Ein Traum für die nächste Generation

GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
06.01.2012
11.01.2019
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Dieses Kapitel
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Ich liebe es, Zorro zu quälen! Muhaha
Auch wenn es nur die Vorstellung einer möglichen Konsequenz seines Lebenswandels ist.


52. Reise auf den Sternen

Es wehte Wind.
Ständig blies der Wind von allen Seiten auf das kleine Schiff und verlangte eine unaufhörliches Korrigieren der Segel. Musste man im ersten Moment noch hart anluven, konnte es passieren, dass schon im nächsten Augenblick der Wind böig von vorne kam und ein Vorwärtskommen verhinderte. Dann blieb das Schiff plötzlich stehen, drehte sich seitlich und die Segel mussten wieder neu ausgerichtet werden.
Nach vier Tagen hatte Nami es aufgegeben, die Sterne nach dem Weg zu fragen, und beschlossen, der Mannschaft wenigstens eine ordentlichen Nachtruhe zu gönnen. So waren alle viel fitter und leistungsfähiger, um sich mit dem Meer zu messen, das mal wieder das Gemüt einer launischen Hafenhure an den Tag legte.
Die Wellen peitschen haushoch gegen die Planken und spritzten selbst die Rahe noch nass, die doch weit oben am Masten hingen. Für Maja war es viel zu gefährlich hier draußen und sie genoss das Privileg – sie hielt es allerdings für eine Strafe – in der Damenkajüte im Trockenen zu sitzen. Der Rest der Crew kämpfte bei strahlendem Sonnenschein gegen einen Sturm, der sie mit Schäfchenwolken und warmer Luft zu verhöhnen schien.
Alba spürte schon lange, wie sich auf ihren Armen, dem Nacken und im Gesicht ein Sonnenbrand ankündigte. Sie hatte sich zwar eingecremt, aber das war jetzt auch schon wieder ein paar Stunden her, die sie schwitzend in der Sonne gearbeitet hatte. Doch darauf konnte sie keine Rücksicht nehmen. Jede Hand war unerlässlich, um das Schiff sicher zu führen. Da konnte sie nicht einfach aufhören und sich im Schatten entspannen.
Eine Böe peitschte ihr das Tau aus den Händen und riss ihr die Handflächen auf. Sie schrie und noch im selben Augenblick sprossen dutzend Arme aus dem Deck und griffen nach dem Seil. Neben Alba tauchte Robins Torso auf, beeilte sich einen Palstek zu machen und die Schlaufe am Masten festzuhaken. Alba nickte dankend, aber da wurde sie schon von einem Wirbel Blütenblätter umweht und Robins Torso war verschwunden.
Doch plötzlich verlor das Schiff an Fahrt und blieb schließlich ganz stehen. Die Wellen wurden sanfter und kleiner, bis sie völlig verschwanden und die See gleich einem Spiegel sich zu allen Richtungen erstreckte. Glatt wie Glas und unzerstörbar hielt sie die Sunny gefangen, wie ein Insekt in Bernstein.

Erleichtert, aber nur ein klein wenig verwirrt, sammelte sich die Crew auf dem Deck. Es war nichts Neues, dass das Wetter auf der Grandline wechselhaft war. Da war der anhaltende Sturm sehr viel sonderbarer gewesen, als der plötzliche Wetterwechsel.
Nami und Alba ließen sich auf das Gras fallen und brachen gemeinsam in lautes Lachen aus, als sie sich ansahen: Beide hatten sie einen Sonnenbrand, dessen Farbe dem schönsten Schalentier Konkurrenz gemacht hätte. „Aua, aua, aua!“, jammerte Nami, als sie an dem Träger ihres Bikinis zupfte. Dank ihrer luftigen Kleiderwahl war ihr gesamter Oberkörper versengt worden und dementsprechend schmerzhaft war es auch. „Chopper! Rette mich! Ich fange an, mich zu schälen.“
Das Rentier hatte nur ein müdes Kopfschütteln für sie übrig. Er hatte sie oft genug auf diese Gefahr hingewiesen. „Eine Aloevera Creme aus meiner Medizinschrank. Aber da ich nicht aufstehen mag: Quark. Einfach nur Quark drauf packen.“
Nami drehte sie sich bittend zu Sanji um und sah ihn mit riesengroßen Augen an. Wenn nicht schon Namis Blick alleine ausgereicht hätte, um ihn zum Hampelmann zu machen, so hätten ihn die Schmolllippen oder die nicht ganz unabsichtlich zusammengepressten Brüste völlig überzeugt. Er sprang auf und flitzte in die Kombüse und noch bevor Alba Nami darauf hinweisen konnte, dass sie ihren Nakama nicht so ausnützen durfte, war er schon mit einem Familieneimer Quark wieder da.
„Nami – Mäuschen! Wenn du den Bikini ganz ausziehst, kann ich dir besser die Schultern und den Rücken einreiben.“
„Nein, das wird nicht nötig sein. Meinem Rücken geht’s ganz gut, und vorne kann ich mich selber einschmieren.“, sprach Nami und beachtete Sanji nicht weiter.

Ohne deren Geplänkel zu beachten griff Alba in den kühlen, weichen Quark und verteilte ihn schnell auf ihrem Arm. Welch Wohltat! Die Schmerz ließ unmittelbar nach und machte einer Erleichterung platz, für die sie kaum Worte fand. Vorsichtig zog sie den Ausschnitt des T – Shirts runter, um auch den Hals gut eincremen zu können, als Brook sich unverschämt erkundigte: „Könntest du vielleicht auch deine Hose runterziehen? Ich will nur mal -“
Zorros Faust hatte er nicht kommen sehen können. Und gerade weil Brook so überraschend getroffen worden war, klang das Knacken seines Schädels umso gnadenloser.
Zorros Kraft hatte ausgereicht, ihn bis an den Masten zu befördern wo er erschrocken liegen blieb; der Kopf unten, die Beine hoch in die Luft gestreckt. Seine weiten, geblümten Hosenbeine waren runtergerutscht und entblößten die dürren Staken, die er Beine nannte, bis hinab zu den schönen, glatten Kniescheiben.
Zorro war mit dem Ergebnis durchaus zufrieden, aber die anderen starrten ihn geschockt an. Er starrte zurück, versuchte Sanji alleine mit Blicken deutlich zu machen, dass er so was jederzeit wieder tun würde und eindeutig nicht auf sein hübsches Gesicht aufpassen würde. Aber um sich wirklich ganz sicher zu sein, dass seine Botschaft ankommen würde, zog er Alba zu sich heran und drückte einen harten, fordernden und besitzergreifenden Kuss auf die Lippen.
Er war kein Mann der vielen Worte.

Ihr Gesicht war empfindlich wegen des Sonnenbrandes und ihre Lippen waren trocken und rissig vom Wind und der Gischt. Der Kuss tat weh, er war grob. Und obwohl Alba sich so etwas nicht bieten lassen wollte, konnte sie nicht anders, als einem archaischen Reflex folgen und sich an ihn drücken. Den Atem teilen, den Schmerz versüßen, Salz und Quark schmecken.
Ganz im Gegensatz zu der Kraft, die er gerade eben noch demonstriert hatte, fiel es ihm schwer, von ihr abzulassen und nur langsam trennten sie sich. Alba lächelte leise. Die ganze Aktion war peinlich und angeberisch von ihm, aber es war ihr egal. „Hast du jetzt dein Revier markiert?“, raunte sie gegen seinen Mund.
Als Antwort legte er seinen Arm um ihre Schulter und wandte sich an seine Nakama, vor allem an Sanji. „So ist es. Und wenn du sie in Zukunft auch nur eine Sekunde zu lange anschaust, dann wirst du dein Essen pürieren müssen.“
„JA! Für dich alleine!“, schrie Sanji und sprang auf.
Zorro schoss ebenfalls in die Höhe. „Ich hab ein Haifischgebiss. Wenn du mir Zähne ausschlägst wachsen fünf Neue nach.“
„In Form von Plastikbeißern!“
„Dein Hirn ist gleich Plastik!“
„Soll das ne Drohung sein?!“
„Nein, eine Einladung.“
Wie zu Erwarten gewesen war gingen sie aufeinander los.
Maja, die diese Mätzchen eigentlich noch nie gejukt hatte, umrundete sie und setzte sich auf Albas Schoss. Sie nahm es ihr wohl übel, dass sie so lange drinnen eingesperrt gewesen war und dass Alba jetzt auch noch zu viel Zeit mit Zorro verbracht hatte. Aber die mürrische Miene verschwand, als sie all den Quark entdeckte und dann auch noch ihre Mutter und sich selbst mit der Pampe einschmieren durfte.
„Nami, schau nicht so selbstzufrieden. Ich weiß genau, was du getan hast.“, informierte Alba sie mit ihrer besten Mörder – Stimme.
„Gelegenheiten und Umstände geschaffen.“, säuselte Nami und leckte sich den Quark vom Finger mit einer so lasziven Zungenaufschlag, dass Sanji vor Ablenkung fast über seine eigenen Füße gestolpert wäre. Zorro lachte hämisch.
„Oh, und Lysop, Robin und Franky waren selbstverständlich auch nicht ganz untätig.“
Robin und Franky kicherten, aber Lysop wurde bleich. „Ich wurde gezwungen! Niemals würde ich mich in dein Liebesleben einmischen.“
„Lysop-san! Das ist doch eigentlich auch alles egal. All you need is Love. Bam – da- da – daaa! All you need is … Junge Liebe ist was schönes. Da fängt mein Blut zu kochen an! Aber ich -“
„Kein Bluuhut!“, krähte Maja und brachte die Crew zum Lachen.


Dieser Tag war der letzte gewesen, an dem sie Wind hatten.
Die Schäfchenwolken hatten sich schon bald nach diesem Picknick unter der sengenden Sonne aufgelöst und hinterließen eine allumfassende Bläue. Der blaue Himmel, das blaue Meer, blaue Fische, die sich selten zeigten. Alles war blau und still und starr. Obwohl jeder Fetzen ausgereft war, ja selbst Bettlaken an den Masten flatterten, war alles umsonst. Denn welchen Wind sollte man einfangen, wenn gar nichts wehte?
Die Mannschaft versuchte das Beste aus diesem erzwungenen Stillstand zu machen, indem Schiffsteile repariert, Kleidung geflickt oder der Rasen gemäht wurde. Aber je länger der Tag dauerte, umso deutlicher wurde Namis Nervosität. Wenn der vorangegangene Sturm schon so lange gedauert hatte, wie lange würde dann erst diese Flaut währen? Sie verließ die Kommandobrücke nicht für einen Augenblick. Ständig steckte sie die Nase in die Luft, als würde sie den Wind riechen wollen und beobachtete den Horizont in der Hoffnung auf Wolken. Aber ihr feines Gespür schlug nicht an.
Es war nicht so, dass sie noch nie eine Flaute gehabt hätten, oder dass sie knapp an Proviant wären – zur Not konnten immer noch die Schaufelräder angeschmissen werden -, was Nami Angst bereitete war, dass diese Flaute angekündigt war und sie somit immer herrschen musste.
Mit schlecht verborgener Sorge las sie sich nochmal das Gedicht durch und schaute sich die Punkte auf der Möchtegern – Schatzkarte an, verstand aber immer noch nicht, was es zu bedeuten hatte.

Segel bis die Winde völlig versiegen
und die Rorrim See will dich verbiegen.
Nichts Irdenem darfst du mehr trauen.
Auf verschüttete Milch musst du schauen.

Die Sternen werden den Weg dir weisen,
und du wirst sogar auf ihnen reisen.

Nami wusste nur, dass dieser Punkt gekommen war, aber nicht, wie das Gedicht ihr aus der Patsche helfen wollte.
Deprimiert lies sie sich auf die kleine Bank vor dem Steuerrad fallen und betrachtete den Sonnenuntergang. Der Abendstern war schon zu sehen und eine schmale Mondsichel hing silbern und klar am blutrotem Himmel.
Es dauerte nicht lange und von der Sonne war nur noch ein paar Strahlen geblieben und mit deren Verschwinden frischte der Wind wieder auf.
Er jagte Nami eine Gänsehaut über die nackten Arme und blies ihr einige Strähnen ins Gesicht. Ungläubig strich sie sie weg und drehte den Kopf in die Richtung. Je dunkler es wurde, umso stärker wurde die Brise und drückte mit ihrer ganzen Kraft gegen das Schiff. Es bewegte sich, drehte sich gemächlich und zügellos trieb es einige Meter ab.
Der Bande war das nicht unbemerkt geblieben und sie stürmten aus allen Winkeln heran um sofort Namis Befehle zu befolgen. Aber noch ehe sie Anweisungen ausgeben konnte, verebbte die Luftströmung wieder und ließ die Sunny bewegungslos zurück.
Ahnungslos stand die Crew um die Navigatorin, aber sie hatte auch nicht die leiseste Idee, was hier abgehen könnte. Die Sonne war untergegangen und der Wind war gekommen. Das Schiff hatte sich bewegt und der Wind war wieder verschwunden.
Hilfesuchend blickte Nami zu Robin, dann wieder zu der Karte in ihren Händen, die sie im Sternenschein kaum erkennen konnte.

Die Sternen werden den Weg dir weisen,
und du wirst sogar auf ihnen reisen.

Namis Augen wurden groß, ihr Herzschlag beschleunigte. „Das ist es!“, japste sie atemlos und entfaltete die Karte. „Das ist keine Schatzkarte, das ist eine Sternkarte!“
Absolut überzeugt warf sie den Kopf in den Nacken und suchte im Himmel nach den Konstellationen auf der Karte. Und fand auch ziemlich schnell das weiße Band, gebildet aus milliarden Lichtpunkten, Sonnen und Planeten, das die Karte beherrschte, und an deren Ende das rote Kreuz den Schatz markierte: Die Milchstraße.
Ohne ihre Nakama wirklich über ihre Erkenntnis zu informieren rannte sie an die Reling und beugte sich darüber. Vor Freude und Erleichterung schrie sie auf und gestikulierte wild zu der glatten See. „Da ist sie, da ist sie!“ Mit einem kleinen Siegestanz drehte sie sich zu ihren Freunden um und verkündete mit stolzgeschwellter Brust: „Wir werden auf der Milchstraße reisen.“
Jedoch erntete sie nur verständnislose Blicke. „Wie jetzt? Da hoch?“, fragte Franky und deutete ins schwarze Himmelszelt.
„Nein! Schaut doch.“, rief Nami und deutete auf das Meer, das wie ein Spiegel dalag und jeden einzelnen Stern bis an den Rand der Perfektion reflektierte. „Sobald die Sunny auf der Milchstraße ist, wird der Wind wieder auffrischen und wir werden weiterkommen. Versteht ihr nicht? Das ist die verschüttete Milch und die Sterne auf denen wir reisen werden!“
Wie ein einziges Wesen bewegte sich die ganze Mannschaft zur Reling und starrte ebenfalls auf die Spiegelung im Wasser. Zorro fasste als erster ihrer aller Bedenken in Worte. Er wusste selbst am besten, dass es mit seinen navigatorischen Fähigkeiten nicht zum Besten stand, aber dennoch würde er noch nicht mal Nami ohne den geringsten berechtigten Zweifel blind folgen. „Die Sterne sind aber nur ein paar Meter Steuerbord. Warum sollte dort Wind sein und hier jetzt nicht?“
„Backbord, Mooskopf. Die Milchstraße liegt Backbord von uns.“, murmelte Sanji, aber es war Ruffy, der ihm auf die Schulter klopfte und mit diesem Grinsen, bei dem jeder halbwegs vernünftige Mensch immer sofort an eine geschlossene Anstalt denken musste, in den Bann des nächsten Abenteuers zog: „Es ist die Grandline! Warum also nicht? Und wenn meine Navigatorin sagt, dass es so ist, dann ist es so. Denn sie ist die Beste der Welt und ich dulde nicht den geringsten Zweifel an ihr.“ Seine ernste Ansprache lies seine Freunde sprachlos und auch ein bisschen gerührt zurück. Franky wischte sich ein Tränchen aus dem Augenwinkel und Chopper hielt sich die Hufe vor den Mund, um sein wissendes Kichern zu unterdrücken. Nami hingegegen verstummte ganz untypisch und schüttelte den Kopf, damit ihre Haare ihre roten Wangen wenigstens ein bisschen verbargen.
Ruffy schaute sie an und sie erwiderte den Blick. Es war die älteste Magie der Welt, die in Namis Augen die Sterne leuchten ließ und hatte nichts mit den Naturgesetzen der Rorrim See zu tun. Sie lächelte ein wenig schief und schüchtern, und zauberte damit ein Brickeln in Ruffys Brust, dass er dachte, er hätte Galaxien verschluckt, die sich in einem wahnwitzigen Tanz weiterdrehten.
„Tut, was Nami sagt.“, befahl er zwar mit der ganz Autorität des Captains, schaffte es trotzdem nicht, sich zu bewegen.

Die Mannschaft blickte sich an und trat in den Hintergrund. Franky fuhr die Schaufelräder aus und lenkte die Thousand Sunny zurück auf die Milchstraße, der Rest sammelte sich auf dem Rasendeck und warf hin und wieder neugierige Blicke zu ihrem Captain und der Navigatorin.
„Heut ist ein Scheißtag.“, grummelte Sanji und pfrimmelte eine Zigarette hervor. Seinem Gesichtsausdruck nach würde er liebend gerne Ruffy und Zorro über Bord werfen. Vielleicht auch noch Brook, Lysop und Franky, nur um ganz sicher zu gehen. Chopper würde in seiner Gunst stehen, da er Arzt und zudem nur ein Rentier war. Da war die Gefahr doch nicht so groß, dass sich jemand in ihn verlieben würde. Außer Maja vielleicht, aber die dürfte das.
Um ihm wirklich noch den Rest zu geben, legte Zorro seinen Arm um Alba und grinste selbstgefällig. Aber Alba war nicht so sadistisch und machte sich von ihm los. Keine Geturtel in der Öffentlichkeit.
Mit einem Ruck fuhr das Schiff an und bewegte sich auf die Milchstraße zu. Und tatsächlich! Sobald sie wieder die Sterne unter sich hatten frischte der Wind auf und blies stark und gleichmäßig nach Westen.
Auf Namis Anweisungen konnte verzichtet werden, denn der Kurs war eindeutig und wurde von der Ewigkeit der Sterne vorgegeben.


*~*~*


Die Rorrim See war ein seltsames Gewässer.
Bei Tag und Nacht herrschte absolute Windstille, die es noch nicht mal den Seevögeln erlaubte, zu fliegen. Diese Vögel, die doch durch Jahrmillionen Perfektionierung dafür geschaffen waren, den leisesten Windhauch mit ihren Flügeln einzufangen, schafften es nicht, durch die Rorrim See zu fliegen.
Und so war die Besatzung der Thousand Sunny allein, so weit das Auge reichte.
Erst bei Nacht frischte eine Brise auf, die aber nur Auswirkungen auf die Breite der gespiegelten Milchstraße hatte. Wenn man sich auf diesem Sternenpfad befand kam der Wind immer schön beständig, so dass man mit ordentlichem Tempo gemütlich vor sich hin zockeln konnte. Es war zwar nicht ganz so schnell, wie wenn man den ganzen Tag durchfahren konnte, aber da sie eh mit einer Flaute gerechnet hatte, hatten sie extra Proviant dabei und somit keine großen Sorgen.
Das kleine Extrazuckerl an dieser Art der Fortbewegung war, dass pro Nacht zwei Mann locker ausreichten, das Schiff auf Kurs zu halten.

Die einzelnen Mitglieder hatten unglaublich viel Zeit. Für Ruffys Geschmack fast zu viel, aber in Bezug auf Nami musste er in letzter Zeit so viel nachdenken, dass es ihm manchmal tatsächlich geschah, dass Stunden wie Sekunden zerrannen. Es waren verwirrende Tage für ihn.
Doch Alba nutzte einen dieser raren Momente, in denen der Captain Chopper mal nicht mit Unfug belästigte, und legte ihm ein kleines gelbes Heftchen und einige Unterlagen unter die Nase, als er sich auf dem Rasendeck ein wenig in seine Bücher vertieft hatte.
„Das ist Majas Impfpass und Krankheitsgeschichte. Das Problem ist, dass wir noch nie zweimal beim gleichen Arzt waren. Könntest du dir das mal anschauen, ob irgendwelche Impfungen fehlen oder ich eine Vorsorgeuntersuchung vergessen habe?“
Chopper warf die Bücher, die er gerade noch gelesen hatte, beiseite und klappte den dünnen Hefter auf.  „Mhm, mh. … Mmmh … Scheint ja recht gesund zu sein, die Kleine. Hier einmal eine gequetschte Hand.“
„Segelunfall und ich war nicht schnell genug.“, gestand Alba zerknirscht.
„Die kann ich mir nachher mal ansehen, aber da hab ich eigentlich keinerlei Auffälligkeiten gesehen. Und einmal gab´s Paracetamol – Zäpfchen gegen eine Ohrenentzündung. Japp, sieht gut aus.“
Erleichtert atmete Alba aus. Sie wusste ja, dass das Kind gesund war, aber es nochmal von einem Arzt bestätigt zu bekommen, tat gut.
Chopper überflog noch einige Aufzeichnungen, die Alba für sich selber angefertigt hatte, und blickte dann auf. „Ich bin kein Kinderarzt und hatte mit Kindern auch noch kaum zu tun. Das muss dir klar sein. Aber ich kann sie mir gerne mal anschauen, ob es irgendwelche Auffälligkeiten gibt, Sehschwäche, Herzgeräusche, wie´s mit den Zähnen ausschaut...“
„Chopper! Tu doch nicht immer so bescheiden. Du bist der beste Arzt der Welt!“
„Das stimmt doch gar nicht!“, flötete Chopper und tänzelte auf einem Bein hin und her.
Alba grinste und trieb ihre Lobpreisungen sogar noch weiter. „Doch. Du warst doch sogar der erste Arzt, der sie untersucht hat. Als sie noch gar nicht geboren war. Du kennst sie also fast so gut wie ich.“
Vom Oberdeck klang Majas begeistertes Kreischen zu ihnen und Zorros immer mürrisch klingendes Gegrummel antwortete. Da das Schiff so bewegungsunfähig in der Flaute lag und wirklich keiner mit einem Angriff rechnete, durfte das Kind frei über das Schiff toben und alles erkunden. Als Alba das letzte Mal geschaut hatte, war sie ständig gerutscht.
„Hihi.“ Er griff nach dem gelben Impfpass und untersuchte die Einträge. „Mh, soweit ich das beurteilen kann, hat sie alle wichtigen Impfungen bereits bekommen. Ich werde sie lediglich auffrischen. Muss allerdings erst noch schauen, ob ich das alles da hab.“
Er sah wieder auf und blickte kurz hinter Alba. Sie hörte wie schwere Stiefel die Treppe runterpolterten und drehte sich um.
Zorro kam, doch er war nicht alleine. Majas Beine waren hinter seinem Nacken verhakt und ihr Kopf baumelte irgendwo auf Gürtelhöhe. Da sie kopfüber hing, war das Kleid hochgerutscht und entblößte die pummeligen Beine in der wild gemusterten Strumpfhose und den nackten, gut gefüllten Bauch. Das Kleid reichte bis über ihr Gesicht und ließ nur noch ein paar widerspenstige Haare unten heraus blitzen. Maja hatte ihren Spaß, denn sie lachte haltlos.
Zorro grinste schief. „Schaut mal, wen ich schon wieder bei Lysops Fleischfressenden Pflanzen gefunden habe.“
„Ich hab dir schon x- mal gesagt, dass du da nicht hingehen darfst. Die sind gefährlich! Dafür solltest du einen Denkzettel bekommen.“, sprach Alba und drückte ihrer Tochter einen Pfurzschmatzer auf den Bauch. Sie lachte so hemmungslos, dass Zorro sie nicht mehr halten konnte und vorsichtig absetzen musste.
Chopper schob Majas Krankenakte zusammen und sah zu Zorro hoch. „Gut, dass du da bist. Ich sollte dich impfen.“
„Pft, Babykram. Impf´ lieber den Löffelschwinger gegen Herzschmerz.“
„Sanji ist gegen alles geimpft. Der ist mit seiner Gesundheit nicht so nachlässig wie du. Aber bei dir hab ich gar keine Ahnung, welche Krankheiten du schon hattest -“
„Masern.“ Selbst in der Erinnerung daran musste Zorro sich kratzen und mit einem Plumpser lies er sich neben Alba ins Gras fallen.
„- und gegen welche du überhaupt keinen Schutz hast.“, beendete Chopper seine Ausführungen.
„Ist doch egal. Wenn ich irgendwas erwische, haust du mir ne doppelte Dosis Antibiotika rein und gut ist.“ Mit einem Ausdruck glücklicher Abwesenheit tätschelte er Albas Knie und jagte damit Flammenstöße durch ihre Nerven. Aber von so was lies sie sich nicht beirren. „Du darfst das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Sie heißen vielleicht Kinderkrankheiten, aber für einen Erwachsenen können sie sehr gefährlich werden.“
„Genau.“, bestätigte Chopper und hob dozierend einen Huf. „Wenn sich zum Beispiel ein erwachsener Mann mit Mumps ansteckt, kann er in Folge dessen eine Meningitis oder auch eine Orchitis bekommen.“
„Ja, ja … Schon klar.“, murmelte Zorro. Er fand das Eigenleben seiner Hand, die inzwischen über Albas Oberschenkel wanderte, wesentlich spannender. Deswegen musste Chopper auch zu etwas drastischer Maßnahmen greifen: „Bei einer Orchitis schwellen die Hoden auf die Größe von Honigmelonen an!“
„WAS?“, schrie Zorro und sprang auf. „Kinderkrankheit hast du gesagt?“ Er schmiss sich Maja über die Schulter und klemmte sich Chopper unter den Arm, bevor er Richtung Behandlungszimmer sprintete. „Du hast doch noch genug von dem Stoff da, oder?“

*~*~*

Ausgepowert und glücklich lag er da. Hatte sie halb unter sich begraben, als wollte er ihr verletzliche Nacktheit vor den hungrigen Augen der Nacht verbergen, die gierig gegen die Scheiben des Krähennests drückte.
Mit zarten Fingern fuhr sie die glatte Fläche seiner Rippenbögen nach. Immer wieder, als könnte sie gar nicht glauben, dass er da war.
Er richtete sich auf und strich ihr mit dem Handrücken ein paar Strähnen aus dem Gesicht. „Was ist los?“
„Was soll los sein?“
„Bist du nicht zufrieden mit mir?“
„Mh?“ Sie hatte keine Ahnung, was er meinte und streckte die Hand nach oben um dem kantigen Schwung seines Kieferknochens zu folgen. Es war Abend und seine Kinn war rau wie Sandpapier.
„Na, gerade eben.“
„Es war sehr schön.“, hauchte sie und ein rosiger Schein legte sich auf ihre Wangen. Obwohl sie gerade miteinander geschlafen hatten, war es ihr ein bisschen peinlich auch noch offen darüber zu reden. Diese Intimität war selbst nach fast zwei Wochen noch völlig neu für sie.
„Aber du hast nicht diese Geräusche gemacht.“, begehrte er auf.
Sie runzelte die Stirn und schob ihn ein bisschen von sich. „Ich mache Geräusche?“
„Ja, wenn es dir gefällt, machst du eine ganze Reihe seltsamer Geräusche.“ Er grinste sie an, weil er diese Töne einfach liebte.
„Aha. Vielleicht bist du auch nur so laut, dass du nichts anderes mehr hörst.“
„Darum sind wir auch hier oben, Kleines.“ Er grinste ziemlich dreckig, wurde aber gleich wieder ernst. „Hat es dir nicht gefallen?“
„Es war sehr schön.“, wiederholte sie stur. Alba wusste zwar, was er meinte, war aber von Natur aus der eher stille Typ, der nicht über alles reden musste. In dieser Hinsicht passten sie eigentlich ganz gut zusammen.
„Aber du bist nicht gekommen.“ Für den Bruchteil einer Sekunde zuckten ihre Augenbrauen missbilligend. Sie mochte eine solche Ausdrucksweise nicht. Man musste den Liebesakt doch nicht sezieren und analysieren und ihn seiner Magie rauben!
Er sah es und beugte sich zu ihr runter, bevor er gegen ihre Lippen raunte: „Wenn du richtig zu den Sternen fliegst, klingst du anders.“ Er küsste sie.
Seine Hand liebkoste ihre Brust und wanderte tiefer. Immer tiefer und ein unterdrücktes Stöhnen entrang sich ihrer Kehle.
Er grinste in den Kuss hinein. „Genau dieses Geräusch hab ich gemeint. Und jetzt will ich das Quieken hören.“
Sie kratzte ihren letzten Rest an Verstand zusammen und flüsterte: „Ich quieke?“
Seine Finger taten etwas Unerhörtes. „Iiiieek!“
In dieser Nacht gab sie noch viele seltsame Geräusche von sich.
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