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Zimt und Sterne

von Jari
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16
Rachel Mariana Morgan Trenton "Trent" Aloysius Kalamack
25.01.2012
06.07.2012
10
11.077
2
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25.01.2012 1.041
 
It’s partytime :-)

Viel Spaß! *hoffentlich*

9

31.12. – Silvester

Teil 2


Kaum öffnete ich die Transportbox flogen die Pixies in hohem Bogen hinaus und verstreuten sich in alle Winde. „Wir sehen uns später, Rache“, rief Jenks und zog Matalina hinter sich her.

„Mr. Kalamack hat wirklich keine Kosten und Mühen gescheut“, stellte eine Dame fest. „Eine Pixieartistengruppe ist mal wirklich innovativ.“

Ich unterdrückte ein Prusten und nippte an dem Champagner, den mir ein beflissener Kellner am Eingang in die Hand gedrückt hatte. Neben mir grinste Ivy und zeigte dabei ihre Reißzähne, was dazu führte, daß sich die in unserer Nähe stehenden Personen zerstreuten.

Es waren weniger Gäste anwesend, als ich erwartet hatte. Eine Gruppe Männer, die aussahen, als gehörten sie eher in Trentons Ställe als zu seinen Geschäftsleuten, standen gestikulierend an der Bar. Einer von ihnen, ein gut aussehender Typ mit kakaobraunen Augen und ebenso dunklen Locken, drehte sich immer wieder zu uns herum. Ich vermochte nicht einzuschätzen, ob seine interessierten Blicke Ivy, mir oder der Tatsache galten, daß eine Vampirin und eine Hexe einträchtig beieinander standen.

Schade, daß Bis schon an der Garderobe eingeschlafen war. Er hatte einmal gegähnt, sich dann auf einem Stuhl zusammengerollt und war binnen Sekunden bewegungslos wie, nun ja, wie eben Stein geworden. Das Auftauchen eines Gargoyle hätte den Mann bestimmt noch mehr verwirrt.

Vor der Bühne, auf der gerade eine Band angesagte Pop-Hits spielte, hüpfte eine Gruppe Jugendlicher herum. Einige Anwesende kannte ich sogar. Da war Maggie, die in ihrer Stoffhose und der paillettenbesetzten Bluse gar nicht mehr wie eine Köchin wirkte. Auch Trentons Sekretärin befand sich unter den Feiernden. Zuerst hatte ich befürchtet, in meinem kurzen, schwarzen Kleid und den hochhackigen Lackstiefeln völlig underdressed zu sein, aber nicht alle Gäste trugen Abendgarderobe. Die meisten von ihnen waren gut, aber nicht übermäßig edel gekleidet.

Die Band wechselte zu einem langsamen Schmusesong. Die Jugendlichen verließen die Tanzfläche und stürmten das Buffet.

„Hallo.“ Der Lockenkopf stand plötzlich vor uns. „Ich bin Marc.“

„Ivy.“ Ich deutete auf meine Begleiterin. „Und Rachel.“

„Sehr erfreut.“ Seine dunklen Augen hefteten sich auf Ivy. „Möchtest du mit mir tanzen?“

Der Mann hatte Mumm. Es kam selten vor, daß eine Frau, die sich offen als Vampirin zu erkennen gab, zum Tanzen aufgefordert wurde. Es sei denn, man befand sich in einer Diskothek, die für ihr gemischtrassiges Klientel bekannt war.

Sie nickte. „Gerne.“ Dann blickte sie zu mir. „Ist doch in Ordnung, oder?“

„Natürlich. Viel Spaß.“ Ich blickte den beiden hinterher. Während sie zur Tanzfläche gingen, sagte er etwas zu Ivy. Sie legte den Kopf in den Nacken und lachte. Es war schön, daß sich zumindest eine von uns amüsierte und einen aufmerksamen Begleiter hatte. Was man von mir nicht gerade behaupten konnte. Der Mann, wegen dem ich überhaupt an der Silvesterfeier teilnahm, war nirgendwo zu sehen.

Langsam schlenderte ich umher. Unser Gastgeber hatte auf seiner Einladung nicht zu viel versprochen. Das Buffet war bestückt mit den erlesensten Speisen, die man zu dieser Jahreszeit nicht oder nur sehr schwer bekam. Die Band verstand ihr Handwerk und spielte mittlerweile ein Repertoire, das Jung und Alt erfreute, wie das Gedränge auf der Tanzfläche bewies.

An der Bar beglückten drei Cocktailmixer die Gäste mit farbenprächtigen Kreationen. Ich beschloß, daß etwas Hochprozentiges in meinem Fall nicht hinderlich sein konnte.

„Hallo. Was darf’s denn sein?“

„Einen Bloody Elf, bitte.“

Der Barkeeper starrte mich verständnislos an.

„Entschuldigung. Schlechter Scherz. Ich nehme einen Wodka-Lemon. Viel Wodka, wenig Lemon.“

Sogleich machte er sich an die Arbeit. „Schlechten Tag gehabt?“

Ich schätzte seine Bereitschaft zu ein wenig Smalltalk. Mit einem Fuß angelte ich einen Hocker herbei und ließ mich darauf nieder. Die Ellenbogen stützte ich auf dem Tresen ab, faltete die Hände und legte meinen Kopf darauf. „Nicht wirklich, aber ich frage mich, warum ich überhaupt hierher gekommen bin.“

„Sieh es locker – immerhin mußt du nicht arbeiten.“

Damit hatte er Recht. Allerdings trug er einen Ehering, was bedeutete, daß er das Ende der Nacht oder den nächsten Morgen nicht alleine verbringen würde. Definitiv war es schlimmer alleine auf eine Party gehen zu müssen, als zu arbeiten, aber zu wissen, daß zu Hause jemand auf einen wartete. Ich seufzte laut.

Weitere Gäste verlangten nach Getränken, so daß dem Barkeeper keine Zeit blieb, um mit mir zu plaudern. Ich nahm das Glas, entdeckte in der Nähe einen freien Tisch, hübsch dekoriert mit Kleeblättern und Glücksschweinchen, und beschloß, den Abend in Gesellschaft meines besten Freundes Vodka Nachname Lemon zu verbringen. Irgendwann würden sich Ivy und die Pixies bestimmt an mich erinnern und auftauchen.

Bevor ich den Tisch erreichte, wehte eine Stimme zu mir herüber, die ich unter Tausenden erkannt hätte. Die Worte verstand ich nicht, doch das dunkle Timbre war eindeutig Trenton zuzuordnen.

Suchend blickte ich umher und entdeckte ihn auf der Holzpagode inmitten des künstlichen Sees. Neben ihm stand eine Frau, die direkt meinen Alpträumen entsprungen zu sein schien – sie war schätzungsweise Mitte Zwanzig, hatte goldblondes Haar, das ihr in dicken Wellen den Rücken bis kurz vor die Rundung ihres Hinterns hinunterkrabbelte, und die Figur von Lara Croft. Zu allem Überfluß trug sie ein Kleid von Dinor, Lagerfeuer, Dolce & Banana oder wie Designer eben hießen, die Fetzen von Nichts herstellten. Miss Alptraum legte eine Hand auf Trentons Schulter, beugte sich vor und flüsterte ihm etwas ins Ohr, das ihn lachen ließ.

Bitterkeit stieg in mir hoch. Ich wollte diejenige sein, die ihn zum Lachen brachte. Die Frau, mit der er sich unterhielt, scherzte, und sie um Mitternacht in den Armen hielt.

Oh! Mein! Gott! Ivy hatte recht. Ich war in Trenton verliebt. Die Erkenntnis traf mich mit solcher Wucht, daß ich stolperte und gegen einen Gast stieß. Das Wodka-Lemon-Gemisch schwappte in seinem Glas, doch ich schaffte es, dieses nicht über den Fremden zu kippen.

„Entschuldigung“, murmelte ich. Ich mußte raus. Bloß weg. Irgendwo hin. An einen Ort, an dem man atmen konnte. Ohne auf meine Umgebung zu achten, hastete ich Richtung Ausgang. Das Glas mit dem Wodka Lemon drückte ich einem Kellner in die Hand. Ich würde keinen Schluck mehr davon trinken können, ohne das Gefühl zu haben, mich übergeben zu müssen.

Der rettende Ausgang lag schon in Sichtweite. Nur noch ein paar Schritte.

„Rachel?!“

Ich wollte mich nicht umdrehen. Wirklich nicht! Und tat es trotzdem.
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