Die Masse eines Elektrons

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16
Ashley Williams Commander Shepard Garrus "Archangel" Vakarian OC (Own Character) Saren Arterius Tali'Zorah vas Normandy
10.01.2012
06.03.2020
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10.01.2012 6.838
 
Zumindest ist das Klausur-Problem gelöst

Donnerstagnachmittag, 17.30 Uhr. Ich war grade zuhause angekommen. Wir hatten mal wieder lang Schule gehabt, sämtliche Busse hatten Verspätung gehabt und ich hatte noch Berge von Hausaufgaben zu erledigen. Außerdem musste ich für die Probeklausur morgen lernen, eine Sache, an die ich lieber gar nicht denken wollte. Dazu kam, dass ich verdammt müde war. Das kommt davon, wenn man bis tief in die Nacht mit Leuten, die erst nachmittags Unterricht haben, Minetest zockt.

Großartig.

„Jemand da?“ rief ich, als ich die Schuhe auszog.

Keine Antwort. Meine Schwester war dann wohl bei irgendeiner Freundin und meine Mutter arbeitete noch. Ich zog meine Jacke aus, durchsuchte die Küche schnell nach etwas Essbarem – yay, kalter Pfannkuchen - nahm meinen Rucksack und ging in mein Zimmer. An meinem Pfannkuchen kauend schaltete ich den Laptop ein. Als nächstes angelte ich mir mein Physikbuch aus dem Stapel mit Schulbüchern auf dem Boden und zog meinen Ordner aus dem Rucksack. Ich checkte schnell meine E-Mails und setzte mich danach an die Hausaufgaben.

Circa eine Stunde später kamen erst meine Mutter und dann meine kleine Schwester zurück. Ich ging Duschen, wir aßen zu Abend und anschließend lernte ich weiter für Physik. Über den Erfolg lässt sich dabei streiten, da ich so ziemlich keine Ahnung vom derzeitigen Thema hatte. Der Grund dafür könnte eventuell eine übertriebene Skyrim Spielzeit sein, wobei es sich dabei nur um eine Theorie handelt.

Mittlerweile war es schon recht spät und ich war immer noch nicht viel weiter. Ich starrte ratlos auf die Formeln vor mir. Es ging um die Masse von Elektronen und wie man sie berechnen konnte. Ein einfach unglaublich spannendes Gebiet. Und ein Gebiet, das mich morgen vermutlich kräftig Punkte kosten würde.

Seltsame Geräusche ließen mich hochschrecken. Sie kamen mir zwar irgendwie bekannt vor, aber ich hatte nicht den geringsten Schimmer, woher. Vermutlich war ich beim Lernen eingeschlafen, etwas, das mir noch nie passiert war. Mein Wecker klang jedenfalls anders. Nach mehrmaligem Blinzeln stellte ich fest, dass ich mich nicht mehr in meinem Zimmer befand und Angst stieg in mir auf. Das Geräusch, das mich geweckt hatte, konnte ich mir allerdings immer noch nicht erklären.

Ich richtete mich auf und fand mich in einem kleinen Raum hinter einer futuristisch aussehenden Küchenzeile wieder. In der gegenüberliegenden Wand war eine Tür eingelassen. Viel interessanter war jedoch das orangefarbene Hologramm davor, das extrem nach Mass Effect aussah. Sonst gab es nur einige Etagenbetten und Schränke an den Wänden. Ich wollte mich weiter umsehen, um vielleicht einen Hinweis auf meinen Aufenthaltsort zu finden, als mein Blick an etwas hängen blieb.

„Ach du kacke...“ Ich wich einige Schritte zurück und starrte die Leiche an. Vielleicht einen halben Meter von der Stelle entfernt an der ich aufgewacht war, lag ein toter Soldat auf dem Boden in einer Blutlache. Das Logo auf der Brustplatte seiner Rüstung kam mir merkwürdig bekannt vor, doch ich konnte es nicht einordnen. Er war offenbar erschossen worden.

Oh man, was zum Geier ging hier ab? Erst jetzt erkannte ich auch die Geräusche draußen. Es waren Schüsse. Ein Klang, den ich eigentlich auch nur aus Boxen kannte. Hastig duckte ich mich wieder hinter die Küchenzeile, wobei ich möglichst viel Abstand zu der Leiche hielt. Wenn draußen gekämpft wurde, bestand die Chance, dass wer immer es war, auch hier rein kommen konnte.

„Scheiße,“ flüsterte ich. „Scheiße, Scheiße, Scheiße!“ Okay, keine Panik. Ich schloss die Augen und versuchte, ruhig zu atmen, während ich die aufsteigende Panik niederkämpfte. Es gab eine Erklärung hierfür. Es musste eine geben. Irgendwas, das halbwegs Sinn ergab. Ein Traum? Vielleicht. Hin und wieder bekamen Leute schließlich mit, dass sie träumten. Richtig? Richtig.

Draußen begannen die Geräusche, sich meinem Gebäude - oder was auch immer es sein mochte - zu nähern. Verdammt! Was jetzt? Mein Versteck war alles andere als gut! Man würde mich hier auf jeden Fall finden.

Ich hatte gesehen, dass der Tote noch seine Pistole in der Hand hatte. Alles in mir sträubte sich dagegen, sich dem Mann zu nähern, aber ich brauchte nun mal seine Waffe. Meinen Ekel unterdrückend kroch ich zum der Leiche hinüber und beugte mich über sie, um an die Waffe zu kommen. Dabei musste ich wohl irgendetwas berührt haben, denn an seinem linken Arm flammte etwas Oranges auf.

Ich sprang zurück und schaffte es grade noch, einen Aufschrei zu unterdrücken. Dann sah ich genauer hin. Der orange Schein stammte von... einem Omni-Tool? Zumindest sah es so aus. Ich schnappte mir die Waffe, während ich mit mir rang. Ein Omni-Tool wäre verdammt nützlich, auch wenn es ekelhaft sein würde, das Teil vom Handgelenk des Toten zu entfernen. Der Gedanke, die blutige Hand anzufassen, ließ mich erschaudern. Sollte das Teil am Ende passwortgeschützt sein, wäre ich echt sauer. Ich sah mir den Arm mit dem Hologramm genauer an.

Der Mann trug ein schmales Metallarmband. Es sah aus wie eine normale Armbanduhr, nur dass auf der holographischen Anzeige das Wort active stand. Ich öffnete das Armband schnell – der Verschluss war ebenfalls der einer Armbanduhr, auch wenn das Blut ihn absolut ekelhaft und glitschig machte – und klickte es fluchend an meinen eigenen Arm.

Die Schüsse kamen immer näher. Fluchend wischte ich meine Hände an der Hose des Toten ab und hob die Pistole auf. Vorsichtig kroch ich zum Rand der Küchenzeile und spähte um die Ecke. Ich zuckte vor Schreck zusammen, als das Holopanel plötzlich von orange nach grün wechselte. Die Pistole mit beiden Händen umklammernd, war ich mir schmerzlich der Tatsache bewusst, dass ich keinen Plan hatte, wie man das Ding eigentlich benutzte.

Dann glitt die Tür auch schon mit einem Zischen auf und eine Frau in einer pink-weißen Rüstung kam mit dem Rücken zu mir hinein. Ohne mich zu bemerken ging sie neben der Tür in Deckung, wobei sie den Blick auf zwei Dinger freigab, die ich nur als Geth bezeichnen konnte. Ihre Taschenlampennasen ließen keinen Zweifel daran.

Scheiße. Anscheinend war ich irgendwie in den Gethangriff auf Eden Prime hineingeraten. Das erklärte natürlich Einiges.. Die Geth näherten sich der Tür und die Frau, die Ashley Williams sein musste, schoss einige Male auf sie, während ich verzweifelt eine zweite Welle von Panik niederrang.

Die Nasenbeleuchtung des kleineren Geth flackerte und erlosch, als Ashley ihm eine Salve Sturmgewehrfeuer in die Brust verpasste. Der Größere hatte jedoch ebenfalls das Feuer eröffnet und Ash musste sich zurückziehen, bevor ihre Schilde unten waren. Ich warf einen schnellen Blick auf das immer noch aktivierte Omni-Tool in der Hoffnung, irgendetwas Nützliches zu entdecken - und, oh Wunder, erkannte tatsächlich eins der Icons. Es war das Zeichen für Overload. Ha!

Wieder spähte ich an meiner Deckung vorbei. Der Geth war abgelenkt, da er immer noch Ash beschoss. Das gab mir die perfekte Gelegenheit: Schnell tippte ich auf das Overload-Icon und deutete auf den Geth, ungefähr so, wie man es in ME immer sieht. Blieb zu hoffen, dass es klappte.

Und tatsächlich: Die Gethplattform sprühte blaue Funken und Ash gab dem Roboter mit einigen Schüssen in den Kopf den Rest, während er zuckend zusammensackte. Ich atmete langsam aus und sank gegen den Küchenschrank. Okay, eine Probeklausur zu versemmeln wäre mir deutlich lieber als das hier.

Ash warf einen letzten Blick nach draußen und verriegelte dann die Tür mit einem Wink ihres Omni-Tools. Dann drehte sie sich um und ging in meine Richtung, die Waffe zwar immer noch gezogen, aber auf den Boden gerichtet. Ich stand auf, ließ die Pistole jedoch auf dem Boden liegen. Ash blieb stehen, musterte mich und fragte dann scharf: „Who are you? And what are you doing in here?“

Ich schluckte. „I’m Jana... Jana Wegner. And... ähm... I’m hiding.... since everything is crawling with those... robot things. Came in here a couple of minutes before you showed up… The door was unlocked.“ In meinem Kopf hatte das so viel besser geklungen.

Ash nickte. „Yeah, they're hard to miss, kid. Look, I need get going again and you can’t stay here.“ Sie überlegte kurz, bevor ihr Gesicht einen harten Ausdruck annahm. „Let's get you some armor. If you went out there like that, you’d be dead within a minute.” Da hatte sie vermutlich recht. Schließlich trug ich nur Jeans und einen schwarzen Kapuzenpulli. „I’m Gunnery Chief Ashley Williams.” Sie hängte sich das Sturmgewehr wieder auf den Rücken und hielt mir eine Hand hin, die ich schüttelte.

Ich wusste zwar, dass ich nicht hier bleiben konnte, aber der Gedanke dort raus zu gehen behagte mir überhaupt nicht, Rüstung hin oder her. Aber was blieb mir anderes übrig? Ash ging zu einem der Schränke und begann, ihn schnell zu durchsuchen. Ich zögerte, nahm mir dann aber auch einen Schrank vor und schaute hinein. Stapelweise Kleidung was alles, was ich fand. Im nächsten sah es genauso aus. Ash hingegen schien mehr Glück zu haben.

„Found it! Not your size, but it'll do“, rief Ashley mir zu. Ich eilte zu ihr hinüber zu ihr hinüber. Sie hatte inzwischen eine Kiste aus dem Spind geholt und geöffnet. Sie enthielt verschiedene graue und stark verkratzte Rüstungsteile und eine Art Einteiler aus dickem, schwarzen Material. Das Teil war ganz anders, als die Rüstungen, die ich so kannte. Zum Glück wusste Ash, was zu tun war.

„Quick, I’ll help you.“ Ich nickte und Ash half mir, das Teil anzulegen. Es war leichter als ich zuerst vermutet hatte, schränkte aber die Bewegungsfreiheit ziemlich ein, weil die Platten zu groß für mich waren. Ich steckte mir einen Übersetzter, der glücklicherweise auch in der Kiste gewesen war, ins Ohr und setzte den Helm auf, der, wie mir Ash erklärt hatte, eine Schildanzeige und noch anderen Hi-Tech Kram enthalten sollte. Das Omni-Tool an meinem Arm piepste, als es sich mit der Rüstung verlinkte und einen Moment später leuchtete die HUD auch schon auf. Irgendwie fühlte ich mich wie Iron Man, nur weniger cool.

„Los, gehen wir!“, sagte Ash.

„Okay...“ Ich zuckte die Schultern um die Platten in bessere Positionen zu bringen und versuchte dabei so auszusehen, als hätte ich keinen Schiss davor, rauszugehen und Geth zu verhauen. Oder von ihnen verhauen zu werden. Das war hier wesentlich wahrscheinlicher. Hoffentlich sah Ash nicht, dass ich zitterte. Die Rüstung klapperte als ich mich bewegte. Ich war das zwar von mittelalterlichen Plattenrüstungen gewohnt, aber da Ashs Rüstung nicht klang wie ein Haufen Schrott mit Riemen dran, machte es mir Sorgen.

Ah, Dreck, die Pistole! Ich eilte schnell zur Küchenzeile, wo ich die Waffe liegengelassen hatte und hob sie auf. Ash, die an der Türsicherung arbeitete, hatte es bemerkt.

„Sag mal, hast du jemals eine Pistole benutzt?“ fragte sie und hob eine Augenbraue.

„Ähm, nein, eigentlich nicht.“

„Wo vorn und hinten bei dem Ding ist, weißt du?“

„Ja.“

„Okay. An der Seite ist ein Schalter zum Entsichern. Einfach zielen und schießen, klar? Denk an den Rückstoß. Und ziel nicht auf mich.“

„Klar.“ Ich entsicherte die Waffe schnell – gut, dass ich nicht versucht hatte, mit dem Ding zu schießen – und stellte mich auf die andere Seite der Tür. Rücken gegen die Wand, Waffe erhoben und hoffentlich bereit, es mit den Geth die draußen warteten, aufzunehmen.

Glücklicherweise hatte ich seit Ashley gekommen war keine Schüsse mehr von draußen gehört. Ich war echt froh darüber, auch wenn der Gedanke, da raus zu gehen, trotzdem Panik in mir aufsteigen ließ.

Sie öffnete die Tür und wir sahen raus. Okay, keine Geth zu sehen. Soweit, so gut. Ich kaute auf meiner Unterlippe. Auch wenn das Ganze nur ein durchgeknallter Traum war, gefiel mir diese Situation überhaupt nicht.

„Gut“, sagte Ash. „Egal, was passiert, bleib in Deckung, klar?“ Ich nickte nur. Als ob ich etwas anderes vorgehabt hätte… Ich hing an meinem Leben, verdammt!

Wir gingen raus, Ash voran. Die Landschaft sah definitiv aus wie Eden Prime in ME1. Wir befanden uns in einem kleinen Camp. Auf dem Boden lagen tote Kolonisten und dazwischen einige zerstörte Geth. Schnell wandte ich den Blick ab und unterdrückte den aufsteigenden Würgereiz. Der Himmel über uns hatte einen äußerst bedrückenden Rot-Ton und alles andere wirkte aufgrund des fremdartigen Lichts dunkler als es wohl sonst der Fall gewesen wäre. Ob es hier immer so aussah?

Aus dem Augenwinkel bemerkte ich eine Bewegung am Himmel und wirbelte herum. Es war ein startendes Schiff. Und nicht nur irgendeins. Der Form nach war es die Normandy. Gedanklich fluchend atmete ich aus. Ash hatte es auch bemerkt.

„Das müssen die Allianzleute sein, die den Sender bergen sollen“, flüsterte sie und ich konnte Erleichterung in ihrer Stimme hören. „Folg mir, wir gehen zu den Landezonen und versuchen, sie zu treffen.“Also liefen wir los in Richtung Landezonen, wo auch immer die sein mochten. Den ersten Geth begegneten wir, nachdem wir das Camp verlassen hatten und einem übertrieben sumpfigen Weg folgen wollten. Es waren zwei und sie eröffneten das Feuer, sobald sie uns sahen.

Schwer atmend warf ich mich hinter einem der Felsen, die hier überall rumlagen. Meine Schilde waren auf 70% runter, aber ich hatte zum Glück nichts von den Treffern gemerkt. Auch wenn ich aus den Spielen wusste, wie die Dinger funktionierten, traute ich ihnen doch nicht hundertprozentig.

Ash rollte weitaus eleganter hinter einen anderen Stein und schoss zurück. Die Schilde des einen Geth waren bereits unten. Ich aktivierte mein Omni-Tool und versuchte, die Schilde des anderen zu überlasten. Es brachte nicht sonderlich viel. Nach kurzem Überlegen eröffnete auch ich das Feuer, doch es war fraglich, ob überhaupt einer meiner Schüsse traf.

Ash hatte Nummer Eins in der Zwischenzeit… getötet? Zerstört? Wie auch immer. Der verbleibende Geth schoss währenddessen in meine Richtung, traf jedoch nur den Stein denn ich zog rasch den Kopf ein. Ash nutzte die Gelegenheit und machte auch ihn platt. „Danke fürs ablenken“, sagte sie über Com. „Bist du okay?“

„Äh, ja, alles gut. Und kein Problem.“ Wir standen auf und folgten weiter dem Weg.

Natürlich waren das nicht die letzten Geth, denen wir begegneten. Die Kämpfe liefen eigentlich immer gleich ab: Ash beschoss die Feinde und ich verpasste ihnen mehr oder weniger starke Overloads, während ich mich irgendwo hinter versteckte und hoffte, nicht bemerkt zu werden. Auch wenn ich langsam anfing, mich an den Rückstoß zu gewöhnen, wurde meine Genauigkeit mit der Pistole nicht besser.

Wir (oder eher Ash) hatten grade zwei weitere Geth zerstört und waren schon ziemlich nah an den Landezonen, als ich plötzlich ein Summen hinter uns hörte. Schnell warf ich einen Blick über die Schulter. Eine Gruppe Geth war dort aufgetaucht und…

„Scheiße, Drohnen! Lauf!“ Ashley versetzte mir einen Stoß und ich sprintete los. Ash blieb dabei zwischen mir und den Angreifern, vermutlich damit meine beschissenen Schilde mich nicht killten. Cutscene-Alarm! Tatsächlich erreichten wir Gelände, das ich aus ME kannte. Oder zu kennen glaubte. Schwer zu sagen, wenn alles so ähnlich aussieht. Ich drehte nach links und legte einen halben Kopfsprung hinter einen Felsblock hin. Das Ganze sah vermutlich ziemlich unelegant aus im Vergleich zu Ashs Aktion.

Sie sprang, drehte sich in der Luft und zerschoss die Drohnen, sobald sie landete.

Dann bemerkte ich zwei weitere Geth. Sie trugen einen Kolonisten, und brachten ihn zu einem Dragon-Tooth, oder wie die Dinger heißen. Im ersten Moment hatte ich gedacht, der Mann sei tot, doch dann bemerkte ich, wie er sich schwach gegen den Griff des Geth wehrte. Oh scheiße. Ich wandte mich zwar ab und kniff die Augen zu, aber der Schrei gab meinem Magen den Rest.

Während ich hinter meinem Stein kniete und mir mein Abendessen noch einmal ansah, wurden die Geth von Ash, Shepard und Kaidan zerlegt.

Als ich mich wieder aufrichtete, rannten ein offensichtlich männlicher Shepard und Kaidan grade zu uns herüber. Sie hatten ihre Waffen gezogen und hielten Ausschau nach weiteren Gegnern, während sie auf uns zu kamen. Ash erhob sich, als es offensichtlich war, dass keine weiteren Gegner in der Umgebung waren. Unsicher und etwas zitternd folgte ich ihrem Beispiel.

„Gunnery Chief Ashley Williams vom Zwei-Zwölften und das ist Jana, eine Kolonistin“, stellte Ash uns vor. Shepard und Kaidan musterten mich kurz, wandten sich dann sofort wieder Ash zu. „Haben Sie hier das Sagen, Sir?“ Die Frage war an Shepard gerichtet.

„Sind Sie beide okay?“, fragte Shepard, ohne auf Ashleys Frage einzugehen.

„Beulen, Kratzer… nichts Ernsthaftes. Die Kleine ist ziemlich mitgenommen. Die Anderen hatten nicht so viel Glück.“ Ash senkte den Blick.

„Ich bin in Ordnung,“ sagte ich schnell auf Shepards besorgten Blick hin. 'Ziemlich mitgenommen' war meiner Meinung nach noch gut, wenn man bedachte, was während der letzten Stunde alles passiert war. Es hätte auch weit aus schlimmer kommen können. Dass das nicht passiert war, wunderte mich im Nachhinein wirklich.

„Haben Sie ‘ne Ahnung, was hier los ist? “ fragte Shepard grade. Aha, der Gethteil.

Und tatsächlich sagte Ash: „Ich glaube, das sind Geth.“

Kaidan runzelte die Stirn. „Die Geth haben den Nebel seit 200 Jahren nicht mehr verlassen. Warum sind die jetzt hier? Was wollen die?“

Ash zuckte die Schultern. „Sie müssen wegen des Senders hier sein. Die Ausgrabungsstätte ist in der Nähe. Gleich hinter der Anhöhe da. Er könnte noch dort sein.“

Shepard überlegte einen Moment und sagte dann: „Gut. Aber wir könnten Ihre Hilfe gebrauchen.“ Na dann. Zumindest stiegen meine Überlebenschancen, wenn Shepard in der Nähe war.

„Jawohl Sir. Treten wir ihnen in den Arsch“, meinte Ashley. Sagte sie im Spiel nicht was von Revanche? Aber gut. Jeder weiß, dass die deutsche Synchro zensiert ist. Ich nickte nur und schluckte.

„Los geht’s.“ sagte Shepard und setzte sich in Bewegung. Na wundervoll. Ich flucht leise und eilte zu Ash hinüber.

„Sicher, dass du okay bist?“, fragte sie, während wir Shepard den Hügel hinunter folgten.

„Ja, geht schon.“ Ich schauderte, als wir an den Dragon Teeth vorbeikamen und vermied es, zu ihnen hinüberzusehen. Im Moment gab es eh nichts, das irgendwer tun konnte.

„Du schlägst dich gut, Kiddie.“ Hu? Ein Lob? Von Ash? Cool! Wir näherten uns langsam der Grabungsstätte - und sahen die nächsten Geth, doch sie waren dank Ashs Sturmgewehr und den kombinierten Biotiken von Kaidan und Shepard schnell Geschichte.

Ein männlicher Standardshepard mit Biotiken. Cool. Gemeinsam betraten wir die Plattform, auf der der Sender hätte stehen sollen und sahen uns um.

„Das ist die Grabungsstätte. Der Sender war genau hier. Er muss bewegt worden sein!“ Ash klang verwirrt und wütend, aber ich war mir nicht sicher. Im Erkennen von Emotionen war ich eine ziemliche Niete.

„Von wem? Von einem unserer Leute oder von den Geth?“, fragte Kaidan. Ich persönlich tippte auf die Geth. Wobei… da ich die Story kannte, wäre das cheaten.

„Schwer zu sagen.“ Die Soldatin zuckte die Schultern. „Vielleicht erfahren wir was, wenn wir das Camp erreichen.“

„Glauben Sie, jemand hat überlebt?“ Wir haben es hier definitiv mit einem vorbildlichen Shepard zu tun, soweit man das bis jetzt beurteilen kann. Nochmal cool.

„Mit viel Glück? Vielleicht verstecken sie sich im Camp.“ Das war wieder Ash. „Es ist da hinten. Diese Rampe da hoch.“ Oh nein. Irrte ich mich, oder kamen gleich die Husks? Im Spiel waren die schon ätzend, aber so wären sie nicht nur ätzend, sondern auch verdammt gefährlich.

Wir wollten grade weiter gehen, als Nihlus sich meldete. „Kleine Planänderung, Shepard. Vor Ihnen liegt ein kleiner Raumhafen. Ich werde mich dort mal umsehen. Ich warte dort auf Sie.“ Shepard bestätigte und bedeutete uns wortlos, ihm zu folgen. Also ging es den Pfad hoch, die Waffen die ganze Zeit über bereit.

Wir erreichten das Camp. Es sah gar nicht gut aus. Eins der Gebäude brannte, überall lagen Trümmer herum und auf den Dragon-Teeth hing eine halbe Armee Husks. Scheiße. Ich schloss schnell zu Shepard und Kaidan auf. Sich von denen allein erwischen zu lassen, wäre echt idiotisch.

Mit einem Surren fuhren die Husks runter. „Passt auf!“, rief ich, doch das war gar nicht notwendig gewesen. Der Rest hatte die Waffen bereits erhoben, zögerte jedoch noch. In Wirklichkeit sahen die Husks so viel gruseliger aus, als im Spiel. Wie hässliche, blau leuchtende Hi-Tech-Zombies eben.

„Oh mein Gott. Die leben ja noch...“ Kaidan war blass geworden.

Der erste Husk löste sich funkensprühend von seiner Stange, die ein faustgroßes Loch in seiner Brust hinterließ. Man, war das widerlich. Er stand einen Moment einfach schwankend da, dann stieß er ein Stöhnen aus und stolperte auf uns zu. Seine Bewegungen wirkten ungelenk und merkwürdig stockend. Der Rest des Teams hatte sich vom anfänglichen Schock erholt und feuerte aus allen Rohren auf die Kreatur. Die schiere Menge an Kugeln, die der Husk abbekam, holte ihn von den Füßen, bevor er uns zu nahe kommen konnte.

Leider wurden jetzt auch die anderen runter gefahren. Ich zählte mindestens acht. Bei ihnen lief es nicht so gut. Die ersten beiden fielen zwar recht schnell unserer kombinierten Feuerkraft zum Opfer, doch der nächste kam so nahe, dass er Shepards Schilde zerstörte, als er in einem Funkenschauer explodierte und überall ekelhafte Flüssigkeit verspritzte. Ein anderer hatte sich Kaidan genähert. Der Wächter verpasste ihm einen biotisch verstärkten Kinnhaken, der die Kreatur mehrere Meter durch die Luft schleuderte. Der Husk schlug hart auf und blieb regungslos liegen.

Ashley durchlöcherte einen, der ihr zu nahe gekommen war mit Sturmgewehrfeuer. Shepard kämpfte mit zwei gleichzeitig, während Kaidan versuchte, ihm zu helfen, was aber schwierig war, ohne Shepard zu treffen. Einer kam auf mich zu. Ich verpasste ihm einen Overload, der jedoch nichts brachte. Außerdem schienen die Dinger eine extrem hohe Menge an Schaden überleben zu können, weshalb meine Pistole auch nicht half. Der Rest des Teams war abgelenkt, und ich steckte in der Scheiße.

Ich wich zurück, aber der Zombie hatte mich schon erreicht und versuchte, sich an mir festzuklammern und dabei an meiner Rüstung zu kauen. Dank der Implantate hatte er einen unglaublich starken Griff.

Ich versuchte, meine Arme frei zu bekommen, aber keine Chance. Also verpasste ich ihm die härteste Kopfnuss, die ich hinbekam. So ein Move mit Helm hätte einen normalen Menschen vermutlich zurücktaumeln lassen, doch das Wesen lockerte seinen Griff lediglich etwas. Glücklicherweise reichte es, um ihm meinen Ellenbogen so hart ich konnte in den Hals zu rammen. Diesmal stolperte der Husk einen Schritt zurück und Kaidan, der ihn bemerkt hatte, warf das Wesen den nächsten Container. Der Husk rutschte an der Wand hinunter und blieb liegen. Er hatte eine leichte Delle in der Wand hinterlassen.

„Alles klar?“ fragte Kaidan. Ich nickte schnell, entsetzt, einen Husk aus dieser Nähe gesehen zu haben.

„Ja… Ja, mir geht’s gut.“ Ich deutete auf einen toten Husk und sagte: „Aber das ist pervers und krank… selbst für eine KI… Ich meine, es ist in gewisser Weise logisch. Aber trotzdem…“ Der Rest des Teams stimmte mir zu. Die Begegnung mit den Husks war auch an ihnen nicht spurlos vorüber gegangen.

Vorsichtig gingen wir weiter ins Lager hinein, die Waffen bereit. Im Vorbeigehen warf ich einen Blick auf die Überreste der Husks. Die Reaper waren gestört. Und man musste kein Psychologe sein, um das zu erkennen.

Wir näherten uns den Gebäuden am Ende des Camps. Shepard musterte die beiden Schuppen und ging dann auf den rechten zu. Er machte sich an der Türsteuerung zu schaffen und Sekunden später glitt die Tür auf. Im Inneren saßen zwei mitgenommen wirkende Wissenschaftler auf einem schmalen Feldbett. Die Frau sprang auf, sobald wir eintraten und hielt ein Messer schützend vor sich.

„Menschen! Dem Schöpfer sei Dank,“ flüsterte sie, als sie uns erkannte und ließ das Messer sinken.

Der Mann auf dem Bett, ihr Assistent, sah auf. Sein Blick huschte unruhig durch den Raum, bevor er an der offenen Tür hängen blieb. „Beeilen Sie sich! Machen sie die Tür zu! Bevor sie zurückkommen!“ Er erhob sich und ging auf uns zu als er sprach. Der Prophet… Es hat schon eine gewisse Ironie, dass eine Person, die von allen für verrückt gehalten wurde, am Ende Recht hatte.

„Haben Sie keine Angst. Wir werden Sie beschützen“, versuchte Shepard ihn zu beruhigen, doch er war nicht sonderlich erfolgreich. Der Assistent wollte etwas sagen, doch die Frau kam ihm zuvor.

„Danke, aber das wird nicht nötig sein. Es sieht aus, als wären alle weg.“ Sie zumindest wirkte nun etwas gelassener.

Ashley meldete sich zu Wort: „Sie sind Dr. Warren. Sie leiten hier die Ausgrabungen! Wissen Sie, was mit dem Sender passiert ist?“ Ach ja, Warren. Verdammt, wie hieß ihr Assistent noch?

„Er wurde heute Morgen zum Raumhafen gebracht. Manuel und ich blieben hier, um beim Abbau des Camps zu helfen. Als der Angriff begann, konnten die Marines sie lange genug zurück halten, damit wir uns verstecken konnten.“ Warren fuhr sich mit der Hand durch die Haare. Sie sah furchtbar müde aus.

„Niemand ist gerettet!“ rief Manuel händeringend. Du weißt ja nicht, wie recht du hast. Eigentlich lustig, dass er den Untergang der Menschheit vorhersagte und wir nur etwas später von den Reapern erfahren würden. Aber es verlor doch einiges von seiner Komik, wenn man selbst mit in diesem Mist steckte. So war es nur noch furchtbar unheimlich.

„Vielen Dank für Ihre Hilfe, Dr. Warren. Werden Sie beide klar kommen?“, fragte Shepard. Ich bemerkte, dass sein Blick kurz an Manuel hängen blieb.

„Ja. Ja, werden wir. Wir werden hier warten, bis es draußen sicher ist.“ Warren zwang sich zu einem Lächeln, doch es war deutlich zu sehen, dass es nicht echt war.

„Gut. Williams, bringen Sie uns zum Raumhafen“, sagte Shepard. Dann waren wir auch schon wieder unterwegs. Ashley ging voraus und führte uns aus dem Camp und einen weiteren schlammigen weg hinauf. Alle zogen ihre Waffen und ich machte mein Omni-Tool klar. Gleich würde es da nur so von Geth wimmeln. Wir näherten uns dem zerstörten Raumharfen, als ein Knall die Stille zerriß.

Nihlus!

Shepard beschleunigte seine Schritte. Wir erreichten die Kuppe des Hügels und hatten nun freie Sicht auf das Gelände. Darüber hing Sovereign in der Luft. Erst jetzt wurde mir überhaupt klar, wie groß so ein Reaper wirklich war. Wir alle blieben wie angenagelt stehen, als das Schiff langsam abhob und verfolgten seinen Start mit offenen Mündern. Die Geth, die uns bemerkt hatten und das Feuer auf uns eröffneten, brachten uns in die Realität zurück. Außerdem stolperte ein Haufen Husks den Hügel hinauf auf uns zu. Schnell gingen wir hinter einigen Felsbrocken in Deckung. Die Geth blieben unten stehen. Genau neben einer Eindämmungszelle.

Ich grinste. Das war eine perfekte Gelegenheit, um Overload ein zusetzten. Und tatsächlich: Die Eindämmungszelle explodierte und zerstörte oder beschädigte die Geth in der Nähe. „Fresst das, ihr Lappen!“, murmelte ich.

„Sehr gut, Kiddie!“, rief Ash mir zu und verpasste einem Husk mehrere Kopfschüsse. Shepard und Kaidan teilten währenddessen mit ihren Biotiken gut aus. Ich schoss und verteilte Overloads, sobald das Omni-Tool wieder geladen war.

Diesmal schafften wir es, die Husks auf Distanz zu halten. Nachdem alle zerstört waren, eilten wir zum Raumhafen hinunter und betraten die Plattform. Hier sah es echt übel aus. An verschiedenen Stellen brannten Container, Kisten waren umgeworfen worden und verbogene Metallteile lagen überall herum. Auf dem Boden, in einer blauen Blutlache, lag Nihlus.

Ich hörte Ash neben mir fluchen, als wir unsere Waffen hoben und uns vorsichtig dem toten Spectre näherten. Kaidan kniete sich neben ihn, um den Toten zu untersuchen. Ich musterte Nihlus über seine Schulter hinweg. Das war der erste Alien, den ich sah! Ash runzelte die Stirn und sah Shepard an. „Ein Turianer? Sie kennen ihn?“

Kaidan richtete sich wieder auf und antwortete anstelle von Shepard: „Er ist ein Spectre. Er war bei uns auf der Nor-“ Weiter kam er nicht.

„Vorsicht! Da bewegt sich was hinter den Kisten!“ Ash wirbelte noch während sie sprach herum, ihre Waffe auf die Kisten gerichtet. Der Rest folgte schnell ihrem Beispiel in Sekundenbruchteilen.

Ein Dockarbeiter kam hinter den Kisten, hinter denen er wenn ich mich nicht irrte geschlafen hatte, hervor. Sobald er unsere Waffen sah, weiteten sich seine Augen und er riss die Hände hoch. „Nicht… nicht… nicht schießen!“, stammelte Powell. „Ich bin einer von Ihnen! Ich bin ein Mensch!“

„Sich so an uns heran zu schleichen, hätte Sie fast das Leben gekostet, verdammt!“ Shepard ließ die Waffe sinken und bedeutete uns, das selbe zu tun.

„Es… es tut mir leid… Ich habe mich versteckt. Vor diesen… diesen Dingern“, stammelte er, atmete dann jedoch tief durch. Als er weiter sprach, klang er um einiges ruhiger. „Ich heiße Powell. Ich habe gesehen, was mit dem Turianer passiert ist. Der Andere hat ihn erschossen…“

„Dann erzählen Sie mal. Ich muss wissen, wie Nihlus gestorben ist“, sagte Shepard ernst und verschränkte die Arme.

Powell nickte und begann nervös. „Der Andere war zuerst hier. Er wartete hier, bis Ihr Freund auftauchte. Er nannte ihn Saren. Ich glaube, sie kannten sich.“ Da haben wir dich, Saren, du Drecksack. Powell kratzte sich am Kopf, bevor er fortfuhr. „Ihr Freund schien entspannt zu sein. Er war nicht auf der Hut und… und Saren tötete ihn. Schoss ihm direkt in den Rücken. Ich kann von Glück reden, dass er mich nicht auch entdeckt hat.“ Der Gedanke allein schien ihn schaudern zu lassen.

„Wo ist Saren hingegangen, nachdem er Nihlus getötet hatte?“

„Er sprang auf den Frachtzug in Richtung der anderen Plattform. War wahrscheinlich hinter dem Sender her. Wissen Sie, ich wusste, dass dieser Sender Ärger bedeutet. Seit wir den gefunden haben, ist hier die Hölle los! Erst taucht dieses verdammte Mutterschiff auf, dann wimmelt er hier auf einmal von diesen Dingern!“ Er schüttelte den Kopf. „Sie töteten jeden. Jeden! Wäre ich nicht hinter diesen Kisten gewesen, wäre ich jetzt auch tot...“

Shepard hob eine Augenbraue, ging aber nicht weiter darauf ein. Zum Glück. Der arme Kerl war auch so schon fertig genug, ohne dass Ash ihm an die Kehle ging. „Wir müssen diesen Sender finden, bevor es zu spät ist. Powell, wo ist dieser Frachtzug?“

Powell deutete nach links. „Dort hinten. Gehen Sie die Rampe da hoch, dann können Sie ihn nicht verpassen. Den hat auch der andere Turianer genommen.“ Er zögerte.“ Ich… ich kann hier nicht bleiben. Ich muss von hier weg…“ Er drehte sich um und ging langsam davon. Ich fragte mich, wohin. Auch wenn er faul war, war er einfach ein armes Schwein.

„Okay, weiter!“, befahl Shepard. Wir folgten Powells Wegbeschreibung zum Frachtzug, doch wenn ich mich richtig erinnerte, würden wir vorher noch auf eine Menge Geth treffen. An der Rampe warteten meines Wissens bereits die ersten. Tatsächlich hörte ein leises mechanisch klingendes Geräusch. Ja, definitiv Geth. Die anderen schienen es nicht gehört zu haben und näherten sich dem nicht einsehbaren Zugang. „Passt auf, davorn warten Geth“, flüsterte ich.

Shepard nickte nur. Er hob seine Waffe, Kaidans Arm leuchtete in biotischem Blau auf und Ash tauschte ihr Sturmgewehr gegen die Schrotflinte. Ich ließ mein Omni-Tool aufleuchten, dann bemerkten die Geth uns auch schon. Ich blieb in Deckung und verpasste dem ersten einen Overload, bevor ich zur Pistole wechselte. Kaidan warf den überlasteten Geth gegen die nächst Wand. Shepard und Ash hatten den anderen Roboter in der Zwischenzeit zu Schrott geschossen, womit der Weg frei war. Wir eilten um die Ecke und die andere Seite der Rampe hinunter.

Als nächstes würden wir einen langen Gang mit hüfthohen Mauern rechts und links entlanggehen und dabei noch mehr Geth zerlegen müssen. Das würde ein Spaß werden. Wir verließen die Rampe und Shepard flucht und rief: „In Deckung, los!“

Das hätte er gar nicht sagen müssen, denn wir alle hatten den Verwüster gesehen. Ich sprintete los und ließ mich hinter eine der Mauern fallen, Ash neben mir. Ich startete das Omni-Tool und spähte über die Mauer. Ein riesiger Geth mit einer riesigen Knarre kam auf uns zu. Hinter ihm warteten noch einige kleinere Roboter. Das würde vermutlich hart werden. Auch im Spiel war diese Stelle absolut ätzend gewesen, einfach weil der Zerstörer so viel aushielt.

Shepard und Kaidan schossen bereits auf ihn, doch die Kugeln prallten von seinen schweren Schilden ab. Ich verpasste ihm einen Overload und wechselte dann zu meiner Pistole. Der Zerstörer drehte sich und feuerte eine Salve in meine Richtung, doch ich ging schnell in Deckung. Einer der Schüsse hatte meine Schilde aufblitzen und fast zusammenbrechen lassen. also zog ich lieber den Kopf ein.

Ash hatte zu ihrem Scharfschützengewehr gewechselt und begann damit, die weiter entfernten Geth der Reihe nach auszuschalten. Ich wartete, bis das Programm bereit für den nächsten Overload war und traf erneut den Verwüster. Er war uns schon erschreckend nah gekommen, doch nun waren seine Schilde endlich unten. Kaidan schaffte es, ihn mit einer Biotik von den Beinen zu holen und zu zerstören.

Damit blieben noch die Geth, die weiter hinten standen und noch immer auf uns schossen.

„Die sind zu weit weg. Folgt mir!“, rief Shepard. Er und Kaidan rannten geduckt los und ich sah einige Treffer auf ihren Schilden einschlagen. Ash und ich hielten in der Zwischenzeit so gut es ging auf die Geth, um sie zu zwingen, in Deckung zu bleiben. Ein paar Meter vor uns gingen Shep und Kaidan wieder in Deckung. Ash warf mir einen kurzen Blick zu, dann sagte sie: „Bleib hinter mir!“ Ich nickte und sie rief: „Okay, dann los!“

Oh, DRECK!

Ash sprintete los und ich folgte ihr. Ihre Schilde wurden mehrmals getroffen und ich bekam auch etwas ab, aber wir erreichten Shepard, bevor sie versagen kannten. Mit Biotiken, einigen Overloads und Sturmgewehrfeuer waren die letzten Geth dann schnell Geschichte.

Wir standen auf und eilten zum Frachtzug. Am vorderen Ende befand sich eine blau leuchtende Holokonsole. Wir gingen hin, Shepard drückte ein paar Knöpfe, und der Zug setzte sich in Bewegung. Ich war froh, ein paar Minuten zu haben, um wieder zu Atem kommen zu können. Unter der Rüstung war ich mittlerweile nass geschwitzt und irgendwann hatte ich mir wohl eine Wange leicht angesengt. Außerdem waren wir alle ziemlich verdreckt. Eden Prime war sumpfig und das war unseren Rüstungen deutlich anzusehen. Meiner ganz besonders, dank der Gesichtsbremse von vorhin.

Glücklicherweise war die Mission fast vorbei… nein, Moment mal. Im Spiel wurde erwähnt, dass Shep den ganzen Weg zurück getragen wurde, oder? Na großartig.

Während der Fahrt zur anderen Plattform sprach niemand. Schließlich kam unser Ziel in Sicht und ich spürte, wie der Zug abbremste, woraufhin wir alle unsere Waffen zogen. Der Zug hielt und wir stiegen aus.

Ich sah mich kurz um und bemerkte die Bombe. „Ähm… sind das Bomben oder was?“

Kaidan war meinem Blick gefolgt und fluchte leise. „Ja. Die Geth müssen sie angebracht haben!“ Shepard war bereits zur ersten Sprengladung gerannt und hatte sein Omni-Tool aktiviert. Zum Glück dauerte es nicht lange bis er sie entschärft hatte.

„Kommt schon! Wir haben nicht viel Zeit!“ Shepard führte uns eine Rampe zum oberen Teil des Raumhafens hinauf.

Und dort warteten natürlich… - Überraschung! - Geth. Wir liefen nach rechts über eine Brücke, denn auf der anderen Seite lag gut sichtbar eine weitere Bombe. Shepard entschärfte sie, während wir in Deckung gingen und die Geth nacheinander ausschalteten. Ddiesmal waren es verdammt viele, aber wir schafften es dennoch. Kaidan beförderte zwei von ihnen von der Brücke hinab in die Tiefe, auch wenn es ihn extrem anzustrengen schien. Wir eilten zur nächsten Sprengladung, – ich habe keine Ahnung, wie Shepard die so schnell gefunden hatte – und Shepard entschärfte sie, während wir ihm in der Zwischenzeit die Geth vom Hals hielten.

Endlich waren wir die letzten los und Shepard konnte auch die letzte Bombe entschärfen. Danach eilten wir zu dem Durchgang, der uns zum Sender führen würde. Schnell die Treppe runter und wer wartete dort? Geth und Husks. Ashs Schrotflinte machte kurzen Prozess mit Letzteren, und die Geth waren dank verschiedener Biotiken auch relativ schnell Geschichte.

Endlich sahen wir den Sender. Das Stück Technik, das die Geschichte von Mass Effect überhaupt ins Rollen brachte. Er war ziemlich groß, aus der Nähe betrachtet. Der grüne Dampf, der von ihm aufstieg, wirkte im richtigen Leben echt unheimlich. Die Luft in seiner Nähe schien förmlich zu vibrieren. Es war ein merkwürdiges Gefühl, das mir die Haare zu Berge stehen ließ und mir einen Schauer den Rücken hinab laufen ließ. Ich blieb in sicherer Entfernung stehen und beobachtete das Geschehen.

In der Zwischenzeit organisierte Shepard unsere Mitfahrgelegenheit oder wie auch immer der Sender zurückgebracht werden sollte. „Normandy, der Sender ist sicher. Erbitte sofortige Abholung.“

Ash und Kaidan näherten sich fasziniert dem Ding. „Unfassbar! Tatsächliche, funktionierende Protheaner-Technologie!“ Neugierig folgte ich den beiden, hielt jedoch einige Schritte Abstand, immerhin wollte ich das Teil nicht aus Versehen aktivieren. Schon ziemlich beeindruckend, dieser Sender.

„Als er ausgegraben wurde, hat er das noch nicht gemacht.“ Ash klang sichtlich beunruhigt. Vermutlich bezog sie sich auf den seltsamen Rauch. „Etwas muss ihn aktiviert haben!“ Sie ging noch weiter auf den Sender zu und betrachtete ihn genauer. Kaidan war zu Shepard gegangen, um die Abholung zu organisieren.

Plötzlich leuchtete der Sender grün auf und Ash wurde von einer unsichtbaren Kraft zu ihm gezogen. Sie schrie überrascht auf versuchte mit aller Macht zu entkommen, hatte jedoch keine Chance.

„Was zum-“ Ich wusste, dass es passieren würde und dennoch war es unheimlich, es so passieren zu sehen und nicht auf dem Computerbildschirm. Wie angenagelt stand ich da und konnte lediglich zusehen.

„Williams!“ Shepard hatte sie gehört und sprintete sofort los. Er umfasse die Frau von hinten und stieß sie vom Sender weg. Ash rollte sich ab und Kaidan eilte zu ihr. Allerdings wurde nun Shepard zum Sender gezogen. Genau, wie im Spiel.

„Shepard!“, rief Ash entsetzt, als der Commander in die Luft gehoben wurde.

Sie wollte aufspringen und dem Commander helfen, aber Kaidan hielt sie zurück. „Nein, das ist zu gefährlich! Fassen Sie ihn nicht an!“ Ich stand die ganze Zeit über nur sprachlos und wie versteinert dabei, zu überrascht, um etwas zu tun. Zumindest lief es so, wie es sollte…

Und dann explodierte das teure Stück protheanischer Technologie vor unseren Augen. Ich riss die Arme hoch um mein Gesicht vor zu schützen. Shepard wurde durch die Luft geschleudert und krachte bewusstlos auf die Plattform. Ash und ich liefen zu ihm. Sie überprüfte seine Vitalfunktionen, während Kaidan Joker zu den Landeplätzen schickte, um dort auf uns zu warten. Jetzt, da der Sender Schrott war, machte es kaum Sinn, dass er hier her kam.

„Ist er okay?“, fragte ich die Soldatin, obwohl ich die Antwort schon aus dem Spiel kannte.

Sie richtete sich auf und zuckte die Schultern. „Keine Verletzungen. Hat ihn wahrscheinlich nur umgehauen.“ Sie wirkte dennoch besorgt. „Sieht aus, als müssten wir ihn zurück tragen.“

Kaidan nicke. „Ja. Ich habe mit Jo… unserem Piloten gesprochen. Sie warten bei den Landeplätzen.“
Er kniete sich neben Shepard und legte sich dessen Arm um die Schultern. Ich zögerte einen Moment und übernahm mit einem Schulterzucken den anderen Arm. Dann richteten wir uns auf. Shepard war verdammt schwer, was vermutlich auch an der Rüstung und der halben Waffenkammer lag, die er dabei hatte.

„Na dann, los.“, sagte Ashley. Sie ging mit gezogenem Sturmgewehr vor und hielt Ausschau nach Geth. Kaidan und ich folgten mit dem bewusstlosen Commander zwischen uns. Wir gingen zum Frachtzug, aktivierten ihn und fuhren zurück zum Raumhafen.

Dort angekommen eilten wir den Gang entlang zurück zu der Stelle, an der Nihlus lag. Die meisten Feuer waren inzwischen abgebrannt und die Sonne war fast hinter dem Horizont verschwunden. Das bedrückende Licht wurde nur noch bedrückender. „Was machen wir mit ihm?“ fragte ich und deutete auf den toten Spectre.

Kaidan verschob Shepard Arm auf seinen Schultern ein wenig und antwortete: „Wenn wir die Normandy erreichen, werden wir ein Team schicken, das Nihlus und Jenkins einsammelt.“

„Jenkins?“ Ash runzelte die Stirn.

„Ein anderes Teammitglied. Er wurde von Drohnen getötet.“

„Oh, das tut mir leid“, sagte Ash.

„Gehen wir“, sagte Kaidan nur. Im Spiel wurde nie erwähnt, ob Jenkins mit irgendwem auf der Normandy befreundet war oder Ähnliches. Ich fragte mich, wie es hier aussah.

Also machten wir uns wieder auf den Weg. Es wurde recht schnell dunkel. Ash und Kaidan schalteten Lampen in ihren Omni-Tools ein. Wir begegneten einem Geth, aber Ash zerstörte ihn in kürzester Zeit.

Schließlich erreichten wir das Schiff.

Es war mittlerweile stockdunkel. Die Normandy war gelandet und wurde von den Scheinwerfern der Landestelle beschienen. Aus der Nähe wirkte sie riesig. Viel größer, als im Spiel.

„Wow, das ist echt heftig,“ flüsterte ich und blieb stehen, den Blick auf das Raumschiff gerichtet. Fast hätte ich Shepard fallen gelassen. Es war einfach unglaublich, vor der Normandy zu stehen. Mein bester Freund hätte für eine solche Gelegenheit vermutlich seine Seele an das fliegende Spagettimonster verkauft. Und jetzt stand ich davor. Es war genial und verdammt unheimlich zugleich.

Kaidan lachte leise. „Das sagst du jetzt noch. Warte, bis du drin bist und das Essen siehst…“

„Wieso?“ fragte ich verwirrt. Es kostete mich einige Mühe, meinen Blick wieder auf ihn zu richten.

Er zuckte die Schultern „Militärrationen eben. Kommt schon, gehen wir hoch.“

Eine metallene Gangway führte zur Luftschleuse. Wir schleppten Shepard die Treppe hinauf, was sich als recht schwierig erwies, da sie ziemlich schmal war. Oben angekommen, glitt die Tür zum Schiff auf und wir betraten die Dekontaminationkammer. Eine Computerstimme sagte: „Bereithalten, Landungstrupp. Dekontamination aktiv.“ Das Kraftfeld, oder was immer es war, fuhr zweimal hin und her, die zweite Tür öffnete sich und endlich konnten wir das Schiff betreten.

Feedback und Verbesserungsvorschläge nehme ich immer gerne an. Die überarbeiteten Kapitel sollten jetzt ziemlich Typo-frei sein. Bitte sagt mir Bescheid, wenn ich etwas übersehen habe!
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