Rainbow Alliance

GeschichteFantasy, Übernatürlich / P12
16.01.2012
24.04.2012
6
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16.01.2012 2.899
 
Hier das nächste Kapitel! Langsam geht es richtig los mit der Story! *freu* Viel Spaß beim Lesen! ^.^
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Member Red kniff die Augen zusammen, als sie das grelle Licht der Taschenlampe durch ihre Augenlider sah. Sie sah es? Mit einem Mal schreckte ihr Kopf hoch. Sie konnte es sehen! Dies war keine der Traumlandschaften, durch die sie viele hundert Jahre gereist war, das hier war echt! Langsam wagte sie es, die Augen vollständig zu öffnen, doch ein stechender Schmerz durchfuhr sie und sie verkrampfte das Gesicht. Eine halbe Ewigkeit hatte sie in Finsternis verbracht, ihre Augen waren all die Zeit fest verschlossen gewesen. Nun tat ihr das erste Licht furchtbar weh. Doch dieser Schmerz war vielleicht ein kleiner Preis, den man als lebendes, waches Wesen wieder zahlen musste. Sie hatte schon so lange keinen Schmerz mehr gefühlt und kostete ihn sorgfältig.
Vorsichtig bewegte sie ihren linken Zeigefinger, dann den rechten, dann den Daumen, dann die anderen Finger. Danach die ganze Hand, und den Arm. Auch die Beine schienen ihr zu gehorchen, sie zog sie behutsam an den Körper heran und umschlang mit ihren Armen die Knie und sie öffnete langsam den Mund, dabei war sie sich nicht sicher, ob sie schon wieder Worte formen konnte.
"Mir ... ist kalt.", stieß sie hervor.

Katharina und Juliana schauten in die grünen Augen des Mädchens, die eben noch aus puren Glas zu sein schienen und jetzt ganz normal wirkten. Aus der märchenhaften Gestalt des schlafenden Dornröschens war ein dünnes, frierendes Mädchen mit blasser Haut und roten Haaren geworden. Das weiße Kleid, das sie trug, hing nun wenig feierlich an ihr wie ein altes Tuch, denn es schien ihr nicht mehr richtig zu passen.
Juliana griff ihr unter den Arm und half beim Aufstehen. Member Red schaute auf das ringförmige Gerät, welches Juliana aus dem Glaskasten entfernt hatte, dort stand klein eingraviert ein Name. Amalia.
"Das ist mein Name." Sie klammerte sich an der fremden Frau fest, es war Jahrtausende her, dass sie fähig gewesen war zu laufen.

Katharina, die ganz bewegt vom Geschehen war, nickte nur. "Ja, das ist dein Name." Ihre Mutter hingegen schien das Ganze sehr kühl zu nehmen, sie trieb Amalia voran, hinaus aus dem dunklen Raum, in dem sie so viel Zeit verbracht hatte. Eine Zeit ohne Kummer und Sorgen, eine Zeit ohne Verantwortung, ohne Pflichten. Aber auch ohne Überraschungen.
"Kannst du dich an das erinnern, was vor dem heutigen Tag passiert ist?" Katharina konnte ihre Neugier nur schwer bremsen, aber ihre Mutter schüttelte kurz den Kopf in Richtung ihrer Tochter, das reichte.
"Ja... Nein... da ist nicht viel. Nur ein weißes Rauschen."
Amalia setzte einen Fuß vor den anderen und ihr Gang wurde immer sicherer. Wie ein Schmetterling, der eben aus seinem schützenden Kokon gekrochen war und seine Flügel zum ersten großen Ausflug trocknete, fühlte auch Amalia, wie die Kräfte in ihr brodelten. Sie war wieder lebendig, und es gab keine Zeit zu verschwenden. Dieses Leben hatte doch mit Sicherheit einiges zu bieten.

Als die drei durch die massive Tür ins Freie gingen, riss Amalia sich von Juliana los.
"Großer Gott!", entfuhr es Amalia. Sie lief einige Schritte. Der Regen, der eben noch garstig gegen die alten Mauern der Burg geschlagen hatte, war zu Schnee geworden. Viele tausend Flocken segelten friedlich zu Boden. "Wo zum Teufel sind wir hier? Warum ist es so kalt? Das ist niemals Griechenland..." Ehe sie noch mehr Fragen stellen konnte, packte Juliana sie am Arm. "Komm jetzt."
Katharina wagte es nicht, der Mutter zu widersprechen, auch wenn sie Amalia bedauerte. Es gab noch so vieles das sie ihr erklären mussten.
Wortlos blieb sie an der Burg stehen, als Juliana die staunende Amalia in Richtung Hubschrauberlandeplatz zerrte. Katharina wusste sehr genau, dass sie nicht mit nach Berlin kommen durfte, ihr Platz war hier und morgen würde die Schule ihren normalen Gang nehmen. Außerdem, so hoffte Katharina, war es auch der Beschützerinstinkt ihrer Mutter, der dafür sorgte, dass sie sich einer so großen Gefahr nicht aussetzen durfte.
Sie schaute den beiden hinterher und ging erst zum Internat zurück als ihre Mutter und die neuerweckte Kriegerin im Schneetreiben verschwunden waren.

Juliana schob Amalia die wenigen Stufen des kleinen Passagier-Hubschraubers hoch, der auf dem Besucherparkplatz vor dem Internatsgelände auf seine Passagiere wartete. Der Rotor lief bereits und das Kleid des Mädchens flatterte wild, sodass es sie beinahe umriss, so heftig war der Sog.
Obwohl Amalia zu dem Zeitpunkt, als sie in den langen Schlaf gefallen war, keine Hubschrauber kannte, war sie schnell vertraut mit dem Ungetüm. Sie war sich sicher, dass dieses "Verstehen" ein eingebauter Mechanismus war, der allen schlafenden Kriegerinnen einen guten Start in ihrer neuen Welt bieten sollte. Denn wie schwer und lähmend wäre das Leben, wenn man sich über alle Neuerungen der Technik wundern würde? Dann wäre man zu nichts mehr fähig.

Amalia setzte sie sich wie selbstverständlich auf einen der acht weißgepolsterten Sitze und schloss intuitiv den Sicherheitsgurt. Ganz geheuer war ihr die Sache nicht, vor allem der Lärm fuhr ihr dermaßen in die Glieder, dass sie Gänsehaut bekam. Hinzu kam die eisige Kälte. Selbst wenn sie sich an ihr früheres Leben nicht erinnern konnte, so wusste sie doch, dass es dort niemals so kalt gewesen war.

Als sich die Türen schlossen, wurde der kleine Innenraum des Hubschraubers mit warmer Luft geflutet und Amalia konnte sich zum ersten Mal wieder etwas entspannen. Der Pilot warf einen kurzen, kritischen Blick auf sie, dann startete er die Motoren und die Maschine hob in die rabenschwarze Nacht ab. Zweifelte auch der Pilot, dass dieses Mädchen auf dem Rücksitz tatsächlich eine mächtige Kriegerin war? Heute Mittag hatte Member Yellow auf der Rückbank gesessen, ihr Gesicht war würdevoll und wie versteinert gewesen. Vielleicht hatte sie deshalb alle glauben lassen, sie wäre eine erhabene Göttin, doch genutzt hatte es nichts, denn das Monster in Berlin wütete noch immer und Lena hatte sich in Berlin abgesetzt anstatt sich dem Kampf zu stellen. Juliana ließ sich über einen kleinen Laptop, den sie auf ihrem Schoß liegen hatte, die neuesten Nachrichten zukommen. Amalia hingegen warf nur einen kurzen Blick auf den leuchtenden Bildschirm und die kryptischen Zeichen, die über ihn rauschten, dann beobachtete sie, wie die dunkle Landschaft unter ihr zu einem Spinnennetz aus Lichtpunkten wurde. So viel Licht gab es in ihrem früheren Leben nicht, und es hätte keinen normalen Mensch gegeben, der in einem Hubschrauber darüber hinwegfliegen konnte.

Was niemand der Anwesenden im Hubschrauber wusste war, dass sich in der nunmehr verlassenen Burg noch etwas regte. Ohne jegliches Zutun der Schlüsselwächter bewegte sich die Kriegerin hinter der blauen Tür. Ihr Körper war immer noch gläsern und genauso ihre Augen, die sich geöffnet hatten, aber immer noch ohne jeglichen Ausdruck blieben.
"Mali..." Der Mund mit den durchsichtigen Lippen formte nur dieses eine Worte. Dann rappelte sie sich ganz langsam auf und rutschte von ihrem steinernen Bett.
"Mali..."
Sie kroch in Richtung der Tür und klopfte dagegen, doch sie war viel zu schwach, um sie zu öffnen.

Amalia atmete tief durch. Sie schaute auf ihre Hände und drehte sie im fahlen Licht der kleine LED-Lampe, die über ihr hing. Dann betrachtete sie ihre Füße, die in einfachen Sandalen aus weißem Leder steckten. Wahrscheinlich war es einmal ein wertvolles Material gewesen, doch jetzt war es zerschlissen und getränkt von braunen Schneewasser. Überhaupt schien ihre Kleidung nicht mehr angemessen zu sein, denn Juliana, die neben ihr saß, trug einen dicken Mantel mit einem Pelzkragen und eine samtene Hose, darunter ein Paar schwarze Stiefel. Amalia hätte sich gerne mit ihr unterhalten, aber die Frau schien furchtbar angespannt zu sein. Außerdem gab es sicher noch andere Gelegenheiten für ein Gespräch, also schluckte Amalia ihren Drang zu reden hinunter und schenkte ihre Aufmerksamkeit dem Geschehen, das sich um den Hubschrauber herum abspielte. Ein bisschen glich die graue Nacht mit ihren verschwommenen Lichtern und den tanzenden Schneeflocken noch der Traumwelt, in der sie so lange gefangen gewesen war.

Einige Zeit später setzte der Hubschrauber am Berliner Flughafen Schönefeld auf. Das Schneetreiben war nun mörderisch, kein Mensch war mehr auf der Straße, und langsam hatte sich auch herumgesprochen, dass ein seltsames Monster in der Stadt wütete. Außerdem hatten die Fernsehsender ihr laufendes Programm gestoppt und berichteten nun von den Vorgängen in Berlin.
Amalia kletterte aus der Maschine, die in der Nähe des Lieferanteneingangs gelandet war, hielt sich die Hand vors Gesicht, und blinzelte in die Ferne. Irgendwo dahinten bewegte sich schemenhaft etwas Großes, aber was das war, konnte sie nicht erkennen. Hinzu kamen die Blaulichter von Polizeiautos, die durch den trüben Vorhang aus Schnee schimmerten.

Juliana ging mit festen Schritten voraus. "Komm!" Sie näherten sich dem Areal der Start- und Landebahnen, die an den Seiten von Lampen gesäumt waren, die man im trüben Licht gerade noch erkennen konnte.
Als sie völlig vom Schneetreiben eingeschlossen waren und weder hinter noch vor ihnen irgendetwas außer den kleinen Lichtern zu sehen war, legte Juliana Amalia die Hand auf die Schulter.
"Es ist wichtig, dass du mir jetzt zuhörst. Eigentlich weißt du tief in dir, was passiert, wenn du aus deinem langen Schlaf erweckt wirst, also handle so, wie es dir aufgetragen wurde."
Amalia schaute sie direkt an und erinnerte sich an die Worte, die ihr in den vielen Träumen nie verloren gegangen waren.
"Immer, wenn die Welt von einer tödlichen Bedrohung heimgesucht wird, an der die Menschheit selbst keine Schuld trägt, wird die legendäre 'Rainbow Alliance' erweckt, um die Gefahr zu bannen."
Juliana atmete kurz durch, so weit war sie mit Member Yellow auch gekommen, die Frage war nun, wie es weiterging.
"Kennst du auch die Worte, die du sprechen musst, um dich zu verwandeln?"
In Amalia begann es langsam zu kribbeln, ein Gefühl, das sich vom Bauch über den ganzen Körper ausbreitete. Es war wie ein Wirbel, den sie verstandsmäßig überhaupt nicht erklären konnte, jeglicher Drang, die Schönheit dieser Welt zu entdecken, wurde von der Kampfeslust gefressen.
Sie ging in die Knie, streckte ihre Arme vor, und es sah so aus, als ob sie mit großer Kraft etwas Unsichtbares aus dem harten, schneebestäubten Boden zog.

"Member Red Revelation!"

Der Schnee auf der Startbahn vor ihr schmolz in einem Sekundenbruchteil, dann schwappte eine rot leuchtende Energiewelle aus dem kalten Asphalt und ging über Amalia nieder. Schon schien es, als löse sich das alte weiße Kleid im Luftstrom auf und wie durch Zauberhand kroch ein rotes Band aus Licht ihren Körper empor, wo sich nun in Windeseile die Uniform materialisierte. Ihr Kostüm sah genauso aus wie bei Member Yellow, nur leuchtete, was bei Lena gelb gewesen war, in kräftigem Rot. Als letztes erschien die schwarze Mütze mit dem Regenbogen-Abzeichen auf Amalias Kopf, dann tauchte die leuchtende Energiewelle mit lautem Rauschen in den Boden und war so schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen war.

Juliana, die sich sonst nur schwer beeindrucken ließ, konnte ihre Faszination bei dieser Verwandlung nicht verbergen. Fast war ihr Zorn über Member Yellows Ausfall in den Hintergrund gerückt. Obwohl viele Generationen ihrer Familie insgeheim darauf gehofft hatten, die Mitglieder der Rainbow Alliance sehen zu dürfen, war es doch nie dazu gekommen. Manche ihrer Vorfahren hatten schon nicht mehr geglaubt, dass die überlieferte Prophezeiung jemals wahr werden würde. Andere hatten regelrecht den Tag herbeigesehnt, an dem der Startschuss gegeben werden würde. Selbst wenn klar war, dass der Menschheit damit gleichzeitig eine große Gefahr drohte. Sie war die erste aus der Schlüsselwächterfamilie, die dieses Schauspiel erleben durfte.

Amalia öffnete die Augen und spürte die Kampfeslust in sich wachsen. Sie fühlte, wie ihre Zähne vor Anspannung knirschten und wie ihre Hände sich zu Fäusten ballten. Egal welche Gefahr dort lauerte, es war Zeit, sich mit ihr auseinanderzusetzen.
Juliana drückte ihr den ringförmigen Gegenstand in die Hand, der in ihrer Schlafkammer verborgen gewesen war. Als Amalia ihn in den Händen hielt, bekam sie sofort ein Gefühl dafür, wie sie mit dem Ring umzugehen hatte.
Plötzlich war ihr nicht mehr kalt, die Schneeflocken streiften ihren Körper sanft wie Federn, und auch der Wind schnitt keine eisigen Furchen mehr in ihr Gesicht, sondern umschmeichelte es.
Nur Juliana zog ihren Mantel enger zusammen und presste die Lippen aufeinander. Sie sagte nun nichts mehr, blieb einfach stehen und wartete darauf, was Amalia jetzt tun würde. Es war zu spät, sie zu drängen.
Mit sicheren Schritten ging Amalia dem Heulen von Sirenen entgegen. Über ihr schienen nun auch mehrere Hubschrauber zu kreisen. Was war es nur, was die Menschen mitten in der Nacht so aufgeschreckt hatte?

Und dann sah sie es.
Aus dem Nebel erhob sich eine riesige Gestalt und in dem kurzen Moment, in dem Amalia erschrocken auf das Wesen starrte, kramte sie in ihrer Erinnerung, um herauszufinden, um was es sich hier handelte. Dann fiel es ihr ein, trotz der Furcht erregenden Größe, der keifenden Geräusche und dem Gestank, den das Wesen ausströmte, war es nichts anderes als eine Ameise!
Als sie einige Schritte auf das tobende Wesen zugehen wollte, das pausenlos von Polizisten beschossen wurde, riss eine starke Hand sie zur Seite. Ein Polizist des Spezialeinsatzkommandos hatte Amalia gepackt und sie unsanft mit sich gezerrt. Seinen Helm mit dem integrierten Funkgerät hatte er tief ins Gesicht gezogen und seine dick gepolsterte Weste gab ihm ein bulliges Aussehen.
"Bist du völlig wahnsinnig? Mädchen, geh zurück in den Karnevalsverein, wenn dir dein Leben lieb ist!"
Amalia packte ihn am Handgelenk und drückte zu. Der Mann schrie erschrocken auf, diese Kraft hatte er nicht erwartet. Sie starrte ihm mit voller Intensität in die Augen und übte damit einen solchen Druck auf ihn aus, dass er nicht zu Gegenwehr ansetzte. Doch dann macht er Anstalten in sein Funkgerät sprechen zu wollen um seine Kollegen herbeizurufen.

"Stopp!" Juliana trat aus dem Nebel heraus.
"Wir können das anders lösen." Mit ihrer ganzen Autorität baute sie sich vor den beiden auf. Dass sie fror, sah man ihr nun nicht mehr an.
"Sagen Sie den Leuten hier über Lautsprecher, dass sie sich zurückziehen sollen! Wir regeln das!"
Amalia lockerte ihren Griff.
"Sie regeln das?" Der Polizist mit den blonden Haaren lachte hysterisch, doch Julianas eisiger Blick ließ ihn verstummen.
Seit beinahe acht Stunden hielten sie dieses Biest nun in Zaum. Immer mehr Verstärkung aus ganz Berlin und den umliegenden Städten war herangeholt worden, doch genutzt hatte keine Kugel, kein Flammenwerfer, keine Stahlseile, kein gar nichts. Sie hatten das Monster nur davon abhalten können, ins Stadtzentrum vorzudringen. Vielleicht hatte die Verzweiflung schon an seinem Verstand genagt, sodass er für einen Moment tatsächlich in Betracht zog, dass diese magere, kostümierte Gestalt ihnen helfen konnte. Doch dann schüttelte er kurz den Kopf um wieder klar zu werden. Er drückte den Knopf am Funkgerät seines Helms.
"Ja, Peter, hier Vitali, was ist bei dir los?", knarzte es aus dem Gerät.
Juliana zog eine silberfunkelnde Pistole aus dem Inneren ihres Mantels hervor, sie hielt sie mit geübten Griff und spannte den Hahn. Damit gab sie dem jungen Mann eindeutig zu verstehen, dass sie es ernst meinte.
"Vitali... falscher Alarm." Er drückte wieder auf den Knopf und das Knirschen verstummte.
"Ihnen ist doch wohl klar, dass ich dazu ausgebildet wurde mein Leben zu riskieren und das eine auf mich gerichtete Waffe mich nicht davon abhält zu tun was ich tun muss?"
Juliana nickte. "Ich weiß auch, dass sie eine viel größere Waffe am Körper tragen." Sie deutete mit dem Kopf in Richtung seines Maschinengewehrs.
"Und doch sind sie nur ein Mensch und wollen leben." Ohne das winzigste Zittern in der Hand richtete sie die Pistole auf seinen Kopf.
"Sie geben diesem Mädchen 10 Minuten. Danach gehört das Feld wieder Ihnen." Amalia stand daneben und genoss die Situation. Ihre Augen waren zu Schlitzen geworden durch die sie den Mann beobachtete, der sich nun ihrer Macht fügen musste.
"Was denken Sie, wie ich meinen Leuten klar mache, dass sie das Feld für ein einzelnes Mädchen räumen sollen?" Er wurde langsam lauter.
"Wie Sie das anstellen, ist mir egal, aber tun Sie es." Juliana blickte leicht zur Seite wo Amalia stand.
"Es geht los, du hast nur ein paar Minuten. Wenn du es nicht geschafft hast, dann schießen sie auch auf dich." Sie schaute ziellos in den Schneesturm, es schien, als ob sie noch „Viel Glück!“ sagen wollte, es aber doch nicht über die Lippen brachte. Amalia nickte.

Sie verschaffte sich schnell einen Überblick über das Geschehen. Überall standen Autos mit rotierenden Signallampen auf dem Dach. Etwas abseits hielten mindestens zwanzig Polizisten eine riesige Schar von Kameraleuten und Reportern ab, auf das Gelände zu laufen. Weiter hinten stand eine Kolonne von Krankenwagen, in denen bereits Verletzte behandelt wurden, die von der Säure der Ameise getroffen worden waren. In der Mitte des alptraumhaften Schauspiels bäumte sich die riesige Ameise auf und versuchte, sich von den Seilen zu lösen, die man um ihre Beine geworfen hatte. Einige der kleinen Flughafengebäude hatte sie bereits zerstört, und die Splitter der zerborstenen Fenster glitzerten bedrohlich im Licht der Sirenen. In der Ferne konnte Amalia auch ein umgestoßenes Flugzeug erkennen, das nur noch einen Flügel besaß. Die giftige Ameisensäure, die das Monster verspritzt hatte, dampfte am Boden und hatte langsam tiefe Löcher hinterlassen.
Amalia hörte die Uhr innerlich ticken und rannte los.
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