The Truth Is So Cold

GeschichteRomanze / P18 Slash
09.02.2012
30.06.2014
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
Schönen frühen Abend, ihr Lieben :)

Zu dem Chap gibt's nicht so viel zu sagen, also bekommt ihr diesmal keine herzergreifende Begrüßungsrede, sondern nur ein 'Viel Spaß' und einen Keks als Proviant.
Wer trotzdem einen Sinn für Blödsinn hat: http://insidethetruthissocold.blogspot.com/2012/03/10-pink-is-new-black.html

Und ich verkrümel mich jetzt denk ich wieder ins Bett. Kranksein sucks!

Stay dangerous & remember, red and gray is not the new fuckin' black xD
Lina & Franzy



10. Kapitel
Brians POV

„BRIAN!“ Müde starre ich Matt an und gähne. Es ist… Freitag. Und… früh. Und… wir haben Schule, wie ich gerade extrem intelligent feststellen muss. Wie kann er nur so unerträglich gute Laune haben?
Ein Blick zu Jimmy, den ich schlafend auf der Rückbank vermute, macht mich dann doch etwas stutzig. Denn mein bester Freund sitzt einfach nur kerzengerade da, wobei er fast mit dem Kopf am Autodach streift, und grinst mich so breit an, dass es fast schon wehtun muss.
„Okay, Leute… Ihr macht mir Angst“, gebe ich von mir und steige trotzdem ins Auto, darauf bedacht, nicht auf einer Bierflasche auszurutschen. Ganz ehrlich, züchtet Matt die da unter meinem Sitz? Ich könnte schwören, gestern waren da nur zwei und nicht… gefühlte fünfzehn.
„Sollen wir’s ihm sagen?“ Matt grinst in den Rückspiegel zu Jimmy, der mit einem ähnlich dümmlichen Gesichtsausdruck antwortet.
„Ich weiß es nicht. Oder lassen wir ihn raten?“
„Leute…“, knurre ich etwas schlecht gelaunt. „Sagt’s mir oder lasst es, aber hört bitte auf zu diskutieren. Ihr hört euch an wie zwei Tussis, die ihrem Lover sagen wollen, dass sie beide von ihm schwanger sind oder so.“
„Viiiel besser“, flötet Matt neben mir und startet Carrie so energisch, dass sie erst einmal abstirbt und mitten auf der Straße stehenbleibt. „Jakes Club sucht eine Nachwuchsband, um ihr Programm etwas aufzulockern, er hat uns vorgeschlagen und wir sollen heute Abend mal im Fallen vorbeischauen und uns das ansehen!“, rattert er dann hinunter, während Jimmy beginnt, hyperaktiv auf seinen Oberschenkel herumzutrommeln.
Einen Moment lang starre ich auf die Straße, bevor die Bedeutung des Ganzen langsam in den Schwamm in meinem Kopf, der sich auch Hirn nennt, einsickert und mir buchstäblich der Mund offen stehenbleibt. Dann gebe ich ein „HOLY FUCKING SHIT!“ von mir und zerquetschte fast Jimmys Arme, die sich begleitet von einem Lachen von hinten um meinen Sitz und meine Schultern schlingen.
„Meine Fresse, Matt! Das… das… Oh mein Gott!“, quietsche ich nur und hüpfe im Sitzen auf und ab, was bestimmt unglaublich toll aussieht, da mein bester Freund mich immer noch irgendwie umarmt. Ich wundere mich nie wieder, wenn Leute mich für schwul halten…
„Ja, Bri, JA. Alles wird gut“, gibt Matt in seiner besten Therapeutenstimme zurück, grinst mich aber selbst so breit an, dass seine Grübchen fast schon unnatürlich tief wirken. „Also, heute Abend um acht vorm Club. Ich hol dich ab, wenn du mir versprichst, bis dahin keine fremden Leute abzuknutschen oder vor Freude einen Herzanfall zu bekommen, gut?“ Ich nicke einfach nur, obwohl seine kleine Rede ziemlich bei einem Ohr rein und beim anderen Ende meines Biberkopfes wieder rausgeflutscht ist. Aber verdammt. Ich glaube, mir wird schlecht. Wenn ich jetzt schon schwul und schwanger wirke, will ich glaub gar nicht wissen, was der Tag noch so bringt…

Und ich habe Recht behalten, was den Tag anbelangt. Sowohl Matt als auch Jimmy haben kaum was dazu beigetragen, dass ich das Ganze irgendwie verdrängen und mich auf mein Schulzeug konzentrieren kann, und als dann auch noch Johnny angefangen hat, hyperaktiv um mich herumzuwuseln, hat sich mein Hirn komplett in den Stand-By-Freak-Out-Modus versetzt.
Und jetzt stehe ich halbwegs ruhig und nur mit einem Handtuch bekleidet in meinem Zimmer und suche meinen Hut. Meine Haare sind schon mehr oder weniger gebändigt und um meinen Kopf ist wie immer ein dunkles Bandana gebunden – irgendwie muss man den letzten Rest an Intelligenz ja zusammenhalten. Meine Augen habe ich halbherzig mit Kajal umrahmt, und da es sowieso nie perfekt wird, mache ich mir gar nicht mehr die Mühe, irgendwelche verwischten Spuren zu beseitigen. Gut sieht’s ja trotzdem aus.
Schlussendlich finde ich meinen grauen Fedora unter dem Sofa, setze ihn auf und betrachte mich in einem der Spiegel auf meiner Schranktüre. Perfekt. Fehlt vielleicht noch der letzte Schliff – eine Hose und ein Shirt, zum Beispiel –, aber sonst… kann ich mich eigentlich sehen lassen. Und ja, ich weiß, dass ich ein eitler Sack bin.
Schnell schlüpfe ich in Boxershorts, eine schwarze, zerrissene Jeans und ein dunkles Misfits-Shirt, dann stecke ich noch mein Handy, Schlüssel und etwas Geld ein und schlurfe mit einem Paar Socken in der Hand die Treppe hinunter ins Vorhaus. Meine Eltern sind bei irgendwelchen Bekannten eingeladen und haben mich mit einem „Trink nicht zu viel und mach keinen Blödsinn“ alleine sitzengelassen – ein Blick auf die Uhr verrät mir allerdings, dass ich nicht mehr lang einsam und verlassen hier herumvegetieren darf.
Und genau in dem Moment, als ich mich hinunterbeuge, um meine Socken anzuziehen, klopft es an die Tür, was darauf hindeutet, dass Matt davorsteht. Jeder andere meiner Freunde hat nämlich langsam verstanden, wo die Klingel bei uns ist…
Lächelnd und mit der zweiten Socke in der Hand mache ich ihm auf und begrüße ihn schnell. Ich kann förmlich spüren, wie unruhig Matt ist, doch ich versuche nicht einmal vorzutäuschen, dass ich mich beeile. Gelassen schlüpfe ich in meine schwarzen, ausgelatschten Chucks und richte noch ein letztes Mal meinen Fedora, dann folge ich dem Nervenbündel aus dem Haus und zu seinem Auto, in dem Jimmy und Johnny sich schon um die Vorherrschaft über die Rückbank prügeln.
Der Weg zum Club ist nur kurz, doch da Matt dazu neigt, zu viel zu trinken, wenn er nervös oder aufgeregt ist, haben wir ihn als Fahrer auserkoren. Schutz vor sich selbst, sagen wir – Beschiss beim Streichhölzerziehen ist seine Theorie. Jedenfalls haben wir uns geschworen, den heutigen Abend mehr oder weniger konzentriert hinter uns zu bringen, was am ehesten geht, wenn unser Sänger und eigentlich auch Bandleader halbwegs normal drauf ist.
Zielsicher biegt Matt vor dem Club, den ich an einem riesigen Schild mit der Aufschrift ‚The Fallen‘ erkenne, in eine Seitenstraße ab, die um das Gebäude herumführt, und parkt Carrie zwischen einigen dunklen, sehr neu aussehenden Autos auf einem kleinen Parkplatz. Gerade als ich aussteigen will, entdecke ich ein Schild, dass besagt, dass die Parkflächen ‚Nur für Mitarbeiter‘ zugelassen sind. Doch als ich schon fragen will, ob er’s sich mit den Clubbesitzern gleich verscherzen will, entdecke ich eine Gestalt am Hintereingang des Clubs, die uns zuwinkt.
Ein kleiner Blick auf die Statur des Mannes sagt schon alles. Jake ist ungefähr ein gleicher Schrank wie Matt, wenn auch weniger muskulös und etwas stiller – dafür hat er bessere Connections als alle Leute, die ich sonst kenne, was wahrscheinlich mit seiner Arbeit im Fallen zusammenhängt. Außerdem hat er ein Gedächtnis wie ein Computer, wenn es um Gespräche geht – sag einmal etwas Falsches und er erinnert dich Jahre danach noch daran. Und manchmal bin ich wirklich froh, dass sein Bruder diese Eigenart nicht auch geerbt hat…
„Abend, Jay“, rufe ich zu Matts Bruder hinüber und steige etwas umständlich aus Carrie aus. Jake erwidert den Gruß schnell und ruft auch den Anderen was zu, dann winkt er uns zu sich und schiebt uns durch einen etwas düsteren Gang in den vorderen Bereich des Clubs, wo er uns wortlos stehenlässt und verschwindet.
„Danke für die genaue Beschreibung, was wir tun sollen, Bruderherz“, höre ich Matt neben mir seufzen, doch keiner geht auf ihn ein. Denn… Holy Fuck. Ich glaube, ich bin im Himmel.
Der Hintereingang, durch den wir gekommen sind, hat uns genau neben eine riesige Bar mit auf alt getrimmten, aber schönen Lederbarhockern und einem ewig langem, dunklen Tresen gebracht. Davor sind vereinzelt Stehtische platziert, und an der rechten Wand dahinter erkenne ich eine breite, schwarze Tür, die wohl der Haupteingang des Clubs ist. In der Ecke neben der Tür stehen schwarze Ledersofas und kleine Tischchen und links davon entdecke ich weitere Stehtische, die mir aber herzlichst egal werden, als mein Blick auf die Bühne fällt, die genau gegenüber dem Eingang beginnt. Sie ist zwar nicht besonders hoch, aber sicher dreimal so groß wie Matts Garage, und… oh mein Gott. Ich will da rauf. Sofort.
„Holy fuck“, gibt Jimmy schließlich von sich, und an seiner Stimme kann ich hören, dass er dasselbe denkt wie ich. Johnny starrt einfach nur mit leuchtenden Augen in Richtung Bühne, und Matt will gerade was sagen – ‚Ich hab’s euch ja gesagt‘, jede Wette! –, als ein dunkelhaariger Mann durch eine Tür neben der Bühne kommt und lächelnd auf uns zuhält.
Er ist ungefähr gleich groß wie ich, hat dunkelbraune, lockige Haare und helle Augen, die uns sofort abschätzend fixieren. Ich schätze ihn auf vielleicht Mitte dreißig, und die Tatsache, dass er ganz locker in zerrissenen Jeans und einem Metallica-Shirt herumläuft, macht ihn mir sofort sympathisch. Ich meine, welcher fast Vierzigjährige macht das heutzutage einfach so?
„Hey, Jungs“, gibt der Typ von sich, als er uns erreicht, und lächelt uns breit zu. Dann sieht er unseren Bandleader an und legt den Kopf ganz leicht schräg.
„Du bist Matt, oder?“ Als der Angesprochene nur etwas perplex nickt, fängt der Fremde an zu lachen. „Du siehst wirklich aus wie dein Bruder, wenn man dich von der Weite sieht. Sorry, aber das kann man echt nicht leugnen…“
Locker stimme ich in sein Lachen ein und pieke Matt, der etwas verwirrt aussieht, leicht in die Seite. „Er hat Recht, Mattie, die einzigartige Schrankstatur liegt bei euch einfach in der Familie“, setze ich dann dazu und klopfe ihm aufreizend auf die Schulter, woraufhin er augenverdrehend gegen meinen Oberarm schlägt.
„Und du bist Brian, alles klar.“ Nun ist es an mir, komisch aus der Wäsche zu schauen. Denn ehrlich, woher weiß der…
„Der mit dem Hut und der großen Klappe, um Jake zu zitieren. Hat dich gut beschrieben“, grinst der Kerl mich an und wendet sich dann den anderen zwei von uns zu. „Und Jimmy, der ewig lange Kerl mit Drumsticks in der hinteren Hosentasche und etwas verpeiltem Gesichtsausdruck, und Johnny, dem man mal ein paar Fruchtzwerge geben sollte, damit er noch wächst. Freut mich, euch kennenzulernen.“
„Gleichfalls“, lacht Matt neben mir, und ich nicke nur, während ich fieberhaft nachdenke, wann ich vor Matts Bruder mal die Klappe zu weit aufgerissen habe. Vielleicht… ziemlich jedes Mal, wenn ich ihn gesehen habe? Ach Mist.
„An den Beschreibungen muss Jake aber echt noch arbeiten“, gebe ich noch von mir und bekomm ein zustimmendes ‚Mh‘ von Johnny, was den Typen vor uns köstlich zu amüsieren scheint.
„Ich denke, wir verstehen uns schon mal. Ihr könnt mich Dean nennen, und mir gehört das Chaos hier… oder so. Eigentlich macht Jake fast die ganze Scheißarbeit allein, aber erzählt‘s keinem, hm?“
Wieder geht kollektives Lachen durch die Runde, dann lotst Deans uns zu einem der Stehtische zu unserer Linken und lehnt sich mit abgestützten Ellbogen darauf. „Also, ihr seid eine Band, wir brauchen eine Band. Solange ihr keine Lady-Gaga-Covers macht oder mit Hip-Hop-Zeug und Styler-Stripperinnen antanzt, denke ich, ihr könnt gern einmal einen Probeabend hier spielen, wenn ihr wollt. Jake hat gesagt, ihr seid echt nicht schlecht, und der Junge hat Geschmack, also… Deal?“
Fragend sehe ich Dean an, doch er scheint es wirklich ernst zu meinen. Matt findet wohl als erster von uns seine Sprache wieder und gibt ein „Deal“ von sich, bevor er zu uns und dann wieder zum Clubbesitzer sieht. „Ist das eigentlich normal, dass man hier einfach so reinspaziert und gleich so ein Angebot bekommt?“
„Eigentlich ja nicht“, lacht Dean uns an, und ich muss gegen meinen Willen auch lächeln. „Aber Jake war echt von euch überzeugt, und… na ja, ich hab’s lieber, wenn sowas sozusagen in der Familie bleibt, wenn ihr versteht. Und Jake hat hier einfach viel zu sagen, was wohl euer Glück ist. Also… enttäuscht mich nicht, hm? Und wegen dem genauen Termin, fragt Matts Bruder. Der kennt sich da aus.“ Schnell winkt Dean uns noch zu, dann verschwindet er wieder durch die Tür, aus der er gekommen ist, und lässt uns etwas überrumpelt zurück.
„Okay“, seufzt Matt schließlich und fährt sich durch seine millimeterkurzen Haare. „Ich denke, wir basteln jetzt sofort an einer Setlist und trinken noch schnell was, bevor der Club offiziell aufsperrt und wir mit der Bandspionage loslegen können, hm?“
Ich will gerade freudig zustimmen – hey, was zu trinken ist immer gut! –, als er mich und Jimmy noch einmal warnend ansieht. „Aber, Leute… bitte keinen Absinth. Noch mehr Leute müssen hier nicht hören, dass pink das neue schwarz ist, ja?“