Der Test der Zeit Band V "Chroniken der finsteren Götter"

von Nakago
GeschichteFantasy, Horror / P16
10.01.2012
21.02.2012
7
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Der Test der Zeit
Teil V
Chroniken der Finsteren Götter

Prolog

Die Zeit vergeht wie im Flug. Ich sehe es besonders an Mili. Kaum hat man ihr ein hübsches Kleidchen gekauft, ist sie schon wieder hinaus gewachsen. Mein kleiner Schlingel entdeckt jeden Tag etwas mehr von der Welt und sie fängt an, Fragen zu stellen. Unangenehme Fragen nach ihrem Vater, weil alle anderen Kinder haben nämlich einen. Bis jetzt konnte ich sie mit ein paar Halbwahrheiten abspeisen, aber der Tag wird kommen, da wird das nicht mehr gehen. Ich muss Gewissheit erlangen, ob Jondan noch lebt. Seit meinem letzten großen Abenteuer sind zwei Jahre vergangen und ich trete seitdem auf der Stelle. Meine magischen Studien nehmen viel Zeit in Anspruch, aber trotzdem habe ich kaum weitere Zauber erlernt. Mir gelang es, einen Ausspähkristall zu ergattern, aber den passenden Zauber muss ich noch lernen.

In drei Büchern habe ich die Ereignisse in um die Festung Rannick für die Nachwelt verewigt. Im ersten Buch geht es um die Familie Graul und wie wir ihnen den Garaus gemacht haben. Der zweite Band beschäftigt sich mit der Rückeroberung der Festung Rannick und der dritte Band mit der endgültigen Vernichtung des Kreegogerstammes und der Bergung der Leiche des armen Hauptmannes der schwarzen Pfeile. Die Bücher verkaufen sich inzwischen recht gut und ich habe schon einiges für die Aussteuer für Miliandra zusammen. Man kann da einfach nicht früh genug anfangen.

Inzwischen habe ich einige Aufträge für den Orden der Ungesehenen Seher erledigt. Zum Glück beschränkten sich alle auf Chondathan, sodass ich meinen kleinen süßen Fratz nie wirklich alleine lassen musste, was unserer Beziehung sehr gut getan hat. Die Aufträge der letzten Zeit hatten alle ein gewisses Muster. Der gemeinsame Nenner meiner Aufträge war ein Arzt namens Maragus, der irgendwo in der Nähe von Westtor ein Labor haben muss. Dieser Arzt scheint Experte für magische Krankheiten zu sein und der eine oder andere jugendliche Adlige aus reichem Haus scheint ihn auch aufgesucht zu haben. Dummerweise war das eine oder andere Treffen von Helmpriestern abgeschirmt, die mit ihrer gemeinen Magie dafür gesorgt haben, dass ich nicht immer erfolgreich war.

Ich habe mich auch etwas über die siebte Hölle und den momentanen Herrscher mit dem Namen Balzebub kundig gemacht. Der Erzteufel ist der Herr der Fliegen und Lügen. Er sieht auch aus wie eine große Fliege, hat jedenfalls einen Fliegenkopf. Die Siebte Hölle trägt den Namen Maladomini, die ein Sündenpfuhl voller Korruption und Dreck ist. Nicht gerade die Art Gegend, die man unbedingt erobern möchte. Eigentlich sollte dieser Moloch, der dunkle König, doch froh sein, auf der kuscheligen Schattenebene zu sein.

Xana ist glücklich mit ihrem Serenius verheiratet und hat ein Studium im Kollegiat über die Theorie der Arkanen Künste aufgenommen. Aber irgendwie scheint Xana andauernd mit denen zusammenzurasseln, da deren Theorien mit ihrem praktischen Wissen kollidieren. Und Xana ist jetzt im sechsten Monat schwanger und trägt eine Kugel vor sich her.

Schlachtenrufer Dolon ist in der Hierarchie nach oben gerutscht, als viele Priester und Anhänger aus den Talländern nach Norden gezogen sind, um dort in den Tälern eine Abtei für Tempus zu gründen. Der junge Priester ist nun für die Segnungen der Söldner zuständig, hält also die entsprechenden Zeremonien ab. Das verschafft ihm einiges an Prestige und er ist sozusagen das Gesicht des Tempels. Ich sehe ihn öfters in der Lagerstadt, wie er dort von Lager zu Lager läuft, um Kontakt mit den Söldnern zu halten.

Der Tempel der Tymora nimmt so langsam Gestalt an. Die ersten Gottesdienste wurden schon von Schicksalswächter Ryan, der nun auch der Hohepriester des Tempels ist, in der halb fertigen Haupthalle des Tempels getätigt. Nur wenige Schritte davon entfernt steht die hölzerne Arena des Garagos. Die Kämpfe sind immer gut besucht und im Gegensatz zu den meisten Befürchtungen gibt es nur wenige Tote bei diesen Kämpfen, die immer so lange dauern, bis einer der Garagospriester einen Sieger bestimmt. Zwei überaus schlagkräftige Tempelwächter aus dem fernen Shoon, zwei Mulan, haben als heilige Mission die Bewachung des Tempels übernommen. Einer heißt Xao-Ming, der andere Ban-Mai.

Lia hat sich die letzten Monate sehr rar gemacht. Von allen sehe ich sie am seltensten. Eine Zeitlang war sie mit Jakadros, Xanas Vater, zu den Elfen im Norden unterwegs gewesen, ist aber inzwischen wieder in der Stadt. Angeblich wohnt sie irgendwo in der Nähe in einer Blockhütte im Wald. Und so ist es doch eine Überraschung, als mich eines Abends im Winter einer meiner Brüder an meinen Schreibtisch tritt, wo ich gerade an meinem vierten Buch, über die Gruft des Schreckens arbeite, und mir mitteilt, dass Lia mich sprechen möchte. Was die Elfe wohl zu solch später Stunde von mir will? Ich lege den Federkiel zur Seite, den ich aus dem Abgrund mitgebracht habe, und eile in den Empfangsraum, wo Lia auf mich wartet.

„Kaira! Komm schnell mit, hinter dem Silberfisch ist was passiert.“
„Etwa was mit den Erlanns?“ Als Lia mich nur unverständlich anguckt, füge ich hinzu. „Die Wirtsleute?“
„Nein, ich kenne den Kerl nicht, er ist tot und jemand hat ihn ausgeweidet!“

Kapitel 1
Drei Morde im Hammer

4. Hammer 734 TZ Das Jahr des prächtigen Hirsches Chondathan

Ich frage mich zwar, warum Lia ausgerechnet zu mir deswegen kommt, aber ich eile in mein Zimmer, schlüpfe schnell in mein leichtes Kettenhemd und lege meine Ausrüstung an. Bald bin ich bereit für ein weiteres Abenteuer. Mein kleiner, frecher Fratz schläft friedlich in ihrem Bettchen und hat ihre Decke halb heruntergestrampelt. Liebevoll ziehe ich sie ihr bis unter das Stupsnäschen und gebe ihr einen leichten Kuss auf die Stirn.

Draußen ist es kalt, dicke Schneeflocken fallen träge vom Himmel und ich bin froh, solch warme Kleidung zu haben. Ich stapfe hinter Lia durch den Schnee. Etwa zwanzig Minuten später sind wir hinter dem Silberfisch, wo ich einst gearbeitet habe. So lange ist das eigentlich gar nicht mal her, kommt mir aber trotzdem wie eine Ewigkeit vor. Der Körper ist unter einem Leichentuch aus Schnee verborgen. Aber sein Blut schimmert durch. Der arme Kerl wurde nicht einfach so erstochen und wild ausgeweidet. Blut und Innereien sind zu einem großen Kreis und drei ihn umgebenden Kreisen arrangiert worden. Vom mittleren Kreis gehen drei Striche aus, die auf jeweils die anderen Kreise zeigen. Der rechts untere Kreis hat zwei Striche, die Senkrecht oben und unten versetzt durch gehen. Der obere der Kreise hat drei, zwei davon schräg parallel nach rechts unten zeigend, der dritt Strich zeigt nach oben. Der dritte Kreis ist mit sechs Strichen umgeben. Jemand hat sich da mächtig viel Mühe gegeben. Mit einem Magie entdecken stelle ich fest, dass der Kreis eine sehr seltsame Art von Magie enthält. So was habe ich noch nie gesehen. Aber diese Art von Kreisen habe ich schon mal gesehen. Mir fällt aber nicht ein, wo. Vielleicht in einem der vielen Bücher, die ich im Laufe der letzten Jahre gelesen habe. Werde später mal in der Bibliothek der Ungesehenen Seher nachschauen.

Vorsichtig lege ich das Gesicht des Toten frei. Seine Züge sind schrecklich verzerrt und seine blinden Augen scheinen mich um Rache heischend anzusehen. Den Mann kenne ich, das ist der Barde Thorwan der Blinde, ein Meister des Gesangs, singt oft in den Tavernen des Hafens. Ich untersuche seine Leiche und finde einen Geldbeutel mit ein paar Münzen. Beraubt wurde er demnach noch nicht. Wobei eigentlich jetzt schon klar ist, dass Raubmord wohl eher nicht in Frage kommt. In der Nähe ist ein blutverkrustetes Schnitzmesser zu finden, mit dem er wohl offensichtlich ausgeweidet wurde. Nicht gerade das passende Werkzeug für solch eine Arbeit. Lia führt mich zu verschiedenen Spuren, wie es aussieht, scheinen es mehrere gewesen zu sein. Es gibt einen Bereich, wo sie eine Art Versammlung abgehalten haben müssen und dann ausgeschwärmt sind, als ob sie was suchen würden. Die Spuren verlieren sich schließlich in den Straßen.

Wir gehen zur Schildwacht am Hafen und klopfen dort lautstark, da die Türe verschlossen und von innen verriegelt ist. Ein missmutig dreinblickender Schildwächter öffnet, blafft uns ungehalten an, was wir hier verdammt noch mal wollen. Ich erzähle von der Leiche.
„Davon wissen wir schon, ein Trupp von uns kümmert sich am Hafen darum.“
„Aber die Leiche liegt hinter dem Silberfisch.“
„Aha? Nun gut, danke Bürger!“ Er knallt die Türe vor meinem Stupsnäschen zu. Ja, Bürgernähe war noch nie eine Stärke der Schildwacht. Aber das mit der zweiten Leiche ist interessant. Wir verdrücken uns in den Schatten der nächsten Gasse und nur eine Minute später kommt ein Schildwächter aus der Wache heraus gestampft und geht Richtung Hafen. Wir hinter her. Es ist einfach ihm zu folgen, da wir wie Schatten sind, die an ihm kleben.

Er führt uns an eine einsame Stelle am Kai, wo sich schon einige Schildwächter drängen. Ich mache uns unsichtbar und wir stehen in unmittelbarer Nähe der Gruppe. Einer der Wächter ist eine Magierin und Hauptfrau Therea Rotfeld, ein bekanntes Mitglied der Abenteurergruppe „Die Schildstürmer“, zu der auch Hauptmann Bregg gehört. Therea ist obendrein auch ein bekanntes Kollegiatsmitglied und ist für eine Magierin gar nicht arrogant. Aber eigentlich gehört die schwarzhaarige Frau Anfang dreißig zur Hafenwacht.

Die sind nicht erfreut von einer weiteren Leiche zu hören. Wir sehen eine ähnlich ausgeweidete Leiche. Das Symbol weicht aber in zwei Punkten ab. Der linke untere Kreis hat nur fünf Striche und der obere hat eine andere Anordnung. Ich zeichne die Kreise ab und wir verschwinden dann wieder. Nachdem wir sichtbar geworden sind gehen wir einfach offen zu ihnen hin und bieten unsere Hilfe an. Schließlich sind wir beide Reservisten der Schildwacht, aber die meinen, sie hätten die Lage unter Kontrolle und bräuchten uns nicht. So was auch.

Also überlegen wir uns beide, was die Symbole zu bedeuten haben. Ich hole meine kleine Karte der Stadt hervor und versuche ein Muster zwischen den Tatorten auf der Karte und den Symbolen zu finden. Wenn es eine dritte Leiche geben sollte, wäre diese in der Senke. Also nichts wie hin. Das Westtor ist verschlossen, aber wir dürfen die Seitenpforte passieren. Im Winter ist die Senke ein angenehmerer Ort, da es nicht so penetrant stinkt. Wir finden aber keinerlei Leichen. Ich ziehe eine andere Anordnung in Betracht und dann wäre die Leiche ziemlich im Zentrum der Stadt. Wir eilen dort hin, finden aber nichts. Heute wird das wohl nichts mehr. So wie es aussieht, haben wir ein neues Abenteuer und werden morgen die anderen hinzuziehen. Ich versuche in der Bibliothek etwas über diese Zeichen zu finden, aber leider habe ich keinen Erfolg. Wo habe ich diese Symbole nur schon mal gesehen?

5. Hammer 734 TZ Das Jahr des prächtigen Hirsches Chondathan

Kurz nach Sonnenaufgang bin ich bei Xanas Wohnung. Serenius macht auf mein Klopfen auf und fragt etwas säuerlich, ob ich wie Lia auch was zum Frühstücken will. Aber gerne doch. Xana steht die Schwangerschaft gut und wir begrüßen uns herzlich. Träge räkelt sich die Katze, die wir als Kätzchen aus dem Abgrund mitgenommen haben, auf dem einzigen freien Stuhl. Sie faucht mich missmutig an, als ich sie einfach auf den Boden stelle. Ich warte bis nach dem Frühstück mit Einzelheiten und wir gehen dann zum Tempel des Tempus. Auf dem Weg dorthin hören wir wilde Gerüchte über einen Überfall auf den Tempel.

Wir treffen Dolon auf dem Gelände und er bugsiert uns in seine Stube, die er jetzt für sich alleine hat. Die Kammer ist spartanisch eingerichtet und enthält keinerlei Verzierungen oder Verschönerungen. Wo doch schon ein paar nette Vorhänge die Atmosphäre auflockern könnten. Dolon bestätigt, dass es einen Überfall auf den Tempel gegeben hätte. Dabei war ein Akolyth ausgeweidet worden und seine Innereien seien um ihn herum drapiert worden. Ich bitte Dolon aufzuzeichnen, wie das ausgesehen hat. Die Ähnlichkeit ist frappierend. Der linke untere Kreis enthält nur vier Striche, der obere hat drei wieder anders angeordnete Striche. Der Mord geschah etwa um Mitternacht und es scheint so, als ob diese Striche mit der Anzahl der Morde abnehmen. Demnach müssen noch drei Morde geschehen. Der Schlachtenrufer berichtet außerdem, dass die Rüstung des Augar Trojes gestohlen worden wäre, die wir damals vor fast drei Jahren aus dem finsteren Drunakwald geholt haben. Der etwas seltsame Maler Gregor Vern hatte sie gespendet und wir hatten ihn und seine überaus unheimliche Tochter Antalia damals kennen gelernt. Da war noch ein Sohn gewesen, ein gewisser Welkan.

Der Dieb und Mörder war ein überaus starker Mann gewesen, der Dolon beinahe mit seinem Zweihänder getötet hätte. Von der Statur könnte es sogar Vaslo Zar gewesen sein, aber seine bevorzugte Waffe war immer ein Langschwert. Und er ist für mich nicht der Mann, der einen Ritualmord begehen würde. Er war immer eher ein Sammler und Sucher alter magischer Waffen und Rüstungen. Aber war die Rüstung nicht blau? Oh oh! War das etwa der „Blaue Ritter“ vor dem Ryan gewarnt worden ist? Verdammnis! Wir müssen ihn warnen!

Aber vorher werden noch ein halbes Dutzend Schildwächter zu Dolon geführt. Es sind teilweise die gleichen, welche gestern schon den Mord am Hafen untersucht haben. So wie es aussieht, sind die Schildstürmer bis auf den verkrüppelten Logan, den Wirt der Drei Fässer, komplett hier versammelt. Neben Hauptmann Bregg und Therea ist auch der braunhaarige und immer optimistische Glücksbote Garrn und ein schweigsamer Zwerg mit dem Namen Kordan Talynstein mit von der Partie. Kordan ist unbewaffnet, aber man erzählt sich, dass er mal einen Hügelriesen mit bloßen Händen erwürgt haben soll.  Sie stellen die gleichen Fragen, welche wir schon gestellt haben, wollen aber nicht, dass wir unsere Erkenntnisse vergleichen. „Das hier sind keine Oger in einem finsteren Wald. Bleibt bei dem, was ihr könnt“, kriegen wir von Hauptmann Bregg an den Kopf geworfen. Finsternis!

Nun gut, dann ermitteln wir eben auf eigene Faust. Besonders Dolon ist motiviert, schließlich wurde nicht nur eine überaus wertvolle Rüstung gestohlen, obendrein wurde noch ein Schüler ermordet, der später als der Chronist des Tempels vorgesehen war. Solche Talente findet man nicht oft in den Reihen des Tempusklerus, wie Dolon bedrückt verkündet. Aufgrund der ernsten Lage verkneife ich mir eine schnippische Bemerkung über die wohl grassierende Rechtschreibschwäche des durchschnittlichen Tempuspriesters, was diese Aussage von Dolon indirekt ausdrückt.

Als erstes gehen wir zum Neubau des Tymoratempels. Die Arbeiten ruhen im Außenbereich, aber im Inneren wird mit Hochdruck weiter gemacht. Ryan ist nicht da, sondern scheint in der näheren Umgebung ein paar Wegschreine zu weihen. Wir schauen uns bezeichnend an. „So nennt man das bei der Tymorakirche also“, meine ich grinsend und die ebenfalls grinsende Priesterin zuckt nur mit den Schultern.
„Ich werde Ryan eine Botschaft schicken“, meint Dolon. Wir beschließen, uns zu trennen. Dolon wird alles für eine magische Sendung vorbereiten, während wir das Kollegiat besuchen werden.

Der halborkische Pförtner ist so mies gelaunt wie immer. Vielleicht wird er ja irgendwann entdecken, dass er auch die Fähigkeit besitzt, seine Wangenmuskulatur zu bewegen. Es sind einige Schüler in der Bibliothek anwesend, die recht ablehnend auf unsere Anwesenheit reagieren. Es ist wohl Xana, die diese Abscheu hervorruft. Sie zischt uns zu, dass dies alles Vollidioten sind, die keine Ahnung von der wahren Kunst haben. Dabei ist sie aber laut genug, dass die anderen das auch wirklich mit bekommen. Nicht gerade sehr diplomatisch. Nach knapp zwei Stunden intensiver Suche haben wir nichts wirklich Erhellendes gefunden. Nun gut, wozu gibt es hier Professoren? Wir gehen zu Havard Repp und fragen ihn einfach. Wir finden ihn in den Laboren, wo er mit fünf Schülern gerade irgendwelche Experimente macht. Repp ist schlank geworden, kein Übergewicht mehr. Aber nicht dürr oder ausgezerrt. Ich erkundige mich nach dem Ei, das sie tief in einem ihrer Tresore vergraben haben. Zurzeit haben sie keine neuen Erkenntnisse, noch eine Ahnung, was sie noch tun könnten. Aber das ist ja gerade nicht das Thema des Tages.

Ich zeige ihm die Symbole und Havard scheint was damit anfangen zu können. Er schleppt uns wieder in die Bibliothek und zieht zielsicher ein Buch heraus. Tatsächlich ist dort das Mittelsymbol abgebildet und wird einem finsteren Gott mit dem Namen Mak Thuun Ngatha zugeschrieben. Wobei Ngatha wie eN gata ausgesprochen wird. Dieser Gott hat als Portofolio das Sternenmeer und wird nur ganz selten von Menschen angebetet. In der Nähe von Westtor gab es vor Jahrhunderten den einzig bekannten Kult von Menschen, der je diesen Gott angebetet hat, den man auch den Neunzüngigen Wurm nennt. Der Kult wurde eines Tages ausgelöscht, aber ohne dass je jemand damit geprahlt hätte, es getan zu haben. Gruselig!

5. Hammer 734 TZ Das Jahr des prächtigen Hirsches Chondathan

Wir danken Havard für seine Hilfe und gehen wieder. Auf dem Rückweg zum Tempustempel kehren wir in das Einhorn ein, wo Xana Hochzeit gefeiert hatte Sie bestellt ein unmögliches Gericht, Fleisch mit sauren Gurken, während ich einen leckeren Braten mit frittierten Erdäpfeln zu mir nehme. Lecker! Kurz vor dem Tempel werde ich von einem Mann mit Bart auf einem Kutschbock angerufen. Den kenne ich doch! Das ist doch Gregor Vern! Wir unterhalten uns kurz. Er ist wegen eines größeren Auftrages von Baron Relvar in der Stadt und lädt mich ein, ihn mal zu besuchen. Und vielleicht ein Bild von mir zu malen. Aber gerne doch.

Kaum ist er weg, kommt auch schon Dolon an. Er hat Ryan auf magischem Weg erreicht und gewarnt, er wird so schnell wie möglich zurückkehren, wird aber wohl erst morgen die Stadt erreichen können. Wir machen ein paar Witze darüber, was Ryan wohl gerade tut, als mir klar wird, wo ich diese Kreissymbole schon mal gesehen habe. Das war in keinem Buch, das war auf den Stelen im Drunakwald gewesen! Finsternis!

Ich werde richtig aufgeregt. Ja, das ist es! Ich erzähle den anderen von meinem Verdacht und auch Dolon erinnert sich wieder an diese seltsamen Symbole. Das ist höchst verdächtig, diese Symbole, die verschwundene Rüstung und Gregor Vern in der Stadt, der diese legendäre Rüstung dem Tempus Tempel gespendet hat. Ich erzähle Dolon von unseren neuesten Erkenntnissen.

„Mak Thuun Ngatha hat das Sternenmeer als Portofolio? Die Rüstung von Augar Trojes war doch aus Sternenstahl und hatte einen Mondstein“, erinnert sich Dolon. Da hat er Recht, das ist höchst verdächtig.
„Ja, das kann alles kein Zufall sein. Aber warum sollte Gregor Vern die Rüstung erst spenden und dann zurückstehlen?“
„Vielleicht hat er es sich anders überlegt? Oder er braucht sie unbedingt wieder“, wirft Lia ein.
„Wäre durchaus möglich. Aber er hätte auch fragen können, ob er sie zurückbekommt.“ Dolon sieht sehr nachdenklich aus.
„Vielleicht wollte er kein Risiko eingehen. Wenn er gefragt hätte und nach einer Ablehnung wird die Rüstung gestohlen, wer wäre wohl der erste Verdächtige?“, werfe ich ein.
„Da ist was dran. Wir sollten diesen Vern mal näher unter die Lupe nehmen.“ Xana sieht höchst unternehmungslustig aus.

Aber zuerst schauen wir bei der Kathedrale der Triade vorbei. Die haben ja auch ein Archiv und wenn eine Bibliothek noch Näheres über so einen Kult haben könnte, dann die der Kathedrale. Wir sprechen vor und zeigen sogar dem Hohepriester, also seine Exzellenz, Erzbischof Ulmar Jarven, Stimme der Gerechtigkeit zu Chondathan, der einst Xanas Arm geheilt hat, unsere Zeichnungen. Er lässt diese kopieren und verspricht uns zu verständigen, wenn seine Bibliothekare was herausgefunden haben. Ich habe mir da etwas mehr erwartet. Nun gut, dann auf zu Gregor Vern. Wir beschließen, ihn einfach mit den Symbolen zu konfrontieren und seine Reaktion darauf abzuschätzen. Aber zuerst will ich mich etwas über Baron Relvar schlau machen.

In der Bibliothek finde ich sogar was über ihn. Uralter Adel mit einem Stammbaum, der sich mehrere Jahrtausende dokumentieren lässt. Verfügt über einigen Grundbesitz in der Stadt und Umgebung. Der Fischereihafen Bjersund gehört ihm auch. Also altes, sauberes Geld, lebt recht zurück gezogen. Sein Sohn hat letztes Jahr Klara derer von Blautann geheiratet, ebenfalls uralter Adel mit viel altem Geld. Also gleich zu gleich gesellt sich gern. Über Baron Relvar gibt es so gut wie keine Gerüchte, er hält sich weder Konkubinen, noch war er je in einen Skandal verwickelt. Ein absoluter Langweiler! Sein einziges Hobby scheint die Kunst zu sein. Er tritt gerne als Mäzen auf und mehr gibt es über ihn nicht zu berichten. Da ich mit dieser Recherche so fix fertig geworden bin, schaue ich gleich mal, was wir hier über Mak Thuun Ngatha haben. Nur wenig Neues, aber er wird von einer Wurmrasse mit dem Namen Psurlon verehrt. Diese haben einen wurmartigen Körper, aber Arme. Höchst seltsame Wesen.

Etwas schlauer kehre ich zu den anderen zurück und berichte über meine Erkenntnisse. Nun machen wir uns auf zu Gregor Vern. Das Anwesen des Barons liegt im Adelsviertel direkt an der Klippe, sprich dahinter ragt eine Felswand steil nach oben. Zwei Wächter stehen an der Tür und wir tragen unser Anliegen vor. Einer der Wachen geht kurz nachfragen und wir werden eingelassen. Der Baron, ein ruhiger ältlicher Mann mit weißem Bart, begrüßt uns und lässt dann Gregor Vern holen. Wir kommen gleich zum Thema. Dolon berichtet, dass die Rüstung gestohlen worden ist, die er gespendet hat. Gregor heuchelt geschickt Überraschung, weiß es aber offensichtlich schon. Dann zeige ich ihm die Zeichnungen mit den Symbolen. Ihm gefällt nicht, was er da sieht. Er gibt zu, dass die Stelen im Drunakwald ähnliche Symbole tragen, tut es aber wider besseren Wissens als Zufall ab. Mir ist nicht ganz klar, was seine Reaktionen zu bedeuten haben. Wir verabschieden uns wieder und gehen in den anliegenden Park und beraten kurz, was wir nun tun sollen.

5. Hammer 734 TZ Das Jahr des prächtigen Hirsches Chondathan

Ich zähle die möglichen Szenarien auf. Eine Möglichkeit wäre, Gregor Vern gehört zu dem Kult und ist einer der führenden Köpfe, aber nicht in alles eingeweiht. Oder er findet es gar nicht gut, dass wir schon so viel schon wissen. Zweite Möglichkeit, er gehört nicht wirklich zu dem Kult, aber seine Tochter Antalia, die ja von sich behauptet hat, einem höheren Wesen zu dienen, das wir nicht begreifen können. Mak Thuun Ngatha würde genau auf diese Beschreibung passen. Seine Tochter könnte durchaus inzwischen erwachsen sein. Zum letzten Mal haben wir sie vor drei Jahren gesehen und da war sie um die zwölf, mit fünfzehn gilt man hier in den Kolonien als volljährig. Vielleicht ist sie ausgebüchst und zieht nun hier einen Kult auf.

Da ich denke, dass Vern auf jedem Fall jemandem Bescheid geben wird, warten Lia und ich im Schatten eines Baumes im nahe gelegenen Park und beobachten das Anwesen. Nach etwa einer halben Stunde kommt ein Reiter vorbei, hält an, steigt ab und lehnt sich an die Mauer. Was in aller Welt tut der da? Um Magie zu entdecken, sind wir zu weit entfernt. Es scheint beinahe so, als ob er eine Botschaft im Geiste erhalten würde. Was anderes kann ich mir nicht vorstellen. Nach etwa zwei Minuten löst sich der Reiter mit dem schwarzen Bart von der Wand und reitet zurück. Nun gut, wir haben den Boten wohl gefunden. Ich mache mich unsichtbar und laufe hinter her. Es fällt mir schwer, Schritt zu halten und ich bin froh, dass er am Tor zum Viertel aufgehalten wird und ich an ihm vorbei laufen kann. Um ihn etwas näher in Augenschein zu nehmen, löse ich mit meinen fernen Fingern seinen Sattelgurt und er kracht hinter dem Tor zu Boden. Ich werfe einen Kupferpfennig in die Luft. „Einen Penny für deine Gedanken.“ Leider schlägt mein Zauber fehl. Nun gut, mit meiner kleinen Perle der Macht hohle ich den Zauber zurück in mein Gedächtnis und mache ihn ein weiteres mal. Wirre Gedanken von einem Dutzend scheinbar Wahnsinniger schlagen auf mich ein. Der Zauber endet, bevor ich ihn abbrechen kann. Was war das jetzt?

Meine wahnsinnigen Kopfschmerzen klingen ab und der Reiter hat seinen Sattel wieder fest gemacht. Da so langsam meine Unsichtbarkeit endet, wirke ich meine Sphäre der Unsichtbarkeit und laufe ihm wieder hinterher. Hier unten benutzt er die Hauptstraße und hängt mich schließlich einfach ab. Puh! Ich merke mir die Stelle, wo ich ihn verloren habe und eile zurück zu Lia. Sie hat inzwischen die Wand untersucht und da ist nichts zu sehen. Ich erzähle ihr, was vorgefallen ist, und gemeinsam flitzen wir zurück. Lia macht sich äußerst nützlich, indem sie die Spur aufnimmt und sie zu einem Mietstall verfolgt, der direkt an der Stadtmauer in der Lumpstadt im Nordviertel liegt, der finstersten Gegend innerhalb der Stadtmauer. Die Waldläuferin hält die Stellung, während ich wieder loslaufe, die anderen zu holen.

Schließlich sind wir alle versammelt und ich hole mein Glasauge heraus, um mal von hier aus in den Stall rein zu sehen. Ich bekomme nur ganz kurz ein Bild, dann winden sich Würmer hinein und das Bild zerspringt in Schwärze. Vage konnte ich drei bis vier Gestalten erkennen, die um einen Tisch sitzen. So was ist mir noch nie passiert. Während wir noch grübeln, was das alles zu bedeuten hat, kommen zwei abgerissene Gestalten zu dem Stall, klopfen und werden eingelassen. Kurz darauf gehen vier weg. Lia verfolgt sie, während wir restlichen zu dem Stall gehen. „Mindestens einen brauchen wir lebend. Mir wäre es am liebsten, wenn es so wenig Tote wie möglich gibt.“ Ich hake meinen Totschläger los und schlage damit auf die Handfläche meiner linken Hand, während ich weiter auf das Tor zugehe. Auf einmal bin ich der Meinung, dass es gar keine gute Idee ist, hier zu sein. Panisch drehe ich mich um und Dolon hält mich fest. Beruhigend redet er auf mich ein. Meine Panik verschwindet und mit gestähltem Willen drehe ich mich wieder um.

Dolon tritt die Tür auf und wir dringen in den Raum ein. Es sitzen drei heruntergekommene Männer um einen Tisch, wo sie gerade Karten gespielt haben. Auf dem Boden ist eines dieser Zeichen mit schwarzer Farbe gemalt, wahrscheinlich hat das meinen Zauber unterbunden und mich in Panik versetzt. Die drei ziehen komische Dolche aus ihren Gewändern, die aussehen, als wären sie aus einem Knochen geschnitzt. „Verschwindet oder wir werden euch abstechen!“

„Wir sind die Wagemutigen. Beantwortet ehrlich ein paar Fragen und wir werden euch leben lassen!“
„Ihr hattet eure Chance! Angriff!“ Die drei Mistkerle sind verdammt schnell. Einer sticht auf Dolon ein, während der zweite an mir vorbei huscht, um Xana zu bedrängen. Diese schreit erbost auf und gleich drei Strahlen schießen aus ihren gespreizten Fingern. „BRENNE!“, brüllt sie wütend und der Mann verwandelt sich in einen Aschenhaufen.

5. Hammer 734 TZ Das Jahr des prächtigen Hirsches Chondathan

Wir haben zuerst einige Mühe, die Kerle unter Kontrolle zu bringen. Xana wirft als nächstes ein Spinnennetz in den Raum, in dem sich einer der überlebenden Zwei verfängt. Den anderen haue ich mühsam mit meinem Totschläger ins Reich der Bewusstlosigkeit. Der letzte ergibt sich schließlich zwangsläufig. Xana setzt sich schnaufend in einen der Stühle und hält ihren Bauch. „Keine Angst, mein Kleiner, Mama weiß sich zu wehren. So ein Mistkerl, eine Schwangere schlagen zu wollen. Die Verbrecher dieser Stadt werden auch immer dreister“, seufzt Xana in Richtung des Aschehäufchens.

„Nun, beantworte uns ein paar Fragen oder du wirst uns kennen lernen!“, knurrt Dolon gefährlich.
Der Kerl ist ziemlich verstockt und gibt ein paar freche Antworten.
„Hör mal zu, es gibt zwei Möglichkeiten, du beantwortest wahrheitsgemäß unsere Fragen und darfst dann gehen. Oder ich probiere aus, wie viele Stiche du mit diesem Knochendolch überlebst und frage dann deine Leiche aus. Wähle dein Schicksal!“ Drohend halte ich seinen eigenen Knochendolch vor das Gesicht. Der Kerl wird bleich.
„Schwört, dass Ihr mich gehen lassen werdet.“ Mit großen Augen starrt er auf die Dolchspitze.
„Ich schwöre bei meiner Schutzgöttin Tymora, dass dir von uns kein Leid widerfahren wird und wir dich und den anderen gehen lassen werden, wenn du unsere Fragen wahrheitsgemäß beantwortest.“

Endlich ist mit ihm vernünftig zu reden. Es handelt sich um einen kleinen Schläger, der nur wenig weiß. Immerhin kriegen wir heraus, dass er zu dem Trupp gehört hat, welcher den Barden Thorwan den Blinden getötet hat. Dabei hat es eine Zeugin gegeben, eine Bettlerin mit dem Namen die Fette Mara. Ich kenne diese Frau, eine der bekanntesten Bettlerinnen der Stadt, die sich an ihre Opfer regelrecht anklebt und kaum mehr los zu werden ist, wenn man sie nicht mit genügend Stahlpfennigen besticht. Der Bärtige ist in den Keller des Stalls gegangen, über seine Funktion bei dem Ganzen kann er nichts sagen. Von demjenigen, der den Barden getötet hat, weiß er nur sein Aussehen und dass er eine Schürze getragen hat. Nicht besonders viel, diese Beschreibung trifft auf etwa ein Viertel der arbeitenden männlichen Bewohner in Chondathan zu. Über weitere Hintermänner weiß er nichts. Ich glaube ihm und schicke ihn ins Reich der Träume. Das gibt ne dicke Beule, die er sich redlich verdient hat.

Wir durchsuchen den Mietstall. Es stehen hier nur zwei Pferde, eines gehört dem Bärtigen. Den finden wir im Keller, wie tot, aber unverletzt. Ich fessel ihn vorsichtshalber. Dolon entdeckt in einer Kiste einen toten Mann und eine Frau mit deutlichen Einstichen. Der Kleidung nach die Besitzer dieses Stalls. Was wirklich Interessantes lässt sich hier nicht finden. Oben kommt Lia angehechelt. Die anderen vier versuchen gerade die Fette Mara zu finden, um sie zu beseitigen.

Wir schnappen die beiden Schurken und schleppen sie zur nächsten Seitengasse. Am liebsten würde ich sie ja der Schildwacht ausliefern, aber ich habe einen Schwur auf meine Schutzgöttin geleistet, auch wenn Xana meint, sie hätte ja nichts versprochen und könnte die ja verpfeifen. Aber da bleibe ich eisern. Versprochen ist Versprochen, und einen Schwur muss man halten, auch wertlosem Abschaum gegenüber. Wir eilen ins Hafenviertel. Xana, die bald schnaufend zurück fällt, meint, dass sie lieber den Schildwächtern die Toten im Mietstall meldet. Wahrscheinlich eine gute Idee. Mit der Geldbörse der Schurken bestechen wir ein paar Bettler, die uns in eine der herunter gekommenen Ecken des Hafens schicken. Schließlich finden wir einen der anderen Schurken, der gerade mit einem Messer einen Bettler befragt. Ich schleiche mich an ihn an und zwei heftige Schläge auf den Kopf später ist er bewusstlos. Ich nehme seine Börse an mich und wir hasten weiter.

Wir finden einen weiteren der Mistkerle und ich versuche das gleiche noch mal abzuziehen, aber der hört mich und auf einmal stehen wir drei von ihnen gegenüber. Einer davon hat eine Armbrust, aber sein Bolzen zischt knapp an Dolons Kopf vorbei. Lia versucht, die Banditen mit ihrem Bogen einzuschüchtern, indem sie haarscharf ihre Pfeile an ihnen vorbei schießt. Ich habe alle Hände voll zu tun, mich zu wehren. Dolon hat bald die Faxen satt und spaltet dem ersten Schurken den Kopf und schnappt sich dann den Anführer, der bald einsieht, gegen Dolon keine Chance zu haben. Auch wenn er schnell rennen kann. Dolons Göttliche Rache macht ihm den Garaus. Währenddessen spielt Lia immer noch das Spiel, Pfeile exakt vorbei fliegen zu lassen.

Schließlich gelingt es mir, den Mistkerl vor mir auch noch nieder zu kämpfen, nachdem er mich mit mehreren Stichen verletzt hat. Puh! Das wäre erledigt. Auch ihn entledige ich seiner Börse. Lia überprüft derweil ihren Bogen. So schlecht wie heute habe ich sie noch nie schießen gesehen. Es gehört schon einiges dazu, aus anderthalb Schritt Entfernung neun Pfeile daneben zu schießen.

[Bei neun Würfen mit dem W20 kam keiner über eine drei hinaus, wo eine Vier meist schon gereicht hätte. Über die Hälfte waren Einser. Einige Proben vorher hatte der Spieler von Lia beim Spuren verfolgen drei Zwanziger in Folge geworfen. Aber dann ging gar nichts mehr.]

„Der Anführer ist leider tot“, meldet Dolon lapidar.
„Kannst du mit seiner Leiche sprechen?“
„Hm, das schon, aber er wird nicht antworten. Soll heißen, ich habe um den entsprechenden Zauber bei Tempus heute nicht nachgefragt.“ Das ist natürlich nicht so gut. Wäre vielleicht interessant gewesen, was der noch zu sagen hat. Hoffentlich hat die Fette Mara auch wirklich genug gesehen, um uns weiter zu helfen. Wir melden den Standort der betäubten Handlanger dem nächsten Schildwächter und suchen weiter.

5. Hammer 734 TZ Das Jahr des prächtigen Hirsches Chondathan

Wir verteilen weiter eifrig Gold und dadurch, dass genug Leute mitbekommen haben, dass wir die vier Mistkerle ausgeschaltet haben, bekommen wir bald den richtigen Tipp. Die Fette Mara hat sich mit einer Truppe von zwanzig Bettlern umgeben, die keinen besonders mutigen Eindruck machen. Die Frau ist unglaublich fett, ein Wunder, dass sie sich überhaupt noch bewegen kann. Sie erzählt uns, dass sie gerne hinter dem Silberfisch schläft, da es da ne ruhige, windstille Ecke gibt. Als sie gerade eingeschlafen war, wurde sie davon geweckt, dass eine Gruppe Männer den armen Barden Thorwin den Blinden in die Gasse geschleift hat. Ein Mann mit Schnitzmesser und Schürze hat dann den Barden getötet und ausgeweidet. Dummerweise war sie dann entdeckt worden, konnte aber schnell genug laufen und ist untergetaucht. Hm, der Mann mit der Schürze, davon hat der andere Kerl schon erzählt. Aber sie weiß noch etwas mehr. Sie hat den Drecksack nämlich erkannt. Es handelt sich dabei um Valek, den Kunstschnitzer vom Hafen. Er lebt davon, dass er kleine geschnitzte Schiffe und Souvenirs an Seeleute verkauft.  Sie beschreibt uns, wo er wohnt. Ist direkt an der Hafenmauer. Irgendwie scheint es dieser Kult mit Mauern zu haben.

Ich werfe der Frau den Beutel mit Gold zu und wir machen uns auf den Weg. Unterwegs watschelt uns Xana entgegen und wir setzen sie ins Bild. Gemeinsam laufen wir zur Hafenmauer und stehen schließlich vor Valeks Haus. Ein Schild über dem Eingang teilt mit, dass hier Schnitzereien zu kaufen sind. Ein kleiner Bettlerjunge kommt schüchtern auf uns zu und meint, dass dieses Haus sehr böse sei. Viele Leute gehen hinein, nur sehr wenige kommen wieder hinaus. Ich gebe ihm den Rest der Börse eines der Schurken und er freut sich darüber, warnt uns aber ein weiteres Mal sehr eindringlich. Aber wir sind die Wagemutigen und können mehr, als nur Oger verkloppen.

Dolon macht die Tür mit einem Tritt auf, nachdem ich mich überzeugt habe, dass an der Türe keine Fallen sind. Wir dringen in den einzigen Raum im Erdgeschoss ein. Eine Treppe führt in den zweiten Stock. Hier ist eine Werkstatt untergebracht. Als Material scheinen Knochen zu dienen. Der Schnitzer hat gerade einen menschlichen Oberschenkelknochen in der Hand, den er zu einem dieser Knochendolche schnitzt. Er ist weder überrascht uns zu sehen, noch besonders ängstlich. Er steht von seinem Tisch auf und von oben herab schweben zwei mit Tentakeln bewehrte Monster. Sie scheinen halb durchsichtig zu sein und flimmern in der Luft. Verdammnis!

„Beeilt euch!“, ruft Xana und wir werden hibbelig. „Möge der Feindhammer diesem Kampf beiwohnen!“ Die Dinger haben große Augen, die einen komisch ansehen. Xana erstarrt und ich kann mich gerade so ihrer Kraft erwähren. Dann schlagen unzählige Tentakel auf mich ein und schlagen mich grün und blau. Dolon wird ähnlich schwer getroffen. Lia wirft eine Kugel aus Feuer auf eines der Wesen, aber sie wirft durch und die Kugel zerplatzt an der nächsten Wand. Panisch gehe ich meine Zauber durch und mir bleibt nichts anderes übrig, als „Feuerball!“ zu rufen. Ich werfe ihn genau zwischen den Schnitzer und eines der Wesen. Es gibt einen ordentlichen Rumms und beide kriegen gepflegt was ab. Leider fängt alles, was aus Holz ist, und das ist hier nicht gerade wenig, auch an zu brennen. Finsternis!

Wir positionieren uns so, dass Xana vollständig geschützt ist. Lia gelingt es mit zwei brennenden Strahlen, das von mir angeschlagene Tentakelmonster weiter zu verletzen. Dolon wirkt einen Zauber, der das schon verletzte Tentakelvieh endgültig aus dieser Ebene tilgt. Der Schnitzer bekommt die Auswirkungen des Zaubers ebenfalls zu spüren und zieht sich verletzt in das höhere Stockwerk zurück. Der nächste Blickangriff lähmt mich und so stehe ich auch nur noch herum. Dolon und Lia kämpfen das letzte Monster mit vereinten Kräften noch nieder, stecken dafür aber viele weitere Wunden ein. Endlich kann ich mich wieder bewegen. Das Haus brennt inzwischen lichterloh. Lia und ich tragen Xana nach draußen, während Dolon, der sich schnell heilt, die Verfolgung aufnimmt. Die Flammen fressen sich rasend schnell durch das Gebäude.

Schließlich kommt Dolon mit verrußtem Gesicht wieder heraus. „Ich habe dem Mistkerl den Kopf abgeschlagen. Er war ziemlich fatalistisch und hat gemeint, sein Tod würde keinen Unterschied machen, da er seine Rolle schon gespielt hat. Aber ich habe seine Kiste mitgenommen.“ Aber zuerst löschen wir das Feuer. Xana bringt den Brandherd unter Kontrolle, in dem sie zwei Sphären aus Eis in das Gebäude wirft, was dieses endgültig zum Einsturz bringt. Die letzten Flammenherde löscht Dolon mit beschworenem Wasser und die Sache ist erledigt. Ich untersuche die Truhe nach Fallen, kann aber nichts entdecken. Vorsichtig öffne ich die Truhe mit Magie und ein Zauber greift nach mir. Aber ich kann die Wirkung abschütteln. Außer Wäsche enthält die Truhe drei Gläser mit inneren Organen und einen komischen Ständer aus Knochen, der fremdartige Magie ausstrahlt.

Schließlich taucht auch eine Patrouille der Schildwacht auf und wir berichten was passiert ist. Dolon hält noch eine kleine Predigt, wo er von Schuld und Sühne spricht, davon, mehr zu den Göttern zu beten und von der Schuld zu beichten. Schätze mal, dass es Dolon immer noch zu schaffen macht, was ihm im Abgrund mit dem Sukkubus und dem Symbionten widerfahren ist. Da mein Herz und Seele rein ist, habe ich nichts zu beichten. Ich lebe mit Tymora im Gleichklang und schäme mich nicht für meine Taten. Danach ziehen wir unserer Wege. Es war ein langer Tag und die Sonne ist gerade untergegangen. So wie es aussieht, war das gerade der Anfang zu einem neuen, großen Abenteuer. Möge die Dame uns lächeln und der Feindhammer uns die notwendige Stärke geben, dies zu bewältigen.

Gespielt am  03.01.2009
Spielleiter: Stefan
SC: Kaira 10 (Schurke 4/ Seher 1/ Unseen Seer 4/ Arkaner Trickser 1),
Xana 10 (Hexenmeisterin 5, Wilde Magierin 5),
Lia 10 (Waldläufer 4/ Kriegsmagier 5/Arkaner Bogenschütze 1),
Dolon 9 (Kleriker 8/Kriegspriester 1)
Erfahrungspunkte: für Stufe 9 1800, für Stufe 10 1430 150 Kaira, 50 Xana,  50 Lia, 150 Dolon
Überwundene Gegner
6 Schurken
2 Tentakelmonster aus dem Weltraum
1 Kultist
Beute
1 magisches Dingsbums
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