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Code Of Honour: FOOTPRINTS IN THE SAND (#4)

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Het
Captain Jack Sparrow
06.01.2012
06.01.2012
1
6.404
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06.01.2012 6.404
 
a) Nachdem ich im Moment versuche, alle meine älteren offenen Fanfic-Projekte abzuschließen, stelle ich hiermit auch den abschließenden Teil der ‚Code Of Honour‘-Serie online. Da die Filme für mich leider spätestens ab dem Ende des zweiten Teils ihren Reiz verloren haben, habe ich die Inspiration für diese Serie bedauerlicherweise schon vor längerem verloren. Trotzdem wollte ich eventuelle frühere Leser nicht mit einem offenen Ende da stehen lassen und habe daher eine Geschichte, die lange nach dem letzten online gestellten Teil spielt, zu einem abschließenden Ende umgewandelt. Die Ereignisse zwischen ‚Answer‘ und ‚Footprints in the sand‘ wurden in ein paar Erinnerungen zusammengefasst. Als kleine Entschädigung gäb’s für Reviewer über 18 Jahre die ganze Szene am Schluss in Vollversion per E-Mail ;). Sollte ich eines Tages doch wieder einmal Inspiration für diese Serie haben, schreibe ich die fehlenden Szenen eventuell noch nach, im Moment sieht es aber nicht danach aus.

b) bisherige Teile dieser Serie:
- Teil 1
- Teil 2
- Teil 3




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Serie: Pirates Of The Caribbean: Code Of Honour
Titel: FOOTPRINTS IN THE SAND (#4)
Titelbild
Autor: Storm{X}Padmé
Disclaimer: Alle originalen Charaktere und Elemente gehören Disney, den Rechteinhabern und allen, die dafür bezahlen. Ich geb sie ja wieder zurück, ich leih sie mir doch nur... Ich tu ihnen auch nicht weh… Jedenfalls nicht sehr *G*.
Universum: AU ab dem Ende von POTC 2
Zeitlinie: einige Zeit nach dem Ende von POTC 2
Paarung: Will/OC, Jack/OC, Elizabeth/Beckett, Elizabeth/Norrington
Zensur: R (Erotik)
Zusammenfassung: Am Ende eines verlustreichen Kampfes finden sich zwei verwandte Seelen…
formale Bemerkungen:
- kursive Sätze = Erinnerungen oder zur Betonung
- Sätze in ‚ ‚-Zeichen = eigene Gedanken oder indirekte Rede
Feedback: Ist nicht nur erwünscht sondern wird auch geknuddelt, abgeschmust, gestreichelt und George genannt :D







Pirates Of The Caribbean: Code Of Honour
FOOTPRINTS IN THE SAND
(#4)



You walked with me. Footprints in the sand...
And helped me understand where I’m going.

You walked with me when I was all alone,
with so much unknown along the way.

So many times have I been so afraid.

And just when I, I thought I lost my way,
you gave me strength to carry on.

I promise you, I’m always there.
When your heart is filled with sorrow
and despair,

I’ll carry you.
When you need a friend,
you’ll find my footprints in the sand.


Leona Lewis – Footprints in the sand







“Melancholisch, liebste, Iry?“

„Nur nachdenklich.“ Eigentlich war Irene gerade so gar nicht in Stimmung für Jacks übliche Zoten und versuchte ihn mit einer wegwerfenden Handbewegung wegzuschicken. Aber dafür kannte er sie nach so vielen langen Monaten gemeinsam an Bord der Night Pearl zu gut. Auch ihr sehnsüchtiger Blick zum Ruder, wo ihr zweiter Captain mit seinem Mädchen im Arm stand, hätte sie verraten.
Es war schon hart genug gewesen, bei dem Blick auf die Feierlichkeiten in Port Royal in der Ferne, den vielen fröhlichen Stimmen und der lauten Musik anlässlich Elizabeths und Norringtons Hochzeit, keine Miene zu verziehen- ein Kampf, den sie irgendwann verloren hatte. Wieso fiel es ihr nur so schwer, sich mit ihren Freunden zu freuen? Gerade Elizabeth hatte es so verdient, mit jemandem zusammen zu sein, der sie glücklich machte…

Sie alle hatten es sich verdient, glücklich zu sein. Sie alle hatten genug für die Rettung der See geopfert.

Wills Vater zum Beispiel seine lebenslange Freiheit als neuer Captain der Flying Dutchman- und Tia ihre verflossene Liebe Davy Jones. Sicher das überraschendste und schockierendste Geständnis der letzten aufwühlenden Monate. Zu erfahren, wer es gewesen war, der Jones ungewollt zu diesem Monster gemacht hatte, das er gewesen war, hatte die Crew tief erschüttert. Oder warum Tia der Sieg gegen ihn so wichtig gewesen war. Und wenn es nur gewesen war, um Frieden zu finden. Es war vielleicht der schlimmste Moment in einem harten Kampf mit der Dutchman gewesen, als ausgerechnet Tia mit ihrem Degen den entscheidenden Schlag gegen Jones hatte ausführen müssen, in jenem einzigem Augenblick, als er verwundbar geworden war, sein Herz entblößt, einer tödlichen Klinge ausgeliefert. Ein Teil der Zauberin war mit ihm gestorben und würde ab jetzt unter der Flagge der Dutchman mit ins Reich der Toten segeln, jede Nacht wieder. Wie es die Bestimmung des Schiffs war.

Für diese Wiederherstellung des Friedens hatten sie alle ihre Freiheit an Land gegeben. Gouverneur Swanns öffentliche Erklärung gegen sie alle, die Wiederholung ihrer Todesurteile in Port Royal, war seine einzige Möglichkeit gewesen, seine Position in der Stadt zu behaupten. Und diese vor dem zerstörerischen Einfluss der Trading Company zu schützen.

Und indem sie bei ihrem Vater geblieben war, hatte Elizabeth das Meer für immer aufgegeben. Ihr Leben als zukünftige Gouverneurin würde es ihr unmöglich machen, ihren geliebten Abenteuern nachzugehen. Norrington würde alle Hände voll zu tun haben, sie von diesem lebenslangen Schmerz abzulenken…

Irene hingegen… Irene hatte das opfern müssen, was Tia ihr von Anfang an prophezeit hatte. Ihre Sicherheit, ihre Unschuld als Magierin des weißen Zaubers. Nie wieder wollte sie Flüche aussprechen müssen, wie sie sie gebraucht hatte, um das Meer in den letzten Monaten zu ihren Gunsten zu beherrschen. Zum Beispiel, als Beckett mit seiner Verlobten im Kerker seines Schiffs aufgebrochen war, um das Herz von Norrington zurückzuerobern. Oder um die Pearl solange vor Kanonenkugeln zu schützen, bis der Kampf entschieden gewesen war.
Und schließlich, um Wills schwer verwundeten Vater solange am Leben zu erhalten, bis sie das Herz an seine sterbende Hand hatten heranführen können- sein letzter Wunsch als lebendiger Mann, um seine Schuld der See und seinem Sohn gegenüber abzutragen.
Auch einen Teil von sich selbst hatte Irene in dieser schweren Truhe, die versteckt in der Schatzkammer der Pearl das Herz des neuen Captains verbarg, verschlossen.
Mehr als je zuvor hätte sie sich jemanden an ihre Seite gewünscht, um all diese schlimmen Erlebnisse zu verarbeiten, so wie Leilani jemanden hatte, und Will…

Auch Elizabeth, seitdem Norrington nach Irenes Heilung bei ihm überraschend die Seiten gewechselt hatte und ihr einmal mehr seine Liebe gestanden hatte. Diesmal hatte sie nicht gezögert, sich für ihn zu entscheiden, für einen Mann, der sie vergötterte, und für ein sicheres, wohl behütetes Leben an der Seite ihres Vaters.

Wo war der Mann, der Irene nachts wecken würde, wenn sie die Albträume an die vielen Verluste des Endkampfs quälen würden? Wenn die Erinnerungen kommen würden, jedes Mal wieder, wenn sie die Augen schloss?

An Wills Tränen, als er sich erneut, diesmal für immer, von seinem Vater hatte verabschieden müssen…
An Kolins verbrannten, zerfetzten Leib auf den bebenden Planken der Dutchman.
Ragettis gequälter Gesichtsausdruck, Pintels unbeherrschte Schreie der Wut, als sich ein Degen in das Herz seines Freundes gebohrt hatte- diesmal hatte ihn kein Fluch gerettet…
Die schweren Verbrennungen auf Gibbs‘ Gesicht, wieder nächtelange, kräftezehrende Heilsitzungen bei ihm und auch bei Jack- und diesen Kampf hatte sie diesmal am Ende aufgeben müssen.

Obwohl Jack ihr niemals einen Vorwurf gewacht hatte, konnte sie die Niederlage immer noch nicht verwinden, dass sie zwar sein Schiff aber nicht ihn vor den Waffen seiner Feinde hatte beschützen können. Sein linker Arm würde vielleicht nie wieder so funktionieren wie früher.
Und trotzdem war er jetzt für sie da. Er hatte in seinem Leben viel besser gelernt, mit Verlusten umzugehen als sie. „Was war denn vorhin? Du warst auf einmal nicht mehr an Deck...“ Jack stellte sich neben sie und bot ihr einen Schluck aus seiner Flasche an, ungewöhnlich zurückhaltend mit seinen Worten für seine sonstige Indiskretion. Er musste bemerkt haben, dass sie sich für ihr kindisches Verhalten schämte.

Während sie nach ihrem ersten gemeinsamen Saufgelage mit ihm, damals auf der Americana noch, fast immer höflich aber bestimmt abgelehnt hatte, griff sie heute zu. Solange sie daran dachte, würde es nicht wieder zu so einer Situation kommen, wo sie am nächsten Tag nicht mehr in den Spiegel sehen konnte. „Nichts eigentlich. Ich bin doch froh, dass alles so gut ausgegangen ist. Ich bin unmöglich zu den anderen und weiß nicht mal, warum.“

„Haben Meermädchen eigentlich… du weißt schon…“ Er machte eine undeutliche Bewegung über ihren Körper. „…diese speziellen Tage im Monat?“

„Natürlich haben wir das. Ich bin halb menschlich, schon vergessen?“, seufzte sie. „Aber jeden Tag im Monat?“

„Weißt du, Liebes, dann gibt es nicht mehr viele Möglichkeiten. Aus meinem überaus reichen Erfahrungsschatz mit Frauen kann ich dir berichten: Wenn es Krach bei Mädchen gibt, liegt das immer an einem Mann.“ Jack musterte Irene argwöhnisch, sah zurück zum Deck, wo Will sich kaum von Leilanis Lippen lösen konnte.

Die beiden schien wohl ihren Freunden auf Port Royal inspiriert worden zu sein… Irene hatte so eine Ahnung, was da passieren würde, wenn die beiden bald ihren Aufenthalt auf Sea Hakws Insel beginnen würden, um sich vom Kampf zu erholen und Sea Hawks Angebot eines ausgedehnten Fecht-Trainings wahrzunehmen. Sie würden als verheiratete Leute zurückkommen.

Nun, diesmal würde sie wenigstens nicht dabei sein müssen und sich mit Schmerz und Enttäuschung im Herzen fragen, ob sie niemals jemanden finden würde, dem sie sich so nahe fühlen konnte.

„Du willst doch nicht immer noch den Grünschnabel? Der hat gar nicht genug, um dich glücklich zu machen.“

„Selbst wenn das so wäre – und ich bezweifle, dass du das beurteilen kannst, außer da ist etwas zwischen euch beiden, was ich nicht weiß – ginge es dich nichts an, oder?“, fauchte Irene, milderte ihren Tonfall aber sofort, als Jack zurückzuckte. Das hatten sie doch hinter sich. Eigentlich redete sie gern mit ihm. Er verstand sie, er war immer für sie da. Er verdiente es nicht, dass sie ihn so anfuhr.
„Ich will nichts von ihm. Er ist hübsch und sympathisch, aber das löst noch keine Gefühle in mir aus. Trotzdem tut es weh, wenn sie sich küssen, vor meinen Augen, oder wenn sie zusammen in ihre Kabine gehen…“





„Vielleicht bist du neidisch?“, mutmaßte Jack, abwesend, weil sich da ein leider nur zu bekanntes Gefühl in ihm einstellte. Das Verlangen, Irene in den Arm zu nehmen. Und nicht nur freundschaftlich. Da hatte er einmal eine Freundschaft zu einer Frau aufgebaut, und was passierte? Er verliebte sich in sie. Dabei war er der festen Überzeugung gewesen, das würde nicht passieren… Dass er immun dagegen war…
Warum nur hatte sie ihm so deutlich sagen müssen, dass sie Will eben nicht wollte? Das war bisher so ziemlich der einzige Hinderungsgrund gewesen, sich ihr nicht zu nähern- Tiri Kelas eventuelle Rache hatte er im Grunde immer nur als Vorwand benutzt. Wer so viele Flüche und Kämpfe wie er lebend überstanden hatte, fürchtete sich nicht mal vor einem Meereskönig.

„Hörst du mir eigentlich zu? Ich sagte, ich bin nicht in ihn verliebt! Ich will, dass die beiden glücklich sind! Aber… wenn er sie dann im Arm hat… Ich wünschte einfach, ich könnte das nur einmal erfahren, wie das ist, wenn jemand einen so festhält und sich mit einem beschäftigt… Und einen so nimmt, wie man ist…“





Irene quiekte auf, als Jack sie plötzlich an den Schultern nahm, an sich heran riss und sie küsste, dass ihr hören und sehen verging. Sie versuchte sich schwach loszumachen, gegen diesen harten Griff in ihrem Nacken anzukämpfen, aber ihre Bewegungen kamen viel zu zögerlich, und sie bekam auch ihr Knie nicht hoch, um ihm solche Mätzchen für immer auszutreiben. Und das lag nicht daran, dass sie ihm kräftemäßig in Menschenform unterlegen war. Stattdessen erwischte sie sich dabei, wie sie ihren Mund öffnete, sodass sich seine Zunge hineinschwindeln konnte. Sicher nur, um ihn anzuschreien, dass er sie sofort loslassen und nie wieder anfassen sollte… Was auch sonst? Es konnte auf keinen Fall daran liegen, dass ihr gefiel, was er da tat, dass sie sich nach mehr sehnte, als seine andere Hand über ihre Taille strich… Aber warum erwiderte sie den Kuss dann?

Jack sah wohl ihre heillose Verwirrung auf ihrem Gesicht widergespiegelt. „Äh… Nichts für ungut...“

„Du hast mich geküsst.“ Sie flüsterte es fassungslos, als müsste sie es aussprechen, um es zu begreifen.

„Ja.“ Er konnte sich ein zufriedenes Grinsen nicht verkneifen. „Ja, das hab ich wohl. Und es war sogar noch besser, als ich es mir vorgestellt habe.“

„Du hast es dir vorgestellt? Du sollst dir nichts vorstellen! Du hast dir nicht irgendwelche Fantasien in deinem kranken Kopf über mich auszumalen!“ Irene schaffte es, zumindest endlich einen Schritt von ihm zurückzutreten. „Wie kannst du nur? Ich dachte, wir beide würden uns verstehen!“

„Haben wir doch“, meinte er verwirrt. „Eigentlich habe ich eine Ohrfeige erwartet. Das hat sich anders angefühlt.“

„Das kann gar nicht sein.“ Irene berührte wie in Zeitlupe ihre Lippen, als könnte sie die Erinnerung an den Kuss so vertreiben. „Du hast mich nur überrumpelt, das ist alles. Du hast meine Situation ausgenutzt. Du hast mir meinen ersten Kuss gestohlen. Du hast mir vorgemacht, wir könnten Freunde sein, dabei willst du mich nur ins Bett zerren, so wie alle anderen Frauen…“
Was redete sie da, bei Triton? Das stimmte doch gar nicht! Sie hatte es in seinen Augen gesehen. Da waren Gefühle gewesen. Gefühle, mit denen sie nicht klarkam, und deswegen tat sie ihm jetzt weh…
Sie wollte sich entschuldigen, aber er wandte sich abrupt zum Gehen. „Jack, warte…“

„Schon gut. Du hast deine Sicht der Dinge sehr klar gemacht. Ich hatte irgendwo in meinem kranken Kopf wohl die schizophrene Vorstellung, dass du auf der Suche nach Liebe bist und du mich magst. Wie konnte ich das nur glauben? Als ob irgendjemand längerfristig mit Jack Sparrow befreundet sein wollen würde.“ Kein ‚Captain’ vor seinem Namen. Sie hatte ihn verdammt hart getroffen.

„Jack! Ich hab das nicht so…“ Sie wollte ihm folgen, aber er hielt nicht.

„Vergiss es einfach.“ Und schon war er weg, direkt auf dem Weg in seine Kabine, so wie das aussah, an den neugierig schauenden und tuschelnden Piraten vorbei.

Jetzt kamen sie wieder, die Tränen. Irene drehte sich rasch zur Reling, um sie zu verbergen. „Ich weiß doch nur nichts über Gefühle, das ist alles.“

Kaia sah fragend zu ihr hoch, wollte wissen, warum da Tränen auf sie hinunterfielen.

