Can't be tamed

GeschichteDrama, Romanze / P18
Hotaru Imai Mikan Sakura Natsume Hyuuga Ruka Nogi Sumiro Shouda
08.01.2012
15.01.2020
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„Mikan, du siehst faul aus. Lass mich ein bisschen Einsatz sehen!“ schrie Trainerin Alisa mir vom Rand der Eisbahn aus zu. Es war Donnerstagnachmittag und ich war mit einigen anderen Eiskunstläuferinnen, die sich wie ich qualifiziert hatten auf der Eisbahn in Paris. Ich hörte meiner Trainerin beim schreien zu und wie ich beobachten konnte, ging es meinen Mitstreiterinnen nicht besser.
Die Eisbahn hatte olympische Masse, es erstreckten sich riesige Deckenfenster über die gesamte Länge der Eisbahn, doch die Weltmeisterschaft würde leider nicht hier stattfinden.
Nachdem ich die Vorrunde mit Erfolg bewältigt hatte, würde es weitere zwei Jahre dauern, bis die Weltmeisterschaft auch wirklich stattfinden würde. Im Nachhinein verstand ich nicht, wieso Nik mir deswegen so einen Druck gemacht hatte und trotzdem musste ich ihm rechtgeben. Ob ich es je ohne ihn wohl geschafft hätte? Ich wusste es nicht und es war auch egal. Ich war offiziell dabei.
Als ich von meinem Fall durch den Sprung gerade eben, wieder stöhnend aufstand, zog ich meinen Pferdeschwanz enger.
Also mehr Einsatz. Heute musste ich mich wirklich konzentrieren. Ich wusste nicht was heute mit mir los war. Ich war irgendwie so unkonzentriert und machte ständig Fehler. So das ich immer wieder auf den Boden landete, wie vorhin eben.
Innerlich konnte ich mir den Grund denken, doch ich musste weiter trainieren, egal wie durcheinander ich sein mochte.
Alisa pfiff auf einmal leise durch die Zähne und ich sah es als ein Zeichen, dass ich zu ihr gehen sollte.
„Wir machen Schluss“, sagte sie seufzend. Ich hob überrascht meine Augenbrauen in die Höhe.
„Jetzt schon?“
„Ja, jetzt schon. Das wird heute nichts mehr, “ sagte sie und sie sah mich mit diesem –ich-weiss-das-etwas-im-Busch-ist– Blick an.
Ich sah ihr schuldbewusst in die Augen und senkte den Blick.
„ Es bringt niemandem etwas, wenn du dir heute etwas brichst und Wochen ausser Gefecht bist. Ich schlage vor mach Feierabend und wir sehen uns Morgen wieder. Wenn du morgen immer noch Probleme hast, können wir darüber reden. Okay?“
Ich blies erleichtert ein wenig die Luft aus. „Danke.“
Ich war froh, dass sie mich nicht gleich ausfragte und sie auch Verständnis für mich hatte.

„Wie lief es gestern Abend?“ fragte ich, als Nik in die Einfahrt des Hotels steuerte und ich über mein immer noch nasses Haar glatt strich.
Er zuckte mit den Schultern. „Es war in Ordnung.“
Gestern Abend hatten Elina und Nik, das versprochene Date gehabt und ich glaubte ihm nicht, dass es bloss in Ordnung gewesen war. Zumindest hatte Elina gestrahlt, als sie um zwei Uhr Nachts wieder im Hotelzimmer erschienen war. Ich war noch wach gewesen, weil ich über zu viele Dinge überlegt hatte – unteranderem wie das Date wohl enden würde.
Ich hatte mich nicht gezeigt und doch konnte ich in dem kleinen Moment sehr gut sehen, wie glücklich sie gerade war. Ich war froh, denn seit ich mit Natsume zusammen gekommen war, schien sie mir ziemlich bedrückt. Ich fühlte mich schuldig ihr gegenüber und hoffte die ganze Zeit, dass sie sich in Nik verlieben würde. Vielleicht, dachte ich.
„Was habt ihr denn so gemacht?“ fragte ich weiter neugierig.
Er sah überrascht aus. „Hat sie es dir noch nicht erzählt?“
„Nein“, antwortete ich schlicht. „Wir haben uns heute noch nicht gesehen.“
Er nickte und auf einmal lächelte er. „Weisst du was, lass es dir von Elina erzählen. Ich wette, das wird sie echt gerne tun.“
Ich seufzte. „Na gut. Aber sag schon war es gut oder eher schlecht?“
„Es war perfekt“, sagte er und ich bemerkte, dass damit die Konversation beendet war. Ich verabschiedete mich noch von ihm, bevor ich die Tür zuknallte.

Als ich ins Hotelzimmer eintrat, hörte ich wie Natsume leise mit jemandem eindringlich sprach. Als ich um die Ecke ging, konnte ich ihn nahe am Fenster entdecken, dass Handy in der Hand, dass er an sein rechtes Ohr drückte.
Er begrüsste mich nur kurz mit einem Nicken und ich nahm an das Gespräch war sehr wichtig.
Ich stellte mich unter die Duschbrause und liess warmes Wasser auf mich regnen. Ich schloss die Augen und entspannte mich immer mehr. Ich blieb länger, als ich sollte und trocknete mich dann mit einem Badetuch ab. Dann schlüpfte ich in meinen Bademantel und rubbelte noch ein wenig mein langes Haar trocken. Als ich das Schlafzimmer betrat, hörte ich Natsume immer noch mit jemandem sprechen. Es klang geschäftlich.
Ich zog mir mein schwarzen Bikini an. Darüber schwarze kurze Hosen und einen dünnen, grünen Pullover darüber. Gerade als ich wieder ins Badezimmer verschwinden wollte, um mir die Haare zu föhnen, konnte ich hören, wie er das Gespräch beendete. Neugierig ging ich in den Wohnraum.
„Alles in Ordnung“, fragte ich schüchtern und lächelte ihn an.
Er seufzte gequält und machte ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter. Ich näherte mich ihm nun, so dass ich sogar seinen Atem auf meinem spürte.
Auf einmal schlang er seine Arme um mich und drückte mich eng an ihn. Ich schloss meine Augen und genoss die Berührung. Ich fragte mich, was es mit diesem Anruf auf sich hatte. Was war passiert?
„Was ist los, Natsume?“
Er wollte mir zuerst nicht antworten. Erst als ich nochmal fragte, rückte er mit der Sprache heraus.
„Schwierigkeiten in der Firma“, seufzte er schlecht gelaunt. „Ich fürchte, ich  muss das persönlich regeln. Es tut mir so leid, Mikan… am liebsten möchte ich bei dir bleiben.“
„Kann ich helfen?“ Ich sah ihm besorgt in die Augen.
„Nein. Keine Sorge ich mach das schon. Bleib du hier und bereite dich auf die Weltmeisterschaft vor.“
„Na gut.“

Ich verabschiedete mich gerade von Elina. Auch sie hatte Arbeit die sie nicht völlig ignorieren durfte. Sie musste leider wieder zurück nach Amerika und natürlich verstand ich das. Es geschah nur einen Tag später nachdem bereits Natsume zurück nach Japan musste wegen Geschäftsgelegenheiten. Das stimmte mich ein wenig traurig. Ich fühlte mich ein wenig alleine, denn ich musste noch ein wenig länger hier in Paris bleiben, bevor ich nach Amerika oder Japan reisen konnte um dort zu trainieren.
Als ich ihr und Nik, der sie natürlich bis zum Flughafen begleitete, noch einmal zuwinkte, kam mir im Nachhinein auf einmal ein Gedanke.
Was sollte ich tun, wenn ich nicht länger an diese Stadt gebunden war? Ich wusste ich würde zuerst nach Japan zurückkehren, da Natsume schon sehr bald Geburtstag hatte. Ich hoffte, dass ich ihn nicht verpassen würde.
Das danach machte mir Sorgen. Ich hatte in Amerika ein neues Zuhause gefunden. War es etwas definitiv Ernstes mit mir und Natsume. Konnte ich guten Gewissens wieder in mein Heimatland? Und wenn ja, würde es nicht einfach werden. Ich hatte mir etwas in Amerika aufgebaut. Neue Freunde, ein neues Leben. Ich raufte mir die Haare und zog mir den Rucksack über die Schulter.
Ich schnappte mir vor dem Hotel das erste Taxi, dass ich kriegen konnte und überlegte mir fürs erste, was ich Natsume zum Geburtstag schenken konnte. Heute am späten Nachmittag würde ich wahrscheinlich Zeit haben ein bisschen in der Stadt zu bummeln.
Ich stürzte mich den ganzen Nachmittag in mein Training, so dass ich völlig die Zeit vergass. Es war dunkel, als ich an diesem Tag zum ersten Mal wieder nach draussen sah.
Alisa lobte mich sehr. „Ob das wohl daran liegt, dass du endlich alleine in deinem Hotelzimmer bist“, hörte ich sie lästern. Mir war es egal. Ich war einfach glücklich darüber, dass ich heute meinen ersten Triple Axel geschafft hatte. Das war etwas mit dem ich immer Schwierigkeiten hatte und heute hatte es geklappt.
Grinsend hüpfte ich zu den Garderoben und zog mich um.
Wieder in einem Taxi eingestiegen, sah ich, dass Natsume versucht hatte mich anzurufen und das war vor drei Stunden gewesen. Schlagartig packte mich das schlechte Gewissen.
Ich erinnerte mich, wann es vor zwei Jahren begonnen hatte mit unserer Beziehung bergab zu gehen. Es hatte dann begonnen, als ich wirklich mit meiner Eiskunstläuferkarriere angefangen hatte. Als es nicht mehr nur ein Hobby gewesen war, als ich nicht mehr genug Zeit für Natsume aufbringen konnte. Der Gedanke, dass wieder ich der Auslöser sein könnte, brach mir das Herz.
Schnell wählte ich seine Nummer und hielt mein Telefon an mein rechtes Ohr. Es klingelte lange, doch leider nahm er nicht ab. In letzter Zeit kam es viel zu oft vor, dass wir unsere Anrufe verpassten.
Seufzend schrieb ich ihm eine Nachricht:

Hey,
Es tut mir leid, dass ich deinen Anruf verpasst habe.
Ruf mich an, sobald du kannst.
Ich liebe dich, Mikan.


Im Hotelzimmer angekommen, ging ich schnell unter die Dusche und hoffte er rief nicht in dieser Zeit an.
Inzwischen hatte ich meinen Pyjama bereits angezogen und föhnte mir gerade die brünetten Haare. In diesem Moment klingelte das Telefon, welches noch im Wohnbereich lag.
Schnell legte ich meinen Föhn beiseite und ging schnell in den anderen Raum um zu sehen wer anrief. Ich wollte ihn heute nicht schon wieder verpassen.
Doch als ich die Nummer sah, stutzte ich. Sie kam aus dem Ausland und ich kannte die Nummer nur allzu gut. Das war Akitos Nummer und zuerst wollte ich auch gar nicht abnehmen.
Er hatte bereits einige Male versucht mich zu erreichen, aber jedes Mal hängte ich einfach auf. Er wollte einfach nicht aufgeben und inzwischen kannte ich seine Nummer in und auswendig.
Ich wusste selbst nicht genau, wieso ich seine Nummer nicht einfach blockiert hatte und ich wusste nicht, wieso ich all das Natsume vorenthielt. Er wusste nichts darüber und ich fühlte mich unglaublich schlecht deswegen, als ob ich ihn betrog. Aber das entsprach nicht der Wahrheit.
Ohne nachzudenken beschloss ich diesmal ans Telefon zu gehen. „Was willst du?“, sagte ich aufgebracht.
„Oh, sie redet“, sagte er beinahe etwas erstaunt. Ich verdrehte die Augen.
„Sag schon!“
„Ich wollte wissen, wieso du einfach verschwunden bist – bloss einen mickrigen Brief hast du zurückgelassen und in deiner Wohnung warst du anscheinend auch nicht seit langem. Ich hoffe nicht wegen mir.“
„Das tut mir ja auch leid“, auf einmal realisierte ich etwas. „Spionierst du mir etwa nach?! Woher hast du überhaupt meine Nummer?“
„Reagier jetzt bitte nicht über, aber ich wollte dich unbedingt nochmal sehen und du bist sehr bekannt, da war es nicht schwer deine Adresse herauszufinden und ich sag dir besser nicht, wie ich deine Nummer bekommen habe. Ich habe da gewisse Mittel und Wege.“
„Aha, ist ja toll“, rief ich. „Ich habe einen Stalker.“
„Das ist jetzt etwas übertrieben“, sagte er. „Ich bin dir nirgendwohin gefolgt, oder? Ich weiss, dass du gerade in Paris bist wegen den Vorrunden für die Meisterschaft und trotzdem bin ich nicht dort.“
„Zum Glück!“
„Ich weiss das hört sich alles ganz merkwürdig an, aber ich bin ein ganz netter Kerl. Ich habe deine Nummer, weil ich finde, dass wir super zusammen passen und ich wissen wollte, ob du nicht einen Fehler gemacht hast. Alles was ich wollte, war, dich um ein Date zu bitten.“
Ich war baff und blinzelte ein paar Mal zu viel. Einige Sekunden sagte keiner von uns beiden etwas.
Dann seufzte ich. „Tut mir leid, falls ich etwas überreagiert habe.-“
„Schon gut, war absolut begründend. Ein bisschen schräg ist es schon“, scherzte er.
Ich lachte kurz auf. „Wenigstens siehst du es auch.“
„Also? Ja oder nein?“
Ich seufzte wieder. „Es tut mir leid, aber ich kann nicht. Ich fühle mich geschmeichelt ganz ehrlich, ich meine wir hatten ein tolles Wochenende.-“
„Aber?“
„Ich habe sozusagen einen Freund.“
„Oh.“ Ich hörte die Enttäuschung heraus und fühlte mich schlecht dabei.
„Ich schwöre, als wir uns kennenlernten war ich Single. Aber er ist die Liebe meines Lebens und wir sind wieder zusammen gekommen und… ich kann nicht riskieren das nochmal zu verlieren.“
„Schon gut“, sagte er schnell. „Dann sollte ich dich wohl nicht mehr anrufen.“ Dann war Stille. Ich sah auf mein Telefon und erkannte, dass er aufgelegt hatte.
Ich setzte mich aufs Sofa und seufzte.
Die ganze Situation fühlte sich schlechter an, als es eigentlich sollte.

Auf einmal klingelte das Telefon nochmal und ich erkannte Natsumes Nummer auf dem Display. Für einen Moment zögerte ich, bevor ich abnahm.
„Hey du“, sagte ich und musste das schreckliche Gefühl etwas falsch gemacht zu haben, runterschlucken.
„Hey, Pünktchen“, sagte er und ich fühlte mich auf einmal besser seine Stimme zu hören. „Wie geht es dir?“
Tränen sammelten sich in meinen Augenwinkeln. „Ich vermisse dich furchtbar“, umging ich seine Frage.
„Ich dich auch, Mikan.“ Ich liebte es wenn er meinen Namen aussprach. Es fühlte sich besonders an, wenn er es sagte.
„Ich habe es heute endlich geschafft den Triple Axel zu landen“, rief ich auf einmal und dachte daran, wie glücklich ich gewesen war.
„Das ist toll“, sagte er. „Ich bin stolz auf dich.“
„Danke“, sagte ich. „Nik meint ich muss höchstens noch zwei Wochen in Paris bleiben.“
Er seufzte auf. „Da bin ich aber froh. Ich brauche dich an meiner Seite, sonst geht es mir nicht gut.“
„Ich weiss was du meinst“, erwiderte ich. „Ich will es nicht wieder vermasseln und ich will dass wir zusammen bleiben.“
„Ich auch, am liebsten wünschte ich du könntest für immer bei mir bleiben.“
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