The Truth Is So Cold

GeschichteRomanze / P18 Slash
09.02.2012
30.06.2014
142
272683
 
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
Louder than god's revolver and twice as shiny. This one's for all the rock'n'rollers, all you crash queens and motor babies. Listen up!

(wer dieses zwar extrem epische, aber doch etwas unangebrachte Intro hier gerade nicht checkt: http://www.youtube.com/watch?v=egG7fiE89IU&feature=relmfu bildet euch! xD)

So yeah, es ist Samstag, F und ich versinken in mathematikbedingtem Schwachsinn ("Ein Soldat der exponentiell wachsenden Armee heißt Hans. Wie groß ist die Menge der verbrauchten Kanonenkugeln, wenn man beachtet, dass der Betrag des Stiefelabdruck eines Genreals nicht genau in R definiert ist?") und brauchen Ablenkung.
Kapitelmarke 60 ist btw geknackt, besser gesagt wird F sich hoffentlich gleich an Nummer 63 setzen.
Ich wünsch euch aber mal viel Spaß und ja, das Chap bringt jetzt erstmal einiges ins Rollen, würd ich sagen (;
mehr Idiotie, wie immer hier: http://insidethetruthissocold.blogspot.com/2012/04/16-finally.html

Stay dangerous,
Linchen & F


16. Kapitel
Brians POV

„Leute? Was macht ihr bitte hier?“ ist das Erste, was wir hören, als Matt die Tür vor unserer Nase öffnet und nach einem Moment auch erkennt, wen er vor sich hat. Der Sänger trägt eine lange Jogginghose, die seinen Gips nur schlecht verdeckt, und ein Metallica-Shirt mit abgeschnittenen Ärmeln, sieht uns aber an, als wäre er gerade erst aufgewacht oder so. Was auch irgendwie erklären würde, warum er ganze vier Minuten zur Tür gebraucht hat…
„Wir haben Jacky, Neuigkeiten und gute Laune, und jetzt lass uns rein“, grinse ich Matt nur entgegen und Jimmy wedelt mit den zwei Flaschen Jack Daniel‘s, die wir noch schnell bei einem Supermarkt in der Nähe von Matts Haus gekauft haben, oberhalb von meinem Kopf herum. Man kann ja nicht einfach so ohne was zu trinken an einem Freitagabend bei jemandem auftauchen, der eigentlich seine Ruhe haben sollte…
„Okay“, gibt Matt etwas verwirrt von sich und humpelt zur Seite. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie er Jimmy einen fragenden Blick zuwirft, doch der zuckt nur die Schultern und watschelt mir hinterher ins Wohnzimmer, das Gott sei Dank leer ist. Wenigstens ein Mal, wenn ich es brauchen kann, sind seine Eltern nicht da… und ja, das klingt jetzt sowohl schwul als auch ziemlich pervers. Aber egal.
Der Raum ist nicht besonders groß, aber gemütlich und ziemlich modern eingerichtet. Das und die Tatsache, dass ich nach all den Jahren sowieso schon fast hier wohne, bringen mich gleich dazu, mich einfach auf eines der zwei hellen Sofas in der Mitte des Zimmers fallen zu lassen, während Jimmy noch drei Shot-Gläser holt und Matt sich etwas schwerfällig neben mir platziert.
Wie immer lassen wir automatisch die längere und größere Couch für Jimmy, da wir genau wissen, dass er dazu neigt, lachend in der Gegend herumzukugeln, wenn er betrunken ist. Und dass das heute der Fall sein wird, war spätestens im Supermarkt schon klar.
„Darfst du überhaupt was trinken, Matt?“, fällt mir plötzlich auf, und ich starre ihn schon einmal im Voraus entschuldigend an. Doch er zuckt nur die Schultern und nimmt eines der vollen Gläser, die Jimmy vor uns auf den Couchtisch stellt.
„Hab seit in der Früh keine Medikamente mehr genommen, also… müsste gehen. Und wenn nicht, ich verlasse mich drauf, dass ihr mich nicht abkratzen lässt, ja? Aber jetzt mal ehrlich, warum schneit ihr hier einfach so mit zwei Flaschen Jacky rein, ohne was zu sagen?“
„Frag das Brian“, gibt Jimmy nur von sich, während ich nur leise und etwas überdreht lache. Dann schnappe ich mir das letzte Glas, das noch am Tisch steht, ignoriere Matts fragenden Blick und hebe meine Hand.
„Auf uns, auf die Band und auf jeden Scheiß, den wir in den nächsten Stunden planen werden. Cheers, Leute“, rufe ich leise durchs Wohnzimmer, und meine zwei besten Freunde stimmen mir lachend zu, ohne weitere Fragen zu stellen. Fast synchron exen wir unseren Jacky, dann ist es kurz still.
