The Truth Is So Cold

GeschichteRomanze / P18 Slash
09.02.2012
30.06.2014
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Dieses Kapitel
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Viel Spaß mit dem Chap hier
xxo Franky und Lina


17. Kapitel
Zacky POV

Es ist Samstag. Es ist still... und dann klingelt irgendein Schwachkopf an der Tür und stört mich beim Wandanstarren. Da meine Mom meinte, dass sie noch schlafen gehen wollte, muss also ich wie ein Depp die Treppe hinunterrasen und die Tür aufmachen, bevor noch mal geklingelt wird und sie damit aufgeweckt wird.
„Was willst du?“, frage ich und starre Vic dann in die Augen, die gerade noch mal klingeln wollte. Sie weitet die Augen ein wenig, nimmt den Finger dann schnell von der Klingel und starrt mich an.
„Okay, was zum Teufel ist mit dir los?“, fragt sie skeptisch.
„Ich hab keine Ahnung, was du meinst“, mosere ich und lehne mich an den Türrahmen.
„Ach ja? Okay, dann helfe ich dir ein wenig auf die Sprünge. Seit Freitagnachmittag gehst du jedem aus dem Weg, man hört keinen einzigen Gitarrenton, was um diese Urzeit sehr verdächtig ist, und hey, du bist nicht geschminkt, was auch komisch ist. So, rede mit Mommy, was ist dein Problem?“ Ich sehe sie kurz an und drehe mich dann zur Treppe um.
„Mom? Willst du mit mir reden?“, frage ich in Normallautstärke, bekomme aber keine Rückmeldung, was irgendwie klar ist, wenn sie schläft.
Hinter mir höre ich Vic aufstöhnen, als sie mich von hinten weiter ins Haus schiebt und hinter mir die Tür schließt. Dann sieht sie mich nicht mal an, schnappt sich meine Hand und geht mit mir in mein Zimmer, als würde sie hier wohnen. Okay, im Prinzip macht sie das eh schon.
Im Zimmer setzt sie sich neben meinen Verstärker, zeigt auf mein Bett und wartet, bis ich mich hingesetzt habe.
„Und jetzt?“, frage ich leicht amüsiert, da sie ja am Boden sitzt und jetzt noch ungefähr um zwanzig Zentimeter kleiner ist als ich.
„Jetzt werden wir reden. Was ist dir bitte über die Leber gelaufen? Und sag jetzt nicht Alkohol! Du kennst mich, ich warte, bis ich die Wahrheit höre.“ Ich seufze leicht auf, ziehe dann meine Beine an, sodass ich im Schneidersitz vor ihr sitze und fange schließlich an zu reden.
Ich erzähle ihr alles, von der Pause weg. Das mit den Gitarren, mit dem versemmelten Soli und schließlich auch das mit dem Musiker.
„Das olle Hutgesicht hat dich spielen hören?!“, fragt sie schließlich mit weit aufgerissenen Augen. „Hast du ihm dann wenigstens die Gitarre über die Rübe gezogen und ihn blutend zurückgelassen?“
„Warum sollte ich bitte so was machen?!“
„Na ja, damit er vergisst, dass du spielen kannst?“, fragt sie wie selbstverständlich und zuckt lediglich mit den Schultern.
„Vic, geh mal zum Arzt“, grinse ich leicht.
„Es geht hier ausnahmsweise mal nicht um mich, Mr. Baker. Also, was hast du gemacht? Irgendwas musst du doch getan haben!“
„Na ja, schon. Ich hab ihm die Gitarre in die Hand gedrückt und bin gegangen.“
„Wie so ne Pussy?“
„Was hat dass denn mit Pussys zu tun?!“ Sie schüttelt nur leicht genervt den Kopf und steht auf.
„Zacky, ich glaube, wir müssen jetzt mal was ganz Dummes machen!“, sagt sie und setzt sich auf mich drauf.
„Vic, ich hab dich lieb, das weißt du, aber du kennst mein Gebot. Keinen Sex mit durchgeknallten Jungfrauen!“
„Zee!“, ruft meine beste Freundin nur und verpasst mir einen Schlag auf den Oberarm. „Ich will keinen Sex, ich will was ganz anderes.“
„Ah ja, und das wäre? Geld habe ich keines!“ Sie rutscht von mir hinunter und fängt an, doof zu grinsen.
„Deswegen bin ich eigentlich hierher gekommen. Und damit kann man dich noch total gut ablenken von deiner kleinen Mitlife Crisis, also haben wir gleich zwei Fliegen mit einer Klatsche! Los komm, wir gehen uns jetzt piercen lassen!“, verkündet sie strahlend und zeigt dabei ihre weißen Zähne.
„Piercen. Wir. Ja klar“, lache ich ungläubig. „Wir dürfen das ja noch nicht mal alleine!“ Keine zwei Sekunden später habe ich ein Papier unter der Nase kleben.
„Dafür gibt’s ja auch die Unterschrift der Eltern! Los, wir machen dir auch so was und dann lassen wir uns durchlöchern!“, meint sie euphorisch, ich schüttle nur den Kopf.
„Vivi, warum sollten wir das tun?“
„Erstens: nenn mich nicht Vivi. Zweitens: weil du mit so was wie zum Beispiel Snakebites total geil aussehen würdest. Und drittens: ich will ein Industrial.“
„Und das heißt: ich soll mich nur piercen lassen, damit du nicht so alleine bist oder was?“ Vic schiebt die Oberlippe vor und blinzelt mich kurz an.
„Also wenn du das sagst klingt das ja voll eigennützig... Machst du’s?“
„Nein! Ich will keine Snakebites haben!“
„Ach komm schon, biiitte!“, bettelt sie los. Ich verschränke nur die Arme vor der Brust und drehe mich demonstrativ weg.
„Nein!“
„Bitte!“
„Nein!“
„Ich bezahle.“
„Okay, ich mach’s.“ Vic fängt an zu strahlen und lehnt sich näher zu mir.
„Meinst du das ernst?“
„Natürlich nicht! Was denkst du denn?“, grinse ich überlegen. Dann schlecke ich mir mal kurz über die Unterlippe und halte dann inne.
Hm... vielleicht würde es ja doch nicht mal so schlecht aussehen, wenn... NEIN! Wenn ich so anfange zu denken, hab ich in ner Stunde zwei Löcher in den Lippen. Sehr schlecht Zacky, äußerst schlecht.
„Komm, ich kann sehen, dass du darüber nachdenkst!“, meint Vic nur grinsend.
„Mache ich überhaupt nicht! Ich denke gerade an flauschige Waschbären!“ Sie zieht nur eine Augenbraue hoch, nimmt einen Zettel und schreibt dann das, was auf ihren steht, ab. Dann hält sie ihn mit unter die Nase.
„Los, lass das mal schnell unterschreiben.“
„Wenigstens habe ich hier eine Wahl!“, schnauze ich und lese mir den Zettel erst mal durch. „Und damit kommt man durch?“
„Ja klar, warum nicht?“ Mit verzogener Miene starre ich auf den Zettel. Von außen sehe ich vermutlich aus wie immer, aber in mir drinnen fliegen gerade die Fetzen.
Auf der einen Seite ist es absolut bescheuert, wenn ich so was mache. Vor allem jetzt, wenn ich auch noch zum Sport ins Wasser muss und so was wie Nahrung zu mir nehmen und so. Aber auf der anderen Seite... was spricht denn bitte dagegen?
Ich beiße mir kurz auf die Lippen, stehe dann auf und gehe aus dem Zimmer. Von drinnen höre ich, wie Vic triumphierend auflacht und verziehe den Mund zu einem Grinsen. Das war so klar, dass sie mich doch überzeugt. Scheiße, ich bin ja so verdammt beeinflussbar.
Aber eigentlich habe ich ja nur zugesagt, weil ich weiß, wie meine Mutter zu solchen Dingen steht. Äußerst schlecht, sie hasst Piercings, das wird sie also nie zulassen!
Mit einem diabolischen Grinsen betrete ich ihr Schlafzimmer und kniee mich neben ihrem Bett hin. Dann stupse ich sie leicht an der Schulter an und sie öffnet leicht die Augen.
„Zack? Du weißt ich habe heute Nachtschicht... Bitte lass mich schlafen“, nuschelt sie und kuschelt sich weiter in ihren Polster hinein.
„Ja, ich weiß. Ich wollte dich nur fragen, ob ich mich piercen lassen darf. Jetzt gleich. Du musst nur das hier unterschreiben und ich bin weg und lasse mir Löcher in den Körper bohren.“
„Ja klar, warte“, murmelt sie, nimmt mir den Stift aus der Hand, unterschreibt den Wisch und dreht sich um.
„Du hast deine Mom gehört, lass uns gehen!“, kommt es von Vic, die mich am Arm schnappt und mich aus dem Zimmer meiner Mutter zieht. Also das war unerwartet und ging... flott. Jetzt habe ich ein Problem. Danke Mom!

Im Tattoostudio sitze ich verstört am Sessel und starre den Kerl an, der gerade die Stecker für meine Snakebites aufmacht und vor mich auf den Tisch legt. Ich starre sie kurz an, schlucke und will wieder aufstehen.
„Okay, ich kotze gleich, lass uns gehen!“, sage ich zu Vic, die mich wieder zurückdrückt und lieb schaut.
„Ich schwöre dir, du wirst so geil aussehen!“, sagt sie und strahlt mich mit einem gewinnenden Grinsen an.
„Ich werde gezwungen, Hilfe! Nehmt die Irre da von mir!“, rufe ich leicht verzweifelt, was sie zum Lachen bringt. Ich fange leicht an zu hyperventilieren und kralle mich am Sitz fest. Wenn ich es nicht auch ein wenig wollen würde, wäre ich schon längst über alle sieben Berge und würde jetzt mit Schneewittchen und den sieben Zwergen Tee trinken oder so.
Als der Typ die Zange ansetzt, sehe ich noch mal schnell zu meiner besten Freundin.
„Ich kann das nicht, ich bin noch nie ringlos geküsst worden! Das werde ich nie wieder nachholen können!“ Vic seufzt auf, der Piercer (der übringes auch einen Namen hat, er heißt Ted) nimmt die Zange weg und fängt an zu lachen.
„Nimm ihn nicht ernst, er ist immer so“, sagt Vic zu ihm, kommt auf mich zu, beugt sich zu mir runter und küsst mich auf den Mund. Zwar nur flüchtig, aber scheiße, WAS macht sie da? „So, und jetzt rein mit den Löchern!“, sagt sie begeistert.
Und ich denke, mit der Aktion hat sie genau das bewirkt, was sie bezwecken wollte. Ich bin so sprachlos und auch ein wenig entsetzt, dass ich nicht wirklich realisiere, wie Ted die Zange wieder ansetzt und die Nadel relativ schnell in meiner Haut versenkt.
Erst den Schmerz, den bemerke ich. Ich ramme meine Nägel in den Sitz und reiße die Augen auf. Da ich ja schlecht schreien kann, gebe ich nur ein gequältes ‚Aaah!’ von mir und starre ihn entsetzt an, als er die Zange ein zweites Mal ansetzt.
„Gleich hast du’s hinter dir und kannst deine Freundin umbringen gehen“, grinst er, positioniert wieder die Nadel, zögert keine Sekunde und sticht mir noch einmal durch die Haut.
Als der zweite Stecker in mir drin steckt, spüre ich eigentlich nur noch das teuflische Stechen, das mir bei jeder Bewegung durch den Mund zuckt.
„Wo ist sie, ich werde sie meucheln“, raune ich und verziehe das Gesicht, weil allein das Sprechen wehtut. Meine beste Freundin versteckt sich hingegen hinter dem Piercer, der grinsend einen kleinen Stab aus einer der Schubladen holt und ihn auspackt.
„Ach, sie bekommt schon noch ihr Fett weg, glaub mir“, grinst er bedeutend und ich mache Vic Platz, die sich etwas zögernd an mir vorbei schleicht und sich dann auf den Sessel setzt, wo sie ein wenig bleich und zusammengesunken zwei Punkte auf das Ohr gemalt bekommt.
Ach so, darum geht’s. Die Dame hat Schiss. Trotz der Schmerzen grinse ich los und gehe langsam Richtung Ausgang.
„Bleibst du nicht da?“, kommt es leicht eingeschüchtert vom Sessel aus. Ich lächle leicht und sehe sie an. Irgendwie ja süß, diese kleine zitternde Etwas.
„Du hast mich geküsst und mich dann durchbohren lassen. Weiche von mir, Dämon“, grinse ich und lasse die Tür hinter mir zufallen. Ich höre noch ein verzweifeltes ‚Zeezee!’ und dann einen lauten Schrei, gefolgt von einem ‚FUCK!’. Nach einem weiterem Winseln und ein wenig Gefluche kommt sie schließlich aus dem Raum und sieht mich mit Tränen in den Augen an.
„Ich hasse dich“, sagt sie und streicht sich die Haare hinter das rechte Ohr, in welchem jetzt ein kleiner Silberstab steckt.
„Du hast meinen ersten Kuss entjungfert!“ Sie sieht mich emotionslos an. „Und dann habe ich zwei Löcher in die Lippen bekommen!“
„Okay, ich glaube das hab ich verdient...“, murmelt sie und sieht betreten zu Boden. „Bist du mir jetzt böse?“ Ich will gerade bejahen, als mein Blick auf einen der Spiegel an der Wand fällt. Ich blinzele kurz, nähere mich dann dem Spiegel und starre mir auf den Mund.
Ich sage es ja nur ungern, aber irgendwie sieht das ja wirklich gut aus! Zwar etwas gerötet, aber nicht so schlecht wie ich gedacht habe. Ich fahre leicht mit meiner Zunge über meine Unterlippe und ziehe sie dann sofort zurück, da ein stechender Schmerz hindurchzuckt. Okay, das sollte ich vielleicht unterlassen, aber sonst...
„Ich sag doch, es würde geil aussehen...“, murmelt Vic, die sich neben mich gestellt hat und etwas kritisch ihr Ohr begutachtet. „Scheiße, ich glaube, das fällt mir gleich ab...“ Ich drehe mich zu ihr, sehe zu ihr hinunter und nicke ihr dann zu.
„Wozu der Kuss?“, frage ich.
„Weil du keinen ohne Ringe hattest“, antwortet sie schlicht.
„Hast du was gespürt?“, will ich wissen. Bei mir was da nämlich nix, genau wie ich es mir gedacht habe. Vic ist eher meine Schwester, nicht meine feste Freundin.
„Außer der Panik im Hinterkopf? Überhaupt nichts“, gibt sie zu. „Du?“
„Nada“, packe ich mein bestes Spanisch (ist das überhaupt Spanisch?!) aus.
„Na dann ist gut, Josè. Ich geh schnell zahlen...“ Dann setzt sie sich in Bewegung und marschiert zur Theke. Etwas lahm folge ich ihr und hole meine Brieftasche hervor. „Die Hälfte zahle ich“, wirft Vic schnell ein, drückt Ted ein paar Scheine in die Hand und nickt ihm dann zu.
Etwas überrumpelt zahle ich den Rest, gebe Ted dann die Hand und verabschiede mich. Dann gehe ich mit Vic an meiner Seite aus dem Laden.
„Okay, warum?“
„Warum was?“
„Warum hast du mir die Hälfte gezahlt?“
„Habe ich doch gesagt. Nur hab ich gedacht, dass du beim ersten schon k.o. gehst, wenn ich ehrlich bin...“ Ich sehe Vic sprachlos an, schüttle dann nur den Kopf und versuche, die brennende Unterlippe zu ignorieren. „Was wirst du heute noch machen?“, fragt Vic plötzlich und sieht mich unsicher an.
„Meinen Mund mit Eis kühlen. Warum?“
„Ich... Ich... Also, darf ich noch ’n wenig zu dir?“, kommt es leise von ihr und ich sehe sie nur von der Seite an.
„Warum?“, will ich wissen.
„Bitte, es... mein Dad ist seit Mittag wieder zu Hause“, sagt sie leise. „Ich hab’ ihn noch nicht gesehen sondern bin davor abgehauen... Ich kann den echt nicht ansehen, ich hasse ihn einfach...“ Ich seufze auf und lege ihr einen Arm um die Schulter. Auch wenn ich noch ein wenig angefressen bin, ich kann sie so nicht zu ihr nach Hause schicken.
Ich kenne Vics Vater, und ich weiß, dass man mit dem keinen Spaß haben kann. Und ich weiß auch, dass Vic ihn hasst.
„Ok“, gebe ich mich schlussendlich geschlagen.
„Danke Zee“, sagt sie leise und greift sich geistesabwesend ans verletzte Ohr.