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Ich sehe was, was du nicht siehst

KurzgeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16
13.01.2012
13.01.2012
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Kurzbeschreibung: Was tut man, wenn jemanden wiedertrifft, den man schon längst vergessen geglaubt hat? Jemanden, den man vermisst, mit dem man aber schon längst nicht mehr gerechnet hat? Richtig: Man nutzt die Chance zur Flucht. Denn zu zweit ist Weglaufen so viel einfacher als allein.

Zusatzinfo: Es handelt sich hierbei um eine Puzzlegeschichte der Runde 10. Jeder hat sich den Steckbrief eines imaginären Freundes ausgedacht. Danach wurden diese Steckbriefe verlost. Aufgabe war es nun, den imaginären Freund in seine Geschichte einzubauen und ihn auf seinen inzwischen erwachsen gewordenen Erschaffer (den man sich selbst ausdenken durfte) treffen zu lassen.

Beta: Filey - vielen Dank für das Streichen sämtlicher Hunde an den unpassensten Stellen! :D

Rating: P-16

(Dis-)Claimer: Peggy-Jane stammt von Nuindae. Die Lieder, die ich zitiert habe, sind verlinkt und unter dem Text noch einmal angegeben. Ansonsten gibt es noch ein paar Anspielungen, aber der Rest ist von mir^^

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Ich sehe was, was du nicht siehst

„Tick tick tick tick tick ...“

Zäh wie Kaugummi floss die Zeit dahin, malte Farbenschleier an den Rand seines grauen Sichtfelds und zauberte Regenbögen um sämtliche Lichtquellen. Von einem Moment auf den anderen erloschen sie, nur um kurz darauf in allen sieben Farben wieder zu erstrahlen. Dann wieder. Wieder, wieder und wieder. Ein Schattenspiel aus Licht und Dunkel, nur mit Farben eben.

Er hob eine steifgefrorene Hand, um sie in den Lichtschein zu halten. Seine bis zu den Knöcheln behandschuhten Finger durchbrachen den verschwommenen Anblick und er bemerkte fasziniert, wie einfach es war: Er musste die Hand nur näher ans Gesicht führen und schon schwand das Licht, wurde zu ein paar einzelnen Punkten an den äußeren Rändern. Der kalte Wind ließ ihn frösteln. Er war froh über seine Mütze, wenn er hier schon warten musste.

Und die Zeit floss dahin wie Sand durch seine Finger – mit Wein durchtränkter Sand. Klumpen für Klumpen, rot durchtränkt. Und irgendwas blieb immer haften, ein paar Krümel an der Innenfläche, ein bisschen Dreck unter den Nägeln. Dafür war Rot eine schöne Farbe. Aber er konnte nicht mal die Sekunden messen. Nur ticken. Wie Hooks Krokodil aus Peter Pan. „Tick tick tick“ - der größte Alptraum manifestiert in einem sich ewig wiederholenden Geräusch.

Ja, er hatte Peter Pan gelesen. Auch wenn es ihm wohl niemand zugetraut hätte. Schließlich hatte er schon immer Pirat sein wollen. Jemand lachte. Es klang so weit weg. Dabei war er doch alleine hier.

„Tick tick tick … Hook oder ich diesmal.“

Das war nicht der richtige Wortlaut, aber irgendwie war das egal. Wer kümmerte sich schon um den genauen Wortlaut? Er hob seine Flasche an die Lippen, hatte aber unglücklicherweise vergessen, dass er sich gar nicht mehr abstützte. Erst im letzten Moment rettete er sich auf den Ellbogen. Weh tat das, aber immerhin hatte er nichts verschüttet.

„Oh Marco, was ist aus dir geworden?“

Überrascht sah er auf. Woah, wer war die Braut? Im Sommerkleidchen stand sie vor ihm. Dabei war es echt scheiße kalt. Schien sie nicht zu stören. Schließlich ging der Rock nur bis zu den Knien und dann war da ewig lange nichts, bis so Schuhe kamen, deren Namen er vergessen hatte. Welche mit Hacken halt. Er ließ den Blick wieder hochwandern und musterte die schmale Taille, um die dieser extrem breite Gürtel lag. Gab es auch ein Gesicht dazu? Es lag im Schatten. Er konnte nur ihr Haar sehen, das sie hoch … gemacht hatte. Zur Hölle mit überflüssigen Friseurwörtern. Die interessierten doch eh keinen.

„Hi.“

Das klang wahrscheinlich nicht so cool, wie er gerne hätte. Aber hey, sie kannte immerhin seinen Namen. Und jetzt ging sie direkt vor ihm in die Hocke und legte die Hände auf seine angewinkelten Knie. „Armer Junge ...“

Er war schon lange erwachsen, aber beschweren wollte er sich jetzt mal nicht. Immerhin hockte sie direkt vor ihm und jetzt konnte er sogar ihr Gesicht erkennen. Was er da sah, war … nett. Also jetzt im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht übermäßig hübsch oder attraktiv, aber gleichmäßig geschnitten, blaue Augen. Nett eben. Uh …

„Möchtest du einen Keks?“ Auf der geöffneten Handfläche hielt sie ihm einen entgegen und strahlte zuversichtlich über das ganze Gesicht. Als ob ein dämlicher Keks alles wieder gut machen könnte. „Er ist echt lecker. Es sind Schokoladenstückchen drin.“

Seine Augen weiteten sich. Es gab nur eine, die Kekse als Allheilmittel verkaufte – also nicht wirklich verkaufte, dazu war sie viel zu großzügig. Aber dafür ausgab. Er grinste. „Yo, PJ. Dich hab ich ja ewig nicht mehr gesehen.“

Und das stimmte wirklich. Wie viele Jahre war es her, dass sie das letzte Mal neben ihm gesessen und Kekse aus dem Nichts gezaubert hatte? Gefühlte Ewigkeiten.

„Ich heiße nicht PJ und das weißt du auch.“ Mit strenger Miene hielt sie ihm den Schokokeks hin. „Jetzt nimm ihn.“

Gehorsam kam er der Aufforderung nach und betrachtete das Gebäckstück. Fast zu gut, um wahr zu sein. Er biss hinein und spürte die penetrante Süße auf seiner Zunge explodieren. Ein Funkenregen an Geschmacksrichtungen. Zucker, Vanille, Fett und natürlich Schokolade. Unglaublich süß. Vielleicht auch ein bisschen bitter.

Mit gemischten Gefühlen blickte er zu PJ auf, die in der Zwischenzeit ihre Ellbogen auf seine Knie und das Gesicht auf die Hände gestützt hatte. „Was treibt dich her?“

„Ich wollte sehen, wie's dir geht.“

Mit ihrem Keks machte er eine ausladende Geste durch seine Zelle. „Guter Zeitpunkt! Willkommen in meinem bescheidenen Heim. Leider ist mir der Kaffee ausgegangen. Aber Toilettenwasser kann ich dir anbieten.“

Sie verzog das Gesicht und sah ihn dann bekümmert an. Sie hatte ihn echt drauf, diesen Welpenblick, bei dem einem ganz anders werden konnte. „Warum bist du so bitter?“

„Ich weiß nicht. Vielleicht sitze ich in meiner Zelle und warte auf meine Hinrichtung. Da soll so was vorkommen.“ Er biss noch einmal in den Keks und hielt ihn dann anerkennend hoch. „Aber der ist super.“

„Was hast du denn verbrochen, Marco?“

Es war wohl eine aufrichtig gemeinte Frage. Und wenn er es sich recht überlegte, dann war sie gerechtfertigt. Was hatte er denn verbrochen? Er debattierte noch mit sich darüber, ob er sich die Wahrheit eingestehen sollte oder nicht, als seine Lippen auch schon die nächsten Worte ausspuckten.

„Für Freiheit gekämpft.“ Ja, das klang doch gut. „Das haben sie hier nicht so gerne. Alles muss seine Ordnung haben und ZACK!“ Sie schrak zurück. „Hacken sie dir den Kopf ab. Aber vorher lassen sie dich noch ein paar Nächte darüber nachdenken, was du getan hast.“

„Aber das ist ja furchtbar!“

Ja, furchtbare Geschichte. Haarsträubend beinahe schon. Der Stoff, aus dem die großen Abenteuer gemacht waren. Er lehnte den Kopf zurück gegen die kalte Steinwand in seinem Rücken und schloss die Augen. Seit Stunden saß er nun also schon hier und wartete auf seine Strafe. Ob sie gerecht war? Wer konnte sich schon das Recht herausnehmen, das zu beurteilen. Aber hinter seiner Stirn hörte er eine leise Stimme und sie summte. Summte den Text eines Liedes, das er nur zu gut kannte. I feel irrational, so confrontational …

„Wir müssen hier raus!“ Ihre Stimme klang schrill und beinahe schon flehend. Er grinste bei diesem Ausruf in sich hinein. Das wirkte ja beinahe schon so, als wäre sie diejenige, die gerettet werden müsste. „Bitte.“ Jetzt war ihre Stimme leise, aber weit entfernt von ruhig. „Lass uns von hier verschwinden!“

„Und meiner Strafe entfliehen? Wäre das denn überhaupt mit dem Gewissen vereinbar?“ Mit wessen ließ er jetzt lieber mal offen.

„Du hast diesen Tod nicht verdient.“

Diese Worte ließen ihn aufhorchen. Bestürzt sah er in PJs Gesicht und konnte dort echte Überzeugung lesen. Sie glaubte an das, was sie da sagte?

