Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Zimt und Sterne

von Jari
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16
Rachel Mariana Morgan Trenton "Trent" Aloysius Kalamack
25.01.2012
06.07.2012
10
11.077
2
Alle Kapitel
15 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
25.01.2012 1.776
 
Hallo Ihr Lieben – dies ist also nun das Ende *dramatische Musik einspiel*

Meine erste Beta sagt eine bestimmte Stelle sei zu lang, die zweite Beta meint, diese wäre zu kurz – ich beschließe also, daß es genau richtig ist :-)

Vielen Dank an alle, die sich im Laufe der Geschichte hierher verirrt haben.

10

31.12. – Silvester

Teil 3



Die Musik verstummte. Die Anwesenden wurden zu einer gesichts- und formlosen Masse. Nur Trenton zählte noch. Er stand so nah, daß ich den leichten Zimtgeruch wahrnehmen konnte, der ihm zu Eigen war.

„Wo ist Deine Begleiterin?“

„Anastasia?“

War ja klar, daß sie einen Namen hatte, der wie Erdbeeren mit Sahne klang. Ich nickte.

„Sie ist nicht meine Begleiterin“, stellte Trenton klar. „Nur eine Freundin.

Natürlich war sie nur eine Freundin. Sicher doch. Zwinker, zwinker. Das waren sie immer. Alte Freundinnen, die zufällig aussahen wie griechische Göttinnen.

„Du trägst den Anhänger.“ Er streckte eine Hand aus. Bevor seine Fingerspitzen auf meine Haut trafen, riß er sie zurück, als hätte er sich verbrannt. Dann rammte er die Hand in die Tasche seiner Jeans.

Moment mal. Dieses Verhalten kannte ich. Männer machten das, wenn sie sich mit Gewalt davor zurückhalten wollten, über eine Frau herzufallen. Er wollte mich? Mich? Anastasia war tatsächlich nur eine Bekannte? Das bedeutete, daß ich den Verlauf des Spiels übernehmen konnte.

„Oh, ich habe mich noch gar nicht dafür bedankt. Also, danke. Er ist wirklich sehr schön.“ Ich machte eine kunstvolle Pause. „Es ist wahnsinnig heiß hier drin. Ich wollte gerade nach Draußen.“ Mit einer Hand fächelte ich mir etwas Luft zu, mit der anderen faßte ich mein Haar zu einem dicken Strang zusammen und hob es im Nacken an. Das führte dazu, daß mein Busen in seinem Stoffgefängnis nach oben gedrückt wurde.

Er starrte mich an als wären mir plötzlich ein zweites Paar Brüste gewachsen. In seinen grünen Augen stand Verlangen so deutlich, daß ich rasch ein Prusten unterdrückte. Wenn Trenton auch nur Verdacht schöpfte, daß mir bewußt war, wie es um ihn stand, war alles verloren.

„Also dann, man sieht sich.“ Ohne seine Reaktion abzuwarten, trat ich auf den Flur. Ich hatte keine Ahnung, wo genau ich mich befand. Ein Angestellter hatte uns in der unterirdischen Parkgarage empfangen und zu der Veranstaltung geleitet. Dennoch lief ich los, als wüßte ich genau, wo ich hin wollte. Bei dem Wirrwarr an Gängen, Nischen und Türen konnte ich ebenso gut in einem traumhaft schönen Gartenbereich wie in der Wäschekammer landen.

Ein rascher Schulterblick zeigte mir, daß Trenton folgte. Ich hatte den Fisch am Haken.

Nach einigen hundert Metern, während derer ich an Türen vorbeikam, die alle nicht richtig erschienen, verlangsamte ich meine Schritte. An der nächsten Kreuzung blieb ich stehen. In einiger Entfernung Trenton ebenfalls. Rechts oder links? Wohin sollte ich mich wenden. Der linke Gang sah aus wie jeder andere, den ich im Anwesen Kalamack kannte. Der Rechte hingegen schien seltener begangen. Der Teppich war kaum abgenutzt und die an den Seiten befestigten Lampen flackerten leicht.

Natürlich entschied ich mich für rechts.

Ich folgte dem Weg, der langsam, aber sicher abwärts führte, bis mir eine Tür den Weg versperrte. Sie war aus Metall und von oben bis unten mit eingravierten Efeuranken bedeckt. Es gab keine Klinke, nur ein Schlüsselloch.

Blieben zwei Möglichkeiten. Entweder ich gab zu, daß ich keine Ahnung hatte, wo ich mich befand und ging zurück zu der Party oder aber ich versuchte, ob die Tür verschlossen war. Entschlossen drückte ich meine Hände gegen das Metall. Trotz ihres Gewichts öffnete sie sich leicht, als wäre sie erst vor kurzem geölt worden.

