Der Prinz und seine Braut

GeschichteAbenteuer, Romanze / P12
31.01.2012
31.01.2012
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Der Prinz und seine Braut

Vor vielen Jahren lebte ein alter König mit seinen drei Töchtern im Schloss seiner Ahnen.
Die beiden älteren Mädchen stammten aus einer früheren Ehe der Königin. Mit dem König hatte sie eine Tochter. Jedoch starb die Königin kurz nach der Geburt ihrer jüngsten Tochter.
Die Prinzessinnen waren alle samt wunderschön, doch die Schönheit der jüngsten Königstochter überstieg alles, denn sie war die Schönste, doch zum Übel ihres Vaters auch die Aufmüpfigste. Sie weigerte sich, sich einen künftigen Gatten auszuwählen und erlernte viele Dinge, die eine Frau nicht können sollte. Ihr Name war Fantaghiro. Sie war ein 17-jähriges Mädchen mit kastanienbraunen, lockigem Haar und braunen Augen. In ihrem Land herrschte seit undenkbaren Zeiten ein Krieg, den sie endlich beenden wollte. Sie ritt als Ritter verkleidet zu einem Duell, das der feindliche junge König vorgeschlagen hatte. Dieser hatte sich bereits einige Zeit vor der Herausforderung zum Duell in ihre Augen verliebt und suchte sie nun überall. In jenem Moment entbrannte sein Herz für sie. Er fand sie schließlich in den Augen seines Gegners. Nach einigen Verzögerungen fand das Duell zwischen den beiden doch noch statt. Das Duell der Kontrahenten verlief aber anders, als angenommen, denn gleich nach dem Duell verließ Fantaghiro den Platz, ohne Romualdo getötet zu haben.
Jedoch das Schlimme war, dass schon sehr schnell das Gerücht, dass der Graf eine Frau sei, die Runde machte. Es war der verräterische General, der diese Tatsache der Welt kund gab und hinaus brachte.

Romualdo rief sein Parlament am nächsten Tag des zu einer Versammlung zusammen. Es war sehr dringlich, weil es die Gerüchte, was den Gegner Romualdo’s betraf. Seine engsten Freunde und Vertrauten, Ivaldo und Kataldo, saßen beide neben ihm. „Euer Majestät! Alles spricht für einen Verrat des feindlichen Königs. Das Verhalten des Feindes ist unverzeihlich! Es ist nicht nur eine Beleidigung für Euch, sonders für das ganze Land. Diese Demütigung dürft Ihr nicht als Sieg anerkennen“, dementierte einer der Ratsmitglieder. Kataldo seufzte, denn er legte einen gewagten Ton an den Tag. „Ihr habt Recht! Es ist eine schwere Demütigung, aber ein Fortführen des Krieges liegt nicht in meinem Sinne. Dieser Krieg muss ein Ende finden“, stellte Romualdo klar. Ein anderes Ratsmitglied erwiderte: „Euer Majestät! Alle Beteiligten dieses Komplotts sind zur Rechenschaft zu ziehen und dieses Weibsbild verdient es bestrafft zu werden!“ Kataldo rollte die Augen und blickte zu Romualdo. Romualdo war über den Tonfall seines Ratsmitgliedes sehr erzürnt. „Ich entscheide selbst, ob die Beteiligten zu Rechenschaft gezogen werden oder nicht, außerdem werde ich eine Botschaft an den feindlichen König aufsetzten und ein erneutes Duell fordern“, teilte Romualdo mit.

Es war tiefste Nacht, als Fantaghiro ins das Schloss ihres Vaters zurückkehrte. Sie war völlig erschöpft und todmüde, denn sie war Tag und Nacht geritten. Sorgenvoll wurde sie von ihren Schwestern, Katharina und Karolina, empfangen. „Fantaghiro! Gott sei Dank bist du zurück!“, rief Katharina sorgend. „Etwas ganz fürchterliches ist geschehen“, rief Karolina panisch. Fantaghiro’s Augen weiteten sich vor Entsetzten. „Was ist denn geschehen?“, rief Fantaghiro erschrocken. Die Schwestern eilten herbei, zu ihre kleine Schwester. Sie weinten fast vor Trübsinn. „Nun sprecht doch endlich!“, beschwor Fantaghiro ihre Schwestern. Katharina sprach nun endlich: „Es ist schrecklich! Der Vater ist schwer erkrankt und die Ärzte sagen, dass es zu ende geht mit ihm!“ Fantaghiro stand unter Schock: „Er liegt im sterben?“ Traurig nickten die Schwestern. Fantaghiro war entsetzt vor Schock. Blitzschnell rannte sie sogleich zu den Gemächern ihres Vaters.
Aus dem kam gerade sein höchster Berater. Leise schloss dieser die Tür. „Seine Majestät schläft! Ihr könnt später zu ihm“, sagte der Berater. Fantaghiro blickte ihn erbost an.
„Das ist mir egal! Ich will zu ihm“, rief Fantagiro und stieß den alten Mann zur Seite und trat in das Gemach ihres Vaters ein.
Der alte König schlief, doch er sah krank und blass aus. Fantagiro setzte sich in den Stuhl am Bett und nahm die Hand ihres Vaters. Sie weinte beim Gedanken, dass ihr Vater sterben könnte. Fantaghiro war im Stuhl eingeschlafen. Als die Sonne aufging erwachte ihr sehr geschwächter Vater. Auch Fantagiro wachte langsam auf. Der König erblickte das junge Mädchen, doch er hielt sie im ersten Moment für jemanden anderen: „Oh, meine geliebte Fabienne! Du bist zu mir gekommen!“ Fabienne war die verstorbene Mutter Fantaghiro’s, die kurz nach ihrer Geburt starb. „Nein! Ich bin es, Fantaghiro“, rief Fantaghiro. Jetzt erkannte der König seine Tochter: „Oh Fantaghiro. Du siehst aus wie deine Mutter!“ Fantaghiro lächelte und fühlte sich geschmeichelt. „Vater! Wie fühlt Ihr Euch?“, wollte Fantaghiro erfahren. „Mein Kind! Es geht zu ende mit mir!“, sprach der König nun schwer atmend. „Nein! Nein“, rief Fantaghiro, „Ihr werdet leben, glaubt mir, Ihr werdet leben.“ Fantaghiro nahm die Hand ihren sterbenden Vaters und hielt sie an ihre Wange. Sie weinte. „Es gibt etwas, dass ich dir noch sagen muss“, sagte der König. Fantaghiro blickte ihn fragend an. Was könnte dies denn nur sein? „Da ich keinen Sohn und du keinen Bruder hast, musst du meine Nachfolge antreten“, rief der König. Diese Worte verwunderten die Prinzessin sehr. „Aber Vater! Es muss doch Katharina sein, die Eure Nachfolge antritt. Sie ist die Älteste“, meinte Fantaghiro. „Ja, aber es gibt etwas, dass du nicht weißt“, erklärte der König. Fantaghiro blickte ihn sehr fragend an. „Als ich deine Mutter heiratete, war sie bereits verwitwet!“, begann der König. Fantaghiro war verwirrt, denn dies hörte sie zum ersten Mal. „Was?“, sagte sie nur. „Deine Mutter brachte aus ihrer ersten Ehe zwei Kinder mit, Katharina und Karolina! Du bist meine einzige Leibliche Tochter und die Erbin meines Reiches! Nur dir gebührt der Thron. Fantaghiro schwieg. Es traf sie wie ein Schlag. „Versprich mir, dass du deinem Land eine gute Königin sein wirst und dass du alles tun wirst, um diesen Krieg zu beenden“, bat der sterbende König seine Tochter. „Ich verspreche es dir, Vater“, versprach Fantaghiro weinend. Die Hand des Königs wurde schlapp und Fantaghiro musste erkennen, dass ihr Vater von ihnen gegangen war.

Noch sehr aufgewühlt und völlig fertig trat Fantaghiro in den großen Raum, in dem sich viele Höflinge versammelt hatten. Sie alle starrten Fantaghiro angespannt an. „Seine Majestät, unser Herr und König, befielt Ihnen ein langes Leben“, sagte Fantaghiro und gab damit den Tod des Vaters kund. Zuerst schwiegen alle, doch dann traten Katharina und Karolina vor. Sie gingen vor Fantaghiro auf die Knie. „Es lebe unsere Königin“, verkündete Katharina. Fantaghiro sah sie schweigend an. Nun gingen plötzlich alle auf die Knie. „Lang lebe die Königin!“, riefen sie. Fantaghiro musste daran denken, was sie ihrem Vater versprach. Sie versprach ihm diesen sinnlosen Krieg zu beenden.

Es wurden sofort die schwarzen Flaggen aus gehangen und im ganzen Land wussten schon bald alle, dass der König gestorben war. Das Wetter schien die Gefühle Fantaghiro’s zu teilen, denn tagelang regnete es in Strömen und die Sonne kam überhaupt nicht mehr durch. Auch Romualdo wurde vom Tod des alten Königs unterrichtet.
Stillschweigend saß er auf seinem Thron und lass den erhaltenen Brief. Ivaldo und Kataldo traten an ihn heran. „Was steht drin?“, fragte Ivaldo. „Der feindliche König ist gestorben“, antwortete Romualdo und war noch etwas in den Brief vertieft. Kataldo nahm es mit Fassung auf. „Oh, das ist natürlich schlecht“, erwiderte Kataldo und blickte Ivaldo an. „Dann werden wir mit seinem Sohn verhandeln“, meinte Ivaldo. Romualdo lachte unecht. „Schön wäre es. Er hat nur eine Tochter“, teilte Romualdo mit und ließ von Brief ab. „Was! Keinen Sohn, nur eine Tochter. Ach her je“, rief Ivaldo. Romualdo dachte an Fantaghiro, deren Namen und Identität unbekannt war. Er kannte lediglich ihre Augen.

In ihrem Arbeitszimmer empfing sie die obersten Minister, die bereits ihrem Vater gedient hatte. Der erste Minister trat vor die Prinzessin und reichte ihr ein Schreiben des feindlichen Königs. „Eure königliche Hoheit! Dies ist eine Botschaft von König Romualdo“, teilte er mit. Fantagiro nahm die Botschaft, entfaltete sie und begann sie zu lesen.

Verehrte Prinzessin,

Ich bedaure den Tod Eures Herrn königlichen Vaters und drückte hiermit mein herzlichstes Beileid aus. Leider sehe ich mich gezwungen Euch mitzuteilen, dass der Graf von Walddorf, der als mein Gegner in mein Land kam, kein Mann sondern eine Frau war. Dies empfinde ich als Bruch der Vereinbarung, die ich mit Eurem Vater trat. Doch im Interesse unserer Völker und des Friedens will ich zu einem Friedensabkommen bereit sein.

Hochachtungsvoll König Romualdo

Fantaghiro reichte dem Minister die Botschaft zurück. „Wozu ratet Ihr?“, wollte sie von ihm erfahren. Der Minister antwortete: „Eure königliche Hoheit! Der Ministerrat ist nach einstimmiger Beratung der Meinung, dass es nicht ratsam wäre einen Krieg weiter zu führen und rät Euch dazu den König durch ein Eheversprechen an das Reich zu binden. Dies würde eine Beendung des Krieges und die Sicherung der Nachfolge bedeuten!“ Fantaghiro war fassungslos, was man ihr da gerade vorschlug. „Der Ministerrat rät also zu einer ehelichen Verbindung mit dem feindlichen König“, erkannte Fantaghiro. Der Minister nickte. „Nein, auf gar keinen Fall. Völlig ausgeschlossen“, rief sie schnell. Der Minister war erstaunt. „Aber Prinzessin! Dies ist die beste Möglichkeit dem Krieg so schnell wie möglich ein Ende zu setzen und dies ist doch sicherlich in Euerm Interesse?“, fragte der Minister. „Selbstverständlich ist dies in meinem Interesse, doch ich beabsichtige nicht mit dem
Feind ein Ehebündnis einzugehen“, erwiderte Fantaghiro streng und lauter. Der Minister zog ein beleidigtes Gesicht. Fantaghiro wollte dem feindlichen König auf gar keinen Fall begegnen. Sicher würde er sie erkennen und das würde für sie sicher unangenehm werden. „Nein! Auf gar keinen Fall!“, sagte Fantaghiro ein weiteres Mal betonend. Der Minister erwiderte: „Hoheit! Der Ministerrat hat sich einstimmig für diese Entscheidung ausgesprochen“, teilte der Minister mit. Fantaghiro war sehr erzürnt. Aber der Ministerrat war leider befugt solche Entscheidungen ohne ihre Zustimmung zu treffen, wenn es zum Wohle des Landes war. „Hat man den General bereits gefunden?“, wollte Fantaghiro wissen. Der Minister schüttelte den Kopf und Fantaghiro war darüber sehr erbost. „Findet ihn! Er ist unverzüglich zu verhaften!“, fuhr Fantaghiro den Minister an. Der Minister verneigte sich demütig und trat aus dem Zimmer hinaus.

Romualdo konnte Fantaghiro’s Augen nicht vergessen. Er musste Tag und Nacht an sie denken. Auch ihm wurde während einer Versammlung mit seinen Minister ein ähnlicher Vorschlag unterbreitet, wie Fantaghiro. „Euer Majestät! Der Ministerrat ist der Auffassung,
dass es vorteilhaft wäre, wenn Ihr mit der Prinzessin eine Allianz anstreben würdet. Es kann nur Vorteile aller Art für Euch bedeuten, die Prinzessin für Euch zu gewinnen. Es würde den ewigen Krieg beenden und das Königreich erweitern“, erklärte einer der Minister. Romualdo dachte einen Moment über diese Möglichkeit nach. „Ihr schlägt also vor, um die Prinzessin zu freien und so den Krieg zu beenden“, sagte Romualdo laut. Der gesamte Ministerrat nickte. Von dieser Möglichkeit war Romualdo nicht sonderlich begeistert, aber der Standpunkt der Minister war völlig verständlich. Aber über diese Möglichkeit musste er gründlich nachdenken. Alleine mit Ivaldo und Kataldo saß er später bei Wein und Speisen im Speisesaal. Kataldo sah Romualdo gespannt an. „Nun! Was wirst du tun?“, fragte Kataldo. „Wenn ich das mal wüsste! Meine Gefühle stehen klar dagegen, aber in einer anderen Hinsicht haben die Herrn Minister vollkommen Recht“, entgegnete Romualdo. Ivaldo kam etwas in den Sinn: „Wie wäre es denn, wenn du sie erst einmal kennen lernst! Vielleicht gefällt sie dir ja auch!“ Es gefiel Romualdo eigentlich nicht einer Prinzessin seine Aufwartung zu machen, die er nicht wirklich wollte, doch er musste erkennen, dass es sehr hilfreich sein könnte sie kennen zu lernen. „Nun gut! Ich bin bereit sie kennen zu lernen“, entschied sich Romualdo. Romualdo ließ seinen Schreiber kommen und eine Botschaft an die Prinzessin aufsetzten.

Sehr zornig war Fantaghiro über die Entscheidung ihres Ministerrates, den jungen feindlichen König als eventuellen Ehekandidaten ins Auge zu fassen. Wutentbrannt rannte sie in ihrem Arbeitszimmer hin und her. Katharina und Karolina waren bei ihr. „Wie konnten sie es wagen diese Entscheidung ohne meine Zustimmung zu treffen“, regte sich Fantaghiro auf. „Aber du weißt doch, dass sie das Recht haben diese Entscheidungen zu treffen, wenn es zu Wohl des Königreiches ist“, erklärte ihr Katharina. Aber Katharinas
Worte beruhigten Fantaghiro nicht. „Das ist mir gleich“, schimpfte Fantaghiro zornig, „Ein Mann muss sich so etwas nicht gefallen lassen, aber ich muss es mir bieten lassen!“
Halb verzweifelt trat Fantaghiro ans Fenster. „Er wird mich sicher erkennen, wenn er mich sieht“, malte sich Fantaghiro aus. Fantaghiro blickte die Schwestern fragend an. „Was soll ich den tun?“ „Treffe ihn und erkläre ihm. Ich bin sicher, er wird es . . .“, begann Karolina. „Versteht“, rief Fantaghiro. Des Diskutierens leid setzt sich Fantaghiro in den Stuhl und seufzte. Es klopfte an der Tür. „Ja“, rief Fantaghiro. Die Tür öffnete sich und einer der Diener trat ein. Er verneigte sich und reichte der jungen Prinzessin einen Brief. Am Siegel erkannte Fantaghiro, dass er von König Romualdo stammte. Mit einer Handbewegung forderte sie den Diener auf zu gehen. Er verneigte sich erneut und ging wieder.
Fantaghiro öffnete den Brief und lass ihn:

Sehr verehrte Prinzessin,

Ich danke Euch für Eure Einladung durch Euren Ministerrat. Es wird mir eine große Freude sein Euch kennen zu lernen. Ich erhoffe mir die Beendigung des Krieges und hoffe mit Euch, verehrte Prinzessin, Bande der Freundschaft zu knüpften, selbst wenn mein Ministerrat sich durch diesen Besuch mehr erhofft.

Hochachtungsvoll König Romualdo


„Freuen! Ich freue mich ganz und gar nicht“, knurrte Fantaghiro erzürnt und warf den Brief des Königs zu Boden. Katharina hob ihn auf und warf einen Blick hinein. Katharina und Karolina waren die Launen der kleinen Schwester leid. So langsam reichte es Katharina.
„Hör endlich auf dich so zu echauffieren! Du bist selbst schuld an deiner Situation“, rief Katharina ernst. Katharina trat Fantaghiro entgegen; „Niemand hat dich dazu gezwungen dich als Ritter zu verkleiden! Du bist nun mal kein Mann und Ritter, sondern eine Frau! Benehme dich gefälligst auch so!“ Karolina fügte hinzu: „Er wird herkommen und du wirst dich mit ihm auseinandersetzen müssen!“ Das waren klare und ungewohnte Worte von ihren Schwestern, doch sie hatten leider Recht damit.

Abend saßen Romualdo und Ivaldo zusammen in einem der privaten Räume, zu denen nur er, Ivaldo und Kataldo, und ein paar wenige der Dienerschaft, Zutritt hatten. Sie tranken Wein. Ivaldo bereitete der Wein viel Vergnügen, aber an Romualdo’s Miene konnten Ivaldo
erkennen, dass Romualdo sich nur sehr spärlich mit diesem Gedanken anfreunden wollte, der Prinzessin den Hof zu machen.
Kataldo trat ein. Romualdo und Ivaldo blickten ihn fragend an. „Wo warst du denn?“, fragte Romualdo ihn. Kataldo setzte sich und goss sich Wein in ein Glas ein. „Ich habe jemanden beauftragt etwas in Erfahrung zu bringen über die Prinzessin“, teilte Kataldo mit. Romualdo und Ivaldo sahen ihn überrascht an, aber sie waren gespannt darauf zu hören, was Kataldo ihnen mitzuteilen hatte. „Und? Erzähl!“, rief Romualdo. Gespannt sahen Romualdo und Ivaldo ihren Freund an. „Mein Informant hat sich etwas umgehört und mir berichtet, dass sie 17 Jahre alt ist, sehr schön sein soll und sich über die Entscheidung ihres Ministerrates noch mehr aufgeregt haben soll als du. Sie soll sogar herum gebrüllt haben und nur schwer überzeugt worden sein sich mit der Entscheidung des Ministerrates abzufinden“, erzählte Kataldo. Romualdo hob etwas erstaunt die Augenbrauen und begann zu lachen: „Nicht zu glauben!“ „Nun. Mir scheint, dass es sehr interessant werden könnte die Prinzessin kennen zu lernen“, sagte Ivaldo.

Der Tag, an dem Romualdo im Schloss eintreffen sollte, kam immer näher. Mittlerweile hatte
sich Fantaghiro mit dem Gedanken abgefunden dem jungen König zu empfangen. Der erste Minister stand im Arbeitszimmer bei Fantaghiro und teilte ihr den Ablaufplan für den Besuch des Königs mit: „Am ersten Abend ist ein Bankett geplant, für den 2. Tag eine Jagd, am 3. Tag findet ein Ball statt und . . .“ Es reichte der Prinzessin und sie unterband die Unterredung. Mit einer Handbewegung beendete sie das Gespräch. Der Minister verstummte. „Geht“, befahl sie ihm. Der Minister verneigte sich und verließ rasch das Zimmer. Stumm blickte die Prinzessin um sich. Sie stand auf und trat ans Fenster und blickte hinaus in den Hof. Sie musste sich abreagieren. Sie lief hinaus und rief einem Knappen zu: „Sattel mein Pferd!“ Der Knappe rief sofort zurück: „Jawohl, königliche Hoheit!“ Er lief den Befehl auszuführen. Fantaghiro ging in ihre Gemächer und und zog sich etwas anderes an, in dem sie gut reiten konnte. Wenige Minuten später brach sie auf. Doch unglücklicher Weise geriet sie in einen Platzregen und erkältete sich.

Das Duell war mittlerweile 10 Tage her und am Morgen der Ankunft von König Romualdo erwachte Fantaghiro mit einer schrecklichen Unwohlsein. Ermattet erhob sich die Prinzessin aus ihrem Bett. Die Zofe schnürte ihr das Mieder und währenddessen bekam Fantaghiro enormen Atemmangel. „Nicht so fest“, rief sie. Die Zofe Marie, die seit vielen Jahren ihre Erzieherin war, hörte auf. „Was habt Ihr? Fühlt Ihr Euch nicht wohl?“, fragte Marie sorgend. Fantaghiro begann schwer zu atmen. „Ich weiß nicht. „Ich glaube, diesen Tag überstehe ich nicht!“, stotterte Fantaghiro atemlos. Marie schnürte das Mieder vorsichtig weiter. „Doch! Das schafft Ihr“, motivierte Marie die Prinzessin. Aber es ging Fantaghiro überhaupt nicht gut. Ihr wurde schwarz vor Augen und sie konnte sich nicht halten. Sie wurde ohnmächtig und Marie konnte sie gerade so halten.

Marie alarmierte sofort Katharina und Karolina über den Zustand ihrer Schwester. Fantaghiro wurde sofort wieder ins Bett gelegt. Sie ließen den Arzt sofort kommen.
Sorgend fasste der Hofarzt Fantaghiro an die Stirn, während Katharina und Karolina daneben standen. „Sie hat Fieber! Für den Rest des Tages muss sie im Bett liegen bleiben“, verkündete der Arzt. Den Schwestern gefiel das nicht. „Das darf nicht wahr sein! Was machen wir denn nun?“, fragte sich Karolina. Für Katharina stand es bereits fest. „Es bedeutete, dass wir den König begrüßen müssen.“

Romualdo, Ivaldo und Kataldo trafen im Schloss ein. Der oberste Minister empfing sie.
Es war der alte Tattergreis, den Fantaghiro so recht wenig leiden konnte, weil er an allem was die Regierungsgeschäfte betraf herumnörgelte und auch die Eheschließung mit Romualdo befürwortete. „Willkommen, Eure Majestät“, begrüßte er den König. Romualdo und seine Freunde folgten dem Minister zum Thronsaal.

Romualdo ging vorne an, während Ivaldo und Kataldo hinter ihm liefen. Er wunderte sich vor dem Thron gleich zwei Frauen zu sehen. Vorne am Thron angekommen, wurden Romualdo, Ivaldo und Kataldo von Katharina und Karolina empfangen. „König Romualdo! Wir heißen Euch und Eure Begleiter an unserem Hofe herzlich willkommen. Wie hoffen, Ihr werdet Euren Aufenthalt hier genießen!“, sagte Katharina. „Wir sind die Schwestern der Prinzessin und unsere Schwester ist heute leider nicht im Stande Euch zu empfangen. Sie ist krank!“ Romualdo verstand: „Wie bedauerlich! Ich hoffe, dass es ihr nicht all zu schlecht geht! „Wir hoffen, dass sie sich morgen wieder besser fühlt!“, fügte Karolina hinzu. Romualdo lächelte sie an. Ivaldo und Kataldo hatten inzwischen ein Auge auf die Schwestern der Prinzessin geworfen. Sie gefielen ihnen ohne jeden Zweifel. „Ein Kammerdiener wird Euch und Euren Begleitern Eure Gemächer zeigen“, erklärte Katharina.

Romualdo und seine Begleiter wurden in ihre Räume geführt. Man brachte ihnen Wein.
„Wie schade, dass die Prinzessin nicht präsent war. Aber wenn sie krank ist, ist es vielleicht besser, wenn sie sich ausruht“, meinte Romualdo. Sie setzten sich zusammen. „Aber Euch scheinen ja ihre Schwestern sehr zu gefallen“, spielte Romualdo schmunzelnd an. Ivaldo und Kataldo wurden beide rot. „Wie bitte“, riefen sie wie im Chor. „Sie gefallen Euch, ohne Frage“, meinte Romualdo lachend. Ivaldo und Kataldo mussten leider zugeben, dass Romualdo damit völlig Recht hatte. „Die Prinzessin soll beim Ankleiden ohnmächtig geworden sein! Das hat mir eine der Dienerinnen erzählt“, sagte Ivaldo. „Dann wird sie morgen bei der Jagd bestimmt nicht teilnehmen“, vermutete Kataldo.

Aber Kataldo irrte sich, denn am nächsten Morgen ging es Fantaghiro sehr viel besser und sie wollte unbedingt an der Jagd teilnehmen, auch wenn ihre Schwestern dagegen waren. Sie meinten, sie sollte sich lieber ausruhen und nicht auf ihr Pferd steigen.
Die Jagdgesellschaft war schon überwiegend versammelt. Ein Stallbursche führte ein weißes Pferd heraus, das mit einem Damensattel gesattelt war. Viele Herren der Jagdgesellschaft wunderten sich, für wen dieses Pferd war. Es war ein weißes Pferd, nicht ihr Lieblingstier Goldmähne, das braune Ross mit weißer Mähne. Fantaghiro befürchtete, dass Romualdo sie anhand des Pferdes erkennen könnte.
Plötzlich gingen viele Blicke hinauf zum Balkon, von dem eine Treppe herunter führte. Auch Romualdo, Ivaldo und Kataldo sahen nach oben, denn dort stand Fantaghiro. Sie trug ein schwarzlila Reitkleid, einen Hut und einen Schleier vorm Gesicht. Langsam kam sie die Treppe herunter. Alle waren sehr erstaunt, denn jeder hatte angenommen, dass die Jagd ohne die Prinzessin stattfinden würde. Romualdo kam ein Stück sie zu und senkte zum Gruß den Kopf. Fantaghiro tat dies ebenso. „Bitte verzeiht, dass ich Euch gestern nicht persönlich empfangen habe“, entschuldigte sich Fantaghiro. „Eure Schwestern haben die Situation erklärt! Ich hoffe, es geht Euch heute besser“, sagte Romualdo. Fantaghiro versuchte freundlich zu lächeln. „Viel besser, danke“, antwortete sie. „Aber wozu der Schleier? Bitte nimmt ihn ab. Ich möchte Euer Gesicht sehen“, wollte Romualdo noch erfahren. „Ich bin noch sehr blass und möchte Euch diesen Anblick ersparen“, antwortete Fantaghiro. „Selbst Blässe kann ein schönes Gesicht nicht entstellen“, versuchte Romualdo sie zu überzeugen, doch Fantaghiro blieb standhaft. „Bitte verzeiht, dass ich Eurem Wunsch nicht nachkommen kann“, entschuldigte sich Fantaghiro. „So erlaubt mir wenigstens Euer Begleiter zu sein, damit Euch nichts geschieht“, sagte Romualdo. „Habt Ihr etwa Angst, ich würde vom Pferd fallen?“, fragte Fantaghiro. „So kann ich Euch auffangen, falls Ihr den Halt verliert“, kommentierte Romualdo. Fantaghiro konnte über diesen Kommentar nur Schmunzeln. „Nun! Wenn Ihr es wünscht“, gab Fantaghiro ihr Einverständnis. Fantaghiro bestieg ihr Pferd und saß im Damensattel. Romualdo saß ebenfalls auf und trabte neben ihr. Fantaghiro war nicht ganz wohl dabei Romualdo so nah zu sein, doch sie hatte sich fest vorgenommen, ruhig und distanziert zu bleiben. Romualdo hatte das merkwürdige Gefühl die Prinzessin zu kennen. Ihre Stimme war ihm irgendwie vertraut, als ob er sie kennen würde.
Die Jagdgesellschaft begab sich in den Wald zu einem, extra für die Jagd aufgebautem Lager, und begann sich kürzere Zeit später zu verteilen. Fantaghiro trabte und Romualdo neben ihr her. Ein ganzes Stück hinter ihnen waren Ivaldo und Kataldo. „Was glaubst du, warum sie einen Schleier trägt?“, fragte Kataldo Ivaldo. „Das sagte sie doch! Sie ist blass und will uns einen unschönen Anblick ersparen“, antwortete Ivaldo auf Kataldo’s Frage. „Das halte ich für Schwachsinn! Was ist, wenn sie ihm ihr Gesicht einfach nur nicht zeigen will“, argumentierte Kataldo. Das machte Ivaldo stutzig: „Wie meinst du das?“ Kataldo’s Blick schweifte nach vorne zu Romualdo und der Prinzessin. „Vielleicht hat sie ja einen ernsthaften Grund, warum sie ihm ihr Gesicht nicht zeigen will“, erklärte Kataldo.

Fantaghiro begann schneller zu reiten und Romualdo musste zusehen, dass er ihr folgen konnte. Ivaldo und Kataldo folgten ihnen, blieben jedoch weit zurück hinter ihnen.
Irgendwann zügelte Fantaghiro ihr Pferd und brachte es zum stehen. Das schnelle Reiten hatte sie doch etwas sehr angestrengt. Romualdo hatte so Gelegenheit sie einzuholen. Er sah schnell, dass die Prinzessin schwer atmete: „Fühlt Ihr Euch nicht wohl?!“ Fantaghiro antwortete schwer atmend: „Ich muss nur ein paar Schritte gehen! Bitte helft mir vom Pferd!“ Sofort stieg Romualdo von seinem Pferd und eilte heran, um der Prinzessin herunter zu helfen. Fantaghiro atmete tatsächlich schwer. Romualdo wollte den Schleier entfernen, doch sie hinderte ihn. „Nimmt ihn ab! Ohne ihn werdet Ihr viel besser atmen können“, meinte Romualdo. Fantaghiro war sehr zittrig. „Nein“, erklärte sie. Romualdo wurde langsam misstrauisch. Er wollte endlich ihr Gesicht sehen. „Nimmt ihn ab“, verlangte er schärfer. Fantaghiro spürte, dass er argwöhnisch war. Zögernd warf sie den Schleier nach hinten. Nun konnte Romualdo ihr Gesicht sehen und in ihre Augen blicken. Er erkannte sie. Er konnte es nicht glauben. Fassungslos starrte er die erblassende Prinzessin an. Fantaghiro war zu Tode erschrocken und Romualdo erstaunt. „Ihr?“, rief er überrascht, „Also dies ist der Grund, dass Ihr Euch nicht zu erkennen geben wolltet“, erkannte Romualdo. Er begann zu lächeln, während sie ihn schweigend anstarrte. Er nahm ihre Hand und küsste diese. Fantaghiro errötete. Es war ihr unangenehm. Sie entzog ihn schnell ihre Hand. Romualdo war leicht irritiert, doch er erkannte schnell, dass sie sich nicht wohl fühlte. „Ist Euch mein Handkuss nicht genehm?“, fragte er sie speziell. Jetzt holte Fantaghiro aus: „Wie könnte mir Eure impertinente Kühnheit genehm sein!“ Romualdo war fasziniert von ihrer zurückweisenden Haltung. „Ich bitte vielmals um Verzeihung, Prinzessin“, bat Romualdo um Entschuldigung. Ihr Blick ihm gegenüber erweichte sich nicht. Romualdo trat näher, nahe an sie heran. Nun sahen sie sich gerade ins Gesicht. „Ein Kleid steht Euch wirklich viel besser als eine Rüstung, Prinzessin“, sagte Romualdo. Er strich ihr mit seiner Hand über die Wange und blickte ihr tief in die Augen. „Ihr seid schön“, sagte er ihr. Sie schwieg ihn an. „Ihr schuldet mir eine Erklärung“, sagte er ihr erneut. Die junge Prinzessin drehte sich vom König weg: „Ich schulde Euch nichts!“ Sie wollte ihm entweichen, aber er griff instinktiv ihr Armgelenk und hielt sie fest. „Lasst mich los“, knurrte sie. Aber der junge König dachte nicht daran. Romualdo tat ihr nicht weh, doch er wollte sie nicht loszulassen. „Antwortet mir! Warum habt Ihr das getan?“, wollte er wissen. „Ein Krieg, von dem niemand weiß, warum er geführt wird, empfinde ich als sinnlos und als unnötige Qual für mein Volk“, antwortete sie ernsthaft, „Ich liebe mein Volk und möchte, dass es in Frieden lebt!“ Romualdo blickte sie beeindruckt an. Er ließ ihre Hand los. „Ich bitte Euch um Verzeihung. Eure Motive waren mehr als edel“, sagte er und küsste er die Hand. Diesmal entzog sie ihm nicht so schnell ihre Hand. Sie ließ ihn gewähren. „Dann fühlt Ihr Euch durch mein handeln nicht mehr gekränkt?“, wollte Fantaghiro wissen. Romualdo blickte auf, ihr in die Augen. „Ich könnte niemandem böse sein, der sein Volk liebt und nur sein bestes will“, antwortete er. Fantaghiro fühlte sich unsagbar erleichtert. „Vielleicht sollten wir zur Jagdgesellschaft zurückkehren“, schlug Romualdo vor. Fantaghiro war einverstanden. „Wie Ihr meint“, erwiderte Fantaghiro. Romualdo half ihr aufs Pferd. Dann stieg er ebenfalls auf. Sie trabten nebeneinander. Romualdo blickte sie an. Nie fand er sie schöner, als in diesem Moment. „Ihr seid eine gute Reiterin, Prinzessin?“, sagte Romualdo. Die junge und stolze Prinzessin lächelte ihn würdig an. „Danke! Ihr seid ebenfalls ein exzellenter Reiter“, erwiderte sie.
Plötzlich hatte Fantaghiro das merkwürdige Gefühl ein Rascheln zu vernehmen. Romualdo
bemerkte es. „Was habt Ihr?“, fragte er verwundert. „Ich habe etwas rascheln hören! Ihr nicht?“, wollte sie wissen. Romualdo sah sich in jene Richtung hin, in die Fantaghiro deutete. Doch er sah nichts. „Es war sicherlich nur ein kleines Tier, dass Ihr gehört habt“, meinte Romualdo. Fantaghiro aber war sich dessen gar nicht mal so sicher. Sie drehte sich und das Pferd. Schreckhaft blickte sie um sich und glaubte etwas silbriges zwischen den Blättern zu sehen. Schnell drehte sie ihr Pferd erneut. Das Pferd schien ihre Unruhe zu spüren und bauschte sie etwas auf. In jenem Moment schoss aus dem Gebüsch ein Pfeil hervor und trat das Pferd nahe eines Vorderbeines. Fantaghiro erschrak zu Tode, ebenso Romualdo, der augenblicklich in jene Richtung aus der der Pfeil kam, sah. Das Pferd wieherte, was einem Schmerzensschrei gleichkam und bauschte sich auf. Die junge Prinzessin konnte sich nicht mehr halten und stürzte schreien vom Pferd. Ivaldo und Kataldo, die nicht all zu weit weg waren, hörten ihren Schrei und ritten so schnell wie möglich dorthin. Fantaghiro wurde unter ihrem Pferd begraben. Romualdo sprang vom Pferd und eilte ihr zu Hilfe. Er drückte das Pferd zur Seite, das halbwegs wieder hochkam. Romualdo hob und hielt die bewusstlose Prinzessin im Arm. Ivaldo und Kataldo kamen dazu und sahen was geschehen war. „Hier ist irgendwo ein Schütze!“, rief Romualdo. Ivaldo und Kataldo sahen sich kurz entschlossen an. Dann machten sie kehrt, um den Schütze zu suchen. Fantaghiro war nicht bei Bewusstsein. Auch weitere Teilnehmer der Jagd kamen hinzu, sahen, was geschehen war und begaben sich ebenfalls auf die Suche des Schützen, der versucht hatte die Prinzessin zu töten. Romualdo hob die junge Prinzessin vorsichtig auf sein Pferd und brachte sie zurück ins Schloss.

Langsam kam Fantaghiro nach einigen Stunden in ihrem Bett wieder zu sich. Ihr Leibarzt, ihre langjährige Amme und ihre Schwestern standen um das Bett herum. Sie versuchte sich aufzurichten, doch ihr taten alle Knochen weh. Sie fiel schnell zurück. „Bleib liegen“, rief Katharina. „Wie fühlst du dich, Schwesterchen?“, wollte Karolina wissen. „Schwach“, antwortete Fantaghiro. Der Leibarzt sah sich die junge Prinzessin noch einmal an. „Eure Hoheit! Ihr scheint bei dem Sturz keine ernsthaften Verletzungen erlitten zu haben, dennoch möchte ich Eure Hoheit bitten den Rest des Tages liegen zu bleiben, die nächsten Tage sich nicht zu sehr zu überanstrengen und für wenigstens 3 Wochen kein Pferd zu besteigen“, sagte der Leibarzt. „Meint Ihr, dass sonst Gefahr besteht?“, wollte Fantaghiro wissen. „Möglicher Weise! Ich möchte kein Risiko eingehen, Prinzessin!“, antwortete der Arzt. „Nun gut! Ich werde tun wozu Ihr ratet“, sagte Fantaghiro und war einverstanden. „Wir werden schon dafür sorgen“, meinte Katharina fürsorglich. „Das habe ich befürchtet“, entwich Fantaghiro. Ihre Schwestern waren sehr froh, dass es Fantaghiro gut ging.

Romualdo ging im Flur, vor den Gemächern der Prinzessin, auf und ab. Er hörte Pferde im Hof. Die Männer, die nach dem Schützen gesucht hatten, waren zurückgekehrt. Doch sie hatten niemanden gefunden. Darunter waren auch Ivaldo und Kataldo, die sich sofort auf die Suche nach Romualdo machten. „Habt ihr jemanden gefunden?“, wollte Romualdo wissen. Kataldo schüttelte bedrückt den Kopf. „Nein! Nichts! Nicht den Hauch einer Spur“, antwortete Kataldo. „Wie geht es der Prinzessin?“, fragte Ivaldo. „Ich weiß es nicht!“, antwortete Romualdo. Romualdo machte sich schreckliche Sorgen. „Sie sagte mir noch, dass sie ein Rascheln hören würde“, erzählte Romualdo, „Ich hörte es aber nicht und plötzlich schoss der Pfeil hervor!“ Die Tür zu Fantaghiro's Gemächern öffnete sich und Katharina trat heraus. Romualdo blickte sie erwartungsvoll an. „Ihr könnt beruhigt sein! Es geht Fantaghiro gut! Sie soll nur den Rest des Tages im Bett bleiben und sich die nächste Zeit nicht allzu sehr anstrengen“, berichtete Katharina. Romualdo fiel ein Stein vom Herzen. „Ich danke Euch, Hoheit!“, bedankte sich Romualdo. Katharina knickste kurz und ging wieder hinein. Zuvor hatte sie Kataldo einen kokettierenden Blick zugeworfen. Er gefiel ihr zweifellos. „Sie wird wieder gesund, Gott sein dank“, schickte Romualdo ein Stoßgebet zum Himmel. „Sag mal! Warum wollte sie dir zunächst ihr Gesicht nicht zeigen?“, fragte Ivaldo. Romualdo blickte ihn schäkernd an und antwortete: „Weil wir sie kennen!“ Einen Moment überlegten Ivaldo und Kataldo, dann begriffen sie. „Du meinst, die Prinzessin ist!“, riefen sie gemeinsam. Romualdo nickte.

So schnell wie möglich lief eine der Kammerzofen Fantaghiro's durch die Flure, auf dem Weg zu ihrer Prinzessin. Bei Fantaghiro war ihre Amme. Noch trug Fantaghiro ihr Reitkleid und lag so auf ihrem Bett. Einzig die Jacke hatte sie ausgezogen. Die junge Kammerzofe stürzte außer sich vor Atem herein. Die Amme war empört. „Junge Dame! Wie kannst du es wagen hier so hineinzuplatzen“, schimpfte die Amme. Die junge Kammerzofe rang nach Luft. „Ich bitte . . . vielmals . . . um Entschuldigung!“, bat die Kammerzofe um Verzeihung. Fantaghiro richtete sich auf. „Was ist passiert?“, wollte Fantaghiro wissen. „Prinzessin! Euer Pferd, das heute bei der Jagd verletzt wurde, soll hingerichtet werden. Euer oberste Minister  hat es angeordnet!“, berichtete die Kammerzofe. Fantaghiro war entsetzt. „Wie bitte! Dieser alte besserwisserischer Greis will meine geliebte Andromeda . . .“, rief Fantaghiro. „Es soll jeden Moment geschehen!“, rief die Kammerzofe aufgeregt. Augenblicklich sprang Fantaghiro aus dem Bett. „Nein! Ihr sollt liegen bleiben“, rief die Amme entsetzt. Fantaghiro war voller Zorn gegenüber dieses alten Mannes, der es nun wagte, eines ihrer Pferde töten lassen zu wollte. Sie stürmte mit offenen Haar durch die Gänge. Einige Adlige standen im Flur. Sie waren überrascht die Prinzessin zu sehen. Auf dem Weg zum Pferdestall begegnete sie auch Romualdo und dessen Freunden. „Prinzessin! Ich dachte, Ihr solltet . . .“, begann Romualdo, doch er verstummte schnell, da Fantaghiro wortlos an allen vorbeirauschte. Romualdo und seine Freunde hatten ein ungutes Gefühl und folgten ihr.

Als Fantaghiro im Pferdestall eintraf, kam sie beinah zu spät. Der alte Minister hatte bereits
den Henker kommen lassen und der wollte gerade das schöne weiße und edle Pferd der Prinzessin töten. „Haltet ein“, brüllte Fantaghiro. Der alte Minister und auch der Henker erschraken. Einzig der Stallmeister schien erleichtert zu sein. Kochend vor Wut wandte sich Fantaghiro zu dem Minister. „Wie könnt Ihr es wagen so eine Entscheidung ohne meine Zustimmung zu treffen“, brüllte Fantaghiro den Minister außer sich vor Wut an. „Prinzessin! Ich traf diese Entscheidung einzig in Eurem Interesse! Dieses Pferd ist eine Gefahr für Euch! Es muss sterben!“, rief der Minister. Wutentbrannt blickte Fantaghiro den Minister an. „Dies hier ist absolut nicht in meinem Interesse“, erwiderte Fantaghiro gereizt. „Aber Hoheit! Das Pferd trug Schuld an dem Vorfall“, rief der Minister stur. „Das stimmt nicht“, rief sie erzürnt, „Fragt nur seine Majestät! Er wird es Euch bestätigen!“ Der alte Minister blickte Romualdo an. „Sie hat Recht! Es gibt keine Rechtfertigung das Pferd töten zu lassen“, bestätigte Romualdo. „Ich bin dennoch der Meinung, dass es besser wäre, das Pferd richten zu lassen“, erwiderte der Minister weiterhin stur. Langsam platzte der jungen Prinzessin der Kragen. Sie wurde immer wütender. „Schweigt endlich!“, schrie er erbost.
Nun mischte sich der Stallmeister ein. „Eure Hoheit! Ich bitte vielmals um Verzeihung, wenn ich es wage Euch anzusprechen. Ich wollte einen Bauern von den umgebenen Höfe kommen lassen, um das Tier versorgen zu lassen, da jene Bauern des öfteren kranke Tiere haben und in der Pflege kranker Tiere vertraut sind. Doch der Minister wies mich ab und ließ stattdessen den Henker kommen“, erklärte der Stallmeister. Fantaghiro sah zum Henker. „Eure Dienste werden hier nicht benötigt“, rief sie, „Ihr sollt jedoch für die Mühe hergekommen zu sein entschädigt werden. Der Minister, der Euch auch herrief, wird Euch entlohnen und zwar doppelt, da Ihr umsonst herkamt! Und zwar aus seiner eigenen Börse!“ Fantaghiro blickte zum entgeisterten Minister. Der alte Minister kroch vor seiner Herrin: „Ich bitte Euch vielmals um Vergebung! Ich werde tun was Ihr befiel!“
Die junge Prinzessin wandte sich dem Stallmeister zu. „Stallmeister! Lasst jemanden kommen, damit es bald wieder gesund ist!“, ordnete Fantaghiro an. Der Stallmeister nickte und verbeugte sich. „Zu Befehl“, sagte er.
Dann verließ Fantaghiro schweigend, doch hochrot vor Zorn den Stall. Romualdo blickte ihr
ungläubig nach. Er hätte nie gedacht, dass die Prinzessin so aus der Haut fahren könnte. Er war mächtig beeindruckt, wie auch Ivaldo und Kataldo. Sie gingen. „Was für ein Temperament“, staunte Ivaldo. „Ich hätte genauso gehandelt! Das schöne Pferd!“, meinte
Romualdo.

Früh am nächsten Morgen saß Fantaghiro bereits in ihrem Arbeitszimmer, am Schreibtisch.
In ihr kochte die Wut über das anmaßende Verhalten des Ministers. Sie hatte eine Entscheidung getroffen. Dieser alte sture Bock war ihr schon so lange zu wieder. Durch eine Seitentür traten Katharina und Karolina ein. „Guten morgen! Du bist schon wieder am arbeiten?“, meinte Katharina. „Ja“, erwiderte Fantaghiro, war aber mit den Gedanken woanders. Sie verfasste gerade ein Dokument. Sie unterschrieb es und machte es damit rechtskräftig. Sie blickte anschließend die Schwestern an. „Ich möchte euch um einen großen Dienst bitten“, begann Fantaghiro. Katharina und Karolina sahen sich fragend an. „Ja was denn?“, fragte Karolina sich.

In der großen Halle des Schlosses hatten sich wie üblich viele Höflinge versammelt. Die Höflinge verneigten sich als Katharina an ihnen vorbei schritt. Sie war auf dem Weg zum Minister. Auch sie konnte ihn nicht leiden und freute sich darauf das Gesicht des Ministers zu sehen, wenn sie ihm die Nachricht überbrachte. Sie fand ihn. „Minister! Ich überbringe Euch ein Schreiben ihrer königlichen Hoheit“, verkündigte sie und überreichte es ihm. Der Minister war recht verwirrt und öffnete es und begann zu lesen. Nach und nach entgleisten ihm die Gesichtszüge. Fassungslos blickte er Katharina an. „Hoheit! Das muss ein Irrtum sein“, sagte er. „Es ist kein Irrtum! Ihre königliche Hoheit wünscht, dass Ihr den Hof verlasst, noch heute! Ihr seid ab sofort Eures Amtes enthoben“, erklärte Katharina und kehrte dem nun einstigen Minister den Rücken zu. Die Höflinge begannen zu tuscheln: „Das war ja zu erwarten! Es war nur eine Frage der Zeit!“

Katharina kehrte ins Arbeitszimmer zurück. Dort warteten Karolina und Fantaghiro bereits sehnsüchtig auf sie. Katharina begann zu lachen, als sie eintrat: „Ihr hättet sein dummes Gesicht sehen sollen!“
Kurze Zeit später klopfte es erneut und ein Diener trat ein. „König Romualdo würde Euch gerne sprechen, Prinzessin“, sagte der Diener. Fantaghiro sah ihre Schwestern an. „Wir gehen mal schnell“, sagte Katharina und verließ mit Karolina den Raum. Fantaghiro stand auf und sagte: „Er soll hereinkommen!“ Romualdo trat ein. Er verneigte sich. Der Diener schloss die Tür. „Einen guten Morgen, Eure Majestät“, begrüßte Fantaghiro ihn. Romualdo trat näher. „Prinzessin! Ich bin sehr glücklich, dass es Euch gut geht“, sagte er sie lächelnd. „Ich danke Euch! Denn Ihr habt mir gewisser maßen das Leben gerettet!“, entgegnete Fantaghiro. Er nahm ihre Hand und küsste sie. „Als ich herkam, dachte ich, dass ich Euch nur meine Aufwartung mache und dann wider gehe, doch als ich Euch sah und erkannte, spürte ich, dass ich nie mehr von Euch fortgehen will! Ich liebe Euch und möchte, dass Ihr meine Frau werdet!“, machte Romualdo seinen Antrag. Fantaghiro blickte ihn errötend an. Dann begann sie zu lachen. „Auch ich möchte nicht, dass Ihr fortgeht, Majestät“, sagte sie ihm. Überglücklich schloss Romualdo seine Liebste in die Arme und küsste sie. Sie waren verlobt. Lange zeit küssten sie sich und erzählten sich Dinge. „Ich sagte ihm, dass man nicht gleichzeitig essen und lachen könne! Das war sein Untergang“, erzählte Fantaghiro, wie sie das heilige Tier besiegt hatte. Sie saßen Hand in Hand auf der Couch und küssten sich. „Ein jeder Mann wird mich um so eine Frau beneiden!“, meinte Romualdo.
Plötzlich stürzte ein Diener herein. Romualdo und Fantaghiro waren empört, erhoben sich. „Was fällt dir ein“, rief Romualdo erzürnt. „Ich bitte um Verzeihung, doch man fand den Schützen, der auf Eure königliche Hoheit schoss!“, berichtete der Diener. Romualdo und Fantaghiro sahen sich erschrocken an. Dann eilten zu nach draußen, um den Schützen zu sehen. Sie erschraken, als sie ihn erkannten. Es war der General. Die Soldaten hatten ihn gefasst. „Königliche Hoheit. Dies ist der Schütze, der es wagte auch Euch zu schießen“,
erklärte der Soldat. „Was soll mit ihm geschehen?“, fragte der Soldat. Viele Höflinge hatten sich versammelt. Ein jeder war entsetzt, das der einstige General nun Verrat übte. Fantaghiro überlegte einen Moment. Dann sagte sie. „Diese Entscheidung wird Euer König treffen“, verkündigte sie und nahm die Hand des Königs, neben dem sie stand. Die Menschen begriffen und begannen zu jubeln. Romualdo trat nun ein Stück hervor. „Für seinen schändlichen Verrat und den Versuch ein Leben zu nehmen, wird er selbst sein Leben lassen“, rief Romualdo entschlossen. Die Leute jubelten und priesen ihre neuen König.

Wenige Tage später fand ein großer Fest statt. Es war ein Hochzeitsfest. In der Mitte des Saales tanzten Romualdo und Fantaghiro, beide in weiße Gewänder gekleidet. Sie trugen beide edle Kronen. Um sie herum tanzten auch andere. Der Tanz endete. Die Paare verneigten sich voreinander. Der junge König führte seine wunderschöne Braut. Zum Thron, auf dem sie gemeinsam Platz nahmen. Musik spielte erneut auf und Paare begannen zu tanzen. Romualdo küsste die Hand seine Gemahlin. Von weitem sahen Ivaldo und Kataldo zu dem jungen Königspaar. Sie freuten sich, für beide. Alles war wunderbar. Sie begannen den Schwestern der jungen Königin den Hof zu machen. Sie waren einander sehr zugeneigt. Das bemerkten auch der König und seine Gemahlin. „Meine liebste Gemahlin“, begann Romualdo sehr formell. Fantaghiro musste beinah lachen. „Ja, mein liebster Gemahl“, erwiderte sie. „Was würdest du von zwei weiteren Allianzen halten, um unser Bündnis zu stärken?“, fragte er sie. „Ich wäre außerordentlich entzückt“, erwiderte Fantaghiro. Sie küssten sich.

                              Ende
 
 
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