The Truth Is So Cold

GeschichteRomanze / P18 Slash
09.02.2012
30.06.2014
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
Hallöchen
Anbei das nächste Kapitel :D
Es freut und btw total, dass die Story hier immer mehr Anklang findet. Zuerst haben wir uns gefragt, was wir falsch machen.
Aber hey, es werden immer mehr Leser und das freut uns umso mehr.
Bei jedem Revi gehen wir sprichwörtlich an die Wand XD
Okay, ich gehe und schreibe schnell noch den Blogpost :D
Der Link wäre dann hier: http://insidethetruthissocold.blogspot.com/2012/03/i-hate-sports.html

Wir wüschen Dir viel Spaß beim Lesen :D
Hoffen, es gefällt euch

xxo Franky und Lina


7. Kapitel
Zacky POV

Etwas gedankenverloren starre ich an meine Decke und zähle dort die Astlöcher der hölzernen Abdeckung. Ich bin schon bei Astloch Nummer 496, als plötzlich meine Tür aufgerissen wird und meine Mom in der Tür steht.
„Zack, du musst in die Schule! Aufstehen“, lächelt sie und verschwindet wieder. Mit geweiteten Augen starre ich ihr hinterher. Meine Mutter, noch im Haus? Das ist ja mal was ganz Neues!
Müde blinzele ich noch mal, hieve dann meine Beine aus dem Bett und ziehe mich am Kasten hoch. Neuer Tag, neuer Dollar. Schnell werfe ich mich in meine Alltagsklamotten, marschiere dann ohne Socken ins Bad und strecke mich dann erst mal.
Dann schmatze ich kurz, drehe mich zum Spiegel... und fange an zu schreien. Heilige Scheiße, WAS zum Teufel ist mit meiner NASE passiert?! Über Nacht hat sie sich blau gefärbt und ist übel angeschwollen. Da super, ich sehe ja noch beschissener aus als sonst!
Geschockt lehne ich mich meinem Spiegelbild entgegen, berühre dann sachte meine Nase und zucke zusammen. Verdammt, die ist wirklich gebrochen! Und tut scheußlich weh, noch viel schlimmer als gestern.
Manisch greife ich zum Kajal, schmiere mir das Zeug auf die Augen, sodass man mir eher in die Glubscher starrt als auf die Nase. Dann kämme ich mir meine Haare noch so ins Gesicht, dass sie über das Auge fallen (das übrigens auch leicht mitgenommen ist) und leicht die Nase verbergen. Wie ich diesen Haarschnitt doch liebe. Das ganze fixiere ich mit Haarspray und schleiche dann langsam in die Küche.
„Mom?“, frage ich leise von der Tür aus.
„Ja?“, fragt sie und dreht sich zu mir. Jetzt erst sieht sie mir ins Gesicht und weitet erschrocken die Augen. „Zack, was ist denn mit dir passiert?!“, fragt sie und kommt auf mich zu.
„Ich... bin gestolpert und auf nen Randstein gelandet“, sage ich ausweichend. „Hast du was gegen die Schwellung? Ich glaube, die ist gebrochen.“
Besorgt sieht sie mich an, nimmt mich dann bei der Hand und zieht mich mit sich. Sie drückt mich in den Sessel vor dem Esstisch, kramt dann in unserem Medikamentenfach herum und hält mir eine Tube Salbe hin.
„Die könnte helfen. Aber... wann ist das bitte passiert?“, fragt sie stockend.
„Gestern Nachmittag beim Nachhausegehen.“ Am besten ich sage ihr erst gar nicht, dass ich in der Schule fast umgekippt bin.
„Scheiße, was bin ich für eine schlechte Mutter. Nie da, weiß nicht, was du dir alles brichst... Zacky, es tut mir ja so leid“, haucht sie. Ich sehe sie nur an, zucke dann mit den Schultern und verlasse die Küche.
Was soll ich sagen, so ist sie schon immer gewesen. Dad ist seit locker drei Jahren weg, seitdem sorgt Mom für mich und sich selber. Da sie aber einen Ganztagsjob in nem Krankenhaus hat, ist sie fast nie daheim, wenn ich sie brauche.
Nun, ich habe mich damit abgefunden. Damit finanziert sie nun mal unser Leben. Ich liebe meine Mom, keine Frage. Sie ist nicht so ein rücksichtsloses Arschloch wie mein Vater, nur ist sie nun mal alleinerziehend. Und das fordert Opfer.
Ihres ist es, dass sie so selten daheim ist. Aber wenn sie es ist, machen wir immer was gemeinsam. Ich bin jetzt kein Muttersöhnchen oder so, aber hey, alle heiligen Zeiten darf man doch mal mit seiner Mutter abhängen.
Im Bad schmiere ich mir die halbe Tube von der Salbe ins Gesicht, stecke sie dann in meine Schultasche, ziehe mir dann Socken an und schnappe mir meine Sonnenbrille. Vorsichtig setze ich sie auf, merke, dass es nicht so wehtut, dass ich sie hätte abnehmen müssen, und gehe mitsamt der Schultasche in den untersten Stock.
In der Küche gehe ich zu meiner Mom, die zusammengesunken auf einen der Stühle sitzt und vor sich aus dem Fenster starrt.
„Tschau Mom, hab nen schönen Tag“, murmle ich, drücke ihr einen Kuss auf die Wange und verlasse wieder die Küche.
„Du auch Zacky! Viel Spaß in der Schule!“ Ich lächle leicht traurig und springe schnell in meine Schuhe. Klar. So viel Spaß, wie man in dem scheiß Irrenhaus haben kann. Ich kann nur hoffen, dass Paul und Fabian nicht Lust haben, mich noch mal zu vermöbeln. Das würde meiner Nase überhaupt nicht gut tun.

„Gummibärchen, an den Start!“, kommt es von irgendwem aus der Menge. Ich drehe mich nicht um, sitze nur am Rand des Schwimmbeckens und starre auf die glitzernde Wasseroberfläche.
Sport hasse ich übrigens auch. Ich bin nun mal eher der Musikalische verdammt... Aber Sport muss ja sein, ist immerhin gesund und man ist an der frischen Luft. Genau.
„Gummibärchen, hey!“, werde ich wieder gerufen und reagiere erst recht nicht. Ja, das ist mein Spitzname in der Schwimmklasse. Und das nur, weil ich ein wenig pummelig bin. Ich bin nicht dick, nicht mal mollig. Aber die anderen empfinden das natürlich anders und so habe ich den ewig verhassten Namen abbekommen.
Beim dritten ‚Gummibärchen’ stemme ich mich hoch und gehe mit kleinen Schritten und Händen in der Hosentasche (ja, meine Badehose hat Hosentaschen!) zum Startpodest. Ich bemerke, wie mich alle missbilligend, abschätzend oder einfach nur gelangweilt anstarren. Nur einer mit kurzen dunklen Haaren und einer orangen Badehose betrachtet mich mitleidig.
Als der ach so tolle Startschuss ertönt (was soll ich sagen, ein ‚Und ab geht’s, meine Freunde’ vom Sportlehrer persönlich ist nicht, ich wiederhole, nicht motivierend!), springe ich ins Wasser, verdränge den Schmerz in meiner Nase, kämpfe mich an den anderen Rand des Beckens und komme dort, oh Wunder, als Vorletzter an.
Unter Gelächter steige ich seufzend aus dem Becken und watschele zu meinem Handtuch. Ich versteh’s einfach nicht, warum sie es so witzig finden, andauernd über mich her zu fallen. Was gibt ihnen bitte den Kick dazu? Sehe ich schon so sehr nach einem Opfer aus? Na wer weiß, vielleicht tätowiere ich mir das mal auf die Stirn, damit jeder gleich weiß, was er an mir hat.
Mein Blick schweift gedankenverloren über das Schulsportgelände und bleibt am Badmintonplatz hängen. Den Kerl mit den blonden Haaren kenne ich doch... der hat mir gestern die Tabletten gegeben. Er kämpft sich gerade mit einem Ball ab, während sein Gegenüber nur anfängt zu lachen.
Der Blonde ruft was, sein Partner lacht noch lauter und fängt an, seinem Schläger profimäßig in der Hand zu drehen. Ein Kerl mit schwarzen Haaren und einem merkwürdigen Haarschnitt.
Er lacht noch immer, als der Blonde das erste Mal trifft und seinem Partner den Ball volle Kanne an die Rübe knallt. Der bleibt kurz still, greift sich an den Kopf und lacht dann noch lauter.
Ich schüttele den Kopf, sehe weiter und erkenne Vic bei den Cheerleadern. Ja, sie ist verdonnert worden, da mitzumachen. Da wir zwei keinen Sport gefunden haben, sind wir halt aufgeteilt worden. Und da ich schlecht zu den Cheerleadern gehen kann, hat Vic sich sozusagen aufgeopfert.
Lustlos steht sie im weiß-orange-gelbem Cheerleaderdress in der Gegend herum und zupft an ihrem Rock. Gerade als sie von einer Blondine angekeift wird, wird auch mein Name gerufen.
„Baker!“, kommt es von hinten, ich fahre herum und sehe zu meinem Sportlehrer. „Noch ne Runde!“, ruft er mir zu, ich lasse seufzend mein Handtuch fallen und mache mich wieder auf den Weg zum Poolrand.

„Ich hasse es! Ich hasse es so sehr!“, schreit meine beste Freundin wütend und rauscht an mir vorbei aus der Schule. Sie hat immer noch das Cheerleaderdress an, zerzauste Haare und ihre Tasche einfach irgendwie um die Schulter geworfen. Ich folge ihr mit gesenktem Kopf, was irgendwie bescheuert ist, da mit das ganze Blut in die gebrochene Nase schießt und diese wieder anfängt zu brennen.
Ich richte den Kopf auf und ziehe scharf die Luft ein, was mir erst recht die Tränen in die Augen treibt. Ich bleibe stehen und fasse mir leicht an die Nase, während Vic vor mir weiter rennt.
„Vic?“, frage ich sie in normaler Lautstärke, sie reagiert aber erst nach weiteren fünf Metern und dreht sich dann um.
„Was?“, fragt sie gereizt, merkt dann aber erst, dass ich mir irgendwie verpeilt an die Nase fasse und kommt dann zurück. „ Geht’s dem Riechkolben schlechter?“, fragt sie, plötzlich eher besorgt. Ich muss grinsen und schüttle dann den Kopf.
„Na ja, ich will nur wissen... Hast du daheim vielleicht so was wie nen Eisbeutel oder so? Weil wegen Filmeabend und so?“ Sie nickt eifrig, sieht mich dann aber an.
„Denkst du, das ist ne gute Idee, das heute durchzuziehen? Ich meine, wenn’s dir nicht gut geht, können wir den Abend die Woche ja mal ausfallen lassen...“ Ich winke ab und gehe dann weiter.
„Ach was, wir lassen das nicht ausfallen!“, sage ich und ziehe sie hinter mir her, indem ich ihre Tasche packe und weitergehe.
„Na, wie du meinst. Wann kommst du heut Abend vorbei? Ich muss noch ein wenig Hausputz machen, Hausübung hinter mich bringen und so, you know...“ Ich nicke und sehe sie dann an.
„Um sechs? Geht das bei dir schon?“
„Klar! Dann mach ich den Fernseher schon mal bereit“, grinst sie, bleibt dann stehen und springt mir mit Anlauf auf den Rücken.
„Vic?“
„Ja?“
„Was soll das?“, frage ich und gehe weiter.
„Ich hab keinen Bock zu gehen, die haben mich heute gefühlte 40 Runden um den Sportplatz geschickt.“ Ich grinse, nehme meine beste Freundin Huckepack und marschiere weiter.
Vic und ich reden weiter, als plötzlich ein Auto an uns vorbeifährt, bei dem man die Musik bis raus hört. Ich drehe grinsend den Kopf, erstarre dann aber, als ich dem Kerl von gestern wieder in die Augen sehe, dem ich auf die Hand geblutet hab.
Er schreit seinem Freund gerade über die Musik hinweg was zu, als er mich sieht und eine Augenbraue hebt. Ich höre auf zu grinsen, sehe zu Vic, die ihren Kopf auf meine Schulter gelegt hat und beinahe einschläft. Der faule Sack...
Das Auto fährt weiter, ich gehe stur meinen Weg. Okay, die Riege der Musiker, die alles können und immer gut ankommen. Ich könnte ja sagen, ich würde alles dafür tun, zu ihnen zu gehören. Aber das mache ich nicht. Im Gegenteil, ich verschanze mich ja noch. Das Einzige, was ich musiktechnisch in der Öffentlichkeit mache, ist, dass ich am Freitag in der Schule stehe und mich um die E-Gitarren kümmere, da ich ja Zeichnen gewählt habe. Bewusst, um Musik aus dem Weg zu gehen. Ich hab echt keine Lust, dass einer rauskriegt, dass ich wirklich spielen kann. Das behalte ich viel lieber nur für mich. Dann hab ich wenigstens noch einen kleinen Teil, der nur mir gehört, und von dem niemand was mitbekommen muss. Den mir keiner nehmen kann... Nicht so wie den Rest von mir auch noch, die Musik gehört nur zu mir!

Um zehn nach sechs Läute ich bei Vic an, die gleich darauf die Tür aufreißt und mir Platz macht.
„Herr Baker, willkommen in meinem trauten Heim!“, sagt sie begeistert und hüpft leicht auf und ab. Sie hat eine rote Jogginghose und ein T-Shirt, welches ihr viel zu groß ist, an. „Oh, wie ich sehe starrst du auf mein MCR Shirt. Freut mich“, grinst sie und geht mir voran in ihr Zimmer, das sich direkt neben dem Wohnzimmer befindet.
Bevor ich ihr mit einer Packung Chips bewaffnet folgen kann, sehe ich noch mal ins Wohnzimmer und halte dann inne. Nur um sicher zu gehen, dass ich mich wirklich nicht versehen habe, gehe ich hinein und starre auf den Wäscheständer, der sich mitten im Raum befindet.
„Vic, was ist das?“, rufe ich und starre auf die Wäsche. Meine beste Freundin kommt in den Raum und sieht zu mir.
„Das ist ein BH. Und nein Zacky, das brauchst du nicht“, sagt sie lachend. Ich verdrehe nur die Augen und gehe einen Schritt zur Seite.
„Ich meine das da“, sage ich und zeige auf den schwarzen Rock und das schwarze Top, das der Cheerleaderuniform sehr, sehr ähnelt.
„Na jaa... Kennst du das Textilfärbemittel, was es bei uns in der Drogerie gibt?“, fragt sie grinsend, ich schüttle hingegen nur den Kopf.
„Das ist doch jetzt bitte nicht dein Ernst!“ Sie zuckt nur mit den Schultern und geht aus dem Raum.
„Was soll ich sagen...“, höre ich sie sagen und folge ihr in ihr Zimmer, das schon verdunkelt ist. „Ich stehe halt mehr auf schwarz als auf den Scheiß da. Und die können mich nicht zwingen, so was anzuziehen!“
„Sie werden dir den Hals umdrehen... Ich glaube, ich muss auf dich in nächster Zeit ein wenig aufpassen, hm?“
„Aaaw“, lacht sie, wirft sich auf ihr Bett und kramt die Fernbedienung hervor. Ich lege mich zu ihr und strecke mich leicht. Jesus Christ, wie ich diese Filmabende doch liebe.
Vic lehnt sich zu mir, holt sich die Schüssel Popcorn und drückt auf ‚Play’.
„Let the fail begin“, eröffne ich unseren Abend und schnappe mir eine Hand voll Popcorn.