Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Secret Spell

von MinaAmaya
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
John Grimes
01.02.2012
31.03.2015
11
17.500
3
Alle Kapitel
37 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
01.02.2012 1.368
 
Ich ließ meinen Blick ein letztes Mal durch mein Zimmer schweifen. Mama hatte recht, es machte nicht den Eindruck, als würde es für länger als eine Woche verlassen. Daran war aber größtenteils meine eigenen Faulheit schuld, ich hatte lediglich meine zwei Lieblingsposter abgenommen, zusammengerollt, in einer Posterrolle verstaut und das Bücherregal um die sechs Werke meines Lieblingsautors erleichtert.
Die mit Kassenzetteln, Postkarten und Post-Its vollgestopfte Pinnwand ließ ich ebenso hier, wie den überraschend instabilen Stapel aus Abschlussprüfungsübungsbüchern, abgelaufenen Stundenplänen und wild mit Merkhilfen bekritzelten Blockblättern. Um dieses Chaos konnte ich mich ein einem Jahr auch noch kümmern.
Ich war siebzehn, durchschnittlich hübsch, durchschnittlich beliebt und überdurchschnittlich kreativ. Vor zwei Monaten hatte ich mein Fachabitur im Fachzweig Gestaltung geschrieben, dann angefangen nach Wohnungen in Karlsruhe zu suchen und schließlich beschlossen, ein Jahr als Au-pair ins Ausland zu gehen, bevor ich mich dem Wahnsinn der Wohnungssuche weiter auslieferte.
Kanada, Amerika, Australien und sowieso alles, was nicht in mehr oder weniger unmittelbarer Reichweite lag, war meiner notorisch überbesorgten Mutter zu weit weg. Da meine Sprachkenntnisse in Norwegisch, Schwedisch, Finnisch oder Spanisch zu gering, um nicht zu sagen, nicht vorhanden waren, blieben auf der Weltkarte nur noch England, Schottland und Irland.
Bei der Erwähnung von England hatte mein Vater schon stapelweise Rechnungen auf sich  zukommen sehen und meine Mutter hatte Schottland von vornherein gestrichen, da ich mir dort bei dem ganzen Regen noch den Tod holen würde. Somit waren meine Eltern einstimmig überein gekommen, dass ich in Irland mehr als Schafe streicheln und mich mit Kobolden streiten sowieso nicht anstellen könnte. Geringe Kosten. Geringes Risiko. Perfekt - in den Augen meiner Erziehungsberechtigten.
Ich jedoch hätte mir ein wahrlich spannenderes Reiseziel als Dublin vorstellen können, doch auch mein Betteln nach London oder New York war erfolglos geblieben. Also hatte ich mir zähneknirschend mit der grünen Insel abgefunden und angefangen zu packen.

„Maya!! Kommst du jetzt bitte?!“ Meine Mutter ist immer überpünktlich, man kann sich glücklich schätzen, in ihrer Gegenwart nur eine halbe Stunde zu früh irgendwo zu erscheinen. In dem Sinne komme ich auch definitiv nicht nach ihr, schließlich musste ich mich jeden Morgen abhetzen, um meine U-Bahn zur FOS nicht zu verpassen. Der simple Grund für die immer wiederkehrende Hektik ist, dass ich nunmal keinen Tag beginnen kann, ohne wenigstens eines meiner Lieblingslieder gehört zu haben, bevor ich aus dem Haus gehe.
Aber im Moment lief weder Musik, noch konnte mir irgendwo eine U-Bahn vor der Nase wegfahren. Und mein Flug startete in zwei Stunden. Also bitte, kein Stress! Und überhaupt, es war erst halb zehn! Vormittag! Ich hatte alle Zeit der Welt! Vielleicht ...
„Mam, keine Panik, das Flugzeug wird sicher nicht aus reiner Bosheit früher starten, nur um dich zu ärgern!“, rief ich zurück und goss noch ein letztes Mal den Farn auf meinem Schreibtisch. Zum Glück war ich in fünf Minuten hier draußen, sonst würde diese arme Kreatur heute noch den Tod durch Ertrinken erleiden ...
„Gott sei Dank kennst du nicht genügend englische Wörter, um in Irland genauso sarkastisch sein zu können!“, kam es von der Tür.
„Hast du eine Ahnung, wofür gibt es Wörterbücher!“, gab ich zurück und ließ ein letztes Mal meinen Blick wehmütig über die mit größeren oder kleineren Zeichnungen verzierten Wände, die bunten Teelichter und all die anderen vertrauten Gegenstände wandern.
„Meine Güte, deine Gasteltern haben ja keine Ahnung, worauf sie sich einlassen ... und jetzt schwing die Hufe meine Süße, sonst verpasst du deinen Flug wirklich!“ Meine Mutter lächelte und strich mir über den Rücken. Sie wusste genauso, wie schwer mir der Abschied fiel. Aber ich hatte mich bewusst für ein Jahr im Ausland entschieden, da würde ich jetzt den Teufel tun und einen Rückzieher machen!

Zum ersten Mal in meinem Leben war ich wirklich froh, dass wir zu früh dran waren: Meine Mutter schaffte es einfach nicht, sich zu verabschieden!
„Maya, bist du auch sicher, dass du nichts vergessen hast?!“, fragte sie nun schon zum fünften Mal und diesmal schwang leichte Hysterie mit.
„Mama, wenn man drei Wochen seines Lebens mit Packen verbringt, ist es unwahrscheinlich, etwas zu vergessen!“ Langsam aber sicher war auch mein Geduldsfaden zu Ende. Ich wollte nur noch ins Flugzeug steigen, mir Musik auf die Ohren packen und mich dann von dem Jahr ohne Eltern überraschen lassen.
„Ja, aber wenn doch...?“
„Bitte! In Irland gibt es Supermärkte! Ich kann sämtliche lebenswichtigen Dinge nachkaufen und mehr als die paar Pässe, die du mir höchstpersönlich in den Rucksack gesteckt hast, brauche ich nicht!“ Ich rang verzweifelt die Hände. Wenn das so weiter ging, würde ich meinen Flug wirklich noch verpassen ...
„Na gut. Dann pass auf dich auf, mein Schatz!“ Meine Mutter umarmte mich ein letztes Mal und ich nutzte den Augenblick, in dem sie meinen Vater um ein Taschentuch bat, um dem noch einmal zuzuzwinkern und mich still und leise aus dem Staub zu machen.

Am Dubliner Flughafen traf ich angenehmer Weise weder auf Schafe oder Kobolde, noch war alles mit Gras und Klee bewachsen. Dafür stand ein wohl etwa dreißigjähriges Ehepaar mit einer kleinen Tochter und einer monströsen schwarz-weiß gefleckten Dogge hinter der Absperrung und hielt ein Schild hoch: O‘Breen.
Juhu, mein Albtraum von stundenlangem warten, mutterseelenallein am Flughafen hatte sich also schonmal nicht bewahrheitet!
„Du bist Maya, richtig? Ich bin Mona!“ Die junge Frau, Mona, strahlte mich an, wie einen Lottojackpot und streckte mir ihre Hand entgegen. Sie hatte wunderschöne rote Locken, angeblich typisch irisch, wenn man dem Internet Glauben schenken konnte, helle blaue Augen und blasse Haut. Sie war mir von Anfang an sympathisch.
„Hi, ich bin Owen! Wie war dein Flug?“ Auch ihr Mann stellte sich höflich vor und betrachtete mich aufmerksam. Im Gegensatz zu Mona hatte Owen jedoch dunkle Haare und dunkle Augen. Zwischen den Beinen der beiden stand das kleine Mädchen, klammerte sich an der Jeans seiner Mutter fest und betrachtete mich mit großen blauen Augen mit unverhohlenem Interesse. In seinen hellbraunen Locken steckten glitzernde Schmetterlingsspangen, das sonnengelbe Kleidchen war voller bunter Blumen und auf den offensichtlich heißgeliebten, da schon reichlich strapazierten Schuhen strahlten Disney-Prinzessinnen um die Wette.
„Super, keine Notlandung, kein Triebwerkausfall.“ Ich grinste und ging dann in die Hocke, um mit der Kleinen auf Augenhöhe zu sein „Und wie heißt du? Belle?“ Ich deutete lächelnd auf die königlichen Schuhe.
Das kleine Mädchen strahlte ein breites Zahnlückenstrahlen und schüttelte den Kopf, dass die nicht gebändigten Haarsträhnen wild herumflogen.
„Enya! Aber ich will auch mal Prinzessin werden!“
Ich musste lächeln. Den gleichen Berufswunsch hatte ich in dem Alter auch gehabt.
„Na, ihr zwei scheint euch ja gesucht und gefunden zu haben!“ Mona nahm mir einen Koffer und eine Reisetasche ab, sodass ich Enya an die Hand nehmen konnte. Zudem drückte mir Owen die Hundleine der Dogge in die Hand. Du liebte Zeit!
„Das ist Dusty. Keine Sorge, er sieht nur so furchteinflösend aus, aber er jagt nicht mal Schafe.“, versicherte Owen mir und schnappte sich meine anderen beiden Koffer. Na ja. Wenn er das sagte ...
Ich ruckte zaghaft an der Leine, Dusty wandte mir seinen braunen Hundeblick zu, schnupperte kurz an meiner Jeans und setzte sich gnädig in Bewegung.
„Siehst du: Er mag dich! Du kannst ihn immer gleich mitnehmen, wenn du Enya in die Schule bringst und abholst. Genauso beim Turnen und Reiten. Da ist es gut, wenn ihr euch gleich von Anfang an, aneinander gewöhnen könnt!“, erklärte Mona und steuerte einen schwarzen Geländewagen auf dem Parkplatz des Flughafens an. Dort bestieg Dusty auch sogleich brav und ganz von selbst die Hundebox im Kofferraum, Enya kletterte in ihren Kindersitz und ich schnallte sie an und setzte mich daneben.
„So liebe Maya!“ Mona drehte sich vom Beifahrersitz aus zu mir nach hinten und grinste mir vielsagend zu „Wir fahren jetzt als erstes nach Hause, zeigen dir alles und du kannst dich einrichten. Auf der Fahrt kann ich dir ein bisschen was von unserer Landschaft zeigen, soweit wir was davon zu sehen kriegen und wenn du möchtest, kannst du Enya heute Nachmittag zum Turnen bringen, zur Probe sozusagen! Und vergiss nicht: Wenn dir hier irgendwo Kobolde begegnen, die Guiness-Bier trinken und mit Kleeblättern jonglieren: Das ist alles typisch irisch!“

-----------------------------------------------------

Tut mir Leid, in dem Kapitel war leider noch nicht wirklich viel mit Jedward ... Oo Kommt aber alles im nächsten, versprochen! :)
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast