The Truth Is So Cold

GeschichteRomanze / P18 Slash
09.02.2012
30.06.2014
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
Guten Abend :3

Ich muss mich echt noch dran gewöhnen, unter der Woche Kapitel hochzuladen. Merkt man das? ^-^

Anyways, Geschwafel + Hintergrundinfos gibt's hier: http://insidethetruthissocold.blogspot.co.at/2012/11/deal-or-no-deal.html
Und viel Spaß mit dem Kapitel, auf das ihr denk ich schon etwas gewartet haben könntet :3

xxo,
Lina & F


60. Kapitel
Brians POV

„MATT! HALT JETZT DIE KLAPPE, das hört doch jeder!“, fahre ich dem Sänger ins Wort, was ihn sofort zum Verstummen bringt. Ein unauffälliger Seitenblick reicht aber, um zu begreifen, dass ich das nicht nochmal machen sollte, wenn ich bestimmte Körperteile behalten will. Wenn er sich jetzt noch mit Jimmy zusammentut, kann ich’s bestimmt vergessen, je Kinder haben zu wollen… biologisch mit mir verwandte, jedenfalls.
„Okay. Ihr zwei, mitkommen. Sofort. Oder ihr habt ein Problem“, knurrt Matt in Jimmys und meine Richtung, bevor er ohne sicherzugehen, ob wir ihm folgen, nach links davongeht. Und obwohl das jetzt die perfekte Gelegenheit wäre, einfach abzuhauen, nach Mexico auszuwandern und meinen Namen in Pablo Cortez zu ändern, dackle ich ihm brav hinterher. Denn… wenn jemand gern einen Pablo am Gewissen hat, dann Matt, wenn er wütend ist.
Nachdem wir ein paar Stunden – okay, eigentlich nur zwei Minuten, aber bekanntlich zieht sich die Zeit am Weg zur Schlachtbank ja immer unglaublich – unterwegs waren, hält der menschliche Schrank vor mir plötzlich eine Tür zu einem Ausweichraum auf und scheucht Jimmy und meine Wenigkeit mit einer Kopfbewegung hinein.
Das Zimmer ist genau so, wie ich ihn von meinem mehr oder weniger Outing vor G in Erinnerung habe – düster, unbeheizt und vor allem eines. Leer. Perfekt für geheime Ermordungen am Rande… okay, ich sollte wirklich damit aufhören.
Aber selbst wenn das hier so schlimm wird, wie ich befürchte, ich werde nicht kampflos untergehen, bevor Jimmy heulend in der Ecke liegt. Metaphorisch, versteht sich. Oder so.
„Wenn ihr hier schnell wieder raus wollt, dann redet ihr jetzt miteinander, verdammt. Und wenn einer von euch Idioten handgreiflich wird, misch ich mich ein, okay?“, gibt Matt immer noch mit einem bedrohlichen Unterton in der Stimme von sich, bevor er sich gegen die geschlossene Tür lehnt und in seiner besten Türstehermanier die Arme verschränkt. „Ich warte?“
„Was gibt’s hier zu reden, hm?“, fängt Jimmy in einem bockigen Tonfall an, und ich verdrehe die Augen. Das hatte er schon im Kindergarten so gut drauf…
„Schön, dass es dir so viel bedeutet, dass wir unsere Freundschaft vielleicht wieder hinbekommen“, rutscht mir heraus, obwohl ich mich im gleichen Moment dafür schlagen könnte. Ich hab immerhin nicht mit dem homophoben Schwachsinn angefangen, oder?
„Nur zu deiner Info, Haner“, zischt Jimmy und kommt etwas näher auf mich zu. „Auch wenn es in deinem verdrehten Spatzenhirn, falls sowas in deinem Kopf überhaupt noch existiert, anscheinend nicht so ganz angekommen zu sein scheint – ICH bin nicht derjenige, der an dem hier Schuld ist. Klar soweit oder brauchst du’s schriftlich, um wen fragen zu können, ob er’s dir erklären kann?“
„Dessen bin ich mir sehr wohl bewusst, Sullivan“, gebe ich nicht weniger eisig zurück, versuche aber, mich halbwegs zurückzuhalten und vor allem seine Provokationen zu ignorieren. „Und von mir aus hätten wir das alles schon früher aus der Welt geschafft, und auch ohne die Hilfe von unserem Mattie hier. Zu schüchtern, um das wie ein Mann zu klären, hm?“
„Sagt derjenige, der Baker fickt!“ Woah. Brian, ganz ruhig. Der Scheißkerl ist’s echt nicht wer- warte, streichen wir das.
„Oh, wie schön, dass du dich in meinem Liebesleben besser auskennst als ich mich selbst.“ Sarkastisch? Ich doch nicht. „Und selbst wenn es so wäre – Problem damit? Nur weil ich mit einem Mann zusammen bin, bin ich keinen Fussel schlechter als du homophobes Arschloch. Und wenn du damit nicht umgehen kannst, können wir das hier gleich lassen, ICH hab nämlich keinen Bock auf eine Freundschaft mit einem Kerl, der nicht mal akzeptiert, wie ich bin!“
„Ja, jetzt bin ich der Arsch hier oder wie? Weißt du was, Haner, du kannst mich mal. Und wehe, du nimmst das hier jetzt wörtlich!“
„Oh, schade. Ich dachte schon, ich könnte meinen geliebten Freund mit einem verdammten Idioten betrügen! Wie schade, dass ich mir die Gelegenheit entgehen lassen muss…“
„Steck dir deinen Sarkasmus sonst wo hin. Oder nein, lass es lieber Zachary tun, gefällt dir bestimmt!“
„Verdammte Scheiße, nur weil ich bi bin, fick ich auch nicht alles!“, brülle ich ihn fast an. Das Ganze ist zwar eher noch auf sein ‚Du kannst mich mal‘ bezogen, aber na ja… er hört mir wahrscheinlich eh nicht zu. „Und lass Zack aus dem hier raus, Sullivan. Weißt du was? Ich hab absolut keine Ahnung, wie ich das überhaupt so lang mit dir ausgehalten hab! Wenigstens hab ich jetzt gecheckt, wie du eigentlich tickst. Besser spät als nie, hm?“ Ja, ich weiß. Die letzten Sätze waren hart, und scheiße, Jimmys verletzter Blick, den er irgendwie zu verstecken versucht, macht das Ganze hier nicht besser.
„Schön, dass du so über das alles denkst. Ich hab eigentlich gedacht, dass du dich vielleicht mal einkriegst und mit einer Entschuldigung oder so rausrückst, was auch wirklich angebracht wär, aber… sowas scheint Brian Haner Junior ja nicht zu können. Tut mir leid, dass sich mein bester Freund in sowas verwandelt hat, wirklich.“
„Jimbo, es…“, setze an, was ihn aber nur dazu bringt, wütend aufzuschnauben.
„Weißt du was, Brian? Fick dich einfach. Ich hab echt gedacht, dass wir das irgendwie mal wieder hinkriegen, aber so… vergiss es. War eigentlich eine schöne Zeit mit dir, wenn du dich nicht gerade benommen hast wie das letzte Arschloch, das das Universum mal ausgeschissen hat.“
„Verdammte Scheiße, Jimmy!“
„Zu spät, Haner.“
„Nein, verdammt noch einmal, ist es nicht!“ Denn auch wenn er ein richtiger Vollidiot sein kann… Zacky wäre nichts ohne Vic. Und ich wäre noch weniger, wenn ich Jimmy nicht an meiner Seite hätte, egal was passiert.
„Doch, meine Güte! Hör auf, hier herumzuheulen wie eine Pussy, ich bin an dem Ganzen hier nicht schuld!“
„Du sturer Esel, hör mir jetzt einfach mal zu! Ja, es tut mir leid, dass ich dir nichts gesagt hab. Es tut mir sogar ganz verdammt, verfickt leid, klar? Ich weiß, ich hätt dir das mit Zacky sagen sollen, und zwar nicht dann, sondern so schnell wie möglich. Aber weißt du was? Das im Club damals war nicht gelogen. Ich hab beschissene Angst gehabt, dass du das vielleicht nicht akzeptierst und dass dann sowas rauskommt wie jetzt. Und ich BIN eine elende Pussy, weil ich nicht einmal die Eier gehabt hab, vor meinem besten und ältesten Freund zu meiner Beziehung zu stehen, und das weiß ich! Aber jetzt hab ich das, was ich nie haben wollte, und zwar eine befickten Streit mit einer Person, die mir was bedeutet, und das, weil ich so bin, wie ich bin. Also… es tut mir leid, und ich will verdammt nochmal, dass du das weißt, egal was du jetzt tust.“
„Wenigstens einmal ein bisschen Ehrlichkeit“, gibt Jimmy bissig von sich, als ich irgendwie gestresst Luft hole. Als ich ihn aber ansehe, erwidert er den Blick nicht einmal so kalt, wie ich gedacht habe. Das… werten wir einmal als gutes Zeichen, denke ich… Oder er macht gerade seinen Laserblick bereit. Haha. Okay, der war mies, aber ich kann im Moment auch ehrlich keine Scherze brauchen.
Eine Weile ist es leise, und ich fahre mir gestresst übers Gesicht. Denn, um ehrlich zu sein, ich bin ungefähr der miserabelste Typ von Huntington bis Moskau, wenn’s um Entschuldigungen geht.
Nach ein paar Minuten – denke ich zumindest – räuspert Matt sich etwas, und ich höre, wie Jimmy seufzt, aber immer noch nichts sagt. Ja, und das kommt heraus, wenn ein Brian Haner über seinen Schatten springt und endlich mal das herausbekommt, was ihm am Herzen liegt…
Verdammte, unbequeme Stille.
„Gut, wenn ich hier nicht mehr gebraucht werde, bin ich dann mal wieder weg. Schönes… was-auch-immer noch, hm?“, mache ich gespielt locker und gehe ein paar Schritte auf unseren Sänger, der immer noch an der Tür lehnt, zu. Kurz streift mich sein erschrockener Blick, doch ich schüttle nur schnell den Kopf und winke ihn mit der Hand zu Seite. Jim hat Recht gehabt, auch wenn ich mir das nicht gern eingestehe. Zu spät, Haner…
Etwas perplex geht Matt etwas nach rechts und ich hab schon die Klinke in der Hand, als Jimmy hinter mir plötzlich wieder zu reden anfängt.
„Tut mir leid, was ich gesagt hab. Also, dass du eine Schwuchtel bist und ja, das alles“ murmelt er, und ich schüttle nur den Kopf, ohne mich umzudrehen.
„Vergiss es.“
„Nein, Brian. Klar, das war scheiße, aber… ach fuck, im Endeffekt sind wir beide Schuld. Deal?“
„…Deal?“, mache ich gegen meinen Willen etwas verwirrt, und kann fast sehen, wie Jimmy nickt. Ich kenne ihn einfach in- und auswendig, auch wenn ich ihn im Moment wirklich nicht als meine Lieblingsperson auf dieser verschissenen Welt bezeichnen würde.
„Wir sind beide schuld, wir waren beide Arschlöcher, ich hab meine Entschuldigung und du nimmst mich nicht zu ernst.“
Einige Zeit ist es wieder still, und ich… keine Ahnung. Ich meine, er war ein verdammtes Arschloch, da hat er Recht. Aber ich war auch keinen Deut besser, und er ist immerhin mein ältester und bester Freund – da kann man sagen, was man will.
„Unter einer Bedingung, Jimbo.“
„Hm?“
„Du akzeptierst Zacky.“ Etwas unsicher, nach außen hin aber wieder ziemlich ruhig, drehe ich mich um, nur um zu sehen, wie Jimmy etwas schief lächelt.
„Weißt du was, du Idiot? Das hab ich eigentlich schon lang getan…“
Mit gemischten Gefühlen sehen wir uns ein paar Augenblicke lang an, ich irgendwie überrumpelt – denn hey, ganz ehrlich, ich hab gedacht, er kastriert, tötet und brät Zee eher, als dass er meine Bedingung hier annimmt! – und er irgendwie unsicher. Dann machen wir gleichzeitig einen Schritt aufeinander zu, fangen ebenso synchron an, über uns gegenseitig zu grinsen, und im nächsten Moment finde ich mich in einer typischen knochenbrechenden Jimmy-Umarmung wieder.
„Ich hab dich vermisst, du Vollarsch“, murmle ich gegen seine Schulter und er lacht leise gegen meine Haare.
„Kannst du dich noch erinnern, wie wir uns mal auf offener Straße angebrüllt haben, wegen diesem einen Mädchen?“, macht er dann so leise, das Matt wahrscheinlich kein Wort versteht, und ich kichere irgendwie quietschig auf.
„Klar. Irgendwie brauchen wir sowas auch immer, hm?“
„Ich hab mir grade eher gedacht, dass wir das Problem jetzt nicht mehr haben“, macht er, und ich boxe ihm leicht in die Nieren.
„Fresse, Sullivan.“
„Ich hab dich auch lieb.“