The Truth Is So Cold

GeschichteRomanze / P18 Slash
09.02.2012
30.06.2014
142
272683
 
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
Bon soir, mes amis ^^

Eigentlich wollte ich das Chap ja schon gestern hochladen, tut mir Leid /: vor allem, weil gestern gleich 3faches Jubiläum war - vor einem Jahr waren wir zwei Freaks in München beim MCR-Konzert (*-*), zum anderen schreiben & planen wir seit 2 Monaten die Story hier und laden sie seit einem Monat hier hoch. BÄM!
Aber anyways, hier habt ihr das Schätzchen, und es freut uns total, dass es doch ein paar Leuten hier zu gefallen scheint ^-^ (50 Klicks und zwei Revs fürs letzte Chap, Halleluja!)

Also, have fun & stay dangerous,
Lina & Franky

PS: unser Upload-Tempo wird sich wie schon einmal erwähnt ändern, näheres dazu & ein bisschen Chaos & Infos gibt's wie immer im Blog :) -> http://insidethetruthissocold.blogspot.com/2012/03/6-how-to-bake-rythm.html




6. Kapitel
Brians POV

„JOSHY! Hier!“, brülle ich begeistert quer durch die Cafeteria und wedle stolz mit meiner rechten Hand herum, woraufhin die geschätzte halbe Schule misstrauische Blicke zu uns wirft. Unruhig rutsche ich auf meinem Stuhl hin und her, bis Matt und ein etwas peinlich berührter Josh sich zu uns gesellen und ich meinen stark verdienten Fünf-Dollar-Schein endlich in den Händen halten darf.
Grinsend lehnt mein Wettpartner sich zurück und fängt an, in seinem Salat herumzustochern. „Nutte bezahlt, Zuhälter glücklich“, höre ich Jimmy links von mir dann murmeln, was kollektives Gelächter auslöst. „Josh, warum hast du’s ihm nicht gleich in den Ausschnitt gesteckt?“
„Hey“, protestiere ich gespielt pikiert, bevor ich wieder ein Stück Huhn auf meine Gabel aufspieße. „Ich bin zwar eine Kuschelhure, wie Matt heute schon so treffend festgestellt hat, aber als billige Go-Go-Tänzerin lass ich mich nicht abstempeln!“
Lachend beugt Jimmy sich zu mir, bemüht sich um ein zerknirschtes Gesicht und sieht mir tief in die Augen. „Aww Bri-Bri, tut mir leid, dass ich deine wahre Bestimmung nicht erkannt habe“, nuschelt er dann, bevor er in schallendes Gelächter ausbricht und mir meinen Hut tief ins Gesicht zieht.
„Also ehrlich, und ihr sagt, ihr seid hetero?“, kommt es in dem Moment von Johnny, der rechts von mir damit beschäftigt ist, seinen Salat so auf seinem Teller zu arrangieren, dass es aussieht, als hätte er mehr als die Hälfte davon gegessen. John ist ebenfalls ein Teil unserer… Clique klingt doof. Gruppe von halbwegs normalen Leuten an der Schule drückt es schon besser aus, aber eigentlich sind wir nur ein chaotischer Haufen kreativer Leute, die verdammt viel Schwachsinn im Kopf haben.
„Also ich für meinen Teil schon“, grinst Jimmy. „Brian…“ Er macht eine abwägende Handgeste. „Bei dem bin ich mir da ja nicht so sicher.“
„Ach halt die Klappe, Sullivan“, verdrehe ich die Augen und sehe zu Johnny. „Hör nicht auf den, bei ihm geht das Huhn einfach beim Mund rein und wandert direkt zu dem freien Platz, wo eigentlich sein Hirn sein sollte.“ Der Angesprochene beginnt zu lachen und fährt sich durch seine blond-schwarz gefärbten Haare.
„Ach ja, was ich euch noch fragen wollte“, beginnt er und dreht gedankenverloren an seinem Nasenpiercing herum, das er sich vor wenigen Wochen stechen hat lassen, während Jim mich unerwartet von hinten in den Schwitzkasten nimmt. „Weiß irgendwer, was genau mit Baker passiert ist?“
Plötzlich herrscht peinlich berührte Stille am Tisch. Mein bester Freund lässt mich los und ich ziehe mein Shirt gerade, während Matt schnell etwas trinkt, um nicht antworten zu müssen. Josh tut so, als wäre er sehr beschäftigt mit den Skizzen, die er gerade in seinem Collegeblock macht, und Giovanna schneidet so konzentriert auf ihrem Hühnchen herum, als würde ihr Leben davon abhängen.
„Also keiner. Na gut. Aber irgendwas muss da ja passiert sein, oder?“ Als Johnny immer noch keine Antwort bekommt, erbarme ich mich und sehe ihn vielsagend an.
„Mann, du weißt, dass Mr. „Ich-bin-Quarterback-küsst-den-Stuhl-auf-dem-ich-meinen-Arsch-geparkt-hab“ Baker und seine Mitläufer den gern als Opfer haben. Wahrscheinlich hat sich wieder einer von denen eingebildet, seine sexuelle Frustration in Aggression umwandeln zu müssen und hat ihm eine verpasst.“ Ich verziehe etwas den Mund, als ich mir das vorstelle. Autsch. „Wie jedes Mal. Also nichts Neues… Und G, bitte, lass dein Huhn in Ruhe, das ist schon tot.“
„Wie auch immer“, murmelt Johnny und sieht sein Glas an. „Ich hab ihm meine Kreislauftabletten gegeben, als er im Klo fast zusammengeklappt ist. Irgendwie tut er mir leid.“
„Mir auch“, seufzt G und legt mit einem bösen Blick in meine Richtung die Gabel zur Seite. „Aber was sollen wir schon tun. Uns gegen diesen Idioten von Baker und seine Armee sabbernder Gorillas stellen? Der zermatscht uns, das wisst ihr. Und ich für meinen Teil will nicht mit siebzehn schon sterben…“
Aus den Augenwinkeln sehe ich Jimmy, Josh und Matt zustimmend Nicken, und seufze leise auf. „Auch egal. Nach dem Jahr sind wir hier eh alle raus, und bis dahin wird er’s schon überleben. Aber was andres, die Probe heute Abend steht noch, oder?“
Ich kann fast spüren, wie die Stimmung am Tisch umschlägt, und lächle etwas in mich hinein. Ja, ich kenne meine Leute einfach zu gut…
„Wie immer um sechs bei mir?“, grinst Matt vor allem in Johnnys und meine Richtung. Bei Jimmy ist es sowieso kein Problem, denn seit sein geliebtes Drumkit in Matts Garage steht, wohnt er sowieso schon fast dort. Fehlt nur noch, dass er seine Matratze mitnimmt und am Boden neben der Bass Drum pennt - das sollte ich ihm nur lieber nicht vorschlagen, denn am Ende tut er’s echt und Matt lyncht mich, weil er den Freak nicht mehr loswird…
Grinsend tippe ich mir an den Hut und nicke leicht. „Müsste gehen. Und sonst frag ich Dad, der lässt mich sowieso alles tun, wenn’s um Gitarren geht.“ Auch Johnny bejaht und faselt irgendwas von neuen Basslines, die er unbedingt mal probieren möchte, und Matt lächelt  weiter fröhlich vor sich hin. Huntington Beach, mach dich auf was gefasst…

„No reason to tell you which way to be, the streets have opened my eyes to see“, hallt Matts Stimme durch die enge Garage. Wir können froh sein, dass seine Eltern sich entschlossen haben, zu Bekannten oder sonst irgendwohin zu fahren, sonst hätte die Probe so nie hingehauen. Sanft fahre ich mit dem Plektrum über die Saiten meiner schwarzen E-Gitarre, doch allein die Berührung meiner Finger, wenn ich den Griff ändere, ist schon verdammt laut. Es leben bis zum Anschlag aufgedrehte Verstärker…
Als das Lied zu Ende ist, setzt Matt kurz ab, doch ich spiele direkt weiter, hänge die Lieder sozusagen aneinander. Jimmy ist wie immer sofort dabei, und Johnny steigt nach einer kurzen Schrecksekunde wieder ein.
Wenn man jetzt in die Garage kommen würde, würde man nie glauben, dass Matt wunderschön singen kann, wenn er es will. Eigentlich hat er ja wirklich keine schlechte Stimme, aber… wir machen nun einmal andere Musik.
Mit geschlossenen Augen spiele ich das Lied herunter, fast schon automatisch. Und trotzdem bekomme ich das riesige Grinsen nicht mehr aus meinem Gesicht, das jedes Mal dort landet, wenn ich eine Gitarre nur ansehe. Wahrscheinlich hat mein Vater Recht gehabt, als er mir damals zum zwölften Geburtstag mit den Worten ‚Mach was draus‘ meine erste Gitarre geschenkt hat. Ich habe etwas daraus gemacht, nur… es ist nicht ganz perfekt.
Verwirrt spiele ich das Lied zu Ende, lege dann aber sanft meine Hand auf die Saiten und bringe den letzten Ton zum Verstummen.
„Leute, irgendwie… irgendwas fehlt.“ Sofort dreht Matt sich zu mir um und sieht mich fragend an, während Jimmy einen seiner Drumsticks in seinen Händen hin und her wirbelt.
„Am Lied oder überhaupt?“, erhebt Johnny als erster seine Stimme und erwidert meinen Blick wissend. Eigentlich ist es klar, dass es ihm auch schon aufgefallen ist.
„Nö, das Lied ist toll, ihr wisst das. Aber… Denkt mal nach. Uns fehlt etwas. Jemand.“ Bei Matt und Jimmy scheint es immer noch nicht ‚Klick‘ gemacht zu haben, und ich seufze genervt auf. „Wir brauchen früher oder später einen zweiten Gitarristen, Leute.“
„Ach, und den soll ich mir jetzt mal aus dem Ärmel schütteln oder wie“, knurrt Matt etwas ungehalten, aber ich merke, dass er nicht ganz gegen die Idee ist. Dass er dann noch vielsagend zu seinem ärmellosen Muscleshirt hinuntersieht und anfängt, über seinen eigenen, zugegeben ziemlich schlechten Witz zu grinsen, zeigt jedenfalls, dass er nicht sauer ist, weil ich seine Band umbauen will.
„Brian, denkst du, das geht überhaupt?“ Verwirrt sehe ich Jimmy an.
„Warum nicht?“
„Na... ich meine… ob du überhaupt wen findest, der’s mit dir aufnehmen kann. Der irgendwelche Soli von dir auch mal hinkriegt. Und sag jetzt nicht, dass muss er nicht, ich weiß ganz genau, dass du so einen zweiten Gitarrist willst und keinen neben dir auf der Bühne herumvegetierenden Rythm.“ Nachdenklich beiße ich mir auf die Unterlippe. Da hat er allerdings recht…
„Kennt ihr irgendwen, der gut Gitarre spielt?“, frage ich etwas hilflos in die Runde. Mal wieder typisch – ich hab eine Idee und die andren dürfen sie umsetzen, weil ich selbst anstehe. Tolle Sache.
„Nicht wirklich“, murmelt Johnny und zupft etwas auf seinem Bass herum, was durch halb Huntington Beach verstärkt wird. Matt zuckt etwas zusammen und starrt den Bassisten erschrocken an, schüttelt dann aber nur den Kopf und sieht zu Jimmy, der nur die Schultern zuckt.
„Ein paar, ja. Aber besonders gut ist denk ich keiner…“ Enttäuscht fahre ich mir durch die Haare und wische einen imaginären Staubfussel von meiner schwarzen Gitarre. Wo soll ich bitte einen Rythm herbekommen? Backen?
„Machen wir weiter oder lassen wir’s für heute?“, fragt Matt nach einer Weile in die Runde, bekommt aber keine eindeutige Antwort, woraufhin er einfach zu den Verstärkern geht und alles abschaltet.
„Also… ich hätte jetzt erst mal gern ‘n Bier“, gibt Jimmy von sich und hievt sich gespielt schwerfällig hinter seinen Drums heraus, um sein Shirt zu suchen, dass am Anfang der Probe wie immer irgendwo gelandet ist. Schweigend gehe ich hinter Johnny her in Matts Küche, wo uns der Hausherr was zu trinken in die Hand drückt und wieder verschwindet.
Ich versuche, mich auf das Bier in meiner Hand und meine Freunde zu konzentrieren, schweife aber gedanklich immer wieder mal ab. Gitarristen. Wo bekommt man einfach so einen begabten Gitarristen in unserem Alter her?
Brian, 18, männlich, sucht…, denke ich schief grinsend und trinke einen Schluck Bier. Das kann noch heiter werden, so viel steht fest.