The Truth Is So Cold

GeschichteRomanze / P18 Slash
09.02.2012
30.06.2014
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
Guten Abend allseits c: (haha, Abend. es ist halb 7 o0)

Nach eeewig langer Wartezeit, weil das letzte Chap ja schon am Dienstag gepostet worden ist, gibt's hier netterweise auch mal wieder was. Also ja, have fun & Achtung, es ist ein Zehnerchap! (näheres dazu hier: http://insidethetruthissocold.blogspot.com/2012/04/20-und-was-das-rosa-putztuch-damit-zu.html )

stay dangerous,
L & F


20. Kapitel
Brians POV

„Also ich würd ja mehr Powerchords einbauen. Oder im Solo ein paar mehr Hammer-Ons zwischendrin?“
„Ach, ich weiß nicht ganz. Wenn dann mehr Bendings, aber irgendwie klingt’s trotzdem so leer, da kann ich ziemlich spielen was ich will…“ Ja, Brian, hau nur weiter Anspielungen raus, bis irgendwann die ganze Cafeteria checkt, dass du einen Rythm brauchst. Und seit wann denkst du von dir eigentlich in der dritten Person?
„Vielleicht solltest du dir mal ‘ne neue Schecter leisten?“, schlägt Jimmy schon leicht genervt vor, und ich linse nach links, wo Zacky über sein Essen gebeugt sitzt und sich absolut gar nicht für uns zu interessieren scheint. Schon seit er sich zu uns gesellt hat, werfen mein bester Freund und ich mit Fachausdrücken um uns, als würde unser Leben davon abhängen – und wenn es das wirklich würde, wären wir jetzt sowas von tot. Plan „Baker-mit-Gitarrengesprächen-aus-seinem-Schneckenhaus-holen“ ist hiermit nämlich offiziell und glorreich gescheitert.
„Sicher. Und mit welchem Geld?“, gebe ich Jimmy zurück und beuge mich selbst wieder über meine Pizza. Seit die Italiener das Freakterritorium an sich gerissen haben scheint es auch in der Cafeteria nur mehr deren Fraß zu geben… Versteht mich nicht falsch, ich hab nichts gegen Pizza. Aber wenn sie einen 5-cm-dicken Boden hat und nur mit Mais belegt ist kriegt denk ich sogar Jimmy, der sich sonst wirklich jeden Dreck, der halbwegs essbar aussieht, in den Mund stopft, das Kotzen.
„Du könntest wieder im Gitarrenladen aushelfen. Oder deinen Dad fragen, der freut sich sicher über ein neues Baby im Haus“, schlägt mein bester Freund vor und fuchtelt etwas mit seiner rechten Hand herum, wobei er versehentlich Vics Schulter streift. Erschrocken fährt Bakers Freundin zusammen und starrt Jimmy mit geweiteten Augen an, bevor sie sich angespannt wieder wegdreht und ihre Jacke auf ihrer Schulter zurechtzieht.
„Sorry“, murmelt Jimmy etwas säuerlich und sieht mich an, während ich meinerseits G fixiere, die mitleidig das Gesicht verzieht. Wir haben alle zusammen immer noch keine Ahnung, wer oder was Vic so zugerichtet hat, aber… besonders angenehm sieht das Ganze wirklich nicht aus.
Als ich mich in der peinlichen Stille, die plötzlich am Tisch herrscht, zu meiner Pizza drehe und etwas vom Rand abschneide, bemerke ich aus den Augenwinkeln, dass Baker besorgt zu Vic sieht. Sie winkt aber nur ab und widmet sich wieder ihrem Essen, das sie eigentlich mehr in kleine Fussel zerschnippelt als irgendwie zu sich nimmt.
„Eww, ich kann das nicht“, murrt G im selben Moment vom anderen Ende des Tisches und schiebt ihre Pizza weg. „Warum stellen die wegen diesen Nudelfetischisten bitte den ganzen Speiseplan um? Ganz ehrlich, das will ja keiner essen…“
„Elende Basilikumliebhaber“, gebe ich grinsend von mir und nehme einen Schluck Cola, um den Maisgeschmack loszuwerden. Gott, wie eklig kann Pizza denn sein?
„Tortelliniversessene!“ kommt es von Jimmy, und Johnny beginnt im Hintergrund leise zu lachen.
„Pastafanatiker!“, kann auch Zacky neben mir sich nicht länger zurückhalten, verstummt aber sofort wieder und starrt den Tisch an.
„Pastafaris!“, rufen Jimmy und Vic synchron, sehen sich in dem allgemeinen Gelächter abschätzend an und drehen sich dann beide demonstrativ weg. Mein bester Freund wirft mir einen Blick zu, der wohl grob gesagt ‚Ich kann sie nicht leiden‘ ausdrücken soll. ‚Musst sie ja nicht heiraten‘, gebe ich ihm still zu verstehen und krame nach meinem Handy, um auf die Uhr zu sehen.
„So, kleine Durchsage an alle, die Französisch gelernt haben sollten… Ihr habt in sieben Minuten Test“, verkünde ich dann und ernte gleich mehrere geschockte Blicke. Links von mir beginnt Zacky, gehetzt nach seinem Französischbuch zu suchen, und ich bemühe mich sehr, nicht zu lachen, als ich es unter seinem Essenstablett entdecke. Wenig später findet er aber auch heraus, dass seine Schulsachen sich anscheinend sehr gut mit seinem Mittagessen verstehen, und schiebt angewidert ein Maiskorn vom Heft.
„Meine Güte, Zee-Zee… mehr als ‚je m’appelle Zacky‘ kriegst du jetzt eh nicht mehr mit“, stöhnt Vic etwas genervt zwei Plätze weiter, und ich kann nicht anders, als zu grinsen. Ich meine… Zee-Zee? Da kann sie ihn ja gleich ‚mein Knuddelhäschen‘ nennen!
„Tu es une voiture“, gibt er aber nur zurück und starrt sie herausfordernd an. „Und was ist jetzt mit deinen Übersetzerfähigkeiten, Miss?“ Mir gegenüber fängt G an, leise zu lachen.
„Zacky, also echt. Besonders kreativ war das jetzt nicht“, kommentiert sie dann leise und räumt ihre Schulsachen zurück in ihre schwarze Umhängetasche, bevor sie mich wissend ansieht.
„Sie weiß eh nicht, was es heißt, also… warum was Besseres ausdenken?“, zuckt er die Schultern und sieht wieder zu Vic, die so tut, als würde sie angestrengt überlegen.
„Du bist eine gute Freundin? Du bist toll? Du bist ein Schatz?“, schlägt sie dann todernst vor, während Jimmy neben mir endlich versteht, was ich angerichtet hab, da er sein Spanischbuch nicht in seiner Tasche findet. Was aber auch nichts heißen soll, bei seinem Chaos…
„Du bist ein Auto“, übersetzt Zacky grinsend die richtige Phrase und fängt sich einen überaus säuerlichen Blick von seiner Freundin ein. Josh runzelt im Hintergrund etwas die Stirn, und ich muss mich sehr zurückhalten, ihn nicht auf die unglaublichen Pro-Aging-Effekt der Geste hinzuweisen. Aber ehrlich, bin ich ein Weib, dass ich sowas weiß?
„G hat Recht, der war nicht kreativ…“, murrt Vic und beginnt dann, triumphierend zu grinsen. „Und außerdem, Brian hat dich verarscht. Wir haben heut gar kein Französisch oder Spanisch mehr.“
Etwas verpeilt sieht Zacky sie an, dann wandert sein Blick zu mir und schnell wieder auf den Tisch, als er bemerkt, dass ich ihn amüsiert ansehe. „Haha“, macht er dann gespielt angepisst, woraufhin der halbe Tisch zu lachen beginnt. Nur G wirft mir einen nicht gerade begeisterten Blick zu.
„Sorry“, lache ich leicht und bekomme ein Nicken der Italienerin. Ich meine, sie hat ja Recht, auf Quarterback-Diss-Niveau muss ich mich nicht herablassen…
Plötzlich springt Baker neben mir auf und schnappt sich seine Tasche. „Scheiße, ich hab ganz vergessen, dass ich Info hab…“, nuschelt er etwas gehetzt und stopft sein Französischbuch irgendwie in seinen Rucksack, bevor er mit Vic an seiner Seite abzieht.
„Bye“, höre ich ihn noch über seine Schulter rufen, dann ist unser Tisch wieder mehr oder weniger in Originalbesetzung. Nur ohne Matt, da der Penner ja zuhause herumhängen und Supernatural bis zum Erbrechen schauen darf… Lucky Bastard.


„Hey Joe“, rufe ich gut gelaunt, als ich die schwere Tür des Gitarrenladens aufdrücke und den Verkaufsraum betrete. Schon seit dem ersten Mal, als mein Vater mich in sein privates Paradies mitgenommen hat, bin ich hier halb zuhause – dass der Besitzer des Ladens einer der besten Freunde meines Dads ist und ich dank diesem Status Prozente auf alles bekomme, trägt natürlich gar nichts dazu bei.
„Tag, Brian“, kommt die Antwort des etwas älteren Mannes mit langen, blond-grauen Haaren und Ziegenbart, der hinter einer Theke links vom Eingang steht und eine Gitarre poliert. „Wieder mal ‘ne Saite gerissen?“
„Wie immer“, seufze ich und lasse meinen Rucksack einfach neben dem Tresen auf den Boden fallen. „Und du, schon das große Geschäft gemacht?“
„Nicht wirklich“, bekomme ich die etwas grummelige Antwort. „Aber vielleicht kauft ein gewisser Jemand, der sein Zeug immer irgendwohin wirft, als würde er hier wohnen, und Jimi Hendrix zitiert, wenn er bei der Tür hereinkommt, ja etwas mehr als nur eine e-Saite?“
Ich lache leise auf und mache mich auf zum Regal, in dem Joe die verschiedensten Gitarrensaiten säuberlich geschlichtet hat. „Woher weißt du, dass es eine e-Saite ist?“
„Weil du auf Bendings stehst und das immer an der Saite auslässt, die am leichtesten reißt. Ich kenn dich, Haner, vergiss das nicht“, grinst er und widmet sich wieder der Gitarre, während ich konzentriert das richtige Päckchen suche. Warum muss der Mann auch immer alles umräumen, wenn ich mich gerade auskenne…
Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie eine dunkel gekleidete Person die Ladentür öffnet und fast zaghaft in den Verkaufsraum kommt. „Tag“, wirft sie Joe gut gelaunt entgegen, und… irgendwoher kenn ich die Stimme doch.
Neugierig drehe ich meinen Kopf zur Seite, nur um Zacky zu entdecken, der zielsicher auf das Regal zuhält, neben dem ich stehe. Ungerührt stellt er sich zu mir und scannt mit seinen Augen die Fächer, während ich ihn immer noch fragend anstarre. Ich hab gedacht, er will nicht, dass die Leute erfahren, dass er Gitarre spielt… gehört da ein Gitarrenladen nicht zur Danger Zone?
„Hey“, murmelt der Schwarzhaarige beiläufig in meine Richtung, bevor er sich eine dünne e-Saite nimmt und seinen Rucksack auf den Boden stellt. Während er anscheinend nach seiner Brieftasche sucht, erwidere ich den Gruß schnell und greife in das gleiche Regalfach, um mir ebenfalls zu holen, was ich brauche. Dann bewege ich mich langsam zu Joe zurück, der sich aber ins Hinterzimmer zu den neu angekommenen Gitarren gesellt hat. schlechtes Timing, Mister…
„Ah, du auch“, höre ich plötzlich Bakers Stimme neben mir. Als ich den Kopf zu ihm drehe, sehe ich, dass er sich neben mir auf die Theke lehnt und die Gitarre, die Joe gerade poliert hat, in Augenschein nimmt.
„Mh, das Übliche halt“, gebe ich zugegeben unkreativ zurück. Okay, Brian, eigentlich solltest du dich mit ihm anfreunden. Fängt schon gut an…
Eine Weile ist es still,  und Joe macht keine Anstalten, mich aus der unangenehmen Situation zu befreien. Schließlich beuge ich mich selbst über die Theke und sehe Baker an.
„Wie lang spielst du eigentlich schon?“, will ich neugierig wissen, und er sieht mich etwas erschrocken an. Willkommen zurück aus dem Lala-Land…
„Erst ein paar Jahre“, antwortet er mir leise und sieht auf die Theke. „Du?“
„Seit ich klein bin, eigentlich… Hab mit sieben meine erste Akustik bekommen“, lächle ich ihn an, und er erwidert die Geste etwas zögerlich. In dem Moment tritt Joe wieder auf den Plan, bewaffnet mit einem hellrosa Putztuch und eine einzelnen Drumstick.
Schweigend zahlen wir beide unsere Saiten, und ich warte noch, bis Zacky seinen Einkauf in seinem Rucksack verstaut hat. Dann verabschiede ich mich herzlich von Joe, ernte einen neugierigen Seitenblick, und drücke an der Tür, auf der ganz fett ‚ziehen‘ steht. Kurz danach stehen wir beide etwas planlos vor dem Laden.
„Wo musst du hin?“, frage ich Zacky, und er nickt mit dem Kopf nach rechts.
„Okay, ich nicht“, lache ich leise auf und ziehe den Gurt meines Rucksacks etwas auf meiner Schulter hin und her. Zacky lächelt mich etwas gezwungen an, murmelt dann einen Gruß und setzt sich langsam in Bewegung.
„Ich denke, man sieht sich morgen, hm?“, mache ich noch und wende mich ebenfalls zum Gehen, als mir etwas einfällt.
„Hey, Zacky. Warum sagst du eigentlich keinem, dass du spielst?“, rufe ich ihm hinterher, bekomme jedoch keine Antwort. Eine Weile starre ich ihm hinterher und frage mich, warum er mich ignoriert, dann mache ich mich zugegeben frustriert auf den Heimweg.
Ich hasse es, wenn Leute tun, als hätten sie mich nicht gehört.