„Heh.“ Er schob ihre Arme von seinen Beinen und setzte sich in den Schneidersitz. Wenn er es sich recht überlegte, konnten sie wirklich von hier verschwinden. Mit neu erwachtem Interesse sah er sie an. „Ausbrechen?“

Das Wort war ihr eindeutig unangenehm. „Verschwinden.“

Ja, verschwinden war eine gute Idee …

Er klatschte in die Hände. „Deal! Dann zeig mal, was du drauf hast, und zauber uns diese hässliche Zellentür auf.“

Von seiner Euphorie angesteckt kam sie auf die Beine und hielt ihm die geöffnete Handfläche entgegen. Ein Schlüssel erschien nur kurz darauf aus dem Nichts und sie schritt mit stolzer Miene auf die Tür zu. Dann hielt sie jedoch inne. „Fin... Findest du das nicht auch ein wenig seltsam?“

Voller Vorfreude hatte er sich neben ihr postiert und hob nun die Augenbrauen. „Was denn?“

„Na ja, ich rette dich. Normalerweise …“ Sie brach ab und sah zu ihm auf. „Normalerweise wird doch die Dame vom edlen Ritter gerettet und nicht … also andersrum.“

Einen Moment lang starrte er sie an, dann prustete er los. „Okay, Prinzessin, gib mir den Schlüssel.“

Er nahm ihn ihr ab, schlang einen Arm um ihre Hüfte und hob sie vom Boden. Ohne auf ihre Proteste zu achten, warf er sie sich über die Schulter und spürte das empörte Hämmern ihrer Fäuste auf seinem Rücken. Somit wäre dem Klischee also wieder genüge getan. Kurz darauf begann sie zu kichern. „Lass mich runter.“

Er dachte jedoch nicht daran, sondern schloss mit der freien Hand die Tür auf. Der Zellengang auf der anderen Seite war nur schwach beleuchtet und endete bereits einen guten Meter vor ihm mit einem hüfthohen Geländer. Dahinter ging es mehrere Meter in die Tiefe und als er sich nun vorbeugte, konnte er hinunter in die triste graue Gefängnishalle sehen. Niemand war zu sehen und trotzdem drückte so viel geballte Trostlosigkeit ihm augenblicklich aufs Gemüt. Er senkte die Stimme zu einem Flüstern. „PJ?“

„Ja?“, kam es ebenso gewispert zurück. Scheinbar wollte sie sich angesichts der Situation nicht mal über den unliebsamen Spitznamen beschweren.

„Kannst du dich noch daran erinnern, wie wir zusammen Harry Potter gelesen haben?“

„Klar.“

„So ein Tarnumhang. Meinst du ...“

Er hatte den Satz nicht mal beendet, da hörte er bereits das leise Flattern aufgeschüttelten Stoffes und konnte aus dem Augenwinkel erkennen, wie sie ihm den Mantel nach vorne reichte. Sehr gut! Sie hatte sogar an die richtigen Größenverhältnisse gedacht. Niemand würde seine Füße durch die Gegend wandern sehen, wenn er aufrecht stand. Praktisch!

Er schloss die Tür seiner Zelle wieder hinter sich und schlich auf leisen Sohlen durch den Gang. Er musste die Balustrade zur Hälfte umrunden, um zur vergitterten Ausgangstür auf der anderen Seite zu kommen. Nichts regte sich hinter den Zellentüren seiner Mitinsassen. Entweder saßen sie stumm auf ihren Betten und starrten an die verdreckten Decken oder zerkratzten Steinwände. Oder sie hatten es tatsächlich geschafft zu schlafen. Es war ihm in den vier Tagen, die er hier verbracht hatte, nur einmal geglückt. Den Rest der Zeit hatte er mit trübsinnigen Gedanken an das, was noch kommen würde, verbracht. Eine Hinrichtung. Er fragte sich, ob er sie verdient hätte – und in seinem Kopf aktivierte sich fast von allein das unauslöschliche Wispern: Getting away, getting away, getting away …

Ewig könnte er das fortsetzen.

„Willst du mich jetzt nicht wieder runterlassen?“ Er ahnte mehr, was PJ sagte, als dass er es hörte, so leise gab sie die Worte von sich. Trotzdem hielt er den Atem an. Er wollte nicht erwischt werden, nicht hier. Mit Sicherheit nicht, wenn ein letzter Gang in Freiheit zum Greifen nah war. Ja, ein letzter … Denn lange würde er sich da draußen nicht verstecken können. Diese Welt war schon längst nicht mehr fair genug, um langfristigen Seelenfrieden zu ermöglichen.

Also setzte er sie schleunigst ab, bevor sie noch etwas sagen konnte. Dicht hielt sie sich hinter ihm und legte eine Hand um seinen linken Oberarm. Beruhigt stellte er fest, dass sie ihre Schritte mit der gleichen Umsichtigkeit setzte wie er selbst. Dann fiel ihm auf, wie sinnlos diese Besorgnis war. Niemand außer ihm würde PJ sehen oder ihre Stimme hören können …

Als sie die Gittertür erreicht hatten, drückte sie ihm wortlos von hinten den passenden Schlüssel in die Hand. Er bemühte sich darum, ihn lautlos ins Schloss zu stecken und umzudrehen, doch ein metallisches Klacken schallte trotzdem durch die Stille. Augenblicklich wurden auch andere Geräusche hörbar, hinter den Zellentüren, in den Gitterzellen unterhalb der Balustrade, in der Luft. Sie schien plötzlich aufgeladen. Er spürte ein Prickeln, im Nacken, auf den Oberarmen.

Und als er die Tür aufzog, schrillte der Alarm in ohrenbetäubender Lautstärke durch die Einrichtung. Verdammt! Einen Moment lang war er schockgefroren. Das Klingeln rasselte in seinen Ohren und PJ zerrte an seinem Arm. „Los, Marco! Lauf!“

Und er verwandelte sich in den reaktionsschnellen Freiheitskämpfer, der er sein wollte, sprintete los, hastete zum ersten Treppenabsatz. Das Ziel? Ein Stockwerk tiefer, durch den langen Flur, in den Pausenhof. Niemand würde damit rechnen, dass er dorthin floh. Der gesamte Bereich von hohen Mauern umgeben, mit Stacheldraht versehen und zusätzlich noch durch eine Hochstromanlange geschützt. Man müsste schon fliegen können, um von dort zu entkommen …

Während ihre unsichtbaren Schritte durch den Gang hallten und dieser sich zog und zog, hoffte er inständig, dass ihr Plan aufgehen würde. Das wäre sonst eine verdammt kurze Flucht. Er hätte –

Die Tür zum Gang flog auf und ein Wachmann rannte hindurch – gefolgt von einem zweiten, einem dritten, einem vierten. Scheiße! Augenblicklich griff Marco hinter sich und drückte PJ gegen die Wand. Mit ausgestrecktem Arm hielt er sie dort und presste sich neben ihr ebenfalls gegen den kalten Stein. Dieser Gang war schmal, aber vielleicht nicht zu schmal, als dass die vier Männer in ihrem hastigen Lauf an ihnen vorbeistürmten ohne sie zu berühren. Marco hielt den Atem an und angesichts der vollkommen Reglosigkeit neben ihm ging er davon aus, dass PJ das gleiche tat. Der erste Mann rannte an ihnen vorbei ohne sie zu bemerken. Der zweite auch. Doch der Schlagstock des dritten streifte seinen Oberschenkel.

Nein …

Irritiert geriet der Mann ins Straucheln, verlangsamte sein Tempo und brachte damit seinen hinter ihm laufenden Kollegen aus dem Rhythmus. Er versuchte zur Seite auszuweichen und prallte dabei direkt gegen Marco.

Shit!

Ein Fluch entwischte ihm und damit waren alle noch möglichen Erklärungsversuche aus dem Weg geräumt. Marcos Hände schnellten vor. Er packte den Mann, wirbelte ihn herum und stieß seinen Kopf gegen die Steinwand. Noch im selben Atemzug riss er den Tarnumhang von PJs Körper (der war ja sowieso überflüssig dort) und hüllte sich vollkommen darin ein. Somit war die Aufmerksamkeit der drei verbliebenen Gegner völlig auf ihren gefallenen Kollegen gerichtet und Marco nutzte den Augenblick, um zwischen sie zu tauchen. Dem ersten rammte er den Ellbogen in den Magen und platzierte, während der Mann sich noch zusammenkrümmte, einen Handkantenschlag in seinem Nacken. Ein Ächzen und der Mann lag still.

Helle Panik brach zwischen den beiden verbliebenen Wachmännern aus. Sie umklammerten ihre Schlagstöcke, während Marco nach dem ihres bewusstlosen Kollegen griff. Mit ungläubig aufgerissenen Augen sahen sie die Waffe vor sich in der Luft schweben. Und in Marcos Kopf hämmerte es: Getting away, getting away, getting away. Er wurde es nicht los.

Egal.

Er schleuderte dem weiter entfernt stehenden Mann den Schlagstock entgegen und überbrückte die schmale Distanz, die ihn vom letzten trennte. Ein helles Klirren ertönte – Metall auf Metall – und der Gedanke, dass der Mann trotz seiner Panik noch reaktionsschnell genug gewesen war, um das heranfliegende Geschoss abzuwehren, ärgerte ihn. Mit Schwung wollte er dem zweiten die Handfläche gegen die Schläfe stoßen, erwischte jedoch nur die Wange und erntete einen tiefen Aufschrei. Beinahe im selben Moment spürte er den Luftzug hinter sich. Verdammt! Der Schlag traf seinen Oberarm. Er biss die Zähne zusammen. Jetzt ging es wirklich schief.

