Zimt und Sterne

von Jari
GeschichteHumor, Romanze / P16
Rachel Mariana Morgan Trenton "Trent" Aloysius Kalamack
25.01.2012
06.07.2012
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Huhu Ihr Lieben *wink*

Wie versprochen: Hier ist das nächste Kapitel.

Das richtige Wetter für Weihnachts-/Winter-Geschichten herrscht ja gerade in Deutschland. Wenn ich aus dem Fenster sehe, komme ich richtig in Stimmung *nach Keksen suchen geh*

Viele Grüße,
Frost-Jari

2

22. Dezember


Irgendetwas fehlte.

Meine Füße lagen auf dem Couchtisch. In den Händen hielt ich eine dickbauchige Tasse, gefüllt mit dem köstlichsten Kaffee. Im Fernsehen lief irgendeine Endlos-Serie. Die Fernsehzeitung hatte angegeben, daß es sich um Folge 2.382 handelte, und obwohl ich keine der vorherigen Folgen gesehen hatte, begriff ich schnell, daß Marc seine Verlobte Karen mit der Sekretärin betrogen hatte, die wiederum seinen Vater favorisierte und durch ihre Sexabenteuer mit dem Sohn an geheime Firmenunterlagen herankommen wollte, um dem Alten einen Denkzettel zu verpassen. Und die harmlos wirkende Karen, die sich fürchterlich über den Seitensprung ihres Zukünftigen aufregte, ging in deren Abwesenheit ihrer Leidenschaft für den Reitsport nach; mit dem Koch, dem Küchenjungen, dem Butler und dem neuen Zimmermädchen. Wie schockierend!

Draußen schneite es weiterhin, was mir das Gefühl gab, mich in einem Iglo zu befinden. Jedes Geräusch wurde durch eine puderige Schicht gedämpft. Vorbeifahrende Autos waren kaum noch zu hören.

Doch irgend etwas stimmte nicht. Was war es bloß? Alles stand da, wo es hingehörte. Die Couch, der Tisch, der Fernseher, ein altmodischer Sessel, Kistens Billard-Tisch, der Schreibtisch, in dem die Pixies wohnten, wenn sie da waren, und ... plötzlich fiel es mir ein. Ein Tannenbaum. Das war es. Die letzten Jahre hatten wir immer einen schön geschmückten Baum gehabt. Auch wenn Ivy an den Feiertagen nicht anwesend war, hatte sie es sich nicht ausreden lassen, auch für unser Zuhause einen Baum zu besorgen.

Wie Weihnachtsgeister waren die Pixiekinder in dem dichten Grün hin und her geflogen, um sämtliche Zweige mit vergoldeten Nüssen, Zuckerstangen, kleinen Filztieren und Glaskugeln, die aussahen wie mit Rauhreif überzogen, zu schmücken. Im letzten Jahr hatte sich Jumoke in einem Haufen Lametta verheddert, als er versuchte, den Platz der Spitze einzunehmen. Das hatte dazu geführt, daß Jenks Flüche benutzte, die ich nicht einmal kannte.

In diesem Jahr war der Altarraum der ehemaligen Kirche leer wie bei einem Gottesdienst an Halloween. Hatte Ivy den Baum vergessen oder war sie es leid gewesen, sich jedes Jahr von mir anhören zu müssen, daß ich keinen brauchte?

Kurz entschlossen schnappte ich mir meinen Mantel, die Haustürschlüssel und stiefelte los.

~*~


Ich hatte noch nie einen Weihnachtsbaum gekauft. Das war richtig aufregend.

Meine Suche führte mich zum Fresh Market. Auf dessen Parkplatz gab es tatsächlich einen Verkaufsbereich für Weihnachtsbäume, aber der war bereits geschlossen. Mist!

Auch an der nächsten Tankstelle, von der ich wußte, daß dort welche verkauft wurden, hatte ich kein Glück. Ein an der Umzäunung angebrachtes Schild besagte „Ausverkauft!“

Drei Blocks weiter wurde ich fündig. Die Schneeflocken fielen mittlerweile dick und dicht, und ich bedauerte, außer meinem warmen Mantel und den mit Lammfell gefütterten Stiefeln keine wärmeren Kleidungsstücke angezogen zu haben. Bibbernd betrat ich den eingezäunten Verkaufsbereich.

„Hallo. Sie sind aber spät dran, Miss.“ Nase und Wangen des Verkäufers waren vor Kälte gerötet, aber er begrüßte mich mit einer Freundlichkeit, die man in manch’ großem Kaufhaus mit der Lupe suchen konnte. „Die besten Bäume sind schon weg, aber wir finden bestimmt einen, der zu ihnen paßt. Was für einer soll es denn sein? Normale Fichte, Rot- oder Blaufichte? Douglasie? Edeltanne? Nordmanntanne? Colorado-Tanne?“

„Äh ...“ Wovon sprach der Mann? Ich wollte doch bloß einen Tannenbaum kaufen, kein Gartencenter eröffnen. „Grün sollte er sein.“

„Das kriegen wir hin.“

Die Auswahl war –trotz gegenteiliger Angabe des Verkäufers- gigantisch. Es gab Bäume in allen Größen, welche mit silbernen Nadeln, die jeden Stoff durchdrangen, und andere, mit Nadeln, die weich wie Federn meine Haut streichelten.

Letzen Endes entschied ich mich für eine mit 1,20 m nicht allzu hohe Nordmanntanne. Schließlich mußte ich das Ungetüm noch nach Hause schleppen. „Haben sie auch Lichterketten? Oh, und vielleicht einen Ständer?“

„Aber natürlich, Miss.“ Der Verkäufer führte mich zu einem Schuppen, in dem derlei Dinge lagerten.

„Die nehme ich.“ Ich deutete auf eine Lichterkette, die anstelle von normalen Lämpchen bunte in Sternen-Form hatte. Sie war wunderschön. Wenn Weihnachten vorbei war, würde ich sie an die Decke meines Schlafzimmers hängen.

Den Baum verpackte der Verkäufer in einem Netz, an das er eine lange Schnur band, so daß ich ihn wie einen Schlitten hinter mir her durch den Schnee ziehen konnte.

~*~


Auf seinem Platz in meinem Heim sah der Baum überhaupt nicht mehr so schön aus, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Die Lämpchen funktionierten alle und leuchteten farbenfroh in die Welt hinaus, aber das richtige Ambiente fehlte. Doch wo um alles in der Welt hob Ivy ihren Christbaumschmuck auf? In meiner Verzweiflung durchwühlte ich sämtliche Schubladen –natürlich nicht die in Ivys Schlafzimmer- und stieg sogar auf den Dachboden, doch außer einem alten Kaugummipapier fand ich keine Spur von Glitzer.

Selbst war die Frau. Ich beschloß, Sterne aus dem goldenen Papier auszuschneiden, das ich in dem Schreibtisch, in dem die Pixies normalerweise lebten, gefunden hatte. Frohen Mutes machte ich mich ans Werk. Das würde bestimmt zauberhaft aussehen. Immer mehr Dekorationsmöglichkeiten kamen mir in den Sinn. Wattetupfer als Schneebälle auf den Zweigen. Irgendwo mußte ich noch Nüsse herumliegen haben. Und Geschenkpapierband konnte ich als Lamettaersatz benutzen.

Nach fünfzehn Sternen hatte ich keine Lust mehr. Meine Hände schmerzten vom Halten der Schere und außerdem hatte ich Hunger. Seit einem am frühen Morgen hastig verschlungenen Brötchen hatte ich nichts mehr gegessen. Die Tüte mit den Zimtsternen fiel mir ein. Am Vortag hatte ich sie auf der Kommode neben der Tür deponiert und vergessen.

Schnell stürze ich dorthin. Noch immer strömte aus der Tüte ein herrlich aromatischer Geruch. Im Zurückgehen klaubte ich den ersten Stern aus seinem papiernen Gefängnis. Gierig stopfte ich mir die Leckerei in den Mund.

Wie ich angenommen hatte, war es der perfekte Zimtstern. Ob ich es wagen konnte an Kalamack Industries, zu Händen Maggie –Meisterköchin und -bäckerin- einen Brief zu schicken und um Nachschub zu betteln? Wie sollte ich ohne weitere Leckereien aus ihrer Hand den Winter überleben? Selig lächelnd erreichte ich das Sofa. Von dem nächsten Stern leckte ich zuerst den Zuckerguß ab, bevor ich mich an den gebackenen Teil machte. Wie es schien, wurden die Kekse mit jedem Bissen sogar noch besser.

Was Trenton wohl gerade tat? Ob er auch Zimtsterne knabberte und dabei über Geschäftsunterlagen brütete? Machte es ihm ebenfalls Freude, seine Kekse in Einzelteilen zu futtern. Tunkte er sie gar vorher in Tee oder Kaffee? Oder mochte er den Zuckerguß gar nicht und knibbelte ihn vorher ab? Na egal, was kümmerte es mich, wie ein Mann, der sein Geld mit dem Handel von Drogen verdiente, sein Weihnachtsgebäck aß?

Erneut schaltete ich den Fernseher ein. Eine weitere Folge von „Reich, sexy und völlig verblödet“ flimmerte über den Bildschirm. Mit dem Fuß zog ich eine Wolldecke näher und kuschelte mich in die weichen Sofakissen.

Der Baum stand brav an seinem Platz. Die Lämpchen funkelten. Die Goldpapiersterne klammerten sich an die Zweige. Es sah gar nicht übel aus. Doch irgendetwas fehlte immer noch.

tbc ...

Meine Beta wünscht sich jetzt eine FF zu „Reich, sexy und völlig verblödet“ °-°
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