Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Partners in Crime

von rebelyell
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Lilly Rush Scotty Valens
30.01.2012
15.07.2012
5
16.849
 
Alle Kapitel
13 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
30.01.2012 3.952
 
Titel: Partners in Crime
Kapitel: 04 - Bekenntnisse
Pairing: Lilly / Scotty
Rating: Entgegen aller Erwartungen und aller dämlichen Plotbunnies, die mich des Nachts befallen, ist's immer noch P-12
Inhalt: Schließt direkt an der letzten Folge an.
Scotty fährt Lilly, ihre Schwester und das Baby heim Richtung Philadelphia. Sie bringen Christina ins Krankenhaus, wo sie vorerst bleiben wird, genau wie ihre kleine Tochter.
Lilly muss erst mal den Schock verarbeiten, plötzlich eine Nichte zu haben.

Anmerkung: Erst einmal ein Dank an Maria, meinem tapferen Logik- und Stolperbunny! :D Kredit geht auch an Marta, die mir mit Übersetzungen hilft, damit es hier auch ja allen Spanisch vorkommt! :)
Die Story ist immer noch mehr oder weniger planlos, aber mittlerweile festigt sich der Weg. Wer aber noch Ideen hat, immer her damit! ;)


Disclaimer: In meinem Delirium besitze ich natürlich alles... Die Rechte an Cold Case, ich habe natürlich auch Castle erfunden, und um meine geheime Lust am Morden von kleinen Lesern zu befriedigen, habe ich Criminal Minds als Ventil aus dem elendig großen Loch meines Hirns gesaugt.... ALLES GEHÖRT MIR! MEINS! MEINS! .. äh... Mainz?! Und dann wach ich auf und stelle heulend fest, dass ich mal wieder zu viele bunte Drogen genommen habe... Shit happens.


Partners in Crime

04 - Bekenntnisse


“The Philadelphia Phillies 1993 World Series”, “MLB Vintage World Series Films – Philadelphia Phillies 1950, 1980, 1983 & 1993”, “NBA Furious Finishes”, “Phillies Memories: The Greatest Moments in History” Sie strich mit dem Zeigefinger über die vielen DVD Hüllen in seiner Schublade. Es öffnete sich ihr ein völlig neues Bild des Scotty Valens.
“Sag mal, hast Du auch normale DVDs oder nur diese Sportsachen für Stubenhocker mit massenweise Fastfood um sich herum verteilt?”
“Schau Dir einfach den Stapel vor dem Fernseher an, den ich da hingelegt habe.” sagte er knapp, während er den Couchtisch deckte und die Bierflaschen vom Sixpack hinstellte.
“Ich verstehe nur nicht, wieso man sich so was auf DVD kaufen muss.” Sie bedachte ihn mit einem kurzen Blick aus den Augenwinkeln, bevor sie sich an den vorbereiteten Stapel setzte.
“Die meisten Sachen hat mir mein Vater geschenkt. Er hat uns oft mit zu den Spielen genommen als wir noch klein waren. Ich sehe es wie ein Fotoalbum mit lauter Erinnerungen.”
Es schob sich ihr ein Bild vors innere Auge, wie klein Scotty neben seinem Vater im Stadion saß und die Großen beim Anfeuern nachahmte, wenn ihr Team einen guten Lauf hatte, oder die Gegner ausbuhte was die kleinen Lungen hergaben.
“Ich hoffe, davon gibt es Beweisfotos!”
“Mehr als genug, dass es für drei Leben reicht. Aber ich hoffe, dass Du sie nie zu sehen bekommst!”
“Na, so schlimm können die Fotos ja nicht sein!” Die Enttäuschung klang zwar gespielt, aber ein wenig empört war sie schon.
“Na, hör mal...” schnaufte er im vorbeigehen und ließ sich auf die Couch fallen. “Du möchtest bestimmt auch nicht, dass alle peinlichen Fotos von klein Lilly zu Tage geholt werden... Obwohl ich bestimmt nicht der Einzige auf der Arbeit bin, der gerne wüsste, wie Lillian Rush's Abschlussballfoto aussah!” Ein Kronkorken landete wirbelnd auf dem Couchtisch und er trank einen großen Schluck.