„Ich komme, Süße.“ Ein paar Stunden Schwimmen… Doch, das klang jetzt gut. Irene stieg auf die Reling und schloss die Augen, berührte ihren Wechseldiamanten. Der starke, gute Zauber von Nautica hüllte sie ein und gab ihr wenigstens ein wenig Sicherheit und Trost. Egal wie verwirrt sie gerade war, wie schlecht es ihr ging… Das würde sie immer haben. Nautica, ihre Familie, die See und ihr Leben. Sie hätte jederzeit dahin zurückgehen können. Aber das wollte sie nun mal nicht. Sie hatte hier ihre Freunde, ihre zweite Familie. Die würde sie nicht wegen dieser Situation jetzt wegwerfen.
Trotzdem musste sie für ein paar Stunden weg von ihnen, weg von diesem belastenden, wirren Leben als Mensch mit all diesen Emotionen. Sie atmete erleichtert auf, als ihr Unterkörper der übliche, schreiende Schmerz durchzuckte, als ihre Beine taub wurden, weil sie vom Körper getrennt wurden, eingetauscht gegen die Flosse, die sie seit ihrem Schlüpfen trug. Ihre Bluse und die Leinen darunter lösten sich auf, verschwanden genau wie ihre Beine in dieser magischen Zwischenwelt, wo sie zurückgeholt wurden, wenn sie sich zurückverwandeln würde. Das tröstende, kühle Gefühl der Ketten ihres Nixen-Oberteils begleitete sie, als sie sich mit ihrer Flosse von der Reling abstieß und ins Wasser eintauchte.

Kaia stieß sie fragend mit dem Kopf an und fragte sie in ihrer noch etwas unbeholfenen Sprache, was los war.

„Ich weiß es nicht, Süße. Ich glaube, ich habe einen großen Fehler gemacht.“
Irene strich der Kleinen abwesend über ihren Rücken, blieb etwas hinter der Pearl zurück, um sie nicht die ganze Zeit im Auge oder im Rücken zu haben. Sie musste sie nicht sehen, um ihr zu folgen. Innerhalb von Minuten konnte sie sie überall in der Distanz von bis zu einer Tagesreise einholen, und sie wusste, wo sie hinwollten. Außerdem hatte Will die Kette noch, die auch sie finden konnte, wenn sie sich konzentrierte, nicht nur ihr Vater.
Sie schloss die Augen und ließ sich treiben. Es war lange her, dass sie das letzte Mal zum Spaß, zur Entspannung im Meer gewesen war. Sie hoffte, dass ihre Gedanken verstummen würden, aber es geschah nicht. Warum hatte sie ihn zurückgeküsst? Der Rum, sicher… Nur hatte sie eigentlich nicht so viel getrunken gehabt. Sie hatte es gewollt, es hatte sich gut angefühlt… Natürlich hatte es das, es war ihr erster Kuss gewesen. Sie war neugierig gewesen. Aber warum tat es ihr dann so weh, dass Jack wütend auf sie war?
Ihre Flosse stieß gegen den Meeresgrund. Da saß sie also nun, starrte auf die Korallen, starrte nach oben zur Oberfläche und verzweifelte. Ihr Wechseldiamant hatte sie fast zerstört, als sie nicht gewusst hatte, was sie wollte. Wieso tat er es jetzt nicht? Sie hatte sich noch nie so verloren wie im Moment gefühlt. Oder? Hatte sie Jack vielleicht zurückgeküsst, weil sie es gewollt hatte? Ein erschreckender Gedanke. Sie musste sehr verzweifelt bei der Suche nach dem Richtigen sein, wenn sie das wirklich in Erwägung zog. Jack… Ein Halunke, ein Verräter…
Aber er hatte sich geändert. War es nicht das, was sie Will und Leilani immer wieder predigte, dass sich Jack geändert hatte? Dass er zumindest versuchte, ein guter Mensch zu sein? Dann konnte sie diese veraltete Ansicht jetzt nicht als Ausrede verwenden, um ihn wegzustoßen. Sie mochte ihn, daran bestand kein Zweifel. Er hatte ihr gezeigt, was es hieß zu leben, und sie hatte ihm gezeigt, was es hieß, zu atmen. Er hatte ihr gezeigt, wie man spuckte, sie hatte ihm gezeigt, wie man sang. Er hatte sie gelehrt zu weinen. Sie hatte ihn gelehrt, zu lachen.

Und nun hatte er ihr gezeigt, wie es war, wenn man begehrt wurde. Nicht nur körperlich, sondern ganzes, einheitliches Wesen. Als Mensch und Meerjungfrau. Er schreckte nicht vor ihrem Geheimnis zurück. Er wollte sie…

Sie lächelte, ohne es zu merken. So war das also, wenn jemand um einen warb… Er hatte nicht versucht, sie ins Bett zu zerren… Er hatte ihr ganz altmodisch Avancen gemacht, immer wieder, genau wie sie es ihm gezeigt hatte, als sie gedacht hatte, dass er in Wahrheit Leilani wollte. Sie hatte es nicht mal gemerkt. Schön, das wusste sie jetzt. Aber was sollte sie damit anfangen außer sich bei ihm wegen ihrer Fehleinschätzung zu entschuldigen?
Wieder dieses liebevolle Stupfen in die Seite. Erstaunt entdeckte sie etwas silbern Glitzerndes in Kaias Maul. Die Kleine sollte doch nichts aufheben… Wieso erzog Maddox sein Töchterchen nicht besser? Wo war der überhaupt? Der war die letzten Tage sehr zurückhaltend gewesen… „Na, gib her.“ Seufzend nahm sie Kaia ab, was immer sie für sie geholt hatte. Sie schnappte nach Luft. Das war einer von Jacks Ringen… Er hatte ihn verloren, als er im Kraken gewesen war… Er hatte sehr daran gehangen… „Wo hast du das her?“

Aber das würde wohl Kaias kleines Geheimnis bleiben, denn sie verschwand mit einem fröhlichen Gackern.

Irene steckte den Ring mit zitternden Händen an ihren Finger, damit sie ihn nicht verlieren würde. Er passte auf ihren Mittelfinger. Jack hatte ungewöhnlich feingliedrige Hände… Die Röte stieg ihr in die Wangen, als sie nur an diese besitzergreifenden Hände dachte, die sie gerade gehalten hatten. Natürlich war er anziehend… Das hatte sie schon bei ihrem ersten Treffen mit ihm gedacht, vor so vielen Jahren… Es war nicht so, als ob sie sich nicht manchmal vorstellte, wie sich das anfühlen würde, seine wilden Haare zu berühren und…
Aber das waren nur Träume. Menschen träumten auch von Sängern, Malern, Kriegern und Leuten, die Geld hatten. Sie konnte nicht einfach mit irgendjemandem ins Bett gehen. Das war heilig, ihr Körper war heilig… Erst wenn sie sicher war, dass sie mit jemandem eine Bindung eingehen wollte, durfte sie Sex haben. Bis vor drei Jahren war das kein Problem gewesen. Es war eklig gewesen, all diese Männer, die sie betatscht hatten…
Dann war die Sehnsucht nach echten Gefühlen, nach Liebe gekommen, und sie hatte sich auch nach der körperlichen Form davon gesehnt. Sie hatte sich berührt… Ihre Menschenform… Manchmal, in ihrer Höhle in Nautica ihre Fischform… Es war okay gewesen, aber es hatte keinen Sinn gehabt, kein Ziel, weil sie nicht gewusst hatte, wo sie ihr Leben verbringen wollte und damit nicht, ob sie einen Menschen oder einen Meermann als Mann haben würde. Nun aber wusste sie es. Sie wollte beides. Sie konnte nur beides haben, sonst würde sie sterben. Sie war Mädchen und Meerjungfrau. Wer mit ihr zusammen sein wollte, musste das akzeptieren. Jack akzeptierte es…
‚Logisch angehen, Irene. Du bist Medizinerin, bei Triton. Du hast gelernt, logisch zu denken.’
Nun denn. Sie mochte Jack. Sie mochte seine Freundschaft. Sie mochte seinen Körper.
Sie fühlte sich wohl, wenn sie mit ihm zusammen war. Sie vermisste ihn, wenn er in der Kapitänskabine und sie zwischen all den schnarchenden Piraten lag. Wenn er ihr ein Kompliment machte, strahlte sie.

Wenn er lachte, fühlte sie sich glücklich. Wenn er in Gefahr war, hatte sie fürchterliche Angst um ihn.
Jack hatte sie gelehrt, zu leben. Sie hatte Jack gelehrt, ein Herz zu haben.

Und die Tochter ihres Delphins hatte ihr gerade einen Ring gebracht, der Jack gehörte und ihr damit wohl so etwas wie ihren Segen gegeben. Wichtiger wäre das von Maddox gewesen, aber der war vielleicht genauso unsicher wie Irene und wollte ihr die Entscheidung selbst überlassen…

Frustriert hob sie den Kopf und schrie erschrocken auf, als sie plötzlich die Person, um die sich ihre Gedanken drehten, nahe der Wasseroberfläche entdeckte. Obwohl er sich eigentlich dazu viel zu weit weg von ihr aufhielt, erkannte sie es sogar von hier unten, dass er sie und nur sie ansah.

Neben Jack schwamm Maddox, der ihn wohl hierhergebracht hatte und sich bereitwillig von ihm streicheln ließ.

Fluchend eilte sie nach oben, legte die Arme um Jack und riss ihn regelrecht brutal mit zur Oberfläche, damit ihm nicht die Luft ausging. „Bist du verrückt geworden?“, fuhr sie ihn aufgebracht an, als er nur Sekunden später hustend und keuchend neben ihr trieb. „Was soll das?“

„Ich wollte dich sehen.“ Die geplatzten Ädern in seinen Augen vom plötzlichen Druck, seine nasse Kleidung, die sichtlichen Schmerzen in seiner Brust, das alles schmerzte sie, vermutlich mehr als ihn. Er hätte sterben können…

„Was hättest du gemacht, wenn ich dich nicht gesehen hätte? Oder wenn ich beschlossen hätte, dich für deine Dummheit sterben zu lassen?“

„Ich vertraue dir“, erwidere Jack nur simpel, als er wieder Luft hatte. Nicht mehr. Nur diese drei Worte.

Irene war sprachlos. Er war zurückgekommen, wegen ihr, obwohl sie ihn so verletzt hatte. Er hatte mit dem Feuer gespielt, nur um ihr zu beweisen, dass er es ernst meinte… Endlich verstand sie. Es mochte eine Summe aus allem sein, was ihr vorhin in den Sinn gekommen war, was sie an ihm mochte, aber vor allem war da dieses eine Gefühl. Dieses einzige Gefühl, wenn sie bei ihm war, und wenn sie nicht bei ihm war und nur an ihn dachte.
„Es tut mir leid, Jack. Ich habe vorhin Unsinn geredet. Ich war nur so… überrascht.“

„Du kennst mich, Liebes… So bin ich.“ Er hustete immer noch leise vor sich hin. Seit der Begegnung mit seinem Kraken war seine Lunge empfindlich, genau wie ihre.

Irene zwang ihn, sie anzusehen, mit beiden Händen an sein Gesicht gelegt. „Wenn du das noch einmal machst, töte ich dich eigenhändig.“

„Immer diese Drohungen…“ Er lächelte. Er hatte es in ihren Augen gesehen. Aber diesmal wartete er.

Noch konnte sie den endgültigen Schritt auf ihn nicht zugehen. Noch gab es da viel zu viele Dinge zu klären. „Weißt du, worauf du dich einlässt? Was mein Vater mit dir machen würde, wenn irgendwas schief geht? Du weißt, dass ich einmal in zwei Monaten meine Fischform annehmen muss, sonst bleibe ich für immer ein Mensch. Wenn ich schwanger werde, wäre die Verwandlung eine unsagbare Belastung für das Baby, das es vielleicht nicht überlebt. Du musst dein Leben lang mit dem Stillschweigen meines Geheimnisses leben…“

„Ich bin gut darin, Geheimnisse zu bewahren“, unterbrach Jack sie. „Ich habe meine eigenen, weißt du.
Ich hätte nicht so lange nach dir gesucht, und nicht so lange gewartet, nur um sicher zu sein, wenn es mir nicht ernst wäre. Ich habe Gefühle für dich. Ich will mit dir zusammen sein, egal wo.“

„Egal wo?“ Wie beiläufig ließ sie ihren Körper näher an seinen heran treiben, berührte mit ihrer Schwanzflosse verspielt seine Beine.

Sofort schlang er die Arme um sie, wie damals, im Kraken, presste sich mit seinem ganzen Körper gegen sie und schloss die Augen, um ihr zu zeigen, wie sehr er sich auf sie einließ.

Irene entspannte ihre Schwanzflosse und ließ sich nach unten sinken.

Es faszinierte sie immer wieder zu sehen, wie Jack im Wasser war. Er gehörte hinein. Er war das Wasser. Es war kein Widerstand für ihn. Er sah elegant und leicht wie ein Meermann darin aus. Wie ihr Vater gesagt hatte… Geboren aus der See… Gekommen zur See… Und hier würde er sterben… In weit, weit entfernter Zukunft, dafür würde sie sorgen.

Sie legte ihre Hand in seinen Nacken, genau wie damals, und legte ihre Lippen auf seine, flößte ihm die diesmal reine Luft aus ihren Kiemen ein. Ihre Zungen trafen aufeinander. Ihre Lippen rieben sich aneinander. Sie küssten sich und gaben sich zugleich Leben. Noch nie hatte Irene etwas so Intensives erlebt.
Obwohl es ein unbeschreiblicher Zustand war, siegte schnell die Vernunft, und sie schwamm zurück an die Oberfläche. So tauchten sie gemeinsam auf, in einer engen Umarmung, in einem innigen Kuss versunken, für ein paar Momente völlig frei und abgeschirmt von der Welt rund um sie herum.

Wie gut sich sein Körper so nahe an ihrem anfühlte, seine starken Arme, die sich einen Weg unter ihre Ketten suchten, um die Haut darunter zu berühren, seine breite Brust, die sich an ihre presste, sein schneller Herzschlag,… Die sehnigen Beine, die sie mit ihrer Flosse umspielte… Und diese Lippen, die mit ihren spielten und ihr zeigten, was man so alles beim Küssen anstellen konnte, ohne dass sie sich lächerlich vorgekommen wäre…

Sie musste etwas zurückweichen, weil ihr schwindlig wurde, entweder vom Sauerstoffmangel, von der Aufregung oder von beidem, und das war auf See keine gute Idee. „Wir sollten zurück. Du kannst nicht so lange hier bleiben.“ Sie strich ihm liebevoll ein paar nasse Haarsträhnen aus der Stirn.

„Zerbrich dir nicht meinen Kopf.“ Seine Hand hatte ihren Nacken erreicht und streichelte darüber, während seine zweite forschend, neugierig über ihre Flosse glitt. „Ich für meinen Teil fühle mich gerade sehr wohl…“

Die Berührung ihrer Flosse ließ Irenes Herz rasen. Er schreckte nicht davor zurück… Er wollte sie dort anfassen… Das machten sonst nur Meermänner… Es fühlte sich an wie Stromschläge, an jeder einzelnen Schuppe.
Viel zu früh, zu überstürzt. Auch wenn er das wollte… Darauf musste man hinarbeiten. Und sicher nicht hier, im offenen Gewässer oder wenn sie ihn ständig beatmen musste. „Nicht.“ Sie zwang sich, seine Hand wegzunehmen und sie zu küssen. „Nicht gleich. Ich will in eine Höhle, wo wir unsere Ruhe haben. Aber zuerst… Zuerst will ich dich als Mensch. Ich will wissen, wie sich das anfühlt. Ich muss dich verzaubern, damit du mit mir auf den Grund kommen kannst. Ich will Zeit haben und nicht dauernd denken, dass die anderen sich Sorgen machen, wo wir bleiben.“

„Da hast du Recht“, seufzte er mit nicht mehr ganz klarer Stimme. Die Vernunft siegte. Aber vorher gab es noch einen langen Kuss und ein weiteres Streicheln ihres Nackens. „Ich will nicht, dass du dich zu irgendwas verpflichtet fühlst“, versicherte er, als sie sich voneinander lösten und Irene in seinen Armen zitterte. „Ich habe über fünfzehn Jahre auf dich gewartet, ich schaffe das auch noch länger.“

Als Antwort ließ Irene ihre Hand an seiner Brust nach unten wandern, strich mit den Nägeln verspielt darüber. Es war schön zu sehen, wie er darauf reagierte, wie sich seine Augen schlossen, seine Hand in ihrem Nacken verkrampfte. Es war unmöglich, sich zurückzuhalten, als sie plötzlich fühlte, wovon sie sonst immer nur gehört und geträumt hatte.

„Iry…“ Mehr als dieses eine geflüsterte Wort schien er plötzlich nicht mehr herauszubringen. Sein Kopf lag auf ihrer Schulter, sie konnte seinen heißen, schnellen Atem an ihrer Haut fühlen. Er befolgte ihrem Wunsch und ließ die Hände von ihrer Flosse. Stattdessen tastete er sich an ihrem Oberkörper nach oben, strich die Ketten beiseite, streichelte über ihren flachen, kräftigen Bauch, den ausgeprägten Rippenbogen, zum unteren Rand ihres Oberteils, tastete das Material über ihrer Haut aus.

Sie wollte, dass er dieses verdammte Ding einfach auszog, dass er sie berührte, mit Händen und Lippen… Doch für letzteres hätte sie entweder auftauchen müssen, und jeder vorbeikommende Seefahrer hätte ihre nackten Brüste gesehen, oder er hätte untertauchen müssen, und das Ganze hätte nicht sehr lange gedauert. Nein, die Entscheidung,mit dieser Art von Berührungen zu warten, bis sie an einen ungestörten Platz unter Wasser konnten, war richtig gewesen. Sie wollte jetzt nur mehr zurück zum Schiff, sich zurückverwandeln, in Jacks Kabine gehen und ihm seine Kleidung vom Leib reißen.
Sie wiederholte, was sie eben ausprobiert hatte, und spürte sofort, wie Jacks ganzer Körper erbebte. Es musste lange her sein, dass er eine Frau gehabt hatte, wenn er so heftig auf sie reagierte…

Keine paar Sekunden später stöhnte er an ihrer Schulter heftig auf. Ganz langsam nur beruhigte sich sein Atem. „Du hättest auch einfach sagen können, was du willst.“

„Wo bleibt der Spaß, wenn ich dich nicht überraschen kann?“ Sie brachte ihn dazu, sie anzusehen. „Ich fühle, dass da Liebe zwischen uns ist. Sie wird noch viel mitmachen müssen und weiter wachsen, aber sie ist da. Ich will bei dir sein. Es gibt also keinen Grund, warum ich dir nicht meinen Körper schenken sollte.“

„Ich werde dich nicht enttäuschen.“ Keine einzige Sekunde ließ er ihren Blick bei diesem Versprechen los. „Ich will mit dir zusammen sein… Für immer.“

Für immer… Ein großes Wort, ausgerechnet von ihm, das sie strahlen ließ. „Wohin die See uns auch trägt…“

„…wir sind standhaft“, fügte er lächelnd hinzu. „Und wohin der Himmel auch zeigt…“

„…wir folgen ohne Zögern.“ Sie kuschelte sich für einen langen, glücklichen Moment an ihn. „Ich kann es kaum erwarten, bis wir bei dir sind.“

„Dann machen wir uns lieber auf den Weg, oder?“, zwinkerte er ihr zu.

„Absolut. Festhalten.“ Die Erinnerung gehörte zu einer ihrer schönsten überhaupt, wie sie das letzte Mal mit ihm durch die Fluten gerast war, damals, vor so vielen Jahren.

Er hatte es genossen, nie wieder hatte sie ihn so strahlen gesehen… Bis auf eben, als sie zusammengekommen waren. Ihr Vater hatte Recht: Jack war die See. Und nichts anderes konnte er als Partnerin haben als die See- oder das, was sie zu bieten hatte. Er ließ sie kaum aus den Augen, verlor sich in ihrem Anblick, wie sie ihn durch das Wasser trug, wie ihre Flosse zu einer einzigen, flüssigen Bewegung wurde…

Viel zu schnell kam die Pearl wieder in Sichtweite. Sie sah Will mit dem Fernrohr an Deck stehen. Also machten sich die anderen bereits Gedanken.

Sie winkte ihm kurz zu, um zu zeigen, dass alles in Ordnung war.
„Sagen wir es ihnen?“, fragte sie Jack, leicht verlegen.

„Wir haben nichts zu verheimlichen. Warte, ich helfe dir.“ Er kletterte als erstes an der Leiter nach oben, hängte sich ein und legte die Arme um Irenes Oberkörper. „Festhalten.“

„Du bist lieb.“ Überrascht sah sie zu ihm hoch. Dass er daran gedacht hatte… Die Rückverwandlung war immer mühsam, weil sie aufpassen musste, nicht abzurutschen, wenn der Schmerz sie erfasste. Diesmal hielt Jack sie fest, und sie konnte sich gehen lassen, das Zittern zulassen, das Gefühl der Leere, als ihre Flosse verschwand und ihre Beine zurückkamen, ihr unterdrücktes Stöhnen, ihre verschwommene Sicht von der körperlichen Belastung.

Als sie die Augen aufschlug, lag sie immer noch völlig sicher in Jacks Armen. Er sah ein wenig blass aus, strich ihr unablässig über die Haare. „Ich wusste nicht, dass es so wehtut.“

„Ich habe mich daran gewöhnt“, wehrte sie ab. „Aber es war noch nie so leicht wie heute.“ Sie drückte ihn glücklich an sich. „Danke. Komm.“ Sie kletterten an Deck, ignorierten die gaffenden Blicke der Männer.





„Habt ihr nichts zu tun?“
Jack zog sich Kopftuch, Gürtel und Hut an und quälte sich in seine Stiefel, alles mit fliegender Ungeduld, weil er sowieso alles gleich wieder loswerden würde… Gut dass es bereits dunkel war. Bis zum Abend hätte er unmöglich warten können. Nicht jetzt wo Irene ihm gesagt hatte, dass sie es wollte… So sehr sie ihn gerade auch mit ihrer Aktion überrumpelt hatte… Es hatte auch definitiv etwas Gutes. Jetzt konnte er sich ganz in Ruhe um sie kümmern, bevor ihn seine Triebe völlig übermannen würden. Und er hatte vor, das lange und ausführlich zu tun…

Die meisten Männer waren verschwunden, als er das nächste Mal aufsah. Nur Gibbs stand noch an der Reling, mit einem neugierigen Grinsen, und Will und Leilani hatten ihren üblichen Logenplatz beim Ruder, von wo sie alles beobachteten. Außerdem hätte er wetten können, dass Pintel hinter der nächsten Ecke wartete.

„Wir haben uns Sorgen gemacht“, erklärte Gibbs in vorwurfsvollem Tonfall. „Du hättest dich wenigstens abmelden können. Du hättest ertrinken können…“

„Doch nicht, solange Iry auf ihn aufpasst“, ließ sich Leilani kichernd vom Ruder vernehmen. „Aber nächstes Mal könntet ihr uns wirklich vorher sagen, wenn ihr auf Tauchgang gehen wollt.“

„Also gut, das reicht.“ Jack zog Irene an sich heran, vergrub seine Hände in ihren Haaren und küsste sie fast so wild wie vorhin, als er sie überrascht hatte.

