Ein Traum für die nächste Generation

GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
Lorenor Zorro Mihawk "Falkenauge" Dulacre Monkey D. Ruffy
06.01.2012
16.02.2019
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Tja, nach einigen hoffnungsvollen Bitten hat die Mail Driakunas nun den Ausschlag gegeben: Ich werde den Rest auch noch posten.
Es fällt mir nicht leicht, denn ich habe mich schon im Laufe des Schreibens weiterentwickelt und natürlich auch in den letzten 4 ½ Jahren meiner Abwesenheit, aber ich kenne auch diesen Frust aus eigener Erfahrung, den eine unvollendete Geschichte beim Leser hinterlässt.
Der Weg und das Ende der Geschichte haben sich nicht geändert und bis Kapitel 58 sind sie auch alle schon 4 bis 5 Jahre alt, aber ich bin sehr, sehr unzufrieden mit der Darstellung Mihawks und und der „Nichtigkeit“ meiner Story und  brauchte deswegen diese Pause. In all der Zeit hab ich es  nicht fertig gebracht, das Thema „Mihawk – Alba – Zorro“ zufriedenstellend zu beenden.
Ich habe vor es nach bestem Vermögen fertig zu erzählen, aber nach Kapitel 59 wird es wohl eher eine Aneinanderreihung von Gegebenheiten und Umständen werden, als eine flüssige Story; Hauptsache, dieses Ding findet sein Ende.
in Liebe
Juli



Neuer Kurs

Die Tür zur Damenkajüte öffnete sich zaghaft und wie eine vorsichtige Schnecke streckte Zorro den Kopf herein. Alba sah von ihrer Arbeit auf und spürte, wie ihr Herz ein Stockwerk tiefer rutschte.
Eine Stunde zuvor beim Frühstück hatte sie ihn zwar gegrüßt und freundlich gelächelt, aber wirklich reden wollte sie nicht mit ihm.
Er schob sich ganz herein und schloss die Tür wieder sorgfältig, blieb aber dort stehen und lehnte seinen Rücken dagegen. „Wo ist Maja?“
„Sie, Chopper und Ruffy machen Sanji gerade das Leben zur Hölle.“
Triumphierend machte er eine Faust. „Yes! Ich liebe die Kleine.“
Alba rollte mit den Augen. Sanji war dabei – besser gesagt: er versuchte – Plätzchen zu backen, aber Alba glaubte, dass mehr Teig in Majas Mund wanderte als in das Backrohr.
Zorro blickte sich in dem Zimmer um, als würde er sich tatsächlich dafür interessieren. „Und was machst du?“
Sie hob das Stück Stoff von ihrem Schoss in die Luft. „Ich versuche mich an einem Kleidchen für Maja. Das war mal ein Rock von Nami, an den ich gerade versuche, Träger zu nähen“ Alba wedelte mit dem traurigen Anfängen eines solchen Trägers, den sie aus dem Saum geschnitten hatte. Eigentlich konnte sie sich die Arbeit sparen – für Maja hatte sie erst auf Illumina einen Großeinkauf gemacht -, aber sie hatte sich vor einem klärenden Gespräch mit ihrem nächtlichem Abenteuer verkriechen wollen. Doch dieser Plan ging wohl nicht auf. Wenn sich Zorro was in den Kopf setzte, dann bekam er das auch.
„Ich glaub, Nami hat genug Klamotten.“ Ein wenig abwesend huschte sein Blick zu einem der Sessel, auf dem ein Berg Röcke, Hosen und Shirts lag und darauf wartete, dass man die Preisschilder abschnitt.
„Hm.“, machte Alba und nähte weiter und stach sich prompt in den Finger. War wohl keine so gute Idee mit einem spitzen Werkzeug zu hantieren, wenn sich das Objekt der Begie- … Ein gaaanz gefährlicher Schwertkämpfer im Raum befand. Sie seufzte genervt und legte das Nähzeug beiseite. „Also gut. Wie sollen wir jetzt weiter verfahren?“
Zorro hob eine Augenbraue und drehte wortlos den Schlüssel im Schloss.
Alba riss die Augen auf. „Das ist nicht dein Ernst! Nicht jetzt, nicht in diesem Zimmer und überhaupt nicht in der Nähe der Anderen. Sie könnten es hören!“ Bei dieser Vorstellung klang sie geradezu entsetzt.
Auf seinem Gesicht machte sich dieses Grinsen breit, das er immer dann bekam, wenn er unterschätzt worden war, und bei dem Albas Knie ein wenig weich wurden.
„Aber du schließt die Möglichkeit nicht aus?“ Sein Blick hatte etwas Lauerndes und Alba bekam das Gefühl, würde sie jetzt die falsche Antwort geben, wäre er enttäuscht.
Sie rang nach den richtigen Worten, war ihm aber nicht schnell genug, denn er unterbrach sie rabiat.
„Ich bin Pirat und das werde ich auch immer bleiben, aber das heißt nicht, dass ich ein gefühlloses Monster bin.“ Zorro verstummte. Er war mit Worten einfach nicht so geschickt, wie mit seinen Schwertern. Aber sie verstand ihn trotzdem. Er meinte damit, dass er so etwas wie gestern Nacht gerne wiederholen würde, er sie aber zu nichts drängen wollte. Er wollte ihr mit den Mitteln, die ihm zur Verfügung standen, sagen, dass er ihr niemals weh tun würde.
„Ich weiß.“ Und in ihren Augen konnte er lesen, dass sie es nicht nur so sagte, sondern dass sie diese Gewissheit in der vergangen Nacht erlangt hatte.
„Es war sehr schön.“ Bei diesem zarten Rosa auf ihren Wangen und bei dem ertappten Lächeln machte sein Herz einen Hüpfer. „Und ich … würde es gerne … wiederholen, aber …“ Alba wurde leise und spielte mit dem Stoff in ihren Händen. Sie wusste nicht, wie es sagen sollte.
„Aber was? War´s doch nicht so toll, oder wie?“
„Zorro! Darum geht’s nicht. Wir sind hier auf einem Schiff und hier gibt es keine Privatssphäre. Bei den Göttern! Ich bekomme alleine durch die erhöhte Anzahl ihrer Toilettengänge mit, wenn Nami und Robin ihre Tagen haben. Wie sollen wir dann so was wie eine Beziehung geheim halten?“
„Warum geheim halten? Ich hab keine Geheimnisse vor der Crew.“, erklärte Zorro und verschränkte mit einem trotzigen Gesichtsausdruck die Arme vor der Brust.
„Aber vielleicht will ich nicht, dass alle wissen, dass ich mit dem Vize ins Bett gehe? Wie schaut denn das aus? Als ob ich mir hier irgendwas erkaufe.“ Sie widmete sich wieder der Handarbeit und nähte einen Knopf an. Dass sie dabei die Unterlippe schmollend nach vorne schob, bemerkte sie nicht. „Es kommt mir einfach nicht richtig vor. Auf einem Schiff sollte es keine anderen Bindungen geben, als eine gleichwertige Freundschaft für alle Nakama.“
„Aber du bist kein Mitglied der Crew. Du bist ein Gast und somit auch nicht an unseren Piratenkodex gebunden.“ Langsam ließ sich Zorro an der Wand zu Boden rutschen. Ihre Bedenken hatte er bereits mit einem Schulterzucken weggewischt.
Aber er ahnte ja auch nicht, dass sie viel tiefer gingen. Denn Alba stand genau dazwischen.
Zwischen Mihawk und Zorro.
Würde sie Mihawk jetzt verraten, wenn sie sich auf etwas Intensiveres mit seinem erklärten Herausfordere einließ? Würde er denken, sie hätte Zorro irgendwelche Schwachstellen von ihrem Vater verraten oder würde er Zorro dann umso erbarmungsloser besiegen?
Und was, wenn sie sich ganz auf Zorro einließ? Was, wenn er dann im Kampf von ihrem eigenen Vater umgebracht werden würde? Oder wenn Zorro Mihawk umbringt? Könnte sie einem von beiden verzeihen? Alba wälzte dieses Szenario hin und her und versuchte wie so oft, alle Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Aber vielleicht könnte sie es auch zu ihrem Vorteil nutzen, indem sie beiden verbot gegeneinander anzutreten.
Belustigt über ihre eigene Dummheit stieß sie die Luft durch die Nase und würgte den Stoff, als wäre es der Hals von einem der beiden Schwertkämpfer. Keiner von beiden würde sich etwas von ihr vorschreiben lassen. Erst recht nicht, wen man umbringen dürfe und wen nicht.
Zorro hatte sie genau beobachtet und runzelte jetzt ebenfalls amüsiert die Stirn. „Was ist so lustig?“
„Nichts.“
Schweigend brütete sie über die Situation nach und sah doch kein Licht. Sie konnte keine neutrale Stelle einnehmen. Würde sie Zorro abweisen, könnte es im Nachhinein heißen, sie hätte Mihawks Seite gewählt. Ließe sie sich allerdings auf diesen Flirt ein, könnte man ihr vorwerfen, unstet zu sein und ihren eigenen Vater hintergangen zu haben.
XXX wie ein Fähnlein im Wind, opportunistisch
Keine dieser Aussichten gefielen ihr. Egal wie sie sich entscheiden würde, könnte es das Falsche sein.
Zorro stand wieder auf und streckte sich. Gemächlich schlenderte er zu ihr, ging leicht in die Knie und hob ihr Kinn an. „Ich weiß zwar nicht, was daran so kompliziert sein soll, aber ich würde so etwas wie letzte Nacht schon wiederholen.“ Er küsste sie und verließ den Raum.


*~*~*

Als Alba es auch endlich wagte, das Zimmer aufzugeben, welches sich bei Weitem nicht als so sicher herausgestellt hatte wie erhofft, lag das Schiff beinahe verlassen in der kleinen Bucht, wo es vor Anker gegangen war.
Der Großteil war mit sich selbst beschäftigt oder auf Landgang, doch Nami hatte etliche Karten und Pläne über den großen Tisch in der Bibliothek ausgebreitet. Sie war sich über den neuen Kurs noch nicht sicher. Ruffy gierte nach Abenteuern, aber noch keine der Nadeln hatte sich schon neu eingestellt und in der Stadt war sie noch an keine brauchbaren Informationen gekommen. Die Vivrecards würden im Laufe des Tages fertig werden und einem schnellen Aufbruch stünde dann nichts mehr im Weg. Seit dem Angriff auf Maja hegte keiner der Crew mehr Vertrauen in die Sicherheit dieser Insel und je eher sie wegkamen um so besser. Dass sie Alba und Maja mitnehmen würden, stand außer Frage, denn hier war es nicht sicher genug und weder Robin noch Alba hatten hier Revolutionäre gefunden, bei denen man unterkommen konnte.
In ihre Überlegungen vertieft war Nami über ihre Karten gebeugt, als Ruffy die Tür mit ordentlich Schmackes aufstieß. Sie erschreckte sich so sehr, dass sie mit dem Zirkel einen dicken Riss in das Papier machte. Ruffy hatte noch in so fern Glück, dass es kein selbstgemachtes Kunstwerk gewesen war, in das sie Stunden an Arbeit investiert hatte, sondern ein gekauftes Objekt von eher zweifelhafter Qualität. Darum durfte er seinen Kopf vorerst auch noch behalten, aber sie brodelte. „Was willst du?“
Ruffy bemerkte, wegen seines Hakis oder schlichtem Überlebensinstinkt, dass er etwas vorsichtiger handeln sollte und streckte ihr über einen Meter Sicherheitsabstand hinweg ein altes Stück Papier entgegen. „Da. Hab ich gefunden. Die alte Schrulle hat gesagt, dass es eine Karte zu einem Schatz ist.“
Die kaputte Karte auf dem Tisch war vergessen, als Nami ihm das Stück Pergament aus der Hand riss und über den alten ausbreitete. „Das ist keine Karte.“
„Aber da ist ein Kreuz. Und ein Kreuz markiert immer einen Schatz.“, beharrte Ruffy und deutete auf ein Kreuz in einem Haufen Punkten.
„Mmh.“, machte Nami und untersuchte das Objekt genauer. Es hatte die typische Größe von Seekarten, war aber schon so alt, dass sich die Knickstellen als scharfe Grate abhoben. Ein großer Wasserschaden wellte die obere Ecke und musste beschwert werden. Linien zogen ein gleichmäßiges Raster, dass Nami an Längen- und Breitengrade denken ließ. Aber weder Land, noch See, noch Höhenunterschiede waren zu sehen. Nur eine große Anzahle an Punkten von unterschiedlicher Größe, die scheinbar willkürlich über das Blatt geworfen waren.
Ruffy stand so dicht neben ihr, dass sie die Hitze seines Armes auf ihrer Haut spüren konnte, und betrachtete das Gekritzel. „Ich hab keine Ahnung was das sein soll, aber ich hab gedacht, dir würde es gefallen. Darum hab ich´s mitgenommen.“
Nami spürte Hitze in ihre Wangen steigen und streichelte als Dankeschön über seinen Handrücken. „Das ist lieb von dir, aber so spontan fällt mir nichts dazu ein.“
Ruffy zog seine Hand zurück, weil sich ihre Berührung komisch anfühlte. Jeder, der nicht von der Gum – Gum Frucht gegessen hätte, hätte elektrische Schläge gespürt, aber Ruffy war nur ein wenig gekitzelt worden. Um die Nase ebenfalls ein wenig rosa griff er nach der Karte und zeigte die Rückseite. „Schau: Da steht noch was.“
Namis Augen wurden groß. Mit so etwas hätte sie am allerwenigsten gerechnet. Schnell zog sie die Karte mit sich und stürzte aus dem Raum. Flink, aber ahnungslos folgte Ruffy ihr.
Atemlos erreichten beide Robin und Chopper, die unter freiem Himmel in ihren neuerworbenen Büchern schmökerten.
„Robin! Schau dir das an: Ruffy hat eine Nachricht in Porneglyphen gefunden.“ Der Archäologin waren Erstaunen, Freude und Verwirrung in ihr ansonsten so regloses Gesicht geschrieben, als sie das Fundstück untersuchte. Leise vor sich hinmurmelnd huschten ihre Augen über den Text, dann drehte sie die Karte um, um sich die Punkte anzusehen. Doch sie verstand das Gekritzel wohl ebenso wenig, denn sie las sich noch mal die Schrift durch.
„Was steht denn da?“, drängelte Ruffy und zerrte aufgeregt an seinem Hut.
„Es ist ein Gedicht. Aber ich verstehe es nicht. Dort steht:


Ist der Sucher zum Finder geworden,
war das Gesuchte wohl gut verborgen.

Du darfst nicht nur auf die Füße blicken
Nach oben, weit hinaus über den Rand
musst du deine Gedanken schicken.
Dort findest du mehr als schnöden Tand.

Ein Schatz, der ist so groß und mächtig,
dass selbst der größte König wirkt schmächtig.
Seit achthundert Jahren schon verborgen,
bereitet er den Weisen nur Sorgen.

Versteckt wird er sicher und gut,
doch ihn zu finden erfordert großen Mut.

Die Insel, wo alles brennen kann,
wo Wissen noch nie im Sand verran:
Von dort aus im Westen erreichst du viel,
wenn du losziehst ohne Kurs und ohne Ziel.

Segel bis die Winde völlig versiegen
und die Rorrim See will dich verbiegen.
Nichts Irdenem darfst du mehr trauen.
Auf verschüttete Milch musst du schauen.

Die Sternen werden den Weg dir weisen,
und du wirst sogar auf ihnen reisen.




Robin verstummte und das Schweigen dehnte sich weiter aus, bis Ruffy es nicht mehr aushielt. „Uuund? Was soll das jetzt heißen?“
„Ich weiß es nicht genau.“, murmelte Robin geistesabwesend. Verunsichert tippte sie sich mit ihrem Zeigefinger ans Kinn, bevor sie die Augen aufschlug und Ruffy fixierte. „Ich weiß nur eins: Captain, ich will zu dieser Insel.“
Ruffy legte den Kopf schief, wurde aber aufgrund ihres Tonfalls sehr ernst. „Warum?“
„Es ist die Schrift der Porneglyphen! Und ein achthundert Jahre alter Schatz! Vor achthundert Jahren endete die verlorene Epoche und vielleicht gibt mir dieser Schatz oder diese Insel einen Hinweis darauf.“
Die Aufregung ließ ihre Stimme zittern, wie man es bei ihr sonst selten hört, und Begeisterung malte rote Flecken auf ihr Dekolleté. „Wenn selbst ein König schmächtig wirkt, … vielleicht war dann damals vor achthundert Jahren tatsächlich eine Waffe an allem Schuld. Oder auch ein so großer Geldbetrag, dass es die gesamte Weltwirtschaft erschüttern könnte. Ich weiß es nicht.“
Ruffy betrachtete seine Archäologin mit ungewöhnlichem Interesse, aber sie bemerkte es nicht, so sehr war sie in Gedanken auf die Schriftzeichen versunken, die für ihn eher so aussahen, als wäre ein Insekt in Tinte gefallen und dann hilflos über das Pergament getorkelt.
Doch eigentlich musste er gar nicht darüber nachdenken, denn sein Entschluss stand schon seit ihrem ersten Wort fest: „Gut, sobald Sanji den Kühlschrank aufgefüllt hat, fahren wir dahin.“
Wäre Alba anwesend gewesen hätte sie sich sehr gewundert, aber für Ruffy war es das Selbstverständlichste der Welt. Er konnte von seinen Leuten nichts verlangen, was er selber nicht geben wollte. Auch seine Freunde hatten Wünsche und Träume und er als ihr Captain musste alles tun, um diese zu erfüllen. Erst dann könnte er von seinen Nakama verlangen, dass sie ihn zum König der Piraten machten.
„Wohin?“, fragte Nami mit großen Augen.
„Na, dahin.“, stellte Ruffy nochmal klar und wedelte mit der Hand unbestimmt in Richtung Karte.
„Aber ich hab keine Ahnung, wo das sein soll!“
„WAAASS!! Du musst aber Ahnung haben. Du bist die Navigatorin. Wenn du nicht weißt, wo´s langgeht, dann geht’s ja nie weiter. Soll ich etwa Zorro fragen?“ Obwohl er seinem besten Freund wirklich bedenkenlos sein Leben anvertrauen würde, spiegelte sich bei diesem Gedanken Panik in seiner Miene. „Ich will Abenteuer und nicht im Kreis segeln.“
Bei Ruffys kraftlosem Anblick kicherte Robin und glockenhell schallte ihre Erleichterung über das Deck. „Nun, ich würde sagen: Diese Richtung.“ Sie deutete auf einen Punkt am Horizont, wo in ein paar Stunden die Sonne untergehen würde. Kurz überlegte Nami und nickte dann verstehend. „Du meinst also die Insel, wo alles brennen kann, wo Wissen noch nie im Sand verran ist Origami? Von hier aus nach Westen, bis wir in eine Flaute geraten? Das klingt ganz schön ungemütlich.“ Es schüttelte sie, als sie sich vorstellte, auf hoher See festzustecken und langsam dem Proviant dabei zu zusehen, wie er zur Neige geht.
Ruffy ergriff Namis Handgelenk und stellte sich ganz dicht an sie heran, eigentlich zu dicht, um es noch als angenehm zu empfinden, aber sie bewegte sich eher noch auf ihn zu. „Nein Nami. Das klingt nach Abenteuer! Wenn du losziehst ohne Kurs und ohne Ziel.“, zitierte er den Text mit rauer Stimme.
„Aber wie wird es dann weiter gehen?“, flüsterte Nami und tastete haltsuchend nach seiner Jacke.
„Das werden wir dann schon sehen.“, versprach Ruffy. „Und am Ende wird ein Schatz auf dich warten.“

Die Crew lichtete noch am selbem Abend die Anker.
Nur eine der Nadeln hatte sich bereits auf ihr Ziel eingestellt, deutete aber in die entgegengesetzte Richtung. Aber keiner in der Mannschaft machte sich darüber groß Sorgen. Der Kühlschrank war gefüllt. Was sollte schon schief gehen?
Die Cola – Vorräte waren wieder aufgestockt worden und die Vivrecards hatten alle ihre Eigentümer erreicht. Albas erste Handlung bestand darin, ein Stückchen dieses Papier, das ständig auf sie zuhielt, an Nami zu geben und im Gegenzug davon ein Stück von Namis Karte zu erlangen.
Das Schiff segelte die Nacht durch, der Sonne hinterher. Nami war aufs äußerste angespannt und ließ das Steuer nicht für eine Minute aus den Händen, aber es gab keine bösen Überraschungen. Ganz im Gegenteil: Der Wind frischte eher noch auf, als wollte er das Schiff besonders schnell vorantreiben.
Am zweiten Tage ihres Aufbruchs, hatte Alba einen Entschluss gefasst und Chopper in seinem kleinen Krankenzimmer aufgesucht. Mit Bedacht hatte sie ihn beobachtet und einen Moment abgepasst, wo keiner ihrer beider Verschwinden bemerken würde.
Er freute sich mit kindlichem Eifer, als Alba ihm eröffnete, dass sie seinen medizinischen Rat bräuchte und um das Ganze offiziell zu machen, zog er sich einen Kittel an, legte sein blank poliertes Stethoskop um den Hals und bat sie, auf der Liege Platz zu nehmen.
Alba stieß ob seines Übereifers die Luft aus, tat ihm aber den Gefallen und musste schief grinsen, als Chopper auf den Stuhl hopste und eine seriöse Miene zu Schau stellte.
„Es gibt da unerwartete Ereignisse, denen ich nicht ganz schutzlos ausgeliefert sein möchte.“, eröffnete sie ihr Anliegen ein wenig steif.
Chopper blinzelte ratlos.
„Ähm , nun ja, … Du bist Arzt und wirst doch wohl wissen, wie das mit der menschlichen Fortpflanzung funktioniert, oder?“
„Jahaa … ?“ Er wirkte jetzt geradezu konfus.
„Also … Es sieht folgendermaßen aus: Ich werde die nächste Zeit wahrscheinlich öfter mit einem Mann intim werden und möchte aber kein weiteres Kind.“
„Zorro!“
„Ist das so offensichtlich?“, jammerte Alba und vergrub den Kopf in den Händen.
Chopper tätschelte tröstend ihr Knie und beruhigte sie. „Nein, eigentlich nicht, aber Nami wollte euch von Anfang an verkuppeln und weil ich ja so süß und unschuldig aussehe, vergisst sie immer, dass ich eigentlich schon ziemlich intelligent bin und man keine Selbstgespräche führen sollte, wenn ich dabei bin.“
Alba klappte der Mund auf. „Verkuppeln …?“
„Japp. Zum Beispiel, dass ihr euch auf Illumina das Zimmer teilen musstet.“ Chopper wirkte in Keinsterweise schadenfroh, sondern lieb wie immer und schien sich ehrlich zu freuen, dass Namis Plan Früchte trug. Mit einem dumpfen Plumpser hatte er sich auf seinen Stuhl fallen lassen und drehte sich hin und her.
Schnaubend streichelte Alba über das Tsukimaru, entschied sich dann aber doch dagegen, Nami zu köpfen. Das wäre äußerst unklug, wenn man ohne Kurs auf offener See feststeckte. Sie konnten schließlich noch nicht mal nach Origami zurück kehren, da der LogPort völlig orientierungslos umherwirbelte. Die Navigatorin war ihre beste Lebensversicherung. Aber die Götter sollten Gnade mit ihr haben, wenn sie wieder festen Boden unter den Füßen hätte, denn Alba hätte sie ganz sicher nicht!
Chopper betrachtete sie mit einer Neugier, als wollte er äußerliche Anzeichen von ihrem Verliebtsein suchen, unterbrach sie in ihren Überlegungen aber nicht, bis sie ihn wieder fokussierte und fragte erst dann zaghaft nach: „Also tut Zorro dir gut, oder? Ich meine aus psychologischer Sicht. Ah, ich seh schon, da muss ich mir keine Sorgen machen!“, lachte er laut und Alba stimmte schließlich leise mit ein. Manchmal war ein gläsernes Gesicht vielleicht nicht unbedingt das schlechteste. Es ersparte ihr in diesem Fall einen langen und peinlichen Monolog über ihre Gefühle, die sie selber nicht so wirklich verstand und auch eigentlich gar nicht ergründen wollte.
Wieder ernst stoppte er seinen Stuhl abrupt und verschränkte die Arme vor der Brust. „Mit der Frage nach einem Verhütungsmittel hättest du zu mir kommen sollen, bevor wir abgelegt haben. Vielleicht hätte ich auf Origami ein Medikament gefunden, das wirklich hundertprozentigen Schutz bietet. Obwohl …“ Er rutschte zu Boden und blickte sich die Bücher seines Regals an. Abwesend schob er seinen Hut zurück. „Im Grunde gibt es da gar keine Methode, die wirklich sicher ist. Vor etwa achtzehn bis zwanzig Jahren war ein Hormonpräparat im Umlauf, dass absolute Protektion versprach. Doch anscheinend hatte die Firma, die es hergestellt hat, einen Leerlauf und eine immense Menge des Präparats wurde ohne Wirkstoff produziert und in Umlauf gebracht. Es geht das Gerücht, dass ein sehr bekannter Pirat zu dieser Zeit wahnsinnig viele Frauen beglückt hat und neun Monate nach diesem Missgeschick sollen dann unglaublich viele Kinder mit der selten Haarfarbe dieses Piraten zur Welt gekommen sein; knallrot oder so...“ Chopper zuckte die Schultern und wanderte zu seinem Schreibtisch, wo er in einer Schublade gruschte. „Es ist nur ein Gerücht, aber genau wegen sowas hab ich immer ein bisschen Angst, dass wir in zwanzig Jahren von einer Horde Teenager gejagt werden, die mit ihren Ringelaugenbrauen als Anhaltspunkt ihren Vater suchen.“ Mit einem unschuldigen Grinsen unter der blauen Nase und einem kleinen Etui in den Hufen drehte er sich wieder um.
Nicht ganz ohne Hintergedanken hakte Alba noch mal nach. „Und vor einer Horde grünhaariger Kinder hast du keine Angst?“
„Nö. Zwischenzeitlich hab ich sogar mal gedacht, dass Zorro auf Männer steht, so wenig wie er Frauen beachtet hatte, ganz zu schweigen, dass er für irgendeine tiefergehendes Interesse gezeigt hätte.“
„Ah …“ Alba konzentrierte sich auf das Etui und versuchte dieses warme Gefühl aus ihren Wangen zu verbannen, das diese Worte in ihr auslösten. War sie etwa so besonders, dass er sich scheinbar nur von ihr betören ließ? Oder war er etwa so ein guter Schauspieler, dass keiner aus der Crew seine Eskapaden bei den Landgängen bemerkt hatte?
„Also, ich kann dir weder ein mechanisches noch ein hormonelles Mittel geben. Vielleicht kann man irgendwo auf diesem Schiff ein paar Kondome auftreiben, aber darauf würde ich mich nicht verlassen. Ich würde dir momentan zur Temperaturmethode raten.“ Mit diesen Worten drückte er ihr das Etui in die Hände, in welchem sich ein neues, sehr präzises Thermometer befand. „Du musst jeden Morgen nach dem Aufstehen die Basalttemperatur messen – das ist das Temperaturminimum während des Schlafs. Wenn diese Temperatur an drei Tagen hintereinander höher war, war kurz zuvor der Eisprung. Man geht davon aus, dass acht Tage vor und vier Tage nach dem Eisprung auf den Sex verzichtet werden sollte.“
Alba betrachtet die simple Grafik, die Chopper auf einen Notizblock zeichnete und zog die Augenbrauen zusammen. Das war ein riesiger Aufwand. Bei ihrem Lebenswandel hier auf dem Schiff, konnte es leicht sein, dass sie mal ne Nacht lang nicht schlief, oder nur im Stundentakt oder dass Stress sie völlig groggi machte und sie gleich einmal zwölf Stunden am Stück schlief.
Und wieder konnte Chopper ihre Gedanken an ihrer Nasenspitze ablesen. „Bei dieser Methode werden immerhin noch ein bis drei Frauen von Hundert schwanger. Wenn du wirklich keine weiteren Kinder haben willst, empfehle ich dir Abstinenz. Zumindest so lange, bis wir wieder eine Insel erreichen.“
Das wäre wohl das Klügste.
Aber Alba hatte es satt immer nur das Klügste und Sinnvollste zu tun. Sie wollte in Emotionen und Leidenschaft versinken, wollte dem wilden Pferd, das Teil eines jeden ist, die Zügel schießen lassen, auf das es sie bis an den Horizont trüge.
Und über den Rand der Welt.
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