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Elegy - Liebe lieber morgen

von Enem
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
29.01.2012
21.10.2021
25
35.435
21
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
1 Review
 
14.10.2021 1.224
 
22 - Zum Niederknien schön


Eigentlich stehe ich nicht so auf Frühstück im Bett, weil ich es hasse, auf den ganzen Krümeln zu liegen, aber Alexander macht es mir ziemlich schwer, mich dagegen zu wehren. Zum einen steht der Kaffee schon auf dem Nachttisch, als ich überhaupt erst mal die Augen aufschlage und bis ich mich in eine halbwegs aufrechte Position hieve und gähnend nach meinem Kaffee greife, sitzt er schon bei mir auf dem Bett und knabbert an seinem Marmeladentoast. Er hält ihn mir hin, sodass ich gezwungen bin abzubeißen und gleich darauf küsst er mich und leckt mir Marmelade von den Lippen.

„Hey! Das ist meine“, ich nehme ihm dafür seinen Toast weg, Alexander kriecht näher und reibt sich mit einem zufriedenen Brummen an mir. Muss ich schon wieder lachen. Vergessen sind das Frühstück und der Kaffee. Meine Hand gleitet in seinen Nacken und wir küssen uns ausgiebig.

„Mhm, das ist doch mal ein Aufwachen nach meinen Vorstellungen“, seufze ich leise und rutsche wieder tiefer in mein Kissen.

„Und deswegen schläfst du jetzt gleich weiter?“

„Kann ich nochmal aufwachen“, erkläre ich in unbestechlicher Logik. Da kann selbst Alexander nicht gegen an. Ich höre ihn leise kichern und dann ist er wohl wieder mit essen beschäftigt. Blinzelnd öffne ich die Augen erneut und sehe ihn an. Ich sehe ihn gerne an, stelle ich fest, gerade so, wie er jetzt ist, noch ein bisschen zerrupft vom Bett, aber eindeutig schon viel zu munter. Er trägt eins meiner T-Shirts und auch eine meiner Jogginghosen, die sitzt ein wenig zu tief und hängt ihm über die Füße, sodass er beim Gehen drauftritt, wie ich feststelle, als er aufsteht und das leere Geschirr drüben auf der Kommode abstellt. Und er sieht absolut liebenswert darin aus.

Als er wieder zurückkommt, fasse ich nach seiner Hand und ziehe ihn mit einem geraunten „komm her“ wieder ins Bett. Lange bitten lässt er sich nicht, kriecht erneut über mich und lässt sich dann auf meine Seite rutschen. Den Kopf auf den Arm gestützt, betrachtet er mich und spielt mit meinen Haaren. „Was machen wir heute?“

„Wir vergammeln den ganzen Tag im Bett und bewegen uns nur raus, wenn akute Gefahr besteht“, antworte ich.

Alexander grinst. „Das klingt nach einem Plan.“

„Mhm. Gefällt er dir?“

„Ich liebe ihn“, lacht er leise, rückt näher, beugt sich über mich und küsst meinen Hals. Seine Hand streichelt sanft über meinen Bauch.

Oh ja, verdammt guter Plan.

*


Gegen Mittag liegen wir immer noch im Bett, aber immerhin waren wir zwischendurch mal auf und im Bad. Von dort führte der Weg allerdings schnurstracks zurück ins Schlafzimmer, wo wir mit unserer Hauptbeschäftigung – nämlich küssen, herum turteln, am besten ineinander kriechen – gleich weitermachten.

Jetzt im Moment ist Alexander damit beschäftigt, mich zu vermessen oder so. Auf alle Fälle sitzt er schon eine Weile auf mir, betrachtet mich, streicht mal mit der Hand über meinen Bauch, dann über meine Brust oder meine Arme, als wolle er sich jedes Detail einprägen. Und verdammt – das macht mich schon wieder so an, schlimm ist das. Natürlich merkt er das, nimmt es auch mit einem kurzen Zucken seiner Augenbraue und einem schiefen Grinsen zur Kenntnis, nur reagiert er nicht darauf und macht stattdessen mit seinen Erkundungen weiter.

Als ich unter ihm ein wenig zu zappeln beginne, hält er plötzlich still. „Hör auf“, flüstert er. „Ganz ruhig.“

Ruhig, okay, wenn er meint. Ich schließe die Augen, versuche ruhiger zu werden, gleichmäßiger zu atmen. Aber wie soll das funktionieren, wenn er sich über mich beugt und mich küsst. Hund.

„Sieh mich an“, flüstert er jetzt. Ich komme der Aufforderung nach, blinzle und suche seinen Blick. Meine Hände streichen über seine Beine hinauf und bleiben auf seinen Hüften liegen. Alexander lächelt ganz schwach, sein Blick wechselt in rascher Folge zwischen meinen Augen hin und her, dann seufzt er.

„Du hast so irre schöne Augen, weiß du das?“, flüstert er. Seine Finger streichen behutsam über meine Augenbraue, ich blinzle und sein Lächeln wird noch eine Spur deutlicher. Dann beugt er sich zu mir. „Das löst Stürme aus, wenn du mich so ansiehst“, flüstert er an meinem Ohr und richtet sich wieder auf.

Was soll ich dazu sagen? Es ist mir fast ein wenig peinlich. Ich wusste ja nicht, dass er so sein kann. Also ziehe ich die Nase kraus und grinse verlegen.

„Du bist ja vielleicht dramatisch.“

Alexander schmunzelt. Ganz sicher hat er mitbekommen, dass er mich in Verlegenheit gebracht hat, aber er geht nicht darauf ein. „Ich muss dramatisch sein“, erklärt er stattdessen. „Ich bin Schauspieler.“ Seine Finger streichen weiter die Konturen meines Gesichts entlang und ich beruhige mich wieder ein bisschen.

„Na dann sei weiter dramatisch, leg los“, übergehe ich die letzte Hürde. Ich habe keine Ahnung, ob Alexander das als Herausforderung sieht, auf alle Fälle rutscht er ein Stück zurück auf meine Beine, nimmt dann meine Hand und zieht mich in die Höhe.

Seine Hand fährt in meinen Nacken, der Daumen streicht ganz leicht über meine Haut. Und ernst – er ist vollkommen ernst, so wie er mich gerade ansieht, fast bis auf mein Herz möchte man meinen.

„Wärst du eine Frau, hätten sie früher Kriege wegen dir angezettelt.“

Zugegeben, es dauert einen Moment, bis ich die volle Bedeutung der geflüsterten Worte so richtig verdaut habe, aber dann hält mich nichts mehr. Ich bemühe mich – wirklich – aber meine Mundwinkel zucken und schließlich kann ich einfach nicht mehr. Lauthals beginne ich zu lachen, Alexanders Hand liegt immer noch in meinem Nacken.

„Also ehrlich“, weist er mich zurecht. „Du kannst doch nicht einfach lachen, damit ruinierst du völlig den Moment.“ Er grinst aber selber ein bisschen und als ich kopfschüttelnd nach Luft schnappe, wird sein Griff in meinem Nacken härter. „Hör auf zu lachen, Leon“, sagt er leise, aber wieder völlig ernst. „Komm schon, versuch es wenigstens.“

„Was?“

„Mich ansehen und nicht lachen.“

„Okay“, sage ich, sehe hin und schlucke. Es geht nicht, ich muss sofort wieder lachen. „Das ist unfair! Du hast das gelernt, ich nicht.“ Alexander sieht weg, wartet, dann betrachtet er mich wieder. Ich atme tief durch, nicke, murmle wieder „okay“ und versuche erneut ihn anzusehen.

„Gut jetzt?“

„Gut, ja.“ Na ja fast. Ich beiße die Zähne zusammen, starre in seine Augen und unterdrücke den Impuls, gleich wieder loszuprusten. Es gelingt einigermaßen.

„Und?“, fragt er flüsternd nach einer Weile.

„Und was?“

Alexander lächelt schwach. „Dein Text, du bist dran.“

Mein Text – ich überlege, da war was mit Krieg. Okay, schaffe ich ohne zu lachen... glaube ich. „Du kannst gerne einen Krieg wegen mir anzetteln, aber sorg dafür, dass du ihn auch gewinnst“, sage ich leise und so schnell, dass ich nicht in Gefahr gerate, mittendrin zu lachen. Funktioniert sogar richtig gut. Plötzlich fühlt es sich ganz anders an, so wie Alexander mich ansieht. Mein Herz klopft schneller. Er lacht nicht, er schmunzelt. Ich kann es sehen und auch spüren, als er mich küsst.

„Das hatte ich vor“, murmelt er an meinem Mund und drückt mich wieder ins Kissen. Und dann lacht er doch noch leise, flüstert: „Das war ziemlich gut“ und fährt mit beiden Händen in meine Haare. Wir küssen uns hungrig und jede Spur von Heiterkeit ist verflogen. Alexander sitzt immer noch auf mir, bewegt sich leicht, sodass ich leise raune. Das reicht an Aufforderung. Ich fasse nach dem Saum seines T-Shirts und ziehe es ihm über den Kopf.

~*~
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