The Truth Is So Cold

GeschichteRomanze / P18 Slash
09.02.2012
30.06.2014
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
cheers, leute c:

das kapitel heute ist meiner Meinung nach ziemlich das bödeste, das wir bis jetzt fabriziert haben. ihr werdet denk ich früh genug merken, worauf ich anspiele... aber halleluja, haben wir bei der Planung gelacht. wenn ihr das ganze nur halb so amüsant findet, bin ich froh drüber :D
aber anyways, mehr wie immer hier: http://insidethetruthissocold.blogspot.com/2012/05/22-und-jimmy-geht-als-wait-what.html

love, lina & franks


22. Kapitel
Brians POV

„Oh Gott, muss das echt sein?“, frage ich zum geschätzten fünfzigsten Mal, wohl wissend, dass sich Matts Antwort nicht ändern wird. Jimmy neben mir sieht etwas… nein, sehr angepisst auf den Gehweg unter seinen Füßen, und ich muss mich sehr zurückhalten, nicht laut loszulachen. Wenn ich schon wieder anfange, unkontrolliert herumzukichern, bringt er mich glaub ich um…
„Ihr wolltet den Wetteinsatz, Leute. Also gebt nicht mir die Schuld“, grinst Matt mich schadenfroh an und humpelt etwas auf der Stelle herum, um sein Gleichgewicht halten zu können. Gestern ist er endlich seinen Liegegips losgeworden, was wir natürlich gebührend feiern mussten – und was schließlich dazu geführt hat, das Jimmy, Johnny und ich behauptet haben, er würde niemals aus dem ungewaschenen Gips heraus ein Bier trinken. Nur blöd, dass Matt es wirklich getan hat und wir jetzt unseren, zugegeben überaus interessanten, Wetteinsatz abarbeiten müssen.
„Worauf wartet ihr, Leute?“, bekommen wir an dem Kopf geworfen, und ich setze mich seufzend in Bewegung. Dabei hab ich noch das unauffälligste Kostüm von uns dreien… Wirklich, ich wette nie wieder, dass ich als Märchenfigur verkleidet an fünf Haustüren klingle und nach Süßigkeiten frage. Wenigstens ist heute Halloween, sonst würde man uns dafür garantiert in die Geschlossene stecken… Was aber, wenn man sich uns genauer ansieht, durchaus auch so passieren könnte.
„Oh Gott“, höre ich Jimmy schräg hinter mir murmeln, und kann mir ein unterdrücktes Kichern nicht verkneifen. Wenigstens habe ich mich halbwegs aus der Affäre retten können und einfach einen schwarzen Mantel, schwarze Jeans, Motorradstiefel und meinen schwarzen Fedora angezogen, um als ‚böse Meerhexe‘ von Arielle durchzugehen. Jimmy denkt zwar immer noch, ich gehe als Stricher, aber das Lachen ist ihm schon vergangen, als er sich in seine blassgrünen Ballerina – in Größe 45, wohlgemerkt – mit den weißen Bommeln vorne drauf gezwängt hat.
So ein Pech aber auch, dass es in ‚Tinkerbell‘ einfach keine unauffälligen Leute gibt… und dass Matt darauf bestanden hat, Jimmy in ein grünes Kleid und Feenflügel zu stecken, während Johnny als Kürbis aus ‚Cinderella‘ neben mir herwackelt. Dass der Kürbis eigentlich eine Kutsche und keine Person ist, haben wir ihm allerdings trotzdem nicht gesagt.
Mir unruhig auf die Unterlippe beißend drücke ich auf den Klingelknopf des hellgelben Hauses, zu dem Matt uns als erstes gelotst hat. Bei einem der Fenster neben der Tür bewegt sich ein Vorhang, dann wird plötzlich das Licht gelöscht und alles ist still.
Fade Schisser… aber gut, ich denke, ich würde auch nicht aufmachen, wenn plötzlich ein Kürbis, eine männliche Fee mit Mörderblick und ein schwarz angezogener Kerl mit dunklen Streifen im Gesicht vor meiner Haustüre stehen würden.
„Ab zum nächsten“, weißt Matt uns äußerst motiviert und breit grinsend an, und ich verziehe nur das Gesicht, bevor ich quer durch das kleine Gartenstück zum nächsten Reihenhaus gehe. Dass ich dabei mit meinen Motorradstiefeln tiefe Abdrücke im Rasen hinterlasse, ist mir dabei ziemlich egal – denn hey, wir haben keine Süßigkeiten bekommen! Und nein, ich steigere mich da nicht in das Halloween-Zeug hinein. Es geht einfach nur um’s Prinzip, und ich darf das jetzt!
Selbstbewusst klingle ich beim nächsten, weiß gestrichenen Haus und ziehe Johnny neben mich, der mit seinem Kürbiskostüm sicherlich nicht durch die schmale, silberne Haustür passen würde. Wie bestellt und nicht abgeholt stehen wir eine Weile da, dann drehe ich mich um und will gerade wieder gehen, als jemand die Tür aufreißt.
„Ja?“, höre ich eine sehr bekannte Stimme und fahre erschrocken herum. Na Halleluja, was der sich jetzt denken muss…
„Süßes oder Saures“, brummt Jimmy angepisst und wedelt etwas mit dem silbernen ‚Zauberstab‘ herum, den er in seiner linken Hand hält, während ich bestimmt extrem intelligent zu Zacky starre. Aber zugegeben, sein Blick ist auch nicht viel gescheiter…
„Okay, was wir das hier?“, fragt er uns misstrauisch und bemüht sich sichtlich, nicht zu Jimmy zu sehen, was ich ihm nicht verübeln kann.
„Beschissene Wette mit Matt“, kläre ich ihn auf und ernte ein verständnisloses und etwas abweisendes Nicken. Okay, er ist immer noch nicht gut auf mich zu sprechen, was mich auch nicht wundert. Die Mittagessen der letzten drei Tage waren auch nicht besonders gesprächig, und eigentlich… ja, vielleicht sollte ich mit ihm reden. Sonst kann ich mir endgültig abschminken, ihn als Rythm zu haben – obwohl ich ehrlich nicht damit rechne, dass das noch klappen könnte.
„Okay, Johnny ist ein Kürbis und Jimmy… Tinkerbell.“ Man kann deutlichen hören, wie sehr Zacky sich ein Lachen verkneift. „Aber Brian, was…“
„Die Meerhexe aus Arielle“, seufze ich auf und sehe in sein fragendes Gesicht.
„Ah ja“, macht er nur, während Jimmy „Eher die Latexhexe vom tiefen, dreckigen Meeresboden“ murmelt.
„Klappe, Mister Feenstaub“, zische ich nur und entlocke Zacky damit ein unterdrücktes Grinsen, bevor er wieder die Bodenplatten unter Jimmys enorm maskulinen Bommelballerinas fixiert.
„Okay… ich geh mal nachsehen, ob ich was find“, nuschelt er dann, geht schnell einen Schritt rückwärts und lehnt die Tür an. Etwas hilflos sehe ich zu meinem besten Freund, der nur missmutig die Schultern zuckt, sodass seine Flügel etwas wackeln und in der Abendsonne glitzern. Oh Gott, das hört sich aber auch schwul an…
„Da“, reißt Zacky mich aus meinen Gedanken und hält uns drei Schokoriegel hin. „Hab grad nichts andres, was man durch drei teilen kann“, erklärt er dann etwas zögerlich, bevor Johnny sich unsere Beute schnappt und sich mit einem ‚Danke, Zack‘ etwas schwerfällig umdreht. Jimmy tut es ihm was Unverständliches murmelnd gleich und so wandern Tinkerbell und ihr Kürbis zurück zu Matt, der sich immer noch einen weggrinst. Sadistischer Blödarsch.
Etwas unschlüssig bleibe ich auf den hellen Bodenplatten vor Zackys Haus stehen, während er mich fragend ansieht. „Ist noch was?“
„Ich… na ja, ich wollte mich entschuldigen.“ Super, Brian. Jetzt scharre noch unsicher mit deinem linken Fuß herum und du benimmst dich wie in einer amerikanischen Teenie-Komödie! „Wegen dem Gitarrenzeug. Ich meine, du hast Recht, es geht mich einen feuchten Dreck an, was du aus deinem Talent machst. Und wenn du nichts damit machen willst, okay – schade wär’s zwar, aber ich hab damit nichts zu tun, also mach, was du willst. Sorry, dass ich meine Klappe nicht einfach halten hab können.“
Mit hochgezogenen Augenbrauen sieht er mich an, und ich starre einfach zurück in seine grünen Augen.
„Und noch zu deiner Info… es ist nicht so schlimm, Musiker zu sein. Wenn man einmal unter die Fassade schaut, merkt man das auch.“ Damit drehe ich mich um und gehe zurück zu meiner Lieblingsfee, dem komischen Gemüse und Matt, der mich fragend ansieht. Etwas unbeteiligt zucke ich die Schultern und scheuche meine Freunde weiter den Gehweg hinunter, während ich einen schnellen Blick zurück zu Zackys Haustür werfe, die wieder geschlossen ist.
Super gemacht, Brian. Jetzt kann er dich wahrscheinlich noch weniger leiden als davor. Was auch eine extrem weit hergeholte Theorie ist, nachdem ich ihn gerade unterschwellig als oberflächliches Irgendwas bezeichnet hab…
Aber wenn er so weiter macht, kann er es sowieso vergessen, dass ich ihn je als Rythm haben will – ich kann auch ohne einen Gitarristen leben, der sein Talent nicht zu schätzen weiß.
Aber damn, das muss man sagen… spielen kann er immer noch verdammt gut.