The Truth Is So Cold

GeschichteRomanze / P18 Slash
09.02.2012
30.06.2014
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Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
guten abend allseits c:

ich hau euch jetzt nur schnell das kap hin, bevor ich wieder in meinem bio-delirium versinke und vielleicht auch mal wieder weiterschreibe, oder so. aber denkt dran, zehnerchap! das erste richtige, vor allem! wuhey! *aufgeregt im kreis renn* okay, genug des wahnsinns. more shit here: http://insidethetruthissocold.blogspot.co.at/2012/06/fuck-what.html

and enjoy the party!

keep running, L & F


30. Kapitel
Brians POV

„Hey, Jungs?“
„JA?“ Super, Matt. Spring dem Clubmitarbeiter gleich in die Arme und kleb ihm ein Post-It auf die Stirn, dass wir uns angesprochen fühlen.
Der etwas untersetzte Mann vor uns scheint etwas Ähnliches zu denken wie ich, da er unbewusst einen Schritt zurückweicht und unseren Sänger misstrauisch anstarrt, bevor er einen Blick auf seine Armbanduhr wirft.
„In fünf Minuten könnt ihr raus. Ich hol euch dann, okay?“ Ohne eine Antwort abzuwarten dreht er sich um und gesellt sich zu einem der Soundtypen, der früher meine Schecter verkabelt hat. Und eins muss man Dean wirklich lassen… es geht hier so verdammt professionell zu, dass ich mir bald vorkomme, als wüsste ich nicht mal, wie man eine Gitarre nur richtig hält.
„Okay“, atmet Matt zittrig aus und sieht uns der Reihe nach an. Johnny in seinen zerrissenen Jeans, weißem Shirt und Lederjacke. Jimmy in schwarzen Röhrenjeans, die nur mit drei Gürteln auf seinen schmalen Hüften halten, und wie immer oben ohne. Mich, in ebenfalls zerrissenen Jeans, schwarzem Shirt und natürlich mit meinem grauen Fedora.
Nervös erwidere ich seinen Blick, und er lächelt mir gezwungen zu – was irgendwie eher angsteinflößend wirkt, aber sagen wir es ihm besser nicht –, während er unruhig auf seinem schwarz-orangen Megadeth-Shirt herumzieht. Und ganz ehrlich, wenn ich nicht in meiner Position wäre, würde ich uns so auslachen. Vier Typen, die in einer Metal-Screamo-Wasauchimmer-Band spielen und vor ihrem ersten Auftritt aussehen, als würden sie sich gleich anmachen, während ihr Sänger mit der Statur eines Kastens der Ohnmacht nahe ist…
Oh Gott, ich glaub mir wird wirklich schlecht.
„Kommt her, Leute“, nuschelt Jimmy neben mir und zieht uns in eine riesige Gruppenumarmung. Wie eine Sportmannschaft, die unbedingt irgendeine letzte Überlebenstaktik besprechen muss und damit das ganze Spiel aufhält, stehen wir da, und ich versuche krampfhaft, irgendwie meinen Herzschlag zu verlangsamen. Wenn wechselwarme Tiere mit dem IQ von einem Blatt das können, warum klappt’s dann bei mir nicht?
„Okay, es geht los. Viel Spaß, Jungs“, ruft der Mitarbeiter von früher zu uns herüber, und ich löse mich von Jimmy und Matt, schnappe mir meine schwarze Schecter. Aus meiner Hosentasche fussle ich mit zittrigen Fingern eins der dunkelgrauen Plektren, die ich am liebsten habe, dann streife ich den Gitarrengurt über meinen Kopf und sehe zu Matt, der sich gestresst durch die kurzen Haare fährt.
„Bewegt eure Ärsche da vorn“, knurrt Jimmy hinter mir leise, aber ich höre trotzdem, wie seine Stimme leicht zittert. Da hilft nicht einmal unser kläglicher Versuch, uns Mut anzutrinken, was… einmal abgesehen davon, dass wir das bald aufgegeben haben, weil kein Mensch so eine Menge Alkohol überleben kann, und unsere Superheldenkräfte sich wohl noch etwas entfalten müssen.
Nach einem letzten, halb erstickt klingenden Schnaufen läuft Matt vor mir zu der kleinen Treppe, die vom Backstage-Bereich auf die Bühne führt. Einen Augenblick stehe ich wie erstarrt da, dann reiße ich mich irgendwie zusammen und folge ihm, Johnny knapp auf meinen Fersen.
So groß ist die Bühne nicht, rede ich mir ein, als ich mich schräg hinter Matt stelle. Es sind vielleicht fünfzig Leute im Club, die meisten einfach nur so oder wegen der anderen Band nach uns. Du kannst das, Brian. G, Josh und Zacky sind da, zusammen mit den Mitarbeitern, Barkeepern und Dean sind das schon ein Fünftel der Leute, und du kennst sie. Niemand wird dich umbringen und keiner da drinnen hat Tomaten. Alles wird gut.
Warum fühlt sich das dann trotzdem an wie der Gang zur Guillotine?
Unruhig drehe ich meinen Kopf etwas nach rechts, direkt zu den zwei länglichen Stehtischen zwischen Bühne und Bar, bei denen G, Josh und Zacky stehen. Die Italienerin bemerkt meinen Blick und macht grinsend mit beiden Händen ein Daumen-Hoch-Zeichen, als Zacky auch seinen Kopf von seinem Bier hebt und mir zulächelt. Irgendwas ist zwar nicht wie sonst, und er war auch früher, als wir uns vorm Club getroffen haben, ziemlich ruhig. Aber… vielleicht erzählt er mir später, was los ist. oder taut auf, wenn wir anfangen, die Hütte zu rocken… Ha, ha.
Krampfhaft versuche ich, meine Mundwinkel ebenfalls zu heben, was aber wahrscheinlich eher so aussieht, als würde ich einen Stromschlag bekommen und mit einer letzten Zuckung mein Leben aushauchen. Dann beginnt Jimmy, den Takt vorzuzählen, und ich greife automatisch meinen ersten Griff von ‚Forgotten Faces‘.
Nach der Probe mit Zacky – die im Endeffekt wirklich eine unserer besten war, wenn ich das so sagen kann – haben wir noch schnell die Song-Reihenfolge für heute Abend besprochen. Insgesamt haben wir eine Dreiviertelstunde Zeit, bevor nach zehn Minuten Pause eine zweite Band auftritt, und die… mussten wir irgendwie füllen. Was uns hoffe ich gelingen wird…
„Forgotten faces, lost in yesterdays realm.”, fängt Matt mit etwas zittriger Stimme an, doch schon nach den ersten Wörtern reißt er sich zusammen und blendet wahrscheinlich sein Umfeld komplett aus. Oder er stellt sich vor, dass alle Menschen vor ihm in Unterwäsche herumlungern, was aus meiner Sicht aber eher einen ausgewachsenen Lachflash anstatt unserer Konzentration fördern würde…
„Drained with confusion, where did it all go?” Zugegeben, die ersten Töne, die ich gerade gespielt hab, waren auch nicht gerade berauschend. Aber die Tatsache, dass Matt noch nicht von faulem Obst erschlagend und zuckend neben mir am Boden liegt, ist doch etwas beruhigend.
„Nothing was done, nothing accomplished, coasting through life didn't seize the day.” Im Endeffekt sind das nur Menschen, die ich wahrscheinlich nie wieder in meinem Leben sehen werd. Also, was soll schon schief gehen?

„You can't be something you're not - be yourself, by yourself, stay away from me!”, singt Matt ins Mikro, während ich grinsend den Chorus von ‚Walk‘ spiele. Irgendwie will die Tatsache, dass das unser letzter Song ist, nicht ganz in mein Hirn einsickern – okay, da ist noch nicht einmal der Gedanke, dass wir einen Auftritt haben, ganz angekommen. Aber um ehrlich zu sein wirkt das hier gerade ungefähr so real wie ein violetter, singender Waschbär, der auf Carries Motorhaube tanzt…
Als wir schließlich zu meinem Solo kommen, wage ich mich sogar aus meiner linken Ecke hinter Matt heraus und latsche zum Bühnenrand, beuge mich etwas nach vorne und spiele komplett ruhig weiter. Im Club selbst sehe ich, wie manche Leute mitwippen, mitsingen oder uns sogar interessiert ansehen, und… verdammt, ich glaube, mein Ego hat gerade die Größe von einem Monstertruck erreicht. Nächste Station: Blauwal!
Irgendwie kann ich es nicht verhindern, dass sich ein fettes Grinsen auf meinem Gesicht einnistet, als ich zu den Stehtischen hinübersehe und G entdecke, die im Takt mitnickt und mich anstrahlt. Zacky neben ihr lächelt ebenfalls breit zu mir hinüber, und irgendwie… hat mein Herz glaub ich gerade ausgesetzt. Die Aufregung…
Perfekt – nein, nur kein Eigenlob! – beende ich mein Solo und gehe wieder ein paar Schritte zurück, während Matt mir auf die Schulter klopft und mit dem Mikro, das er beim dritten Lied aus der Halterung genommen hat, nach vorne geht.
Immer noch doof vor mich hingrinsend falle ich wieder in das alte Walk-Schema hinein, während Matts Stimme durch den ganzen Club hallt. „Re-spect, walk! – What did you say?“
Und – oh mein Gott! – haben da gerade wirklich ein paar Leute mitgesungen? Also, laut?
Okay, wir spielen ein Cover einer wirklich nicht unbekannten Band. Aber… wie genial ist dieses Gefühl eigentlich? Ich glaube, sobald ich von der Bühne bin, erdrücke ich vor überschüssiger Energie irgendeinen Tontechniker. Oder G. Oder alle beide. Und den Rest des Universums gleich dazu!
„So, das war, wie einige von euch hoffentlich erkannt haben, ‚Walk‘ von Pantera, unser einziges Cover heute. Danke nochmal an Dean, der uns hier spielen lässt, und man sieht sich vielleicht wieder! Dankeschön!“, ruft Matt noch ins Mikro, bevor er unserem Publikum sein typisches Grübchenlächeln schenkt und mich vor sich von der Bühne schiebt. Und holy fuck… bekommen wir da gerade wirklich vereinzelt Pfeifen und Rufe von irgendwelchen Leuten?!
„OH MEIN GOTT!“, platze ich schließlich heraus, als auch Jimmy von der Bühne kommt, und drücke meine Gitarre einem freundlich lächelnden Mitarbeiter des Clubs in die Hand, der sich auch schon Johnnys Bass angenommen hat. Dann hüpfe ich zu unserem Drummer und umarme ihn erst einmal, bevor ich mich zu Matt drehe und das gleiche bei ihm mache.
„Woah Haner, ich krieg keine Luft mehr“, japst unser Sänger lachend, drückt mich aber so zurück, dass bestimmt nicht nur eine meiner Rippen einen leichten Schaden davonträgt. Aber wer braucht schon Knochen und Muskulatur…
„Ich glaub, ich kann nie wieder schlafen oder so“, gebe ich von mir und weiß im gleichen Moment schon nicht mehr, was ich mit dem Satz eigentlich sagen wollte. Irgendein Typ drückt uns im Vorbeigehen Handtücher in die Hand, und Matt beginnt sofort, sich über sein verschwitztes Gesicht zu fahren.
In Lichtgeschwindigkeit – ha, dabei ist es Nacht… okay, der war mies – ziehe ich mich um, verpeste die Luft ein bisschen mit Deo und schlüpfe schließlich als Erster wieder nach vorne in den Clubbereich, um unseren Hardcore-Fans einen kleinen Besuch abzustatten.
„Hey Ho, meine Groupies“, lache ich auf, als ich mich irgendwie durch die nicht existenten Menschenmassen zu ihrem Tisch vorgekämpft habe, und hab im nächsten Moment schon G um meinen Hals hängen.
„Meine Güte, wie genial seid ihr eigentlich“, rutscht ihr heraus, als sie mich wieder loslässt und mir ihr Bier hinschiebt. „Da, trink was, sonst kippst du uns noch um. Aber oh my, dein Solo bei Walk… du Genie!“
Lachend schnappe ich mir ihre Flasche und trinke sie in einem Zug leer – zu meiner Verteidigung, sehr viel war nicht mehr drin –, während auch Josh mir erst einmal gratuliert, als hätte ich… keine Ahnung. Einen Oscar gewonnen?
„Komm, Joshy, ich brauch ein neues Bier“, lacht G schließlich etwas aufgedreht, zieht Josh am Arm von seinem Barhocker und verschwindet mit ihm in Richtung Bar, natürlich nicht ohne mir zu versprechen, auch für mich was mitzubringen. Etwas geschafft lasse ich mich auf ihrem Barhocker nieder und drehe mich zu Zacky, der sich bis jetzt etwas im Hintergrund gehalten hat.
„Na, so schlecht?“
„Mh“, grinst er nur und trinkt schnell sein Bier aus. „Grauenvoll, wirklich. Vor allem dieser Gitarrist… total furchtbar. Dass die sowas überhaupt auftreten lassen…“ Gespielt gekränkt sehe ich ihn an, bevor wir beide anfangen zu lachen.
„Nein, ehrlich jetzt, ihr wart wirklich gut“, lächelt der Schwarzhaarige mich dann etwas schüchtern an, bevor er versucht, doch noch einen letzten Tropfen Bier aus seiner Flasche zu locken. Der Kerl scheint aber etwas schüchtern zu sein, da er sich erst ganz am Ende aus dem Flaschenhals traut und schließlich auf Zackys Unterlippe hängenbleibt, direkt neben seinem linken Piercing.
Irgendwie fasziniert starre ich seinen Mund an, beobachte, wie er beiläufig seine vollen Lippen zusammenpresst und den Tropfen zerquetscht, bevor er sich etwas über die Unterlippe leckt und ich zurückzucke. Moment, Brian… was wird das gerade?
Die Frage scheint Zacky sich auch zu stellen, als ich mich ein wenig vorbeuge und ihm direkt in seine grünen Augen sehe. Einen kurzen Moment starre ich ihn einfach nur verwirrt von meiner eigenen Reaktion an, doch dann gebe ich nach, lehne ich mich ruckartig weiter nach vorne und presse leicht meine Lippen auf seine.