~*~


Eine Decke im weichen Gras? Daneben auf einem niedrigen Tisch zwei Gläser, ein Flaschenkühler nebst Champagnerflasche und Kerzen? Es sah aus wie ein Ort der Verführung in einem billigen Romantikfilm. Was sollte das?

Zögernd machte ich ein paar Schritte auf das Arrangement zu und blieb dann auf dem Kiesweg stehen. „Er hat mich reingelegt“, flüsterte ich.

„Nein!“

Schnell wie ein angreifender Pixie wirbelte ich herum. Trenton stand lässig in dem Türrahmen und versperrte mir den Rückweg. War er gerannt, um aufzuholen? Als ich mich das letzte mal nach ihm umgesehen hatte, war er mehrere Meter entfernt gewesen.

Ich schwieg und versuchte, ihn niederzustarren. Mieser Lügner.

„Ja … ein bißchen“, gab er schließlich zu. „Aber nur, weil ich mit dir allein sein wollte.“

„Und dazu mußtest du mich in ein …“ Ich fuchtelte mit den Händen, betrachtete den merkwürdigen Raum. Gras, Pflanzen, sogar kleine Bäume wuchsen in scheinbar willkürlicher Anordnung. Der Geruch nach Wachstum und Leben war allgegenwärtig. Die gläsernen Wände sahen aus, als hätte jemand einen großen Eimer Tinte über sie gekippt. Schwarze Schlieren verbargen die Welt dahinter. Man konnte sie erahnen, doch nicht wirklich sehen. „… Gewächshaus locken? Konnten wir nicht einfach in dein Büro gehen und reden?“

„Rachel, bitte, mach es mir doch nicht so schwer.“ Er schob mich beiseite und begab sich zu der Decke. Ein Hauch von Ozon und frisch gemähtem Gras ging von ihm aus. Trenton war nervös? Interessant. Vielleicht war er sich seiner Sache nicht so sicher, wie ich immer angenommen hatte. „Unser erstes Wiedersehen sollte nicht in den unpersönlichen Geschäftsräumen stattfinden.“ Er fuhr sich mit einer Hand durch sein feines Haar. „Verdammt! Wieso mußt Du bloß so undurchschaubar sein? Ich möchte doch bloß wissen, ob von Deiner Seite aus Interesse an mir besteht oder ich mir falsche Hoffnungen mache.“

„Ob von meiner Seite …“ Ich lachte freudlos. „Ich habe dir vor unseren Freunden fast die Klamotten vom Leib gerissen.“

Er atmete einmal tief durch. „Ja, aber nur, weil ich mich nicht beherrschen konnte.“

„Was?“ Weil er sich nicht beherrschen konnte? Das war lächerlich.

Er ließ sich auf der Decke nieder und streckte seine langen Beine von sich. „Wie hast du dich gefühlt, als wir uns küßten?“

Der Mann stellte wirklich bemerkenswert idiotische Fragen. Mit vor der Brust verschränkten Armen baute ich mich vor ihm auf. „Äh, gut?“

„Davon gehe ich aus.“ Er grinste breit. „Geht es auch etwas genauer?“

Gott, wie hatte ich mich gefühlt? „Als wäre ich zu lange Kettenkarussell gefahren. Mir war schwindelig und konzentrieren konnte ich mich auch nicht mehr“, gab ich zu.

Er nickte. „Elfen sind sehr sinnliche Wesen. Wenn wir eine Person anziehend finden, dann laufen wir Gefahr diese Person mit unseren Gefühlen und Wünschen zu überschwemmen. Quen und Ceri haben das natürlich sofort bemerkt, was mir ... etwas peinlich war.“ Als würde ihn noch die Erinnerung daran beschämen, blickte er kurz zur Seite, griff nach der Champagnerflasche und entkorkte diese mit geübten Griffen. „Küß mich jetzt und ich verspreche dir, daß es anders sein wird. Nicht schlechter natürlich, aber anders.“

Nicht schlechter natürlich. Pffft – der Kerl war so was von eingebildet. Er hielt mir eines der gefüllten Champagnergläser hin. Ich nahm es und spielte mit einem Wassertropfen, der träge an dem Kelch herabrann. „Du findest mich also anziehend.“

„Sehr.“

Er sagte es mit solch einer Ernsthaftigkeit, daß ich nicht an seinen Worten zweifelte. Entschlossen stellte ich das Glas beiseite, ging vor Trenton in die Hocke und streckte eine  Hand nach seinem Kopf aus. „Darf ich?“

Sein Nicken war verbunden mit einem kaum wahrnehmbaren Heben seiner Mundwinkel. Ich sah es dennoch. Endlich, endlich durfte ich meine Finger in seinem Haar vergraben. Wie Seide flossen die einzelnen Strähnen durch meine Finger. Ich wuselte so lange durch das Haar, bis es nicht mehr streng anlag und sich die Spitzen von Trentons Elfenohren zeigten. Zufrieden lächelnd beugte ich mich vor und plazierte einen Kuß darauf.

