The Truth Is So Cold

GeschichteRomanze / P18 Slash
09.02.2012
30.06.2014
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
guten Abend allseits c:

eigentlich wollte ich das chap schon vor ein paar stunden posten, aber na ja, ich wurde von einem wilden F aufgehalten..
anyways, viel musik gibt's heute hier: http://insidethetruthissocold.blogspot.com/2012/05/gurkchenbedingte-idiotie-what.html

und ich wünsch euch viel spaß.. langsam wird's spannend! yay!

stay dangerous & never give in,
lina (die gerade kein hirn mehr für großschreibung hat, wie man merkt) & f



24. Kapitel
Brians POV

Was tut man, wenn man mit jemandem Freundschaft schließen will?
Normale Leute versuchen, ihre Zielperson in Gespräche zu verwickeln, Gemeinsamkeiten zu finden oder sich sonst irgendwie beliebt zu machen. Ich sage gnadenlos, was ich denke, verstöre mein Zielobjekt, benehme mich, als wäre ich bei ihm zuhause, rede Schwachsinn und habe trotzdem Erfolg.
Glück? Keine Ahnung. Jedenfalls hat Zacky mich heute sogar gegrüßt, als ich ihn am Gang getroffen hab, und zwar mit einem ehrlichen Lächeln. Und ich denke, das könnte man schon als gutes Zeichen verbuchen.
Nachdenklich fange ich an, kleine Kreise in mein Deutschbuch zu malen. Und eins kann ich mit Sicherheit behaupten, ohne dass mir jemand widerspricht – mein künstlerisches Talent muss sich wohl noch etwas entfalten, soweit das in meinem Fall überhaupt möglich ist.
„Wie lang noch?“, murrt Matt wenig begeistert neben mir, und ich zucke nur schnell die Schultern. Den ersten Tag wieder in der Schule und schon am Rummotzen, war ja auch klar… okay, ich höre mich auch an wie eine genervte Mutter. Aber ich darf das!
„Fünf Minuten“, antworte ich einfach.
„Du hast nicht mal nachgeschaut“, mosert er neben mir weiter, und ich kritzle ungerührt auch ein paar Kringel in sein Heft.
„Matt, dein Knöchel ist angebrochen, nicht dein Arm. Bis zu deiner Hosentasche und deinem Handy wirst du den Weg wohl finden, oder?“
„Ja ja“, macht er nur und bequemt sich wirklich dazu, sein Sony Ericsson zutage zu befördern und auf die Uhr zu sehen. Ich bin geschockt… ich hätte jetzt ehrlich gesagt eher mit einer Grundsatzdiskussion über überflüssige Bewegungen im Unterricht gerechnet.
„Okay, es läutet genau… jetzt.“, meint Matt komplett überzeugt von sich selbst, was die Klingel aber nicht sehr zu beeindrucken scheint. Jedenfalls entschließt sie sich nicht, auf ihn zu hören und wirklich genau nach seinem Ausruf die Stunde auszuläuten…
„Nein, jetzt!“, probiert er es noch einmal, wieder ohne Folge.
„JETZT!“ Die ersten Schüler starren schon komisch zu uns, mit diesem typischen, ausdruckslosen Blick, den man Leuten schenkt, die nicht ganz dicht im Kopf sind.
„Jetzt“, mache ich schmunzelnd, und eine Sekunde später hallt schon das Klingeln durch die Gänge. Oh mein Gott, bin ich gut. Nein, wirklich, geplant war das jetzt nicht. Aber Matts WTF-Blick ist einfach unbezahlbar…
Grinsend packe ich meine Sachen zusammen und drücke mich an meinen besten Freunden vorbei, als Jimmy mich am Arm zurückreißt.
„Wohin des Weges, Bri?“, säuselt er mir zu, und sehe ihn etwas fragend an. Okay, er ist öfter so, aber… hat er irgendwie was geraucht?
„Ich ess heut nix, hab was zu erledigen“, antworte ich nur und sehe ihn vielsagend an, was er sofort versteht. Wenn nicht, hätte ich mir auch Sorgen gemacht… Er weiß immer, was ich denke, ob es mir lieb ist oder nicht.
„Okay… Viel Spaß“, macht mein bester Freund, dann hetze ich schon aus der Klasse und sehe mich schnell um. Fast sofort entdecke ich Zackys Rücken, beziehungsweiße sein schwarzes Misfits-Shirt, vor mir und halte darauf zu. Mal sehen, wie weit unsere Freundschaft schon ist…
„Hey“, lächle ich ihn leicht an, als er mich fragend ansieht. Gestern bin ich noch eine Weile – ungefähr eine halbe Stunde, um genau zu sein – bei ihm gesessen und hab mit ihm über Gitarren und Bands geredet. Und wirklich, so schlimm ist er nicht. Er hat sogar Geschmack, muss man sagen – und ist damit schon um einiges erträglicher als 98% der Leute hier. Außerdem scheint er es recht gut weggesteckt zu haben, dass ich mich mit Schuhen in sein Zimmer gewagt habe, was zugegeben auch eine ziemlich blöde Aktion war.
„Hey“, gibt er etwas verwirrt zurück und biegt wie erwartet mit mir auf den Fersen in den Gang ein, der von unserer Deutschklasse zu den Musiksälen führt.
„Lass mich raten, ich werd dich heute nicht los?“, fragt er leise, als wir vor der Tür zum Musiksaal stehen, in dem ich ihn zum ersten Mal spielen gehört hab. So ganz kann ich aus seiner Stimme nicht heraushören, ob es ihn stört oder ihm egal ist – zu freuen scheint es ihn trotzdem nicht besonders.
Hm… egal.
Statt eine Antwort zu geben öffne ich die Tür und betrete das leere Musikzimmer. Zielsicher wusle ich weiter in die unscheinbare Kammer mit den Instrumenten, werfe meinen Rucksack zwischen der Tür und einem komplett beschmierten Klavier auf den Boden und visiere die Rechtshändergitarre an. Besonders hübsch ist das Stück ja nicht – langweilig gelbbraun und mit dunklem Steg dazu, oh Gott –, doch ich platziere mich ohne Zögern am Boden des Zimmers und ziehe das Baby auf meine Oberschenkel.
Kann ja nichts dafür, dass es nicht die schönste Gitarre der Welt ist, das Kleine… und ein bisschen Liebe hat doch noch keinem Schätzchen hier geschadet, oder?
Na toll, andere Leute verblöden, wenn sie mit Hunden oder Meerschweinchen reden. Ich unterhalte mich in meinen Gedanken mit einer E-Gitarre und nenne sie Schätzchen. Es lebe die Indivi-… okay, Dummheit.
Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie Zacky im Türrahmen steht und mich überrumpelt anstarrt, dass seufzt er leise auf und lässt sein Zeug meiner Tasche Gesellschaft leisten. Mit knacksenden Knochen, was man im stillen Zimmer sehr gut hören kann, lässt er sich neben mir nieder und nimmt die andere Gitarre zu sich.
Nach wenigen Minuten, in denen wir beide kein Wort geredet haben, sind beide Schätzchen gestimmt und dank meinem Hoodieärmel auch von ekligen Fingerabdrücken befreit, und ich fange an, irgendwas zu spielen, was mir gerade in den Sinn kommt. Im Endeffekt wird das Ganze ein kleines Metallica, Guns’N’Roses und Misfits-Medley, das fast nur aus Soli besteht und von Zacky… ja, recht interessiert verfolgt wird. Dass ich mich immer wieder mal vergreife, verspiele und ehrlich gesagt nicht ganz konzentriert bin, scheint ihn jedenfalls nicht zu stören.
Mit einem letzten Powerchord beende ich das Ganze und lege meine rechte Hand auf die Saiten, sodass es wieder still im Raum ist. Ohne mein Grinsen richtig verstecken zu können starre ich auf die Gitarre hinunter, sodass mir meine Haare leicht ins Gesicht fallen. Warum ich noch nie auf die Idee gekommen bin, in einer Mittagspause hier vorbeizuschauen, scheint im Moment auch mein größtes Problem zu sein…
„Wow“, stört Zacky schließlich die Stille, und ich hebe den Kopf, wische mir ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht. „Okay, das war wirklich… gut.“, gibt er schließlich zu, und ich lächle ihn ehrlich an.
„Danke…“ Wieder ist es still, und ich muss sagen, ich weiß nicht genau, was ich sagen soll. Bei ihm zu Hause war das Ganze irgendwie leichter, so komisch das auch klingt. Und jetzt sitzen wir hier herum und warten darauf, dass etwas passiert. Ehrlich, es könnte hinter mir ein Stimmgerät vom Regal auf meinen Kopf fallen und wir wären froh, dass wir uns darüber unterhalten könnten…
Erst nach wenigen Augenblicken realisiere ich, dass Zacky angefangen hat zu spielen. Ich kenne das Lied zwar nicht, und es ist ziemlich ruhig und bestimmt nicht das Schwerste, was er draufhat. Aber… es klingt wirklich nicht schlecht.
Schon nach ein paar Takten bricht er die Melodie ab und fängt an, scheinbar wahllos irgendwas zu spielen, bis er schließlich bei einer bestimmten Tonfolge hängenbleibt. Und oh, das kennen wir doch…
Lächelnd beuge ich mich etwas weiter über meine Gitarre und steige ganz genau ein. Zacky scheint etwas überrascht zu sein, da er die nächsten Töne etwas verzögert und schüchterner raushaut, aber dann scheint er sich wieder zu fangen und spielt wie gewohnt weiter.
Besonders anspruchsvoll ist der meiste Gitarrenpart von Panteras ‚Walk‘ ja nicht, vor allem, weil er sich dauernd wiederholt, doch schon nach ein paar Augenblicken merke ich, dass ich und Zacky uns automatisch auf den anderen einstellen und wirklich synchron spielen. Und spätestens beim Solo wird anscheinend auch ihm klar, wie gut das Ganze eigentlich zusammenpasst.
Und auch wenn wir beide immer wieder ein paar Töne versemmeln oder kurz aussetzen, schaffen wir es nicht schlecht durch den Song. Denn, meine Güte, Zacky ist wirklich gut. Außerdem kann er sich anpassen, und ich wette, er würde sich auch als Rythm richtig gut machen…
„Ich wusste gar nicht, dass du Pantera hörst“ ist das Erste, was mir einfällt, als das Lied zu Ende ist und Zacky sacht seine rechte Hand um den Hals der Gitarre schließt. Sein Blick ist immer noch auf den Boden gerichtet, aber ich sehe, dass er lächelt.
„Tu ich eigentlich auch nicht so. Also eher ein paar Lieder mal hier und da…“, gibt er dann irgendwie… entspannt von sich. Ruhig.
„Ach, bei mir das Gleiche“, grinse ich ihn an, und er hebt den Kopf, um die Geste zu erwidern. Eine Weile zupfe ich einfach an meiner Gitarre herum, dann beginne ich fast unbewusst, ‚Helena‘ von den Misfits zu spielen. Ich spüre, wie er mich überrascht ansieht, aber schon nach ein paar Takten steigt er mit ein. War klar, dass er das kann…
Der Anfang läuft wie am Schnürchen, und ich observiere eher das Regal hinter Zacky, als mir groß Gedanken um meine linke Hand zu machen. Die weiß schon, was sie tut.
Doch als wir zum schnelleren Teil des Liedes kommen, beuge ich mich leicht über die beige Gitarre und… ja, sagen wir mal so, hinter mir könnte ein Hirsch singend durch die Gänge flitzen und ich würde nichts davon mitbekommen. Am Rande nehme ich irgendwie wahr, dass Zacky nach einem Patzer aufhört zu spielen und mich kurz einfach nur anstarrt, bevor er den Kopf schüttelt und wieder mit einsteigt.
Fehlerlos bringen wir den Rest des Liedes hinter uns, und ich lehne mich grinsend zurück, gegen das Regal hinter mir.
„Mein Gott“, seufzt mein hoffentlich zukünftiger Rythm und sieht mich etwas schüchtern an. „Ich komm mir da vor wie ein Anfänger.“
Leise lache ich ihn an, als plötzlich mein Handy in meiner Hose vibriert. Schnell ziehe ich das Gerät aus der Tasche, nur um zu sehen, dass mein Akku gleich leer ist. Oh, und ich dachte noch, ich habe Freunde…
„Oh damn“, fällt mir dann das Offensichtlichste auf. „Wir haben in zehn Minuten Literatur“, füge ich noch hinzu, als Zacky mich verwundert ansieht, und stelle die Gitarre schnell zurück in ihrem Ständer.
Als er – also Zack, nicht der Ständer – es mir schon gleichtun will, halte ich ihn aber mit einem schnellen Kopfschütteln auf. „Ich komm gleich wieder, geh nur was holen“, rufe ich ihm noch zu, dann bin ich schon zur Tür hinaus und auf dem Weg zu unsrer Schulkantine. Zugegeben, besser als das Cafeteriaessen ist das Zeug dort auch nicht, aber irgendwie muss ich mich bei Zacky bedanken, dass er mich nicht gleich aus dem Musikzimmer geworfen hat…
…und okay, ehrlich gesagt habe ich einfach Hunger. Und ich denke, es geht ihm kaum anders.
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf bin ich wenige Minuten, ein Kleingelddilemma und einen gürkchenbedingten Nervenzusammenbruch der Kantinenfrau später wieder auf den Weg zu Musiksaal. Und langsam denke ich wirklich, ich wäre kein schlechter Kellner… ich meine, zwei Wurstsemmeln, einen Eistee und zwei Muffins auf einem Arm zu halten, um die Tür aufzukriegen, ist schon kein schlechter Anfang.
Zacky ist anscheinend gerade mit einem mir unbekannten Song beschäftigt, da er erst aufsieht, als ich eine der Semmeln und einen Muffin direkt unter seine Nase halte.
„Was…“, beginnt er etwas verwundert, aber ich lache nur und winke ab.
„Ich sterb gleich vor Hunger, und na ja, weil du auch nichts gegessen hast… dachte ich, du kannst auch was vertragen, oder?“ Etwas unsicher sieht er mich an, dann nimmt Zacky die Semmel und klappt sie auf.
„Woher weißt du, dass ich keine Gurken mag?“
„Wusste ich nicht“, zucke ich die Schultern. „Aber die Teile sind so eklig, echt… vor allem hier.“
„Woah ja“, lacht er, bevor er mich ernst ansieht. „Okay, wie viel kriegst du?“
„Geht auf mich“, winke ich ab, und unterbreche ihn sofort wieder, als ich Protest wittere. „Betrachte es als kleinen Abschluss fürs Spielen. Könnten wir öfter machen, wenn’s nach mir geht…“ Okay, jetzt bitte Trommelwirbel… schnappt das Zielobjekt den Köder oder nicht? Und erkennt der arme Zacky den hypertrophen Zaun, bevor er ihn am Kopf trifft?
„Hmn“, macht der Schwarzhaarige aber nur mit vollem Mund und wischt sich einen Brösel vom Kinn. Die Spannung steigt…
Ob das ‚Hmn‘ zustimmend, abweisend, unentschlossen oder einfach nur ‚Oh mein Gott, diese Salami!‘ ist, erfahre ich allerdings nicht, da es läutet und wir beide schnell unsere Sachen packen, um uns in Richtung Klasse zu bewegen.
„Danke“, lächelt Zacky mir noch zu, bevor er sich mit Muffin und Semmel aus dem Musikzimmer bewegt, um wahrscheinlich noch seine Sachen zu holen. Lächelnd nicke ich ihm noch zu, bevor ich mich selbst auf den Weg in meine nächste Klasse mache.
Und hey, so schlecht war die Mittagspause gar nicht…