Nach einem ersten Moment der Überraschung schmiegte sie sich bereitwillig an ihn und küsste ihn zurück, genoss die Berührung seiner Zungenspitze und das Kitzeln seiner Barthaare. Als er seine Hand über ihren Rücken nach unten, über ihren Po gleiten ließ, was ihren Atem sofort wieder schneller werden ließ, und dann über ihren Oberschenkel streichelte, hob sie ihr Bein und glitt damit über seins, hakte es bei seinem ein. „Captain…“ Sie wischte ihm liebevoll den verschmierten Ruß unter seinen Augen weg. „Gewährt Ihr mir Unterkunft?“

„Mylady…“ Er bot ihr galant seinen Arm zum Einhängen an.
„Und ihr schaut nicht so dumm. Das war es doch, was ihr sehen wolltet.“
Breit grinsend führte er Irene unter Deck. „Tut mir leid, ich konnte nicht widerstehen.“

„Du weißt doch, ich steh auf große Auftritte...“ Sie schmiegte schnurrend sich an ihn, bis sie in seinem Teil der Kapitänskabine angekommen waren und sie sich für einen kurzen Moment etwas verloren vorkam. Das Bett… Sie hatte ihn eindeutig provoziert… Jetzt gab es kein Zurück mehr…

Jack bemerkte ihren unsicheren Gesichtsausdruck sofort und schob sie sanft etwas von sich, um ihre Hände zu nehmen. „Hier gibt’s nicht umsonst auch ein Sofa. Es hat sich nichts daran geändert, dass ich nicht mit dir zusammen bin, um dich ins Bett zu bekommen.“

So war das nun also, sie waren zusammen… Sogar den anderen hatten sie es gezeigt… Sie strahlte. Natürlich würde sie keinen Rückzieher machen. Sie wollte ihn spüren, so wie vorhin und noch viel näher… In ihr… Die Vorstellung trieb ihr das Blut in die Wangen. Sie hob wortlos ihre Hände zu ihrem Hemd, begann es aufzuknöpfen.

„Warte.“ Sofort waren da Aufregung, Ungeduld in Jacks Gesicht. Er ging zu einer Petroleumlampe an der Wand und verteilte das Feuer auf drei schwarzen Kerzen über seinem Bett und der zweiten Lampe an der gegenüber liegenden Wand, sodass es jetzt um einiges heller im Raum war. „Ich will dich sehen.“ Er blies den Docht aus und legte ihn beiseite, bevor er zu Irene zurückkam.

Etwas verlegen machte Irene da weiter, wo sie aufgehört hatte. Sie kannte ihren Körper, er war nach normalen Maßstäben schön… Aber würde er das auch so sehen? Jack Sparrow, der eigentlich auf eine große Brust und weibliche Hüften fixiert war? Sie schalt sich für diesen dummen Gedanken. Wenn er sie nicht schön gefunden hätte, wäre er nicht mit ihr hier gewesen.

Es überraschte sie, dass er so ruhig stehen blieb und ihr zusah. In der Vergangenheit hatte es sich oft nicht vermeiden lassen, Männer zu gewissen Zwecken soweit an sich heranzulassen, dass sie sich auszuziehen begann. Immer hatten die Kerle das selbst übernehmen wollen, wenn sie sie zu dem Zeitpunkt noch nicht genug abgefüllt gehabt hatte. Wenn sie angefangen hatte, war ihre Hand immer weggestoßen worden. Die meisten Männer wollten ihre Macht demonstrieren, zeigen, wer die Kontrolle hatte…

Jack stand einfach nur da und sah ihr zu. Er ließ ihr ihren freien Willen, er unterbrach sie nicht einfach. Er ließ sie tun, was sie tun wollte, weil er wusste, wie wichtig ihr das war.

Erneut spürte sie ganz deutlich, wie tief ihre Gefühle für ihn bereits gingen. Sie ließ ihre Bluse zu Boden fallen und öffnete als nächstes ihre enge weiße Hose. Gut, dass sie ihre Stiefel an Deck gelassen hatte, weil sie zu faul gewesen war, sich mit nasser Hose hineinzustemmen. Dazu fehlten ihr Jacks Kraft und seine Geduld. Nun stand sie nur mehr in Leinen und Höschen vor ihm und genoss seine bewundernden Blicke auf ihrem Körper. Er musste es schon öfter gesehen haben, bevor sie schwimmen gegangen war, aber heute durfte er sie zum ersten Mal offiziell anstarren… Sie ließ ihm die Freude, erleichtert, dass er sie nicht zu dünn fand und ihn auch ihre Narben vom Kraken nicht störten oder zu sehr an diese schweren Tage damals erinnerten.
„Captain…“ Sie hakte ihre Fingerspitzen in seiner Schärpe ein und zog ihn an sich heran. „Ihr habt zuviel an...“ Als er keine Anstalten machte, sie aufzuhalten, begann sie ihn auszuziehen, ebenso langsam wie sich. Für einen Moment blieb ihr Blick auf den Narben und zugewachsenen Wunden hängen, die sie bisher nie auf diese Weise wahrgenommen hatte. Die Einschusslöcher… Und das Narbennetz, das der Kraken hinterlassen hatte… Sie waren beide von der Vergangenheit gezeichnet. Das durfte nicht zählen.
Um ihm das zu zeigen, legte sie ihre Hände auf seine Brust und schmiegte sich an seine Schulter, genoss für einen Moment das Gefühl seiner warmen Haut an ihrer, so ganz anders als im Wasser… Ihre Lippen fanden den Weg zu seinem Hals, zu seinem Ohr, wo sie sanft zu knabbern begann, wie sie das so oft bei Will und Leilani gesehen hatte, während ihre Hände sich an seiner Hose zu schaffen machten. Es dauerte nicht lange, bis sie alles um sich herum vergessen hatte.





Jacks streichelnde Bewegung an ihrem Hals weckte sie Sekunden später, als er sich aus ihr zurückgezogen hatte, die Decke über sie beide gebreitet hatte, mit besorgtem Blick. „Es geht schon. Es war so wundervoll…“

Er legte sich so hin, dass sie bequem mit dem Kopf auf seiner Brust schlafen konnte. „Ich will dich nie wieder loslassen, Nautica.“ Er murmelte es nur, selbst schon beim Einschlafen, aber sie hörte es.

Und lächelte. Für immer war vielleicht doch möglich…
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