Ein Zittern durchlief Trenton. Es machte richtig Spaß, den souveränen Geschäftsmann in einen Pudding zu verwandeln. Mal schauen wie weit ich gehen konnte, bevor er die Beherrschung verlor.

Nicht sehr weit. Als ich mich vorbeugte um ihn zu küssen, faßten Trentons starke Hände nach meinen Schultern. Mit nur minimalem Kraftaufwand brachte er mich aus dem Gleichgewicht, so daß ich mit dem Rücken auf der Wolldecke zum Liegen kam. Während er sich über mich beugte, lag auf seinem Gesicht ein Ausdruck, den ich noch nie bei ihm gesehen hatte – eine Mischung aus Unglauben, Belustigung und Verlangen so tief und unendlich wie der Ozean.

In einem Moment starrten wir uns noch tief in die Augen, im nächsten trafen sich unsere Lippen. Oh, das war definitiv anders. Ich spürte Trentons Körper an meinem, seinen kräftigen Herzschlag, wie seine Hände sanft meine Arme streichelten und seine Zunge, die meinen Mund auf jede nur erdenkliche Art verwöhnte.

Der schwere Wein- und Zimt-Geruch, der von Trenton ausging, war überwältigend, doch hatte ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, nicht Herrin meiner Sinne zu sein. Vielleicht – ganz vielleicht – konnte ich ihn irgendwann dazu überreden, seine elfische Beherrschung zur Hölle zu schicken und mir einen dieser Alles-dreht-sich-Küsse -oder mehr?- zu gewähren. Immerhin wußte er nun, daß er mich keineswegs mit seinen Gefühlen überschwemmte, da ich ebenso empfand.

Als wir uns schwer atmend voneinander lösten, mußten wir beide kichern.

„Blöder Elf.“ Mit den Fingernägeln fuhr ich die Linien seiner Muskeln nach, die sich unter dem Hemd abzeichneten.

„Dumme Hexe.“

„Und jetzt? Hast du mich hierher geschleppt, um mich zu verführen?“

Er schmunzelte. „Muß ich das denn?“

Wir wußten beide, wie meine Antwort aussehen würde, und doch ließ ich mir Zeit. Ich wollte Trenton. Vielleicht schon, seit wir uns im Sommercamp zum ersten Mal begegnet waren. Das war die Wahrheit und so sagte ich: „Nein.“

~*~


„Wie spät ist es?“

„Sag nicht, daß du um Mitternacht wieder bei deinen Gästen sein mußt, um eine Rede zu halten.“ Irgendwann waren Trenton und ich im Gras gelandet. Die Decke lag mehrere Meter entfernt. Oha – ich konnte mich gar nicht daran erinnern, daß wir so wild gewesen waren. Es störte mich nicht – mein Kopf ruhte auf Trentons Brust und das Gras war weich wie Watte.

„Natürlich nicht.“ Trenton rappelte sich auf. Sofort vermißte ich seine Nähe.

Mit einem entschuldigenden Lächeln ging er zu dem Ort, an dem unsere Anziehsachen wie Kraut und Rüben durcheinander lagen. Aus seiner Hose zog er eine Uhr hervor und warf einen kurzen Blick darauf. „Kurz vor Zwölf. Gut.“

Trenton kam zu mir zurück, legte sich in die gleiche Position wie vorher und zog meinen Kopf wieder heran. „Decke! Null Prozent.“

Wenn das irgendein elfischer Geheimcode war, dann hatte ich keine Ahnung, was er bewirken sollte. Lange ließ Trenton mich nicht im Dunkeln. Sanft drehte er meinen Kopf so, daß ich nach oben sah. Es war erstaunlich. Die Glasdecke über uns verlor ihre Schwärze. Zuerst wurde sie milchig-trüb, schließlich durchsichtig, bis ich den Sternenhimmel über uns erkennen konnte.

Keine Sekunde später wurde die Dunkelheit durch Goldregen und in tausend Farben zerplatzende Raketen vertrieben.

„Schönes neues Jahr, Rachel“, flüsterte Trenton und gab mir einen Kuß, der sämtliches Feuerwerk in den Schatten stellte.

E n d e
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast