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Gedanken eines Dilettanten

von Beyond
GeschichteFantasy / P12 / Gen
08.01.2012
08.01.2012
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1.804
 
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? Hesinde 1007 BF

Ich schwebe über dem Wasser. Ein großes thorwalsches Schiff liegt vor mir in den schwankenden Wellen. An Deck sehe ich einen Mann, sein Gesicht kann ich nicht erkennen. Doch die Fuchsfamilie deutet unfälschlich auf mich und nickt dann zu ihm. Der Schrei eines Vogels lässt mich aufblicken. Über uns kreist ein riesiger Seeadler, der anmutig auf dem Mast landet. Aber im nächsten Augenaufschlag ist er verschwunden. Zurück bleibt nur eine Schnitzerei auf dem Schiff.

Der Traum ließ mich aus dem Schlaf erwachen noch bevor die Sonne aufgegangen war. Aber anscheinend war ich nicht der einzige, der vor der Zeit aufgewacht war. Auch Sam und Seti lagen wach.  Nach ihren Berichten hatten sie genau den selbem Traum gehabt, mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass sie ein Zeichen ihres Gottes erhalten hatten. Aber was wollten die Götter uns damit nur sagen? Was wollte Phex mir damit bedeuten? Letztlich kamen wir zu dem Schluss, dass wir dieses Schiff finden mussten. Doch in Olport hatten wir ein solches nicht entdeckt. Deswegen beschlossen wir zurück zum Hof zu gehen, an dem wir die Schlacht gegen die Ghule geschlagen hatten. Wir wollten gerade nach dem nächsten Hafen fragen, als wir erfuhren, dass ein Brief für uns gekommen war. Mein erster Gedanke war wieder einmal: Hesione. Aber dem war nicht so.
Auf dem Papier war das offizielle Siegel von Thorwal. In dem Schreiben wurden Sam, Seti, Safiriel und ich zum Fest der Wintersonnenwende in Thorwal von der Hetfrau Garhelt eingeladen.
Wir machten uns auf den Weg in den Norden.


30. Hesinde 1007 BF

Unsere Gruppe ist in Thorwal angekommen. Es herrscht Hochbetrieb, die Gassen sind gefüllt, die Schiffe bereits in den Schuppen verriegelt. Unser Plan das Schiff so zu finden war also eine Fehlanzeige. Wir beschlossen also wie eingeladen in die große Hallah zu gehen, in der sich bereits unzählige Thorwaler und Fremde eingefunden hatten.
Ein besonders hünenhafter Mann zog unsere Aufmerksamkeit auf sich. Er war gerade dabei mit ein paar Kindern Armdrücken zumachen, doch auch in ihrer Überzahl waren sie ihm unterlegen. Auch mit Safiriels Hilfe änderte sich nichts daran. Nicht unbedingt ein Wunder bei der Statur. Nach einem gnädigen Sieg der Kinder gegen Raluf, den er natürlich zugelassen hatte, suchte er sich einen weiteren Herausforderer. Sam stimmte zu, doch wie alle anderen zuvor verlor auch sie gegen den Hünen, der Hände so groß wie Teller hatte. Safiriels Versuch war eher ein Witzspiel. Dann war ich an der Reihe und ich denke ich hab mich nicht schlecht geschlagen, so zumindest Raluf nach meiner Niederlage. Seti machte sich zum erneuten Male lächerlich. Aber es war schon amüsant ihm dabei zuzusehen.
Schließlich forderte der Thorwaler uns vier zum Armdrücken heraus. Und mit wirklicher Müh gelang es uns. Obwohl wir zu viert angetreten waren bekamen wir reichlich Applaus.
Ein paar Krüge Bier später war es dann auch so weit, dass die Leute nach vorne traten und von ihren Abenteuern erzählten. So schließlich auch wir.
Mir war schon ein wenig mulmig mit meinen Gefährten vor den ganzen Leuten zu sprechen, doch unsere Geschichte kam gut an und großer Applaus und der Dank Thorwals für unser beherztes Eingreifen in dem Dorf war uns gewiss. Selten habe ich mich so verlegen gefühlt.
Aber es war auch ein unglaubliches Gefühl von den anderen wertgeschätzt zu werden, anders als früher in Gareth. Irgendwann kam es dann zu einer Geschichte von Beorn dem Blender. Als Asleif Phileasson sich dann auch noch darüber verlachte und ihn als Lügner darstellte war der Ärger gewiss.
Um den Streit zu schlichten veranlasste die Hetfrau, dass beide Thorwaler gegen einander um den Titel ‚König der Meere’ antreten sollten, in dem sie eine Mannschaft zusammenstellten und mit ihnen um das bekannte Aventurien und darüber hinaus segeln sollten.
Uns war klar, dass wir am nächsten Morgen zum Hafen würden gehen müssen, denn das Schiff Phileassons schien das zu sein, das wir suchten. Die Seeadler.


1. Firun 1007 BF

Gleich nach dem Erwachen machten Sam, Seti und ich uns auf den Weg zum Hafen. Safiriel hatte die Nacht wieder einmal wo anders verbracht. Zu meinem Ärger auf dem Phextempel. Zumindest trafen wir uns dann am Hafen wo schon fast zu ging wie auf einem tulamydischen Basar. Unzählige hatten sich eingefunden um zu versuchen in eine der beiden Mannschaften aufgenommen zu werden. Und ehrlich… die meisten wirkten eindeutig geeigneter als ich.
Safiriel versuchte als erste ihr Glück und mit einem präzise geschossenen Pfeil katapultierte sie sich auch gleich in die Mannschaft. Na ja… ihr äußeres Erscheinungsbild hatte sicherlich einen kleinen Bonus gegeben, das kann ich nicht leugnen, aber die würden sich schon noch umgucken, wenn sie anfing rum zu zicken. Dann war jedenfalls Sam an der Reihe. Durch einen Kampf gegen Raluf schaffte auch sie es in die Mannschaft. Zu Recht würde ich sagen. Schließlich hatte sie wirklich was auf dem Kasten. Selbst Seti konnte Phileasson mit seinen Speerkünsten überzeugen.
Als nächstes folgte ein Kampf von Seti und Sam gegen einen Moha, der sich mehr als wacker schlug.
Na ja… dann war es an mir. Ich kann sagen ich hatte vielleicht Bammel. Was konnte ICH schon, was auf einem Schiff von Nöten war. Nun gut… vielleicht konnte ich das Deckschrubben, aber normalerweise hätte ich mich nicht darum gerissen auf ein Schiff zu kommen. Schließlich machte ich Gebrauch von meinen Phexgaben um ebenfalls aufgenommen zu werden.
Damit hatten wir es alle geschafft…vorerst… den ab dem morgigen Tag sollte das Training beginnen.


2. Firun 1007 BF

Heute sollte das Training beginnen.
Wirklich der beste Gedanke beim aufwachen schon zu wissen, dass man gleich an Bord musste. Wie eigentlich erwartet machte ich mich nur zu einer Lachnummer.
Nicht nur, dass ich beim Rudern eher wirkte als wolle ich nur ein wenig die Arme kreisen lassen, nein, auch beim Schwimmen zeigte ich mein ‚Talent’.
Aber immerhin hatte es mir nie jemand beigebracht, denn in Gareth brauchte man es nicht um in den Straßen zu überleben. Phileasson erbarmte sich schließlich und ein wenig im Schwimmen und Boote fahren zu unterweisen.


4. Firun 1007 BF

Nun war es soweit. Die große Fahrt würde heute beginnen. In den letzten Tagen hatten wir alles besorgt, was von Nöten war. Und ich hoffte inständig, dass wir wirklich alles bedacht hatten. Denn mir war so schon unwohl bei der ganzen Sache.
Immerhin hatte ich mir, nachdem ich mit ein kleines extra ‚Taschengeld‘ verschafft hatte, eine Garnitur Elfenbausch erschwinglich gemacht, in der ich wohl nicht vollkommen erfrieren würde. Der Stoff war wirklich schön warm und edel. Die anderen rüsteten sich mit der gleichen Art Kleidung aus, nur Safiriel nicht. Ihr Verhalten blieb mir weiterhin ein Rätsel. Aber welcher Mensch war schon in der Lage die Gedanken eines Elfen in der Gänze nachzuvollziehen. Zumindest legte Seti sich noch einen etwas stabiler aussehenden Speer zu. Anscheinend machte auch er sich Sorgen was uns wohl noch erwarten würde.

Unser Aufbruch glich dann mehr einer riesigen Showeinlage.
Man konnte es beinahe mit dem Balzverhalten von Tieren vergleichen. Es kam nur darauf mehr Eindruck zu schinden. Größer, prächtiger, stärker.
Alles was zählte war eine gute Vorstellung abzuliefern.
Und ich will uns ja nicht selbst loben, aber wir machten eindeutig die bessere Figur.
Und zu unserer Freude gingen wir gleich zu Beginn in Führung.  


7. Firun 1007 BF

Die ersten Tage auf dem Schiff verliefen recht ruhig. Nicht das ich mich auf dem Bauwerk aus Holz hier umgeben von …sagen wir nur Wasser… sonderlich wohl fühlte. Viel zu klar hatte ich noch die Geschichten von den Seemonstern in Erinnerung, die mir ein ziemlich nach Alkohol riechender Bettler in Gareth immer erzählt hatte, als ich noch ein kleiner Junge gewesen war. Das Gefühl verbesserte sich auch nicht, als ich auf die schaumigen Wellen hinaus blickte. Ehrlich gesagt hatte ich sogar ziemliches Muffensausen. Aber der Anblick, der sich uns am heutigen Abend bot, machte dies alles - zumindest für diesen Tag- wieder wett. Wunderschöne und sanfte Farben flackerten über Phexens Hort, tauchten ihn in ein Licht, das ich noch nie zuvor erblickt hatte. Noch nie zuvor hatte mich ein Schauspiel am Himmel mehr fasziniert. Wie schön es doch sein müsste eines Tages zu diesem Anblick dazu zu zählen. Ich hoffe wirklich, dass Phex mich nach meinem Tod ein Teil davon werden lässt, so dass ich den anderen, vielleicht auch meinen Freunden, ein Licht in tiefster Nacht sein kann, so wie diese Sterne nun uns den Weg wiesen…


9. Firun 1007 BF

Heute ist bereits der 6 Tag unserer Reise. Die Luft ist immer kälter geworden und immer noch ist um uns herum nur der verfluchte Ozean. Unser Tag läuft fast immer gleich ab. Wir rudern, essen und schlafen. Doch heute fing der Tag anstrengender an, als all die anderen. Nicht, dass ich nicht ohne hin schon genug Muskelkater in den Armen hatte, nun mussten wir auch noch auf die Eisschollen um uns herum achten und sie mit langen Stecken zerstören, damit sie nicht unser Schiff demolierten. Immer hin wollten wir nicht riskieren noch vor unserer ersten Aufgabe auf den Grund des Meeres zu sinken… eigentlich könnte ich auch danach getrost darauf verzichten.
Auf jeden Fall gelang es uns die Eisschollen soweit zu brechen, dass wir unbeschadet hindurch gleiten konnten, ohne dass das Schiff groß an Fahrt verlor.
Doch das Schlimmste folgte noch.
Glücklicherweise hatte Safiriel früh genug erkannt, dass wir in einen schweren Sturm gerieten, trotzdem kostete uns das Unwetter unser Segel. Aber eigentlich waren wir mehr auf damit beschäftigt den Rest des Schiffes und der Mannschaft zu halten. Der Seegang war mörderisch. So hohe Wellen hatte ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen und mein Herz rutschte mir beinahe in die Hose. Es ging alles drunter und drüber. Wir versuchten etwas zu sichern, als eine wirklich gigantische Welle auf uns zu raste und über uns hereinbrach. Ich erinnere mich noch daran dass ich von den Füßen gerissen wurde, das kalte Wasser durchtränkte meine Kleider und drang in meine Atemwege ein. Dann wurde nach einem kurzen Kampf, in dem ich nicht mehr wusste wo Oben und wo Unten ist, alles Schwarz um mich herum. An mehr erinnere ich mich von diesem Tag nicht mehr. Doch die Tatsache, dass ich noch immer unter den Lebenden weile, sagt mir, dass irgendwer mich vor dem Ertrinken gerettet haben muss.


10. Firun 1007 BF

Wir  haben einen Hafen angelaufen, um unser Schiff wieder auf Vordermann zu bringen. Der Sturm hatte mehr Schaden angerichtet, als wir zuerst gedacht hatten. Ganze 5 Tage würde die Reparatur dauern. Und das hieß wir verloren 5 Tage an Beorn. Unser Vorsprung war damit hin. Ziemlich dumm gelaufen…



11. Firun 1007 BF

Unser zweiter Tag unfreiwilliger Landgang.
Wir versuchten die Zeit so gut wie möglich herum zu kriegen, ohne dass wir zu sehr daran dachten, dass Beorn wohl gerade in diesem Moment die Führung übernahm. Am Abend ertranken wir unseren Unmut dann im Alkohol.
Wohl ein Fehler…
 
 
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