Divine Lover

GeschichteRomanze / P18 Slash
Ares Hercules
29.01.2012
04.02.2012
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29.01.2012 1.428
 
In dem kleinen Dorf herrschten Terror und Chaos, als Hercules zusammen mit dem Mann, der ihn geholt hatte, dort eintraf.
Die Lehmhütten der armen, bescheiden lebenden Einwohner standen fast allesamt in Flammen, und die Menschen rannten und schrien in blinder Panik durcheinander.
Nachdem er sich einen ersten Überblick verschafft hatte, soweit das in dem Durcheinander möglich war, teilte Hercules die Menschen in bestimmter Weise zum Wasserschöpfen und Löschen ein, damit kein Wasser und keine Zeit verschwendet wurden. Natürlich begann er auch ohne Zögern damit, selbst mitzuhelfen.
Während er mit einem Wassereimer zwischen dem Brunnen und den brennenden Häusern hin und herrannte, fiel Hercules plötzlich eine junge Frau auf, die, statt mitzuhelfen, in ihrem Kleid mitten auf dem Boden kniete und bitterlich weinte.
Hercules eilte zu ihr und umfasste sanft ihre zarten Schultern. "Was ist denn? Kann ich Dir helfen?"
Die zierliche Frau weinte schrecklich und sie brauchte einen Augenblick, um zu begreifen, dass da jemand bei ihr war.
"Mein Baby", schluchzte sie dann endlich. "Es ist tot!"
"Tot?" wiederholte Hercules. "Aber warum? Was ist hier überhaupt geschehen?"
"Ich weiß es nicht", weinte die Frau. "Blitze kamen vom Himmel, und die Häuser stürzten ein. Mein Baby wurde unter den Trümmern unseres Hauses begraben."
Hercules fühlte sich elendig hilflos, und Wut stieg in ihm auf. Wut auf denjenigen, der dieses Chaos angerichtet hatte. Irgendeinen Verursacher musste es schließlich geben, die Häuser waren kaum von selbst in Flammen aufgegangen. Er schwor sich, den Urheber zur Rechenschaft zu ziehen.
So sehr es ihm missfiel, er musste die arme Frau sich selbst überlassen. Im Augenblick wurde jede helfende Hand gebraucht, und Hercules fuhr damit fort, Wassereimer zu schleppen. Ein paar Minuten später beobachtete er, wie sich ein Mann um die Frau kümmerte. Offenbar war er ihr Ehemann, denn sie ließ sich von ihm in die Arme nehmen und trösten.
Ganz unvermittelt kam ein ungestümer Wind auf, der keine natürliche Ursache zu haben schien, denn der Himmel war nach wie vor wolkenlos.
Hercules duckte sich und legte schützend den Arm vors Gesicht. Feiner Sand drang in seine Augen, was sehr schmerzhaft war.
Als der Wind nachließ und er aufschaute, sah er, wie sich aus einer grellweißen Wolke eine dunkle Gestalt materialisierte.
Hercules ahnte, dass er gleich einem Gott gegenüberstehen würde, denn nur die Vollblutgötter konnten sich auf diese Weise fortbewegen. Er selbst konnte das nicht. Zeitlich begrenzt war er einst in der Lage dazu gewesen, damals, als er Zeus auf dessen Bitte hin auf den Olymp hinauf gefolgt und dort von seinem Vater zu einem vollständigen Gott gemacht worden war.
Die schwarzhaarige Gestalt mit dem gepflegten Bart materialisierte sich mit einem breiten Grinsen auf dem überaus attraktiven Gesicht und baute sich selbstgefällig Hercules gegenüber auf. "Hercules! Bei allen Göttern, es ist schön, Dich wiederzusehen!"
"Ares!" entfuhr es Hercules, und die latent vorhandene Wut in seinem Innern verstärkte sich um ein Vielfaches. "Ich hätte mir denken können, dass Du für diese Schandtat hier verantwortlich bist!"
"Aber aber! Schandtat würde ich das nicht nennen. Ich hatte eben Lust auf etwas Abwechslung........"
"Ares, verdammt nochmal!" schrie Hercules ihn an. "Du hast diese Menschen gequält, ihr Eigentum zerstört, und obendrein hast Du ein Baby umgebracht! Ein unschuldiges Baby!"
Ares machte eine wegwerfende Handbewegung. "Das war ein Versehen."
"Das ist mir vollkommen egal! Du hast es jedenfalls getan, und Du wirst dafür bezahlen!"
"Na, na, na", amüsierte sich Ares. "Willst Du Dich etwa mit mir streiten, Bruderherz?"
"Ich bin nicht Dein Bruderherz!"
"Aber mein halbes Bruderherz."
Hercules ging auf Ares zu. Er wollte den anderen Mann zu einem Zweikampf herausfordern. Ares schien das mit Freuden zu erwarten, denn er grinste über das ganze Gesicht, während er Hercules zu sich kommen ließ.
Als die beiden einander nahe genug waren, holte Hercules aus und versuchte, Ares einen Fausthieb gegen den Hals zu verpassen. Der aber hatte aufgepasst und parierte. Ein paarmal gestattete er Hercules noch, ihn anzugehen, dann schlug er seinerseits zu, und das nicht zimperlich.
Er erwischte Hercules im Gesicht und schlug ihn in den Magen, und je länger ihr Kampf dauerte, desto deutlicher spürte Hercules, dass er gegen Ares nicht gewinnen konnte. Er war eben nur ein Halbgott, zudem war Ares als Kriegsgott von Zeus mit besonderer körperlicher Kraft ausgestattet worden. Hercules konnte Ares nur dann besiegen, wenn ihm günstige Umstände zu Hilfe kamen - oder Iolaus, der Ares vielleicht von hinten etwas auf den Schädel schlug.
Aber es gab keine günstigen Umstände, und es gab keinen Iolaus. Also versuchte Hercules tapfer, mit seinem Halbbruder selbst fertig zu werden.
"Was ist denn, Kleiner?" neckte Ares ihn. "Keine Kraft mehr? Ich dachte, ich soll bezahlen!"
"Das wirst Du", presste Hercules vom Kampf geschwächt hervor, während er versuchte, auf den Beinen zu bleiben. In seinem Gesicht zeigten sich erste Blutergüsse von Ares’ brutalen Hieben. "Wenn nicht heute, dann zu einer anderen Zeit."
"Aha! Da haben wir’s. Brüderchen zeigt Schwäche."
Ares packte Hercules’ Hals mit beiden Händen und würgte ihn, und als er ihn endlich losließ, fiel Hercules auf die Knie. Ihm war schlecht, und er keuchte verzweifelt, um wieder zu Atem zu kommen. Ares trat ihm in die Seite, und Hercules stürzte vollends zu Boden.
Hercules kam auf dem Rücken zu liegen, und noch ehe er etwas tun konnte, hatte sich Ares mit seiner ganzen Körperlänge auf ihn geworfen. Er packte Hercules’ Handgelenke und nagelte sie neben Hercules’ Kopf auf dem Boden fest, seine Knie pressten gegen Hercules’ Schenkel und sorgten dafür, dass Hercules sich nicht mehr bewegen konnte.
Hercules spürte die Hitze, die von Ares’ kraftvollem, athletischen Körper ausging. Langsam senkte Ares sein Gesicht immer weiter auf das von Hercules hinab, bis sich ihre Nasenspitzen fast berührten.
"Ich hatte meine Gründe, dies hier zu tun!" ließ Ares Hercules wissen, und in seinen schlammgrünen Augen glomm ein mysteriöses, ungezügeltes Begehren. "Ich habe ein Recht darauf, meine Aggressionen abzubauen, wenn ich welche verspüre."
"Nicht, wenn dabei unschuldige Menschen zu Schaden kommen", presste Hercules hervor. Ares’ Körpergewicht drückte schwer auf ihn und ihm war, als wäre er in ein Folterinstrument eingeklemmt.
"Das war ein Versehen!" wiederholte Ares seine zuvor gemachte Aussage. "Und wenn Du mir hilfst, meine Aggressionen loszuwerden, wird es nicht wieder vorkommen."
"Ich kann mich nicht stundenlang mit Dir schlagen", sagte Hercules. "Du weißt genau, dass ich Dir körperlich nicht gewachsen bin."
"Niemand hat etwas von schlagen gesagt", meinte Ares und schaute Hercules tief in die Augen. Dann senkte er sein Gesicht noch weiter hinab, er berührte mit seinen heißen Lippen diejenigen von Hercules zu einem sanften, oberflächlichen Kuss.
Das darf doch wohl nicht wahr sein, ging es Hercules durch den Kopf. Was zur Hölle tut er da?
"Nicht ein Dorf voller langweiliger Menschen ist es, was ich will", erklärte Ares mit einer Stimme, die heiser war vor Verlangen. "Ich will Dich, Hercules! Ich will Deine Leidenschaft, und ich will Deinen Nektar."
Hercules glaubte, sich verhört zu haben. Was war nur los in letzter Zeit? Zuerst Salmoneus, und jetzt Ares. Hatte Aphrodite die Atmosphäre in dieser Gegend etwa mit Liebeszauber aufgeladen?
"Du bist verrückt, Ares!" brachte Hercules hervor. "Wie kannst Du glauben, ich würde es ausgerechnet mit Dir treiben wollen?!"
"Vielleicht weil ich gewichtige Argumente dafür habe, warum Du es tun solltest."
"Nein, Ares. Solche Argumente kann es nicht geben. Wir sind verfeindet, und daran wird sich nichts ändern."
"Solange Du blind an Deinen Vorurteilen festhältst, sicher nicht."
"Vorurteile? Du hast Dich mir gegenüber noch nie freundlich gezeigt." Hercules versuchte, sich aus Ares’ Klammergriff zu befreien, doch das war aussichtslos. Ares hätte ihn für immer und ewig in dieser unterlegenen Position festhalten können.
"Dann gib’ mir eine Chance, freundlich zu Dir zu sein", verlangte Ares, und Hercules glaubte ein weiteres Mal, seinen Ohren nicht trauen zu können. "Eine einzige Chance, mehr verlange ich nicht!"
"Na schön, Ares", hörte Hercules sich sagen, obgleich er sich nie und nimmer vorstellen konnte, dass sein rücksichtsloser Halbbruder tatsächlich etwas Positives zu tun gedachte. "Wenn es Dir hilft, Dich besser zu fühlen, dann beweise mir, dass Du anders sein kannst!"
Hercules hatte die Worte kaum ausgesprochen, da umfing ihn ein grelles Licht, und er verlor das Bewusstsein.
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