„Ich glaube, ich hab einen Rythm“, platzt es schließlich aus mir heraus und das fette Grinsen, das mich schon seit meiner Mittagspause verfolgt, schleicht sich wieder in mein Gesicht. Wer diesen Mistkerl wohl immer einlädt…
„Du hast was?!“ Jimmy. – „Ach, deswegen der Jacky.“ Matt. – „Sag das gleich!“ Jimmy. – „Kenn ich ihn?“ Wieder Matt. – „Whoa, langsam.“ Ich, zur Abwechslung einmal.
„Ich hätte einen Rythm, mit dem ich arbeiten könnte. Ja, das muss man mit Jacky feiern, womit sonst? Und ihr kennt ihn, aber jeder von euch hat drei Tipps. Für jeden Fail ein Shot, okay?“ Und wenn das mit der Band oder meinem erträumten Musikstudium nicht klappt, werde ich hauptberuflicher Trinkspielentwickler. Darauf trinken wir!
Und ja, ich weiß, der war jetzt schlecht. Egal.
„Gut, ich fang an.“ War klar, Jimmy. Grinsend schenke ich ihm nach und sehe ihn erwartungsvoll an, als er seine beste Denkermiene aufsetzt.
„Hmm“, macht mein bester Freund und tut, als würde er sich wirklich überaus komplizierte Gedanken machen. „Ich sage, er ist nicht auf unserer Schule.“
„Trink!“, lache ich ihn nur an und schiebe ihm das Shotglas hin, dessen Inhalt er ohne Murren runterschüttet, bevor er das Glas vor mir auf den Tisch knallt. Gekonnt schenke ich ihm wieder ein und fange an, mit meinem rechten Fuß zu wippen, während er weiter überlegt.
„Gut, dann ist er jünger als wir. Bei uns in der Stufe spielt keiner annähernd gut Gitarre.“, kommt der nächste Tipp aus seiner Richtung.
„Dafür müsstest du jetzt zwei trinken, Jimbo“, grinst Matt ihn an, während ich nur schnaube.
„Oh ja, müsste er. Und nein, er ist gleich alt wie wir.“, mache ich dann und sehe zu, wie Jimmy wieder ein Glas leert.
„Okay“, grinst er mit schon leicht roten Wangen und wirft das Glas fast durch den halben Raum, als er anfängt zu gestikulieren. Ja, Jimmy verträgt den Jacky eindeutig noch am schlechtesten von uns drei… „Ich sage, er ist eine sie und heiß, deswegen will Bri-Bri sie auch unbedingt haben.“
„Darauf trinken wir“, gackert Matt neben mir los – der höchst psychotische Lacher kommt bestimmt von den Medikamenten, oh mein Gott – und ich schenke uns allen schwungvoll noch einen ein.
„Und nein, Jim, es ist keine Frau.“, grinse ich noch, bevor ich den Shot hinunterstürze und Matt ansehe. „Willst du auch noch raten?“
„Nö, lass mal“, grinst er und beugt sich dann näher zu mir. „Und jetzt… sag endlich. Welchen Wunderknaben hast du uns ausgegraben?“
Verschwörerisch beuge ich mich ebenfalls etwas zu ihm, zerstöre die Stimmung aber eindeutig mit dem hohen Kichern, das mir irgendwie entfährt. Sehr männlich, Brian. Und zu meinem nächsten Geburtstag bekomme ich einen pinken Bikini.
„Baker. Das Opfer Baker.“, rücke ich schließlich grinsend mit der Sprache heraus.
Auf der anderen Seite des Couchtisches fängt Jimmy an, schallend zu lachen, und Matt sieht ihn etwas verwirrt an, bevor sein Blick wieder zu mir wandert. „Meinst du das echt?“
„Meine Fresse, Matt“, kichert Jim, bevor ich nur den Mund öffnen kann. „Bri, sag uns endlich, wer es ist, verdammt!“
„Hab ich ja“, gebe ich zurück und sehe zu, wie er sich aufsetzt, sich die Lachtränen abwischt und mich abschätzend anstarrt. Und, ganz ehrlich... hätte ich ihn nicht selbst spielen gehört, würde ich mich jetzt wahrscheinlich auch auslachen.
„Oh Gott. Du meinst das ernst“, begreift nun auch Matt neben mir, und ich nicke euphorisch.
„Oh ja. Ich hätt’s ja selbst nicht geglaubt, aber dann wollte ich in der Mittagspause zu deinem Spind, weil ich dein Lateinbuch dort vergessen hab… Und der sitzt einfach ganz allein im Musikzimmer mit den Gitarren und spielt da beschissen schwere Soli, als hätte er nie was andres getan.“ In meinem Kopf sehe ich wieder das Bild, wie Baker dort sitzt und spielt, und unwillkürlich wird mein Grinsen noch breiter. Denn holy fuck, der Typ hat’s wirklich drauf. Nur etwas komisch, dass das irgendwie keiner über ihn zu wissen scheint. Wenn er wollte, hätte er längst zu uns Musikern gehören können… und so ist er das Opfer schlechthin. Warum, bitteschön?
„Hmm“, gibt Matt wenig begeistert von sich und wechselt einen Blick mit Jimmy, den ich nicht ganz deuten kann. Dann nimmt er sich die Flasche Jack Daniel‘s vom Tisch, setzt sie an die Lippen und trinkt mehrere große Schlucke direkt aus der Flasche.
„Brian, denkst du echt, das funktioniert?“, meldet sich auch mein bester Freund wieder einmal. Etwas verwirrt erwidere ich seinen nachdenklichen Blick, der fast über sein vom Alkohol leicht gerötetes Gesicht hinwegtäuscht.
„Das was funktioniert?“
„Na mit Baker. Erstens, er hasst uns. Zweitens, selbst wenn er in einer Band spielen will, weil er so gut ist, wie du sagst – denkst du ernsthaft, der steigt einfach so in eine dahergelaufene Garagentruppe ein?“ Etwas sauer, dass er mich von meiner Eichhörnchen-Auf-Crack-Laune hinunter in die Nachdenklicher-Brian-Stimmung gekickt hat, fixiere ich den Tisch und nehme dann die Flasche Jacky, die Matt mir hinhält.
Mit geschlossenen Augen trinke ich langsam einen Schluck, dann noch einen, genieße das Gefühl, das der Alkohol in mir auslöst. Okay, Brian, denk nach. Er hasst dich und deine Freunde, aber du brauchst ihn in deiner Band. Wie zum Arsch soll das…
„WIR BRINGEN IHN DAZU, SICH MIT UNS ANZUFREUNDEN!“, schreie ich Matt euphorisch an, der vor Schreck fast vom Sofa fällt. Etwas verstört setzt er sich wieder auf, sieht mich kurz an und runzelt die Stirn.
„Meinst du das jetzt ernst?“, fragt er mich dann, und ich nicke schnell.
„Also probieren kann man’s ja, oder?“, mischt Jimmy sich plötzlich ein, zu meiner Überraschung sogar auf meiner Seite. Ich weiß, dass es gemein ist, was ich mir gedacht habe. Aber… vielleicht klappt es wirklich. Und vielleicht ist er nicht so übel. Man muss nur einmal an den Kerl herankommen…
„Seid ihr sicher, dass ihr das tun wollt? Ich meine, okay, ich bin schon überstimmt, und Johnny hat da eh nix zu reden, aber… wir sind keine Arschlöcher. Und das ist arschlochmäßig, und zwar auf höchster Stufe.“, gibt unser Sänger zu bedenken, bevor er mir die Flasche, die ich immer noch in der Hand halte, abnimmt und nach einem schnellen Schluck an Jimmy weitergibt.
„Ich meine, wir könnten es probieren, oder? Und Jimbo hat Recht, niemand lässt sich einfach so in eine Band holen, wenn er die anderen Mitglieder nicht leiden kann und nur vom Sehen her kennt. Da muss schon mehr dahinterstecken, und Freundschaft ist ja nicht so schlecht, was das anbelangt… Vor allem in seiner Position. Ich meine, er gehört dann ja sozusagen zu uns, also ist er vielleicht auch nicht mehr so ganz das Opfer vom Dienst in dem Haufen da drin. Und die Gelegenheit kann nicht mal Baker übersehen, oder?“ Erwartungsvoll sehe ich in die Runde und registriere erleichtert, dass Matt langsam nickt.
„Okay, da hast du Recht.“, gibt er schließlich zu. „Und außerdem… vielleicht ist er ganz okay. Wir kennen ihn ja selbst nicht, also wer weiß.“ Fast hätte ich ihm gesagt, er klingt wie eine Frau, doch ich kann es mir verkneifen und nehme so schweigend die Jacky-Flasche von Jimmy entgegen.
Mit rasenden Gedanken – Gibt’s eigentlich ein Ratgeber für Dummies mit dem Titel ‚Wie hole ich einen mir unbekannten Freak in meine Band‘? – schenke ich die Shotgläser randvoll ein, dann hebe ich meins und sehe meine besten Freunde der Reihe nach an.
„Auf uns, auf die Band und auf Baker, der hoffentlich bald unser Rythm ist und sich so schnell wie möglich ins Band-Boot ziehen lässt. Cheers!“
Falls es Unglück bringen soll, an einem Abend zwei hirnlose Trinksprüche von sich zu geben, sind wir hiermit offiziell am Arsch. Aber das ist mir ehrlich egal, als ich das Glas an meine Lippen setze und schnell austrinke. Nur Mission Baker zählt. Und ich bin eindeutig kein Mensch, der schnell aufgibt, bevor er nicht hat, was er will.