Die Liebe eines Gottes

von Jelibaer
GeschichteRomanze / P12
Ares Xena
01.02.2012
01.02.2012
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Einst war ich ein Gott.

Der Gedanke daran bringt mich zum Lachen,
Eine jämmerliche, ungewöhnliche Art von einem Lachen.
Ich lege meinen Kopf in meine von schmutz-befleckte Hände und kneife meine Augen zusammen, denn eine unnatürliche kalte Nachtluft umhüllte mich.
Mir war es so, als wenn die Erde einen sehr schweren Verlust zu erlitten hatte.
Der Wind wehte durch die zarten Zweige des Ahornbaums. Dadurch zerbrechen die Zweige und fielen auf die Erde.
Unter mir bebt die Erde stark, und drohte, sich zu öffnen, um alles zu verschlucken, wer auch immer es wagen würde, sich ihm in den Weg zu stellen.
Was für ein gebührendes Ende würde das für einen ehemaligen Gott sein. Ich lache wieder.

Ich merke, dass sich rechts neben mir etwas bewegt und ich weiß, dass sie neben mir steht. Ich konnte sie meilenweit spüren. Wenn ich grade meine Augen schloss und mich konzentrierte, konnte ich sie sehen, wo auch immer sie sich auf der Welt befand. Es war ein Geschenk, das ich nie wieder erleben würde. Sie blieb still, und ich spürte, wie ihre Augen sich auf mich richten, und meinen traurigen Zustand begutachteten. Was muss sie wohl jetzt von mir denken? Sie hasste mich, als ich ein Gott war. Nun muss ich für sie wohl erbärmlich sein.

Damals habe ich nicht wirklich darüber nachgedacht, was ich aufgeben würde.
Alles, woran ich denken konnte, war, die Liebe meines Lebens vor meinen Augen sterben zu sehen, wenn ich nichts dagegen gemacht hätte.
Als ich Eve und Gabrielle heilte, wusste ich nicht, was zu erwarten war oder sogar, was es für mich bedeuten würde. Wie kann man bloß seine Kräfte aufgeben, um das Leben einer Sterblichen zu retten? Es ist nicht grade das, was den Götter entspricht.
Da war ich also, und warte darauf, dass ein Wunder geschieht.
Ich erinnere mich an das widerliche Gefühl in meinem Magen, wenn ich daran denke, dass ich sie nach allem, vielleicht nicht heilen könnte.
Dann traf es mich wie ein Blitz, der durch meinen ganzen Körper saust.
Ich spürte meine Kraft, die langsam von mir ablässt.
Es floss durch meine Arme und durch meine Fingerspitzen, und in dem Körper eines Sterblichen, indem ich nun stecke. Alles, was ich je wusste, da war ich mir sicher, erlöschte in diesem Augenblick.
Als ich das letzte Funken meiner Macht verschwinden spürte, wusste ich, dass es nie mehr das gleiche sein würde.

Beinahe vergaß ich, dass Xena neben mir war, und springe dann erschrocken auf, als eine Hand meinen Arm berührte.

"Ich bins nur", sagt sie ruhig, während unsere Augen sich anblickten.
Ich schaue sie an, sprachlos, und nehme eine Mischung aus Erleichterung und Angst wahr.
Erleichterung, weil sie gesund und munter ist, und Angst, weil ich weiß, dass sie mich nie lieben wird, so wie ich sie liebe.

Sie sitzt neben mir auf dem flachen Felsen, und erinnere mich an die vergangenen Stunden zurück.
Ein paar Meter weiter, höre ich Eve und Gabrielle, wie sie versuchen, etwas erfolglos ein Feuer zu entfachen.
Es scheint, dass der Wind wohl was anderes vor hatte.

Xena schwieg, als wir uns gegenseitig anstarren und blickten auf die endlosen Weiten der Bäume und Büsche vor uns.
Ich seufzte tief und zuckte bei den stechenden Schmerzen in meiner Schulter zusammen. Es störte mich schon seit einiger Zeit, aber ich war nicht bereit, es jemanden zu sagen, vor allem nicht Xena. Der Schmerz bekümmert mich nicht, ich bin ja daran gewöhnt, aber es ist nicht der Schmerz, das mir angst einjagt. Ich meine, man kann sagen, ich habe angst vor der Schwäche, die sich zeigen lässt.

Ich gewinne schnell meine Gelassenheit zurück, aber nicht schnell genug, denn Xena bemerkte sogleich, dass etwas nicht stimmte. Ich verfluche mich für meine Schwäche, die ich für sie empfinde. Götter dürfen keine Schwäche zeigen.

"Du bist verletzt. Warum hast du es mir nicht erzählt?” fragte sie, mit einem Hauch von Besorgnis in ihren Augen.

Ich richte meine Schultern auf und wende mich von ihrem Blick ab. "Mir geht es gut", lüge ich, aber ich weiß, dass sie es mir nicht glaubt. Für einen Augenblick schwieg sie wieder und dann, ohne Vorwarnung, betastet sie mit der Hand meine Schulter. Der Schmerz rührte mich fast zu Tränen. Instinktiv erfasse ich mit der anderen Hand meine schmerzenden Schulter und erblicke die provokante Frau zu meiner Rechten an.

"Bist du jetzt zufrieden?" knurre ich, und bin sichtlich aufgebracht wegen meinem Stolzes.

"Natürlich nicht", antwortet sie. "Ich wusste, dass du niemals zugeben würdest, dass du verletzt bist. Man bracht dabei, sich nur deine verrenkte Schulter zu sehen, und wenn du willst, dass die Schmerzen nicht noch schlimmer werden, dann lässt du dich von mir helfen."

Ich sag kein Wort, sondern sehe ihr erstaunt dabei zu, wie ihre schlanken Finger an meiner Lederjacke griffen und es vorsichtig von meinen Schultern abnahm. Ihre Hände strichen mit Leichtigkeit über meine Arme, und stützen sich an einer Stelle ab, an der die Schultergelenke sitzen. Durch die Zärtlichkeit ihrer Berührungen schließe ich meine Augen, und schweige ehrfürchtig. Dass eine so mächtige Frau so sanft und fürsorglich sein kann.

"Das könnte ein bisschen weh tun", ermahnte sie mich und im nächsten Atemzug renkte sie meine Schulter wieder ein. Dieses Mal habe ich meine Augen vor Tränen bewahrt, obwohl die Schmerzen immer noch unerträglich waren. Xena löste ihren Griff und ich versuche vorsichtig, meinen Arm zu bewegen. Zu meinem Erstaunen sind die Schmerzen verschwunden.

Sie muss den erstaunten Ausdruck auf meinem Gesicht bemerkt haben, da sie nun lacht und den Kopf scherzhaft schüttelte. "Was habe ich schon zu erwarten? Ihr Götter hört nie auf uns Sterbliche ... " sagte sie, dann aber biss sie sich schnell auf die Lippen. Sie atmet schwer.

Ich starre auf meine Hände, bevor ich den Mut ergreife, ihr wieder in die Augen zu sehen. Kaum tue ich es, kann ich sehen, dass sie keine Feindschaft zwischen uns mehr erkennt. Sie hatte es nur für einen Augenblick vergessen. "Ares", fing sie an zu verlauten, aber dann stockte sie. "Ares, es tut mir leid. Ich meine nicht, dass  ... "

"Ist schon gut", versichere ich ihr. Er will nicht, dass sie sich entschuldigt. Es gab nichts zu entschuldigen. Wie ein nachträglicher Gedanke, füge ich noch hinzu, "Es fühlt sich jetzt besser an ... meine Schulter, meine ich."

Sie nickt verständlich. Für die nächsten paar Minuten sitzen wir schweigsam zusammen, jeder von uns denkt über die Ereignisse der letzten Stunden nach. Dann sagt sie etwas, das mich unvorbereitet trifft und ich bin mir nicht genau sicher, wie man darauf reagieren soll. Sie dreht sich langsam zu mir um und wartet, bis ich ihr Blick wahrnehme. Dann sagte sie drei einfache Worte, drei Worte, die mir irgendwie zeigen, dass sich all das gelohnt hatte.

"Danke schön, Ares."

Das erste Lächeln, das ich seit langer, langer Zeit auf meinem Gesicht wahrnahm.

"Gern geschehen."

Wieder blicken sie sich an, dann kam Xena näher, und küsste ihn zärtlich auf den Mund. Ares erwiderte den Kuss, und hielt sie ganz fest in den Armen.
Xena fühlte sich dabei plötzlich so gut. Eine ungewöhnliche Wärme machte sich in ihrem Körper breit. Ares jedoch genoss jeden Augenblick, wie oft bekommt er denn die Gelegenheit ihr so nahe zu sein.
Sie ließen sich aufs Gras sinken, und Ares küsste dann ihren Nacken bis hin zum Brustansatz.
Während Ares sie voller Begierde und Lust küsste, schloss Xena die Augen, und verlor sich in Gedanken.

Sie überlegte, dass Ares als Sterblicher vollkommen anders ist, als, wenn er ein Gott wäre. Vielleicht hat ihm nur seine Göttlichkeit daran gehindert, sanft und lieb zu sein.
Sie fühlte ihm gegenüber keinen Abscheu und Verachtung mehr. Schon von dem ersten Moment an als sie ihn traf, spürte sie eine enge Verbundenheit zu ihr, das ist wohl auch der Grund, warum sie immer wieder seine Anwesenheit wahr nahm, obwohl er unsichtbar war.
Hhm, vielleicht sollte ich unsere Differenzen beiseite legen, und ihm eine Chance geben, mir zu beweisen, dass er auch ganz anders sein kann, dachte sie. Und mal sehen, was sich daraus ergibt, und vielleicht überrascht er mich ja, man weiß nie.

„Ich liebe dich, Xena.“, sagte Ares sanft.

Genau diese Worte riss Xena aus ihren Gedanken.
Sie öffnete die Augen wieder, und lächelte ihn liebevoll an.
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