache ich leise auf. „Du könntest zur Not nicht mal eine Spinne kastrieren, und du magst die Viecher nicht mal besonders.“
„Hey, wenn man meinen Freunden was antut, wird ich zur Furie. So wie eine beschützende Mutter oder so… und du weißt, jeder hat verborgene Talente!“
„Und deins ist die Entmannung von arschigen Zackys. Sicher.“
„Ja, sicher. Aber du, Bri, ich muss mal essen gehen. Also, wir hören uns vor Silvester nochmal, hm?“
„Ist gut, Geezy. Und danke…“
„Pff, wofür hat man mich denn. Na dann, cheers“, lächelt sie noch, dann ist die Verbindung wieder unterbrochen und ich starre auf das etwas verschmierte Display, das mir anzeigt, dass der leise Benachrichtigungston mich darauf hinweisen hätte sollen, dass Zack mir eine SMS geschrieben hat.
„Lust heute was zu machen? Bin endlich alle Verwandten los, yay. Komm sonst einfach vorbei, kay? Z“
Und ich denke, G hat Recht. Vielleicht muss ich einfach abwarten, bis sich zeigt, ob das mit Zacky alles so klappt, wie ich es gern hätte.