Sie drehte sich zuerst nicht um und starrte nur auf ihre Hände, die sie nervös in ihren Schoß gelegt hatte. “Der Unterschied wäre allerdings, dass wir mit meinen Fotos in 5 Minuten durch wären.” Er hörte sie tief durchatmen. “Und ein Abschlussballfoto gibt es nicht von mir...” Ihre Hände verkrampften sich ineinander.
“Lil...” Sie hörte das Rascheln der Couchgarnitur.
“Nein, nein...” unterbrach sie ihn, bevor er auch nur weitersprechen oder gar etwas tun konnte. “Ist schon in Ordnung.” Beschwichtigend warf sie ihm einen Blick über die Schulter zu und wusste sogleich, dass ihr gespieltes Lächeln nicht glaubwürdig ankam. “Ich habe mich damit abgefunden... ehrlich!” Sie sah ihm an, dass er ihr nicht glaubte, doch er ließ es dabei bleiben, und sie war ihm dankbar dafür.
Ein beklemmender Augenblick entstand, in dem keiner etwas sagte. Scotty wagte es nicht, weiter auf sie einzudringen.
“Wie macht man das Ding eigentlich an?”
Als er wieder aufsah, hatte sie eine DVD in der Hand und drückte verzweifelt auf den Power Knopf. Aber das Gerät blieb aus.
Amüsiert stand er auf. Frauen und Technik!
Er kniete sich hinter sie. Sein Oberkörper lehnte sich gegen ihren Rücken, während er an ihr vorbei hinter das Gerät griff und die Steckerleiste einschaltete. Er schaute ihr über die Schulter. Seine Lippen nah an ihrem Ohr als er sprach: “Ohne Strom hätte ihn nicht einmal David Copperfield zum laufen bekommen!” Er lümmelte sich schon wieder auf die Couch, bevor sie ihm auch nur irgendetwas für diese Bemerkung antun konnte.
“Das war Absicht, Valens!” meckerte sie ihn an und legte die DVD ein.
“Was tut ein Mann nicht alles, um eine schöne Frau zu berühren.” Die fliegende Plastikhülle verfehlte nur knapp seinen Kopf und landete irgendwo hinter dem Beistelltisch.
Er grinste wie ein Schuljunge als sie sich neben ihn setzte. Lilly achtete diesmal darauf, dass genügend Abstand zwischen ihnen lag.
“Essen?” fragte er besänftigend.
“Ist das ein Friedensangebot, Valens?”
“Nur wenn Du auf Kriegsfuß mit mir stehst, Rush.” Er reichte ihr einen Teller und sie nahm sich eins der aufgewärmten Pizzastücke. Die Couch war erstaunlich bequem. Sie zog ihre Beine unter ihren Körper und versuchte, ihre Muskeln die Strapazen der letzten zwei Tage vergessen zu lassen.
Die erste Mahlzeit an diesem Tag! Und dabei war der Tag schon fast vorbei. Es tat so gut und am liebsten hätte sie das ganze Stück in einem hinuntergeschlungen. Doch das Bisschen Anstand war ihr noch geblieben also genoss sie die vielen Gewürze und Aromen, die ihre Geschmacksknospen kitzelten. Der Käse zog Fäden, hier und da tropfte das Fett auf den Teller. Erst als er ihr ein Papiertuch hinhielt, bemerkte sie, dass er sein Pizzastück noch gar nicht angerührt hatte.
“Danke!” mümmelte sie mit vollem Mund und wischte sich die Finger ab. “Bist Du gar nicht hungrig?”
Sein Blick war irgendwie vernebelt. Der Schatten eines Lächelns lag auf seinen Lippen, das so anders wirkte als sein neckisches Grinsen vor ein paar Minuten. Allmählich fühlte sie sich unwohl als er nicht aufhörte sie anzustarren.
“Scotty?”
Er blinzelte einmal und schüttelte kurz den Kopf. “Hm... was...? Doch! Ich hab Mordshunger!” Sie hätte schwören können, dass er dem noch etwas hinzufügen wollte. Aber er wandte den Blick schnell ab und stopfte sich die Pizza in den Mund.
“Also.... was hast Du ausgesucht?” fragte er, nachdem er den ersten großen Bissen herunter geschlungen hatte.
“Hm?!” fragte sie verwirrt und tupfte sich das Fett aus den Mundwinkeln.
Er schnappte sich die Fernbedienung und schaltete TV und DVD Player ein.
Ein schwarzweißes Bild flammte auf untermalt von lässig entspannter Blaskapellenmusik, die schließlich dramatisch zunahm und leicht hektisch wirkte.
“Charlie Chaplin?!” fragte er leicht verwirrt. “Ist das Dein Ernst?? Wo hast Du die DVD aufgetrieben?!”
“Das war eine von deinen 'Sicherheitskopien' in der Schublade...” Sie konnte das Lachen trotz vollem Mund nicht unterdrücken. “Die anderen Kopien mit den eindeutigen Titeln habe ich einfach mal ignoriert.” Immer noch lachend warf sie ihm ein wissendes Zwinkern zu.
“Ich wusste gar nicht, dass ich diese Sachen in meiner eigenen Wohnung noch besser verstecken muss!”
“Ich bitte Dich, Scotty! Ich bin Detective! Prädestiniert zum Aufspüren solcher prekären Details!” Leicht beschämt schaute er weg, musste aber mitlachen, und genau das gefiel ihr. Die Situation zwischen ihnen war nicht mehr so angespannt. Manchmal kam es ihr so vor, als seien sie beide wie Hund und Katz und es gab wahrlich sehr viele Tage, an denen sie sich spinnefeind waren, auch wenn es ihr hinterher sehr leid tat. Doch beide wussten sich nie so recht aus der Situation herauszuwinden. Vielleicht waren diese Tage endlich Vergangenheit. Die Schamesröte stieg ihm zu Ohren. Sie schmunzelte und in einem unbedachten Moment stupste sie sein linkes Ohr an.
“Hey...!” protestierte Scotty und zog den Kopf zur Seite.
“Du hast rote Ohren!” sagte sie und konnte nicht mehr an sich halten vor Lachen.
Damit verschlimmerte sie alles für ihn nur und die Scham breitete sich auf seinem Nacken aus. Ihre Fingerspitzen berührten leicht seinen Hals. Träge stützte sie ihren Arm auf die Rückenlehne. “Da gibt es eigentlich nichts peinliches dran, Scotty.” Er schluckte und starrte sie mit zusammengezogenen Augenbrauen an. Seine Ohren spielten ihm offenbar einen Streich. Lil sagte etwas, aber die Worte konnten definitiv nicht aus ihrem Mund stammen. “Ehrlich!” fuhr sie fort. Ihre Fingerspitzen wanderten immer noch träge über seinen Nacken. “Ein Mann, der nicht einen dieser Filmchen besitzt, ist doch kein echter Mann.”
“Warte, Lil...” Er wandte sich ihr zu und veränderte seine Position so, dass ihre Fingerspitzen ihn nicht mehr irritieren konnten. “Hast Du mir grade tatsächlich gesagt, dass es für Dich vollkommen normal ist, wenn ein Mann Pornos in seiner Schublade versteckt hat???” Wild gestikulierend unterstrich er seine Skepsis.
“Also entweder Du hast was an den Ohren, oder ich muss mich wiederholen: Ja, ich finde es ist normal für einen Mann. Ich hatte schon öfter diverse... Bekanntschaften.... die anderer Meinung waren und... es war genau die Sorte von Mann, mit der meistens irgendetwas nicht stimmte.”
“Na, dann bin ich heilfroh, dass mit mir alles in Ordnung zu sein scheint!”
“Keine voreiligen Schlüsse, Detective Valens! In dieser Hinsicht mögen Sie Recht haben, andere Aspekte stehen erst noch zur Diskussion! Und jetzt Ruhe.... Ich will den Film sehen.” sagte sie und aß weiter.
“Lillian Rush! Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass Sie mit mir flirten!”
“Psssscht!” Sie winkte mit ihrer freien Hand ab und versuchte ihn zu ignorieren.
“Du weißt aber schon, dass das ein Stummfilm ist, oder?”
“Jaja, ist mir klar.”
“Wir könnten uns weiter unterhalten...”
“Nicht, wenn ich den Inhalt mitkriegen will...” Sie merkte seine Nähe erst, als sein Atem an ihrem Nacken entlang strich. Leicht erschrocken wich sie vor ihm zurück, bevor er sie küssen konnte. “Kusch! Gehst Du wohl zurück auf deinen Platz!”
“Erst wenn ich einen Kuss bekomme...” Er schob schmollend die Unterlippe vor.
“Auf keinen Fall! Du benimmst Dich wie ein Kleinkind im Spielwarenladen!” Sie stemmte beide Hände gegen seine Brust und schob ihn von sich.
“Ok...” gab er sich geschlagen, nahm die Fernbedienung und schaltete den Player auf Pause.
“Hey!” protestierte Lilly.
“Wir schauen uns den Film an und ich werde mich benehmen.... jedenfalls für den größten Teil des Abends. Allerdings unter einer Bedingung...”
“Die da wäre?”
“Warum ausgerechnet dieser Film? Ich meine, ich habe ein paar gute Filme zur Auswahl gestellt. Warum ausgerechnet so was?”
“Weil Deine Auswahl dürftig war! Ich bitte Dich.... The Fast and the Furious...?! In allen erdenklichen Teilen?”
“Hey, das sind reihenweise Traumautos!”
“Genau... Männerporno auf vier Rädern und ein Hauch von Null Handlung! Weiter nichts.... Und dann Rocky 1 bis – wie viele Teile gibt es davon? Zu viele jedenfalls! Die Treppe zum Museum of Art kann ich noch sehr gut selbst hinauf laufen und wie wild oben herum springen... Dazu brauch ich mir meinen Hintern nicht vor dem Flimmerkasten wund sitzen. Und Grease....”
“Den hat Nick mir geschenkt!” versuchte Scotty sich zu verteidigen. “Damit hab ich nichts zu tun.”
“Na, sicher doch... Du willst mich doch nur mit Musicals und Autos ärgern! Und dann noch Harry Potter...” Sie machte eine theatralische Pause, um die Dramatik ihrer Empörung wirken zu lassen. “Scotty, Du darfst froh sein, dass ich hier überhaupt noch sitze und die DVDs nicht aus dem Fenster geworfen habe!”
“Die Filme habe ich wegen Em.”
“Wegen was?!”
“Em... Emilio...” Er wartete, aber auf ihren Gesichtszügen spiegelte sich Skepsis wieder. “Emilio ist mein Neffe. Er steht total auf diese Filme.”
Das machte tatsächlich Sinn, aber so leicht wollte sich Lil nicht überzeugen lassen.
“Du bist Dir heute aber für keine Ausrede zu schade...” Insgeheim wollte sie ihn eigentlich nur ärgern und es bereitete ihr unheimlich viel Spaß. “Und den Rest brauch ich nicht als Film, da reicht mir ein Blick auf meinen Schreibtisch auf der Dienststelle. Ich bin zwar dafür berüchtigt, Fotos von Opfern auf meinem Nachttisch aufzustellen, aber ich brauch keine fiktiven Opfer mit absurden Fällen als Unterhaltungsfilm.” Es zischte als sie den Kronkorken von der nächsten Bierflasche abdrehte.
“Also ist das nicht bloß ein Gerücht?!” Ich dachte, da wollte sich nur einer wichtig tun und Dich durch den Kakao ziehen...” Er lachte über seine Bemerkung, als sollte sie witzig klingen. Doch sie lachte nicht mit. Stattdessen starrte sie nur ihr Bier an. “Ach, komm schon, Lil. Die wissen es doch nicht besser und sind nur neidisch, dass Du es zu mehr gebracht hast, während sie selber nur kleine Streifencops sind! So was trifft Dich doch nicht wirklich!” Er knuffte sie freundschaftlich in die Schulter, um sie aus ihrer Lethargie zu holen.
“Ich weiß nicht, Scotty... Ich bin vielleicht noch kaputter als mich die meisten halten.”
“Und wenn schon...? Jeder hat sein Paket mit sich herumzutragen. Die einen mehr, die anderen weniger. Und diejenigen, die Dich wegen Deiner Art verurteilen, kennen Dich eben nicht so gut wie... naja, wie wir.”
“Wen meinst Du damit?” fragte sie zweifelnd.
“Na Boss, Vera, Jeffries... Miller...” Sie hing an seinen Lippen, doch er schweifte ab, dabei wussten beide, dass seine Aufzählung unvollständig war. Betretenes Schweigen hing in der Luft. Lilly schob den Rand ihres Pizzastücks auf dem Teller hin und her.
“Wir sind Partner, richtig?” fragte sie und suchte in seinen Zügen nach Bestätigung.
Er nippte an seinem Bier und starrte ins Leere. “Sind wir das wirklich?” Er zögerte, sie anzusehen. “Oder sind wir mehr als nur Partner?”
Lilly atmete tief durch und schüttelte leicht den Kopf. “Wir haben jede Menge Fehler gemacht, Scotty...”
