The Truth Is So Cold

GeschichteRomanze / P18 Slash
09.02.2012
30.06.2014
142
272683
 
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
Guten Abend, meine Lieben!

Hier, last but not least, habt ihr endlich das heiß ersehnte und vielleicht auch genau so gefürchtete letzte Kapitel. Mit diesem Tag ist The Truth Is So Cold offiziell abgeschlossen, fertig hochgeladen, komplett lesbar zu eurer Verfügung.

Aber wie soll's jetzt weitergehen, ohne unsere Lieblingschaoten?
Ganz ganz viele hoffentlich erfreuliche Infos dazu gibt's diesmal im Blog, und das sogar in Videoform - ich würde es jeden von euch raten, sich das Ganze anzusehen, wenigstens teilweise, da wir einiges zu sagen und bekanntzumachen haben, das für euch durchaus wichtig sein könnte :)
-> http://insidethetruthissocold.blogspot.co.at/2014/06/goodbye-truth.html

Und an alle, die sich das hier durchlesen: DANKE für euren Support, die Rückmeldungen, auch alle Schwarzleser, einfach jeden, der uns irgendwie auch nur einen Teil dieser Story lang begleitet hat. Ihr seid die wundervollsten 'Fans' die man sich nur wünschen kann - und das hier ist kein Abschied, nur ein kleiner sentimentaler Zwischenstop. Ihr bekommt nämlich ein Kapitel 143 mit weiteren Infos und sonstigem noch zu Truth gehörigem Zeug, also bleibt dran!


Much love & habt Spaß mit diesem letzten Kapitel von Teil 1 des Ganzen!
Wir knien vor euch, ihr awesomen Menschen,
Lina & F


