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Zimt und Sterne

von Jari
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16
Rachel Mariana Morgan Trenton "Trent" Aloysius Kalamack
25.01.2012
06.07.2012
10
11.077
2
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15 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
25.01.2012 1.215
 
Einen schönen Feiertag wünsche ich :-)

Das Update hat mal wieder auf sich warten lassen, aber diesmal war ich nicht Schuld *g* Das Netzteil meines PCs hat nicht mehr mitgespielt, aber das Neue wurde zum Glück direkt vor einem langen Wochenende geliefert *g* Länger hätte ich es ohne PC auch nicht ausgehalten – meine Hände fingen schon an zu zittern ;-)

Und 1000 Dank für 9 Favoriteneinträge – damit habe ich im Leben nicht gerechnet.

Wir verlassen den Weihnachtsbereich ...


8

31.12. – Silvester

Teil 1


Sechs Tage. Sechs lange Tage lang hatte ich keine Nachricht von Trenton erhalten. Und nun schickte er einen Brief? Fassungslos blickte ich auf den Umschlag, den Ivy mir entgegenhielt. Es stand nicht ausdrücklich mein Name darauf, sondern war adressiert an „die Bewohner der ehemaligen Kirche in den Hollows, Cincinnati“. Er oder einer seiner Angestellten mußte ihn direkt bei uns eingeworfen haben, denn abgesehen von der wenig aussagekräftigen Adresse befand sich keine Briefmarke auf dem Schreiben.

„Öffne du ihn“, bat ich und hoffte, daß meine Stimme nicht zitterte. Schlimm, ich war doch keine Zwölfjährige, die auf ein Lebenszeichen ihres Schulschwarms wartete.

„Nein.“ Ivy blieb eisern und legte den Brief kurzerhand auf den Tisch und verließ die Küche.

Eine geschlagene Viertelstunde schaffte ich es, den Umschlag zu ignorieren. Ich spülte Geschirr, wischte meine Hände ab und hängte das Trockentuch fein säuberlich über die Heizung. Dann griff ich nach dem Papier.

Bildete ich mir das ein oder roch es tatsächlich nach Trenton? Ich hob den Umschlag höher und schnupperte daran. Tatsächlich. Ein Hauch von Efeu, vermischt mit seinem teuren Aftershave. Mal sehen, was der gut riechende Elf von uns wollte. Mit einem Brotmesser öffnete ich den Umschlag und zog eine Karte mit goldenem Aufdruck hervor.

„Einladung zum Silvesterball“


War Trenton jetzt völlig übergeschnappt? Er wollte uns zu seiner Silvesterfeier einladen? Zu der Feier, an der sonst nur die Creme de la creme von Cincinnati teilnahm? Sogar die Pixies? Immerhin handelte es sich bei ihnen um Bewohner der auf dem Umschlag besagten Kirche. Der weitere Text gab an, daß die Party ab 19 Uhr auf seinem Anwesen stattfinden würde und versprach „Delikatessen am Buffet, Live-Musik und ein fulminantes Feuerwerk“.

Ha, das sah ihm ähnlich – delikat und fulminant. Genauso wie sein Kuß. Wieso konnte er nicht küssen wie jeder normale Mann? Ich mochte normale Küsse von normalen Männern. Sie waren gut für mich. Nur war mir nicht sofort danach, meinem Partner die Klamotten vom Leib zu reißen. Oder ich konnte zumindest damit warten, bis wir uns in trauter Zweisamkeit befanden. Wütend unterdrückte ich ein Schnauben.

Unter dem unpersönlichen Aufdruck stand in Trentons dynamischer Handschrift:

„Ich würde mich wirklich freuen, wenn ihr kommt. Und Rachel? Bitte öffne doch dein Weihnachtsgeschenk.
Trenton“

Woher zum Geier wußte er, daß ich das blöde Schmuckkästchen nicht mehr angerührt hatte? Chanel hin oder her – ich ließ mich nicht erst küssen wie die einzige Frau auf Erden und dann brüsk zurückweisen.

Vielleicht hatte ich ja andere Pläne? Gut, ich hatte keine. Ivy und ich hatten uns vorgenommen den Abend auf dem Sofa zu verbringen, Diner for one anzuschauen und uns mit ungesundem Zeug vollzustopfen. Gegen Mitternacht würden wir uns dann heulend in die Arme fallen, uns ein schönes neues Jahr wünschen und damit hatte sich die Sache.

Dann wollte ich mal den anderen die frohe Botschaft mitteilen. Im Wohnzimmer saßen Ivy, Jenks und Bis bereits erwartungsvoll auf dem Sofa. Etwa ein drei Dutzend Pixiekinder hatten es sich in den Deckenbalken gemütlich gemacht. Kaum betrat ich die Szenerie, verstummte ihr aufgeregtes Gemurmel. Ivy mußte sie bereits von dem Brief informiert haben.

„Mr. Kalamack“, begann ich, auch wenn es falsch klang ihn mit seinem Nachnamen zu bezeichnen, „lädt uns heute Abend zu seiner Silvesterfeier ein.“

Jenks stieß ein lautes Geheul aus, das jedem Wolf Konkurrenz machte. Manchmal konnte ich gar nicht glauben, daß in einem so kleinen Mann so viel Lautstärke steckte. Seine Kinder faßten sich an den Händen und starteten eine Polonaise über die Balken.

„Ich auch? Bin ich auch eingeladen, Miss Morgan?“ stammelte Bis.

Sogar in Ivys dunklen Augen konnte ich Aufregung und Freude erkennen. Hatte sich denn die ganze Bagage gegen mich verschworen? Was war aus unserem gemütlichen Fernsehabend geworden? „Ihr könnt gerne zu dieser Feier gehen, aber ich komme nicht mit.“

„Was? Warum nicht? Hast du die Einladung nicht richtig verstanden? Gib mir die mal“, schrie Jenks und kam in einem Affenzahn auf mich zugesaust und riß mir die Karte aus der Hand. Er mußte beide Arme bis zum Anschlag ausstrecken, um sie halten zu können. Unter ihrem Gewicht lief er Gefahr, in die nächstbeste Kerze zu trudeln.

„Ich habe den Inhalt sehr wohl verstanden, aber ich will ihn nicht wiedersehen. Noch nicht.“ Wie ein bockiges Kind ließ ich mich mit verschränkten Armen auf dem Boden nieder.

Für Ivy war die Sache klar. „Du bist in ihn verliebt.“

„Auf gar keinen Fall. Ich kann Trenton nicht ausstehen.“

Jenks hatte es geschafft und das rettende Sofa erreicht, ohne sich oder das Papier in Brand zu setzen. Aufmerksam studierte er jeden Buchstaben, als glaubte er tatsächlich, dahinter verberge sich eine tiefere Bedeutung. „Du bist scharf auf den Kerl wie 'ne läufige Hündin auf den erstbesten Rüden“, war seine wenig schmeichelhafte Meinung.

War ich das? Es stimmte, daß ich Trenton anziehend fand. Höchst anziehend sogar. Aber ich würde nicht so weit gehen zu behaupten, daß ich ihm hinterher rannte.

Bevor Jenks alle Buchstaben weglesen konnte, nahm Ivy ihm die Einladung weg. Ihrerseits warf sie einen prüfenden Blick darauf. „Ich glaube, du solltest nachsehen, was sich in deinem Geschenk befindet, und dann entscheiden“, schlug sie vor.

~*~


Das Kästchen befand sich noch immer dort, wo ich es nach Trentons Abgang hingeworfen hatte - auf meinem Nachtschrank. Die Silberschleife war etwas platter, ansonsten sah es noch genauso aus, wie er es mir übergeben hatte. Ich griff danach und setzte mich auf mein Bett. Plötzlich wollte ich es nicht öffnen. Nicht wie zuvor, wo ich einfach wütend auf Trenton gewesen war, und ihm dadurch mitteilen wollte, daß ich nicht kaufbar war. Ich wollte es nicht öffnen, weil ich wußte, daß sich dadurch etwas verändern würde. Ich wollte keine Veränderung! Ich wollte weiterhin wütend auf den blöden Elfen sein, ihm irgendwann – in weiter, weiter Zukunft – verzeihen und dann zu unserem Tagesgeschäft aus gelegentlichen Anrufen, Neckereien und handfesten Streitigkeiten übergehen.

Warum stellte ich mich bloß so an? Es würde sich ein dicker Klunker in dem Kästchen befinden. Ich konnte diesen mit ein paar deftigen Worten garniert zurückschicken und die ganze Angelegenheit vergessen. Mit einem Ruck zog ich das Schleifenband beiseite und hob den Deckel ab.

Eine Schneeflocke, nicht größer als mein Daumennagel, lag auf schwarzem Samt und funkelte mir zart und kostbar entgegen. Besetzt war der Kettenanhänger mit winzigen Kristallsplittern, die aussahen wie echter Frost. Ganz sicher wollte mich Trenton damit nicht beeindrucken, denn obwohl der Anhänger kostbarer war als all mein Schmuck zusammen, hätte er dazu einen millionenschweren Gegenstand ausgewählt, den sich keine Frau ohne Bodyguard trauen würde zu tragen. Er hatte mir eine Freude machen wollen. In meinem Hals bildete sich ein Kloß gigantischen Ausmaßes. Ich schluckte, kicherte und brach in Tränen aus.

Auf einmal konnte es mir nicht schnell genug gehen, Trenton wiederzusehen. Ich wollte, nein, ich mußte zu diesem Silvesterball gehen. Alles hing davon ab. Blieb nur eine Frage offen: Was sollte ich anziehen?
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