The Truth Is So Cold

GeschichteRomanze / P18 Slash
09.02.2012
30.06.2014
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
cheerio fuckfaces!

wir sind wieder more or less im lande, zwar mit kleinen verletzungen und mit einem super sexy sonnenbrand auf der nase, aber na ja, ich würd die sportwoche mal als überlebt betrachten :D
und weil das alles so halbwegs gut geklappt hat, hab ich auch chap 28 für euch. lieb, nicht?
more shit here: http://insidethetruthissocold.blogspot.com/2012/05/28-zaun-fallt.html

and have fun c:

stay dangerous,
L & F


28. Kapitel
Brians POV

„Was spielt ihr eigentlich so?“
Fragend sehe ich zu Zacky, der neben mir wie selbstverständlich den Gehweg der letzten Querstraße vor Matts Siedlung entlanglatscht, bis ich begreife, was er mit seiner Frage meint. Na, da hat wohl einer sein Hirn im Gitarrenladen liegengelassen… fühlt sich bestimmt wohl bei Joe.
„Hm, eigentlich schwer zu sagen. Eine Mischung aus Metal, Hard Rock und Screamo, jedenfalls seh ich’s als das“, lächele ich ihn dann an, und er erwidert die Geste, bevor er wieder auf die Straße vor uns schaut.
„Klingt interessant, irgendwie“, gibt er dann noch von sich, bevor wir mitten über die Fahrbahn gehen und in Matts Straße einbiegen, die etwas ausgestorben und wie eine klischeehafte, amerikanische Paradesiedlung vor uns liegt. Fehlen nur noch das Schild ‚Hysteria Lane‘ und eine mordlustige Hausfrau...
„Ist’s hoffentlich auch, sonst wird das mit einem zweiten Auftritt nix“, seufze ich und nehme Jimmys Drumsticks aus meiner Hosentasche, um sie erst einmal auszupacken. „Aber so schlecht sind wir meiner Meinung nach nicht, also… mal sehen.“
„Ich bin dann mal gespannt, hm?“, grinst Zacky noch kurz, dann remple ich ihn fast in eins der rosafarbenen Blumenbeete von Matts Mutter, als ich schwungvoll – und ohne Rücksicht auf Verluste, wie man merkt – in die von Carrie blockierte Einfahrt einbiege.
„Das sollst du auch sein, immerhin ist es ein Privileg, unsere majestätische Probegarage auch nur betreten zu dürfen“, lache ich kurz und drücke dann auf einen versteckten Knopf an der Wand, woraufhin das Garagentor langsam anfängt, sich zu heben. Dramatische Soundeffekte, wo seid ihr?
„Willkommen im Wunderland“, raune ich Zack grinsend zu, bevor ich in die Garage latsche und doof lächelnd die Arme ausbreite. Hat irgendwie was von Jesus am Kreuz, aber ignorieren wir diese Ähnlichkeit einfach und begrüßen meine liebsten Chaoten mit einem „Heeey Fuckfaces!“…
„Prinzessin Haner bequemt sich also auch einmal dazu, ihren Arsch in unsere Richtung zu bewegen…“, bekomme ich von Matt zurück, der mit Johnny auf der alten, schwarzen Ledercouch neben einem Gitarrenverstärker herumhängt.
„Und oh, hey Zacky.“ – Schnellchecker.
„Uhm, hi“, gibt der Schwarzhaarige neben mir nur von sich, während ich zu Jimmy und seinem Drumkit schlendere und Matt das Garagentor wieder herunterlässt.
„Schau mal, was ich hab, Jimbo“, grinse ich meinen besten Freund etwas verschlagen an, der nur fragend zu mir hochsieht. Bis er die Drumsticks in meiner Hand entdeckt und überrascht die Augen weitet, als ich anfange, wie selbstverständlich damit herumzuspielen.
„Hübsch, nicht?“
„Brian, ich will dich jetzt ja nicht in deinem Glauben erschüttern, aber… du bist Gitarrist. Was willst du bitte mit Drumsticks?“, kommt es verwirrt von dem Schwarzhaarigen, und mein Grinsen wird wahrscheinlich noch breiter. Sich zuerst aufregen und dann alle Forderungen vergessen, war ja klar…
„Hm, ich weiß nicht. Vielleicht bringst du mir was bei? Ich meine, wenn du die Sticks nicht haben willst, kann man die Teile ja nicht einfach verrotten lassen… und billig waren sie auch nicht gerade, mein lieber Mr. ‚Ich-hab-einen-Geldscheißer-im-Garten-und-brauch-natürlich-die-teuersten-Drumsticks-der-Welt‘ Sullivan.“
Ich glaube, man kann es fast bis zu mir nachhause klicken hören, als Jimmy endlich begreift, was ich meine, und versucht, sich über sein Drumkit auf mich zu stürzen. „Gib sie her!“
„Ach, und sobald ich selbst eine Verwendung dafür gefunden hab, willst du sie haben, schon klar“, lache ich auf und flüchte kichernd zurück zum Sofa, auf dem Zacky, Matt und Johnny ein bisschen verwirrt, aber amüsiert Jimmy beobachten, der krampfhaft versucht, so schnell wie möglich hinter seinen Drums herauszukommen. „Ist ja fast so wie im Kindergarten, wenn Klein Brian Klein Jimmy seine nicht benutzte Schaufel wegnimmt!“
„Na warte, Klein Brian“, knurrt Jimmy mir zu und läuft in meine Richtung, während ich wieder ausweiche und mit den Sticks wedelnd ans andere Ende der Garage hüpfe. Eine Weile geht das so hin und her, bis Jimmy mich schließlich zu fassen kriegt und spielerisch in den Schwitzkasten nimmt. Als er wahrscheinlich irgendwie das Gefühl hat, dass ich langsam keine Luft mehr bekomme – nein, wirklich… mir… geht’s gut! –, lässt er mich lachend wieder los, klaut die Sticks aus meinen Händen und wuselt glückselig zurück zu seinem Drumkit.
„Danke, Bri-Bri“, säuselt er noch, als ich mit wahrscheinlich etwas rotem Kopf mein Shirt zurechtziehe und dann zu Matt wanke, der mir schon etwas ungeduldig meine schwarze Schecter entgegenstreckt.
„Können wir dann endlich?“, mosert er los, als ich mir die Gitarre umhänge und still auf meinen Platz links vom Mikro abhaue. Allein Matts Tonfall… ich glaube, wenn jetzt auch noch seine Mutter hereinkommt und seine schmutzigen Socken haben will, gibt’s Tote.
Als Antwort schlägt Jimmy schnell seine neuen Stick zusammen und gibt uns den Takt zu ‚Streets‘ vor, was Johnny gleich einmal mit einem Grinsen quittiert. Er liebt die Bassline einfach so sehr, das ist abartig… vor allem, weil sie von ihm selbst ist. Eingebildeter Sack.
„You live your whole life staring at a wall, your mind goes blank sooner now you will fall.”, beginnt Matt zu singen, und ich senke konzentriert den Kopf. Besonders schwer ist mein Part bis jetzt ja nicht, aber… irgendwie will ich mich nicht verspielen. Nicht vor Publikum, und langsam sind wir einfach eine komische Garagenband mehr, die einfach nur jammt, weil sie gerade Lust drauf hat.
Ohne gröbere Fehler, wenn man von einem etwas verspäteten Einsatz von Johnny absieht, beenden wir den Song, und ich hebe grinsend den Kopf, um Zackys Reaktion irgendwie mitzubekommen. Der starrt uns aber einfach nur an, bis er etwas perplex den Mund aufklappt und anfängt zu grinsen.
„Joa, nicht mal schlecht“, gibt er dann zögerlich zu, und ich sehe, wie Matt ihm lächelnd zunickt. Na, da haben sich auch zwei gefunden… Soll ich schon den Floristen für die Hochzeit anrufen?
„Was jetzt?“, fragt Johnny leise, und ich zucke locker die Schultern.
„Forgotten Faces?“, schlägt Jimmy von hinten vor, und Matt nickt.
„Wir müssen ja auch mal zeigen, dass ich nicht nur singen kann“, grinst er schnell in Zacks Richtung, bevor Jimmy den Song beginnt und ich sofort einsteige. Kurz vor seinem Einsatz schließt Matt einfach die Augen und geht etwas näher an sein Mikro heran, bevor er erst einmal richtig loslegt.
„Forgotten faces, lost in yesterdays realm. Drained with confusion, where did it all go? Look into the past, look into their faces. Never, the thought of being time fucked.” Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie Zacky Matt überrascht ansieht, dann aber schnell wieder Jimmy fixiert. Als hätte ich ihn nicht gewarnt…
„My life passes now I see just what this world does hold for me. It’s getting hard, harder to breathe. Am I out of time is that what this means? Well that’s what it means, that’s what it means, you and me try to breathe.”, singt Matt am Ende wieder perfekt und ohne den leisesten Screamo-Einschlag, und ich grinse auf meine Gitarre hinunter. Dabei hat er sich gestern noch so darüber aufgeregt, dass seine Wechsel nie sauber klingen… Diva.
„Na?“, rufe ich leise zu Zacky hinüber, als auch der Song abgehandelt ist und Matt sich etwas müde übers Gesicht fährt und nach seiner Wasserflasche, die irgendwo am Boden herumkugelt, greift.
„Wie gesagt, nicht schlecht“, grinst der Schwarzhaarige mir zu, und ich verdrehe nur die Augen. Etwas mehr Lob bitte, ist gut fürs Ego…
Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie unser Sänger irgendwie mit den Armen herumwedelt, und lasse ihm widerwillig etwas mehr Aufmerksamkeit zukommen. Aber erst nach ein paar vielsagenden Blicken verstehe ich, was er meint, und fixiere wieder meine Gitarre.
Grinsend spiele ich allein das Intro von ‚Lips of Deceit‘, während Matt seine Fingernägel ansieht und Johnny schnell eine SMS schreibt. Irgendwie hab ich das Gefühl, meine Kunst wird hier nicht ganz gewürdigt…
„Stopp mal“, kommt es plötzlich aus Zackys Ecke, und ich lege verwirrt meine rechte Hand auf die Saiten, sodass der Ton abreißt. Fragend hebe ich die Augenbrauen und sehe unseren Gast an, der meinen Blick erschrocken erwidert. Okay?
„Ist was?“, rutscht mir zugegeben nicht sehr freundlich heraus, doch er sieht mich nur konzentriert an und kratzt mit seinem Zeigefinger etwas an seinem Daumen herum.
„Brian, spiel das nochmal“, sagt er dann leise, fast bittend, und ich tu ihm seufzend den Gefallen. An der gleichen Stelle wie davor stoppe ich und sehe Zacky fragend an, als er sich unsicher umsieht.
„Stimmt was nicht?“
„Probier mal, das da anders zu spielen… darf ich?“ Zurückhaltend zeigt er auf meine zweite Gitarre, die neben dem Sofa an der Wand lehnt, und ich nicke perplex. Wenn er jetzt auch noch vor Jimmy, Matt und Johnny anfängt zu spielen, renn ich durch halb Kalifornien und häng Vermisst-Plakate auf… Wo ist der Zack hin, der mich angeschrien hat, weil ich ihn unfreiwillig belauscht hab?
Zaghaft hängt er sich meine Gitarre um, beugt sich etwas über sie und spielt irgendwie auf Gehör das Intro nach. Und bis auf einen Ton… hat er’s. Einfach so.
„War doch so, oder?“, fragt er leise, und ich nicke nur, bevor er wieder anfängt zu spielen. Die gleichen Töne, nur… da ein Slide mehr, dort ein kürzerer Abstand zwischen den Noten. Und obwohl ich das wirklich nicht gern zugebe – vielleicht klingt es wirklich eine klitzekleine Spur… besser.
„Okay, spiel das nochmal“, wiederhole ich seine Worte von früher und latsche begleitet von Matts erstauntem Blick und einem ausdruckslosen WTF-Starren von Johnny zur Couch, um mich neben Zacky zu setzen. Der wirft mir kurz einen unsicheren Seitenblick zu, bevor er wieder auf seine rechte Hand sieht und das Ganze wiederholt. Und das auch noch auf einer Rechtshändergitarre… ja scheiß die Wand an.
„Leute, was sagt ihr?“
„Klingt gut, ja“, befindet Matt und legt den Kopf leicht schräg, was ihn irgendwie aussehen lässt wie ein fettes, desorientiertes Rotkehlchen, das gerade eine Scheibe geküsst hat, während Jimmy nur nickt und Johnny auf sein Handy starrt. Ernsthaft, hat der ‘ne Freundin, von der keiner was weiß, oder ist Tetris spannender als unsere Bandprobe?
„Aber irgendwie schon… leer, mit nur einer Gitarre“, rutscht es Jimmy heraus, und ich grinse ihn vielsagend an. Mal abgesehen davon, dass er Recht hat… Zacky sollte aufpassen, dass der Zaun ihn hier nicht erschlägt.
„Dann muss Brian halt mitspielen“, lächelt Zacky schüchtern neben mir, und ich schnaube kurz genervt auf. Klar, zuerst mein Intro zerlegen und dann auch noch Vorwürfe machen...
Gerade, als ich den Takt vorzählen will, klopft Jimmy seine Drumsticks gegeneinander und nimmt mir meinen Part ab. Zwei Idioten, ein Gedanke…
Komplett synchron steigen Zacky und ich gleichzeitig ein, er etwas unsicher, ich zurückhaltender, was die Slides angeht. Aber im Endeffekt lässt sich das Ergebnis wirklich hören – und oh, Zacky, wenn das mal kein Fehler war.
„Jetzt bräuchten wir nur jemanden, der das auch so mit mir spielt“, seufze ich schließlich, als wir fertig sind, und Zacky nickt zustimmend mit dem Kopf.
„Gibt ja sicher noch ein paar andre Gitarristen in Huntington Beach, oder?“, lächelt er mich dann an und streicht über die Saiten meiner Gitarre, während Matt unauffällig mit der flachen Hand gegen seine Stirn schlägt.
Ja, Zacky, mit den Zäunen sollte man wirklich aufpassen…