142. Kapitel
Brians POV

Mit einem leichten, traurigen Lächeln stehe ich vom Klavierhocker auf, während zu meiner Rechten die Leute anfangen zu klatschen, jubeln und sonst irgendwas zu tun.
Normalerweise hätte ich mich über ihre Reaktionen gefreut. Vor allem nach einer Solo-Performance und einem solchen Song wäre es der Ego-Push schlechthin gewesen.
Doch in dem Moment habe ich einfach nur verdammte Panik, die durch das klassische Konzertadrenalin wahrscheinlich nur noch verstärkt wird. Wenn Johnny und Jimmy ihre Jobs erledigt haben, steht Zacky jetzt irgendwo im Backstagebereich… Ich habe ihn in der Menge nicht gesehen, also kann es nur so sein.
Muss es so sein.
Ohne einen weiteren Blick auf meine ‚Fans‘ zu werfen trabe ich die paar Stufen in den Backstageraum hinunter, während ich förmlich hören kann, wie mein Herz das Blut durch meinen Körper pumpt. Einen Schlag, noch einen. Zu schnell, um es einfach nur auf den Auftritt zu schieben.
Einen Moment lang erkenne ich nicht viel, was nach den blendenden Scheinwerfern auf der Bühne auch kein großes Wunder ist. Doch dann passt meine Sicht sich an die Lichtverhältnisse an, und ich erkenne genau etwas.
Jimmy und Johnny haben es anscheinend nicht ganz hinbekommen, ihren Job zu machen.
Die einzige Person, die hier hinten noch anzutreffen ist, ist ein dünner, pickeliger Tontechniker, der mir ein schnelles Thumbs-Up schenkt und dann im normalen Clubbereich verschwindet.
Kein Matt, der sich über irgendwelche Scheiße aufregt wie eine Frau, die ihre Tage hat.
Kein Jimmy, der ihn noch mehr reizt, als es vielleicht gut wäre.
Und vor allem, kein Zacky.
„Scheißdreck, verdammter“, rutscht mir heraus, als ich mich in dem flurähnlichen Bereich vor dem normalen Clubraum gegen die Wand fallen lasse. Mit dem Kopf voraus, wohlgemerkt.
„Scheiße!“ Aus einem Impuls heraus lehne ich mich zurück und knalle meine Stirn noch einmal gegen den massiven Beton. Fuck, fuck, fuck!
Doch gerade, als ich fast schon dabei bin, an der Stelle zu Boden zu gehen und wahrscheinlich eine überaus unmännliche Mischung aus Heulkrampf und Tobsuchtsanfall zu bekommen, spüre ich, wie mir jemand zaghaft auf die Schulter tippt. Halb erschrocken und halb darauf vorbereit, meine komplette Frustration an dem Arschloch auszulassen, fahre ich herum – nur um im nächsten Moment einen mir nur allzu bekannten Körper an meinem Hals hängen zu haben.
Im Endeffekt realisiere ich jedoch erst, dass es Zacky ist, als meine Nase mit seinen Haaren kollidiert und ich seinen typischen Geruch nach Shampoo, etwas Konzertschweiß und Club einatme.
Ohne einen Ton zu sagen schließe ich meine Arme um seine Mitte und ziehe ihn noch näher an mich, bis es fast schon wehtut. Da er die Umarmung allerdings nicht weniger fest erwidert, denke ich nicht, dass es ihn großartig stört.
Einige Minuten stehen wir einfach nur so da, während er zittrig ein- und ausatmet und anscheinend versucht, sich irgendwie zu beruhigen, und ich krampfhaft probiere, etwas Ordnung in das Chaos in meinem Hirn zu bekommen. Irgendwann fangen wir gleichzeitig an zu reden, eine seltsame Mischung aus ‚Fuck’, ‚Tut mir leid’, ‚Scheiße’, ‚Es war meine Schuld‘ und ‚Ich war ein Arschloch auf Rädern’. Danach küssen wir uns, langsam und liebevoll und irgendwie verzweifelt, ohne unsere in den Shirts des jeweilig Anderen verkrampften Hände zu lösen.
Als das Ganze jedoch dazu neigt, wieder von vorne loszugehen, da Zacky den Kuss löst und sich krampfhaft an mich drückt, beschließe ich, dass eine richtige und nicht halb gefluchte Entschuldigung vielleicht angebracht wäre.
„Scheiße, Zee, es tut mir so leid“, fange ich etwas stockend an und werfe gekonnt mit dem ersten Satz schon meine Fluchprinzipien über Board. „Ich hätte dir wirklich was sagen sollen, und meiner Mom auch. Auch wenn sie das nicht so locker sieht, dass ich auf Männer stehe, ich hab’s dir wirklich geschuldet und es war nicht fair… und… fuck, es tut mir leid“, breche ich etwas hilflos ab, doch er fährt mir nur beruhigend mit seiner linken Hand über den Rücken.
„Mir tut’s leid. Ich meine, ich hätte dich ausreden lassen sollen, dir wenigstens irgendeine Chance geben können, das Ganze zu erklären anstatt mich aufzuführen wie Paris Hilton oder so“, gibt er dann zurück, was mich aber dazu bringt, den Kopf zu schütteln, als hätte ich einen Wackelkontakt.
„Nein, hättest du nicht. Es hätte jeder in der Situation genau so reagiert.“
„Vielleicht nicht. Wenn ich nicht immer irgendwelche Probleme bekommen würde, ohne überhaupt einmal alles zu wissen, dann-“
„Dann wärst du nicht du, und jetzt halt die Klappe und seh ein, dass es meine Schuld war. Okay?“, mache ich schnell, und bevor Zacky sich großartig beschweren kann, bringe ich ihn gekonnt mit einem Kuss zum Schweigen.
Was aber auch irgendwie anzuhalten scheint, nachdem wir uns voneinander gelöst und spontan am Boden niedergelassen haben, unsere Rücken gegen die Betonmauer gelehnt und unsere fest verschränkten Hände auf meinem Oberschenkel liegend. Dass der Ort für ein Gespräch wahrscheinlich eher unklug ist werden wir spätestens morgen an einer Blasenentzündung merken, aber im Moment ist mir das ziemlich herzlich egal.
„Es ist unglaublich“, bricht Zacky nach einer Weile die Stille und reißt mich effektiv aus meinen Grübeleien, wann Jimmy wohl Johnny losschicken wird, um herauszufinden, ob wir uns schon gegenseitig erschlagen haben oder noch halbwegs ganz sind. So prickelnd scheint es ihn im Moment ja nicht zu interessieren…
„Was?“
„Na ja, das Lied“, macht mein eindeutig-wieder-Freund leise, und ich zucke nur die Schultern. No big deal, my love…
„Das Meiste kannst du auf Jimmy schieben, eigentlich. So einen Klavierpart hätte ich nie zusammengebracht, wenn er mich nicht mal von meinem Anfängerniveau hochgeprügelt hätte… Mit allen Methoden und in drei Tagen. Hektor kann’s bezeugen!“
Bei der Erwähnung von Jimmys Hausente fängt Zack leicht an zu grinsen, bevor er mich ansieht und fast unmerklich den Kopf schüttelt.
„Ich mein eher… den Text. Fuck, das… keine Ahnung!“
„So schlimm? Zwischendurch ist‘s ein bisschen kitschig, ich weiß, aber-“
„Halt die Fresse, es ist genial“, unterbricht er mich fast geschockt, und ich senke etwas den Blick.
„Nur für eine geniale Person geschrieben“, rutscht mir dann heraus, und während ich den Tontechniker im Nebenzimmer schon vor Überzuckerung würgen höre, beuge ich mich vor und küsse Zacky lächelnd auf den Mund. Einfach nur, weil ich’s wieder kann und im Moment nicht weiß, was ich mir eigentlich mehr wünschen könnte.

„Wir sollten irgendwie mal zu den Anderen zurück“, merke ich an, als wir eine halbe Stunde später immer noch im Backstagebereich am Boden herumhocken, als würden wir da wohnen. Vielleicht sollten wir den Club hier kaufen, wenn wir mal reich sind, nur um die Stelle hier zu haben… so als Andenken an den ganzen Schwachsinn hier.
„Irgendwie schon“, stimmt mein Freund seufzend zu, bevor er sich auf die Beine quält und mich halbherzig mit hochzieht. „Ich denke, Vic will langsam mal wissen, was hier genau abgelaufen ist. Und Johnny, immerhin hab ich ihn alleine irgendwo im Club stehengelassen, um zu dir zu kommen-“
„Ich denke, die können warten“, mache ich bestimmt, bevor ich mich in Richtung Clubtür bewege. „Ich muss dir unbedingt jemanden vorstellen.“
„Wen denn?“, fragt Zacky etwas verpeilt nach, als ich die Tür öffne und wir anfangen, uns irgendwie zwischen tanzenden, trinkenden und redenden Leuten durchschieben.
„Meine Mutter.“
Abwartend sehe ich ihn an, und er erwidert meinen Blick nur etwas zweifelnd und vielleicht auch ein kleines Bisschen panisch. Dabei bin ich derjenige, der sich eigentlich Gedanken machen sollte… es genau genommen aber nicht tut. Ob das gut oder einfach nur dumm ist, sehen Sie in der nächsten Folge von ‚Brian’s Fucked Up Thing Called Life‘!
„Bist du sicher, dass das eine gute Idee ist? Ich meine, nach dem, was ich gehört hab…“
„Sie wird nichts sagen oder tun, Zee. Wir haben meinen Vater auf unserer Seite, und selbst wenn sie was gegen Schwule hat – dich muss man mögen. Außerdem kennt ihr euch eh schon!“
„Na ja, trotzdem“, macht er etwas zögernd, doch ich drücke nur beruhigend seine Hand und ziehe ihn weiter durch irgendwelche Menschen nach hinten zu den Sofas, auf denen ich meine Eltern vermute. Und siehe da – die Brian’sche Spürnase hat ausnahmsweise einmal ihre Aufgabe erfüllt!
„Mom, Dad“, beginne ich fast feierlich, als wir vor dem Möbelstück stehenbleiben, begleitet von einem seltsam glücklichen Blick meines Vaters und den kalten Augen meiner Mutter. „Mom, Dad, jetzt einmal ganz offiziell… Ich muss euch Zacky vorstellen, meinen Freund.“
Eine Sekunde lang ist es still zwischen uns, während in unserer Umgebung die Party genau so weitergeht wie zuvor. Zackys Griff um meine Hand verstärkt sich etwas mit jedem Moment, der verstreicht, und irgendwann merke ich, dass ich ihm wahrscheinlich selbst schon komplett das Blut abschnüre.
Doch dann steht mein Vater auf, baut sich in seiner ganzen nicht besonders großen Pracht vor uns auf und streckt meinem Freund seine rechte Hand hin.
„Auch wenn wir uns ja eigentlich schon kennen… freut mich, dich kennenzulernen, Zacky“, macht er mit einem Lächeln, das Zack nur erleichtert erwidert, während er ihm fest die Hand gibt.
„Freut mich auch, Mr. Haner…“
„Sag bitte Brian zu mir, ich komm mir sonst so alt vor… Es sei denn, du hast keinen seltsamen Spitznamen für meinen Sohn, dann könnte das vielleicht etwas merkwürdig werden“, lacht er auf, und mein Freund stimmt leise ein.
Das jedoch nur ungefähr bis zu dem Zeitpunkt, in dem meine Mutter sich schnell von ihrem Platz erhebt und neben Dad zu stehen kommt, ein Glas Weißwein in der Hand. Sofort spüre ich, wie Zacky sich wieder leicht verkrampft, doch noch während ich versuche, auszurechnen, mit welcher Geschwindigkeit ein Glas fliegen muss, um tödlich zu sein, seufzt sie leicht auf.
„Freut mich auch, Zachary“, würgt meine Mutter dann mit einem nur fast unmerklich gequälten Gesichtsausdruck hervor. Sie macht keine Anstalten, ihm die Hand zu geben oder sonst etwas zu tun, was ihre Worte unterstreichen könnte, doch falls es meinen Freund in irgendeiner Weise zu verletzen scheint, zeigt er es nicht.
Etwas steif nickt er ihr noch zu, bevor ich ihn mit einem entschuldigenden Lächeln an meinen Vater wieder weiterziehe, zurück durch die Menge.
„Genialer Auftritt, Jungs!“, höre ich noch leise die Stimme meines Seniors, dann prügeln wir uns wieder durch die Tanzfläche bis zu einem etwas ruhigeren Platz ein paar Meter neben den Stehtischen, die unsere Band plus Anhängsel eindeutig für sich beschlagnahmt haben.
Als wir so eindeutig noch lebendig und unverletzt wieder auf der Bildfläche erscheinen sind innerhalb von ein paar Sekunden sechs Augenpaare einheitlich neugierig auf uns gerichtet, doch ich zwinkere unseren Freunden nur schnell zu, bevor ich Zacky an seinen Gürtelschlaufen an mich ziehe.
„Na, was haben wir jetzt vor?“, frage ich ihn leise und mit einem vielleicht etwas dreckigen Grinsen, das er nur erwidert.
„Hmm… ich weiß nicht. Vielleicht deine Mutter zum Tanzen auffordern?“, gibt er in dem gleichen Tonfall zurück, und ich kann nicht anders, als etwas das Gesicht zu verziehen.
„Verdammt, das ist mal eine Art, die Stimmung zu ruinieren, mein Lieber…“
„Die zweite Option wäre natürlich den Auftritt zu feiern, ein bisschen was zu trinken und dann zu mir… Ich hab sturmfrei, nur so am Rande.“ Er grinst mich breit an, als ich meine Nase leicht an seine stupse und mir sogar einbilde, ein ‚Aww‘ und ‚Nehm euch ein Zimmer, ihr Idioten‘ von unseren Freunden zu hören.
„Bier, Zacky und Versöhnungssex. Was braucht Mann mehr?“, gebe ich dann lachend von mir, was mir einen leichten Schlag auf den Hinterkopf einbringt. Kommt aber nicht besonders ernsthaft an, da Zackys anderer Arm sich gerade um meine Mitte schlingt.
„Du spinnst.“
„Ich bin ehrlich und du stehst drauf.“
„Ich liebe dich, Blödmann.“
„Halt die Klappe. Ich dich auch.“