Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Zimt und Sterne

von Jari
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16
Rachel Mariana Morgan Trenton "Trent" Aloysius Kalamack
25.01.2012
06.07.2012
10
11.077
2
Alle Kapitel
15 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
25.01.2012 939
 

Schnee <3

Hach, ich habe gerade so eine schöne Aussicht, aber leider, leider muß ich arbeiten und darf mich nicht hier herumtreiben. Dafür gibt’s aber mal das nächste Kapitel – eigentlich wollte ich das schon am Wochenende on stellen, aber da mußte ich meinen Urlaub planen.

Liebe Grüße,
Jari

3

23. Dezember


Das Telefon verhöhnte mich mit dem Versprechen auf Gesellschaft. Aber wen sollte ich anrufen? Ich hatte nie viele Freunde besessen. Ivy und Jenks waren nicht erreichbar. Im Haus von Keasley herrschte seit Tagen Dunkelheit, so daß ich davon ausging, daß weder er noch Ceri anwesend waren. Meine Mutter? Befand sich mit Takata auf einer Reise in wärmere Gefilde, um sich wieder näher kennenzulernen. Und Freundinnen, bei denen ich mich über Dinge wie mein nicht vorhandenes Sexleben ausheulen konnte, hatte ich keine.

Meine Finger entschieden für mich. Ganz automatisch wählten sie die Nummer von Kalamack Industries. Hölle, ich konnte sie echt auswendig.

„Hallo Rachel.“ Trentons Stimme klang fröhlich zu mir.

Vor Schreck hätte ich beinahe den Hörer fallen gelassen. Für gewöhnlich wurde ich durch eine Sekretärin begrüßt, die mich nach endlosen Diskussionen zu ihrem Boss durchstellte. Wo steckte Linda? Laura? Oder wie sie gerade hieß. „Wo ist deine Sekretärin?“

Er lachte. Ein Geräusch, das direkt in meinen Bauch krabbelte und sich dort wärmend niederließ. „Deine Begrüßung ist nett wie immer. Ich habe meinen menschlichen Angestellten über die Feiertage frei gegeben.“

„Ganz der großzügige Arbeitgeber, was?“ Ich konnte es nicht unterlassen, ihn zu ärgern. „Damit nicht auffällt, daß du kein Weihnachten feierst, hast du bestimmt auch einen riesigen Tannenbaum in der Eingangshalle aufgestellt.“

„Ja, habe ich. Und der ist sogar schön geschmückt – von mir persönlich. Aber laß uns nicht streiten. Wieso rufst du an?“

Ich hörte Leder quietschen. Bestimmt lehnte er sich gerade in seinem Chefsessel zurück. Vielleicht nahm er die Fake-Brille, die er manchmal trug um noch intelligenter und unnahbarer zu wirken, ab und legte sie auf den Schreibtisch.

In meinem Gehirn ratterte es. Am Vortag hatte ich doch noch etwas von ihm wissen wollen. „Wie ißt du deine Kekse?“

„Wie bitte?“

„Ja, wie ißt du deine Kekse?“ wiederholte ich. „Folgst du einem bestimmten Ritual oder futterst sie einfach so?“

„Ich futtere überhaupt nie, aber wenn du es ganz genau wissen willst – wenn ein Keks aus mehreren Teilen besteht, esse ich zuerst die Marmelade oder lecke den Zuckerguß ab. Bei Dominosteinen wird es kompliziert. Da fange ich unten an, weiter über das Marzipan und schließe mit dem Gelee ab. Reicht dir das als Angabe?“

Mir war egal, daß er sich über mich lustig machte. „Genau so mache ich es auch.“

„Aha, interessant. Und was ist der wirkliche Grund für deinen Anruf?“

„Mir ist langweilig“, gestand ich. Es machte keinen Sinn, Trenton etwas über mit Arbeit erfüllte Tage zu erzählen. Er würde die Lüge dahinter schneller wittern als einer seiner Jagdhunde die Beute.

„Mir auch.“

„Was?“ Wie konnte es angehen, daß ihm langweilig war. Mußte nicht die Menschheit mit neuen Drogen versorgt werden? Waren keine Pläne zu schmieden, die Herrschaft über Cincinnati zu übernehmen? Und wenn schon keine finsteren Machenschaften zu erledigen waren, dann mußte er doch wenigstens dem Ruf als Lieblingsbürger der Stadt gerecht werden und zu irgendwelchen Wohltätigkeitsveranstaltungen gehen.

„Quen und Ceri sind verreist.“

Schwang da ein Hauch von Unzufriedenheit mit?

„Oh, deswegen ist im Hause Keasley alles dunkel. Und du bist sozusagen ohne Aufpasser.“

„Wo Keasley ist, weiß ich nicht, aber die zwei Turteltauben werden nicht vor dem neuen Jahr zurückkehren.“ Er seufzte. „Leider kann ich nicht behaupten, ganz ohne Bewacher zu sein. Quen ist zwar der Chef der Sicherheit, aber wenn er nicht anwesend ist, buhlen sämtliche Security-Kräfte um seinen Platz.“

„Und du hast keine terminlichen Verpflichtungen?“

„Nein.“

„Was machst du dann den ganzen Tag?“

„Vorhin war ich mit Tulpa im Schnee spielen.“

Bewegte Bilder formten sich vor meinem geistigen Auge. Trenton, wie er Tulpa ohne Sattel und Zaumzeug ritt. Schnee stob in Wolken unter den Hufen des mächtigen Rappen auf. Fast glaubte ich, Trenton dabei singen zu hören. Die Haare des Elfen flatterten im Wind. Er sah glücklich aus. Hastig schüttelte ich den Kopf, um die Vorstellungen zu vertreiben.

„Bist du noch da?“

War ja klar, daß er die Verzögerung bemerkte. „Ja, natürlich. Wohin sollte ich sonst gehen?“ Und dann sprudelte es aus mir heraus: „Mich haben alle alleine gelassen. Ivy ist zu ihren Eltern gefahren. Die gesamte Pixie-Familie vergnügt sich in Disney-World. Bis hält Winterschlaf. Das ganze Haus ist viel zu groß für mich alleine. Es ist verdammt still. Den ganzen Tag gucke ich irgendwelche dämlichen Fernsehserien und langweile mich ansonsten zu Tode.“

„Oh.“ Er sagte nur dieses eine Wort. Enttäuschung schwang darin mit. Hatte er ernsthaft geglaubt, ich würde ihn anrufen, wenn mir andere Möglichkeiten zur Verfügung standen? Dann wollte er wissen: „Du bist also ganz allein?“

„Ja.“

„Und du hast auch nicht vor, die nächste Zeit wegzufahren.“

„Nein.“

Ich hörte, wie er sich zurechtsetzte. Kurz darauf ertönte rhythmisches Klappern, als er die Tastatur seines PCs bearbeitete. „Rachel? Sei mir nicht böse, aber ich muß auflegen.“

„Ist dir eingefallen, daß doch noch irgendwelche Drogengeschäfte zu erledigen sind oder mußt du deine Hunde auf irgendwelche armen Tiere hetzen?“

„Weder noch. Ich habe eine Idee.“

„Was für eine?“ Ich wußte nicht, ob mir die Aussicht auf eine von Trentons Ideen gefallen wollte oder ob es angezeigt war, das Land zu verlassen, bevor er diese in die Tat umsetzen konnte.

„Bye, Rachel. Ich muß etwas organisieren.“ Noch immer hämmerte er auf die Tasten des Keyboards. „Geh früh schlafen!“

Geh früh schlafen? Was war das denn für ein dämlicher Hinweis? Verärgert knallte ich den Hörer auf die Gabel.

tbc ...

Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast