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*** Süßes Fleisch *** // Sin City

KurzgeschichteAllgemein / P12 / Gen
01.02.2012
01.02.2012
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Süßes Fleisch

Ich bin nun mal, was ich bin. Viele sagen, ich bin ein Monster, der Rest kennt mich nicht. Ich bin kein Monster, ich bin ein Werkzeug Gottes, seine Hände führen mich, ich folge seinem Weg und kann ihn hören. Das ist meine Gabe, das war sie schon immer. Ich kannte es nicht anders, der Drang in mir war so groß, zu groß, um wiederstehen zu können. Ich bin dem Fleische gegenüber zu schwach, aber er sagte mir, dass ich schwach sein muss, um den Weg zu ihm zu finden. Und dennoch ist diese Gabe zu gleich die größte Qual, die ein Mensch verspüren kann, wenn ich überhaupt noch ein Mensch bin. Ich muss meinen Hunger stillen, denn er sagt, dass ich es muss und mein Wille ihm zu widersprechen ist zu schwach, ich leide darunter und werde es immer tun. Ich kann mich nicht aufhalten, niemand kann das, ich denke, es wird an der Zeit, dass ich gestoppt werde, damit ich zu ihm und die Menschheit wieder in Sicherheit leben kann. Doch solange dieser Zeitpunkt nicht gekommen ist, werde ich meine Aufgabe weiter ausführen und dabei leiden.

Ich fuhr nach Old Town. Normalerweise ließ ich sie zu mir bringen, aber heute verspürte ich Lust, selbst zu jagen, hier kannte mich niemand. Ich ging in die Bar, in diese eine Bar, denn hier würde ich nicht nur meinen Hunger stillen können, nein, es würde mir noch viel besser schmecken, der Unterschied lag in der Qualität. Ich trat ein, ging aber nicht an die Theke. Zog mich in eine dunkle Ecke zurück, von der aus ich beobachten konnte. Ich bin kein Löwe, kein Tiger, werde nicht blind vor Hunger. Mich durstet nur nach diesem süßen Geschmack auf den Lippen. Ich ließ meinen Blick durch das Getümmel schweifen und entdeckte mehr als nur ein Opfer, dass für mich in Frage kommen sollte, ich musste nur lange genug auf den Moment warten, an dem ich nahe genug an ihre weiche Haut heran kam, das würde genügen.

Da sah ich sie. Sie hatte langes, blondes Haar, ihr Körper hatte eine herrliche Figur, nicht zu wenig, was mir sehr wichtig war. Ihre blauen Augen blitzten durch den Raum, und sie legte ihre schönen Lippen an ihr Glas, um daraus zu trinken. Sie gehörte nicht hierher, das sah man und dennoch ließ sie den Eindruck vermitteln, genau hier her gehören zu wollen. Ihre Bewegungen waren graziös, der Glanz in ihrem Gesicht weiblich und warm. Bei all den Frauen in diesem Raum, wollte ich sie schmecken, ihren Körper unter meinen Händen sehen, ihre vom Schweiß feucht gewordene Haut streicheln, das Verlangen nach ihr wurde unerträglich. Doch ich hatte keine Möglichkeit, mich ihr zu nähern.
Ich ging nach draußen, wartete im Schatten der Laterne, bis ich ihre Absätze auf den Stufen der Treppe hören konnte. Sie hatte mich nicht bemerkt, keiner konnte das, ebenfalls eine Gabe, die nur der anderen Gabe diente. Ich würde mich ihr von hinten nähern, damit es schnell ging und sie nicht leiden musste, was auch mein Gewissen linderte. Ich trat hervor aus dem Schatten, der Wind ließ ihren Duft in meine Nase steigen. Ich hatte schon viele Frauen gerochen, aber keine hatte einen so lieblichen Duft, wie sie. Ich tat einen Schritt, unhörbar für jedes menschliche Ohr und konzentrierte mich auf mein Ziel...
Dann geschah etwas, dass das Band zwischen dem Monster und der Schönen brach. Sie wandte sich um und sah mich an. Nur wenige Schritten trennten uns und ihre Augen funkelten mir scharf entgegen. Wie hatte sie mich hören können, wie konnte das sein? Ich ließ mich dadurch nicht aus der Ruhe bringen, denn die Ruhe leitete mich jeden Tag, um meine Sache durchziehen zu können. Sie kam einen Schritt näher auf mich zu und nun, da ich sie mir so nah war, konnte ich ihre Wärme spüren, die direkt in mein Herz drang und mich von innen her glühen ließ. Ich ging den nächsten Schritt, sie war ebenso ruhig wie ich und anscheinend legte auch sie keinen Wert auf Worte. Wir standen uns nun direkt gegenüber, ich konnte ihre Brust vor mir sehen, die sich unter jeden Atemzug hob und senkte. Sie machte den Eindruck auf mich, wie ein Kind, dass nicht wusste, wo es hingehörte und gleichzeitig wie eine Frau, die nirgendwo anders sein wollte, als genau hier. Ihr Haar wehte im Wind. Sie faszinierte mich, ohne jeden Zweifel. Ich musste gestehen, dass die Lust auf ihren süßen Geschmack sich in den Hintergrund drängte, ich wollte mehr von ihr wissen, bevor ich durch sie zu Gott sprechen konnte.
Ich konnte die Magie spüren und sie erfüllte mich fast ebenso heftig, wie die Materie selbst, die vor mir stand. Sie blickte mir tief in die Augen, ihre Lippen leicht geöffnet, sie wollte mich, sie hatte es mir durch ihr Lächeln, dass sich eben auf ihr weiches Gesicht gelegt hatte, verraten. Ich kam ihr mit meinem Kopf entgegen und noch bevor sie die Zeit hatte, ihre heißen Lippen noch etwas an zu feuchten, hatte ich die meinen schon darauf gelegt. Sie stieg ein in mein Spiel, folgte der Aufforderung meiner Zunge, legte mir ihre Hände in den Nacken und küsste mich, als ob sie damit ihr Leben freikaufen wollte. Ich sah sie an, diese wundervolle Frau, ich begehrte sie, auch wenn ich diesmal nicht wusste, wie. Ich lächelte sie an, das war meine Art gewesen, mit ihr zu reden, denn meine Stimme ließ ich nur ihn hören, aber sie verstand mich, sie folgte mir, sie vertraute mir.

Schon einige Frauen hatte ich nackt vor mir liegen sehen, doch dieser Anblick raubte mir den Atem und den Verstand. Normalerweise ließ ich den Blick über ihre nackten Körper schweifen und entschied dann, an welchem Punkt ich beginnen würde. Aber ich fand bei ihr weder einen Anfang, noch ein Ende. Auf meinem Bett lag nur sie, in einem ganzen Stück und ich wollte sie.
Ich schlief mit ihr, wie ich es mit noch keiner anderen Frau getan hatte, ich gab mich ihr hin, erlöste mich in ihrem Körper, stöhnte in ihr Ohr und liebkoste jeden cm ihrer Haut. Ich küsste ihre sanften Lippen und biss hinein, ohne das Verlagen zu verspüren, meine Zähne noch tiefer in ihre Fleisch zu graben. Wir gaben uns einfach hin und je mehr sie mir von ihrer Liebe gab, umso mehr verging das Verlangen nach ihrem süßen Fleisch. Dieser Hunger ging, aber der Hunger nach ihrer Liebe, nach ihrem Lächeln und ihrer Wärme wurde für mich unstillbar groß.
Sie schlief ein, in meinem Arm, sie hatte keine Angst. Sie hatten alle Angst, aber in diesem Moment gab es dieses Gefühl in diesem Raum nicht. Anfangs wollte ich sie zu meinem Opfer machen, und sie wäre ein wundervolles Opfer geworden, aber ich konnte nicht, nicht bei ihr. Sie war so schön, wie die Stimme Gottes, man durfte sie nicht vernichten, man musste sie beschützen.

Sie öffnete am nächsten Morgen die Augen, ohne zu wissen, dass ich die meinen die ganze Nacht über nicht geschlossen hatte. Zu sehr musste ich den Augenblick genießen, sie in meinem Arm zu halten, sie küssen und spüren zu können, ohne dadurch Qualen erleiden zu müssen.
Sie lächelte mich an und auch, wenn es immer dunkel in Sin City zu sein schien, erstrahlte an jenem Morgen mein Zimmer.
„Guten Morgen!“ Ihre zarte Stimme jagte mir eine Gänsehaut über meinen Körper, ein Gefühl, dass ich schon vergessen hatte.
„Guten Morgen!“ erwiderte ich. Wenn ihre Gestalt schon so rein wie Gottes Stimme war, dann durfte sie auch die meine hören.
Sie streichelte mir sanft über meine Wange und durch mein Haar. Sie war glücklich, und ich hatte dieses Gefühl in ihr ausgelöst. Normalerweise war ich der Versucher von Leid und Schmerz, aber das hier fühlte sich einfach noch richtiger an. Ich liebte sie.... Ich vergötterte sie...

Noch am selben Abend hatte sie die Stadt wieder verlassen. Auch sie hatte mir ihre Liebe anvertraut, aber sie konnte nicht bleiben. Ich frage mich heute noch, ob auch sie eine meiner Trophäen geworden wäre, wäre sie nicht gegangen, aber ich weiß, dass die Antwort nein gewesen wäre. Sie hatte meinen Durst mit ihrer Wärme und Liebe gestillt, das konnte und durfte nur sie. Sie war an jenem Tag die erste Frau, die lebend mein Zimmer wieder verlassen hatte, und ich war mir sicher, dass sie eine Ahnung von meinem dunklen Geheimnis hatte, doch auch wenn, ihre Angst wich ihrem Verlangen nach mir.
Auch noch heute lasse ich mir meine Opfer bringen, immer und immer wieder und spreche zu Gott, der mir diesen Weg und diese Qualen auferlegt hat. Das konnte sie und auch diese Nacht mit ihr nicht ändern. Allerdings erhob ich den Befehl, dass nie mehr eine Frau mit blauen, funkelnden Augen mein Grundstück betreten durfte...


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Ich war der Gefahr entkommen, hatte das Raubtier gebändigt und wusste noch nicht mal, wie ich an dem Tod vorbei kam. Es ging schon ewig das Gerücht herum, dass es ihn gab, und es war bekannt, was er tat, doch bestätigen konnte das nie jemand. Er verschlang alles, die Beweise, die ganze Wahrheit.

Ich konnte ihn spüren, sein Herz klopfen hören, ich wusste, dass er es war, und ich war bereit, ihm in die Augen zu sehen, dazu musste ich mich nur umdrehen. Und mein Gefühl hatte mich nicht getäuscht. Aus dem Nichts war er gekommen. Er sah mich mit glänzenden Augen an, mein Puls beschleunigte sich, er war wundervoll, er war gefährlich. Wenn es so sein sollte, dann wollte ich meinem Schicksal in die Augen sehen, in seine Augen sehen. Ich trat einen Schritt auf ihn zu, seine unglaubliche Stärke machte mich schwach in seinen Händen, er hatte eine Ausstrahlung, wie niemand sonst hier in dieser Stadt. Er kam auf mich zu und küsste mich. Ein Kuss, mit solch plötzlicher Leidenschaft, Intensität, so voller Gefühl von einem kalten Mann, raubte er mit die Sinne. Ich wusste, ich war dem Tod näher, als ich es realisieren konnte, doch ging ich mit ihm, vertraute ihm und war doch bereit, mich meinem Schicksal hinzugeben...

Ich liebe ihn, ich liebe dieses Monster, diesen einzigartigen Mann, mit der Stimme eines Engels. Ich wusste nun, er würde mir nie ein Leid zufügen, mich von Schmerzen befreien und doch konnte ich nicht bei ihm bleiben. So teilte ich mit ihm diese eine Nacht, bekam mehr, als ich mir erträumen konnte, gab mehr, als ich geben konnte, hatte mich in ihm verloren...
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