The Truth Is So Cold

GeschichteRomanze / P18 Slash
09.02.2012
30.06.2014
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Dieses Kapitel
1 Review
 
 
Bon soir!

Leute, es ist Donnerstag! (Mein Gott, was für eine wissenschaftlich wertvolle Feststellung.)
Und das heißt, es gibt wieder ein neues Chapter für euch! (und ihr jetzt alle so "JAAA!" - ...okay, ich bin grade echt matsch im Kopf, tut mir leid ^-^)
Also, viel Spaß mit Brians Sicht der Dinge und etwas Haner'schn Schwachsinn. Und noch mehr Blut, oh my.. *Lina bekommt Zacky-Muttergefühle, Part 7935*

und ach ja, Insiderinfos: http://insidethetruthissocold.blogspot.com/2012/03/4-noch-mehr-blut-was-die-satanisten.html


Love,
Lina & Franky


4. Kapitel
Brians POV

„Sanders, kannst du nicht einen Schritt schneller gehen?“, beschwere ich mich lautstark, woraufhin mich zwei Mädchen, die plaudernd an der Wand neben uns lehnen, abschätzend anstarren. Matt und ich sind in einem Pensionistentempo, wie es im Bilderbuch steht, am Weg zu der Klasse, in der ich meine nächsten 50 Minuten mit wunderschönen Landkarten, genauen Zeichnungen von malerischen Gebirgsketten und zur Abwechslung vielleicht auch ein paar unglaublich interessanten Fakten über die Infrastruktur von Millionenstädten verbringen kann – und er hat drei Räume weiter Latein, womit ich ihm schon den ganzen Tag auf die Nerven gehe. Er hasst das Fach einfach, und wäre es nicht so lustig, ihm damit auf die Nerven zu gehen, hätte ich fast Mitleid mit ihm. Mit Betonung auf dem Wort fast…
„Halt die Klappe, Haner“, grinst er mich an und geht provokant noch langsamer. Gerade, als ich ihm irgendwas mit unregelmäßigen Perfektstämmen und Futurendungen, die ihn in der Stunde sicher schon freudig erwarten, an den Kopf werfen will, fällt mein Blick auf eine der Uhren, die im Flur oberhalb der Schließfächer hängen. Oh Shit…
Fünf Minuten Verspätung sind schon fast ein Todesurteil bei Levis, der ein chronischer Zu-Früh-Kommer ist. Vor allem für Schüler, die in Geo komplette Nieten sind – und nein, ich spreche jetzt nicht speziell von mir. Oder so.
Äußerlich kein bisschen gestresst verabschiede ich mich mit einem „Veni, vidi, desperavi“ – Ich kam, sah und verzweifelte – von Matt und öffne mit einem Ruck die Tür des Klassenzimmers, das schon voll mit anderen Schülern ist. Wie immer sitzen sie in mehr oder weniger kleinen Gruppen irgendwo – ganz vorne die Streber, dahinter ein paar noch halbwegs normal aussehende Mädchen, dann die Cheerleader und andere Silikonbrüste, in der vorletzten und letzten Reihe am Fenster die Footballer und bei der Tür Josh und ich, die einzigen Außenseiter Schrägstrich Musiker in der Klasse.
Mit einer schnellen Entschuldigung an Levis gehe ich zu meinem Platz und lasse mich neben Josh auf meinen Stuhl fallen. Meinen Rucksack pfeffere ich irgendwo unter den Tisch – wenn ich was zu schreiben brauchen würde, könnte ich es immer noch herausholen, und Josh hat sein Zeug wie immer so über meine Tischhälfte ausgebreitet, dass ich sowieso kaum Platz habe. Also muss ich nicht mal was tun, um beschäftigt und interessiert auszusehen…
Entspannt lehne ich mich zurück, lege meine Hände auf den Tisch und werfe einen Seitenblick zu Josh, der irgendwas in seinen Collegeblock kritzelt.
„Morgen, Brian“, grinst er mir kurz darauf zu und wischt ein paar seiner hellbraunen Haarsträhnen aus seinem Gesicht. „Du auch da... und nicht mal als Letzter. Fühl dich imaginär getätschelt, hm?“ Er lacht leise auf, und ich muss auch lächeln. Gerade als ich den Mund aufmache, um ihn zu fragen, wer denn noch fehlt, wird die Tür neben uns aufgerissen und ein komplett schwarz angezogener Typ mit dunklen Haaren und blutverschmiertem Gesicht schlurft in die Klasse.
Bei jedem Anderen hätte ich mich sicher gefragt, was mit ihm wohl passiert ist, doch so wende ich nur den Kopf ab und linse auf Josh‘ Kritzeleien. Jeder weiß, dass Baker ein beliebtes Opfer der Footballer ist. Manche haben auch schon halbherzig probiert, irgendwie einzuschreiten, aber im Endeffekt traut sich niemand so recht, unseren Quarterbacks nur schief hinterherzuschauen.
Eigentlich traurig, dass unsere Schule aus einem schlechten amerikanischen High-School-Film stammen könnte, inklusive allen Klischees und Prototypen... Wirklich, ich bin nur froh, wenn ich das Jahr hinter mir hab und endlich aus dem Irrenhaus hier abhauen kann.
Um mich herum höre ich, wie die Leute anfangen zu lachen. Ein Seitenblick zu Baker, der noch immer in der Tür steht und jetzt etwas geschockt sein Gesicht berührt, verrät mir, was sie so lustig finden, und ich verdrehe die Augen. Sensationsgeile Arschlöcher…
Josh sieht besorgt zu dem Schwarzhaarigen hin, wagt es aber auch nicht, ihm irgendwie zu helfen. Mit gesenktem Blick marschiert Baker zwischen den letzten zwei Tischreihen durch zu seinem Platz schräg vor mir, übersieht aber ein ausgetrecktes Bein eines Footballers und legt sich mit voller Wucht nochmal auf seine wahrscheinlich gebrochene Nase. Ich denke zumindest, dass sie etwas schlimmer verletzt ist, so wie das aussieht – der kann von Glück reden, wenn in zwei Tagen nicht sein halbes Gesicht grün ist.
Neben mir höre ich Josh mitleidig aufatmen, woraufhin ich mich etwas aufrichte.
„Verfickte Scheiße“, flucht der Schwarzhaarige vor mir und stemmt sich zittrig an meinem Tisch hoch, um sich fahrig mit der linken Hand über die Nase zu wischen. Sofort spritzt wieder mehr Blut in unsere Richtung, und Baker starrt geschockt auf Josh‘ mit Noten bekritzelte Unterlagen, die immer noch auf meiner Tischhälfte liegen und wie meine Hand auch schon ein paar rote Patzer abbekommen haben.
Sein Blick wanderte zu meinem Gesicht und ich erwidere ihn etwas sauer, beiße die Zähne leicht zusammen. Ich habe ja nichts gegen ihn, aber es wäre schon ganz nett, wenn er aufhören könnte, mir auf die Hand zu bluten… Denn ganz ehrlich, ich steh nicht so auf kranke Satanistenrituale mit Menschenopfern und ganz viel von dieser roten Suppe, die gerade meinen Tisch einsaut.
„Scheiße, sorry“, murmelt er mir erschrocken zu und sieht ehrlich so aus, als würde er gleich umkippen. „Ich… Muss hier raus“, bestätigt er meine Vermutung und flüchtet schon vom Gelächter der Anderen begleitet aus dem Raum, während ich ihm nur hinterherstarre. Okay?
„Soll ich ihm nach?“, fragt Josh mich unsicher, doch ich schüttele nur den Kopf und wedele etwas angewidert mit meiner Hand in der Gegend herum, um das Blut vielleicht ein wenig abzuschütteln.
„Ich denke, der will erst mal allein sein…“, antworte ich noch und sehe Josh an, wie er abwägend den Mund verzieht. „Du hast nicht zufällig ein Taschentuch oder so?“
„Hab ich, ja“, bekomme ich die resignierte Antwort und er beugt sich unter den Tisch zu seiner Tasche. Angeekelt sehe ich meine Hand an und tue das Ganze als wissenschaftliche Betrachtung der Baker’schen Blutspritzer ab, bis Josh wieder neben mir auftaucht. Wohlgemerkt ohne Taschentücher, dafür mit einem Grinsen im Gesicht, dass man nur als diabolisch bezeichnen kann.
„Lass es drauf.“ Ich starre ihn an, als hätte er mir gesagt, er wolle mit mir zu einem Katy-Perry-Konzert gehen und dort in einem pinken Bikini abfeiern. Oh Gott, diese Bilder…
„Bitte was?“, zische ich, immer noch etwas verstört von Mainstream-Pop und rosa Bademode.
„Lass es drauf. Sieht gefährlich aus und passt zu deinem... Image?“ Er grinst, und ich hebe die Augenbrauen.
„Joshy, du solltest eindeutig kein Stilberater werden. Das… geht irgendwie gar nicht.“
„Du kriegst fünf Mäuse, wenn du bis zur Mittagspause nichts an deiner Hand veränderst.“
Ich seufze auf. Warum weiß er nur, dass ich immer pleite bin? Vielleicht, weil ich mich immer darüber aufregen muss? „Okay“, gebe ich mich dann geschlagen. „Aber irgendwann kriegt du das zurück, mein Lieber…“


„Salve“, brummt Matt mir zu, als er am Flur zu mir und Josh stößt. Anscheinend hat er Latein doch irgendwie überlebt, während ich mir von meinem Sitznachbar anhören konnte, dass ich aussehe, als wäre ich ein kranker Massenmörder… Ja, ich habe extrem liebenswürdige Freunde. Lust auf eine Versteigerung?
„Bonjour“, antworte ich und winke aufreizend mit der blutverschmierten Hand, die sofort die pikierten Blicke einer Gruppe Cheerleader auf sich zieht. Grinsend wackele ich mit den Fingern in ihre Richtung, woraufhin sie mit viel Arschgewackel und gerümpften Nasen an uns vorbeiwuseln.
„Na, wen hast du abgestochen?“, grinst mein bester Freund mich an und nimmt meine Hand. „Das fühlt sich sogar echt an, meine Fresse… gute Arbeit, Josh.“
Okay, Matt, dich verkaufe ich zuerst. Und zwar an einen alten Sack in einem schäbigen Mantel und nichts drunter…
„Das ist keine maskenbildnerische Übung von dem Freak da“, knurre ich. „Irgendwer hat Baker die Nase gebrochen und er hat mich angeblutet.“
„Eww“, quietscht Matt etwas unmännlich und lässt meine Hand los, als hätte ich einen giftigen, grünen Ausschlag oder so. „Wasch das ab, verdammt! Du siehst aus, als hättest du Levis das Herz aus der Brust gerissen und damit Basketball gespielt…“
„Gar keine schlechte Idee“, lache ich. „Nö, Joshy hier gibt mir fünf Mäuse, wenn ich das bis Mittag auf meiner Hand lass. Und du weißt ja, Mattie…“ Ich unterbreche mich kurz und rücke im Gehen näher zu ihm auf. „…das ich total käuflich bin.“
„Du geldgeile Kuschelhure“, grinst Matt und geht nach einem schnellen Gruß in Josh‘ Richtung vor mir in die Klasse, in der wir zusammen Deutsch haben. Lächelnd folge ich ihm zu unseren Plätzen, werde aber überraschend aufgehalten, bevor ich mich hinsetzten kann.
Vor mir steht eine schwarzhaarige junge Frau, die mich böse anfunkelt und theatralisch die Hände in die Hüften stemmt. Fragend sehe ich auf sie herab, und ihr Gesichtsausdruck wird noch eine Spur wütender, als sie bemerkt, dass sie einfach nicht ernstzunehmend aussieht, wie sie so zu mir aufsehen muss. Meine Güte, sie ist auch wirklich ziemlich klein…
„Okay, was ist dein Problem, du Penner?“, faucht sie mich an und reißt mich aus meinen Betrachtungen. „Warum brichst du Zacky einfach so die Nase? Macht dir Spaß, was? Du verdammtes Sadistenarschloch, als wären diese beschissenen Footballer nicht schon genug. Aber nein, du musst auch noch ankommen und dir einbilden, dass du ihn als privaten Boxsack benutzen kannst, hm?“
Verdutzt starre ich sie an, als sie meine Hand nimmt und auf dem Blut herumkratzt, das schon eine eklig bräunliche Farbe angenommen hat. „Eww, stehst du auch noch drauf, Trophäen deiner Opfer mit dir rumzuschleppen? God, du bist ja krank… und du widersprichst mir nicht mal! Hast wohl dein Sprechorgan verschluckt, was?“
Ohne, dass ich etwas dagegen tun kann, breche ich in schallendes Gelächter aus. Denn ganz ehrlich… What the fuck? Die Kleine ist einfach nur lächerlich, wenn sie denkt, ich würde Baker etwas antun. Mal abgesehen davon, dass es mir absolut nichts bringen würde… Ich kenne ihn noch nicht mal. Außerdem, was würde sie mir tun, wenn ich etwas gemacht hätte? Mich so lange pieken, bis ich freiwillig kreischend das Weite suche? Klar.
„Du scheiß Wichser!“, brüllt sie mir noch zu, dann stolziert sie zu ihrem Freund zurück, der zwei Reihen hinter mir sitzt und etwas schockiert zu uns herschaut. Immer noch amüsiert drehe ich mich zu Matt, unterdrücke einen weiteren Lachanfall und setze mich auf meinen Platz direkt neben dem Fenster.
„Was war das gerade…“, will er wissen, doch ich winke nur ab und werfe noch einen Blick über die Schulter zu Baker, der etwas entschuldigend zu mir sieht und seiner Freundin durch die Haare wuschelt. Was für eine Freakshow…