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Königsberg und Friedrich der Große

Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Freundschaft / P16 / Gen
England Frankreich Heiliges Römisches Reich Preussen
24.01.2012
02.10.2012
22
35.552
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-1725-

Eine Regierung muss sparsam sein, weil das Geld, das sie erhält, aus dem Blut und Schweiß ihres Volkes stammt. Es ist gerecht, dass jeder einzelne dazu beiträgt, die Ausgaben des Staates tragen zu helfen. Aber es ist nicht gerecht, dass er die Hälfte seines jährlichen Einkommens mit dem Staate teilen muss.
-Friedrich II


Meine Besuche im Schloss Berlin wurden immer häufiger, weil ich tatsächlich etwas für den kleinen Friedrich empfand und eine Beziehung zu dem ihm aufbaute. Ich glaube, ich sah ihn als einen kleinen Bruder, zu dieser Zeit.
Der Weg von Königsberg nach Berlin war weit, deswegen legte ich mir irgendwann eine kleine Wohnung in Berlin zu und verließ mein geliebtes Schloss Königsberg, natürlich nicht für immer, aber zumindest für eine gewisse Zeit.
Ich unterrichtete Friedrich nun regelmäßig in Schwertkampf und insgeheim in Schauspielerei, doch natürlich brachte mir diese Nähe zur königlichen Familie nicht nur Vorteile. Ich liebte das Leben weit entfernt von Berlin in meinem Schloss Königsberg und kurz nach meinem Umzug vermisste ich es schon fürchterlich, außerdem stand ich nun unter der direkten Fuchtel von meinem König Friedrich Willhelm. Das Leben wurde um einiges stressiger, obwohl ich eigentlich gerade das mit meinem Umzug nicht erreichen wollte, doch zumindest meinen Bruder Gilbert sah ich nun fast jeden Tag, denn er wohnte in Potsdam.

„So darf es auf keinen Fall weitergehen!“ schrie der König erzürnt sodass das gesamte Schloss genau hörte was er schrie und innehielt.
„Ja, euer Majestät“, bestätigte ich nur ruhig. Ich war wirklich verdammt neutral der Schreierei gegenüber geworden. Was soll’s?
„Wir haben über zwanzig Million Goldtaler Schulden! Daran muss etwas geändert werden! Sofort! Sonst ist das Land dem Untergang geweiht! Wofür hat mein Vater und wofür habt ihr beide eigentlich so viel Gold ausgegeben?
„Die Großartigkeit in Person hat auf jeden Fall…“, begann mein Bruder, doch wurde sogleich von einem zornigen „Schweig still!“ unterbrochen.
„Preußen…“, begann der König schließlich und klang zumindest ein bisschen ruhiger als zuvor. Gilbert und ich blickten ihn beide fragend an, immerhin war die Bezeichnung Preußen nicht sonderlich genau.
„Ich meine Gilbert“, klärte Friedrich Willhelm uns schließlich auf, „ich möchte das du an diesem Krieg im Norden teilnimmst und ein bisschen nützlich für uns bist, anstatt immer nur auf der faulen Haut zu liegen und du Maria! Das Prunkliebende Leben hat nun ein Ende! Ich möchte dass du dir ein Beispiel an mir nimmst und täglich deine Uniform trägst und deine Ausgaben auf ein Minimum reduzierst. Alles was überflüssig ist wird abgeschafft oder bekommt einen sinnvollen Zweck, habt ihr das verstanden?“ fragte der König schließlich überflüssiger Weise, denn so etwas musste man einfach verstehen.
„Verstanden!“ meldeten meinen Bruder und ich monochrom genervt.
„Wegtreten!“

Mit diesem Wort verließen wir den Raum. Auch wenn ich dem Befehl des Königs immer Folge zu leisten hatte, so spielte ich mit dem Gedanken mein Leben trotzdem nicht zu verändern. Frustriert verließ ich das Schloss. Auch mein Zwillingsbruder schien mit einem Mal nicht mehr so lebensfroh wie sonst. Wir fühlten uns wie ein paar nutzlose, arme Soldaten.
„Das großartige ich will nicht in diesen beschissenen nordischen Krieg… Die im Norden sind so langweilig, außer vielleicht Dänemark, aber der Rest schon! Wenn ich das erstmal aufkreuze ist der Krieg so schnell gewonnen das es sich gar nicht lohnt überhaupt dorthin zu gehen, außerdem bekommst du ja letzten Endes das eroberte Land“, beschwerte sich Gilbert nach einem langem Schweigen.
„Kann ich irgendwas dafür? Ich hab dir gleich von Anfang an gesagt wenn du dich Heinrich anschließt, dann kannst du kein Königsreich werden, weil er, das Heilige Römische Reich, das nicht duldet! Aber eine gute Nachricht habe ich für dich, sollten wir irgendwann das Stück Polen erobern das uns trennt, dann gehörst du offiziell zum Königreich und dann kann selbst Heinrich nichts mehr dagegen sagen. Also im Großen und Ganzen müssen wir ein Land werden, und nein, das hat nichts mit Inzest zu tun, auf jeden Fall könnten wir dann wieder zusammenwohnen“, erklärte ich ihm.
„Weißt du wie gruselig es ist dass du meine Gedanken lesen kannst? Aber in Ordnung, das großartige Ich muss jetzt die nordischen Länder verhauen, wir sehen uns dann in naher Zukunft sicherlich wieder“, entgegnete Gilbert und zog dann grinsend davon. Ich glaube, er wartete wirklich auf den Tag an dem wir ein Land wurden, denn dann konnte er mir seine ganze Arbeit überlassen. Seufzend drehte ich mich auch um und ging wieder zurück ins Schloss. Durch all die Aufregung hatte ich fast vergessen, dass ich ja noch Friedrich besuchen wollte.

„Sag mal, was versteckst du da hinter deinem Rücken?“ fragte ich den Kronprinzen und versuchte einen Blick zu erhaschen.
„Kann ich dir nicht sagen, ähm, laut Vater dienst du mir doch? Immerhin bist du unser Land, nicht wahr? Dann befehle ich dir mich in Ruhe zu lassen“, meinte Friedrich. Ich seufzte kurz. Er hatte also meine Schwachstelle gefunden. Wir leben in einer Zeit des Absolutismus. Kurz verbeugte ich mich.
„Es ist noch kein Jahr her, da hast du mir alles anvertraut, doch mittlerweile entwickelst du dich wohl auch zu einem Absolutist. Schade eigentlich, ich dachte du wärst vielleicht anders. Ich gebe dir einen kleinen Tipp, auch wenn ich dir dienen muss, so solltest du dich trotzdem nicht überschätzen, meine Macht geht weit über die Politik hinaus, meine Laune beeinflusst sogar das Wetter“, erklärte ich ihm und setzte mich kurz hin.
„Gemeine Vorstellung. Aber schlechtes Wetter nehme ich gerne in Kauf, solange ich die Macht die ich habe nicht verliere“, entgegnete er frech. Was war nur aus ihm geworden? Irgendwie war ich sogar ein  klein bisschen wütend auf ihn. Wieso mussten alle Menschen irgendwann kompliziert werden?
„Du solltest dich übrigens auch deinem Vater gegenüber respektvoller Verhalten und noch bist du nicht König“, meinte ich daraufhin.
„Werde ich niemals. Vater ist so ein starsinniger Mensch. Es ist nicht zu ertragen“.
„Und wieder hast du vergessen, das ich dem König alles berichten muss was du mir sagst“, fügte ich dem ganzen hinzu und rollte die Augen. Natürlich sagte ich es dem König nicht, aber ich wollte dem kleinen helfen, sodass er sich nicht mehr so häufig verplappert.
„Ich dachte eigentlich, ich könnte dich einweihen, aber ich denke, ich sollte es nicht. Du bist eben doch nur eine Marionette Vaters“, entgegnete Friedrich frustriert und verließ schließlich wütend und laut das Zimmer.
Er lief vor mir weg. Natürlich hatte irgendwo recht. Marionette des Herrschers. Eigentlich sollte ich den Willen des Volkes in mir tragen, doch scheinbar hat sich das Volk damit abgefunden und auch ich habe es irgendwie. Wenn mein vergangenes Ich mich sehen würde, dann würde sie wohl Selbstmord begehen.

Damit wäre also auch noch die Beziehung die ich mühselig zum Kronprinzen aufgebaut hatte hin. Wunderbar. Warum rennen eigentlich immer alle vor mir weg? Warum war ich auf kurz oder lang eigentlich immer alleine? Im Gegensatz zu meinem Bruder mochte ich es nicht alleine zu sein. Ich hasste es.

Deprimiert verließ ich das Schloss und stieg auf mein Pferd. Egal was der König sagt, ich brauche Urlaub. Ich beschloss zu Francis zu reisen und mich spätestens bei ihm zu betrinken, wahrscheinlich auch schon auf dem Weg zu ihm. Zumindest mit Francis war immer alles in Ordnung. Er war sozusagen meine heile Welt.

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Absolutismus:
Ist eine frühneuzeitliche Regierungsform, die von der Regierung eines aus eigener Machtvollkommenheit handelnden Herrschers ohne politische Mitwirkung ständischer Institutionen bestimmt war.

Friedrich I, König in Preußen:
Er konzentrierte sich auf eine aufwändige Hofhaltung nach französischem Vorbild und brachte, vertreten durch das Drei-Grafen-Kabinett, seinen Staat an den Rand des finanziellen Ruins. Als Friedrich I. am 25. Februar 1713 starb, hinterließ er einen Schuldenberg von zwanzig Millionen Talern.

Friedrich Willhelm I, König in Preußen:
Er war nicht so prunkliebend wie sein Vater, sondern sparsam und praktisch veranlagt. Folglich kürzte er die Ausgaben für die Hofhaltung auf ein Minimum. Alles, was dem höfischen Luxus diente, wurde entweder abgeschafft oder anderen Nutzungen zugeführt. Alle Sparmaßnahmen des Königs zielten auf den Ausbau eines starken Stehenden Heeres, in dem der König die Grundlage seiner Macht nach innen und außen sah. Diese Haltung brachte ihm den Beinamen „der Soldatenkönig“. Trotz seines Beinamens führte Friedrich Wilhelm I. nur einmal in seiner Amtszeit einen kurzen Feldzug im Großen Nordischen Krieg während der Belagerung Stralsunds. Dieser brachte Preußen als Gewinn einen Teil Vorpommerns von den Schweden und in Folge einen deutlichen Zuwachs seiner internationalen Bedeutung.
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