“Ja, das haben wir...” Er fuhr sich durch das kurze Haar. Die Richtung, die das Gespräch annahm, gefiel ihm gar nicht. “Aber es war nicht alles schlecht...”
“Wie geht es jetzt weiter...?” unterbrach sie ihn. “Ich mein, was wird Boss dazu sagen?” Ein zunehmend wahrnehmbarer panischer Hauch vibrierte in ihrer Stimme. “Nicht das hier...” Sie holte mit den Armen aus. “Nicht, was wir gerade hier tun...” Sie stockte. Ihr fehlten die Worte.
“Was tun wir hier denn gerade, Lil” fragte er, unsicher ob er die Antwort wissen wollte.
“Ich... wir...” Plötzlich stellte sie Teller und Flasche auf den Tisch und stand auf. “Es war ein Fehler herzukommen.” Sie fasste sich an die Stirn, ihre Augen waren glasig. Panik stand ihr ins Gesicht geschrieben. “Es tut mir leid. Es tut mir unendlich leid!” Mit einem Satz war sie an der Garderobe und griff nach ihrer Jacke, doch Scotty fixierte ihr Handgelenk, und sie hielt inne. Er stand direkt hinter ihr. Sie spürte seinen Atem an ihrem Ohr vorbei streichen. Seine Nähe trieb ihr einen kalten Schauer über den Rücken und sie wagte es nicht, sich zu bewegen.
“Tu das nicht...” flüsterte er. Lilly hätte schwören können, dass ihr Herz ein paar Takte aussetzte. Für einen Moment weigerte sich ihr sonst geistreicher Kopf sie mit sinnvollen Worten zu beliefern. Jeder greifbare Gedanke entschlüpfte ihren Fingern.
“Tu was nicht...?” fragte sie schließlich doch, wenn auch geistesabwesend.
“Weglaufen.”
“Ich laufe nicht...” Er drehte sie herum, bevor sie den Satz beenden konnte.
“Doch das tust Du. Du versuchst es zumindest.” Sie fand sich in seinen Armen wieder, aber konnte nicht die Energie aufbringen, ihn von sich zu stoßen. “Vertraust Du mir?” Sie starrte ihn mit offenem Mund an, doch die Worte blieben aus. “Vertraust Du mir, Lil?” wiederholte er seine Frage.
“Ja... ja, ich vertraue Dir, Scotty.”
“Dann sei bitte vernünftig! Es ist halb eins! Ich lass Dich nicht um diese Uhrzeit alleine raus!”
“Ich kann sehr gut auf mich aufpassen!” schnellte ihr stoischer Stolz über ihre Zunge.
“Das zweifel ich nicht an. Aber Du hast getrunken... ich lass Dich nicht mehr fahren.” Er kramte in ihren Jackentaschen nach dem Autoschlüssel, fand aber keinen.
“Ich bin nicht mit dem Auto hier... Ich bin hergelaufen.”
Er öffnete ein paar Mal ungläubig den Mund. Ihre Worte mussten erst noch wirken. “Wenn Du unbedingt gehen willst, werde ich Dich begleiten.”
“Sei nicht albern, Scotty! Mein Haus liegt 40 Minuten zu Fuß von hier!”
“Bleib...” bat er sie schlicht. “¡Por favor!”
“Ich kann kein Spanisch...” gestand sie ein wenig hilflos.
“Lass uns den Film schauen. Es ist noch genug Pizza und Bier da. Ich werde den Rest bestimmt nicht alleine vernichten.” Das Lächeln auf seinen Lippen sollte seine Unsicherheit überspielen.
Sie lehnte die Stirn an seine Brust. “Ich möchte Dich nicht verlieren.” Es war nicht viel mehr ein Murmeln in sein Sweatshirt, aber er verstand den Sinn ihrer Worte.
“Hör zu, Lil. Wir sind beide sehr müde. Jetzt über uns zu diskutieren würde uns nicht weiterbringen. Wir sind Partner... Freunde... und...” Erwartungsvoll schaute sie auf. Wenn er nicht wollte, dass sie sich von ihm distanzierte, musste er die richtigen Worte finden. “Und... hör zu... wir sollten das wirklich ein andermal besprechen. Es gibt vieles zu bereden, was wir beide dem anderen verschwiegen haben, und jetzt noch damit anzufangen, würde zu Nichts führen.”
Sie senkte den Blick und wand sich aus seinen Armen. “Du hast recht.” stimmte sie schließlich zu. “Trotzdem sollten wir uns absprechen, bevor wir Boss morgen unter die Augen treten.”
“Bei einem Stück Pizza und einer Flasche Bier? Ich habe grade zufällig beides da und könnte Sie einladen, Detective Rush.” Trotz ihrer Situation erreichte er damit, sie zum lachen zu bringen, auch wenn es nur kurz anhielt.
“Ich meine es ernst, Scotty!”
“Das Leben ist zu kurz, um nur ernst zu sein.” Er nahm sie bei der Hand. “Lass uns wieder hinsetzen. Wenn Du willst, können wir reden, aber Du musst es nicht. Nicht heute Abend jedenfalls.” Sie ließ sich zur Couch zurückführen und zog ihre Beine unter ihren Körper als sie sich hingesetzt hatte. “Was hast Du Boss eigentlich genau erzählt?”
“Die Vorgeschichte, dass es um Chris ging und meine Dienstwaffe gestohlen wurde, und dass wir sie zurückgeholt haben. Wir stellen es am besten so dar, dass ich Dir keine Wahl gelassen habe als mir zu helfen.” Er wollte Einspruch erheben, aber sie brachte ihn mit einem Wink zum Schweigen. “Es reicht, wenn meine Karriere auf der Kippe steht. Und egal, was Boss morgen sagen wird, ich werde nicht zum FBI gehen.”
Diese Neuigkeit ließ Scotty irritiert die Stirn runzeln. “Aber warum nicht? Das ist doch die Gelegenheit, Deiner Karriere zu einem neuen Aufschwung zu verhelfen! So eine Chance bekommst Du nie wieder!”
“Es ist so, wie Du gesagt hast... Wenn ich den Job annehme, gibt es kein Zurück mehr. Beim FBI müsste ich bei Null anfangen. Sicher wäre die Bezahlung viel besser, aber was nützt mir das Geld, wenn ich noch mehr arbeiten müsste. Ich will euch nicht verlassen... ich will Dich nicht verlassen.”
Sein Arm lag auf der Rückenlehne und er spielte mit ihren Haaren. “Es wäre nicht dasselbe ohne Dich.” gab er zu ohne zu viel preisgeben zu müssen. “Aber unsere Karrieren würden uns nicht mehr im Weg stehen.”
“Wir würden weniger Zeit miteinander verbringen können.”
“Verbringen wir denn sonst mehr Zeit zusammen?”
“Ich könnte nicht so einfach mit einem anderen zusammenarbeiten, Scotty.”
“Ich würde Deine Launen vermissen.” Er lachte leise.
“Willst Du mir damit etwa sagen, dass ich launisch bin??” Sie versuchte empört zu wirken.
“Willst Du damit etwa behaupten, nicht launisch zu sein?” Auf ihr sprachloses Gesicht musste er noch viel mehr lachen. “Ach, komm schon, Lil... Ich nehm Dich so, wie Du bist. Du hast mir so manchen Denkzettel verpasst und von Deinen Krallen will ich gar nicht erst anfangen.”
Nun musste auch sie lachen. Viele Erinnerungen flammten an ihrem inneren Auge vorbei. Momente, in denen sie sich gestritten hatten, meistens allerdings nur weil er etwas getan hatte, was ihr nicht passte. Immerhin konnten beide jetzt darüber lachen. “Wir geben schon ein komisches Pärchen ab.” pflichtete sie ihm bei. “Es tut mir leid, dass ich so kratzbürstig war.”
“Das war wohl bei mir nötig und einiges davon hab ich durchaus gebraucht. Ich war anfangs nicht das Paradebeispiel eines Detectives.”
“Anfangs?” unterbrach sie ihn und verbarg ihr Lachen hinter ihrer Hand.
“Was zum...?! Na, warte!” Sie wollte grade die Flucht ergreifen, doch er zog sie zurück auf die Couch und startete eine Kitzelattacke mit unerbittlich flinken Fingern. Sie kicherte und flehte um Erbarmen, aber er entließ sie nicht. Je mehr sie sich wehrte, desto größer wurde sein Ansporn, Lilly Rush in Grund und Boden zu kitzeln. Bald musste sie feststellen, dass sie ihm kräftemäßig nicht gewachsen war. Er lag mit seinem vollen Körpergewicht auf ihr. Ihre Hände hielt er über ihrem Kopf fixiert und kitzelte sie ungeniert mit seiner freien Hand weiter.
“Ich gebe auf! Ich gebe auf!!” rief sie völlig außer Atem. Er stockte zwar in seiner Bewegung, ließ sie jedoch nicht frei.
“Glaubst Du, Du kommst so leicht davon?” Er grinste diabolisch, während seine Finger über ihre empfindliche Seite streichelten. Der Stoff ihrer Bluse war so seiden und dünn, dass er ihre Wärme hindurch spüren konnte.
“Lass mich los.” flehte sie weniger nachdrücklich und wand sich unter seinem Gewicht. Doch er ließ nicht locker. Stattdessen wurden sich beide bewusst, in welcher Position sie sich befanden. Er zog ihr Hemd soweit aus der Hose, dass ein wenig Haut zum Vorschein kam. Seine Finger geisterten darüber. Eine Gänsehaut breitete sich dort aus, wo er sie berührte. Ihr Atem bebte vor Anspannung und sie zuckte immer wieder zusammen, wenn seine Finger eine empfindliche Stelle erfühlten. Sie schaute ihn herausfordernd an, ihr Mund leicht geöffnet, aber sie sagte nichts. Anstatt weiterhin ihre Haut zu erkunden, wanderte seine Hand über das Shirt hinauf und umfasste ihre kleine Brust. Er ertastete ihre Brustwarze durch die dünnen Lagen Stoff und nahm sie zwischen seine Finger ohne dabei den Blick von ihr abzuwenden. Ihr Brustkorb hob sich und ihr Atem ging ein wenig schneller. Sie wand sich immer noch unter seinem Gewicht, aber mittlerweile mit einem anderen drängenden Bedürfnis. Er massierte sanft ihre Brust und das Verlangen nach weniger Stoff trieb ihm beinahe das Blut aus allen Gehirnzellen. Sein Atem strich heiß über ihre Wange, glitt an ihrem Hals hinunter und verlor sich irgendwo in ihren Nackenhaaren. Er ließ ihre Hände los, während er sich mit seinem ganzen Gewicht auf ihr niederließ. Sie empfing ihn in einer innigen Umarmung, strich mit den Händen an seinen Seiten entlang, grub sich in sein Sweatshirt und ertastete das Muskelspiel seiner Schultern, das sich nur erahnen ließ. Er fixierte sie mit seinem Blick, spielte mit vereinzelten Strähnen ihres Haars, das wie eine Korona auf der Sofalehne ausgebreitet war. In ihren Augen spiegelte sich große Erwartung wider. Sie starrte ihn nicht mehr herausfordernd an, viel eher voller Spannung untermalt von Ungewissheit.
Schließlich presste er seine Hüften in ihre, drückte ihren zierlichen Körper in die Couch und entlockte ihr ein unterdrücktes Stöhnen.
Sie legte den Kopf in den Nacken, schloss die Augen im gleichen Moment, die Brauen in verzweifelter Ungeduld verzerrt Das war der Augenblick, in dem Scotty sich bestätigt sah. Seine Hüften trafen ein zweites Mal auf ihre. Er konnte den Blick nicht abwenden von der Lust, die sich auf ihrem Gesicht widerspiegelte. Mit geschlossenen Augen und einem entspannten Lächeln auf den Lippen präsentierte sie ihm ihre Kehle und ihr ganzer Oberkörper hob sich seinem entgegen. Sie spürte ihn zwischen ihren Schenkeln und wagte es nicht, sich eine Vorstellung davon zu machen. Jede seiner Bewegungen erweckte ein warmes Kribbeln in ihrer Magengegend, das sich weiter nach unten ausbreitete und in ihrem Schoß sammelte.
Seine Lippen liebkosten die zarte Haut an ihrem Hals. Er spürte ihren rasenden Puls unter seiner Zunge. Beide atmeten schneller und es dauerte nicht lange bis sie einen gemeinsamen Rhythmus gefunden hatten.
“Scotty...” hauchte sie, gefolgt von einem kehligen Stöhnen.
Er fühlte, wie seine Hose schmerzhaft enger wurde und das pulsierende Verlangen verschleierte seine Gedanken. “¡Quédate por favor!” bat er sie und vergaß vollkommen, dass sie kein Spanisch verstand.



Anmerkung, die zweite:
Kleine Spanisch Übersetzung:
¡Quédate por favor! = Bitte bleib!
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast