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Assassine

GeschichteAngst, Liebesgeschichte / P18
Arthur Dagonet Galahad Gawain Lancelot Tristan
07.01.2012
16.05.2013
22
58.842
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07.01.2012 1.511
 
Das Gefühl alleine zu sein, drang so stark in ihr Gedächtnis, dass die Tränen wie von alleine in ihre Augen schossen und über ihre Wangen liefen. Wie sollte sie hier in dieser Zelle überleben? Die Eisenketten fraßen sich immer weiter in ihr Fleisch, sodass ihr Blut auf den Boden tropfte und lange Zeit das einzige Geräusch in der Folterkammer blieb. Der Junge Lucan wimmerte ab und an mal, war sonst aber stumm.
Der Boden war verdreckt, mit Blut und Fäkalien bedeckt, dass das atmen schwer gemacht wurde und sie immer wieder gegen den Drang zu brechen ankämpfen musste. Es hätte nur noch mehr gestunken. Ihr letzter Rest an Stolz kochte hoch und ließ sie die Tränen an den knochigen Schultern abwischen, sodass bestimmt zwei ihrer Wunden aufrissen und sie kurz inne halten ließ. Nein. Hier würde der Tod auf sie warten, das wusste sie. Kraftlos lehnte sie sich an die Steinwand und sah sich die Decke an. Wie jeden Tag. Oder jede Nacht. Sie hatte jegliches Zeitgefühl verloren.
Sie konnte gedämpfte Stimmen hören und seufzte auf. Runde 14, dachte sie bitter und schluckte hart, selbst wenn ihr Mund ausgetrocknet war und sie eigentlich nicht mal mehr genügend Speichel zum Schlucken hatte.
Sie befeuchtete die brüchigen Lippen und räusperte sich so leise es ging. Lucan, der in der Zelle nebenan weiter wimmerte, bekam von den Mönchen draußen nichts mit.
„Da stimmt war nicht“, hauchte die Frau nebenan verwirrt und auch erst jetzt fiel ihr auf, dass sie Recht haben musste. Die Mönche redeten nie so laut. Sie kamen, sie fragten, sie folterten und gingen. Für jede Antwort die ihnen gefiel, bekam man weniger Demütigungen als sonst. Nicht dass sie das in Betracht gezogen hätte. Doch Die Mönche wussten von ihrem Auftraggeber, wussten wer sie war und quälten sie weiter. Welchen Status konnte ihr Herr also verbuchen, wenn sein angeblicher Bruder nicht mal auf seine Befehle hörte? Es ließ sie jedes Mal von neuem verzweifeln.
„Da sind noch andere Stimmen!“, sagte die Pikte fast ekstatisch, obwohl sie sich nicht der Hoffnung hingeben wollte, man könne sie retten.
Also fuhr sie die Frau einfach an.
„Schweig still und fordere dein Glück nicht heraus. Wer weiß wer eigentlich da auf und wartet!“,stieß sie hervor und begann lauter zu husten. Ihr Magen zog sie krampfhaft zusammen, ihre Muskeln protestierten und mehr Blut tropfte auf den Boden.
Na toll, dachte sie ernüchternd und schloss erschöpft die Augen. Nein. Niemand würde kommen und sie retten. Nicht einmal ihr eigener Herr.
Zu ihrer Erleichterung schwieg Guinevere, sodass die Frau den leisen Stimmen zuhören konnte, die sie in einen Schlaf drängen wollten. Als jedoch plötzlich die Tür aufgestoßen wurde und einer der Mönche betend in die Mitte ging, wusste sie, dass etwas nicht stimmen konnte. Sie räusperte sich erneut und sammelte den restlichen Funken Mut in ihrem Körper, um das Zittern aus ihrer Stimme zu bekommen.
„Was geht hier vor?“, fragte sie ihn, wobei sie versuchte all ihre Autorität in den Blick zu legen. Der Mann lachte nur, schüttelte seinen Kopf.
„Ich werde eure Seelen in den Himmel begleiten, so wie es mir der HERR befohlen hat“, sagte er, für ihn, ziemlich fröhlich und fuhr mit dem Beten fort. Lucan heulte dabei auf. Selbst er hatte verstanden, dass der Zeitpunkt zum Sterben nun gekommen war. Fast tat er ihr leid.
Guinevere stieß einen Laut des Klagens aus, als auch der zweite Mönch sich hinkniete und begann zu beten. Die Frau bekam langsam Panik. So durfte das hier alles nicht enden. Sie warf sich gegen die Fesseln, doch das bewirkte, wie die tausend male davor nur, dass ihre Haut gänzlich aufriss und ihr eine solche Welle des Schmerzes durch den Körper jagte, dass ihr schwarz vor Augen wurde.
Dadurch hörte sie nicht, wie die Holztür zerschlagen wurde und Männer laut die Treppe hinab liefen. Sie bekam nur mit, wie einer der Mönche dahin gerafft wurde. Eine solche Freude über Blut hatte sie noch nie im Leben verspürt wie jetzt. Die Angst des zweiten Mönches war fast greifbar, dass es sie zum Lachen gebracht hätte.
Lucan schwieg zum ersten Mal seit Tagen, doch dafür drangen andere Worte an ihr Ohr.
„So wie das hier riecht sind alle Tod“, stieß ein Mann hervor, was zur Folge hatte, dass die Frau sich versuchte so klein zu machen, wie es ging. Fremde Männer, die keinen Respekt vor dem Töten von Mönchen hatten, konnten nichts Gutes bedeuten. Sie sah einen recht schmalen Mann, wie er zu der Zelle der Pikte ging und einen anderen bei Namen rief.
Sie horchte auf.
„Arthur, hier ist jemand!“, rief er und die Frau drang weiter zum Gitter hin, vergaß ihre Angst und Schmerzen. Aber sie musste den Mann mit dem legendären Namen sehen.
Lucan wurde hinausgetragen,  Guinevere aus der Zelle von dem Mann mit den Locken befreit. Arthur drehte sich herum, nahm die Frau in seine Arme und trug sie aus der Folterkammer.
„Ich hole dich heraus“, hörte sie plötzlich jemand neben sich sprechen und automatisch zuckte sie zusammen. Wie hatte sie ihn nicht hören können?!
Ihre verwunderten Augen trafen auf die von ihm. Seine Haare hingen lose im Gesicht, doch der Ausdruck von Gleichgültigkeit in seinen Augen ließ sie fast erzittern. Was hatte er gesagt? Sie zuckte nicht zusammen, als das harte Gitter zu Boden fiel und er ihr eine hand hinhielt.
Sie schüttelte nur den Kopf und nickte irgendwie zu ihrem Rücken, sodass er hinein kriechen musste. Seinen Augen zu urteilen, gefiel ihm das gar nicht. Würde ihr auch nicht bei all dem Dreck der da lag.
Seine rauen Hände legten sich an ihre Handgelenke, als er einen Dolch zückte und sich an die Fesseln machte.
Der Mann mit den Locken erschien neben ihr und sah sie traurig an.
„Wie heißt du?“, fragte er, doch sie rieb sich die nun freuen Hände. Immer den Schmerz ignorierend.
Sie konnte ihm den Namen nicht geben, es würde sein Untergang bedeuten und als einer ihrer Retter, schuldete sie ihm das. Also schwieg sie.
„Ich bin Lancelot“, versuchte er erneut, als sich der andere Mann an ihren Ketten um ihre Beine und  Füßen kümmerte. Als er sie anhob, riss er jedoch auch frisch gewachsene haut mit ab, sodass sie aufschrie, die Hände in den Boden krallte und nur noch versuchte nicht vor diesen Männern zu heulen. Der Schmerz raubte ihr die Sinne. Doch bevor einer sie anfassen konnte, hatte sie auf ihre Unterlippe gebissen und krabbelte aus dem Verlies.
Lancelot wollte sie stützen, doch sie schob ihn weg. Zeit um stark zu sein, damit sie einem einfach gehen lassen würden.
„Danke“, stieß sie hervor und richtete sich mit wackeligen Beinen auf. Noch nie hatte sie solche Schmerzen gespürt, als sie mit ansehen durfte, wie ihre eigenes Blut den Beinen hinab ließ.
„Mies“, flüsterte sie, bevor sie sich langsam dran machte die Stufen zu erklimmen, wobei sie die helfenden Hände immer weg schieben musste.
Man hatte ihr schließlich nicht den ganzen Stolz genommen.
Schnee fiel ihr ins Gesicht und augenblicklich blieb sie stehen, riss erst ihre Augen auf, bevor sie diese lächelnd schloss, die Handflächen öffnete und tief einatmete. Es war bitterkalt und sie fror bis auf die Knochen, doch es war ein wunderschönes Gefühl wieder frische Luft zu atmen. Fast,als wäre man frei.
„Komm“, hörte sie jemanden nah an ihrem Ohr flüstern, doch anstatt ihre Augen zu öffnen, nickte sie nur und blieb stehen. Erst als jemand ihren Unterarm ergriff, blickte sie den Mann an,löste seine hand von ihrem Arm und ging ihm langsamer hinterher. Alles war voller Menschen die packten und sich auf eine Reise vorzubereiten schienen. Es verwirrte sie. Wie vieles an diesem Tag (Sie glaubte immer noch, dass das alles nicht Echt sein konnte). Der stille Mann zeigte auf einen Wagen, bevor er sich auf ein Pferd schwang und sie ansah.
Sie seufzte auf und wollte gerade antworten, als eine Frau auf sie zugelaufen kam und ihm um den Hals fiel.
Die Frau des schrecklichen Mannes, der sie eingesperrt hatte. Obwohl sie aus Rom kam und Papiere dabei hatte.
Die Frau löste sich und hielt ihr einen Beutel und ein Schwert hin. Diese Szene schien irgendwie alle Ritter einzunehmen, da sie die Frau nun interessiert musterten.
„Es tut mir so leid, dass er Sie dort eingeschlossen hat. Ich habe Ihre Sachen aufbewahrt. Bitte üben Sie keine Rache, Kriegerin“. Sie seufzte auf, ergriff ihr Schwert und die Lederbeutel.
„Ich werden meinem Herrn berichten. Danach liegt es an seinem Urteil, was euch widerfährt.“, stieß sie hervor, bevor sie sich in den Wagen zu Lucan und  Guinevere setzte, die sie fast schon belustigt ansah.
„Die Frau hatte richtig Angst vor dir. Wie heißt du und wer bist du, dass sie dich sogar höflich anspricht?“, fragte sie die Frau, die dem Jungen kurz über den Kopf gestreichelt hatte. Noch nie hatte die Pikte etwas persönliches gefragt. Erst Recht nicht nach ihrem Namen. Wusste sie nicht, welche Macht Namen haben konnten?!
Ihr Kopf fuhr herum, um zu prüfen, ob jemand zuhörte.
Erst danach öffnete sie ihren Mund um zu antworten.
„Ich bin Salia. Assassine des Bischofs Aurelius.“
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