Ohne den beiden noch mehr Zeit zu geben, sich an die Situation zu gewöhnen, wirbelte er herum, stieß den Angreifer vor die Brust und trat dem anderen gegen das Knie. Diesmal zielsicher. Ein hässliches Knacken war die Folge. Er verzog das Gesicht und griff dann nach PJs Hand. „Lauf!“

Er zerrte sie mit sich auf die noch immer offen stehende Tür zu, durch die vor wenigen Sekunden die Männer den Gang betreten hatten. Derjenige von ihnen, der immer noch in der Lage war, die Verfolgung aufzunehmen, tat dies ohne zu zögern. Und er musste nun zweifellos Marcos Hand, mit der er PJs festhielt, unter dem Tarnumhang hervorlugen sehen. Ob er eins und eins zusammenzählen konnte? Hatte der Kerl Harry Potter gesehen?

Marco beschloss, ihm nicht ausreichend Zeit dazu zu lassen, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Er zerrte PJ durch die Tür und zog sie hinter sich ins Schloss. „Schlüssel!“

Peggy reichte ihm ihn augenblicklich und er schloss ab. Gleich darauf rüttelte sein Gegner auf der anderen Seite an der Klinke. Yes!

Zusammen rannten sie weiter. Von hier war es nicht mehr weit, bis zum Hof. Noch zwei Gänge, eine Treppe und eine unverschlossene Tür, dann hatten sie den gelben, mit düstergrauen Wolken überzogenen Himmel über ihren Köpfen.

Er zog die Kapuze vom Kopf und wandte sich PJ zu. „Ich brauche eine Flugmaschine!“

Perplex sah sie ihn an. „Was?“

„Eine Flugmaschine! Propeller, Hubschrauber. Irgendwas. Von mir aus auch ein überdimensionales Huhn.“

Ihr Blick blieb weiterhin skeptisch. Vielleicht war sie aber auch abgelenkt von seinem im freien Raum schwebenden Kopf.

„Na, wir müssen über die Mauern und klettern werden wir sicher nicht. Das Teil grillt uns.“

Sie blickte von den Stromleitungen zu ihm und wieder zurück. „Äh ...“

„Komm schon, PJ! Kreativität!“

Wütend stemmte sie die Hände in die Hüften. „Denkst du das geht einfach so auf Knopfdruck?! Und nenn' mich nicht PJ!“

Das war jetzt wirklich nicht der richtige Zeitpunkt, um sich darüber aufzuregen. Die Sirenen schrillten ihnen um die Ohren und auch wenn eine Flucht auf den Hof sehr unwahrscheinlich war, würden sie hier kein Picknick veranstalten können. Also beschloss er, Vernunft walten zu lassen und unterdrückte selbst den in ihm aufsteigenden Seufzer. „Bitte, Peggy-Jane. Jetzt.“

Glücklich strahlte sie ihn an, legte einmal kurz die Hände aneinander und hielt ihm dann ein kleines rosafarbenes Törtchen entgegen. Er nahm es wenig begeistert entgegen. „Ähm, das ist nett und so, aber ...“

„Vertrau mir!“ Lächelnd trat sie auf ihn zu und legte die Arme um seinen Hals. „Halt mich fest.“

Jeden Moment konnten Männer auftauchen und sie mit Kugeln durchsieben – oder zumindest das von ihnen, was sichtbar war, also seinen Kopf und die Hand mit dem rosa Erdbeertörtchen. Das reichte zum Sterben und falls das hier PJs Vorstellung von einem romantischen gemeinsamen Ableben war, teilte er sie nicht. Trotzdem blieb ihm wohl kaum etwas übrig, als ihren Worten nachzukommen. Vertrau mir.

Er legte den Arm um sie, biss ins Törtchen und schmeckte nichts als Zuckerguss. Uargh … Im nächsten Moment fühlte er sich leicht. Ein warmes Kribbeln breitete sich in seinem Magen aus und er musste wider Willen Grinsen. Dann verlor er die Bodenhaftung. Erschrocken blickte er nach unten, doch sehen konnte er natürlich nichts. Seine Füße steckten schließlich unterm Tarnumhang. Trotzdem ließ sich die zügig größer werdende Distanz zwischen ihm und dem Boden nicht mit einem plötzlichen Wachstumsschub erklären. Er konnte fliegen! Das Lachen brach aus ihm hervor. Tick, tick, tick. Jetzt war es ganz genauso wie Peter Pan. Mit PJ in den Armen drehte er sich um die eigene Achse, nahm Geschwindigkeit auf und schoss davon.

Sie ließen den Hof unter sich zurück, die Mauern, die lange schmale Brücke über dem Abgrund aus Nichts. Ungebremst flogen sie davon, so weit fort wie sie wollten, weit weit fort. … away, getting away, getting away, getting away …

Das scharfe Flüstern durchbrach seine glücklichen Gedanken wie ein herabstürzendes Fallbeil und die Realität kehrte zurück. Ohne glückliche Gedanken kannst du nicht fliegen. Also stürzte er ab. Wie ein Stein. Ihm blieb nicht einmal Zeit, um zu sehen, wohin. Er war zu sehr auf die Liedzeilen fixiert, die sich in seinem Kopf festsetzten. Er wurde sie nicht los, ein ewiges Mantra, das in einer Gewissheit endete: To tell the truth I am getting away with murder.(1)


--


Als er zu sich kam, war es um ihn herum düster. Und still. Reglos lag er da und versuchte, die Umgebungsgeräusche einzuordnen – wenn da denn welche gewesen wären. Aber um ihn herum … Doch! Jetzt! Er nahm leises Klimpern wahr, ein beständiges Knistern und Kratzgeräusche von Metall auf Metall. Irritiert befühlte er seine Umgebung. Weich und warm. Das war seltsam. War er nicht bis vor Kurzem noch ganz woanders gewesen? Und war dieser Ort … nicht ein Gefängnis gewesen, in dem er auf seine Hinrichtung gewartet hatte?! Ruckartig setzte er sich auf. Flucht! Er war auf der Flucht!

Und an seine Nase drang der Geruch von frisch gekochtem Kaffee. Was zur Hölle? Hastig schlug er die Decke zurück, die man über ihm ausgebreitet hatte, kämpfte sich aus den Untiefen einer hin- und herschlackernden Luftmatratze und suchte nach seinen Schuhen. Nirgends in Sicht. Alles andere hatte er noch an. „PJ?“

„Du sollst mich nicht so nennen!“ Sonderlich bekümmert klang sie jedoch nicht. Im Gegenteil: Als er das Zelt, das sie offenbar herbei gezaubert hatte, verließ, sah sie ihn mit äußerst unbekümmerter Miene an – und hielt ihm eine dampfende Tasse Kaffee entgegen. Ungläubig starrte er auf den kleinen Campingkocher und das Plastiktischset mit zwei Stühlen. „Wir haben keine Zeit für so was!“

Sein Tonfall ließ sie zusammenzucken. Mit großen Augen sah sie ihn an. „Aber –“

Er ließ sie den Satz nicht beenden: „Wir sind auf der Flucht, verdammt! Wie hast du dir das vorgestellt?“

„Es ist weit und breit niemand zu sehen.“

Sie machte eine ausladende Geste und in einem Punkt hatte sie zweifellos recht: Hier war nichts. Es gab nur Sand, Unmengen davon, die sich in braungelben Dünen bis zum Horizont erstreckten. Darüber erstreckte sich der Himmel in ungesunden Gelb- und Grautönen. Es war ein trostloses Szenario.

Trotzdem. „Wir sitzen hier wie auf dem Präsentierteller. Wenn sie uns mit einer Lufteinheit verfolgen, dann haben wir ein mächtiges Problem.“

Sie sah unglücklich aus. „Trink bitte wenigstens den Kaffee.“

Hatte sie ihm überhaupt zugehört? Einen Moment lang war er versucht, das ganze noch mal in dreifacher Lautstärke zu wiederholen, aber dann besann er sich und streckte die Hand nach der Tasse aus. Alles würde einfacher werden, aber nicht wenn er sie jetzt vor den Kopf stieß. Dann würde sie ihm mit Sicherheit keinerlei Transportmittel herbeizaubern, und er hatte definitiv keine Lust zu Fuß durch diese Wüste zu wandern. Also nahm er den Kaffee und trank vorsichtig einen heißen, ersten Schluck. Es war köstlich. Dunkel, stark, aromatisch. Er konnte sich nicht erinnern, wann er zum letzten Mal einen so grandiosen Kaffee getrunken hatte.

In Peggys Augen blitzte Triumph auf. „Ich könnte auch noch Frühstück –“

„Nein.“ Er sah sie streng an. „Wir müssen von hier verschwinden.“

Sie seufzte und ließ dann mit einer schnellen Handbewegung die Campingutensilien verschwinden. Nur die Tasse in seiner Hand blieb übrig – ebenso wie seine Schuhe, die mit einem Mal einsam und verlassen im Sand standen. Er ging darauf zu und schlüpfte mithilfe einer Hand hinein, während er mit der anderen den Kaffee balancierte. „Kannst du uns ein Transportmittel verschaffen?“

PJ verschränkte die Arme vor der Brust. Dafür bin ich dann gut genug, das sagte ihr Blick ganz deutlich. Sie entschied sich jedoch glücklicherweise dagegen, diese Diskussion auch tatsächlich durchzuführen und legte die Handflächen aneinander. Einen Augenblick später stand ein großer Jeep zwischen ihnen und es schlich sich automatisch ein Grinsen auf Marcos Lippen. So ein Ding hatte er schon immer mal fahren wollen! Aufgeregt trank er den Kaffee aus und stellte die Tasse im Sand ab. Einen Moment später war sie verschwunden, er konnte sich die Schnürsenkel zubinden und in den Jeep steigen. Der Motor ließ sich problemlos starten.

„Komm, auf geht’s!“ Er winkte ihr und sie kletterte zu ihm auf den Beifahrersitz. „Weißt du, von wo wir gekommen sind?“

Sie deutete nach links und er steuerte das Auto in die entgegengesetzte Richtung. So weit weg von diesem Mist wie möglich. Wie weit sich der Wüstensand vor ihnen erstreckte, konnte er nicht sagen, aber Probleme sollten sie ja nicht bekommen – mit einem Jeep, dem nie das Benzin ausging.

Nach mehreren Minuten einträchtigen Schweigens drückte PJ auf den Radioknopf und die Stimmen der Beatles schallten aus den Lautsprechern: „... my ears and in my eyes. There beneath the blue suburban skies I sit and ..."(2)

Automatisch wanderte sein Blick nach oben. Nein, der Himmel war schon lange nicht mehr blau. Das war zu den Zeiten gewesen, in denen der Großteil der Oberfläche dieses Planeten noch nicht mit Sand und Dreck bedeckt gewesen war. Ozeane – nicht aus Sand, sondern aus klarem blauen Wasser, Plätschern bis zum Horizont.

Er schüttelte den Gedanken ab und konzentrierte sich auf die Fahrt, während PJ neben ihm leise zu summen begann. Der Gedanke würde sie sicher nicht erfreuen, aber eins stand fest: Sie brauchten Waffen. Denn dass ihre Verfolger früher oder später zu ihnen aufschließen würden, stand außer Frage.

--


Die ersten Anzeichen menschlicher Zivilisation erreichten sie nach mehreren Stunden – vier Stunden Beatles; so langsam konnte er die Kerle echt nicht mehr hören! - doch es handelte sich bloß um eine kleine Siedlung, die ihnen nicht weiter von Nutzen sein würde. Hier gab es bestimmt keine Waffen zu kaufen. Den Gedanken, PJ nach einer zu fragen, hatte er nicht einmal richtig angedacht. Es war klar, wie ihre Antwort als überzeugte Pazifistin ausfallen würde. Tarnumhänge und Schwebekuchen, okay. Doch mit Sicherheit keine Waffen. Hier würden sie aber auch nichts Brauchbares finden. Also lenkte er den Jeep an der kleinen Oase vorbei und fuhr weiter ins Nichts. Langsam hatte er keine Lust mehr. Wenn es so lange dauerte, war Jeepfahren doch nicht mehr so cool.

Glücklicherweise verging nicht mehr allzu viel Zeit, bis am Horizont eine große Kuppel auftauchte. Zuerst war sie winzig klein, aber Stück für Stück wuchs sie zu einer riesigen Stadt in den Himmel hinauf. Das war es, was sie brauchten. Ein Grinsen schlich sich auf Marcos Lippen. Er wandte sich PJ zu. „Hey, kannst du mir einen gefälschten Ausweise und Fahrzeugpapiere für den Jeep geben? Die lassen uns ohne bestimmt nicht rein und wenn sie meinen echten Namen sehen, würde das unsere Verfolger ziemlich schnell wieder auf unsere Spur setzen.“

Sie nickte und reichte ihm nur einen Herzschlag später die gewünschten Dokumente. Er sah auf den Ausweis. John McCartney … Er warf ihr einen wenig begeisterten Blick zu. „Irgendwann muss das mit diesem Beatles-Fanatismus aufhören. Ich werd sonst noch eifersüchtig.“

Sie strahlte ihn an. „Ach, Marco. Keiner ist so wie du.“

Ja … Wie um sich auf die nicht vorhandene Straße zu konzentrieren, starrte er durch die Windschutzscheibe und schluckte. Ein toller Typ war er, den sie nicht zu Unrecht drangekriegt hatten. Aber er hing an seinem Leben – unabhängig davon, dass er ein anderes zerstört hatte. Er musste blinzeln. Sand. In dieser verdammten Wüste wurde überall Sand aufgewirbelt. Am liebsten hätte er PJ noch um eine Sonnenbrille gebeten, aber das würde ihre Aufmerksamkeit nur noch weiter auf ihn lenken. Und es war doch schöner, wenn sie nicht genauer hinblickte.

Am Stadttor wurden sie tatsächlich von zwei bewaffneten Männern aufgehalten, die zwischen dem großen Stadttor postiert waren, das wohl einer der wenigen Zugänge zu dieser durch eine riesige Kuppel vor Sandstürmen und Hitze geschützten Stadt war. Einer der Wachtposten warf jedoch nur einen flüchtigen Blick auf die Papiere. Sonderlich genau nahm er es nicht, bevor er sie durchwinkte. Marco fragte sich, ob ihn das verunsichern sollte, aber andererseits sollte er nicht übermäßig paranoid sein. Er wurde gesucht, klar. Aber das hieß nicht, dass die gesamte Welt sein Gesicht kannte oder ein so großer Beatles-Fan war, dass ihm der seltsame Ausweis auffallen würde. Im Rückspiegel sah er, wie der eine Mann in ein Funkgerät sprach, während der andere den Schließmechanismus des Stadttores aktivierte. Was zum …?!

Er hatte den Gedanken nicht zu Ende gebracht, als auch schon ein Schatten auf den Jeep fiel. Er sah hoch, fluchte entsetzt und stieg in die Bremsen. Krachend schlug vor ihnen das auf die Straße, was sich nur … ja, als riesiger Roboter identifizieren ließ. Schockiert sprang Marco auf. Das Teil war enorm und in diesem Moment öffnete sich dort, wo sein Kopf war, ein Cockpit. Marcos Augen verengten sich zu Schlitzen, als er erkannte, wer dort auf der anderen Seite saß und sich nun ebenfalls erhob. „Godram.“

„Du kennst den Mann?“ Peggy klang alarmiert. „Bitte sag mir nicht, dass ihr euch gestritten habt.“

Das war netteste Euphemismus seit Langem. Godram war der Mistkerl, der ihn hinter Gittern gebracht hatte! Wütend starrte Marco in das süffisante Gesicht seines Erzfeindes.

„Du bist später, als ich dachte, Marco“, meinte er in diesem Moment. „Was hat dich aufgehalten? Es war doch von vornherein klar, dass du hier enden würdest.“

Er hielt sich nicht mit einer Antwort auf. Normalerweise redete Godram, sobald er seinen Gegner in Gewahrsam hatte, nicht vorher. Wenn er also jetzt quatschte, hieß das, dass hier mehr ablief, als Marco auf den ersten Blick wahrnehmen konnte. „Tarnumhang, PJ, schnell“, wisperte er und sie kam der Aufforderung nach. Er griff sich das Stoffstück, hüllte sich darin ein und sprang vom Wagen. PJ wollte das gleiche tun und Godram lachte schallend. Er zog die Waffe, zielte und drückte ab.

PJ schrie. Fassungslos wirbelte Marco herum, sah, wie sie sich den Arm hielt, und eilte zu ihr. Der Umhang rutschte ihm vom Kopf, als er die Wunde an ihrem Arm berührte. „Was? Was? Wie ist das möglich?“

Niemand sollte PJ sehen können! Sie war seine Freundin. Wenn ihre Magie sich auf die Umgebung auswirkte, war das eine Sache. Aber sie sollte unsichtbar für alle sein! Überfordert starrte er zu Godram, der mit breitem Grinsen auf sie herunter sah. „Was glaubst du, warum wir dich so lange in diese Zelle gesteckt haben, Blindfisch? Wir haben uns gefragt, wann dein Geist wohl endlich aktiv wird und seine kreativen Hirngespinste ausspuckt. Wir haben darauf gewartet, musst du wissen. Und jetzt holen wir uns von dir den Schlüssel zu unserem unermesslichen Reichtum!“

Das war ein schlechter Scherz, oder? Aber Godram stieg ins Cockpit. Er schloss das Verdeck und der Roboter hob sich düsenbetrieben vom Boden. Ooooh shit! Er rappelte sich auf die Beine und zog PJ mit sich nach oben. „Komm! Komm schon!“

Stolpernd kam sie auf die Beine, verzog das Gesicht vor Schmerz und sah angsterfüllt zu ihm auf. „Marco, er kann mich sehen! Das wollte ich nicht! Warum kann er –“

„Später, okay?“

Er packte ihren gesunden Arm und riss sie mit sich fort. Der Roboter in ihrem Rücken setzte zum Angriff an. Hastig warf Marco einen Blick über die Schulter, sah sich dann hektisch nach einem Ausweg um. Die nächste Hausecke war viel zu weit entfernt. Sie würden niemals rechtzeitig aus der Bahn kommen. Godram würde sie zermalmen, fangen, abknallen – oder was auch immer er vorhatte.

Marco fluchte, als plötzlich ein weiterer Schatten auf ihn fiel. Er blickte auf und sah eine riesige geflügelte Kreatur, die auf sie zuschoss. Er schrie, zog PJ mit sich nach unten. Die Kreatur fegte über sie hinweg, kollidierte mit dem Roboter und katapultierte seine massige Gestalt in den Asphalt. Der Aufprall löste eine Erschütterung aus, die sie beide von den Füßen riss. Augenblicklich kämpfte Marco sich wieder nach oben und wirbelte herum. Die Kreatur ließ vom Roboter ab, der sich quietschend und scheppernd vom Asphalt erhob. Sie wandte sich ihnen zu. Ooooh …

„Keine Pause, PJ, keine –“

Raubvogelartige Klauen schossen auf sie zu und er hatte keine Zeit auszuweichen. Beide wurden sie gepackt, vom Boden gerissen, in die Höhe getragen. Er schrie auf und trat um sich. PJ war schockgefroren. Aus weit aufgerissen Augen starrte sie ihn an. Er wehrte sich weiter. Wenn er doch nur eine Waffe –

„Hey, Vollidiot! Hör auf zu zappeln oder wir verlieren dich!“

Die Stimme, die das rief, klang erstaunlich jung. Marco hob den Kopf und sah in die graublauen Augen eines etwa zwölfjährigen Jungen, der in diesem Moment den Blick abwandte. „Da kommt er!“

In jeder Hand hielt der Kleine eine Waffe und richtete beide auf einen Punkt hinter ihnen. Dort war Godrams Super-Roboter auszumachen, der sich in die Luft erhoben hatte und die Verfolgung aufnahm. Der Junge legte an und ließ ihn näher kommen. Erst im letzten Moment feuerte er aus beiden Läufen und landete mehrere wuchtige Treffer. Kleine Explosionen erschütterten die Rüstung des Roboters, doch auch drei, vier, fünf konnten ihn nicht stoppen. Er flog weiter und die Kreatur, die sie trug, schoss gerade noch rechtzeitig nach oben. Haarscharf fegte der Roboter unter ihren Beinen hinweg und PJ schrie auf. Noch im Vorbeischießen drehte der Roboter sich in der Luft, hob die riesigen mit Kanonen bewaffneten Hände und eröffnete seinerseits das Feuer.

„Okay, der ist ein bisschen besser ausgerüstet als du, Kleiner.“

„Verdammt, Super-Bat! Höher!“

Super-Bat? Er meinte sich verhört zu haben, während sein Magen Salti schlug und sie in die Höhe schossen, schneller, höher, ungebremst. Feuerwerk explodierte unter ihnen, Super-Bat stürzte sich beinahe augenblicklich wieder in die Tiefe. Oh Gott, er musste kotzen … Sie tauchten zwischen die Häuserfassaden und schossen im Zickzack von dannen, rechts, links, rechts, ein Bogen um das Haus, nur haarscharf die nächste Kurve. Das Tempo nahm zu! Der Roboter folgte, schlug jeden Haken mit und klebte unablässig an ihren Fersen. Na, wenigstens hat er gerade keine Zeit zu –

Eine Häuserfassade explodierte in einer Fontäne aus emporschießendem Stein und Marco presste die Lippen aufeinander. Oh Gott … Er würde jetzt einfach gar nichts mehr denken. Das war vielleicht sicherer …

„Shit!“

Der Kleine feuerte und die darauf folgende Explosion war viel zu nah. Dann plötzlich! Eine Änderung in der Flugrichtung. Nicht geplant! Mit Sicherheit! Ein gigantisches Brüllen ertönte, als sie gegen das nächste Haus krachten. Beinahe wären ihre eigenen Schreie darin untergegangen, aber die helle kindliche Stimme rasselte in seinen Ohren weiter und er hob den Blick. Eine riesige Roboterhand presste den Kleinen mitsamt seiner Riesenfledermaus gegen die Fassade. Dass sie selbst dabei nicht zerquetscht worden waren, grenzte an ein Wunder – oder war pure Berechnung. Der Kleine wimmerte.

„Gib mir die Waffe!“

Der Kleine blinzelte zu ihm hinab.

„Lass sie fallen!“

Der Kleine ließ los und die Pistole fiel. Marcos Arm schoss vor, er schnappte sie und wand sich in Super-Bats Griff. Der Roboter hob den zweiten Arm. Marco zielte auf das Cockpit. Es lag nur ein Stück weit über ihm. Er durfte es nur nicht verfehlen.

„Arschloch!“

Er feuerte und landete einen Volltreffer. Der Griff des Roboters löste sich, steuerungslos stürzte er in die Tiefe. Super-Bat ereilte dasselbe Schicksal. Orientierungslos schlug er mit den überdimensionalen Flügeln und versuchte sein Gleichgewicht wiederzufinden. Marco presste die Hand vor den Mund, als er durchgeschüttelt wurde. Ihm war so schlecht!

Unter ihnen schepperte und krachte es, während Super-Bat endlich sein Flugvermögen wiederfand und sie nach oben trug. Zwischen den Häusern schossen sie dahin und ließen die Kampfstelle schneller hinter sich, als Marco für möglich gehalten hätte. Niemand folgte ihnen mehr. Sie schienen den Roboter tatsächlich geschrottet zu haben. Ein Glück! Er sah zu PJ und zuckte augenblicklich zusammen. Immer noch waren ihre Augen weit aufgerissen, sie atmete viel zu schnell und ihr Blick krallte sich verzweifelt in ihm fest.

„Hey ...“

Er streckte die Hand nach ihr aus, doch sie erwiderte die Geste nicht. Wahrscheinlich war sie zu geschockt, um auch nur den kleinen Finger zu heben. Stattdessen stammelte sie Worte vor sich hin, die er nicht verstehen konnte. Es tat ihm Leid. Er wollte sie in seine Arme ziehen, um sie zu trösten, aber die Entfernung war zu groß. Nicht mal berühren konnte er sie.

Er musste warten, bis sie endlich landeten. Super-Bat suchte sich ein großes ebenes Häuserdach aus, auf dem er sie absetzte. Marco landete auf den Beinen, stellte fest, dass dieses verdammte Haus sich drehte und schlug der Länge nach hin. Gott, war ihm –

Er tat, was längst überfällig gewesen war und kotzte auf den Beton. Dann sammelte er sich, kam zumindest auf alle Viere und kroch zu PJ. „Hey, hey …“

Sie lag auf der Seite, stemmte sich auf den Unterarm und sah ihn an. Tränen rannen an ihren Wangen hinab und endlich konnte er verstehen, was sie schon die ganze Zeit zur Verzweiflung trieb. „Er konnte mich sehen! Marco … Warum?“

Er verstand es doch selbst nicht wirklich. Überfordert zog er sie vom Untergrund und in seine Arme. „Wir klären das schon, okay? Wir finden den Grund raus.“

„Ich kann es euch auch einfach sagen.“ Der Junge schnallte sich ab, rutschte aus dem Sattel und vom Rücken seines überdimensionalen Freundes. Mit leicht zittrigen Beinen kam er auf dem Dach zum Stehen. Er kippte nicht um oder musste sich übergeben. Naja, wahrscheinlich war er auch schon öfter auf dem Teil geflogen.

Marco blickte über PJs Kopf zu ihm hoch und runzelte die Stirn. „Wer bist du überhaupt?“

„Ich bin Tim.“

„Und das?“

„Na, das ist Super-Bat.“

„Nein.“ Super-Bat war ein absolut inakzeptabler Name. Das klang lächerlich. Er musterte das riesige Viech näher. Es hatte weite lederne Schwingen, eine pelzige Brust und einen beeindruckenden Kiefer. Es sah wirklich aus wie eine riesige, allerdings sehr vielfarbige Fledermaus. Was sollte der bläuliche Ton auf der behaarten Brust und das gleißende Rot der Flügel? „Das ist nicht Super-Bat.“

„Na, doch klar. Ich … naja, also ich wusste nicht ob Superman oder Batman. Und … dann hab ich es einfach kombiniert.“

Klar … Marco hob die Augenbrauen, während PJ den Kopf wandte und die überdimensionale Fledermaus betrachtete. Dann machte es in seinem Kopf plötzlich Klick. „Das ist dein imaginärer Freund?“

„Das ist der von mir erschaffene Freund!“, korrigierte der Junge mit Nachdruck.

„Das?“ Ungläubig musterte er das kleine Persönchen mit seinem riesigen Monster.

Der Junge stemmte die Hände in die Hüften. „Ja, entschuldige mal, wir haben hier einen Krieg zu gewinnen. Ich habe da ein bisschen größer gedacht!“ Mit vielsagender Miene blickte er auf PJ.

Der sollte aufpassen, was er hier von sich gab! „Größe ist nicht alles.“

„Ach! Was kann sie denn? Kann sie fliegen?“

„Nein, aber sie kann mich fliegen lassen!“

„Und kann sie kämpfen?“

„Nein, aber sie kann mir die richtigen Mittel zur Verfügung stellen. Was ist mit deinem Ledervieh? Kann das backen?“

Einen Moment lang war der Junge einfach nur fassungslos und sein Monster nutzte die Gelegenheit, um den Kopf auf eines der im Verhältnis winzig wirkenden Ärmchen zu stützen. „Ich wünschte, ich hätte zumindest ein einziges Mal Popcorn ...“

Sprechen konnte das Teil also auch noch.

„Oh ...“ PJ lächelte, legte die Hände aneinander und zauberte einen Container Popcorn aus dem Nichts. Die Riesenfledermaus war erfreut und griff zu, während Tim fasziniert die Augen aufriss. „Wow!“

Jaha! Marco nickte stolz, während Tims Interesse geweckt war. „Geht das mit allem? Also … kannst du alles erschaffen?“

„Waffen und Kriegsmaschinerie ausgeschlossen“, stellte sie sogleich klar und das dämpfte seinen Enthusiasmus ein wenig. „Aber sonst. Ja.“

„Sorry, Leute, aber ...“ Durch das Schmatzen war die Fledermaus kaum zu verstehen. „... sollten wir nicht langsam mal vom Dach runter?“

„Du hast recht! Wie dumm von mir! Also, los, Super-Bat, Energiesparmodus!“

Die Fledermaus seufzte und einen Moment später war sie verschwunden. Oh … nein … nicht ganz. Ungläubig betrachtete Marco das kleine, auf der Stelle flatternde Kügelchen aus Mini-Schwingen und Fell. „Okay … du bist Tim?“ Der Junge nickte. „Dann ist das ab jetzt Struppi.“


--


Sie verließen das Gebäude, auf dem sie gelandet waren, und tauchten in das Gewirr aus Gassen ein, das diese Stadt beherbergte. Tim übernahm die Führung und sie folgten dem schmächtigen schwarzhaarigen Jungen ohne Widerworte oder Zwischenfrage. Unbehaglich sah Marco sich um. Die Stadt war menschenleer. Niemand war in den Gassen und Straßen. Die Häuser standen leer. Er fragte sich, was man den Bewohnern angetan hatte, wohin sie einfach so verschwunden waren. Wollte er näher darüber Bescheid wissen? Er stieg über zerbrochenes Glas und herumliegende Trümmer. PJ hielt sich immer dicht neben ihm und behielt die Umgebung ängstlich im Auge. Es musste unangenehm sein, sich plötzlich von jedem und allen Seiten beobachtet zu fühlen. Es tat ihm Leid, doch etwas Aufbauendes zu sagen hatte er leider nicht. Er konnte selbst nicht begreifen, wo sie hier hineingeraten waren.

„Hier ist gut.“ Tim winkte sie zu einer Tür und als sie hindurch getreten waren, standen sie in einem demolierten Flur. Schmutzverstaubte Jacken hingen noch immer an einer Garderobe und die Schuhe darunter standen in Reih und Glied. Beim Weitergehen knirschte es unter ihren Füßen und Marco erkannte, dass der Rahmen zu ihrer Rechten wohl mal einen Spiegel enthalten haben musste. Nun waren an den Rändern nur noch ein paar scharfkantige Splitter zu sehen. Traurig blickte er weg und folgte seinem kleinen Führer durch den ausgestorbenen Flur in ein ebenso trostloses Wohnzimmer. Es war unordentlich und über allem lag  zentimeterdicker Staub.

„Traurig, ich weiß.“ Tim sah ihm ins Gesicht. „Aber sie gehen davon aus, dass uns genau das abschreckt.“

Damit öffnete er eine Tür und offenbarte eine nach unten führende Treppe. Ein kalter Luftzug schlug ihnen von dort entgegen, aber jetzt war nicht die Zeit, um zimperlich zu sein. Gemeinsam stiegen sie nach unten und ließen sich im spärlichen Zwielicht nieder. Am oberen Rand des Raumes befand sich ein kleines Fenster, das ausreichte, um die Umgebung sichtbar zu machen. Trostlos … Auch PJ schien das zu denken. Sie sah sich wenig begeistert um und legte die Hände aneinander. Kurz darauf standen zwei große plüschige Sofas an den Seitenwänden des Raumes und sie ließ sich erschöpft in eines der beiden sinken. Mit erhobenem Zeigefinger schuf sie noch einen Teppich, der den Staub überdeckte, einen gedeckten Tisch mit Tee und Plätzchen und ein paar blumige Bilder an den Wänden. Es wirkte … grotesk …

Während Struppi sich über die Plätzchen hermachte, ließ Tim sich mit verstörter Miene auf dem rosafarbenen Bezug des zweiten Sofas nieder. Marco setzte sich neben PJ und fuhr vorsichtig mit dem Finger über ihren Oberarm. Die Wunde sah nicht sonderlich tief aus, aber sie war verkrustet und Blut war den kompletten Arm heruntergelaufen. „Lass uns das in Ordnung bringen“, meinte er. „Kannst du mir das Nötige bereitstellen?“

Sie sah ihn an, errötete leicht und ließ dann mit einer ungelenken Handbewegung eine Schale mit Wasser, Verbandszeug und Desinfektionsmittel erscheinen. Kommentarlos machten sie sich ans Werk. Im Hintergrund war nur das leise Knuspern zu hören, mit dem Struppi die Plätzchen vertilgte.

Erst als PJ verarztet war, richtete Marco seinen Blick wieder auf Tim, der die ganze Prozedur schweigend betrachtet hatte. „Also, was genau wird hier jetzt gespielt? Was weißt du über die ganze Sache?“

Tim schien nur auf die Frage gewartet zu haben. „Sie waren von Anfang an hinter unseren Phantasiefreunden her! Sie haben mich verfolgt, bevor ich Super-Bat überhaupt kennen gelernt habe. Sie wussten noch vor mir, dass ich ihn erschaffen konnte! Sie haben mich gefangen genommen und mir die Todesstrafe angedroht. Und allein in meiner Zelle, während ich gewartet habe … also … ich habe mir so sehr gewünscht, dass jemand kommt und mir hilft. Und dann war er irgendwann plötzlich da.“ Ein Lächeln zog sich bei diesen Worten über sein Gesicht und er blickte zu seinem Freund. „Ohne ihn hätte ich es nie geschafft zu entkommen. Wir sind geflohen und dann hierher gekommen, weil wir dachten, dass wir hier die größten Chancen auf Hilfe hätten. Aber … hier war niemand. Diese Stadt war schon, als wir angekommen sind, vollkommen zerstört und menschenleer. Aber wir haben das erst bemerkt, als es zu spät war. Wir waren schon drin und der Schild längst aktiviert.“

„Was für ein Schild?“, hakte Marco ein. Fröstelnd rieb er die Hände aneinander und fragte sich, warum PJ hier nicht auch eine funktionierende Heizung eingebaut hatte. Es war kalt.

„Na, die riesige Kuppel. Sie ist ein Kraftfeld, das uns alle hier einschließt. Und sie macht unsere Phantasiefreunde sichtbar. Hier drinnen kann sie jeder sehen. Und wir kommen nicht durch die Kuppel. Meinst du nicht, wir hätten es versucht?“ Das Knuspern verstummte und ein leises Wimmern ertönte stattdessen. Verstörend … „Es hat nicht funktioniert … Und jetzt ...“ Hilflos zuckte der Junge mit den Schultern. „Jetzt versuchen wir, Godram und seinen Männern doch noch irgendwie zu entwischen, aber es ist nicht leicht. Sie sind überall und die einzigen drei Ausgänge, die es aus dieser Stadt gibt, sind streng bewacht.“

„Gibt es keine andere Möglichkeit?“

Tim warf ihm einen abschätzigen Blick zu. „Glaubst du, wir hätten noch nicht danach gesucht? Was meinst du, warum wir in der Nähe des Tores waren, als ihr gekommen seid? Sie werden nur geöffnet, wenn jemand Neues in die Stadt kommt. Wir haben auf eine günstige Gelegenheit gehofft, entkommen zu können.“

Aber offensichtlich hatte das nicht geklappt. Beinahe tat es ihm schon ein wenig leid, aber andererseits … Wenn die beiden entkommen wären, hätte Godram PJ und ihn zweifellos erwischt. Insofern war es wohl eine zweischneidige Angelegenheit. Die viel wichtigere Frage war jedoch: „Und was jetzt?“

Es war schon ein bisschen deprimierend, dass er das einen kleinen Jungen fragen musste – und der auch noch eine Antwort parat hatte: „Wir denken uns einen cleveren Plan aus und zu viert schaffen wir es dann sicher nach draußen!“


--


Dieses Mal hatten sie sich gegen den Tarnumhang entschieden. Zwar war er praktisch, wenn sie nicht gesehen werden wollten, aber er konnte verrutschen – und außerdem war es kontraproduktiv, wenn sie sich gegenseitig nicht sehen konnten. Also hatte PJ ein bisschen gezaubert und ihnen Pillen gegeben, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten waren – unsichtbar für jeden außer die Mitglieder ihrer kleinen Partie. Es machte die Situation ein wenig irreal und außerdem ließ es beständige Zweifel in ihm aufkeimen. Klar vertraute er PJ, aber … es war schlichtweg seltsam, weil sich für ihre eigenen Sichtverhältnisse nichts geändert hatte. Er fühlte sich, als würde er ohne Deckung durch die Straßen laufen und zum Abschuss frei auf dem Präsentierteller balancieren. Dabei hatten sie bereits zwei Wachtrupps passiert – an die Hauswand gepresst, atemlos und hoffend, dass sie niemand bemerken würde. Sie waren erfolgreich gewesen. Also gab es keinen Grund zur Sorge. Und trotzdem stellten sich die Härchen an seinem Körper auf und er sah sich mehrmals argwöhnisch um. Ihm war nicht wohl bei der Sache.

Außerdem war ihm kalt. Frierend bewegte er seine steif gewordenen Finger. Und das in der Wüste. Zwar liefen sie auf festem Untergrund, aber Sand lag an allen Ecken und Enden. Andererseits zog sich bereits in allen Farben schimmerndes Dämmerlicht über den Himmel und nachts wurde es in der Wüste ja bekanntlich kalt – oder der Temperaturunterschied zu vorher wurde einem nur umso deutlicher bewusst. Wer wusste das schon. Tatsache war, dass er fror.

„Da vorne“, wisperte Tim in diesem Moment und zeigte auf das große Gebäude, das sich in einiger Entfernung zeigte. Es glich einem äußerst breiten Turm, hatte wenige Fenster, überragte dafür aber sämtliche Häuser in seiner unmittelbaren Umgebung. Ja, es wirkte so, als wäre es die zentrale Schaltstelle dieser Stadt. Damit wäre Schritt eins des Planes erreicht – den Turm erreichen. Wenn sie es nun noch schafften, ungesehen hineinzugelangen und den Schutzschild zu deaktivieren, konnten sie sich gratulieren. Dann mussten sie nur noch davonfliegen – und den Rest ihres Lebens auf der Flucht sein …

Dagegen war nichts einzuwenden, wenn sie nur erst mal hier raus kamen. Und eigentlich standen die Chancen dafür erstaunlich gut – denn wer wollte ihnen schon etwas anhaben, wenn er sie nicht sehen konnte?

Doch die Ironie des Schicksals machte ihrem Namen alle Ehre und schlug genau in diesem Moment zu: „Ihr seid so berechenbar wie das kleine Einmaleins!“

Godrams Lachen erreichte sie, als sie gerade in die Zielstraße einbogen. Zuerst zuckte Marco zusammen. Dann fragte er sich, wen Godram wohl meinte, denn … sie konnten es doch nicht sein, oder? Sie waren unsichtbar, unerreichbar. Niemand konnte ihnen so etwas anhaben. Es war ein sicherer Plan gewesen.

„Noch nie was von Infrarotstrahlung gehört?“ Godrams Stimme ertönte von oberhalb. Marco lief es eiskalt den Rücken herunter, während er den Blick hob. Zielsicher war das Visier des Riesenroboters auf ihn gerichtet. „Hallo, Marco.“

Dann schwang er sich vom Dach. Marco hatte nicht einmal die Zeit zu reagieren, als Struppi sich neben ihnen auch schon zu voller Größe aufgerichtet hatte. Tim packte seinen Sattel, schwang sich hinein und die beiden schossen zum Himmel empor. Kreischen und Krachen erfüllte die Luft, als sie auf den Roboter trafen und ihn von seinem eigentlichen Ziel ablenkten. Marco packte PJs Hand. „Wir müssen –“

Die Worte blieben ihm in der Kehle stecken, als die Türen der umstehenden Häuser sich öffneten und bewaffnete Männer heraustraten. Allesamt trugen sie Masken und keiner von ihnen wirkte auch nur einen einzigen Moment orientierungslos. Beinahe simultan richteten sie ihre Waffen aufs Ziel – seine und PJs Beine.

„Ein Schild! Wir brauchen einen Schild!“

Die Schüsse knallten los und Marco rannte. PJ zerrte er mit sich. Ob sie seinem Ruf gefolgt war – keine Ahnung. Es knallte. Es schepperte. Es schmerzte in den Ohren. Kugeln trafen auf Staub, auf Sand, auf Häuserwände. Sie prallten ab. Sie fanden nicht ein einziges Mal ihr Ziel. Also musste sie wohl. Er wandte den Kopf. PJs Miene war konzentriert, schmerzverzerrt. Verzweifelt blickte sie ihn an. „Ich kann das nicht mehr lange.“

Über ihnen brüllte Struppi und eine Explosion übertraf sogar den Geräuschtumult der Schüsse. Schlagartig wurde es dunkel. Marco hob den Kopf. „Oh –“

Er zerrte PJ zur Seite. Ein riesiger metallener Arm traf seine linke Schulter und katapultierte ihn weiter vorwärts. Dann schlug der Roboter mit einem Krachen auf dem Boden auf und begrub einen Großteil seiner Männer unter sich. Marco zog PJ in die nächstbeste Gasse, bevor der aufgewirbelte Staub sich legen konnte. Sie verschwanden aus dem Sichtfeld. Sie rannten und als sie sicher sein konnten, dass sie niemand sah, öffneten sie die erstbeste Tür und versteckten sich dahinter.

Marco nahm sich keine Zeit auf die trostlose Umgebung zu achten. Er wusste, worauf das hier hinauslaufen würde. Und er wusste, dass es ganz und gar nicht einfach sein würde, PJ dazu zu bewegen. Aber versuchen musste er es. Nur vielleicht nicht so direkt … Er beschloss den Umweg über Popkulturreferenzen zu nehmen und lehnte sich mit einem Seufzer gegen die Tür. „Na, da haben wir uns ja in eine schöne Situation manövriert. Du und ich gegen den Rest der Welt? Das hat ja schon was von Bonnie und Clyde.“

Sie durchschaute sein Vorgehen sofort. „Wir werden niemanden erschießen, Marco.“

Er verzog das Gesicht. „PJ, ich brauche eine Waffe!“

Denn das hier konnte nicht von Dauer sein. Sie würden sie finden, keine Frage. Er musste sich verteidigen können. Doch PJ sah ihn mit schreckgeweiteten Augen an und schüttelte den Kopf. „Das können wir nicht tun!“

Er verlor die Geduld. „Spiel jetzt nicht den Moralapostel, verdammt!“

Verdammt, sie brach in Tränen aus! „Das … Das sind Menschenleben, Marco. Ich … Ich kann doch nicht … Ich … Nein!“

„Sie killen uns, wenn wir uns nicht zur Wehr setzen. Sie werden uns erwischen!“

„Nein, sie wollen uns nicht töten“, widersprach sie schniefend. „Sie wollen meine Fähigkeiten. Und sie können dich nicht erschießen. Wenn sie … Wenn sie dich töten, dann … dann … dann verschwinde ich auch. Sie können uns nicht töten!“

Sie nickte heftig, wie um sich selbst zu bestätigen, und er packte sie bei den Schultern. „Das macht kaum einen Unterschied. Wir haben –“

Der helle Kinderschrei ging ihm durch Mark und Bein. Gellend jagte er durch die Luft, wurde auch durch die Tür nicht genug gedämpft und sorgte dafür, dass Marco die Knie weich wurden. Nein … Nicht Tim …

„Na, komm schon, Marco!“ Godrams Stimme hallte durch die urplötzlich entstandene Stille. „Lässt du dich etwa zwei Mal bitten? Ich weiß nicht, wie oft der Kleine noch nach dir rufen kann.“

Es knallte und Tim schrie. Ohrenbetäubendes Brüllen brandete auf und dann war nichts mehr klar zu definieren. PJ war kreidebleich geworden. Zitternd lehnte sie sich gegen die Wand und rutschte daran herab, die Hände fest in ihr Haar gekrallt. Die schöne Frisur war vollkommen zerstört …

Er hockte sich vor sie und löste sanft ihre verkrampften Finger. „Peggy ...“ Sie sah auf. „Bitte … Gib mir etwas, das ihnen zumindest das Bewusstsein nimmt.“

Eine Ewigkeit lang starrte sie nur, zitterte, rührte sich nicht. Dann entzog sie ihm ihre Hände und legte sie aneinander. Eine Pistole lag kurz darauf darin und sie senkte beschämt den Blick. „Du wirst nicht nachladen müssen.“

Sein Gesicht hellte sich auf. „Danke!“

„Und nimm den hier.“ Sie gab ihm einen neuen Mantel. „Kugelsicher.“

Dankbar zog er den Mantel an, den Reißverschluss nach oben und nahm sich die Waffe. „Warte einfach hier auf mich, okay? Mach dir keine Sorgen.“

Dann wandte er sich ab und ging. Ein kalter Windstoß traf ihn, als er nach draußen trat, und er dachte sich noch, dass das keinen Sinn machte, aber aufhalten ließ er sich davon nicht. Er rannte den Weg zurück, auf dem er eben noch geflohen war – und stolperte geradewegs in ein Massaker. Blut hatte den Sand verfärbt, Augen richteten sich starr auf den verklärten Himmel – und Struppi wütete unter den Überlebenden. Einen nach dem anderen fegte er beiseite, während sie ihn mit Kugeln durchlöcherten. Es war ein Wunder, dass er noch kämpfen konnte.

Marco lief auf die Straße und hatte keine drei Schritte gemacht, als er Tim entdeckte. Der Junge lag zwischen den Überresten des riesigen Roboters, die Augen geschlossen, blutige Wunden in beiden Beinen, aber offensichtlich am Leben. Marco ging neben ihm in die Hocke und berührte ihn vorsichtig an der Schulter. Panisch riss der Junge die Waffe hoch und drückte ab. Beinahe im selben Moment erkannte er Marco, den es rückwärts von den Füßen riss. Beide schrien entsetzt. Marco fühlte nur noch Schmerz. Hitze schien seinen Oberkörper zu versengen, er kugelte über den Boden und kam keuchend auf der Seite zum Liegen. Rufe wurden laut, Schritte näherten sich. Es tat weh! Er feuerte blind, hörte Schreie und einen auf dem Boden aufschlagenden Körper. Jeder Bewegung, jedes Abfeuern der Waffe zuckte brennend durch seinen Körper. Er rang nach Atem. Kugelsicher … Aber das war eine verdammte Explosion gewesen!

Ein Schatten zischte über ihn hinweg, Gegner wurden aus dem Weg geräumt und Struppi deckte ihn mit allem, was er noch geben konnte.

„Marco?“ Tim klang absolut entsetzt. „Marco, es tut mir Leid! Marco!“

Er hob den Arm ohne Waffe, um zu signalisieren, dass es okay war – auch wenn ihm die Tränen immer noch in den Augen standen – und spürte, wie haarscharf eine Kugel an seiner Hand vorbeischoss. Hastig zog er sie wieder zurück. Er sah sich um und erkannte erleichtert, dass sich gar nicht mehr viele Männer auf den Beinen gehalten hatten. Struppi schmetterte einen der beiden letzten gegen die Hauswand und wandte sich mit einem Brüllen dem zweiten zu. Marco senkte den Blick. Er musste sich hochstemmen. Er musste –

Ein weiterer Schuss knallte und dann war es plötzlich totenstill. Was hatte das …? Er sah auf.

Kein Struppi. Oh Gott …

Seine Augen suchten Tim, aber trafen auf einen anderen. Wütend biss er die Zähne zusammen. Godrams linker Arm hing schlaff herab, er humpelte, Blut rann an seiner Schläfe hinab. Und trotzdem hielt er den rechten Arm ausgestreckte, kämpfte sich weiter geradeaus und hielt die Waffe auf Marco gerichtet.

Hektisch wollte er sich auf die Füße kämpfen und schaffte es – nur um beim zweiten Schritt rückwärts beinahe wieder das Gleichgewicht zu verlieren. Godram schüttelte den Kopf. „Ihr hättet euch ergeben sollen.“

„Um für den Rest unseres Lebens eingesperrt zu sein?“

„Wenigstens hättet ihr ein Leben gehabt.“

Godram senkte die Pistole und zielte auf die blutige Branntwunde an Marcos Bauch. Marco riss die eigene Waffe empor. Er wusste nicht, welcher Schuss zuerst durch die Luft peitschte. Eigentlich war es auch egal. Der Schmerz ließ ihn aufschreien. Er taumelte zurück, prallte gegen die Hauswand und rutschte daran hinab. Ein kurzer Blick zeigte ihm, dass auch er getroffen hatte. Zusammengesackt lag Godram auf der Straße und befand sich offensichtlich im Land der Träume. Marco konnte nicht sagen, wie stark Peggys Betäubungsmittel war. Wie lange würde es wohl dauern, bis Godram wieder zu sich kam? Wie würde es um ihn selbst zu diesem Zeitpunkt stehen. Ein Zittern lief über Marcos Körper. Er hoffte, dass er dann bereits tot sein würde …

Keuchend sah er auf die klaffende Wunde in seinem Bauch, auf das Blut. Dann kniff er die Augen zusammen und lehnte den Kopf zurück. Scheiße … Er kämpfte gegen den Schmerz und zwang sich, die Augen wieder zu öffnen. Nicht mehr das Grauen der Straße. Nur noch Häuserfronten und darüber der Himmel. Die Farben hatten ihn bereits verlassen und inzwischen war da oben nicht mehr als Schattierungen von Schwärze. Vielleicht der ein oder andere Lichtpunkt dazwischen. Aber auch nur vielleicht. Die Zeit tickte dahin und er dachte an das Krokodil. Sollte er das Ticken zählen? Oder in Panik ausbrechen? Schließlich war es seine Zeit, die hier verrann.

Dann durchbrach etwas die Stille. Er wandte den Kopf und sah Peggy die Szenerie betreten. Oh nein … Ihr Gesichtsausdruck bewirkte in ihm augenblicklich den drängenden Wunsch, sich zu entschuldigen. Es tut mir Leid, Peggy … Das solltest du nicht sehen müssen.

Sie kämpfte mit den Tränen, als sie ihn schließlich erreichte und vor ihm in die Hocke ging. Sie rang nach Worten, aber offensichtlich gab es keine passenden. Wer konnte ihr das übel nehmen? Mit einem traurigen Lächeln legte er den Kopf schief. „Yo, PJ. Da bist du ja.“

Noch einmal wollte er den entrüsteten Ausdruck sehen, den sie für die Momente reserviert hatte, in denen er ihren Namen verunstaltete. Aber er erntete nur Tränen. Sie setzte sich neben ihn und kurz darauf konnte er ihren Kopf an seinem spüren. Das Lächeln schlich sich zurück auf seine Lippen. Leg deinen Kopf an meine Schulter. Es ist schön, ihn da zu spüren. Und wir spielen …(3)

Ja, wir spielen …

Das Lächeln verkam zu einer Grimasse. Der Song verklang. Er spürte die Kälte in seinem Körper, beständig. Es wurde auch langsam Zeit. Wie lange hockte er auch schon hier draußen? Dass sich langsam aber sicher Feuchtigkeit in den Mantel und seine Hose sog, half auch nicht gegen das Zittern. Er fragte sich, wer ihn hier finden würde. Reglos, kalt, allein. Denn Peggy würde verschwinden …

„Wo sind wir hier gelandet?“, flüsterte er und spürte, wie Peggy die Hand in seinen Arm grub. „Es war doch mal besser.“

Er dachte zurück an eine Zeit, in der noch alles in Ordnung gewesen war. Auf seinem quietschenden Bett sitzen, ein Buch zwischen den Händen halten. Er dachte an die nette Dame aus dem Heim, die ihnen immer Geschichten erzählt hatte, bevor sie das Licht gelöscht hatte. Es waren tolle Geschichten gewesen. Heute wusste er, dass die meisten davon nicht ihrer eigenen Vorstellung entsprungen waren. Es waren Klassiker – und er hatte einige von ihnen in die Finger gekriegt. Auch ohne Geld war mehr möglich, als man vielleicht denken würde. Er war mit Alice abgetaucht, mit Peter Pan geflogen. Und später hatte er sogar Harry Potters Kampf verfolgt – wenn auch nur bis zu Band vier. Wie die Geschichte wohl ausgegangen war?

„Aber wenigstens ...“ Peggy kämpfte um ihre Worte und versuchte dem Ganzen zumindest noch etwas Positives abzugewinnen. „Wenigstens hast du niemanden umgebracht.“

Schuldgefühle durchbohrten ihn, als sie den Kern des Problems traf. Ja, das war doch der Sinn des Ganzen hier. Das hatte er doch hören wollen. Warum bröckelte die mühsam errichtete Fassade dann mit einem Mal so rücksichtslos? Warum würde sie jeden Moment in sich zusammenfallen? Er wäre so gern als Held dieser phantastischen Geschichte gestorben.

Peggy-Jane hatte ihn immer als Held betrachtet. Seit ihrer ersten Begegnung, seit dem ersten Cookie und dem ersten Abenteuer, das für niemand außer ihnen real gewesen war …

Was würde sie dazu sagen, dass er aufgegeben hatte?

Er kippte vollends zur Seite und in die Bierpfütze, die längst keine mehr war, sondern spiegelglatt gefroren. Er war allein. In der Ferne rauschte der Verkehr. Über ihm flackerte die regenbogenfarbene Straßenlaterne und fand dann zu ihrer alten Stetigkeit zurück. Seine Wange traf den eisigen Asphalt, aber er zuckte nicht mal mehr zusammen. Abgestumpft. Er hatte das einkalkuliert. Schließlich wusste jeder, dass man eine Nacht auf der Straße bei diesen Temperaturverhältnissen nicht überleben konnte. Nicht umsonst war dem Andrang auf die Obdachlosenunterkünfte zu dieser Jahreszeit kaum beizukommen. Er hatte es satt. Und er war müde. Wirklich müde. Es betäubte sein schlechtes Gewissen, ließ die Gedanken driften und flüsterte ihm zu, dass es in Ordnung war. Es gab niemanden, der ihn vermissen konnte. Er würde niemanden verletzen.

Trotzdem hatte er das bittere Gefühl, jemanden enttäuscht zu haben. Aber wen? Ja, irgendwer war da doch gewesen. Aber er konnte sich nicht richtig erinnern. Selbst seine Gedanken schienen zu erfrieren. Wen? Hm …

Vielleicht sich selbst?

Die Erkenntnis jagte ein alarmiertes Zucken durch seinen Körper. Es tat weh und für einen Moment riss es ihn aus der Taubheit. Aber er war müde. Viel zu müde, um sich noch mal hochzukämpfen. Hatte er nicht längst schon aufgegeben? Hatte er seine Entscheidung nicht getroffen? Seine Augen drohten zuzufallen und er blinzelte. Seine Wahrnehmung wurde trüb. Da blieb nichts als sieben Farben, die ineinander überliefen und selbst das zunichte machten, was einmal ein wunderschöner Regenbogen gewesen war.

Peggy und er als Kind, im Sonnenschein auf einer Mauer. Mit Regenschirmen gegen das beständige Tröpfeln und zwischen sich einen Teller mit Keksen, während sie das Farbenspiel betrachteten. Der knusprige Geschmack von Zucker und Schokolade in seinem Mund. Das warme Gefühl in seinem Magen. So schön. So glücklich.

„So kann es bleiben.“ Ein Lächeln auf seinen Lippen. „So kann es für immer bleiben.“







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Vielen lieben Dank an jeden, der die Geschichte tatsächlich ganz zu Ende gelesen hat! =)

Mein Steckbrief stammte von Nuindae.
Vielen Dank dafür! =)

Name: Peggy-Jane
Aussehen: Junge, brünette Frau mit Kleidung und Frisur der 50er Jahre
Gesinnung: wirklich überaus freundlich und liebevoll
Besonderheiten: naiv, auch im Zeitgeist der 50er verhaftet (hat also ein sehr rückständiges weibliches Rollenbild)
Spezielle Fähigkeit: Kann aus dem Nichts Dinge herzaubern. Am liebsten mag sie Kuchen und andere Backwaren, kann aber auch nützliche Dinge erscheinen lassen. Wenn sie will.


Ich hoffe, ich bin dem einigermaßen gerecht geworden!

Lieder:
Papa Roach - Getting away with murder
Beatles - Penny Lane
Die Toten Hosen - Bonnie und Clyde
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