The Truth Is So Cold

GeschichteRomanze / P18 Slash
09.02.2012
30.06.2014
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
HalliHallo, Leute ^-^

So, das ist mal das erste Kapitel in der Woche. Weil morgen Nikolo ist, gibt's noch eins, also schnallt euch fest an :D
Info & such: http://insidethetruthissocold.blogspot.co.at/2012/12/62-z6-b3.html

xxo & have fun,
Lina & F


62. Kapitel
Brians POV

„G6?“
„Wasser. A1?“
„Wasser… E10?“
„Wasser. F3?“
„Treffer und versenkt“, gibt Zacky resigniert zurück, und ich grinse ihn triumphierend an.
„Ich hab gedacht, du hast langsam begriffen, dass ich der ungeschlagene Meister im Schiffe versenken bin“, mache ich leise, um die Aufmerksamkeit unseres Literaturprofessors nicht auf uns zu lenken. Im Endeffekt könnten wir aber, anstatt sinnlose Kritzelkunst anzufertigen und gegen den Fadisierungstod anzukämpfen, auch auf einmal auf den Tisch hüpfen und Lady Gaga Songs trällern – hier würde es wohl keinen sonderlich interessieren.
„Äh, Bri, worüber zum Teufel redet ihr da bitte?“, will Matt leise neben mir wissen, und ich fange an zu lachen, als ich meine Aussage nochmal überdenke.
„Du perverses Schwein“, mache ich dann und boxe ihn gegen den Arm, während Zacky nur verwirrt seinen Zettel mit der verlorenen Partie Schiffe versenken hochhält.
„Und ich hab schon gedacht, da gibt’s was Interessantes“, murrt unser Sänger nur, bevor er sich wieder zu Jimmy dreht und ihn weiternervt.
„Mein Gott, die denken auch, wir sind komplett versaut, oder?“, rege ich mich gespielt auf, während Zack mich nur etwas verpeilt anstarrt und anscheinend nicht so ganz mitkommt. „Schiffe versenken, Zee…“, grinse ich ihn anzüglich an, woraufhin seine Wangen eine etwas gesundere Farbe annehmen.
„Die haben echt nichts andres im Kopf, meine Güte…“
„Ich wette, die wollen uns mal bespannen oder so. Zee, wir sollten vorsichtig sein!“
„Oh Gott. Aber es wär vielleicht einmal ein erster Schritt, nicht im Unterricht und neben ihnen über Sex zu reden, oder?“
„Hm, weiß nicht.“, will ich gerade sagen, als Jimmy zwei Plätze rechts von mir plötzlich aufzeigt und unseren Literaturprofessor in einem seiner überaus sinnvollen und sich auch gar nicht im Kreis drehenden Monologe unterbricht.
„Ja, James?“ …und wenn Tonfälle töten könnten, würde Jimmy jetzt hustend und würgend über den Tisch hängen, da bin ich sicher. Aber erst, nachdem er was-auch-immer-er-gerade- unbedingt-loswerden-muss gesagt hat – denn nichts und niemand kann Jimmy Sullivan aufhalten, wenn er ein Mitteilungsbedürfnis hat.
„Herr Professor, wissen Sie was?“, setzt er an, und ich beuge mich leicht vor, um sein verschlagenes Grinsen besser im Blick zu haben. Um uns herum drehen sich schon fast alle Schüler in unsere Richtung um oder heben die Köpfe, und irgendwie scheint ihnen ähnlich wie mir bewusst zu sein, dass jetzt ein bisschen Auflockerung in die Bude hier kommt.
„Was, James?“
„In irgendeinem Paralleluniversum bin ich Batman!“ Im Klassenzimmer bricht schallendes Gelächter aus, und Jimmy lehnt sich zufrieden grinsend zurück, während der Professor ihn nur ausdruckslos anstarrt. Irgendwie erinnert er mich gerade an eine fette rote Katze, die zu viel Lasagne gefuttert hat… und nein, keine Schleichwerbung hier! Außerdem würde mein bester Freund mich wahrscheinlich meucheln, wenn er wüsste, dass ich ihn in Gedanken mit Garfield vergleiche.
„Mein Gott, was hast du gesoffen?“, lacht Matt neben mir auf und klopft Jimmy auf die Schulter, der nur nachdenklich den Mund verzieht.
„Bisschen Bacardi Cola zum Frühstück, und n Eristoff in der Mittagspause. War’s für heute glaub ich schon“, macht er dann schulterzuckend, und Matt nickt schnell.
„Das Übliche halt.“
„Danke für diesen überaus kreativen Einwurf, James“, kommt es im gleichen Moment mit eisiger Stimme von unserem Professor, und ich wende meine Aufmerksamkeit ausnahmsweise einmal nach vorne. Anscheinend wird’s erst jetzt richtig spannend… „Komm doch bitte nach der Stunde zum Lehrerzimmer und zeig mir deine Arbeit über kreative, an den Unterrichtsstoff angepasste Kommentare in meiner Stunde, ja?“
„Welche Arbeit?“, kommt es zugegeben verwirrt von Jimmy, und der Lehrer fixiert ihn mit einem Blick, als würde er sich gerade mental selbst auf die Schulter klopfen und sich ein Steak zur Belohnung für seinen klugen Schachzug versprechen.
„Die, die du jetzt schreiben wirst. Drei Seiten bitte, und was du in der Stunde nicht schaffst, machst du in der Zeit, die du danach noch hierbleibst.“
„Ach, Fucker“, murmelt Jimmy in seinen imaginären Bart, kramt aber einen Collegeblock aus seinem Rucksack, der unter dem Tisch liegt, und schlägt ihn artig auf. Etwas enttäuscht wenden sich die ersten Schüler ab, als er plötzlich drei Blätter aus seinem Block reißt, auf eines davon etwas daraufkritzelt und beginnt, mit hochkonzentrierter Miene einen Papierflieger – wohlgemerkt bestehend aus allen Blättern übereinander – zu falten.
Wenige Augenblicke später segelt ein perfektes, weißes Flugzeug hinunter zu unserem Literaturheini, der das Papier etwas irritiert aus der Luft fischt und auffaltet. Verhalten kichernd stützt Jimmy sich auf den Tisch und beobachtet, wie unserem Lehrer… nun ja, echt alles aus dem Gesicht fällt.
„Ab zum Direktor, Sullivan, und zwar sofort!“, bellt – ja, wirklich, er hört sich an wie eine Bulldogge mit Asthma – er, woraufhin Jimmy ungerührt aufsteht und sein Zeug zu packen beginnt.
„Mann, was hast du geschrieben?“, fragt Matt ihn grinsend, und er zuckt nur mit einem Schmunzeln die Schultern.
„Kreativität liegt im Auge des Betrachters“, macht er dann gerade so laut, dass die Schüler im Umkreis von zwei Metern ihn verstehen. Und ja, das ist mein Jimmy, wie er leibt und lebt – ein absolutes Genie, und doch dumm wie ein löchriger Sack Mais, wenn er will.

„Spielen wir den letzten Punkt noch aus oder lassen wir’s für heute?“, fragt Matt in seiner besten Fitnesstrainerstimme in die Runde, erntet aber nur Schulterzucken und ein paar „Mir egal“ – oder, von den ganz Schlauen, eine Kombi aus beidem. Ungefähr gleich intelligent wie davor fährt mein bester Freund sich durch die kurzen Haare, dann seufzt er und streift sein Shirt über den Kopf, wobei er den Volleyball in seinen Händen einfach fallen lässt.
„Feierabend, Leute, ich bin kaputt“, gibt er leise von sich, bevor er ohne ein weiteres Wort in der kleinen Umkleide verschwindet, die zu der Halle gehört, in die wir aus Kältegründen ausgewichen sind. Sofort treffen mich ungefähr neun neugierige Blicke, auf die ich nur mit einem erneuten Schulterzucken antworte.
„Ob ihr’s glauben wollt oder nicht - auch ein Matt Sanders kann mal einen schlechten Tag haben, Leute“, grinse ich leicht und folge unserem Sänger, der gerade mit einem Handtuch in der Hand in Richtung Duschen verschwindet.
Wenige Minuten später stehe ich mehr oder weniger neben ihm und lasse mir einfach nur das warme Wasser über den Kopf rinnen. Und jetzt kann man mich faul schimpfen, soviel man will – nichts geht über warme Duschen, oder noch besser, einfach nur in der Badewanne vor sich hinvegetieren. Ich sag’s ja immer wieder, wahre Männer nehmen Bäder…
„Bri?“, reißt Matts Stimme mich aus meinen Gedanken über maskuline Waschgewohnheiten, und ich nicke schnell.
„Mh?“
„Lust, morgen mit mir und Jimmy shoppen zu gehen?“
„Uhm… wer von uns klingt jetzt, als wär er schwul?“, grinse ich leicht, doch er tut es nur mit einer Handbewegung ab.
„Erstens bist du bi, soweit ich weiß, und nicht komplett schwul. Und zweitens ist mir egal, wie tuntig das klingt, Jimmy braucht anscheinend was zum Anziehen und ich hab noch kein einziges Weihnachtsgeschenk.“
„Shit, ich auch nicht… außer Zacky“, stelle ich etwas verpeilt fest, nicke dann aber. „Klar komm ich mit. Und nein, nicht nur, weil das irgendwie selbstverständlich ist, dass ich dich nicht allein mit unserer kleinen Tussi Gewand probieren lasse… ich brauch echt was für meine Eltern, G, Josh und Johnny, irgendwie.“
„Sei diesmal aber bitte kreativer als letztes Jahr, okay?“, macht Matt amüsiert, und ich sehe aus den Augenwinkeln, wie er etwas Haarshampoo in seinen Händen verteilt, bevor er sich durch seine kurzen Locken fährt.
„Hey, nichts gegen Socken und CDs zu Weihnachten, ja?“, verteidige ich mich halbherzig. Aber ganz ehrlich, was weiß er schon, wie schwer es ist, ihn zu beschenken? Oder Johnny, der entweder für alles zu klein ist oder es schon hat? Und dem kann man nicht mal Pleks schenken, wenn einem nichts mehr einfällt!
„Schon klar, Bri.“
„Na, was schenkst du Johnny denn?“
„Neue Ohrstöpsel, weil seine dauernd kaputtgehen, und… ich denke, irgendeine DVD.“
„Und Jimmy?“
„Ein neues Jack Daniel’s Shirt, seins ist echt schon mehr fetzig als sonst was. Aber sag ihm das ja nicht, sonst kastriert er mich!“
„Und mir?“, versuche ich es, ohne auf seine halbherzige Bitte einzugehen.
„Ich denk, ich geh in einen Sexshop und kauf was für Zacky und dich“, lacht er los und ich fange an, unkontrolliert zu Husten. Merke: trinkt beim Duschen niemals Wasser, wenn ihr mit Matt Sanders redet.
„Hallo, denkst du ernsthaft, ich sag dir, was ich dir schenk?“
„Cheers. Und na ja, einen Versuch war’s wert…“
„Mach das noch einmal, und ich kauf dir echt irgendwas Peinliches“, droht Matt mir grinsend, und ich schüttle gespielt panisch den Kopf, bevor ich halb blind nach meinem Duschgel greife.
„Ich werde es nicht wagen, Matthew. Wie könnte ich nur…“
„Und nenn mich noch einmal Matthew, dann mach ich’s wirklich!“