Ein Traum für die nächste Generation

GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
Lorenor Zorro Mihawk "Falkenauge" Dulacre Monkey D. Ruffy
06.01.2012
16.02.2019
55
294773
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… die Bereitschaft das ein oder andere Review zu hinterlassen ist in den letzten 4 ½ doch sehr gesunken … hatte ich nicht so ausgeprägt erwartet.


Aber endlich! Ich freu mich schon seit September 2013 darauf euch dieses Kapitel zu geben. Ich weiß, inzwischen gibt es eine Überschneidungen mit dem Manga,  aber bitte ignoriert die.
Ursprünglich hat es mir davor gegraut, aber dann hat sich alles selbstständig gemacht und ich hatte es in drei Tagen in den Tasten.
Jetzt zur Aufgabe: Wer alle Storys, an denen ich mich bedient habe, sprich alle Gestalten und Dinge findet, den lade ich auf eine Dampferfahrt auf dem Starnberger-, Ammer- oder auch Chiemsee ein!

Viel Spaß
Juli



53. Joho und ne Buddel voll Rum

Das Morgengrauen machte das Ziel ihrer Reise sichtbar.
Wie ein Fleck auf dem Antlitz der Sonne erhob sich eine Insel aus dem Meer.
Brook dachte zuerst, seine Augen wären von der Helligkeit der Morgensonne geblendet und er blinzelte – rein aus Reflex – mehrmals, um die Schatten zu vertreiben, aber sie gingen nicht weg.
Nur langsam sickerte die Erkenntnis, dass sie es durch die Rorrim See geschafft hatten durch seinen Afro ins Hirn. „Laaahhaaaaand in Siiiihhhiieeecht!“, jodelte er in einer Lautstärke, die niemand seinem knochigen Resonanzkörper zugetraut hätte, doch einzig Robin, die mit ihm Wache gehalten hatte, hatte ihn gehört und stieg die Treppe zu ihm hoch ans Steuerrad.
Sonne oder Vorfreude ließen ihr Gesicht leuchten als sie versuchte, etwas gegen die Morgenstrahlen zu erkennen.

Die Insel wirkte ziemlich klein. Deutlich kleiner als der Durchschnitt. In der Mitte stieg sie sanft an, erreichte aber keine nennenswerte Höhe. Ein riesiger Schwarm Vögel erhob sich am entfernteren Ende der Insel und flatterten davon; vielleicht auf Frühstückssuche. Warm strich Robin eine tropische Brise entgegen und verhieß eine Sommerinsel mit Kokospalmen und Sandstränden.
Sie war von dem Anblick ganz gefangen und überließ es Brook nur zu gerne die Kajüten zu stürmen. Sie spürte es in ihren Sohlen, als Franky in dem Zimmer unter ihr aus der Koje fiel und den Knochenschädel mit einer wüsten Schimpftirade überschüttete. Und doch stand als erste Nami neben ihr.
„Wir haben es geschafft!“, hauchte sie beinahe fassungslos und wurde gleich darauf von Ruffy umgerannt. „Natürlich haben wir! Du hast es geschafft! Du bist die Beste!“ Er ergriff Namis Wangen und drückte ihr stürmisch einen Kuss auf den Mund, sprang aber gleich darauf zu den anderen Nakama. „Sanji, bis wir dort sind gibt’s ein Mega – Frühstück. Den Proviant brauchen wir ja jetzt nicht mehr horten.“ Der Koch war zum Glück schon auf den Weg in die Kombüse, andernfalls hätte er seinen Captain nach dieser Aktion wahrscheinlich zum Frühstück selber verspeist.
Deutlich verlegen zupfte Nami an ihrem Nachthemd herum. „Irgendwie hab ich mir den ersten Kuss anders vorgestellt.“, murmelte sie, konzentrierte sich aber gleich wieder auf die Insel. „Wie sie wohl heißen mag? Riechst du das, Robin? Erde und Holz. Und … Gold?“ Kaum war die Insel in greifbare Nähe gerückt, wurden Namis Gedanken nur noch von dem Schatz beherrscht, den diese Insel barg. Die Sonne sandte schon als Willkommensgeschenk goldene Sprenkel in ihr Haar und machte Nami es fast unmöglich ihrer Aufgabe nachzukommen: „Die Schaufelräder ausfahren! Wir müssen schauen, dass wir an diesem Riff vorbei kommen, an dem sich die Wellen brechen, seht ihr?“
Die ganz Insel wurde von einem schützenden Riff eingeschlossen, das die großen Wellen und Stürme daran hinderte, das Eiland abzutragen.
Ein Riff ist mit das Gefährlichste, was einem Schiff passieren kann, denn vor allem unerfahrenen Navigatoren können die Strudel und Untiefen nie genau einschätzen und schon so manchem Schiff war von einem harmlos anmutendem Riff der Kiel zerfetzt worden. Dann waren die Seeleute im Angesicht der rettenden Insel dem Tode geweiht.
Nami nahm sich noch nicht einmal mehr die Zeit, sich umzuziehen, sondern bezog sofort Stellung auf dem Löwenkopf. Eigentlich ja Ruffys Stammplatz, aber für eine solch wichtige Mission trat er ihn gerne ab.

*~*~*

Die Sonne stand schon eine Handbreit über dem Horizont, als sie die ersten Anzeichen von Menschen sahen: Schiffe. Dutzende.
Keine kleinen Fischerboote, die zwar liebevoll gepflegt, aber doch meist schrottreif sind, und auch keine Eingeborenenkanus, mit denen man Zeremonien durchführt um den Meeresgott zu huldigen. Nichts dergleichen. Die Vehikel, die dort im seichten Wasser vor sich hin dümpelten, waren große, schwere Kriegsmaschinen.
Imposante Galeonen, die auf zwei Decks mit Kanonen bewaffnet waren, ankerten neben anmutigen Briggs, die sich gut zum Überfallen, Töten und Abhauen eigneten. Seltsame Schiffe mit mehreren dreieckigen Segeln flitzten schnell über die Wellen und eine Dschunke mit ihren leuchtend roten Segeln posierte scheinbar selbstverliebt vor einer groben Kogge.
Einige Schiffe lagen auch auf dem Strand und wurden gerade von ihren Mannschaften gesäubert oder repariert, während bei anderen ganz offensichtlich die Ladung gelöscht wurde.
Doch eines verband sie alle: Die Totenkopfflagge, die in der steifen Morgenbrise von jedem einzelnen Mast wehte.
Vorsichtig, aber nicht ängstlich tasteten sie sich näher heran und wurden auch schon ziemlich bald von einem Schiff angerufen, auf dessen blutroten Segeln eine große 13 prangte. „Joho! Die Strohhutpiraten! Ihr seid fast zu spät. Brüder, seht wer gekommen ist!“ An der Reling erschienen finstere Männer, die alle absolut gleich aussahen. Alle trugen die gleiche Uniform, waren gleichgroß und hatten die selben hässlichen Hüte auf den wild behaarten Schädeln. Wie ein Ei dem anderen so glichen sie sich bis in die Bartspitzen.
„Was seid ihr denn für eine lustige Bande?“, brüllte Ruffy zurück.
„Wir sind Die Wilde Dreizehn!“, erklang es synchron aus einem dutzend Kehlen.
„Und wozu sind wir fast zu spät?“
„Zum Piratentreffen!“, antwortete der Chor.

Obwohl sie hier inmitten der wahrscheinlich gefährlichsten Menschen der Welt waren, hatte die Crew kein Problem damit, die Sunny zu ankern und mit der Mini Merry an den Strand zu tuckern. Viele der Schiffe waren unbewacht, oder nur von ein paar betrunkenen Gestalten bevölkert und am Strand ging eine Party ab, die alleine den Gedanken an Feindseligkeit zwischen den Piraten im Keim erstickte. Und außerdem – Franky war nicht umsonst zwei Jahre auf der Insel von Doktor Vegapunk gewesen und die Einbruchsicherung funktionierte tadellos.
Das Boot schob sich knirschend in den Sand und Franky und Zorro zogen es noch ein wenig das Ufer hinauf, damit die Tide es nicht erfassen konnte. Der Strand war breit und weiß, eine wenig den Hang hinauf ging er in einen Wald über, dessen Bäume nicht grüne, sondern rosa und weiße Blätter hatten. Sie erinnerten an sehr alte und sehr knorrige Kirschbäume.
Manche der Piraten grüßten sie lallend und lachend, andere erkannten Strohhut Ruffy und neigten in kollegiale Eintracht den Kopf, aber keiner machte Stunk oder war aufmüpfig.
„Ich habe noch nie von einem so großen Piratentreffen gehört.“, staunte Robin und sog jede Einzelheit auf, als sie versuchten in das Zentrum der Sause vorzurücken. Jede einzelne Crew hatte ihr Lager am Strand aufgeschlagen, die meisten um Feuer, die jetzt nur noch schwach qualmten, aber kaum eine Bande hockte isoliert von den anderen. Unter ihnen herrschte ein reger Austausch. Brook klapperte mit seinen langen Gliedmaßen, als er sich erinnerte. „Vor fünfzig Jahren gab es Gerüchte, dass Piraten sich verbünden wollten, aber ich dachte, dabei handelte es um kurzzeitige Koalitionen, nicht um -“
„Pass doch auf! Bist du blind, oder was?“, wurde Brook unterbrochen, als Sanji von einer hohen Stimme angefahren wurde. Aber es war niemand zu sehen.
“Hier unten!“
Sanji wäre doch tatsächlich fast auf das winzige Lager von ein paar Piraten getreten, die nicht größer waren als sein Finger. Und für diese Unverschämtheit drohten sie ihm jetzt mit ihren kleinen Ärmchen, die alle in noch viel kleinere Haken endeten.
„Verzeihung, ich habe euch nicht gesehen, ihr, … ihr …“
„Zwergpiraten! Wir sind Zwergpiraten, das sieht man doch. Und wenn du nochmal versuchst, uns niederzutrampeln, werden wir dich Kielholen!“
„Ist gut. Ich werd aufpassen.“, sagte Sanji nicht ganz ernst und machte einen langen Schritt über das winzige Boot und die Crew.
Alba hielt sich immer schön an Zorros Seite, nur so rein prophylaktisch, und sie konnte sehen, wie geschmeichelt er sich davon fühlte und dass er sich noch um ein paar Zentimeter reckte um jeden Möchtegerncasanova alleine durch seine Präsenz einzuschüchtern. „Da vorne, das könnten ein paar feste Hütten sein.“, meinte er und ruckte mit dem Kinn in die Richtung, wo das Gewusel noch ein wenig dichter wurde. Alba konnte nichts sehen, sie war zu klein.
An einem Wasserlauf, der munter dem Meer entgegen plätscherte, war ein kleines Dorf angesiedelt. Die Hütten waren schon lange bewohnt und in gut gepflegtem Zustand. Die Dächer waren mit Palmwedeln gedeckt und hatten wagemutig geschwungene Firste, die Wände bestanden nur aus geflochtenen Matten, die zwischen den Holzbanken gespannt waren; für eine Sommerinsel, auf der das ganze Jahr über tropische Temperaturen herrschten völlig ausreichend.
Auf den Veranden saßen hübsche junge Frauen, deren weiße Zähne aus den braunen Gesichtern strahlten. Als sie von ihren Kochtöpfen und dem Hüten der Kinder aufschauten, fiel ihr Blick spekulierend auf die Männer der neuen Crew.
Ziemlich im Mittelpunkt dieses Dorfes war ein Podest errichtet worden, welches mit Holzfiguren und Blumenschmuck verziert war und jedem deutlich machte, dass dies der Platz des Häuptlings war.
Ebenjener Mann war klein, wirkte aber schon aus der Ferne sehr weise. Sein Haupthaar war völlig weiß, der Schnauzbart lang und gut gehegt. Er hatte ihn nach oben gebunden und auf dem Scheitel mit einem Blumenkranz befestigt. Die Enden wippten bei jeder Bewegung wie traurige
Hasenohren. Er unterhielt sich angeregt mit einem ungewaschenen Piraten, der aus seinen Kajal umrandeten Augen ständig das Geschehen um ihn herum verfolgte. Er lachte über einen Scherz des Häuptlings und warf seine mähnenartigen Rastazöpfe zurück auf den Rücken.
Ruffy lies sich von der Autorität, die diese Männer ausstrahlten, nicht im mindesten beeindrucken und stapfte auf sie zu. „Jo, alter Mann. Ich such einen Schatz.“
Die beiden Männer auf dem Podest verstummten und blickten zu Ruffy hinunter. Als der Häuptling sprach, entblößte er eine Reihe gelber Zähne. „Wer suchet, der findet. Wer findet, verlieret.“
„Ahm, das wär schon blöd.“
„Blöd? Mehr nicht?“ Der Häuptling schien in sich hinein zu lachen und musterte die Crew ein wenig genauer.
Ruffy kratzte sich unter dem Hut, zuckte aber dann doch nur unentschlossen die Schultern. „Ja, blöd. Weil, ich wollt ihn eigentlich meiner Freundin schenken und wenn ich ihn gleich wieder verliere … wär blöd. Das würde ihr nicht passen.“
Ein Grinsen breitete sich langsam auf dem Gesicht des Mannes aus und den Piraten schüttelte es so sehr, dass die winzigen Kinkerlitzchen, die in sein Haar geknotet waren, klapperten. „Und welcher, dieser entzückenden Damen wolltest du einen Schatz schenken?“
„Na, eigentlich ja der ganzen Crew und Fleisch müssen wir davon natürlich auch noch kaufen.“
Es herrschte kurz Stille, dann brüllte der Häuptling auf und versprühte nach allen Richtungen Palmwein. „Ein freigiebiger Pirat! Teague, an dem solltest du dir mal ein Beispiel nehmen. Junge: Hier gibt es keinen Schatz. Deeh ist eine kleine Insel, deren Bewohner keinen Handel treiben und von den Hand in den Mund lebt. Außerdem kommen jedes Jahr Hunderte Piraten hierher. Wenn wir einen Schatz hätten, wäre der schon vor Jahrzehnten geraubt worden.“
Teague protestierte gekränkt. „Nicht alle von uns sind plündernde Seeräuber. Wir haben auch so etwas wie Anstand und einen Codex.“
Die Strohhutpiraten blickten sich erstaunt an. Kein Schatz? Aber die Karte war doch so deutlich gewesen!
Mit einer Aggression, die Robin selten an den Tag legte, trat sie einen Schritt vor und hielt dem Podium die Schatzkarte entgegen. „Aber hier steht es doch! Ein Schatz, der ist so groß und mächtig, dass selbst der größte König wirkt schmächtig. Diese Karte hat uns hierher geführt und diese Schrift lügt nicht.“
Schlagartig waren die Männer verstummt und blickten sehr ernst. Teague fand als erster die Sprache wieder: „Du bist das Teufelsmädchen von Ohara.“
Robins Augen huschten nur kurz zu ihm und fokussierten sich wieder auf den Häuptling, der zu ihr herangetreten war und ihr gerade mal bis zur Brust reichte. Sein Gesicht wurde weicher, die Falten glätteten sich, als er einen kurzen Spruch in einer fremden Sprache rezitierte.
„Ja.“, flüsterte Robin. „Ich weiß, dass es kein Gold ist.“
Er sah an ihr vorbei zu Ruffy. „Bengel, dein Schatz ist Wissen. Kommt, setzt euch zu uns. Und du.“, er deutete auf einen kleinen Jungen, der eben aus dem Gebüsch gekrabbelt war und sich kleine Zweige und Blätter von dem roten Bandana strich. „Du holst Dria, sie wird da sicher zuhören wollen.“
„Warum ich?“, quängelte der Junge, wurde aber von Teagues donnernden Stimme sofort zurecht gestutzt. „Du holst sofort diese Priesterin her, Jack, sonst lass ich dich einen Woche lang alleine klarschiff machen!“
„Aber wenn ich ganz alleine klarschiff machen soll, dann kann ich ja nicht mehr ganz alleine die Segel ausreffen, um ganz alleine zu sehen, welche ich ganz alleine flicken muss, damit ich sie dann wieder ganz alleine setzen kann. Aber wenn niemand klar Schiff macht, weil ich ja keine Zeit dafür hab, dann stechen wir ja niemals mehr in See und ich muss gar nicht klar Schiff machen!“
„Jack ...“, drohte der Pirat auf dem Podest und der Junge merkte wohl in dem knurrenden Tonfall, dass er einfach diese Priesterin holen sollte.
Die Crew lies  sich auf den Strohmatten des Podestes nieder und wurde auch sofort mit Speiß und Trank bewirtet.
Der Häuptling saß zwischen ihnen und strich mit vor Andacht bebenden Fingern über die Karte.
„Deeh ist nicht anschiffbar, nicht auf normalem Wege. Kein Wind weht in der Rorrim – See, kein LogPort schlägt für uns aus. Wir waren abgeschnitten von der Welt und dem Untergang geweiht. Immer weniger Kinder wurden geboren und viele von ihnen waren krank. Und da beschlossen meine Vorväter etwas zu tun. Sie wollten sich der Welt offenbaren, aber nicht um jeden Preis. Mein Volk birgt ein zu großes Geheimnis und sie hatten Angst, dass sie dafür würden zahlen müssen. Deshalb wollten sie versuchen nur weise und mutige Männern den Weg zu uns zu zeigen. Sie fertigten viele dieser Karten an und gaben sie einer wagemutigen Bande Krieger, die mit dem heiligen Kanu Kon Tiki die Rorrim See durchpaddelten. Auf der ersten Insel, die sie erreichten, wurden diese Karten verteilt.“
„Es gibt kaum noch welche.“, ergänzte ihn eine junge Frau aus dem Hintergrund. Im Vergleich zu den anderen Inselbewohnern war sie sehr hellhäutig und langgliedrig. Ihre glatten, schwarzen Haare fielen wie ein Wasserfall über ihren Rücken und ihre Augen waren von einem tiefen, satten braun. „Und manchmal frage ich mich, ob es wirklich eine so gute Idee war.“, fügte sie hinzu, als eindeutige Anspielung auf die feiernden Piraten am Strand.
„Dies ist Dria, unsere Hohepriesterin, eine der Wächter.“ Er verstummte und die Stille barg ein Geheimnis, das er nicht wagte preiszugeben, aber Robin konnte hartnäckig sein: „Diese Insel war Origami, nicht wahr? War es Absicht, die Karten auf dem weltweiten größten Umsatzmarkt für altes Papier und Schriften zu bringen?“
„Nein, die Krieger hatten keine Ahnung. Aber auf diesem Weg verbreiteten sie sich über alle Meere und fielen vielen Menschen in die Hände. Doch nur die Mutigsten und Klügsten und Habgierigsten besiegten die Wüste der Rorrim See und erreichten Deeh. Und das waren Piraten. Die ersten waren die Zwergpiraten. Noch nie haben sie es geschafft, ein Schiff zu kapern, aber sie sind die besten Navigatoren, die man sich vorstellen kann.“ Er griff nach seiner halben Kokosnuss und nahm einen tiefen Schluck. Nochmal einmal suchte er Blickkontakt zu Dria, ignorierte ihre fragende Miene dann aber doch und fuhr fort:
„Die ersten Jahre waren schlimm, denn die Piraten verwüsteten alles, um den Schatz zu finden, aber schon bald verbreitete sich Kunde, dass es bei uns nichts zu holen gibt und sie blieben aus und wir versuchten auch alles, diese unseligen Karten wieder zu vernichten. Doch jene, die nur ein Abenteuer wollten, fanden immer noch zu uns. Und die erzählten es ihren Verbündeten, die genau so – wie sagt ihr? - tickten. Diese Männer waren uns auch willkommen. Sie brachten Neuigkeiten und Handel zu uns und ja, sie zeugten auch viele gesunde Kinder!“ Er lachte laut, aber überhaupt nicht verlegen, wurde aber sofort wieder ernst. „Aber in den letzten hundert Jahren hat erst einer nach dem richtigen Schatz gefragt. Und sein Wissen basierte nicht auf der Karte und der Schrift der Porneglyphen.“
„Also gibt es doch einen Schatz?“, rief Ruffy, der eigentlich gar nicht so genau zugehört hatte, weil ein gegrilltes Schwein auf einem Palmwedeltablett vorbei getragen worden war.
„Ja.“, antwortete die Priesterin schlicht. „Aber ich werde ihn nicht kampflos preisgeben.“
„Dria …“
„Nein! Sie sind Piraten und wir sind die Hüter. Es ist ein Geheimnis und das aus gutem Grund. Es ist gefährlich.“ Abweisend hatte sie die Arme vor der Brust überkreuzt und blickte jeden der Strohhutpiraten finster an.
Jeder blickte furchtlos zurück, aber nur Robin antwortete. „Es ist ein Stein, nicht wahr? Ein großer Würfel, nur auf einer Seite von Porneglyphen bedeckt. Ihr seid sehr isoliert hier und auch in der Welt da draußen weiß kaum einer davon, aber ich kann dir versichern, dass es mehrere davon gibt, überall. Lass ihn mich sehen.“
„Ich weiß, dass es mehrere gibt, Roger hat es uns berichtet -“
„Roger?!“, schrie Ruffy und stürzte auf sie zu, packte sie an den Schultern und schüttelte sie leicht. „Gold Roger war hier?“
Der Häuptling zog an Ruffys Schärpe und zerrte ihn von Dria weg, die von einem solchen Euphorieausbruch ein wenig überrumpelt worden war. „Junge, setz´ dich! Natürlich war er hier. Unter ihm hat sich dieses jährliche Piratentreffen doch erst etabliert.“
Vor Aufregung fing Ruffy zu zittern an und schaffte es endlich, dem Häuptling seine ganze Aufmerksamkeit zu widmen, der davon ein wenig verwirrt schien. „Vor vierzig Jahren etwa kam er das erste Mal. Und danach immer mal wieder. Auch er kam wegen genau so einer Karte, wie ihr sie habt.“ Ruffys Augen wurden groß und sein Mund formte einen nahezu perfekten Kreis. „Auch er wollte den Schatz, aber die damalige Hohepriesterin hatte auch zuerst auf eine Prüfung bestaaa-“
Der Strohhut war aufgesprungen und reckte beide Fäuste gen Himmel. „Ich weiß zwar noch immer nicht um was es eigentlich geht, aber ich mach diese Prüfung auf jeden Fall.“
Seine Bande schüttelte den Kopf, grinste wissend oder freute sich mit ihm, je nach Charakter, aber der Rest der Anwesenden wirkte leicht schockiert.
Robin stand auf und trat an Dria heran. „Es wird doch keinen Unterschied machen, wenn nicht ich die Prüfung ablege, oder? Denn er wird sie jetzt auf alle Fälle machen.“ Ein rätselhaftes Lächeln lag auf ihren Lippen, dass der Priesterin einen Vorgeschmack auf den Ausgang des Kampfes gab, aber sie fand keine Einwände und schüttelte den Kopf. „So sind die Überlieferungen. Ich darf das Wissen ohne eine Prüfung nicht einfach weitergeben, aber wenn er es übersteht, darf ich es auch nicht verweigern.“

Die Kunde verbreitete sich schnell und die Crew und alle Zuschauer wurden an den Strand dirigiert, da dort am wenigsten kaputt gehen konnte. Alle drängelten sich um die beste Sicht und jene Piraten, deren Schiffe dort vor Anker lagen, wollten sich das Spektakel vom Meer aus ansehen.
Die Prüfung würde ein Kampf mit dem stärksten Krieger des Stammes sein.
Wie unter Piraten üblich wurden Wetten auf den Ausgang angenommen und viele quetschten sich in die erste Reihe um die Kontrahenten wenigsten kurz einer Musterung zu unterziehen. Unter ihnen auch eine Bande Buntbären, die leise miteinander tuschelten. Ruffy fielen sie sofort auf. „Hey! So einen wie euch hab ich schon mal gesehen. Der war aber weiß und hat sich ständig entschuldigt.“
Die Buntbären verstummten erstaunt und ein blauer, mit Schirmmütze und rotem Wollpulli, fragte: „Du hast Bepo gesehen? Wie geht es ihm? Was macht er?“
„Oh, der ist in der Piratencrew von diesem Kerl … Traans-, Trääh, Traaa-, … Traffy! … oder so ähnlich.“ Schon leicht in seinen Kampf versunken, dehnte  er seine Muskeln, hörte sich die Geschichte, die der Blaubär zu erzählen hatte, aber dennoch an.
„Ursprünglich war Bepo mit uns unterwegs, aber er wollte unbedingt bunt werden und hat uns verlassen. Schade, dass er es noch nicht geschafft hat. Wenn du ihn mal wieder siehst, richte ihm doch bitte aus, dass Käpt´n Blaubär ihn mal wieder gerne sehen würde.“
Auf der anderen Seite der improvisierten Arena erschien ein riesiger Kerl, dem die Eingeborenenmädchen ekstatische Liebesschwüre zuschrien, als eine junge Frau von sehr hohem Wuchs und in der gleichen Tracht wie die Priesterin sich zu der Strohhutbande gesellte. Ihre Haare waren auffällig rot und passten in der gefährlichen Kombination mit den grünen Augen nicht wirklich zu ihrem kindlichen Gesicht. „Ich finde diesen Kampf völlig überflüssig. Dria nimmt sich einfach zu wichtig. Wir sollten froh sein, wenn sich überhaupt noch jemand für das alte Wissen interessiert.“ Mit einem letzten Blick auf den Krieger stellte sie vor: „Mein Name ist Linya, ich bin die zweite Priesterin. Selbst wir haben von dir gehört Strohhut Ruffy, aber sei dennoch vorsichtig. Dein Gegner hat das Blut Whitebeards in den Adern.“ Die Crew zischte fassungslos die Luft ein.
„Whitebeards Sohn!?“
Linya blickte leicht konsterniert in die Runde. „Ja. Das war ja im Grunde genommen der Sinn und Zweck dieser Karten: Dass wir frisches Blut in unsere Familien bringen. Und Whitebeard war schließlich auch nur ein Mann.“ Bei diesen Worten verweilte sie für Albas Geschmack ein bisschen zu lange auf Zorros eindrucksvoller Gestalt und sie rückte noch näher an seine Seite. Aber der hatte das Interesse der Priesterin gar nicht bemerkt, denn bewegungslos analysierte er den Herausforderer seines Captains.
Ganz im Gegensatz zu Chopper, der kurz vorm Hyperventilieren stand. „Wir müssen die Mini Merry wieder anschmeißen! Sofort! Los, los, los! Ich brauch mein Notfallequipment und die Blutkonserven, die Aderklemmen und -!“ Kopflos rannte er um die Bande und prallte schließlich unsanft gegen Frankys Schienbein. „Bitteee!“
Brook hatte Mitleid mit ihm und trällerte, dass er alles holen würde. Er nahm Anlauf und sprintete über das Wasser zur Sunny zurück.
Käpt´n Blaubär seufzte und schüttelte resigniert den Kopf. „Das wird mir mal wieder niemand glauben, wenn ich von einem singenden Skelett erzähle, das übers Wasser laufen kann.“
Linya Gesicht wurde unlesbar, als Brook diese eine seiner vielen Spezialitäten vorführte, aber sie fing sich ziemlich schnell wieder. „Ich würde ja versuchen es zu verhindern, aber der Häuptling steht voll und ganz dahinter. Alle Piratenkämpfe werden sofort unterbunden – die Auswirkungen sind einfach zu unberechenbar – und dies ist wohl der beste und einzig ehrliche Kampf seit den letzten vierzig Jahren. Von so was könnte ihn noch nicht mal seine Frau abhalten.“
„Ach ne, ich freu mich schon!“, lachte Ruffy und drückte Nami seinen Strohhut in die Hand. „Ich schulde dem alten Herren noch was und vielleicht kann ich seinem Sohn ja ein paar Tricks beibringen.“

Wie sich herausstellte war Whitebeards Sohn, Geronimo, nicht so unbedarft, wie Ruffy sich das vorgestellt hatte. Er war riesig und stark, ehrgeizig und erfahren. Seine Fäuste krachten mit dem Getöse von Lawinen direkt neben Ruffy in den Sand und ließen selbst das Meer erzittern.
Zu Beginn hatte Ruffy noch gelacht, aber er hatte ziemlich schnell bemerkt, dass er ihm keine Tricks mehr beibringen konnte.
Wie ein Wiesel flitzte er um Geronimo herum, war einmal auf seiner rechten, im nächsten Moment auf seiner linken Seite. Aber egal, von wo er angriff, Geronimo wusste es und wehrte ihn ab. Er traf Ruffy frei in der Luft und schleuderte ihn weit dem offenen Meer entgegen. Ruffy drehte sich im Flug und streckte sich nach einem der Schiffsmasten. Mit der Wucht einer Kanonenkugel schnalzte er sich zurück und war endlich mal schnell genug, an Geronimos Deckung vorbei zu kommen und ihn voll in den Magen zu treffen.
Geronimo stürzte und die Zuschauer stieben panisch auseinander. Alle machten freiwillig mehr Platz, denn niemand wollte von diesen Naturgewalten erwischt werden.
Beide kämpften mit dem Königshaki. Es war ein unglaubliches Ereignis, das noch in hundert Jahren besungen werden würde.
Die Kräfte, die sie freisetzten, suchten sich in Druckwellen Raum und spülten über die Zuschauer hinweg wie heiße Sonnenwinde.
Alba suchte mit Maja auf dem Arm Schutz hinter Zorros breitem Rücken. Er, Sanji und nur einige wenige konnten dieser Stärke wirklich was entgegensetzen. Ihre Füße gruben sich bis zu den Knien in den Sand, aber sie gaben keinen Zentimeter nach. Wie Statuen standen Zorro und Sanji nebeneinander und kommentierten in einem stummen Dialog die Aktionen ihres Captains; winzige Fingerzeichen und verhaltenes Kopfschütteln verrieten ihre seltene Eintracht.
Nur ganz vorsichtig linste Alba hinter Zorros Arm hervor, denn einen Kampf wie diesen würde sie wohl so schnell nicht wieder zu sehen bekommen. Auch der Häuptling genoss die Show. Alba sah ihn am anderen Ende wild auf und ab hüpfend seinen besten Krieger mit wehendem Baströckchen zujubeln.
Wo Geronimos Fäuste trafen, blieben nur Krater zurück, aber Ruffy wich geschickt aus.
Der Strohhut konnte einige Treffer verbuchen, aber sie schienen keinen Schaden anzurichten. Geronimo lachte auf und griff mit beiden Händen nach dem kleinen Wicht, der so unbedeutend schien.
Ruffy pumpte seine Hand auf und lies sie auf Geronimos Schädel krachen. Irgendwas krachte und der Krieger blinzelte kurz, fing sich aber ziemlich schnell wieder. Wie ein wild gewordener Stier preschte er auf Ruffy zu, aber der katapultierte sich hoch in den Himmel und Geronimo lief unter ihm vorbei ins Meer. Gischt spritzte, die große Piratenschiffe schaukelten heftig in dem plötzlichen Seegang. Der Ozean schien die geistige Stärke dieses Mannes nicht fassen zu können und drohte überzugehen.
Geronimo rannte zurück, blind vor Wut und Wasser lief er in Ruffys Faust, die nur auf ihn gewartet hatte und vor Vorfreude schwarz geworden war.
Ein Schlagabtausch Ohnegleichen folgte.
Als Ruffy getroffen wurde, wurde er ganz platt zusammen gedrückt und klatschte gegen einen Baum, der in tausend Stücke zerbrach und ihn in einen Sturm rosa Blätter hüllte. Als Ruffy wieder zum Vorschein kam, dampfte und glühte sein Körper und langsam, unendlich leise sah man den Zweifel durch Geronimos Schläge schimmern. Er war älter als Ruffy, und größer und stärker, aber hier auf der Insel hatte er keinen würdigen Gegner und die Wochen Training im Jahr, in denen die besten Piraten der Welt auf Deeh zusammenkamen, waren bei Weitem kein ausreichender Ersatz für echte Kämpfe auf Leben und Tod, solche wie Ruffy sie schon dutzende gewonnen hatte.
Ja, in der Welt dort draußen hätte er es zu einem der gefährlichsten Männer bringen können, aber Ruffy war das schon.
Der Bruchteil eines Herzschlags reichte für Ruffy aus, einen gezielten Hieb zu setzen, Geronimo taumelte und Ruffy folgte ihm. Fäuste prasselten auf ihn nieder, ohne Einhalt, ohne Reue und Geronimo hatte ihm nichts entgegenzusetzen.
Er konnte das Haki nicht mehr kontrollieren und es brach nutzlos aus ihm heraus ohne Schaden anzurichten. Diese Eruption schwächte ihn nur und lies seine Beine zittern.
Danach war der Kampf schnell vorbei und Ruffy blieb als Sieger stehen.

Stille lag über der gesamten Insel, in der jeder Ruffys Stärke verarbeiten musste und sich damit abfand, dass selbst gestandene Piraten noch nicht alles gesehen hatten.
Selbstbewusst setzte sich die Strohhutbande in Bewegung und bezog Stellung hinter ihrem Captain. Eine stille Herausforderung an alle, die was an seinem Sieg auszusetzen hatten. Und vielleicht auch um anzugeben, denn ihr Captain war nur ein Bruchteil der Crew.
Doch selbst die Priesterin gab sich geschlagen, als tosender Jubel ausbrach und alle Zuschauer auf Ruffy zustürmten und ihm gratulierten.
Eine drahtige Frau älteren Semesters erreichte ihn als eine der ersten. Ihre Haare waren schon ergraut und zu zwei Zöpfen gebunden, die senkrecht über ihren Ohren abstanden. Aber trotz der vielen Falten, die das raue Leben auf See in ihr Gesicht gegraben hatte, war ihr Grinsen frech, wie das einer Zwölfjährigen. „Spitzen Leistung, Junge. So einen wie dich könnte wir schon noch brauchen. Willst du dich nicht den Langstrumpfpiraten anschließen und unter Captain Pippis Kommando segeln?“ Brüderlich schlug sie ihm auf die Schulter und wandte dabei eine solche Kraft auf, dass es seinen Gummikörper wie eine Ziehharmonika stauchte.
„Ne, Oma. Ich bin mein eigener Captain und werd König der Piraten!“
„Hab auch nichts anderes erwartet!“, lachte Captain Pippi, wurde aber von einem großem Mann aus dem Weg geschoben. „Mein Captain lässt anfragen, ob ihr heute Abend mit uns feiern und essen möchtet. Es wird frisches Seekönigfleisch geben und genug Rum für ein Wettsaufen. Kommt einfach zu der Crew von Störtebecker! …“
Mit diesem Ausruf wurde er von den vielen anderen Gratulanten weggetrieben, die alle ungefähr die gleichen Einladungen aussprachen.
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